Commenting Media, Gesellschaft

Pädophile Massenhochzeit im Gaza-Streifen?

Im Moment hab ich wenig Zeit, es sind gerade Amtswochen, daher hatte ich gar keinen Artikel geplant. Dann sah ich dieses Bild:

Massenhochzeit in GazaEs handelt sich um ein Bild von einer Massenhochzeit in Gaza. Und es ist sehr verbreitet im Internet (siehe google Bildersuche – gibt es auch weniger bedenktliche Bildersuchen als google?).

Soweit, so gut. In Gaza gibt es also Massenhochzeiten. Die gibt es auch bei uns, und es gibt immer wieder Versuche, größere Massenhochzeiten auszurichten, um ins Guiness Buch der Rekorde zu kommen. Wie dem auch sei.

Das alles ist ja kein Aufreger. Der Aufreger liegt darin, dass auf den weitaus meisten Webseiten behauptet wird, die Mädchen in den weißen Kleidern seien die Bräute der daneben stehenden Männer. Die Seitenbetreiber leisten damit dem Vorurteil Vorschub, dass Muslime eine Neigung zu Pädophilie hätten, jedenfalls lassen sich viele der Artikel so verstehen.

Es handelt sich allerdings nicht um die Bräute. Und das entlarvt die ganzen Webseiten „besorgter Bürger“ und anderer geistiger Brandstifter als ganz üble Hetze.

Die Mädchen sind die Cousinen der Eheleute, die in der Zeremonie eine Rolle spielen. Die erwachsenen Bräute zeigen sich nicht derart in der Öffentlichkeit.

Leider aber geht die Wahrheit in der Masse an Falschinformationen und Hetzseiten ganz schnell unter, und man braucht schon ein gewisses Misstrauen und eine gewisse Ausdauer, um etwa auf diesen Artikel zu stoßen, der die Hintergründe beleuchtet. In dem Artikel ist dann auch ein Artikel eines Reporters verlinkt, der tatsächlich vor Ort war und bestätigt, daß die Mädchen nicht die Bräute sind.

Wir leben in Zeiten der Unaufrichtigkit, in der wir mit einem Wust von Lügen dazu gebracht werden sollen, unseren Auftrag als Christen, die Menschen zu lieben, zu vergessen und statt dessen zu hassen. Der Teufel ist der Vater der Lüge, und er nutzt sie, um seien Haß zu verbreiten und Gottes Reich zu bekämpfen.

Seien wir also misstrauisch, wo immer wir zu Haß und Verachtung gedrängt werden, durch Angstmacherei und Lügen.

Einer der häufigsten Sätze in der Bibel lautet: „Fürchte Dich nicht.“ Halten wir uns daran. Und halten wir an der Liebe fest!

Update: Ich stieß gerade auf diesen Artikel, der den oben verlinkten Artikel in einigen Details korrigiert. Interessant dabei finde ich zwei Dinge:

  1. Die ursprüngliche Falschmeldung kam von einem radikalen koptischen Blog (es gibt auch unter den verfolgten Christen der arabischen Länder Radikale, die zur Lüge greifen).
  2. Die Massenhochzeiten der Hamas sind ein soziales Projekt, das allen Menschen egal welcher Religion oder Nationalität offensteht. Mir stellt sich da die Frage, ob das nicht auch etwas für unsere Kirchen wäre. Ich habe den Eindruck, dass dies bei den immer wieder veranstalteten Tauffesten der Fall ist. Wieso das nicht auf Hochzeiten, Konfirmationen und andere Feste ausweiten?

Nochn Update: @LEvangelikal hat mich drauf hingewiesen, daß es sich bei der koptischen Homepage um „Kopten ohne Grenzen“ handelt (Danke für den Hinweis). Dort hab ich die Geschichte dann auch gefunden. Allerdings handelt es sich dabei offenbar nicht um die erste Meldung (wie bei mimikama.at zu lesen), da der Artikel vom November 2012 ist und auf einen Artikel vom 5.8.2009 bei pi verlinkt. Vom pi Artikel bin ich dann zu Israel Matzav gekommen. Der Artikel datiert vom 31.7.2009 und ist bisher der Älteste. Tim Marshall, der vor Ort war und davon berichtete (ich hab den Originalbericht noch nicht gefunden) hat schon am 4. August 2009 von dem Problem berichtet, daß islamophobe Webseiten die Bilder aus dem Kontext reißen. Im Moment hege ich die Vermutung, daß der Originalartikel deshalb ausdem Netz genommen wurde.

Gesellschaft, Religion

Jede Religion, außer Islam, ist inakzeptabel

So zitiert das Hetzbild Sure 3:85. Eigentlich ist es eine Zusammenfassung. Der Text der Aya:

Und wer eine andere Religion als den Islam begehrt: nimmer soll sie von ihm angenommen werden, und im Jenseits wird er unter den Verlierern sein.

Mir erschließt sich wie bei der letzten Aya schon nicht, inwiefern dies „zum Krieg gegen Ungläubige [aufruft]“. Der Koran lehrt also, daß der Islam die richtige Religion ist und diejenigen, die eine andere Religion haben, im Jenseits zu den Verleirern gehören werden.

Sorry, aber das war nicht anders zu erwarten. Das lehrt das Christentum in Bezug auf die eigene Religion nicht anders.

Wer von seiner eigenen Lehre überzeugt ist, wird IMMER davon ausgehen, daß andere Lehren Nachteile mit sich bringen. Auch wenn es sich nicht um Religionen handelt. Kein AfDler wird sagen, daß die Linke oder die CDU genau so gut ist wie die AfD. Das könnte man auch auf Fußball und andere Lebensbereiche übertragen – und es hat nichts mit Krieg, Gewalt oder Unterdrückung zu tun.

Daß dieser Vers hier aufgezählt wird, ist ebenso lächerlich wie der letzte. Angeblich sollen es ja mehr als 109 Verse sein, die zu Krieg und Gewalt aufrufen. Von 13 abgedruckten Versen haben sich bisher zwei als vollkommen neben dem Thema liegend dargestellt und einer als aus dem Kontext gerissen. Was steht dann wohl in den anderen 96, nicht abgedruckten Ayat? Man sollte ja denken, daß die schlimmsten aufgeführt werden. Da diese sich aber bisher als gar nicht schlimm gezeigt haben, steht die Frage im Raum, ob die Ersteller dieses Hetzbildes sich selbst ernst nehmen?

Gesellschaft, Religion

Der Islam

Thomas hat einen interessanten Artikel geschrieben über sein Wohlwollen gegenüber dem Islam, und wieso dieses seit etwa 15 Jahren auf Eis liegt.

Er spricht dabei wichtige Punkte an, bei anderen Punkten würde ich widersprechen oder eine andere Pespektive vorschlagen. Deshalb der Artikel.

Am Anfang beschreibt Thomas, was sein Islambild prägte und wie es sich änderte. Da ich etwas jünger bin und auf dem Dorf auswuchs, wo es keine/kaum Muslime gab (irgendwann gab es eine Familie, die nach ein paar Jahren untertauchte, weil sie abgeschoben werden sollten), sind meine Erfahrungen andere.

Hkbne
Karl May – Kein Islam-Experte
Den ersten Kontakt zum Islam hatte ich bei Karl May – und das beschreibt schon das Problem: Alles Fiktion. Trotzdem hat mich Karl May geprägt, was meinen eigenen Glauben und auch meine Einschätzung anderer Menschen angeht. Bei Karl May gibt es gute und böse Christen, gute und böse Muslime, gute und böse Indianer (wobei man ehrlicherweise dazu sagen muß, daß die wirklich Guten am Ende immer zum Christentum tendieren, so Hadschi Halef Omar und Winnetou – und auch Schurken wie Old Wabble bekehren sich mitunter kurz vor dem Tod).

Kontakt mit Türken hatte ich wie gesagt kaum, erst in der Oberstufe hatte ich einen türkischen Stufenkameraden, mit dem ich weiter aber auch nichts zu tun hatte, nicht aus Ablehnung, sondern weil wir einfach in anderen Freundeskreisen unterwegs waren. Das einzige Mal, daß seine Religion durchschienwar, als unser Physiklehrer 60 wurde und wir Sekt in den Unterricht mitbrachten (um statt Unterricht zu machen zu feiern). Bei der Gelegenheit meinte der Lehrer zu dem Mitschüler: „Na, ob Allah es wohl sehen wird, wenn Du einen Schluck mittrinkst?“ Der Mitschüler ließ sich aber nicht provozieren und lehnte freundlich ab. Damit war die Sache gegessen.

In den Schulferien arbeitete ich in einem Werk von Daimler, dabei kam ich auch mit Muslimen in Kontakt – meist Studenten, die in den Semesterferien ihr Budget aufbesserten. Das waren allesamt moderne, aufgeschlossene Menschen. EIne Kollegin trug traditionelle, weite Kleidung und Kopftuch – und war trotzdem keine unterdrückte Frau, sondern hatte ihre klare Meinung und äußerte sie auch, studierte in einem fremden Land, arbeitete mit Männern im Lager  und war einfach nur ein fröhlicher Mensch.

Sonst beschränkten sich meine „Kenntnisse“ über den Islam meist auf das Fernsehen – bis ich nach Israel ins Kibbuz ging.

Dort gab es nicht nur jüdische Israelis, sondern auch arabische – mit muslimischer Religion. Und was soll ich sagen:Das waren alles freundliche Menschen. Nach dem Kibbuz machte ich noch ne Rucksackreise durch Ägypten, wo ich auch keine wirklich negativen Erfahrungen machte, während mich die Frömmigkeit der normalen Menschen etwas faszinierte. Ein durchaus modern wirkender Hoteleigentümer, der sich trotzdem an die Gebetszeiten hielt und sich eben kurz in ein Seitenzimmer verzog, um sein Gebet zu sprechen. Das Leben der Religion war dort normal, während man in Deutschland schon nicht mehr so sehr zur Norm gehört, wenn man mal eben auf die Idee kommt, ein Gebet zu sprechen, oder wenn man sagt, man geht sonntags in die Kirche.

Oder die Frauen in Ägypten, vor allem in Kairo. Ja, sie trugen Kopftuch. Besonders im Gedächtnis blieben mir die Taxifahrerinnen, die sich klar durchsetzenkonnten gegen die Männer – auch da konnte ich Unterdrückung der Frauen nicht erkennen. Sie trugen Kopftuch, ja, aber ansonsten kamen sie mir nicht weniger emanzipiert vor, als Frauen hierzulande.

Und kurz nachdem ich aus dem Nahen Osten nach Hause kam, waren die Anschläge, die Thomas dazu bewogen, das Wohlwollen auf Eis zu legen.

Ich kann nicht sagen, daß ich ein besonderes Wohlwollen gegenüber dem Islam hatte. Auch kein Schlechtwollen. Es war halt eine Religion, wie andere auch.

Ja, es waren meist gut ausgebildete Muslime, die dahinter standen und vielleicht stammten sie auch aus säkularen Familien (daran erinnere ich mich nicht mehr).Woran ich mich aber erinnere ist, daß nicht nur Frauen in Gaza, sondern auch Lehrer in Sachsen sich über die Anschläge freuten (ich erinnere mich an Radioberichte diesbezüglich und die Aussage „geschieht denen Recht“). Antiamerikanismus hat der Islam nicht erfunden und man muß kein Muslim sein, um ihm zu frönen.

Was die Herkunft der Terroristen angeht: Auch die RAF Terroristen kamen ja auch dem Establishment, oder wie viele waren Arbeiter von ihnen?

Ob und inwieweit der islamische Terrorismus jetzt mit dem Islam zu tun hat, kann man ja diskutieren. Aber niemand würde soweit gehen, die SPD zu verbieten, weil sie sich zumindest früher als Arbeiterpartei verstand – und die RAF die Arbeiter befreien wollte…

Oder anders: Die Konflikte zwischen Protestanten und Katholiken in Nordirland, zwischen katholischen Kroaten und orthodoxen Serben: Haben die nichts mit dem Christentum zu tun? Und wenn man in andere Weltregionen geht: Da gibt es in Afrika regelrechte Hexenverfolgungen in christlichen (!) Pfingstkirchen.

Religion wird und wurde immer als Rechtfertigung für alles mögliche herangezogen. Auch für Sklavenhandel und die Kreuzzüge (die auch jeweils politische und wirtschaftliche Hintergründe hatten – ebenso der Kolonialismus).

Thomas schreibt:

Trotzdem ist das Christentum in seinen Hauptrichtungen offensichtlich domestiziert und mit modernen, demokratischen und pluralistischen Gesellschaften verträglich.

Kommt darauf an, was man als Hauptrichtung ansieht. In Deutshcland sieht es wohl so aus, daß die Großkirchen in diese Richtung neigen. Vielleicht sogar in Europa. In den USA gibt es jedoch schon große christliche Gruppen, die sich sehr Ausklärungsresistent geben. Und wenn man sich AfD und Pegida ansieht, bzw deren Anhänger, dann findet man auch dort immer wieder Beziehungsnahmen zum Christentum, das ist auch hier auf dem Blog in den Kommentaren nachzuvollziehen.

Freilich würde ich sagen, daß da das Christentum genau so falsch ausgelegt wird wie damals, als man damit Sklaverei rechtferigen wollte. Aber das sagen ja auch diejenigen Muslime, die sich von den Terroristen abgrenzen wollen in Bezug auf islamistschen Terror.

Tun wir mal so, als seien diese „Ausreden“ im Christentum berechtigt und im Islam nicht.  Thomas weist darauf hin, daß Mohammed, anders als Jesus, ein politischer Führer war.

Aber war das Moses nicht auch? Würden wir dem Judentum eine Neigung zur Gewalt ebenso unterstellen wie dem Islam? Und ganz unpolitisch war Jesus ja auch nicht. Die Trennung in einen religiösen und einen weltlich-politischen Bereich halte ich im Christentum für verkehrt. Damit könnte man übrigens ganz leicht die Christen zum Schweigen bringen, die sich gegen die Ausgrenzung der Flüchtlinge aussprechen. Wer Christ ist kann IMHO nicht anders, als politisch sein. Nur läuft das zur Zeit bei uns etwas subversiver, über die Zivilgesellschaft. Die haben wir aber auch erst seit der Aufklärung (die übrigens ohne die Universitäten nicht denkbar wäre, welche sich der Einführung des Aristotelismus verdanken, welcher ohne den Islam kaum denkbar wäre).

Mit der Aufklärung verbunden wird auch die historische Kritik, die wie Thomas bemerkt, im Islam noch in den Kinderschuhen steckt. Das mag stimmen, doch spielt das eine Rolle? Die historische Kritik hat durchaus ihre Vorteile und ich möchte nicht dahinter zurück (ginge auch nicht). Aber die historische Kritik bedingt keine Gleichberechtigung und ist auch sonst kein Allheilmittel. Ebensowenig wie die Aufklärung. Hitler kam trotz Aufklärung an die Macht (der Antisemitismus wurde halt materiell und nicht mehr religiös begründet) und die Deutschen Christen hielten trotz historischer Kritik zu Hitler. Die Gegner, wie etwa Paul Schneider, hatten oft auch fundamentalistischere Züge und teilweise sehr unmoderne Ansichten (das wäre jeoch ein Thema für sich).

Wenn es nun aber darum geht, ob und wie der Islam Teil einer multireligiösen Gesellschaft werden kann, ist es IMHO unerheblich, ob er politische Ansprüche hat. Die haben die rechtspopulistischen „Christen“ mit ihrem „Christentum“ nicht minder, die hab auch ich mit meinem Christentum. Die Frage ist, wie sich das äußert.Wenn der Islam lehrt, daß Frauen sich verschleiern sollen und bei den Kindern bleiben müssen, wieso sollte das ein größeres Problem darstellen als bei ähnlichen christlichen Freikirchen? Es ist ja nicht so, daß es keine Christen ohne Kopftuchzwang gäbe.

Probleme müssen freilich benannt werden. Wenn irgend eine islamische Richtung so viel Macht bekommt, daß sie das System zu ihren Gunsten ändern kann, wie es momentan offenbar in der Türkei versucht wird, dann ist das ein Problem. Wenn die weltanschauliche Neutralität des Staates auf dem Spiel steht. Aber sind wir doch einmal ehrlich: Das ist in absehbarer Zeit nicht der Fall. Die Muslime bilden einen geringen Prozentsatz der Bevölkerung, viele davon haben kein Wahlrecht und diejenigen, die es haben, bilden keine radikalislamischen Parteien (die sowieso mit Verbot durch das BVerfG rechnen müßten).

Jeder kann sein eigenes Islambild haben, ob es das von einer Religion des Friedens oder das vom Untergang der Zivilisation ist, muß jeder selbst entscheiden. Unsere Gesellschaft und unser Staat muß darauf achten,daß die grundsätzlichen Freiheiten durchgesetzt werden, wie etwa das Selbstbestimmungsrecht. Aber das gilt für alle Einwohner und Bürger, nicht nur für die muslimischen. Ein Ehrenmord ist nicht schlimmer, weil er von Muslimen statt von Christen verübt wird.

Deshalb stimme ich Thomas zu: Wir müssen die Probleme beim Namen nennen. Wir müssen uns aber ebenso hüten, Vorurteilen über die Ursachen der Probleme Raum zu geben. Wie jemand seinen Glauben lebt, das ist im Christentum sehr verschieden. EIner geht jeden Sonntag in die Kirche, der nächste betet im stillen Kämmerlein und wieder andere konzentrieren sich auf zivilgesellschaftliches Engagement, etwa bei der Flüchtlingshilfe. Wieso sollte das im Islam anders sein? Es gibt christliche Terroristen, die sich für ihre Taten auf den Glauben berufen – etwa Anders Breivik.

Diskussionen darüber, wer den besseren Glauben hat, führen nirgendwo hin. Wer weiß, ob nicht in 30 Jahren „das Christentum“ viel gewalttätiger ist als „der Islam“ heute? Wir haben immer nur Momentaufnahmen und meinen, daraus etwas für die Zukunft ableiten zu können. Wer konnte 1988 absehen, daß die Mauer fällt? Wer konnte 2000 den „Krieg gegen den Terror“ vorausahnen?

Deshalb plädiere ich – noch einmal – daß wir uns an konkreten Taten orientieren, unabhängig davon, mit welcher Bibel- oder Koranauslegung man diese zu rechtfertigen sucht.

Allgemein

Unbildung und Haß

Ich hab ja meinen Facebook Account vor Jahren schon abgemeldet, deshalb krieg ich sowas immer mit einiger Verzögerung mit:

Offenbar ist (oder war) gerade ein Shitstorm am Laufen gegen einen angeblich „islamischen“ Adventskalender:

Das Bild hab ich von mimikama.at übernommen, es entstammt einem öffentlichen Facebook Status

Kurze Berichte über den Shitstorm gibt es zum Beispiel hier und hier. Der Vorwurf ist, daß es sich bei dem Gebäude auf dem Bild um eine Moschee handle und Lindt damit Teil einer Verschwörung ist, die uns alle islamisieren will, oder so ähnlich…

Eigentlich müßte man ja drüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Das fällt so in etwa in die gleiche Kategorie wie die Leute, die sich über christliche Lieder auf Weihnachtsmärkten aufregen („jetzt müssen die Christen sich noch Weihnachten unter den Nagel reißen“).

Ich wollte mich zuerst auch aufregen, aber aus solchen Kommentaren spricht die blanke Unbildung. Denn Weihnachten ist ein christliches Fest (auch wenn der Termin, der sich letztendlich durchsetzte im Gegensatz zum ursprünglichen 6. Januar auf dem Termin eines alten heidnischen Festes liegt), und das Christentum ist ursprünglich eine orientalische Religion – lange schon bevor ein gewisser Mohammed das Licht der Welt erblickte! Und immer noch gibt es Millionen Christen im Orient.

Was also ist es, das auf dem Bild so islamisch anmutet? Die Kamele der drei Weisen links? Die gehören zum Standard-Bildrepertoire bei der Darstellun der Weisen aus dem Morgenland, auch wenn die Kamele in der Bibel hier nicht extra erwähnt werden. Allerdings gibt es viele biblische Stellen, ian denen Kamele vorkommen, sie gehören also durchaus in die Lebenswelt des damaligen christlichen Orients und über die Bibel in die Lebenswelt heutiger Christen.

Oder ist die angebliche Moschee das zentrale Problem? Wieso ist das eine Moschee? Wegen der Farben und Muster? Wer das denkt, dem empfehle ich, sich dieses Bild der Geburtsgrotte in der Geburtskirche in Bethlehem anzusehen:

Dirk D. [CC BY-SA 3.0], von Wikimedia Commons
Vor allem wende man den Blick auf den roten Vorhang mit den goldenen Verzierungen links. Das ist doch dem Adventskalender recht ähnlich. Und hier handelt es sich um eine der wichtigsten Kirchen der Christnheit!

Also ist die Kuppel das Problem? Auch die kommt bei Kirchen häufiger vor:

Beim Petersdom in Rom:

Giacomo della Porta [Public domain]
Beim Berliner Dom:

Thomas Wolf, www.foto-tw.de, Berliner Dom vor Sonnenuntergang, CC BY-SA 3.0 DE

Beim Speyrer Kaiserdom:

Kai Scherrer [CC0], von Wikimedia Commons
Beim Dom von Helsinki:

© Hans Hillewaert / CC BY-SA 4.0

Bei der Potsdamer St. Nikolaikirche:

Karstenknuth at German Wikipedia [Attribution], from Wikimedia Commons
Und bei der Hagia Sophia in Istanbul, der ehemaligen Hauptkirche des Byzantinischen Reiches und religiösen Mittelpunkt der Orthodoxie:

Dennis Jarvis from Halifax, Canada [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons
Man sieht also, Kuppeln sind kein Stück weit islamisch, auch die Türme, die man an dem Gebäude auf dem Adventskalender sehen kann, finden ihre Entsprechungen bei einigen der aufgeführten Kirchengebäude (die lediglich eine winzige Auswahl darstellen können).

Es findet sich zwar kein Kreuz auf der Kuppel des Adventskalenders, aber eben auch kein Halbmond als islamisches Zeichen. Der Halbmond am Himmel, neben dem Stern von Bethlehem zu sehen, ist eher als genau das, ein Halbmond ohne Symbolcharakter, anzusehen.

Ein Facebook Kommentar sprang mir besonders ins Auge:

Werbung für eine archaische Gesellschaftsordnung „ISLAM“, in der Frauen gesteinigt werden, wenn sie angeblich fremd gegangen sind

Der Islam ist keine archaische Gesellschaftordnung, sondern eine Weltreligion. Ja, es werden in islamischen Ländern Menschen gesteinigt, auch Frauen wegen Ehebruch, aber das ist das Problem dieser Gesellschaften (und aus diesen Gründen nehmen wir auch Menschen aus diesen Gesellschaften auf, wenn sie vor den dortien Zuständen fliehen – ich höre die Pegidisten schon rufen: Ehebruch ist kein Asylgrund), aber weil die Gesellschaften archaisch sind, muß es die Religion (also der Islam) ja nicht sein. Denn genauso wie es in der Sharia die Forderung nach Steinigung von Ehebrecherinnen gibt, gibt es ähnliche Forderungen in der christlichen Bibel:

3. Mose 20,20f:

Ist’s aber die Wahrheit, dass das Mädchen nicht mehr Jungfrau war, so soll man sie heraus vor die Tür des Hauses ihres Vaters führen, und die Leute der Stadt sollen sie zu Tode steinigen, weil sie eine Schandtat in Israel begangen und in ihres Vaters Hause Hurerei getrieben hat; so sollst du das Böse aus deiner Mitte wegtun.

3. Mose 20,22:

Wenn jemand dabei ergriffen wird, dass er einer Frau beiwohnt, die einen Ehemann hat, so sollen sie beide sterben, der Mann und die Frau, der er beigewohnt hat; so sollst du das Böse aus Israel wegtun.

3. Mose 20,23f:

Wenn eine Jungfrau verlobt ist und ein Mann trifft sie innerhalb der Stadt und wohnt ihr bei, so sollt ihr sie alle beide zum Stadttor hinausführen und sollt sie beide steinigen, dass sie sterben, die Jungfrau, weil sie nicht geschrien hat, obwohl sie doch in der Stadt war, den Mann, weil er seines Nächsten Braut geschändet hat; so sollst du das Böse aus deiner Mitte wegtun.

Wir sollten also aufpassen, wem wir welche Vorwürfe machen, zumal laut Wikipedia der Koran die Steinigung nicht kennt und die Steinigung in den Hadithen auf die Tora, also die 5 Bücher Mose zurückgeführt wird. Man kann also beim Thema Steinigung kaum dem Islam einen Vorwurf machen ohne den Vorwurf gegen das Christentum zu wenden, und wenn wir uns dann noch einmal vergegenwärtigen, was ein Adventskalender ist und wo der religiös herkommt, macht so eine Aussage erst Recht keinen Sinn.

Freilich gibt es heutzutage Steinigungen in islamischen Ländern im Gegensatz etwa zu christlichen Ländern oder Israel, aber das ist weniger eine Frage der Religion, denn nicht alle Muslime steinigen oder heißen die Steinigung gar gut. Es ist auch keine Frage der religiösen Texte oder Traditionen, denn Steinigungen kommen in der Hinsicht bei allen drei abrahamitischen Religionen vor. Es ist eine Frage der Auslegung und Anwendung der religiösen Quellen, es ist eine Frage, inwieweit Fundamentalismus eine Rolle spielt und inwieweit reflektiertere Methoden der Auslegung rezipiert werden.

Momentan ist der Fundamentalismus im Islam sehr verbreitet, aber auch im Christentum und im Judentum greift er um sich. Und Fundamentalismus bedeutet, nichts lernen, nichts begreifen zu wollen, weil man meint, alles schon begriffen zu haben, weil man meint, Texte 1:1 ins heute übertragen zu können. Fundamentalismus ist in meiner Wahrnehmung die Folge religiöser Unbildung. Und tatsächlich kommt christlicher Fundamentalismus prominent in den USA vor, wo es keinen Religionsunterricht in den Schulen gibt. In Frankreich gibt es den auch nicht, und auch dort zeigten sich fundamentalistische Tendenzen in den Demos gegen die Einführung der Homoehe (auch wenn die Sache komplizierter ist).

In Deutschland haben wir das Glück, daß es, mit Ausnahme der DDR, für die Mehrheitsreligion immer Religionsunterricht an staatlichen Schulen gegeben hat, daß es bei uns also eine gewisse Grundbildung in religiösen Dingen gibt und der Fundamentalismus nicht ganz so stark um sich greifen kann wie in anderen Ländern.

Das gilt aber (noch) nicht für die Minderheitenreligion Islam, weshalb Muslime ihre religiöse Bildung meist nicht von universitär (aus)gebildeten Vertretern ihrer Relgion erhalten, sondern von irgendwelchen Leuten im Hinterhof. Oftmals reicht es auch da nur zum Fundamentalismus.

Leider bricht auch die religiöse Bildung allgemein weg, weshalb es dann auch zu solchen Fehlleistungen kommen kann, wie die Beurteilung des Lindt Adventskalenders als „islamisch“. Womöglich spielt auch eine Rolle, daß Pegida aus Dresden kommt und Ostdeutschland für Jahrzehnte keinen Religionsunterricht an staatlichen Schulen hatte.

Jedenfalls denke ich, daß all dies zeigt, wie wichtig es ist, den Religionsunterricht hochzuhalten und auch möglichst schnell auch für unsere muslimischen Mitbürger einzuführen, um solche und andere fundamentalistische Fehlannahmen zu unterbinden.

Commenting Media, Gesellschaft, Politik, Religion

Hetze

Ein hetzerisches, weil verallgemeinerndes und Vorurteile beförderndes Bild.
Quelle: Twitter

Dieses Bild gab den Ausschlag für einen längeren Disput mit @stoersender23 und @Volkakaracho auf Twitter. Bei allen meinen Followern, denen ich damit die Timeline geflutet habe, möchte ich mich entschuldigen, um das fürderhin zu vermeiden, schreib ich jetzt hier weiter, wo man auch länger argumentieren kann.

Ich empfinde das Bild als hetzerisch, und genau das habe ich geschrieben. Meine Argumentation dabei ist recht simpel:

Hier wird Islam gleichgesetzt mit eine Zwang, Niqab zu tragen, obwohl es viele Muslimas gibt, die weder Niqab tragen nocht sonst irgend ein Kopftuch. Die simple Gleichsetzung Islam=Niqab ist also faktisch falsch. Der Islam ist deutlich bunter, als es hier dargestellt wird. Allenfalls bestimmten Richtungen des Islams kann eine derartige „Verunbuntung“ unterstellt werden, nicht jedoch dem gesamten Islam. Das sollte jeder einsehen, der schon Muslimas ohne Kopftuch oder mit bunten, das Gesicht freilassenden Kopftüchern begegnet ist oder sie in den Medien gesehen hat.

Hetzerisch halte ich das Bild deshalb, weil diese falsche Gleichsetzung auch diejenigen Muslime über diesen Kamm schert, die dezidiert gegen Kopftuch oder zumindest Niqab sind. Weil durch den Begriff Islam alle Muslime bzw. der von ihnen konkret (ohne Kopftuchzwang) praktizierte Glaube, den sie ebenso als Islam auffassen, mit erfasst und unter diese „Kritik“ der Unbuntheit gestellt wird.

Es wird ein falsches, zu negatives Bild des Islam verbreitet, was entsprechende Vorurteile befeuert, die letztendlich auch zu Gewalt führen können. An sich ist diese Unterstellung schon Gewalt mit Worten, die wegen der freien Meinungsäußerung vielleicht ertragen werden muß, aber durchaus selbst kritisiert werden kann.

Meine Diskussionspartner wollten daraufhin argumentieren, daß jedenfalls eine Mehrheit der Muslime dies so sehe. Dem hielt ich entgegen, daß wenn auch nur ein Muslim eine andere Einstellung hat, die Unterstellung nicht mehr auf den Islam zutrifft und damit falsch wird und ungerechtfertigte Hetze gegen diesen einen Muslim ist.

Ein anderer Versuch, gegen meine Kritik zu argumentieren war, daß sie Koranverse und weitere „Schriftbeweise“ vorbrachten, die belegen sollten, daß der Islam per se kriegerisch und meschenverachtend sei.

Ich entgegnete daraufhin, daß Texte der Auslegung bedürfen, und daß die wortwörtliche Auslegung nur eine Möglichkeit unter vielen ist, die interessanter Weise auch die Fundamentalisten wählen. Wortwörtliche Auslegung ist einfach, aber wird der Tradition der Religion, egal welcher, nicht gerecht, da sie auch unhistorisch ist, was Fundamentalisten nicht stört, IMHO für aufgeklärte Menschen ein Grund sein sollte, sich davon zu distanzieren.

Weite Teile des Islam teilen eben nicht die wortwörtliche Auslegung der Fundamentalisten, wie auch im Christentum und anderen Religionen, sondern haben andere Wege, mit den Texten umzugehen. Freilich kenne ic mich hier im Christentum besser aus als im Islam.

Meine Gesprächspartner beharren aber weiterhin darauf, daß ihre wortwörtliche Auslegung von Koran, Rechtsschulenurteilen und Hadithen die einzig wahren (sic) Auslegungen darstellen, die alle Muslime, oder zumindest die Mehrheit, befürworten.

Die Mehrheit, so schrieb ich, ist hier kein Argument, weil eben immer auch eine Minderheit unter den Begriff (hier „Islam“) fällt, auf die die fragliche Aussage (hier die unbunten Bilder mit den Niqabs) nicht zutrifft. Diese Muslime werden dann aber mit verurteilt, werden diskriminiert und falsch dargestellt.

Würde das fragliche Bild oben nicht vom „Islam“ sprechen, sondern von einer klar zu umreißenden Gruppe im Islam, in der tatsächlich das Vorgeworfene (Niqabzwang) ohne Ausnahme praktiziert und vertreten wird, hätte ich damit kein Problem.

So aber, ist es undifferenziert, falsch und hetzt auf, indem es Vorurteile über Muslime und den Islam verbreitet. Denn wenn nicht alle Muslime eine Praxis teilen, dann kann diese Praxis den Islam nicht ausmachen.

Gesellschaft, Theologie

Fernstenliebe?

Ich habe ein neues Blog entdeckt. Es nennt sich „Christliches Forum“ und versteht unter „christlich“ offenbar römisch-katholisch, wie dem auch sei, eine scheinbare Wortneuschöpfung dort hat mich etwas befremdet: Das Wort „Fernstenliebe“.

Der Begriff kommt in dem Artikel „Nächstenliebe kommt vor Fernstenliebe: Zuerst den verfolgten Christen helfen“ vor, der mich in vielen Punkten befremdet, so etwa auch darin, dass offenbar selbst dem „Herrgott“ nicht so recht über den Weg getraut wird, hat er doch auch Kriege und Revolutionen zugelassen. Schimmern hier Folgen der Werkgerechtigkeit durch? Steht hier die Ansicht im Hintergrund, man müsse Gott helfen, weil der seinen Job alleine nicht schaffen kann oder schaffen will?

Auch befremdet mich, dass gefordert wird, einen Unterschied zu machen bei den Flüchtlingen hinsichtlich ihrer Religion. Beziehungsweise wird andersherum den (katholischen) Bischöfen vorgeworfen, diesen Unterschied nicht machen zu wollen (schön, daß die EKD im Allgemeinen und Käßmann im Besonderen nicht immer auf der Abschußliste stehen). Der Artikel greift dabei, fast möchte man meinen in protestantischer Manier (erstens weil gerade dieser Apostel gewählt wurde und zweitens, weil mit der Schrift gegen die Inhaber des Lehramtes Lehramt argumentiert wird), auf den Apostel Paulus zurück und dessen Forderung, zuerst den Brüdern zu helfen.

Nun, man könnte Paulus auch so verstehen, dass ihm wichtig ist, die Bürder nicht zu vergessen, dass es ihm weniger um eine zeitliche oder generelle Präferenz geht. „Liebe Deinen Nächsten“ (jetzt mal nicht Paulus sondern Mose und in dessen Folge die Evangelien), so wie es präzisiert wurde im Lukasevangelium, kennt ja auch keine Einschränkung.

Was mich zur Fernstenliebe bringt. Ich dachte ja, das Wort existiere gar nicht, bis ich danach gegoogelt habe. Offenbar hat es Hans Jonas schon einmal verwendet, indem er forderte, die Nächstenliebe aufgrund der technischen Entwicklung zu einer Fernstenliebe weiterzuentwickeln.

Ich habe das Buch von Jonas nicht gelesen, halte aber die Unterscheidung zwischen Nächsten- und Fernstenliebe für überflüssig, da Jesus im Lukasevangelium den Nächsten schon als einen ziemlich fernen bezeichnet. Und zwar im Gleichnis vom armherzigen Samariter:

Das Gleichnis ist bekannt, ein Mann fällt unter die Räuber und die religiöse Elite Israels läßt ihn liegen, während ein Samaritaner sich um den Verletzten kümmert, ihn in eine Herberge bringt und Unterkunft und Pflege bezahlt.

Jesus erzählt die Geschichte auf die Frage hin, wer denn der Nächste sei, und die Zielrichtung der Frage ist klar, oder kann zumindest so aufgefasst werden: Wem muss ich helfen, und wen kann ich übergehen?

Jesus erzählt daraufhin das Gleichnis und stellt am Ende die Frage: Wer ist der Nächste dessen, der überfallen wurde. Und die Antwort lautet: Der Samaritaner.

Man muss sich vergegenwärtigen, wer die Samaritaner waren: Sie gehörten einer anderen Religion an, man hatte als Jude keinen Kontakt zu ihnen und als Samaritaner hatte man auch keinen Kontakt zu den Juden. Man lebte in direkter Nachbarschaft, Samaria liegt zwischen Judäa und Galiläa, beides Gebiete wo Juden wohnten, also konnte man einander nicht ganz vermeiden.

Und jetzt heißt es, dieser Samaritaner ist der Nächste, einer der fernsten Menschen für einen Juden. Die Römer und Griechen standen ja schon fern, als Ausländer und noch dazu Polytheisten. Die Samaritaner verehren einen Gott, den Gott Moses, Isaaks und Jakobs. Aber sie verehren ihn auf dem Garizim und nicht in Jerusalem. Wir kennen es, wie Religionen, die sich sehr nahe stehen, vor allem größere Spannungen bedeuten zwischen ihren Anhängern. Deshalb ist der Samaritaner auch ferner als ein Römer. Und deshalb distanzieren wir uns so viel mehr vom Islam als zum Beispiel vom Buddhismus. Der Dalai Lama ist viel beliebter hierzulande, als irgend ein islamischer Geistlicher. Dabei kennt die Mehrheit der Menschen weder den Islam noch den Buddhismus sonderlich gut.

Wenn Nächstenliebe bedeutet, selbst den Samaritaner zu lieben, dann ist jede Rede von Fernstenliebe überflüssig, dann ist der Fernste der Nächste.

Das bedeutet nicht, daß man sich nicht um die Brüder (und Schwestern) kümmern soll. Man kann das eine tun und das andere nicht lassen, deshalb ärgert mich am verlinkten Artikel vor allem die falsche Dichothomie, die er aufmacht: Als müsse man sich entscheiden, entweder Christen oder allen anderen zu helfen. Das ist Unsinn.

Leider kann ich den Autor nicht für einen unsinnigen Menschen halten, sondern ich befürchte, dass er genau weiß, was er tut. Er beschwört Ängste herauf, und Ängste sind immer schlechte Ratgeber. Man kan sie aber gut nutzbar machen für allerlei Dinge. Und diese Dinge haben alle eines gemeinsam: Sie sind unchristlich.

Denn Angst muß kein Christ mehr haben, seit der Herr an Ostern auferstand. Er soll sie auch nicht verbreiten, sondern das Evangelium, das ebenfalls genau das Gegenteil von Angst ist, es ist eien Freude für die Menschen.

Meine Hoffnun ist, dass die Menschen das erkennen. Meine Befürchtung ist, dass dies kaum geschehen wird.

Theologie

Evangeliumsverkündigung und Islamfreundlichkeit

Ulrich Kasparick hat einen Artikel geschrieben, indem er idea für deren Handeln kritisiet und fordert, daß die EKD idea nicht weiter finanziell unterstützen soll.

Zu dem Artikel hat ein Kommentator „Wga“ folgendes geschrieben:

Als Christ erwarte ich nicht, dass die EKD einen interreligiösen Dialog macht, linke Positionen vertritt, sondern klar das Evangelium des Auferstandenen verkündet: CHRISTUS ALLEIN. Wie soll man da islamfreundlich sein? Der Islam ist eine antichristliche Religion, die mit Christus NICHTS gemeinsam hat. Die Erlösung erfolgt ausschließlich durch das was Jesus am Kreuz getan hat.

Ich muß Wga zugestehen, daß er oder sie im Konfirmationsunterricht aufgepasst hat: Die Erlösung erfolgt durch Christus, durch das, was Christus am Kreuz getan hat, nämlich die Welt geliebt und zwar so sehr, daß Er nicht zurückgeschlagen hat, sich nicht gewehrt hat, sondern lieber den Tod auf sich nahm als die Welt dafür zu bestrafen, daß sie Gott ermordete.

Allerdings kann man Wga denke ich ein wenig dafür kritisieren, das nicht ganz durchdacht zu haben, was Christus da gemacht hat und was daraus folgert. Als Seine Jünger sollen wir Ihm nämlich nachfolgen und unser Kreuz auch auf uns nehmen. Sprich: Wir sollen Liebe üben und nicht zurückschlagen. Das fällt schwer, das wissen wir alle, und wer meinen Blog länger liest weiß, daß ich auch oft austeile, daß ich auch über die Grenze zwischen Bekennen der Wahrheit (soweit man sie erkannt zu haben glaubt) und Angreifen der Gegenposition hinausschieße.

Aber ist ist halt auch so, daß Verkündigung des Evangeliums des Auferstandenen nicht nur bedeutet, andächtig aufs Kreuz zu schauen, sondern daß zur Verkündigung auch unser Tun dazugehört. Wir sollen nicht nur reden, wir sollen auch tun. Und jetzt „tut“ die EKD wie viele landeskirchliche und auch andere Gemeinden interreligiösen Dialog.

Wga fragt, wie man als Christ, der das Evangelium verkündigt, islamfreundlich sein kann. Nun, ich denke man kann nicht nur, man muß, wenn man verkündigen will, freundlich sein. Nicht nur den Muslimen gegenüber, sondern auch allen anderen Menschen gegenüber. Dialog und Islamfreundlichkeit bedeutet ja nicht, daß man die eigene Position verläßt. In einen Dialog kann man nur treten, wenn man die eigene Position kennt. Wenn man sie nicht kennt, muß man vorm Dialog freilich Angst haben, weil man ja nicht weiß, wieso man seine Position hat, so daß man auch plötzlich eine andere POsition bekommen könnte und Muslim werden könnte… es gibt sicher Menschen, denen das Angst macht.

Dialog bedeutet lediglich, daß man sich austauscht darüber, was der je andere glaubt. So daß man nicht auf BILD und idea angewiesen ist. Dann findet man vielleicht auch herraus, daß der Islam mitnichten antichristlich ist, sondern daß es im Islam unter den Muslimen eine ziemliche Hochachtung auch für den christlichen Glauben gibt. Das wird aus den Nachrichten freilich nicht klar, weil es dort immer um irgendwelche Spinner mit Sprengstoffgürteln geht. Man versetze sich einmal in die Lage eines Muslim, der keine Christen kennt und in den Nachrichten nur von Leuten wie Breivik hört, oder von Bush, der einen „Kreuzzug“ machen wollte und ein Land angriff, weil dort angeblich Massenvernichtungswaffen sein sollten, mit dem Ergebnis, daß heute alles noch viel schlimmer ist als unter Saddam. Und Bush meinte dann auch noch, Gott hätte ihm gesagt, das zu tun…

Dialog kann solche falschen Bilder vermeiden helfen und zum Frieden beitragen. Insofern ist der Dialog mit dem Islam und auch allen anderen Religionen genau das, was Wga fordert: Verkündigung des Evangeliums, indem nämlich gezeigt wird: Christen sind nicht gewalttätig, sie reden mit den Menschen und nehmen sie als Menschen wahr, nicht als Stereotypen.

Damit erlösen wir zwar nicht die Muslime, aber Erlösung kann sowieso nur durch Gott geschehen. Aber wir schließen Kontakte, vielleicht sogar Freundschaften, und falls sich irgend ein Muslim entscheiden sollte, zu konvertieren, hat man direkt chon den Kontakt und kann helfen. (umgekehrt natürlich genauso)

Wga schreibt weiter unten:

Was soll da an Gemeinsamkeiten möglich sein. Wer das propagiert hat den seligmachenden Glauben, den auch die Kirchenväter vekündet haben, verlassen.

Es gibt viele Gemeinsamkeiten. Die Muslime kennen die meisten der biblischen Personen und ihre Geschichten. Natürlich haben sie keinen seligmachenden Glauben nach christlichem Verständnis, sie sind ja keine Christen. Aber man verläßt ja nicht den Glauben, wenn man ins Gespräch kommt. Gerade die Kirchenväter haben doch immer wieder das Gespräch zum heidnischen Umfeld gesucht, um eben das Christentum zu erklären. Nichts anderes tun Christen doch im interreligiösen Dialog. Und zum Erklären gehört auch das Zuhören, sonst ist es ja sinnlos. Ergo hat der, der den interregligiösen Dialog führt, den Glauben der Kirchenväter gerade nicht verlassen, sondern steht in dessen Tradition.

Allerdings wundert es mich, daß gerade ein Evangelikaler sich auf die Kirchenväter zu stützen versucht. War da nicht mal was mit allein die Schrift?

Ach, eins noch:

Die Evangelikalen sind auch die, die in Einheit mit allen Konfessionen und quer durch die Kirchengeschichte an der gemeinsamen Haltung gegenüber unbiblischer Lehren bezüglich Gender und Homosexualität festhalten. Die paar Liberalen, die da was ändern, können nicht sagen, dass sie kirchengeschichtlich in Einheit mit den Vätern und allen Konfessionen stehen, nicht mal mit den Leuten in ihren eigenen Konfessionen können sie da behaupten, sie hätten eine Einheit.

Luther hatte am Anfang auch keine Einheit. Mit (fast) niemandem. Ist die Rechtfertigung aus dem Glauben deshalb plötzlich falsch?

Das Wort zum Tag

Dienstag, den 15. September 2015

Abram zog aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte.

1. Mose, 12,4

Abram zog aus, um in ein fernes Land zu ziehen, wo seine Nachkommen leben sollten, ein Land, das ihm zum Erbe gegeben werden sollte. Und wir wissen, wie die Geschchte weiterging: Es kam so: Abram wurde Vater großer Völker dem Fleische nach, und von noch mehr Menschen dem Geiste nach.

Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.

Hebr 11,8

Er wußte nicht, was gescheen würde, er ging einfach drauf los, alles was er hatte, war sein Glaube, war die Hoffnung, daß Gott ihn nicht hängen läßt.

Abram war nicht arm. Wir erfahren zum Beispiel, daß er Knechte hatte, daß er Herden hatte, die er von Lots seines Neffen Herden trennte. Er war ein reicher Mann aus dem heutigen Irak, der über das heutige Syrien in das heutige Israel zog und zeitweise bis nach Ägypten und Libanon kam.

Auch heute sind viele Menschen auf dem Weg. Viele stammen aus der Gegend, aus der auch Arbam stammte: Irak und Syrien. Manche kommen auch aus ganz anderen Gegenden. Und vielen wird zum Vorwurf gemacht, daß sie gar nicht arm seien, weil sie sich Zugtickets, Schlepper und Handys leisten können. Aber sie alle haben wie Abram keine Sicherheit, dort anzukommen, wo sie hinwollen. Sie haben nur ihre Hoffnung, ihr Vertrauen, vielleicht auf Gott, daß alles irgendwie gutgehen wird. Daß sie nicht umkommen auf dem Weg übers Meer oder in den Fahrzeugen der Schlepper.

Abram und seine Nachfahren nahmen schließlich das Land ein, die Urbevölkerung wurde nach dem Bericht der Bibel vertrieben oder ermordet, nachdem die Familie bzw. das spätere Volk Israel eine weitere Migrationsbewegung nach Ägypten und von dort zurück vollzogen hatte. Viele Menschen hierzulande haben Angst, daß uns das gleiche Schicksal bevorsteht, wie auch der Urbevölkerung Kanaans, daß wir oder zumindest unsere Kultur umkommen werden.

Doch eins sollte man dabei bedenken: Nach dem Bericht der Bibel fanden die Kanaanäer ihr Ende, weil sie gottlos waren. Heute würde man vielleicht unmenschlich sagen.

In Am 9,7 wird klar, Gott gab auch anderen Völkern neue Länder:

Seid ihr Israeliten mir nicht gleichwie die Mohren?, spricht der HERR. Habe ich nicht Israel aus Ägyptenland geführt und die Philister aus Kaftor und die Aramäer aus Kir?

Er bevorzugt die Israeliten auch nicht sonderlich, auch anderen hat Er in der Hinsicht geholfen. Und ich glaube, Er bevorzugt auch uns nicht. Wenn wir es als Gesellschaft nicht schaffen, die Nächstenliebe zu leben, die Er uns aufgetregen hat, wieso sollte unsere Gesellschaft, unsere Kultur dann überleben? Welche Daseinsberechtigung hat ein unbarmherziges Volk?

Menschen sind unterwegs zu uns, und wir müssen damit umgehen. Wenn Gott sie schickt, werden wir sie nicht stoppen können, wenn sie sich nur auf ihre menschlichen Kräfte verlassen, droht uns keine Gefahr.

„Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht“ übersetzt Luther in Jes 7,9, wo das Ende des Nordreiches prophezeit wird, weil sie sich abwenden und in den Krieg gegen das Südreich ziehen. Sie glaubten nicht und sie blieben nicht, sondern wurden von Assyrien erobert und ins Exil geführt.

Also laßt uns im Glauben bleiben, indem wir Nächstenliebe praktizieren, gerade auch gegenüber den Fremden, die bei uns Schutz suchen.

Denen fällt übrigens durchaus auf, daß die Deutschen helfen wollen, während die richen Araber am Golf ihnen die Tür vor der Nase zuschlagen. „Überwindet das Böse mit Gutem“, sagte Christus, und das ist es, was passiert. Wenn jemand, der sonst Allahu akbar ruft merkt, daß er bei seinen Glaubensbrüdern nur Verfolgung (ISIS) oder Ablehnung (Golfstaaten) zu erwarten hat, während die verhaßten Christen ihm mit Liebe begegnen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, daß er irgendwann „Halleluja“ singt.

Aber ob er nun konvertiert oder nicht, unser Auftrag bleibt der gleiche: Nächstenliebe, ohne Hintergedanken, ohne ungefragte Missionsversuche!

Netzfunde

Netzfunde

Gestern war letzter Urlaubstag und ich hab nochmal die religiösen Blogs, die ich so lese, zum Thema Flüchtlinge durchsucht. Mir ist dabei sicher der eine oder andere durchgeschlüpft, aber ich fand es schon interessant, daß ich die meisten Artikel bei einem einzigen Blogger gefunden hab, nämlich bei Volker Schnitzler.

Er geht darauf ein, welchen Stellenwert die Flüchtlinge in der katholischen Blogoezese so haben und wie viel ausführlicher blonde Bikinischönheiten diskutiert werden.

Da scheint die Blogoezese kein gutes Bild abzugeben, aber wenn ich mir die christliche Bloggercommunity durchsehe, dann sind dort, mit Ausnahme der hier erschienenen Artikel, nur diese zwei zum Flüchtlingsthema in den letzten Tagen erschienen (liebe Mitblogger, da können wir doch mehr!):

Viktor nimmt Ps 12, 2 zum Anlaß, darüber nachzudenken, ob die Flüchtlinge immer nur als Problem oder Herausforderung gesehen werden müssen, oder ob wir sie nicht auch als Prüfung verstehen können.

Daniela schreibt im zweiten Artikel, daß Angst vorm Islam oder einer Islamisierung unbiblisch ist und, ja, sie hat Recht. Die Kirche (= Gemeinschaft der Heiligen) wird nicht überwunden werden, wenn Gott für uns ist, wer kann gegen uns sein. Wer Angst vorm Islam hat, kann sich schlecht zum christlichen Abendland zählen.

Was mich wieder zu Volker und seinem nächsten Artikel führt: Er zitiert Bischof Oster, und da der Text so wunderbar klar und eindeutig und richtig ist, den der Bischof da auf seine Facebook Seite geschrieben hat, zitier ich den gleich nochmal:

Im Blick auf Berichte über Gewalt gegen Flüchtlinge möchte ich sehr deutlich in Erinnerung rufen: Unser Glaube lässt keinerlei Möglichkeit, Fremdenfeindlichkeit auch nur irgendwie zu rechtfertigen! Schon gar nicht gegen Menschen in Not. Es gibt auch keinerlei Möglichkeit einer Allianz von christlichem Glauben und ausgrenzendem Nationalismus. Man darf sein Land lieben, selbstverständlich. Aber man darf aus seinem Land nicht fremde Menschen in Not vertreiben wollen und sich dabei womöglich noch auf die Erhaltung des „christlichen Abendlandes“ berufen. Das ist ein Widerspruch in sich!

Klar, deutlich, richtig und wahre Lehre. Hier wird deutlich, daß alle Christen ganz nah beieinander sind, auch wenn wir in eher nebensächlichen Fragen von Amt und Sexualethik verschiedener Meinung sind! Die Höchste ist die Liebe!

Und dann hat Volker, das paßt jetzt nicht ganz zur Flüchtlingsthematik, ganz gut zusammengefaßt, wie das Böse funktioniert. Könnte man hier von Satans Masterplan sprechen? Ich sehe diese Wirkweise auch überall. Und sie ist es, die wir bekämpfen müssen, wenn wir für das Gute eintreten.

Wolfgang hat, ja was ist das, ein Gedicht? Jedenfalls hat er es geschrieben, und er hat irgendwo Recht. Mit Nazis abgeben bringt (meist?) nichts. Allerdings, irgendwie muß man wohl reagieren. In seinem Update beschreibt er, wie das in seiner Nachbarschaft passiert, wo plötzlich Menschen ganz verschiedener politischer Richtungen an einem Strang ziehen.

Da kann Satan masterplanen, wie er will. Gott ist stärker, und muß am Ende der Sieger bleiben, wie Luther schon schrieb:

das Feld muß Er behalten / das Reich muß uns doch bleiben.

Und dann ist da noch der Artikel von Ralpe, bzw, er hat es rebloggt und noch zwei Links hinzugefügt. Es geht um Gottesdienste mit Flüchtlingen.

English, Politik

Safe Meriam

Maybe you heard about Meriam Yahia Ibrahim. She is sitting in prison in Sudan for apostasy from Islam, though she has been a Christian for all her life. With her in the prison are her 20 months old son and the baby she’s currently pregnant with. She is not allowed to receive medical aid or have visitors. You can read about the story here, here and here.

There is also a form where you can write to the Sudanese embassy. Visit:

http://e-activist.com/ea-action/action?ea.client.id=88&ea.campaign.id=28508

And please reshare whereever possible.