English, Jesus and Mo explained

Hijab and Atheism

From Jesus and Mo, License CC BY-NC-SA 3.0

The complain in this comic is obviously that Muslim women have to cover up with hijabs or even burqas, so (Muslim) men’s lust was not provoked. Before all I want to point out that I am not at all interested in whether Muslims do claim so or whether it would be a right claim or not. This is not what this post is about.

This post is about the image Atheists, at least certain ones, have of Muslims and spread about them in comics as the above and whether or not one could call this hypocritical.

So this blog post is not against Muslims or Islam, it actually has nothing to do with it, it’s about atheist criticism of religion and in how far this criticism touches atheist demands as well.

One example of an atheist demand can be seen on my old blog. There’s a German article dealing with a picture I found on the internet. You can see the picture on the article page. On the picture there is a woman holding up a sign which reads:

Restraining Order: Your religious beliefs must stay 500 yards away from my constitutional rights at all times.

Other examples include but are not reduced to: No church bells as they disturb atheists, no public praying etc etc. Generally many atheist demands aim at pushing religion out of public space.

So while Muslim men are said being disturbed by viewing female hair, Atheists are disturbed by hearing churchbells, seeing and hearing religious people pray, seeing crosses and crucifixes in the public space etc etc etc.

As Muslim men are said to not tolerante their wives and daughters being „uncovered“ and visible in public, Atheists do not tolerate religion being „uncovered“ and visible in the public space.

Of course, the claim is that Muslims would suppress their women by making them cover up, and of course religious people are said to indoctrinate others with their religion by speaking about it openly and making it visible in the public. Suppressors are always the others!

No (new) Atheist I ever met even considered in how far their ideology of a „clean“ public would suppress others. The sign on the mentioned picture speaks of „constitutional rights“, isn’t the right to follow and practise a religion as much a constitutional right as having no religion is?

Muslims and other religious people are pictured as oppressors and indoctrinators, while atheists are the bringers of freedom, one could start thinking. But really Atheists just have their own brand of „oppression“ they seem to be blind to. They are asking not to be provoked by noticeable religion as they claim Muslim men are asking not to be provoked by female hair.

And this is either, if they know it, hypocracy, or it is thoughtless, unconsidered, which would mean that those people who claim to be sticking to reason could maybe do some more reasoning…

Politik

Demokratie ohne Rechtsstaatlichkeit

Wohin demokratische Wahlen führen, wenn die Rechtsstaatlichkeit im Volk nicht verankert ist, kann man an verschiedenen Beispielen weltweit beobachten. So wird durch Wahlen vielerorts lediglich entschieden, wer in Zukunft den Ton angibt, wobei das Tonangeben sich nicht zwingend in rechtsstaatlichen Bahnen bewegen muß. Als Beispiele fallen mir grad Gaza und Ägypten ein, wobei ich mir auch bei den westlichen Staaten Gedanken mache über die Aushöhlung der Rechtsstaatlichkeit, ob durch den ständigen Verweis auf die Terrorgefahr oder die Angstmacherei vor dem Islam.

In Ägypten hat man weniger Angst vor der Terrorgefahr oder dem Islam. Das heißt: Wenn man Muslim ist. Ist man Christ, sieht die Sache schon wieder anders aus.

Denn nachdem das Militär die demokratisch gewählte und eher diktatorisch als rechtsstaatlich agierende Muslimbrüder-Partei abgesetzt und die Proteste der Muslimbrüderanhänger niedergeschlagen hat, sind diese nun losgezogen und haben nicht etwa wie die freiheitlich-demokratische Minderheit, die Mubarak absetzte, weiter Druck auf die Militärregierung ausgeübt, nein, diese ach so gläubigen Menschen (es scheinen mir eher Heuchler zu sein) suchten sich einen schwächeren Gegner: Die Christen Ägyptens. Merke: Wenn das Militär zu stark ist, dann mach ich halt wen anders platt.

Daß diese Leute die Mehrheit der Ägypter davon überzeugen konnten, sie zu wählen, spricht nicht für eine rechtsstaatliche Kultur in dem Land. Aber woher sollte die auch kommen? Nach Jahrzehnten der Diktatur?

Auch bezeichnend ist, daß die Militärregierung zwar die Demonstrationen zerschlagen konnte (unter der Inkaufnahme vieler Todesopfer), aber nicht in der Lage war, die Kirchen und Klöster des Landes zu schützen.

Nur: Was kann man tun? Daß wir nicht wissen, wie man Demokratien erschafft, kann man in Afghanistan und Irak besichtigen. Oder war dort das Ziel nicht auch einmal Nation-building? Wie bringt man ein Land dazu, demokratisch zu werden? Vieleicht müßten wir Missionare schicken, keine kirchlichen Missionare, sondern politische Missionare für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie. Da das aber alles Geld kostet, bleibt dies wohl an den Idealisten hierzuland hängen. Gibt es solche „Misisonsgesellschaften“ überhaupt?

Gesellschaft

Diskriminierung

Ein Viertel der Jugendlichen ausländischer Herkunft hat in Schule und am Arbeitsplatz schon Diskriminierung erfahren, so zu lesen bei evangelisch.de.

Mich wundert dabei eher, daß es nur so wenige sind. Ich vermute, die Dunkelziffer ist ein gutes Stück höher.

Auch als Fall von Diskriminierung kann man das Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen verstehen. Auch hierzu gibt es einen Artikel bei evangelisch.de.

Da geht es um das Kopftuchverbot in Niedersachsen. Dort ist es einer muslimischen Lehrerin gestattet, ein Kopftuch zu tragen, aber sie muß es im Lehrerzimmer, auf dem Weg zum Klassenzimmer und auf dem Schulhof ablegen. Tragen ist erlaubt beim islamischen Religonsunterricht, aber nicht beim zweiten Fach. Muslimische Lehrerinnen, die Kopftuch tragen wollen, werden also zu einem ständigen Tuch auf – Tuch ab genötigt, und das IMHO ohne jeden vernünftigen Grund. Statt dessen wird immer wieder darüber schwadroniert, daß das Kopftuch Symbol einer unterdrückenden Kultur wäre und daß es das falsche Zeichen wäre, sowas an unseren Schulen auch noch zuzulassen, und damit quasi diese (angebliche) Unterdrückung gutzuheißen.

Alles Quatsch, wenn Ihr mich fragt. Ich habe schon einige Frauen mit Kopftuch getroffen, die durchaus sehr selbstbestimmt durchs Leben gingen, und eben Kopftuch trugen, weil sie als Muslima das Bedürfnis danach hatten. Daß das Kopftuch vom Koran nicht gefordert wird, spielt dabei keine Rolle. Konfirmation und Firmung wird von der Bibel auch nicht gefordert, trotzdem lassen sich tausende christliche Jugendliche jedes Jahr konfirmieren oder firmen. Man sollte es schon den Anhängern der jeweiligen Religion überlassen, was zu der fraglichn Religion dazu gehört oder was nicht. Oder welcher Christ würde sich von einem Muslim sagen lassen, er müsse Purim feiern, weil das in der Bibel steht?

Im Gegensatz bin ich der Meinung, daß muslimische Lehrerinnen mit Kopftuch sogar Symbol für ein modernes Verständnis der Rolle der Frau stehen können. So wird nämlich signalisiert: Auch als gläubige Muslima kann man studieren (ich sah viele „Kopftuchmädchen“ an der Uni) und sein eigene Geld verdienen. Man muß nicht zu Hause bleiben, den Mann heiraten, den die Eltern schon in Kindertagen ausgesucht hatten und sich dann auf Haushalt und Kinderkriegen beschränken. Solche Frauen könnten zu Vorbildern für einen moderneren Islam werden. Zusammen mit einem vom Staat beaufsichtigten Religionsunterricht an den Schulen (und nicht in irgenwelchen Hinterhöfen durch fragliche Lehrpersonen) könnte so ein riesiger Schritt Richtung Integration unternommen werden. Denn Assimilation wird es nicht geben (zumindest nicht, so lange wir ein Rechtsstaat) und so wie es jetzt aussieht, fördern wir eher die Parallelgesellschaften, als daß wir sie unterbinden.

Erfrischend finde ich dabei, daß die im Artikel genannte muslimische Lehrerin an einer katholischen (sic!) Schule mit dem Kopftuch überhaupt kein Problem hat. Wenn die Katholiken (die ja angeblich so engstirnig sein sollen) so freigeistig sein können, dann sollte der Staat (der ja angeblich so liberal ist) und die Gesellschaft (die ja angeblich so offen ist) das auch können.

Allgemein

Ne weitere Antwort…

… und zwar hierauf. Der Platz hat mal wieder nicht gereicht. Also los:

Redefreiheit bezieht sich nicht auf Demagogie und Hetze. Gewalt kann durch Rede motiviert werden. Es erst zur Gewalt kommen zu lassen um sie dann einzudämmen heisst Gesundheit & Leben von Menschen zu riskieren.

Moment. Es ging um die Symbolhaftigkeit der Minarette. Da von Demagogie und Hetze zu reden, find ich ein wenig übertrieben. Ein Bauwerk ist keine Hetze.

Egal in welcher Ideologie gefangen, ein Lebewesen zu quälen ist immer falsch, und wer das nicht erkennt kann keine Ideologie dafür verantwortlich machen.

Ich verstehe was Du meinst, schrecke aber davor zurück, Dir in jedem Fall zuzustimmen. Das bezieht sich jetzt nicht darauf, daß es immer falsch ist ein Lebewesen zu quälen, davon bin ich überzeugt. Aber ich bin skeptisch, ob man das wirklich unter allen Bedingungen erkennen kann. Ich glaube durchaus, daß man derart verkorkst werden kann, daß man das nicht so klar erkennt.

Ich glaube aber auch an die Eigenverantwortung des Menschen, gerade in Gesellschaften die Zugang zu anderen Ansichten ermöglichen.

Eigenverantwortung immer im Rahmen der jeweils vorliegenden Freiheiten. Womöglich, hier spekuliere ich nun, kann man hierzuland wohnen, und trotzdem in einer anderen Gesellschaft sein als wir beide, und damit ist dann vielleicht auch der Zugang zu den anderen Ansichten nicht so leicht…

was nb. ein düsteres Bild vom Rest entwirft

Klar, aber dieses Bild ist IMHO so verkehrt nicht.

dass man es akzeptieren, hinnehmen oder auch nur ignorieren sollte

Nein, das nicht. Aber Ansprechpartner bei diesem Tun kann nicht derjenige sein, der nach seinen eigenen Regeln nicht verkehrt handelt, wenn er die Menschen mißhandelt. Wenn ich Gerechtigkeit will, dann ist der ungerechte Herrscher kein Partner für die Erreichung dieses Zieles, so sehr er auch manchmal als Werkzeug genutzt werden kann. Die Diktatoren dort scheinen ja zu ihrer Zeit die Christen protegiert zu haben, zumindest ein wenig, so daß die heutige Situation allenthalben als schlimmer dargestellt wird. Viellciht stimmt aber auch meien Wahrnehmung nicht.

Die Situation kann nicht verbessert werden indem man nur den Opfern hilft. Die Opfer müssen auch den Eindruck bekommen Opfer zu sein, Hilfe erwarten zu können und zu erhalten, das die Täter als Täter anerkannt sind und nicht damit durchkommen. Ohne Druck verstärkt sich die Parallelgesellschaft immer mehr.

Diesen Eindruck kann natürlich ein scharfes Durchgreifen erwecken, aber ich habe Bedenken. Eine Tochter, die für die Aussöhnung Todesgefahr auf sich nimmt, wie sieht die wohl die scharfe Bestrafung ihrer Familie? Erst muß über den Bildungsweg vermittelt werden, daß sie tatsächlich Opfe rund die Täter tatsächlich Täter sind. Bevor das Opfer das nicht begreift, kann jedes harte Durchgreifen erfolgreich als Islamophobie dargestellt werden, nach dem Motto: Seht her, wir haben uns Versöhnt und nun kommt der islamophobe Staat und stiftet Unfrieden…

Die wenigen Programme von denen ich bislang hörte werden aber kaum staatlich unterstützt, andere werden von islamischen Verbänden reflexhaft als rassistisch abgelehnt.

Das ist es, was ich meine. Da entsteht dann wieder dieses wir gegen die Denken, das hilft nicht weiter.

Ausbildung hierzulande ist keineswegs ein Garant für positive Entwicklungen. Ich erinnere an Prof. (ehem. Muhammad) Sven Kalisch und die Reaktion auf seine Koranexegese.

Lüdemann verlor seinen Lehrstuhl, Küng bekam die Lehrerlaubnis entzogen, und wahrscheinlich noch ein paar mehr. Ich bin davon auch nicht begeistert, aber es ist Teil des Systems, das an sich so schlecht nicht ist. Was Küng angeht würde ich auch sagen: Ist Sache der Katholiken, sollen die unter sich klären. Bei Lüdemann denk ich als Protestant: So nicht, auch wenn er Unsinn verzapft. Aber dann bin ich ja auch wieder kein Hannoveraner…

Zumal die Auswahl vieler Imame bei der Ditib liegt, der türkischen Religionsbehörde, die sich da auch kaum reinreden lässt.

Doch muß auch keiner zur Ditib gehen. Wenn es parallel Angebote gibt, in Deutscher Sprache und mit Kontakt zur Wirklichkeit, dann wird sich das durchsetzen. Die Migrantenkinder können heute schon kaum mehr türkisch, die Imame wissen zum Teil um das Problem mit der Kommunikation. Auch diese Situation erzeugt Druck. Da kann die Religionsbehörde stur bleiben, und sehen, wie die Felle wegschwimmen, oder sich öffnen. Eine schwache Ditib bedeutet aber auch mehr Chancen für die wirklich Radikalen, wie Pierre Vogel und seine Gang.

Solange der Kern und die bedeutenden Zentren des Islam diese Änderung nicht von sich aus vorgeben, werden die Erfolge allenfalls winzig sein und ziemlich leicht wieder negiert werden (s. Marxlohe, Paris, Köln, Bonn).

Ich weiß nicht, worauf Du mit den Städtenamen anspielst. Kerne und Zentren können sich bewegen. Neue Ansichten entstehen. Wenn ich ans Christentum denke und mich frage, wo da die Zentren sind und waren, dann ergibt sich da durchaus eine Fluktuation. Was spricht dagegen, daß Deutschland Ägypten udn Saudi Arabein als Zentrum ablöst? Babylon war auch jüdisches Zentrum, ohne im Heiligen Land zu liegen oder auch nur eine jüdische Mehheit zu beherbergen…

Der Teil der in Europa lebenden Muslime der sich nicht integrieren will muss unter Druck gesetzt werden sich zumindest an die Menschenrechte zu halten.

Bin ich voll bei Dir. Wer Gesetze verletzt, muß nach dem Gesetz bestraft werden. Aber das schließt nicht ein, Minarette verbieten zu müssen. Im Zweifel müssen die Nichtintegrationisten lernen, daß es eben kein Bajonett ist, sondern ein Turm. Punkt.

Der Teil der dabei still (oder sogar zustimmend) zusieht muss sensibilisiert und für Europa gewonnen werden.

Bin ich voll dabei.

Und der Teil der Muslime, der für ein tolerantes Zusammenleben steht sollte mobilisiert werden, um anderen, zwischen den Stühlen abwartenden ein Signal zu geben.

Ja.

Gesellschaft

Getrennter Sportunterricht

Ich würde da Rücksicht nehmen auf religiöse Überzeugungen. Aber da denkt vielleicht jeder anders.

So zitiert der Tagesspiegel den SPD Kanzlerkandidat Steinbrück. Es geht um die Frage der Toleranz, nämlich der Toleranz gegenüber religiösen Forderungen muslimischerseits, Sportunterricht getrennt anzubieten.

Daraufhin ist offenbar ein Sturm der Entrüstung losgebrochen, zu dem an sich schon einiges zu sagen wäre:

Wenn Menschen voneinander getrennt werden, ist das das Gegenteil von Integration.

Meinte etwa der Regierungssprecher. Ob diese Aussage auch auf das dreigliedrige Schulsystem anwendbar ist? Soweit würde ein CDU Mann wohl kaum gehen. Und der bayrische Bildungsminister hat wohl folgendes verlautbaren lassen:

Bei aller Toleranz gegenüber dem Islam dürfen wir nicht die Gleichberechtigung von Mann und Frau infrage stellen.

Daß in Bayern – laut Tagesspiegel – getrennter Sportunterricht sogar vorgeschrieben ist, läßt der Fachminister unter den Tisch fallen.

Nun ist zu bedenken, daß alle diese Zitate nur aus dem verlinkten Tagesspiegel Artikel (also einer einzigen Quelle) kommen. Daher mögen sie zum Zwecke eines bestimmten Bildes so zusammengestellt sein, daß dieses Bild herauskommt. Mir geht es auch gar nicht darum, die Heuchelei der Unionspolitiker aufzuzeigen, sondern um die Frage an sich.

Tatsächlich ist es so, daß ich in meiner Schulzeit ab der 7. Klasse einen nach Geschlechtern getrennten Sportunterricht hatte. Mit Lehrern für die Jungs und Lehrerinnen für die Mädchen. Und ich bin Jahrgang 1980, das Ganze ist also keine Geschichte aus dem 50ern, sondern den 90ern. Nebenbei bemerkt gab es bei uns aufm Land aum Muslime, in meiner Stufe erst ab der 11. Klasse einen. Also daran lag die Geschlechtertrennung auch nicht.

Ich frage mich also, woran das Problem liegt, wenn getrennter Sportunterricht stattfindet. Und ich habe die Befürchtung, daß es sich um eine latente Islamfeindlichkeit in der Bevölkerung handelt. Und ich vermute weiterhin, daß das Ganze, so freiheitlich es sich gibt, auf recht paternalistischen Strukturen beruht.

Hintergrund ist der alte Grundsatz „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“. Wenn die Zuwanderer richtig dazugehören wollen, dann sollen sie sich bitte nicht nur blaue Augen und blonde Haare wachsen lassen, sondern auch ansonsten praktisch unsichtbar in der Gesellschaft werden. Wenn ihre Kinder dann einen getrennten Sportunterricht haben, dann ist das eben so, weil deutsche (oder französische oder amerikanische) Wissenschaftler herausgefunden haben, daß das aus irgendwelchen Gründen auch gut ist (wir sind nämlich Zukunftsoffen und weltgewandt in Deutschland, da werden auch ausländische Wissenschaftler gehört – jahaa) und dient dann eben dem Wohl des Kindes, denn um nichts anderes geht es uns ja. Wenn der Grund für die Trennung aber mit religiösen Traditionen begründet wird, dann ist das sofort Unterdrückung und rückständig und Mittelalter, und die Frauen sind ja ganz arme Opfer, und wenn die Mädchen selbst das auch wollen, sind sie eben indoktriniert und wissen nicht, was gut für sie ist. Wir wissen es besser.

Es ist nur leider so, daß wir nicht in einem Fachwerkhaus, Sauerbraten und Jägerzaundeutschland leben. Die Gesellschaft ist mit all den Zuwanderern viel bunter geworden. Ein Zurück kann es nicht geben, ohne daß weite Teile der Bevölkerung ihre Identität aufgeben müßten. Und wozu? Außerdem: Dieses Jägerzaun und Schützenvereindeutscland gab es so nie. Das (Klein)Bürgertum war immer nur eine Subkultur in Deutschland, und wenn es mal die kulturelle Landschaft stärker als andere prägen konnte, dann kann man noch überlegen, ob das gut oder schlecht war und warum, um Lehren für später zu ziehen, aber es gibt dahin kein Zurück mehr, weil wir nicht mehr dieselben sind. Und die Welt nicht mehr die selbe ist. Es wurde damals schon nicht alles gut, wenn ale zu Kleinbürgern würden, und auch heute nicht.

Wir leben in dieser Gesellschaft zusammen, ob es uns nun paßt oder nicht. Wir können uns nicht aussuchen, wen wir als Nachbarn haben, und wir können uns auch nicht anmaßen, ihn erziehen zu wollen, wo er doch selbst ein mündiger Bürger ist.

Angst vor dem Fremden kann kein Grund sein, dem Fremden das zu verbieten, was wir hier selbst praktizieren. Oder überhaupt etwas zu verbieten. Dazu müßten wir erst einmal nachweisen, daß es Schaden anrichtet. Außerdem müßten wir zusätzlich fragen, wie der Geschädigte selbst das sieht. Wenn Frauen ein Kopftuch tragen möchten, dann ist es vielleicht auch freier Ausdruck ihres persönlichen Willens. Nur weil Anhängerinnen der Frauenbewegung in den 60ern und 70ernihre BHs verbrennt haben, müssen die Frauen der Zuwanderer sich nicht mit ähnlichen Aktionen befreien. Mehr vom Körper zeigen heißt nicht mehr Freiheit.

Was spricht also gegen getrennten Sportunterricht? Eigentlich nur, daß die Muslime das wollen. Und was die wollen, muß ja irgendwie gegen die Freiheit der Frauen gerichtet oder sonstwie unmenschlich sein. Solche Ansichten kotzen mich an. Eine freie Gesellschaft kann nicht nach den Regeln der Borg funktionieren: „Prepare for assimilation.“ Wenn alle sich nach einem Muster (welchem auch immer) zu richten haben, dann ist das nicht mehr eine freie Gesellschaft, sondern eine totalitäre.

Wobei: Wenn die Borg ein Volk assimilieren, dann verändern sich ja auch die Borg dabei, insofern tut dieser Vergleich den Borg Unrecht.

Lernt endlich, daß es in der Gesellschaft nicht darum geht, wer möglichst viele seiner Ideale anderen aufdrängt, sondern wie man möglicht gedeihlich zusammenleben kann. Steinbrück scheint davon mehr begriffen zu haben als Merkel. Ein Grund, wieso ich ihn für kompetenter halte.

Religion

Islam is for Arabs, Christianity is for everyone

Langsam wird das mit den Videos zum Thema Islam (bzw dagegen) zur schlechten Gewohnheit. Ich schieb’s mal einfach auf die Publicity, die das Thema durch die Koranverteilaktion gekriegt hat. Hier ist noch ein Video von Jay Smith, für diejenigen von Euch, die des Englischen mächtig sind:

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich mit Jay in vielen Punkten übereinstimme, was die christliche Lehre angeht. Ich hab auch schon Jahre keine Videos mehr von ihm gesehen, auch ich mag es, wie er den Fundamentalismus von allzu platten Missionaren wie Pierre Vogel ad absurdum führt, indem er sie voll gegen die Wand laufen läßt (das kommt jetzt in diesem Video weniger vor, aber es gibt noch einige mehr von ihm). Er muß dazu nichts weiter tun, als die Fundis ernst nehmen, und schon stößt er auf massig Widersprüche (kleiner Tipp: Das funktioniert auch bei christlichen Fundis).

Religion

Was weiß Gott und wer ist Jesus?

Ich mag ja Pierre Vogel. Schon allein wegen seinem Dialekt und seinem Bärtchen. Und er ist immer am Lachen, was man durchaus verstehen kann, wenn man seine Videos sieht. Ich muß da auch immer lachen.

Der Herr Alipius hat letztens über die Kaninchen ausm Hut Tricks von Vogel und Konsorten geschrieben, einzelne Punkte rauspicken, das Gesamtgefüge ignorieren, und dann den einzelnen Punkt ins Lächerliche ziehen. Das Ganze wird dann so lange wiederholt, bis der Gegner diskreditiert ist. So funktioniert gute Propaganda.

Eine Methode, dem zu begegnen, hat Herr Alipius dann auch verlinkt, nämlich den Versuch von Vincentius, den Blick auf das Gesamtgefüge zu lenken, angesichts eines ziemlichen Fails einer Jesus-Chatline. Das Video ist dort im Artikel eingebunden.

Vincentius geht hier den richtigen Weg, auch wenn ich freilich seiner sehr katholischen Darlegung nicht in allen Punkten zustimmen kann. Bei Licht betrachtet sollten unsere Unterschiede aber marginal sein (abgesehen vom filioque, das ich ablehne, aber hier folge ich auch dem protestantischen Mainstream nicht).

Mir geht es hier jetzt um ein Video von Vogel, in dem er sich am Ende lusitg macht über einen Christen, der ein bißchen blöd dasteht, nach nem Propagandatrick von Vogel, und dabei immer dieses Lachen im Gesicht. Halt ne rheinische Frohnatur.

Zum Video:

Wichtig ist, daß man den Christen nicht hört, sondern Vogel selbst seine Aussagen wiederholt bzw zusammenfasst. Dann die Frage, ob Jesus Gott sei, was der Christ wohl bejaht (stimmt ja auch ;)).

Dann die zweite Frage: Ist Gott allwissend? Ebenfalls Bejahung. Soweit, so normal und richtig.

Dann die Unterstellung: Also Jesus ist allwissend. Und der Christ tappt in die Falle, wobei er so schnell antwortet, daß er den Inhalt der Frage wohl gar nicht kapiert hat, sondern ne Wiederholng wie vorher vermtet hat.

Dann: Lügt Gott? – Nein.

Also Jesus lügt nicht? – Nein.

Dann ne Bibelstelle, Vogel verhaspelt sich erst, nennt dann aber Mk 13, 32:

Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.

Es folgt der nächste Trick: Vogel zitiert die Stelle nicht, sondern macht ne Nacherzählung. Ansonsten zitiert er ja gerne, hier wäre damit aber die Gefahr verbunden, daß er eher durchschaut wird.

Wichtig ist hier, daß Vogel „Gott“ sagt, wo die Bibel vom „Vater“ spricht. Ne kleine Ungenauigkeit, aber genau so kommt er zu seinem Ergebnis. Denn „Gott“ und „Vater“ sind nicht identisch, auch wenn der Vater Gott ist, denn Gott ist nicht der Vater (jedenfalls nicht nur).

Jetzt muß natürlich der Christ sagen, daß Jesus nicht gelogen hat, sondern den Zeitpunkt da Himmel und Erde vergehen werden tatsächlich nicht wußte. Wir erinnern uns: Der Christ hatte auch den Fehler begangen zu sagen, Jesus sei allwissend.

Danach scheint der Christ das Mikrophon zu verlangen, womöglich um etwas richtig zu stellen, aber er kommt nicht hin, und ein Mann ausm Hintergrund macht Anstalten, im Notfall einzugreifen, auch Vogel hält den Christen vom Mikro weg.

Vogel stellt fest, daß wir die Wahrheit gerade gesehen hätten und nicht mehr brauchten.

Dem kann ich wiederum zustimmen, wir haben gesehen, daß Vogel mit billigen Tricks arbeitet und keineswegs an einem Gespräch auf Augenhöhe interessiert ist (wieso sonst bewacht er das Mikro sonst so sehr?).

Zweimal hat der rheinische Salafisten-Misisonar ne falsche Antwort provoziert, zwei falsche Annahmen, die zum gewünschten Ergebnis führen: Seine eigene Religion als „die Wahrheit“ darzustellen. (an sich hab ich damit kein Problem, wenn jemand seine eigene Religion als wahr ansieht, das ist der Normalfall, aber ich finde es billig, wenn derjenige zu solch billigen Tricks greifen muß, um daran festhalten zu können).

Was waren also die Fehler genau?

  1. Jesus sei allwissend. Gott ist allwissend und Jesus ist Gott, aber Gott ist nicht Jesus, jedenfalls nicht nur.
  2. Nur Gott wisse den Zeitpunkt, und nicht Jesus. Beide Teilsätze sind für sich sogar richtig. Vergessen wird aber, daß Jesus Gott ist (was Vogel natürlich nie zugeben könnte, so lange er Muslim bleibt). Man müßte schon genauer sein: Der Vater weiß den Zeitpunkt, Jesus nicht. Der Vater ist Gott, aber Gott ist nicht der Vater, jedenfalls nicht nur.

Der Vater ist allwissend, und insofern Er allwissend ist, ist es auch Gott. Jesus ist nicht allwissend, trotzdem ist Er ebenfalls Gott. Gott ist aber nciht auf den Vater oder den Sohn oder den Geist beschränkt, Gott ist alle drei, nicht nur einer, aber jeder einzelne ist ganz Gott, aber eben nicht allein, sondern zusammen mit den anderen beiden.

Sicher kann man durch Taschenspielertricks und dergleichen einzelne Christen dumm aussehen lassen. Der salafistische Katechet von gestern sieht auch nicht besonders schlau aus, wenn er die Regeln seines als barmherzig gepriesenen Gottes als Qual darstellt. Aber wichtiger ist doch, ob der Christ in diesem Video oder der gestrige Salafist den jeweiligen Glauben richtig darstellen, oder ob sie, weil sie überrumpelt wurden, oder es nicht besser wissen, den Glauben falsch darstellen.

Bei beiden kann man sagen, daß der Glaube, den sie dargeboten haben (ob freiwillig oder durch Suggestion) nicht überzeugend ist, aber ich würde nicht sagen, daß der Christ vom heutigen Video die christliche Lehre korrekt dargestellt hat (Vogel hat daran eh kein Interesse) und ich nehme zu Gunsten der Muslime und des Islam an, daß der Salafit von gestern die islamische Lehre ebenfalls verdreht hat.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Freitag, 23.03.2012

Beim Ärzteblatt kommen Kirchenvertreter zum Wort. Es geht um den Bluttest auf Trisomie-21und die negativen Folgen. Die Problematik ist ja keine Neue. Das gleiche Problem steht ja auch hinter der ganzen PID Geschichte: Das Kind als Produkt.

Carsten Neumann unterstellt der katholischen Kirche vorsätzliches Verletzen der Menschenrechte. Worum geht es? Eine Kindergärtnerin hat einen neuen Mann. In katholischen Kindergärten kann sowas schon einmal die Kündigung zur Folge haben. So auch hier. Allerdings hat in diesem Fall die Stadt Königswinter dies zum Anlaß genommen, der Kirche die Trägerschaft des Kindergartens zu entziehen. Wenn ich mich recht entsinne, ist das neu, und man darf gespannt sein, wie die Katholische Kirche in Zukunft agiert, wenn nun der Verlust der Trägerschaft zu befürchten ist. Aber zurück zu den Menschenrechten. Neumann bezieht sich auf den Fall des Essener Organisten, dessen Kündigung vom Europäischen Gerichtshof als Verstoß gegen die Menschenrechte gewertet hat. Allerdings steht in dem zum Beleg verlinkten SPON Artikel vom 23.9.2010 auch ein anderer Fall, in dem eine Kündigung aufgrund außerehelicher Beziehungen eben nicht als Menschenrechtsverletzung angesehen wird. Es stimmt also nicht, daß eine Kündigung wegen Ehebruch prinzipiell gegen die Menschenrechte verstößt. Irgendwie fühl ich mich hier an die Godwin Thematik erinnert. Unter „Menschenrechtsverstoß“ scheint Kirchenkritik nicht möglich zu sein, immer gleich die größte Keule, auch wenn sie unberechtigt gentzt wird. Die Kathollische Kirche hat sich immerhin schuldig gemacht, also braucht ja keiner kommen…

Update: Carsten Neumann hat seinen Artikel geupdatet. Meine Kritik wird damit quasi gegenstandslos. Der Text bleibt trotzdem stehen, wegen der Nachvollziehbarkeit.

Benjamin Lebsanft hat auf Abgeordnetenwatch eine Frage an Dr. Günter Krings gestellt. Es geht um die Kosten der Vorratsdatenspeicherung. Ich bin gespannt auf die Antwort, falls eine kommt.

Mechthild Werner hat sich mit Gauck, dem Präsidentenamt und den Sünden befasst. Außerdem geht es darum, ob wir nun in einer Pfarrerrepublik leben bzw wie es sich auswirkt, daß die Kanzlerin Pfarrerstochter ist und der Präsident selbst Pfarrer.

Mit Gauck befasst sich auch Jacob Jung. In seinem Artikel geht es um die verschiedenen Sozialsysteme, die es gibt.

Im Film Hellbound, auf den ich durch peregrinatio aufmerksam gemacht wurde, geht es um die Hölle und die damit verbundene Angstmacherei. Der Teaser Trailer macht echt nen guten Eindruck.

Auf dem youtube Kanal zum Film gibt es noch ein paar Videos.

Andreas Meißner befasst sich mit einem recht frühen „Blogger“: Habakuk.

Thomas Steinschneid hat was geschrieben zu den kulturellen Unterschieden beim Autofahren. Es sieht danach aus, daß bald eine Fortsetzung kommt zm Thema U-Bahn.

Ein interessanter Blog, den ich entdeckt habe, ist Erhard Eutebachs Kinderlesen Blog. Bald ist Ostern, und wer noch Geschenke für Kinder sucht, könnte dort vielleicht fündig werden.

Ein weiterer interessanter Blog ist Muslim Essay. Er stellt den Anspruch, muslimische Stimmen zu Gesellschaft und Zeitgeschehen zu Gehör zu bringen. Bei einem ersten Überfliegen habe ich den Eindruck bekommen, daß es sich vorwiegend (oder nur?) um schiitische Autoren handelt. Wie auch immer, der erste Schritt zur Integration ist es, einander zuzuhören, und da kann der Blog ein Medium sein.

Auf evangelisch.de las ich von der Problematik, daß der islamische Religionsunterricht, der jetzt in verschiedenen Ländern startet, nicht von den Religionsgemeinschaften, sondern vom Staat verantwortet werden. Ich halte das wirklich für ein Problem. Was islamisch ist, kann letztendlich nur eine islamische Religionsgemeinschaft festlegen, und nicht ein weltanschalich neutraler Staat. Hoffentlich kommt es bald dazu, daß solche Religionsgemeinschaften gegründet werden, die dann den Religionsunterricht verantworten können. Ansonsten dürfte es über kurz oder lang mau aussehen mit der Akzeptanz.

Da wir es gerade vom Islam haben, noch ein Hinweis auf einen Artikel von Uri Avnery. Er befasst sich mit der „jüdischen Seele“ eines arabischen Richters, bzw. deren Nichtvorhandensein, und die Folgen für die israelische Nationalhymne.

Und jetzt noch den Bogen zur eigenen Religion zurückschlagen: Bei Brot für die Welt gibt es einen Fürbittenvorschlag für den Weltwassertag am Sonntag.

Das war es für heute. Mehr beim nächsten Mal.

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Was mich stört ist Dir verboten!

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

Martin Niemöller

Freiheitsrechte betreffen nie nur eine Gruppe, sondern immer alle. Wenn auch nur einer Person ihre Freiheit genommen wird, betrifft es mich auch, denn ich könnte der Nächste sein. Und aus diesem Grund ist es geboten, das Maul aufzumachen, wenn anderen Freiheiten genommen oder eingeschränkt werden, weil es die Freiheit aller ist, die zur Disposition steht.

Ich dachte, in der Sache um das Beten in der Schule sei schon alles gesagt, auch wenn heute eine weitere Instanz sich mit dem Fall befasst hat und wieder einmal – wie die letzte Instanz – sich gegen die Religionsfreiheit des Schülers, der beten wollte entschieden hat. Ich habe bei der letzten Instanz etwas dazu geschrieben und meine Meinung seither nicht wesentlich verändert.

Heute nun hab ich einen wunderbaren Kommentar gelesen, der das Problem auf den Punkt bringt. Und dann noch einen Artikel in der Online Ausgabe des ehemaligen Nachrichtenmagazins aus Hamburg. SPIEGEL ist ja so ne Sache, wenn es um Religion geht. Das Thema, so scheint es mir, geht der Redaktion dort einfach ab. Das an sich ist ja kein Problem, jeder hat Dinge die ihm mehr oder weniger liegen als andere.

Allerdings waren in besagtem Artikel ein paar Formulierungen, die ich dann doch nicht unkommentiert stehen lassen will.

Demonstrative Gebete, egal welcher Glaubensrichtung, dienen nicht dem Schulfrieden. Sie teilen die Schulfamilie in Glaubensrichtungen auf, in Gruppen von Zugehörigen und Ungläubigen, in ein ungutes „Wir“ und „Ihr“.

Ich will jetzt einmal gar nicht darauf eingehen, ob Yunus M. hier demonstrativ beten wollte, oder einfach nur beten, ohne Demonstration, auch wenn die Frage nicht unerheblich ist und die Unterstellung im Zweifel nicht unproblematisch. Mir geht es um die Aufteilung der „Schulfamilie“.

Wie ich das sehe, ist die Schulfamilie schon geteilt. Man weiß, ob der andere Muslim ist oder Christ, ob Schiit, Sunnit oder Buddhist. Die Gräben sind da. Die Einteilung in „ungutes ‚Wir und ‚Ihr'“ ist gegeben. Die Zgehörigkeit zu den Religionen ist gegeben, und niemand, der auf dem Boden des Grundgesetzes steht, wird die Schüler gegen ihren Willen von ihrer Religion trennen wollen.

Dann ist jedoch die Frage, was ein „demonstratives Gebet“ dann für einen Schaden anrichtet. Es hat Konfliktpotential, sicher. Das ist jedoch nach allem, was man hört, auch gegeben, wenn muslimische Schüler im Ramadan etwas essen. Soll nun mslimischen Schülern um des lieben Frieden Willens das Essen im Ramadan per Schulbeschluß verboten weden? Um des lieben Frieden Willens? Oder werden nur einseitig religiöse Handlungen unterbunden, während liberaleres Handeln wie das Nichteinhalten des Fastens im Ramadan als gut, fortschrittlich und aufgeklärt angesehen wird? Die Einteilung in „Wir“ und „Ihr“ ist damit aber ebenso gegeben. Darüber hinaus gibt es kein Recht auf Mittagessen (es geht mir hier um die Zeit des Essens und nein, ich bin nicht der Meinng, daß man Schülern das Essen verbieten sollte!), im Gegensatz zum Recht auf freie Religionsausübung, das sogar Verfassungsrang hat. Ich frage mich nun, wieso hier ein Recht eingeschränkt wird aufgrund der Spannungen, wenn die Spannngen sich ebenso auf Essensfragen beziehen und hier keine Verbote asgespochen werden.

In dem Moment, in dem sich auch nur eine Person durch die Glaubensbekundungen der anderen gestört fühlt, sind diese Bekundungen in staatlichen Einrichtungen zu untersagen. Denn der Staat gewährt zwar Religionsfreiheit, aber eben auch in der negativen Variante der Freiheit von Religion.

Wäre die Ungestörtheit anderer Kriterium für das Zugeständnis von Freiheiten, hätten sich diese nie entwickelt. Alle Freiheiten mußten gegen diejenigen erkämpft werden, die sich gestört fühlten. Und noch heute stören sich Diktatoren an der freien Meinungsäußerung in ihren Völkern, die zum Teil gerade dabei sind, sich diese Rechte zu erkämpfen, und zwar nter Einsatz des Lebens.

Und wir werfen die Rechte weg. Wir sagen, die Rechte seien ja schön und gut, aber bitte nur so lange, wie sich niemand gestört fühlt, denn es gibt ja auch eine negative Religionsfreiheit.

Doch negative Religionsfreiheit, man berichtige mich, ist die Freiheit, keiner Religionsgemeinschaft angehören zu müssen. Sie bedeutet nicht, daß die eigene Intoleranz einer oder mehreren Religionsgemeinschaften und ihren Praktiken gegenüber rechtlich geschützt und höher gewertet würde als die positive Religionsfreiheit derer, die für die Störng der Intoleranten verantwortlich sind.

Niemand kann mir verbieten meine Meinung zu sagen, nur weil er sich dadurch gestört fühlt. So könnte man ja jeden recht schnell mundtot machen. Nur weil ich meine Religion frei wählen darf heißt das nicht, daß ich die abweichende Wahl, die andere treffen, bekämpfen oder unterbinden kann, weil ich mich gestört fühle. Und das gilt nabhängig davon, ob ich mich an einer staatlichen Einrichtung befinde oder nicht.

Es stimmt mich nachdenklich, daß der SPIEGEL hier eine ganz andere Linie vertritt. Diese Linie, in der nur noch erlaubt ist, was niemanden stört, muß in letzter Konsequenz zu Aushöhlung und Abbau unserer Freiheitsrechte führen, und davor graut mir.

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Norwegen

Unsere Antwort wird mehr Offenheit und mehr Demokratie sein. Wir lassen uns unsere offene Gesellschaft nicht kaputt machen.

Jens Stoltenberg, norwegischer Ministerpräsident, zitiert nach Mathias Richel.

Der christliche Fundamentalist

Es ist schon vieles gesagt zum Mörder Breivik.Eine der ersten Aussagen, die ich hörte war, daß es sich um einen christlichen Fundamentalisten handele (ja, ich hab kein Fernsehn, deshalb ging die „das war sicher ein Islamist“ Nummer erst einmal an mir vorbei, das hab ich erst später aus zweiter Hand erfahren).

Wenn man den Begriff hört, denkt man wahrscheinlich zuallererst an einen fundamentalistischen Terroristen à la Al Quaida: Ausgerüstet mit dem Willen selbst zu sterben, ohne großes Interesse daran, wer eigentlich bei den Anschlägen stirbt (die meisten Opfer von Al Quaida sind Muslime!) verübt er eine Terrortat, um einen Gottesstaat zu errichten.

Breivik macht jedoch nicht den Eindruck, als ob er einen Gottesstaat errichten wollte. Vielmehr scheint die Angst vor dem islamischen Gottesstaat in Europa ihn angetrieben zu haben. Das eigene Sterben hat er zumindest nicht gesucht, jedenfalls war allenthalben die Rede davon, daß er nach Eintreffen der Polizei keinen Widerstand mehr leistete. Auch seine Opfer hat er sich gezielt ausgesucht: Das Regierungsviertel und die Jugendorganisation der regierenden Partei, die er für den Multikulturalismus verantwortlich macht.

Eine Gemeinsamkeit hat er dann aber doch mit den Islamisten: Er will durch sein Morden Aufmerksamkeit erregen. Für sein Manifest, in dem es unter anderem heißt:

Eine Mehrheit der so genannten Agnostiker und Atheisten in Europa sind kulturelle konservative Christen, ohne es selbst zu wissen. Was also ist der Unterschied zwischen kulturellen Christen und religiösen Christen? Wenn man eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und Gott hat, dann ist mein ein religiöser Christ. Ich und viele andere wie ich haben nicht notwendigerweise eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und Gott. Wir glauben aber an das Christentum als kulturelle, soziale und moralische Plattform. Das macht uns zu Christen.

Er hat also einen recht eigenwilligen Christentumsbegriff. Es ist ein kultureller Begriff: Weil er aus einer vom Christentum (und nicht vom Islam) geprägten Kultur kommt, ist er Christ. Nicht, weil er religiös wäre. Es erinnert an das 19. Jahrhundert, als in der evangelischen Theologie die These herrschte, die Kirche müsse sich in der Kultur auflösen. Wundergeschichten, Exorzismen, Auferstehung galten als Relikte eines unafgeklärten Glaubens, als Kern des Christentums wurde nicht mehr die Vergebung der Sünde angesehen, sondern die sittlichen Lehren Jesu, Ethik und Kultur. Auf dem bei Youtube kursierenden Video (Link könnte kaputt sein, youtube löscht es, aber es wurde von einigen Leuten hochgeladen) nennt er das Christentum vor der Aufklärung (~ Min. 11) als eine imperialistische Ideologie, von solchen Ideologien distanziert er sich jedoch.

Die Angst des Antiislamismus

Diese seine Kultur, die er „kulturell konservatives Christentum“ nennt, sieht er in Gefahr, durch „Überfremdung“, durch den Zuzug von Muslimen nach Europa und Norwegen. Und deshalb mordet er, hält seine Taten für „furchtbar aber notwendig“, um eben mittels Verbreitung seines Manifestes (das ich erst mal suchte, um es runterzuladen und mir ein genaueres Bild zu machen und hier als zu Beleg verlinken, dann aber Abstand davon nahm, als ich laß, das sich darin Bombenbauanleitungen finden) dafür zu sorgen, daß die Zuwanderung gestoppt wird.

Er handelte aus Angst. Er war sich seiner Identität derart unsicher, daß er andere Identitäten in seinem Umfeld nicht dulden will und kann. Darin unterscheidet er sich wenig von anderen Protagonisten des Antiislamisms (zur Verdeutlichung: Das -ismus bezieht sich nicht auf Islam, sondern auf Antiislam) wie Sarrazin und Broder.

Es war auch zu lesen, daß man Breivik weniger als Nazi denn als antimuslimisch bezeichnen muß. Der Unterschied liegt in der Motivation und dem Ziel des Haßes: Der Nazi haßt den Ausländer aufgrund von dessen „Rasse“, der Antiislamist hasst den Muslim aufgrund der abweichenden Kultur. Das macht sich dann an Kopftüchern und Bärten fest, gemeinsame tatsächliche Werte wie Ablehnung von Gewalt etc spielen weniger eine Rolle. Das wird im Zweifel großflächig ignoriert.

Reaktionen

Bei der Reaktion auf die Anschläge sind natürlich die üblichen Reflexe schnell zur Stelle: Mehr Überwachung, Vorratsdatenspeicherung, Polizeistaat. Mir ist jedoch nicht klar, was VDS bringen würde, außer vielleicht eine Untersuchung, wie genau er die Tat vorbereitet hat, und zwar im Nachhinein, nachdem man wüßte, nach wem man in dem Datenwust suchen muß. Das hätte keins der Opfer gerettet. Auch eine Videokamera auf der Insel hätte Breivik keinen Einhalt geboten. Selbst 100 Kameras nicht!

Insofern ist es angenehm zu hören, daß der norwegische Ministerpräsident als Reaktion eben mehr Offenheit und Demokratie will und nicht die Etablierung eines Sicherheitsstaates.

Ansonsten liest man von Aufrufen, den Anfängen zu wehren und auch die Brandstifter nciht aus dem Blick zu verlieren.

All das ist gut und wichtig und die TITANIC hat das auch schon entsprechend kommentiert.

Wie kann es besser werden?

Einen darüber hinaus wichtigen Gedanken habe ich Alipius zu verdanken, der mich dann auch dazu führte, diesen Artikel zu schreiben:

Dieses Potential nicht ernst zu nehmen, sondern es weiterhin fleißig in die Schubladen „Stammtisch“, „Irrationaler Fremdenhaß“ oder „Christlicher Fundamentalismus“ zu schaufeln, kann uns teuer zu stehen kommen.

Was auch immer die Beweggründe dafür sind, daß Broder, Sarrazin und Geert Wilders Zulauf bekommen, sie zu ignorieren wird die angestauten Emotionen nicht abbauen. Diese Emotionen sind da, und wie ich weiter oben schon schrieb, denke ich, daß Unsicherheit in Bezug auf die eigene Identität und eine daraus sich nährende Angst vor allem Fremden eine der Hauptursachen ist.

Die Frage wäre dann, wie man den Stammtischmenschen (um auch mal ein Wort zu schöpfen wie Sarrazin mit seinen „Kopftuchmädchen“) die Angst nimmt, wie man ihnen Sicherheit bezüglich ihrer Identität vermittelt, so daß sie es nicht mehr nötig haben, Unsicherheiten und Minderwertigkeitsgefühle bezüglich der eigenen Identität durch radikales und gewalttätiges Überbetonen derselben zu kompensieren.