Allgemein

Ne weitere Antwort…

… und zwar hierauf. Der Platz hat mal wieder nicht gereicht. Also los:

Redefreiheit bezieht sich nicht auf Demagogie und Hetze. Gewalt kann durch Rede motiviert werden. Es erst zur Gewalt kommen zu lassen um sie dann einzudämmen heisst Gesundheit & Leben von Menschen zu riskieren.

Moment. Es ging um die Symbolhaftigkeit der Minarette. Da von Demagogie und Hetze zu reden, find ich ein wenig übertrieben. Ein Bauwerk ist keine Hetze.

Egal in welcher Ideologie gefangen, ein Lebewesen zu quälen ist immer falsch, und wer das nicht erkennt kann keine Ideologie dafür verantwortlich machen.

Ich verstehe was Du meinst, schrecke aber davor zurück, Dir in jedem Fall zuzustimmen. Das bezieht sich jetzt nicht darauf, daß es immer falsch ist ein Lebewesen zu quälen, davon bin ich überzeugt. Aber ich bin skeptisch, ob man das wirklich unter allen Bedingungen erkennen kann. Ich glaube durchaus, daß man derart verkorkst werden kann, daß man das nicht so klar erkennt.

Ich glaube aber auch an die Eigenverantwortung des Menschen, gerade in Gesellschaften die Zugang zu anderen Ansichten ermöglichen.

Eigenverantwortung immer im Rahmen der jeweils vorliegenden Freiheiten. Womöglich, hier spekuliere ich nun, kann man hierzuland wohnen, und trotzdem in einer anderen Gesellschaft sein als wir beide, und damit ist dann vielleicht auch der Zugang zu den anderen Ansichten nicht so leicht…

was nb. ein düsteres Bild vom Rest entwirft

Klar, aber dieses Bild ist IMHO so verkehrt nicht.

dass man es akzeptieren, hinnehmen oder auch nur ignorieren sollte

Nein, das nicht. Aber Ansprechpartner bei diesem Tun kann nicht derjenige sein, der nach seinen eigenen Regeln nicht verkehrt handelt, wenn er die Menschen mißhandelt. Wenn ich Gerechtigkeit will, dann ist der ungerechte Herrscher kein Partner für die Erreichung dieses Zieles, so sehr er auch manchmal als Werkzeug genutzt werden kann. Die Diktatoren dort scheinen ja zu ihrer Zeit die Christen protegiert zu haben, zumindest ein wenig, so daß die heutige Situation allenthalben als schlimmer dargestellt wird. Viellciht stimmt aber auch meien Wahrnehmung nicht.

Die Situation kann nicht verbessert werden indem man nur den Opfern hilft. Die Opfer müssen auch den Eindruck bekommen Opfer zu sein, Hilfe erwarten zu können und zu erhalten, das die Täter als Täter anerkannt sind und nicht damit durchkommen. Ohne Druck verstärkt sich die Parallelgesellschaft immer mehr.

Diesen Eindruck kann natürlich ein scharfes Durchgreifen erwecken, aber ich habe Bedenken. Eine Tochter, die für die Aussöhnung Todesgefahr auf sich nimmt, wie sieht die wohl die scharfe Bestrafung ihrer Familie? Erst muß über den Bildungsweg vermittelt werden, daß sie tatsächlich Opfe rund die Täter tatsächlich Täter sind. Bevor das Opfer das nicht begreift, kann jedes harte Durchgreifen erfolgreich als Islamophobie dargestellt werden, nach dem Motto: Seht her, wir haben uns Versöhnt und nun kommt der islamophobe Staat und stiftet Unfrieden…

Die wenigen Programme von denen ich bislang hörte werden aber kaum staatlich unterstützt, andere werden von islamischen Verbänden reflexhaft als rassistisch abgelehnt.

Das ist es, was ich meine. Da entsteht dann wieder dieses wir gegen die Denken, das hilft nicht weiter.

Ausbildung hierzulande ist keineswegs ein Garant für positive Entwicklungen. Ich erinnere an Prof. (ehem. Muhammad) Sven Kalisch und die Reaktion auf seine Koranexegese.

Lüdemann verlor seinen Lehrstuhl, Küng bekam die Lehrerlaubnis entzogen, und wahrscheinlich noch ein paar mehr. Ich bin davon auch nicht begeistert, aber es ist Teil des Systems, das an sich so schlecht nicht ist. Was Küng angeht würde ich auch sagen: Ist Sache der Katholiken, sollen die unter sich klären. Bei Lüdemann denk ich als Protestant: So nicht, auch wenn er Unsinn verzapft. Aber dann bin ich ja auch wieder kein Hannoveraner…

Zumal die Auswahl vieler Imame bei der Ditib liegt, der türkischen Religionsbehörde, die sich da auch kaum reinreden lässt.

Doch muß auch keiner zur Ditib gehen. Wenn es parallel Angebote gibt, in Deutscher Sprache und mit Kontakt zur Wirklichkeit, dann wird sich das durchsetzen. Die Migrantenkinder können heute schon kaum mehr türkisch, die Imame wissen zum Teil um das Problem mit der Kommunikation. Auch diese Situation erzeugt Druck. Da kann die Religionsbehörde stur bleiben, und sehen, wie die Felle wegschwimmen, oder sich öffnen. Eine schwache Ditib bedeutet aber auch mehr Chancen für die wirklich Radikalen, wie Pierre Vogel und seine Gang.

Solange der Kern und die bedeutenden Zentren des Islam diese Änderung nicht von sich aus vorgeben, werden die Erfolge allenfalls winzig sein und ziemlich leicht wieder negiert werden (s. Marxlohe, Paris, Köln, Bonn).

Ich weiß nicht, worauf Du mit den Städtenamen anspielst. Kerne und Zentren können sich bewegen. Neue Ansichten entstehen. Wenn ich ans Christentum denke und mich frage, wo da die Zentren sind und waren, dann ergibt sich da durchaus eine Fluktuation. Was spricht dagegen, daß Deutschland Ägypten udn Saudi Arabein als Zentrum ablöst? Babylon war auch jüdisches Zentrum, ohne im Heiligen Land zu liegen oder auch nur eine jüdische Mehheit zu beherbergen…

Der Teil der in Europa lebenden Muslime der sich nicht integrieren will muss unter Druck gesetzt werden sich zumindest an die Menschenrechte zu halten.

Bin ich voll bei Dir. Wer Gesetze verletzt, muß nach dem Gesetz bestraft werden. Aber das schließt nicht ein, Minarette verbieten zu müssen. Im Zweifel müssen die Nichtintegrationisten lernen, daß es eben kein Bajonett ist, sondern ein Turm. Punkt.

Der Teil der dabei still (oder sogar zustimmend) zusieht muss sensibilisiert und für Europa gewonnen werden.

Bin ich voll dabei.

Und der Teil der Muslime, der für ein tolerantes Zusammenleben steht sollte mobilisiert werden, um anderen, zwischen den Stühlen abwartenden ein Signal zu geben.

Ja.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Freitag, 23.03.2012

Beim Ärzteblatt kommen Kirchenvertreter zum Wort. Es geht um den Bluttest auf Trisomie-21und die negativen Folgen. Die Problematik ist ja keine Neue. Das gleiche Problem steht ja auch hinter der ganzen PID Geschichte: Das Kind als Produkt.

Carsten Neumann unterstellt der katholischen Kirche vorsätzliches Verletzen der Menschenrechte. Worum geht es? Eine Kindergärtnerin hat einen neuen Mann. In katholischen Kindergärten kann sowas schon einmal die Kündigung zur Folge haben. So auch hier. Allerdings hat in diesem Fall die Stadt Königswinter dies zum Anlaß genommen, der Kirche die Trägerschaft des Kindergartens zu entziehen. Wenn ich mich recht entsinne, ist das neu, und man darf gespannt sein, wie die Katholische Kirche in Zukunft agiert, wenn nun der Verlust der Trägerschaft zu befürchten ist. Aber zurück zu den Menschenrechten. Neumann bezieht sich auf den Fall des Essener Organisten, dessen Kündigung vom Europäischen Gerichtshof als Verstoß gegen die Menschenrechte gewertet hat. Allerdings steht in dem zum Beleg verlinkten SPON Artikel vom 23.9.2010 auch ein anderer Fall, in dem eine Kündigung aufgrund außerehelicher Beziehungen eben nicht als Menschenrechtsverletzung angesehen wird. Es stimmt also nicht, daß eine Kündigung wegen Ehebruch prinzipiell gegen die Menschenrechte verstößt. Irgendwie fühl ich mich hier an die Godwin Thematik erinnert. Unter „Menschenrechtsverstoß“ scheint Kirchenkritik nicht möglich zu sein, immer gleich die größte Keule, auch wenn sie unberechtigt gentzt wird. Die Kathollische Kirche hat sich immerhin schuldig gemacht, also braucht ja keiner kommen…

Update: Carsten Neumann hat seinen Artikel geupdatet. Meine Kritik wird damit quasi gegenstandslos. Der Text bleibt trotzdem stehen, wegen der Nachvollziehbarkeit.

Benjamin Lebsanft hat auf Abgeordnetenwatch eine Frage an Dr. Günter Krings gestellt. Es geht um die Kosten der Vorratsdatenspeicherung. Ich bin gespannt auf die Antwort, falls eine kommt.

Mechthild Werner hat sich mit Gauck, dem Präsidentenamt und den Sünden befasst. Außerdem geht es darum, ob wir nun in einer Pfarrerrepublik leben bzw wie es sich auswirkt, daß die Kanzlerin Pfarrerstochter ist und der Präsident selbst Pfarrer.

Mit Gauck befasst sich auch Jacob Jung. In seinem Artikel geht es um die verschiedenen Sozialsysteme, die es gibt.

Im Film Hellbound, auf den ich durch peregrinatio aufmerksam gemacht wurde, geht es um die Hölle und die damit verbundene Angstmacherei. Der Teaser Trailer macht echt nen guten Eindruck.

Auf dem youtube Kanal zum Film gibt es noch ein paar Videos.

Andreas Meißner befasst sich mit einem recht frühen „Blogger“: Habakuk.

Thomas Steinschneid hat was geschrieben zu den kulturellen Unterschieden beim Autofahren. Es sieht danach aus, daß bald eine Fortsetzung kommt zm Thema U-Bahn.

Ein interessanter Blog, den ich entdeckt habe, ist Erhard Eutebachs Kinderlesen Blog. Bald ist Ostern, und wer noch Geschenke für Kinder sucht, könnte dort vielleicht fündig werden.

Ein weiterer interessanter Blog ist Muslim Essay. Er stellt den Anspruch, muslimische Stimmen zu Gesellschaft und Zeitgeschehen zu Gehör zu bringen. Bei einem ersten Überfliegen habe ich den Eindruck bekommen, daß es sich vorwiegend (oder nur?) um schiitische Autoren handelt. Wie auch immer, der erste Schritt zur Integration ist es, einander zuzuhören, und da kann der Blog ein Medium sein.

Auf evangelisch.de las ich von der Problematik, daß der islamische Religionsunterricht, der jetzt in verschiedenen Ländern startet, nicht von den Religionsgemeinschaften, sondern vom Staat verantwortet werden. Ich halte das wirklich für ein Problem. Was islamisch ist, kann letztendlich nur eine islamische Religionsgemeinschaft festlegen, und nicht ein weltanschalich neutraler Staat. Hoffentlich kommt es bald dazu, daß solche Religionsgemeinschaften gegründet werden, die dann den Religionsunterricht verantworten können. Ansonsten dürfte es über kurz oder lang mau aussehen mit der Akzeptanz.

Da wir es gerade vom Islam haben, noch ein Hinweis auf einen Artikel von Uri Avnery. Er befasst sich mit der „jüdischen Seele“ eines arabischen Richters, bzw. deren Nichtvorhandensein, und die Folgen für die israelische Nationalhymne.

Und jetzt noch den Bogen zur eigenen Religion zurückschlagen: Bei Brot für die Welt gibt es einen Fürbittenvorschlag für den Weltwassertag am Sonntag.

Das war es für heute. Mehr beim nächsten Mal.