Das Wort zum Tag

Dienstag, den 15. September 2015

Abram zog aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte.

1. Mose, 12,4

Abram zog aus, um in ein fernes Land zu ziehen, wo seine Nachkommen leben sollten, ein Land, das ihm zum Erbe gegeben werden sollte. Und wir wissen, wie die Geschchte weiterging: Es kam so: Abram wurde Vater großer Völker dem Fleische nach, und von noch mehr Menschen dem Geiste nach.

Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.

Hebr 11,8

Er wußte nicht, was gescheen würde, er ging einfach drauf los, alles was er hatte, war sein Glaube, war die Hoffnung, daß Gott ihn nicht hängen läßt.

Abram war nicht arm. Wir erfahren zum Beispiel, daß er Knechte hatte, daß er Herden hatte, die er von Lots seines Neffen Herden trennte. Er war ein reicher Mann aus dem heutigen Irak, der über das heutige Syrien in das heutige Israel zog und zeitweise bis nach Ägypten und Libanon kam.

Auch heute sind viele Menschen auf dem Weg. Viele stammen aus der Gegend, aus der auch Arbam stammte: Irak und Syrien. Manche kommen auch aus ganz anderen Gegenden. Und vielen wird zum Vorwurf gemacht, daß sie gar nicht arm seien, weil sie sich Zugtickets, Schlepper und Handys leisten können. Aber sie alle haben wie Abram keine Sicherheit, dort anzukommen, wo sie hinwollen. Sie haben nur ihre Hoffnung, ihr Vertrauen, vielleicht auf Gott, daß alles irgendwie gutgehen wird. Daß sie nicht umkommen auf dem Weg übers Meer oder in den Fahrzeugen der Schlepper.

Abram und seine Nachfahren nahmen schließlich das Land ein, die Urbevölkerung wurde nach dem Bericht der Bibel vertrieben oder ermordet, nachdem die Familie bzw. das spätere Volk Israel eine weitere Migrationsbewegung nach Ägypten und von dort zurück vollzogen hatte. Viele Menschen hierzulande haben Angst, daß uns das gleiche Schicksal bevorsteht, wie auch der Urbevölkerung Kanaans, daß wir oder zumindest unsere Kultur umkommen werden.

Doch eins sollte man dabei bedenken: Nach dem Bericht der Bibel fanden die Kanaanäer ihr Ende, weil sie gottlos waren. Heute würde man vielleicht unmenschlich sagen.

In Am 9,7 wird klar, Gott gab auch anderen Völkern neue Länder:

Seid ihr Israeliten mir nicht gleichwie die Mohren?, spricht der HERR. Habe ich nicht Israel aus Ägyptenland geführt und die Philister aus Kaftor und die Aramäer aus Kir?

Er bevorzugt die Israeliten auch nicht sonderlich, auch anderen hat Er in der Hinsicht geholfen. Und ich glaube, Er bevorzugt auch uns nicht. Wenn wir es als Gesellschaft nicht schaffen, die Nächstenliebe zu leben, die Er uns aufgetregen hat, wieso sollte unsere Gesellschaft, unsere Kultur dann überleben? Welche Daseinsberechtigung hat ein unbarmherziges Volk?

Menschen sind unterwegs zu uns, und wir müssen damit umgehen. Wenn Gott sie schickt, werden wir sie nicht stoppen können, wenn sie sich nur auf ihre menschlichen Kräfte verlassen, droht uns keine Gefahr.

„Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht“ übersetzt Luther in Jes 7,9, wo das Ende des Nordreiches prophezeit wird, weil sie sich abwenden und in den Krieg gegen das Südreich ziehen. Sie glaubten nicht und sie blieben nicht, sondern wurden von Assyrien erobert und ins Exil geführt.

Also laßt uns im Glauben bleiben, indem wir Nächstenliebe praktizieren, gerade auch gegenüber den Fremden, die bei uns Schutz suchen.

Denen fällt übrigens durchaus auf, daß die Deutschen helfen wollen, während die richen Araber am Golf ihnen die Tür vor der Nase zuschlagen. „Überwindet das Böse mit Gutem“, sagte Christus, und das ist es, was passiert. Wenn jemand, der sonst Allahu akbar ruft merkt, daß er bei seinen Glaubensbrüdern nur Verfolgung (ISIS) oder Ablehnung (Golfstaaten) zu erwarten hat, während die verhaßten Christen ihm mit Liebe begegnen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, daß er irgendwann „Halleluja“ singt.

Aber ob er nun konvertiert oder nicht, unser Auftrag bleibt der gleiche: Nächstenliebe, ohne Hintergedanken, ohne ungefragte Missionsversuche!

Netzfunde

Netzfunde vom Montag, den 5. August 2013

Manchmal, wenn Klausuren anstehen, putzt man ja schonmal gern die Bude, um ja nicht lernen zu müssen. Ist ja auch wichtig. Ich schreib Netzfunde, ist zwar nicht wichtig, aber auch ne Ablenkung (insofern mach ich mir wenigstens nichts vor).

Anfangen möchte ich heute mit etwas sehr Erfreulichem.

Und dann hätte ich noch drei recht amüsante Texte.

Aber eigentlich wollte ich heute auf die Plattform für zivile Konfliktbearbeitung hinweisen. Ich hab schon seit längerem ihren Newsletter abonniert und überflieg das immer mal wieder. Heute fiel mir ne Meldung ins Auge, daß es ne eigene Webseite für Friedensbildung in der Schule gibt. Und fielen mir noch zwei Veranstaltungen ins Auge, die dort bekannt gegeben werden, und nen Praktikanten suchen sie (unter anderem) auch.

glaube

Testimonium

So kann es gehen, da kommen mehrere Blogartikel und dergleichen zusammen, kommen irgendwie in Zusammenhang, und ergeben dann nach und nach nen ganz anderen Sinn. Das heitß die Artikel ergeben keinen anderen Sinn, aber as ihnen ergibt sich einem ein anderer Sinn.

Wolfram schrieb zu meinem Artikel „Der Ertrag der Erlösung“ einen Kommentar und verlinkte eine seiner Predigten. Die habe ich dann gelesen und mich zerst gefragt, was die Predigt mit meinem Artikel zu tun hat, bis mir aufging, daß das Thema eigentlich schon das gleiche ist, daß ich aber auf die subjektive Seite kommen wollte (hab ich in dem Artikel nicht geschafft), also beschreiben wollte, was sich subjektiv, persönlich beim Menschen ändert, der gerade Erlösung, also Gnade Gottes erfährt, während Wolfram das aus objektiver Warte beschrieben hat in seiner Predigt.

Mir ging dabei etwas auf: Und zwar in Bezug auf mein „Erweckungserlebnis“, wenn man so will. Ich mag den Begriff eigentlich nicht, weil damit immer ein Wust von anderen Begriffen und Vorstellungen einhergeht, die auf mich einfach nicht zutreffen. So hab ich zum Beispiel kein „Datum“. Weder weiß ich den Tag, an dem das passierte, noch hat sich mein Leben so grundlegend geändert, daß ich meinetwegen vorher in Alkohol und Drogen verwickelt war und nachher dann ganz tolle Sachen gemacht hätte, wie das in „erwecklichen“ Zeugnissen ja oft erzählt wird. Auf dem Kirchentag in Berlin 2003 wurde mir dann auch von einem „bibeltreuen“ Christen (der Katholiken nicht als Christen ansah – da hab ich schon gestutzt) erklärt, daß das bei mir dann ja nicht wirklich was gewesen sein kann, wenn ich mein Leben nicht grundlegend verändert habe. Spätestens seit dem Gespräch bin ich ach „bibeltreuen“ Christen gegenüber etwas skeptischer. Schubladendenken mag wohl keiner, wenn es auf ihn selbst angewendet wird.

Das mit dem „Erweckungserlebnis“ kam so: Ich hatte damals Bibel gelesen, von Anfang bis Ende. Okay, ich hab geschmmelt, ich hab mit dem NT angefangen und das AT danach gelesen. Das ganze kam daher, daß ich eigentlich den Koran lesen wollte, weil nach dem 11. September 2001 jeder etwas anderes schrieb über den Islam und ich mir ein eigenes Bild machen wollte. Ich dachte mir aber, daß es nfair wäre, den Koran zu lesen und zu beurteilen, ohne unser eigenes Heiliges Buch gelesen zu haben. Ich war Anfang 2001 in Israel im Kibbutz und habe dabei mitgekriegt, daß viele Dinge, die in der Bibel stehen, bei ns gar nicht so bekannt sind. Ein Beispiel: Purim. Mir war bewußt daß es in der Bibel auch blutrünstige Stellen gibt, daher wollte ich die erst einmal alle kennen, bevor ich über die blutrünstigen Stellen im Koran urteile. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hab angefangen, die Bibel zu lesen.

Und irgendwann kam ich dann zur Kreuzigung. Ich weiß aber nicht mehr, bei welchem Evangelium mir die Gedanken kamen, wird auch egal sein. Ich muß aber noch einmal in eine andere Richtung ausholen:

Schon mein Leben lang begriff ich mich immer als Christ, und ich bin auch keiner derjenien, die das jetzt rückblickend relativieren würden und meinen, man ist erst ab so nem „Erweckngserlebnis“ wirklich Gläubiger. Wie dem auch sei war meine Ansicht des christlichen Lebens sehr moralisch geprägt. Man soll eben Gutes tun. Aber eigentlich, so dachte ich, war ich ja kein schlechter Mensch, hab keinen umgebracht oder sonstwas. Also war alles in Butter. Life of Brian brachte mich dann auch irgendwann zu dem Gedanken: Selbst wenn Jesus als Messias wirklich nur so ein Mißverständnis war, dann sind doch Nächsten- und Feindesliebe gar keine so schlechten Gebote, dann ist es trotzdem sinnvoll nd gt, sich daran zu halten, auch wenn es keinen Gott gäbe.

Doch dann war dieser Moment. Ich las von der Kreuzigung und es fiel mir wie Schuppen aus dem Haaren (oder so ähnlich): Die Dimension des Bösen wurde mir bewußt. Ich fragte mich immer, wozu Jesus denn eigentlich hat sterben müssen. Ich hörte immer für unsere Schuld und so, konnte damit aber nichts anfangen (was teilweise sicher auch damit zu tun hat, daß die doch sehr populäre Satisfationstheorie nach Anselm wirklich nicht ganz nachvollziehbar ist, wenigstens für mich heute noch, aber das ist ein anderes Thema). Wir waren doch eigentlich alle gar nicht so schlecht. Und die bösen Menschen, die kommen ja eh in die Hölle. Was mir dann aber bewußt wurde, waren zwei Dinge: Jeder hat ja auch so seine Macken. Und wenn man Gutes und Schlechtes im Menschen zsammen nimmt und gegeneinander hält, dann können die guten Taten die schlechten nicht wirklich überbieten. Zweitens: Selbst wenn das möglich wäre, wäre jedes Böse, das man getan hat, ja in der Welt. Man kann es nicht zurücknehmen, es ist da und wirkt, und ach wenn man versucht, es mit Gutem wieder gut zu machen, so ist doch der Anfangsschmerz bei den Opfern da gewesen, und hat neuen Schmerz irgendwo anders verursacht. Inzwischen (ich weiß nicht ob ich das damals schon dachte oder es sich später entwickelte) bin ich soweit, daß ich denke, daß all das Gute sowieso nicht ins Gewicht fällt, weil wir es irgendwo auch schuldig sind, zu tun. Ich kann jedenfalls nirgends erkennen, daß ns gestattet wäre, Übles zu tun, ob jetzt as der Religion heraus oder aus rein säkularen Überlegungen heraus. Gutes zu tun wird überall als Pflicht angesehen, insofern fällt auch etwaiges Wiedergutmachen nicht ins Gewicht, weil das kann ja keine Zusatzleistung sein, wenn Gutes schon sowieso gefordert ist.

Wenn das aber alles so ist, dann gibt es tatsächlich ein Problem mit dem Bösen, und es ist kein Problem mit bösen Menschen, sondern mit jedem Menschen inklusive mir. Um dieses Problem zu lösen – wie genau ist erst mal irrelevant – ging Jesus ans Kreuz. Plötzlich ergab das Sinn. Und aus dieser Erkenntnis, und daß es eben auch mit mir persönlich zu tun hat, kam dann diese Dankbarkeit auf, die objektiv wohl nur festgestellt, aber nicht erklärt werden kann, subjektiv aber durchaus verständlich ist.

Ich habe mir später oft Gedanken darüber gemacht, versucht, mir noch einmal vor Augen zu führen, was da damals in mir geschehen ist, und ich konnte mich an das Problem mit dem Bösen erinnern, das mir klar wrde, und daß das irgend etwas in mir auslöste, was dann zu einer großen Freude wurde.

Da ich das Ganze objektiv betrachtete, also nach Gründen suchte, warum das jetzt so sein mußte, kam ich wohl nie weiter. Denn man kann sich auch all dessen bewußt sein, ohne Jesus gleich dankbar zu sein. Die Dankbarkeit muß nicht zwangsläufig aus der Erkenntnis folgen, man kann auch, wie Eric Djebe es mal ausdrückte, einfach als Lottogewinn betrachten und fertig.

Das ist aber jedenfalls nicht immer der Fall, und ich will hier auch nicht über das Verhältnis Lotto zu Dankbarkeit spekulieren. Vielleicht ist es ja doch immer so und nur einfach nicht im logischen Sinn zwingend.

Mir kommt es erst einmal darauf an, wie es in meinem Fall war oder mutmaßlich war, denn wir alle machen uns ja ein Bild von der Vergangenheit, das mit den Tatsachen nicht unbedingt übereinstimmen muß.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde vom Freitag, 21. Dezember 2012

Also mit dem Weltuntergang wurde scheint’s mal wieder nix (die durchaus einleuchtende Erklärung habe ich bei Ameleo gefunden). Also habt Ihr sicherlich Zeit, Euch die heutigen Netzfunde anzusehen, vielleicht ist ja auch für Euch etwas Interessantes dabei.

Erinnert Ihr Euch noch an Terry Jones? Genau, das war der US-Pfarrer, der vor längerem mal nen Koran verbrennen wollte. Den gibt es wohl immer noch. Wie man ihm und seinen kruden Ansichten am Besten begegnet, schreibt Christian Piatt. Die Methode hilft nach dem Artikel auch gegen die Jünger von Fred „God hates fags“ Phelps und seinen Westboro Baptist Verein.

Ebenfalls von Piatt kommt ein Artikel über eine Äußerung von Richard Land. Dieser hatte wohl in einem Interview geäußert, daß das Nächstenliebegebot binhalte, seinen Nächsten im Zweifel mit Waffengewalt zu verteidigen (das Ganze steht inhaltlich wohl in Verbindung zum Amoklauf in Newtown). Nun kann ich Piatt durchaus verstehen, wenn er sagt, daß Gewalt prinzipiell falsch ist. Andererseits kann ich aber auch nicht leugnen, daß Land einen Punkt hat, wenn er sagt, daß man nicht einfach mit ansehen kann, wie sein Nächster ermordet wird und ich neige fast dahin, Land eher Recht zu geben als Piatt. Das Problem, so meine ich zu erkennen, kommt genau dann ins Spiel, wenn die Sache unreflektiert als Rechtfertigungshammer genutzt wird. So nach dem Motto: Ich habe nichts falsch gemacht, ich mußte den erschießen, aus Nächstenliebe zu meinen Nächsten. Als Bonhoeffer sich entschied, sich einer Verschwörung gegen Hitler anzuschließen, war ihm auch bewußt, daß er eigentlich Böses tut, daß jedoch die Alternative noch Übler gewesen wäre. Dieses Bewußtsein, selbst Böses zu tun, halte ich für wichtig, um ein Abrutschen in einen Mißbrauch des Nächstenliebegebots durch Gewalttäter auszuschließen. Freilich läßt sich das nicht von außen erkennen, inwieweit sich jemand schuldig fühlt. Der Mensch ist jedoch mündig und weiß es selbst gut genug, und Gott kann in die Herzen sehen.Mehr Leute müssen auch nicht wissen, was wirklich dahinter steht.

Was den Amoklauf an der Sandy Hook Grundschule angeht hat Julian DeShazier bei Sojourners nen guten Artikel geschrieben, in dem er argumentiert, daß wir so geworden sind wie die Freunde Hiobs: Wir suchen nach Erklärungen und verlieren die Opfer aus dem Blick. Vielleicht ist das ein weiterer Ansatz zum Umgang mit der Theodizeefrage. Wohl gemerkt: Umgang! Nicht deren Lösung. Aber was hülfe uns deren Lösung, wenn die Opfer weiterhin mit ihrer Not alleine sind?

Ebenfalls bei Sojourners hat Jim Wallis höchst selbst nen Artikel zur aktuellen Finanzpolitik vor allem der US-Republikaner geschrieben. Wer hierzuland immer noch der Meinung ist, daß christlicher Glaube allgemein und speziell in den USA mit Steuervergünstigungen für die Reichen und ausbleibender Fürsorge für die Bedürftigen zusammengeht, sei die Lektüre empfohlen. Es gibt auch die anderen.

Nochmal zurück zu Bonhoeffer: Zu dem hat Thomas Jakob was. Der scheint in jüngeren Jahren auch etwas Fundi-mäßiger draufgewesen zu sein, als man heute wahrhaben will. Ich muß mich endlich mal näher mit seiner Theologie auseinandersetzen…

Derek Flood hat schon länger eine Serie zu Nonviolence gestartet. Absolut lesenswert!

Bei Eric Djebe gibt es Kulturkritik unter dem Titel „Postchristentum“. Es scheint hier auch eine Serie zu werden.

Der Landpfarrer hat was schönes geschrieben zum Unterschied zwischen erwarten und abwarten.

Beim Israel Palästina Blog des ARD Studios Tel Aviv geht es um 15 Kilometer und wie diese die Sicherheitspolitik Israels bzw. eines möglichen zukünftigen Staates Palästina tangieren.

Muriel schrieb über Humor, Herzogin Kate und das, was auszuhalten ist.

Bei Ergo Sumus geht es um die Bekenntnisschulen, speziell um die in NRW, und deren Rechtfertigung. Offensichtlich ist es so, daß es in einige Städten NRWs für Nichtchristen, teilweise auch für Nichtkatholiken unmöglich ist eine Grundschule zu besuchen, in der sie nicht mit fremden Glaubensinhalten konfrontiert werden, und zwar gezwungener Maßen.

Das kann so nicht sein, wobei sich mir zwei Fragen stellen:

  1. Was sind die Argumente der Kirchenvertreter pro Bekenntnisschule?
  2. Falls die Kirchen besondere Rechte auf diese Schulen haben (was ich annehme, sonst gäbe es sie wohl nicht mehr), wäre es nicht bedenkenswert, mehr freie Grundschulen einzurichten, statt die Bekenntnisschulen umwidmen zu wollen?

Beim Thema Kirche und Staat kochen in letzter Zeit die Wogen immer besonders schnell hoch, und ich habe oftmals den Eindruck, als würden wichtige Punkte ausgeblendet, weil sie vielleicht gar nicht verstanden werden. Deshalb möchte ich verstehen. Meine ermutung ist, daß die Schulen ursprünglich samt deren finanzieller Grundlage vom Staat den Kirchen entzogen wurde, da der Staat die Aufgaben selbst wahrnehmen wollte. Woöglich wurde dabei festgeschrieben, daß die Bekenntnisbindung erhalten bleibt. Dann könnten die Kirchen durchaus bestimmte Rechte innehaben, und es kann nicht genügen, die Schulen den Kirchen zu übertragen (ohne gleichzeitig die angenommene Finanzierungsgrundlage zurückzugeben) oder die Schulen einfach in konfessionsfreie Schulen umwandeln. Vor diesem Hintergrund würden mich dann auch die Details der Umwandlung in anderen Bundesländern interessieren. Wie gesagt, beim ersten Lesen habe ich durchaus Verständnis für die Ansichten des Autors, aber bei derartigen Themen bin ich in letzter Zeit sehr vorsichtig geworden, es fehtl oft die Hälfte der Geschichte…

Bei Geiernotizen stieß ich zum ersten Mal drauf und hab es seitdem schon öfter gelesen. Die Qumran Schriften werden online verfügbar gemacht, und zwar in richtig guter Qualität. Das ist doch mal ein Weihnachtsgeschenk!

Und zu guter letzt noch ein Hinweis auf ein Forum, das ich eingerichtet hab. Es soll vor allem um religiöse und politische Themen gehen (vielleicht auch um die Bekenntnisschulen), und vor allem auch möglich sein ohne restriktive Forenregeln zu diskutieren. Hier auf dem Blog werden die Themen ja von Bonifatz und mir vorgegeben, und es wird ja durchaus auch kommentiert. Im Forum könnte nun jeder ien Thema anschneiden. Viele haben sich noch nicht angemeldet, aber wenn Ihr alle mitmacht, sind wir schon ein paar mehr.

Falls ich nicht mehr zum Bloggen kommen sollte, wünsche ich ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom 29.03.2012 (2. Chr 18, 4)

Frage doch zuerst nach dem Wort des HERRN!

So sagte der König Joschafat von Juda zum König Ahab von Israel, als sich beide über einen Kriegszug nach Gilead unterhielten. Wir befinden uns in der Mitte des 9. Jahrhunderts vor Christus, die Assyrer sind noch nicht so stark wie zur Zeit des Jesaja, um den es gestern ging. Das Nordreich Israel besteht noch und ist stark. Hauptgegner sind noch nicht die Assyrer, sondern die Aramäer von Damaskus, deren Reich in Norden von Israel liegt.

Gegen eben jede Aramäer will Ahab von Israel einen Kiregszug unternehmen und fragt seinen „Kollegen“ aus dem Südreich Juda, ob er sich nicht beteiligen will. Dieser ist prinzipiell nicht abgeneigt:

Ich bin wie du und mein Volk wie dein Volk; wir wollen mit dir in den Kampf.

Er möchte dann aber doch vorher noch einen Propheten Gottes dazu hören. Diese Bitte ist unser Losungstext. Ahab tut Joschafat den Gefallen und läßt eine ganze Menge Propheten holen, die allesamt dem König nach dem Mund redeten und dem Kriegszug gutes Gelingen bestätigten.

Joschafat war aber nciht zufrieden und verlangte dezidiert nach einem Propheten des HERRN, worashin die Rede auf Micha Ben Jimla kommt, der sich bei Ahab nicht gerade großer Beliebtheit erfreut:

Es ist noch „ein“ Mann hier, durch den man den HERRN befragen kann; aber ich bin ihm gram, denn er weissagt über mich nichts Gutes, sondern immer nur Böses, nämlich Micha, der Sohn Jimlas.

Joschafat bittet nun, diesen Micha holen zu lassen und der Bote, der ihn holt, teilt ihm ach schon einmal mit, was seine Prophetenkollegen gesagt haben und daß er sich doch bitte deren Urteil anschließen soll. Micha aber betont, daß er nur sagen wird, was Gott ihm zu sagen gibt. Ahab kriegt von ihm die Auskunft:

Ja, zieht hinauf! Es wird euch gelingen, sie werden in eure Hände gegeben werden.

Eigentlich könnte Ahab zufrieden sein. Micha stimmt dem Unternehmen zu, alles in Butter. Doch Ahab traut Micha nicht. Zu Recht, wie wir merken, denn auf Nachfrage prophezeit Micha den Tod Ahabs. Doch damit nicht genug, er sagt außerdem Gott würde Ahab nach Gilead locken wollen, damit er dort umkomme, und hätte deshalb einen Lügengeist zu den anderen Propheten geschickt. Einer der Beschuldigten ließ das nicht auf sich sitzen:

Da trat herzu Zidkija, der Sohn Kenaanas, und schlug Micha auf die Backe und sprach: Auf welchem Wege sollte der Geist des HERRN von mir gewichen sein, um nun durch dich zu reden?

Und auch Ahab hatte die Nase voll und lies Micha ins Gefängnis werfen. Darafhin wandte er sich gen Gilead. Dort wollte er für sein Überleben sorgen, indem er sich nicht als König, sondern als normaler Soldat verkleidet. Es half nichts, Ahab kam in der Schlacht um, während Joschafat in Frieden nach Jerusalem zurückkehrt (womöglich wurde die Schlacht sogar noch gewonnen, Micha hätte dann beim ersten Mal nicht einmal gelogen).

Bleibt die Frage: Wieso macht Gott es für Ahab so schwer? Wieso läßt Gott nicht alle Propheten einmütig gegen den Feldzug sprechen? Er scheint es ja geradezu darauf anzulegen, daß Ahab in der Schlacht umkommt. Wieso tut Gott das?

Ahab ist kein unbeschriebenes Blatt. Er hatte in seinem Leben auch schon mit anderen Propheten zu tun, etwa mit Elia. Der hatte ihm schon den Tod angekündigt, denn er hatte sich Nabots Weinberg beschafft. Eigentlich war es seine Frau Isebel, die für die Beschaffung des Weinbergs verantwortlich war, denn sie lies Nabot ermorden.

Jedenfalls hatte Ahab allen Grund, vorsichtig zu sein, und nicht aus Größenwahn einen Krieg vom Zaun zu brechen. Joschafats Worte kamen zur rechten Zeit. Dem Prophetenspruch Michas keine Bedeutung beigemessn zu haben und lieber auf diejenigen gehört zu haben, die ihm nach dem Mund redeten, führte zu seinem Verderben.

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom 28.03.2012 (Jes 30, 21)

Wenn ihr zur Rechten oder zur Linken abweichen wollt, werden deine Ohren den Ruf hinter dir vernehmen: »Dies ist der Weg, den gehet!«

Das Königreich Juda im ausgehenden 8. Jhd. v. Chr. Vom Großreichs Davids, falls es das je gegeben hat, ist nicht mehr viel übrig. Das Nachbarreich Israel wurde 722 von den Assyrern endgültig erobert, und um Juda und seine Hauptstadt Jerusalem steht es ebenfalls nicht gut: Während die Assyrer grob das Gebiet des heutigen Iraks, Syriens, des Libanons und Teile Israels und Jordaniens beherrschen, besteht das Königreich Juda aus nicht viel mehr als der Umgebung Jersalems. Die Lage ist aussichtslos.

Will man den Assyrern etwas entgegensetzen, so braucht man Verbündete. Doch alle, die in Frage kämen, wurden von Assyrien schon unterworfen. Alle – außer Ägypten.

Ägypten ist eine Großmacht. Ähnlich wie die wechselnden Reiche des Zeistromlandes sind sie eine Größe, die man in Nahost einkalkulieren muß. Selbst heute noch. Und auch heute noch kennen wir den Reflex, bei (militärischer) Bedrohung nach der Hilfe von ausländischem Militär zu rufen. So riefen die Libyer nach der NATO und der Scheich von Bahrain nach den Saudis.

Für die Realpolitiker in Jerusalem steht eines fest. Wenn irgendwie Hilfe gegen Assyrien möglich ist, dann liegt die in Ägypten. Nur Ägypten wäre in der Lage, eine Militärmacht aufzustellen, die den Assyrern die Stirn bieten könnte. Freilich hätte man dann das Problem mit einem starken Ägypten, so wie jetzt mit einem starken Assyrien, doch man könnte sich vielleicht durch eine Schaukelpolitik einen Freiraum schaffen, so daß die Einschränkungen nicht zu groß würden.

Doch Gott ist kein Realo, Er ist eher Fundi:

Weh den abtrünnigen Söhnen, spricht der HERR, die ohne mich Pläne fassen und ohne meinen Geist Bündnisse eingehen, um eine Sünde auf die andere zu häufen, die hinabziehen nach Ägypten und befragen meinen Mund nicht, um sich zu stärken mit der Macht des Pharao und sich zu bergen im Schatten Ägyptens!

So lauten die ersten Verse des 30. Kapitels bei Jesaja. Im Gegensatz zu den Realpolitikern wird die Lage bei Jasaja anders gedeutet. Sicher, die Assyrer bedrängen Jerusalem. Aber das ist nicht so, weil Jerusalem zu wenige Verbündete und selbst zu wenig Militär hätte. Das Auftreten der Assyrer ist eine Strafe Gottes. Ursache ist der Verhalten der Judäer:

So geh nun hin und schreib es vor ihnen nieder auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch, dass es bleibe für immer und ewig.

Denn sie sind ein ungehorsames Volk und verlogene Söhne, die nicht hören wollen die Weisung des HERRN, sondern sagen zu den Sehern: »Ihr sollt nicht sehen!«, und zu den Schauern: »Was wahr ist, sollt ihr uns nicht schauen! Redet zu uns, was angenehm ist; schaut, was das Herz begehrt! Weicht ab vom Wege, geht aus der rechten Bahn! Lasst uns doch in Ruhe mit dem Heiligen Israels!«

Die Judäer scheren sich nicht mehr groß um Gott, den „Heiligen Israels“. Die Propheten nerven sie. Sie wollen nicht hören, was diese zu sagen haben, lieber wollen sie hören, was ihnen angenehm ist. Das ist das Problem, nicht die Stärke der Assyrer, die ist nur Folge. Das Nordreich Israel war zu Grunde gegangen, dort hatte man auf Propheten wie Amos nicht gehört, die die sozialen Ungerechtigkeiten anprangerten.

So nun auch in Juda und Jerusalem. Die Mächtigen dünken sich weise und suchen vor allem, ihre Macht zu erhalten. Deshalb wenden sie sich nach Ägypten. Und zwar ohne den Gott zu befragen, der durch seine Propheten schon seit längerem ansagen läßt, was schief läuft. Allerdings sind diese Ansagen der Propheten unangenehm. Es müßte sich so viel ändern, daß man doch lieber sieht, ob man nicht mit dem alten System, es selbst zu versuchen, weiterkommt. Also wendet man sich nach Ägypten. Und häuft damit eine weitere Sünde auf. Nachdem man die Prophetenworte verworfen hat, wendet man sich an eine ausländische Macht, statt an den eigenen Gott.

Und was läßt der nun Seinen Propheten sagen?

Er wird dir gnädig sein, wenn du rufst. Er wird dir antworten, sobald er’s hört.

Die Realpolitiker müssen nur umkehren, sich nur Gott zuwenden, dann wird Er sie retten. Und dann kommt der Losungstext:

Deine Ohren werden hinter dir das Wort hören: »Dies ist der Weg; den geht! Sonst weder zur Rechten noch zur Linken!«

Und ihr werdet entweihen eure übersilberten Götzen und die goldenen Hüllen eurer Bilder und werdet sie wegwerfen wie Unrat und zu ihnen sagen: Hinaus! Und er wird deinem Samen, den du auf den Acker gesät hast, Regen geben und dir Brot geben vom Ertrag des Ackers in voller Genüge. Und dein Vieh wird zu der Zeit weiden auf weiter Aue. Die Rinder und Esel, die auf dem Felde ackern, werden gesalzenes gemengtes Futter fressen, das geworfelt ist mit Schaufel und Wurfgabel.

Es ist eine Heilszusage. Wenn Juda sich Gott wieder zuwendet, wird Er es retten. Er wird wieder den Weg vorgeben, und niemand wird von der rechten Bahn abweichen.

Es kam auch wirklich so weit, daß die Assyrer Jerusalem belagert haben. Eingenommen haben sie es nicht. In Kapitel 37 des Jesajabuches lesen wir, wie König Hiskia von Juda sich an Gott wendet, der daraufhin seinen Engel schickt, und das Heer des assyrischen Großkönigs Sanherib schlägt.

Zur Belagerung von Jerusalem sind übrigens auch Darstellungen der Assyrer erhalten, die zwar behaupten, Hiskia geschlagen zu haben (kein einziger Herrscher im Nahen Osten hat nach seinen Angaben je einen Krieg verloren, das ist wie bei den Wahlanalysen der Parteien), aber es fehlen die üblichen Beschreibungen der Zerstörng und Ermordung des Königshauses.

Im letzten Jahr hat das ZDF, wie ich gerade sehe, eine Terra X Sendung zum Thema ausgestrahlt, die immer noch abrufbar ist.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 25.03.2012 (Jes 49, 10)

Sie werden weder hungern noch dürsten, sie wird weder Hitze noch Sonne stechen; denn ihr Erbarmer wird sie führen und sie an die Wasserquellen leiten.

Das Wetter wurde in den letzten Tagen besser. Und vor allem wärmer. Der Frühling kommt. Nach der Kälte des Winters freue ich mich richtig darauf, bald ohne Jacke rausgehen zu können. In solchen Zeiten ist ein Satz wie der obige, der von Schutz vor Sonne und Hitze spricht, nicht ganz so wirkend wie im Sommer bei annähernd 40°C (okay, nicht hier in Greifswald, aber zu Hause in der Pfalz gibt es das schonmal).

Im meiner Heimat der Pfalz nicht ganz fernen Saarland gibt es eine Redewendung, die den ersten Teil des Satzes gut aufnimmt:

Hauptsach gut gess‘!

Und damit kann ich mich auch identifizieren. Und daß man nicht dürsten wird spricht mich als Pfälzer sowieso an. Aber um was geht es eigentlich?

Im Kapitel 49 des Jesajabuches geht es um den Gottesknecht, der in der Tradition auf Jesus Christus gedeutet wurde. In Vers 6 sagt Gott, es sei zu wenig, daß der Gottesknecht die Stämme Jakobs – also die Israeliten – aus der Zerstreuung holt. Er soll darüber hinaus noch das Licht der Heiden sein.

Es handelt sich um eine Heilszusage an die Israeliten, die sich zu der Zeit im Exil befinden, aber das Übliche reicht hier nicht. Es ist zu wenig, nur das Exil der Israeliten zu beenden, sie wieder ins Land zurückzuführen, sondern auch die Heiden sollen gewonnen werden.

Der Gottesknecht soll sagen „Geht heraus“ (Vers 9), und dann foögt eine Wanderng aus dem Exil, heim ins gelobte Land. Um diese Wanderung geht es. Gott verspricht, die Wege gerade zu machen, Berge einzuebnen, und eben auch die Versorgung auf dem Weg:

Sie werden weder hungern noch dürsten, sie wird weder Hitze noch Sonne stechen; denn ihr Erbarmer wird sie führen und sie an die Wasserquellen leiten.

Der Erbarmer, das ist Gott selbst. Er vergleicht sich in Vers 15 mit einer Mutter, die ihrem Sohn nicht im Stich lassen kann. Das ganze Kapitel atmet die Liebe und Fürsorge Gottes zu Seinem Volk.

Doch, ich habe es schon erwähnt, auch die Heiden sind mit im Boot. Die Heiden, das sind alle Nichtisraeliten. Dazu gehören streng genommen auch wir alle. In der Zeit der alten Kirche wurde noch zwischen Heidenchristen und Judenchristen unterschieden. Heide zu sein bedeutete nicht, kein Christ sein zu können. Ein Heide war ein Mensch mit einer anderen Nationalität. Ein Angehöriger eines anderen Volkes.

Gott war aber der Nationalgott der Israeliten. Also eigentlich gar nicht zuständig für uns Heiden. Trotzdem wandte Er sich auch uns zu, übernahm auch für uns Verantwortung, wenn man so will.

Wir gehen auf Karfreitag zu, dem höchsten Feiertag des Protestantismus. Der Tag, an dem Christus für die Schuld der Menschen ans Kreuz ging. Nicht nur für sein eigenes Volk, nicht nur für die Frommen, sondern für alle Menschen, ob sie Ihn kannten oder nicht.

Gott, der als Nationalgott der Israeliten anfing, und doch Gott der ganzen Welt ist, hat Verantwortung übernommen für Seine Welt, und starb für uns.

Vielleicht sollten wir überlegen, ob wir, als Verehrer dieses Gottes nicht auch auf gleiche Weise Verantwortung übernehmen über das hinaus, was uns als Bereich zugesprochen wird. So wie Gott die Grenzen Seines Volkes überschritt, um uns allen das Heil zu bringen, können auch wir Grenzen überschreiten, zum Wohle aller Menschen.

Das Stichwort der Nationalität kann uns hier ein erster Anhalt sein. Wenn Gott sich nicht um die Nationalität derer scherte, die Ihn verehrten, wieso sollten wir noch Menschen nach Nationalität unterscheiden und Hilfesuchende an unseren Grenzen abwehren, nur weil sie Geld kosten? Wieso sollten wir Menschen, die hier wohnen abschieben, nur weil sie Geld kosten?

Kreuzigungsdarstellung in der Kathedrale von Jeju-Si, Jeju-Do, Republik Korea

Man kann weiter gehen und fragen wieso Menschen andernorts verhungern sollen, nur weil es dort nichts zu essen gibt. Heil bedeutet im ersten Moment auch immer weltliches Heil, gutes Leben. Im zweiten Schritt – den sollte man nicht vergessen – darf man dann aber auch das ewige Heil nicht vergessen werden. Es ist eins die Nackten zu kleiden und den Hungrigen zu essen zu geben. Doch wollen die Verlorenen auch gerettet werden. Dazu ging Gott ans Kreuz. Und dazu hat Er uns dann ausgesandt.

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 21.02.2012 (Jes 40, 28)

Weißt du nicht oder hast du nicht gehört? Der ewige Gott, JHWH, Schöpfer der Ränder der Erde, wird weder müde noch matt, ist unerforschlich in Hinblick auf seine Einsicht/Klugheit.

Wie schon die Losung von gestern stammt auch dieser Text aus dem sog. Deuterojesaja. Das Volk befindet sich noch im babylonischen Exil. Angesichts seiner Lage ist Trost nötig und als Trostrede sind die Kapitel 40-55 gedacht, wie an  40, 1 deutlich wird. Inhalt der Trostrede ist dann sinnvollerweise auch: Wie konnte es zu der Katastrophe kommen? Ist ihm sein Volk egal? Ist JHWH, der Gott Israels, etwa machtlos gegen die Götter der anderen Völker? Unter anderem dieser Frage wird in Jes 40 nachgegangen. Und die Antwort fällt eindeutig aus: Sein Volk ist Gott nicht egal, er kümmert sich darum wie ein Hirte um seine Schafe(V. 11)und eindrücklich wird seine Größe und seine Überlegenheit über andere Götzen dargestellt. (V. 12-26). Angesichts dieser Darstellung kann dann in V. 27 nur gefragt werden: „Warum also sagst du, Jakob, und du, Israel: »Der Herr weiß nicht, wie es mir geht und mein Recht ist ihm egal.“ Anders ausgedrückt: Wie kommst du Jakob, wie kommst du Israel nur auf die Idee, Gott könnte machtlos sein, über deine Lage nicht Bescheid wissen und du könntest ihm egal sein? Und die Frage geht dann im Losungstext weiter: „Weißt du es denn nicht? Hast du es denn nicht gehört?“ Gerade das Hören hat, wenn ich das richtig im Kopf habe (ist schon spät…) für die Gottesbeziehung im AT eine besondere Bedeutung. Biblisch gesehen kann denke ich gesagt werden: Solange Israel auf Gott hört, ist seine Gottesbeziehung intakt und es ergeht ihm gut. Die Einschränkung „Biblisch gesehen“ ist mir besonders wichtig, damit keiner auf die Idee kommt, in geschichtlichen Ereignissen Anzeichen für eine nicht intakte Gottesbeziehung zu sehen und damit Schuld an Verbrechen zu relativieren. Doch biblisch gesehen kann man glaube ich sagen, dass das Hören auf Gott auf eine intakte Gottesbeziehung hinweist und so steckt glaube ich hinter der Frage „Hast du es denn nicht gehört?“ mehr als nur eine Frage der akustischen Wahrnehmung – es ist auch der Hinweis: In deiner Gottesbeziehung stimmt etwas nicht! Die folgenden Sätze von Gott, dem Schöpfer, der nicht müde wird betonen noch einmal die Macht Gottes über alle Welt. Dem Gedanken, dass er nicht ganz genau um die Lage des Volkes wüsste, wird mit „Unausforschlich ist seine Einsicht/Klugheit“ eine deutliche Absage erteilt.

Uns erinnert der Losungstext nicht nur an die Größe Gottes. Ich glaube, auch uns gilt, dass wir Gott nicht egal sind. Das kann uns diese Losung in Erinnerung rufen. Auch wir sind seine Schafe und er kümmert sich um uns wie ein Hirte.

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Wer hat’s erfunden?

Naja, vielleicht ist es ja auch keine Erfindung, man möge in den Kommentaren Belege verlinken, aber wenn es eine Erfindung war, waren es nicht die Schweizer, auch wenn sie es abgedruckt haben, sondern in dem Fall ein Holländer: Leon de Winter.

In einem Interview mit dem Tagesanzeiger (via) behauptet der nämlich, es wäre „auf dem humanitären Schiff“ (das, auf dem es Montag morgen zu den Toten kam) „Tod den Juden“ gesungen worden. Dabei an Bord war er wohl nicht, denn nach seinen Aussagen waren das ja nur nützliche Idioten oder Menschen die sich von der Vergangenheit lösen wollen, indem sie Juden als Täter darstellen (hat die israelische Armee nicht auch christliche und drusische Soldaten? Oder dürfen die nicht zu den Eliteeinheiten?). Zu solchen nützlichen Idioten und Geschichtsrevisionisten zählt er sich wahrscheinlich nicht.

Er sagt auch nicht, daß er beim Auslaufen des Schiffes dabei war, noch zitiert er oder der Tagesanzeiger irgend eine andere Quelle, was bei solch schwerwiegenden Anschuldigungen doch hilfreich wäre (oder nicht?).

Bei den Menschen, die sich von der Vergangenheit lösen wollen, hätte ich noch ne Frage: Die nützlichen Idioten nämlich kommen erst ins Spiel, als von der Schweiz die Rede ist, die keine Nazi Vergangenheit hat. Darf ich mich jetzt als deutscher, der auch die israelische Regierung kritisch sieht, aber in der Schweiz wohnt, mich zu den nützlichen Idioten zählen? Oder legt mich mein Paß schon unwiderlegbar auf die Geschichtsrevisionisten fest? (ja, das war polemisch)

Ich bin mir sowieso nicht ganz so sicher, wer hier der „nützliche Idiot“ ist. Leon de Winter scheint eine sehr einseitige Linie zu fahren: Pro Israel. Das ist ja auch kein Problem, die Kritiklosigkeit am Geschehenen find ich nur erschreckend. Dazu kommt Emotionalisierung. So antwortet er auf die Frage nach den Gründen, warum in Europa so wenig Verständnis für das israelische Vorgehen vorherrscht, erst mal mit einem Verweis auf den Anschlag in Lahore. Thema verfehlt, setzen, 6!

Erst bei einer Nachfrage antwortet er dann mit den Geschichtsrevisionisten, nach einer weiteren Nachfrage räumt er ein, daß es auch nützliche Idioten gibt. Daß es vielleicht Menschen gibt, die sich wirklich fragen, ob da in Gaza alles so reibungslos läuft, wie uns die israelische Propaganda (die sagen sie seien im Krieg mit der Hamas, und im Krieg heißt PR Propaganda) glauben machen will, kommt ihm anscheinend gar nicht in den Sinn.

Denn in Gaza geht es den Menschen auch nicht besser als in gewissen Gebieten der arabischen Welt. Nun, die arabische Welt hat eine sehr breite Differenzierung von Wohlstandsverhältnissen, es gibt da schon Unterschiede zwischen armen Bewohnern von Kairo und Scheichs am Golf, doch Gaza soll mit dem unteren Ende verglichen werden. Sie seien ja frei (sind das die anderen nicht?) nd man müsse nr aufhören, Raketen zu schießen.

Und spätestens hier finde ich es geschmacklos. Wie viel Prozent der 1,5 Millionen Einwohner von Gaza schießen Raketen auf Israel ab? Wenn jeder Bewohner inklusive Kinder nur eine Rakete abgeschossen hat, müßten es über eine Million Raketen sein. Es waren wohl weniger, und die werden ach von einer kleinen Gruppe Extremisten abgeschossen, es ist wohl weniger so, daß jeder mal drankommt. Auch wenn man diesen Menschen noch ein paar Sympathisanten zuordnet, so bleiben doch immer noch genügend Menschen übrig, die nichts mit der Hamas am Hut haben und trotzdem leiden. Ach nein, es gibt ja „keinen Mangel an Produkten in Gaza“. (ich hab jetzt ne Weile gesucht nach aktuelle Berichten zur humanitären Lage in Gaza von unabhängigen Einrichtungen wie UN oder Rotes Kreuz und nichts gefunden, das macht mich skeptisch, hat da wer nen Link?)

In weiteren Verlauf des Interviews fragt de Winter dann nach dem Interesse der Türkei bei der Sache, und kommt zu dem Schluß, daß es um die Positionierung als neue regionale Macht geht. Den Punkt kann ich noch nachvollziehen, die Türkei könnte tatsächlich strategische Ziele damit verfolgen, sich so hinter die Aktivisten zu stellen. Gerade die Situation im eigenen Land (Stichworte: Armenier, Kurden, Mor Gabriel…) ziehen das Interesse an Menschenrechtsfragen ein wenig in Zweifel, wenn es nicht gerade um eigene Interessen geht.

Einen Zusammenhang mit dem Iran herstellen zu wollen find ich dann aber doch etwas weit hergeholt, wobei ich gerne zugebe, daß die türkisch-iranischen Beziehungen mir relativ unbekannt sind. Wer mehr weiß, hinterlasse einen Kommentar.

Am Ende schließt das Interview erneut mit dem nützliche-Idioten-Vorwurf gegen den ehemaligen Stadtpräsidenten von Zürich und dem Vorwurf, der diesem Artikel den Titel gegeben hat: Die Erschossenen hätten „Tod den Juden“ gesungen.