Allgemein

Josef der Träumer

Wie ich ja schon schrieb, war eine Tagung, die ich letztens besucht habe, teilweise etwas ermüdend. Hier ist ein weiterer Text, den ich während eines Vortrages geschrieben habe.

Die Kindheit Jesu wäre laut Matthäusevangelium anders verlaufen, wenn Josef nicht geträumt hätte. Josef wird in einem Traum darüber informiert, dass Maria vom Heiligen Geist schwanger ist und aufgefordert, sie zur Frau zu nehmen. Ohne diesen Traum hätte Josef sich von Maria getrennt. Heimlich zwar, und ohne sie in Schande bringen zu wollen, doch Maria wäre vielleicht dennoch zu einer alleinerziehenden Mutter geworden, oder zumindest zu einer Mutter, die mehr als andere auf die Hilfe der Verwandschaft angewiesen gewesen wäre. Das wäre sicher kein leichter Start ins Leben geworden. Josef wird im Traum zur Flucht nach Ägypten aufgefordert. Der erzwungene Gang nach Ägypten rettet und hält die Verheißung am Leben. Schließlich kehrt Josef wiederum nach einem Traum aus Ägypten zurück.

Ein Josef, der träumt und durch dessen Träume die Verheißung Gottes am Laufen gehalten wird – schon im Buch Genesis begegnet dieses Motiv. Auch dort träumt ein Josef – und es sind seine Träume, die ihn erst nach Ägypten und später an den Hof des Pharaos führen. Er erhält nicht nur das ägyptische Volk, sondern auch das Volk Gottes am Leben, sodass die Verheißung Gottes weiter geht. Ich glaube, dass die Leser des Matthäusevangeliums die Geschichte des träumenden Josefs aus Genesis sehr genau vor Augen und Ohren gehabt haben. Mit der Ausgestaltung der Geburts- und Kindheitsgeschichte Jesu und den Träumen Josefs verbindet Matthäus einmal mehr das Evangelium Jesu Christi schon zu Beginn deutlich mit dem TaNaCh.

Glaube

Gedanken zu Matthäus 1, 19

Ich hatte letztens während eines für mich weniger interessanten Vortrages ein bisschen Zeit zu schreiben und habe mich kurz mit Matthäus 1, 19 beschäftigt: „Josef aber, ihr Mann, war gerecht und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie heimlich zu verlassen“. Zu diesem Zeitpunkt weiß Josef noch nicht, dass Maria vom Heiligen Geist schwanger ist, er muss von Ehebruch ausgehen. Doch er will sie nicht in Schande bringen. Er wendet nicht die ganze Härte des Gesetzes an, sondern will einen Weg suchen, die Ehe ohne viel Aufsehen aufzulösen. Freiheit für beide. Freiheit für die Frau, die ihn, wie er glauben muss, betrogen hat. Freiheit statt ganze Härte des Gesetzes. Er stellt seinen Wunsch, Maria nicht in Schande zu bringen, über die kompromisslose Einhaltung des Ge-setzes, anders gesagt: er handelt barmherzig. Dieses barmherzige Handeln stellt Matthäus in Zusammenhang mit Gerechtigkeit bzw. gerecht sein. Die Verbindung von Barmherzigkeit und Gerechtigkeit ist ein gängiges Motiv bei Matthäus. So ist Mt. 1, 19 ein zarter Anklang dessen, was später breit ausgeführt wird, ein leises, vorgezogenes Lob der Barmherzigkeit.

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Adventskalenderentschädigung…

Falls ihr in den letzten Tagen den Adventskalender vermisst haben solltet: Examensvorbereitung hat sich kontraproduktiv darauf ausgewirkt…. Als kleine „Entschädigung“ gibt’s eine kurze Geschichte von mir, ich hoffe, sie gefällt euch:

Meine Hand liegt auf der Decke neben mir. Immer wieder streiche ich darüber. Hier sollte sie bald liegen. Doch eine gemeinsame Zukunft gibt es nicht mehr. Sie hat mich betrogen. Sie bekommt das Kind eines anderen. Habe ich mich so getäuscht? Ich dachte, sie freut sich ebenso auf die Hochzeit wie ich. Und doch erwartet sie das Kind eines anderen.
Leise wie ein Windhauch betrete ich das Zimmer. Er liegt auf seiner Decke, streicht immer wieder mit seiner Hand über die Decke neben sich. Seine Augen sind gerötet vom Weinen, er blickt starr in den dunklen Raum. Ich trete einen Schritt näher, da richtet er sich auf.
Vielleicht gibt es ja doch eine gemeinsame Zukunft? Was ist, wenn ich ihr vergebe und sie trotz des Kindes zur Frau nehme? Gewiss, es ist das Kind eines anderen – doch kann, ja, will ich mir ein Leben ohne sie vorstellen? Aber wie soll ich ihr der Mann und dem Kind der Vater sein, den sie brauchen? Was, wenn ich mit der Zeit bitter werde, weil ich immer dieses Kind als Beweis ihrer Untreue vor mir sehe? Und – wer weiß, ob sie mit mir leben will. Vielleicht, nein, bestimmt zieht es sie zum Vater ihres Kindes. Sie sah in der letzten Zeit nie so aus, als hätte man ihr Gewalt angetan oder sie irgendwie bedroht. Das mit dem Kind scheint also freiwillig passiert zu sein. Was ist, wenn sie mit ihrem Kind zum Vater des Kindes will?
Ich stehe jetzt dicht neben ihm. Er hat die Arme um seine Knie geschlungen und den Kopf darauf gebettet. Es ist still im Raum, nur sein Atmen und gelegentliches Seufzen ist zu hören. Plötzlich wirft er die Decke neben sich kraftvoll durch den Raum, sie klatscht dumpf an die Wand.
Nein, eine gemeinsame Zukunft kann es nicht geben. Unmöglich. Doch was nun? Anklage wegen Ehebruch? Dann wäre sie gebrandmarkt. Möglich, dass man von der Steinigung absieht, doch glücklich kann sie dann kaum noch werden. Ja, sie hat die Ehe gebrochen – aber ich will dennoch nicht, dass sie beschämt wird vor aller Augen. Ich werde mich in aller Stille von ihr trennen. Ein weniger dramatischer Grund als Ehebruch wird sich finden lassen. So bleibt es mir erspart, jeden Tag das Kind des anderen zu sehen und sie kann ihn vielleicht sogar heiraten. Viel lieber hätte ich ihr vergeben und sie trotz allem geheiratet – doch wie soll eine Ehe enden, an deren Anfang schon ein Ehebruch steht? Es tut mir in der Seele weh, aber es geht nicht anders.
Er streckt sich wieder auf seiner Decke aus. Unruhig wälzt er sich auf seiner Decke hin und her, denkt noch immer über diese Ehe nach, die zerbrochen ist, noch bevor sie richtig begonnen hat. Schließlich fällt er in einen unruhigen Schlaf. Ich trete an seine Decke, es ist Zeit für meine Botschaft: „Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen, denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären, ihm sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllt, was der Herr durch seinen Propheten gesagt hat: ‚Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns‘“. Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn befohlen hatte und nahm seine Frau zu sich.

Ich wünsche euch allen gesegnete Weihnachten!