Das Wort zum Tag

Tageslosung vom 29.03.2012 (2. Chr 18, 4)

Frage doch zuerst nach dem Wort des HERRN!

So sagte der König Joschafat von Juda zum König Ahab von Israel, als sich beide über einen Kriegszug nach Gilead unterhielten. Wir befinden uns in der Mitte des 9. Jahrhunderts vor Christus, die Assyrer sind noch nicht so stark wie zur Zeit des Jesaja, um den es gestern ging. Das Nordreich Israel besteht noch und ist stark. Hauptgegner sind noch nicht die Assyrer, sondern die Aramäer von Damaskus, deren Reich in Norden von Israel liegt.

Gegen eben jede Aramäer will Ahab von Israel einen Kiregszug unternehmen und fragt seinen „Kollegen“ aus dem Südreich Juda, ob er sich nicht beteiligen will. Dieser ist prinzipiell nicht abgeneigt:

Ich bin wie du und mein Volk wie dein Volk; wir wollen mit dir in den Kampf.

Er möchte dann aber doch vorher noch einen Propheten Gottes dazu hören. Diese Bitte ist unser Losungstext. Ahab tut Joschafat den Gefallen und läßt eine ganze Menge Propheten holen, die allesamt dem König nach dem Mund redeten und dem Kriegszug gutes Gelingen bestätigten.

Joschafat war aber nciht zufrieden und verlangte dezidiert nach einem Propheten des HERRN, worashin die Rede auf Micha Ben Jimla kommt, der sich bei Ahab nicht gerade großer Beliebtheit erfreut:

Es ist noch „ein“ Mann hier, durch den man den HERRN befragen kann; aber ich bin ihm gram, denn er weissagt über mich nichts Gutes, sondern immer nur Böses, nämlich Micha, der Sohn Jimlas.

Joschafat bittet nun, diesen Micha holen zu lassen und der Bote, der ihn holt, teilt ihm ach schon einmal mit, was seine Prophetenkollegen gesagt haben und daß er sich doch bitte deren Urteil anschließen soll. Micha aber betont, daß er nur sagen wird, was Gott ihm zu sagen gibt. Ahab kriegt von ihm die Auskunft:

Ja, zieht hinauf! Es wird euch gelingen, sie werden in eure Hände gegeben werden.

Eigentlich könnte Ahab zufrieden sein. Micha stimmt dem Unternehmen zu, alles in Butter. Doch Ahab traut Micha nicht. Zu Recht, wie wir merken, denn auf Nachfrage prophezeit Micha den Tod Ahabs. Doch damit nicht genug, er sagt außerdem Gott würde Ahab nach Gilead locken wollen, damit er dort umkomme, und hätte deshalb einen Lügengeist zu den anderen Propheten geschickt. Einer der Beschuldigten ließ das nicht auf sich sitzen:

Da trat herzu Zidkija, der Sohn Kenaanas, und schlug Micha auf die Backe und sprach: Auf welchem Wege sollte der Geist des HERRN von mir gewichen sein, um nun durch dich zu reden?

Und auch Ahab hatte die Nase voll und lies Micha ins Gefängnis werfen. Darafhin wandte er sich gen Gilead. Dort wollte er für sein Überleben sorgen, indem er sich nicht als König, sondern als normaler Soldat verkleidet. Es half nichts, Ahab kam in der Schlacht um, während Joschafat in Frieden nach Jerusalem zurückkehrt (womöglich wurde die Schlacht sogar noch gewonnen, Micha hätte dann beim ersten Mal nicht einmal gelogen).

Bleibt die Frage: Wieso macht Gott es für Ahab so schwer? Wieso läßt Gott nicht alle Propheten einmütig gegen den Feldzug sprechen? Er scheint es ja geradezu darauf anzulegen, daß Ahab in der Schlacht umkommt. Wieso tut Gott das?

Ahab ist kein unbeschriebenes Blatt. Er hatte in seinem Leben auch schon mit anderen Propheten zu tun, etwa mit Elia. Der hatte ihm schon den Tod angekündigt, denn er hatte sich Nabots Weinberg beschafft. Eigentlich war es seine Frau Isebel, die für die Beschaffung des Weinbergs verantwortlich war, denn sie lies Nabot ermorden.

Jedenfalls hatte Ahab allen Grund, vorsichtig zu sein, und nicht aus Größenwahn einen Krieg vom Zaun zu brechen. Joschafats Worte kamen zur rechten Zeit. Dem Prophetenspruch Michas keine Bedeutung beigemessn zu haben und lieber auf diejenigen gehört zu haben, die ihm nach dem Mund redeten, führte zu seinem Verderben.

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom 28.03.2012 (Jes 30, 21)

Wenn ihr zur Rechten oder zur Linken abweichen wollt, werden deine Ohren den Ruf hinter dir vernehmen: »Dies ist der Weg, den gehet!«

Das Königreich Juda im ausgehenden 8. Jhd. v. Chr. Vom Großreichs Davids, falls es das je gegeben hat, ist nicht mehr viel übrig. Das Nachbarreich Israel wurde 722 von den Assyrern endgültig erobert, und um Juda und seine Hauptstadt Jerusalem steht es ebenfalls nicht gut: Während die Assyrer grob das Gebiet des heutigen Iraks, Syriens, des Libanons und Teile Israels und Jordaniens beherrschen, besteht das Königreich Juda aus nicht viel mehr als der Umgebung Jersalems. Die Lage ist aussichtslos.

Will man den Assyrern etwas entgegensetzen, so braucht man Verbündete. Doch alle, die in Frage kämen, wurden von Assyrien schon unterworfen. Alle – außer Ägypten.

Ägypten ist eine Großmacht. Ähnlich wie die wechselnden Reiche des Zeistromlandes sind sie eine Größe, die man in Nahost einkalkulieren muß. Selbst heute noch. Und auch heute noch kennen wir den Reflex, bei (militärischer) Bedrohung nach der Hilfe von ausländischem Militär zu rufen. So riefen die Libyer nach der NATO und der Scheich von Bahrain nach den Saudis.

Für die Realpolitiker in Jerusalem steht eines fest. Wenn irgendwie Hilfe gegen Assyrien möglich ist, dann liegt die in Ägypten. Nur Ägypten wäre in der Lage, eine Militärmacht aufzustellen, die den Assyrern die Stirn bieten könnte. Freilich hätte man dann das Problem mit einem starken Ägypten, so wie jetzt mit einem starken Assyrien, doch man könnte sich vielleicht durch eine Schaukelpolitik einen Freiraum schaffen, so daß die Einschränkungen nicht zu groß würden.

Doch Gott ist kein Realo, Er ist eher Fundi:

Weh den abtrünnigen Söhnen, spricht der HERR, die ohne mich Pläne fassen und ohne meinen Geist Bündnisse eingehen, um eine Sünde auf die andere zu häufen, die hinabziehen nach Ägypten und befragen meinen Mund nicht, um sich zu stärken mit der Macht des Pharao und sich zu bergen im Schatten Ägyptens!

So lauten die ersten Verse des 30. Kapitels bei Jesaja. Im Gegensatz zu den Realpolitikern wird die Lage bei Jasaja anders gedeutet. Sicher, die Assyrer bedrängen Jerusalem. Aber das ist nicht so, weil Jerusalem zu wenige Verbündete und selbst zu wenig Militär hätte. Das Auftreten der Assyrer ist eine Strafe Gottes. Ursache ist der Verhalten der Judäer:

So geh nun hin und schreib es vor ihnen nieder auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch, dass es bleibe für immer und ewig.

Denn sie sind ein ungehorsames Volk und verlogene Söhne, die nicht hören wollen die Weisung des HERRN, sondern sagen zu den Sehern: »Ihr sollt nicht sehen!«, und zu den Schauern: »Was wahr ist, sollt ihr uns nicht schauen! Redet zu uns, was angenehm ist; schaut, was das Herz begehrt! Weicht ab vom Wege, geht aus der rechten Bahn! Lasst uns doch in Ruhe mit dem Heiligen Israels!«

Die Judäer scheren sich nicht mehr groß um Gott, den „Heiligen Israels“. Die Propheten nerven sie. Sie wollen nicht hören, was diese zu sagen haben, lieber wollen sie hören, was ihnen angenehm ist. Das ist das Problem, nicht die Stärke der Assyrer, die ist nur Folge. Das Nordreich Israel war zu Grunde gegangen, dort hatte man auf Propheten wie Amos nicht gehört, die die sozialen Ungerechtigkeiten anprangerten.

So nun auch in Juda und Jerusalem. Die Mächtigen dünken sich weise und suchen vor allem, ihre Macht zu erhalten. Deshalb wenden sie sich nach Ägypten. Und zwar ohne den Gott zu befragen, der durch seine Propheten schon seit längerem ansagen läßt, was schief läuft. Allerdings sind diese Ansagen der Propheten unangenehm. Es müßte sich so viel ändern, daß man doch lieber sieht, ob man nicht mit dem alten System, es selbst zu versuchen, weiterkommt. Also wendet man sich nach Ägypten. Und häuft damit eine weitere Sünde auf. Nachdem man die Prophetenworte verworfen hat, wendet man sich an eine ausländische Macht, statt an den eigenen Gott.

Und was läßt der nun Seinen Propheten sagen?

Er wird dir gnädig sein, wenn du rufst. Er wird dir antworten, sobald er’s hört.

Die Realpolitiker müssen nur umkehren, sich nur Gott zuwenden, dann wird Er sie retten. Und dann kommt der Losungstext:

Deine Ohren werden hinter dir das Wort hören: »Dies ist der Weg; den geht! Sonst weder zur Rechten noch zur Linken!«

Und ihr werdet entweihen eure übersilberten Götzen und die goldenen Hüllen eurer Bilder und werdet sie wegwerfen wie Unrat und zu ihnen sagen: Hinaus! Und er wird deinem Samen, den du auf den Acker gesät hast, Regen geben und dir Brot geben vom Ertrag des Ackers in voller Genüge. Und dein Vieh wird zu der Zeit weiden auf weiter Aue. Die Rinder und Esel, die auf dem Felde ackern, werden gesalzenes gemengtes Futter fressen, das geworfelt ist mit Schaufel und Wurfgabel.

Es ist eine Heilszusage. Wenn Juda sich Gott wieder zuwendet, wird Er es retten. Er wird wieder den Weg vorgeben, und niemand wird von der rechten Bahn abweichen.

Es kam auch wirklich so weit, daß die Assyrer Jerusalem belagert haben. Eingenommen haben sie es nicht. In Kapitel 37 des Jesajabuches lesen wir, wie König Hiskia von Juda sich an Gott wendet, der daraufhin seinen Engel schickt, und das Heer des assyrischen Großkönigs Sanherib schlägt.

Zur Belagerung von Jerusalem sind übrigens auch Darstellungen der Assyrer erhalten, die zwar behaupten, Hiskia geschlagen zu haben (kein einziger Herrscher im Nahen Osten hat nach seinen Angaben je einen Krieg verloren, das ist wie bei den Wahlanalysen der Parteien), aber es fehlen die üblichen Beschreibungen der Zerstörng und Ermordung des Königshauses.

Im letzten Jahr hat das ZDF, wie ich gerade sehe, eine Terra X Sendung zum Thema ausgestrahlt, die immer noch abrufbar ist.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 23.03.2012 (2. Chr 14, 10)

Da Bonifatz auf dem Weg in den wohlverdienten Urlaub (nennt man das so? Darf ich sagen, wo Du hinfährst?), versuch ich mich mal ein wenig beim Wort zum Tag. Ich hoffe, ich kann der Aufgabe gerecht werden.

Der heutige Losungstext steht in 2. Chr 14, 10:

HERR, es ist dir nicht schwer, dem Schwachen gegen den Starken zu helfen.

„Steht in“ ist wörtlich zu verstehen. Der Vers ist eigentlich länger. Doch möchte ich auch den Lehrtext mitbenutzen, den die Herrnhuter den Losungen hinzfügen. Dieser steht heute in Philipper 4, 19:

Gott, dem ich diene, wird euch alles geben, was ihr braucht, so gewiss er euch durch Jesus Christus am Reichtum seiner Herrlichkeit teilhaben lässt.

Ja, das ist kein Luthertext, das ist Gute Nachricht. Irgendwie versteh ich nicht ganz, wieso  die den zweiten Halbsatz so übersetzen. Macht nix, hier noch einmal den Luthertext:

Mein Gott aber wird all eurem Mangel abhelfen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus.

Traditionell gesehen

Traditionell ist es ja so, daß der Lehrtext die Losung auslegen soll. Während der Losungstext tatsächlich gelost wird, ist der Lehrtext dazu eine bewußte Auslegung. Und wenn man den AT Satz alleine hat, braucht man die vielleicht auch. So viel gibt der alleine nicht her. Gut, wir wissen daraus, daß Gott dem Schwachen gegen den Starken helfen kann, daß es Ihm nicht schwer fällt.

Aber sonst? Sonst gar nix. Kein Wort dazu, ob Gott das überhaupt vorhat, oder ob Er vielleicht das Gegenteil verfolgt, ob es Gott egal ist und erst motiviert werden soll, z dem Schwachen zu stehen.

Durch den Lehrtext erfahren wir: Gott wird uns geben, was wir brachen. Er wird unserem Mangel abhelfen.

Den Blick weiten

Ich bin ja immer etwas skeptisch, wenn Verse so as dem Zusammenhang gerissen werden. Wie ist das nochmal beim Kontext vom Losungsvers?

Es geht um den König Asa von Juda. Er gehört zu denjenigen, die gelobt werden, weil sie die Verehrung anderer Götter unterbinden. Zumindest am Anfang seiner Regierungszeit (das blieb nicht immer so, aber darm geht es heute nicht) gehört er klar zu den gottgefälligen Königen Judas. Er lebt ruhig im Lande, es gibt keinen Krieg, und er nutzt die Zeit, um die Verteidigungsanlagen auszubauen.

Dann bricht Krieg aus. Die Kuschiter unter Serach fallen ins Land ein. Es ist die Rede von einer Million Soldaten und dreihundert Streitwagen. Dem gegenüber sehen die 580.000 Mann Asas recht mickrig aus.

Sicher sind diese Zahlen übertrieben (welche moderne Armee hat schon 1 Mio Soldaten? Nicht viele!), aber klar wird: Da kommen jede Menge Feinde und man hat nr etwa die Hälfte an Männern entgegenzusetzen. Eigentlich eine ausweglose Situation. Was tut Asa? Er zieht dem feindlichen Heer entgegen, ruft Gott an, und dann kommt der Losngstext: Es ist Dir nicht schwer, dem Schwachen gegen den Starken zu helfen.

Es geht hier nicht um irgend eine theoretische Aussage über Gottes Möglichkeiten. Es handelt sich um die Einleitung zu einem Hilferuf an Gott in der Bedrängung. Denn der Vers geht weiter:

Hilf uns, HERR, unser Gott; denn wir verlassen uns auf dich, und in deinem Namen sind wir gekommen gegen diese Menge. HERR, du bist unser Gott, gegen dich vermag kein Mensch etwas.

Darum geht es im Grunde: Du bist stark genug zu helfen, also hilf! Und was passiert? Die Kschiter werden vernichtend geschlagen. Keiner überlebt, die Judäer plündern und machen große Beute.

Das ist zwar jetzt nicht politisch korrekt, aber darum geht es gar nicht. Der Punkt ist: Asa wird bedroht, Asa vertraut auf Gott, das Unmögliche geschieht, die Gefahr wird in einen Segen verwandelt für Asa und die Judäer: Sie machen reichlich Beute.

Wie stand noch bei Philipper? „Mein Gott wird all Eurem Mangel abhelfen“.

Und was ist der Kontext dieses Textes? Paulus beschriebt, wie er von den Philippern finanziell unterstützt wurde. Er habe keinen Mangel gehabt, aber es sei gut gewesen, daß sie ihm etwas schickten, da er nun Überfluß habe. Und dann kommt der Lehrtext: Der Mangel, der durch die Gaben an Paulus entstanden wird durch Gott ausgeglichen werden.

So hängen beide Texte durchaus miteinander zusammen, denn beide thematisieren Gottes Hilfe für den, der Mangel leidet (ob finanziell oder an Soldaten), aber es gibt auch Unterschiede. Denn während Asas Sieg über die Kuschiter berichtet wird, also Gottes Hilfe konkret beschrieben wird, spricht Paulus nur davon, daß das Ausgleichen des Mengels geschehen wird. Berichtet wird es uns hier nicht.

Insofern ist der Lehrtext zwar ein Hinweis für das Verständnis, das Lesen der ganzen Geschichte von Asa dient dem Verständnis aber mehr.

Es ist also durchaus sinnvoll, wenn Bonifatz die Lehrtexte wegläßt, und lediglich die Losungstexte behandelt.