Commenting Media, Gesellschaft, Politik

Die bürgerliche Mitte

Ein Kommantator mit dem Nickname „Einer aus der bürgerlichen Mitte“ schrieb einen Kommentar beim Vergleich von PEGIDA und NSDAP auf dem Blog von Michael Bittner (unbedingt lesenswert!).

Er schreibt darin:

Viel besser fände ich, wenn einmal grundsätzlich diskutiert werden würde, wie man die Flüchtlingswelle bewältigen will.

Die Frage halte ich für sinvoll und möchte darum hier auf seien Kommentar eingehen (und nicht dort, weil es IMHO um ein anderes Thema geht).

Die ZEIT schrieb zuletzt, dass seit September täglich 10.000 Menschen nach Deutschland gekommen sind, also hochgerechnet fast 500.000 Menschen. Wo sollen die denn alle untergebracht werden? Vor allem menschenwürdig und witterungsgerecht?

Das ist in der Tat ein Problem und es ist auch nicht leicht zu lösen. Nur ändert es nichts an den Fakten, daß diese Menschen kommen – und das nicht aus Jux und Dollerei. Wir werden sie nicht ohne Gewalt aufhalten können, und da Gewalt nach meiner Meinung die deutlich schlechtere Alternative ist, werden wir lernen müssen, damit umzugehen, so schwierig es auch ist – gerade jetzt, wo es Winter wird.

Man hört von Beschlagnahme, Zwangsunterbringung in privatem Wohneigentum, Nutzung von Sporthallen als Notunterkunft, von viel Geld, was die Aufnahme der Flüchtlinge kostet.

Ja, es ist teuer, ein Rechtsstaat zu sein. Es ist nicht umsonst, menschlich zu sein, sonst müßt das nicht immer wieder in ganz verschiedenen Situationen eingefordert werden. Auf kurze Sicht am einfachsten ist es, ein Arscholoch zu sein und seine Interessen durchzusetzen. So wie ich unser Land und unsere Gesellschaft verstehe, ist das nicht das, was wir wollen. Wir wollen ein demokratischer Rechtsstaat sein, für den die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. Und zu dieser Erklärung gehört das Asylrecht (Art. 14).

Von Unterbringungen in Sporthallen habe ich schon gehört. Diese Hallen gehören den Kommunen, die für die Unterbringung zu sorgen haben. Beschlagnahmungen und Zwangsunterbringungen in privaten Wohnungen gibt es nach meinem Wissen nicht.

Allerdings denke ich persönlich, daß dies durchaus möglich und angebracht sein kann. Erstens verpflichtet Eigentum (Art. 14, Abs. 2 GG) und zweitens kann durchaus per Gesetz enteignet werden (Art. 14, Abs. 3 GG). Im Nachkriegsdeutschland gab es darüber hinaus sogar Einquartierungen. Das war sicher nicht einfach für alle Beteiligten, aber es hat im Endeffekt geklappt.

Es ist halt immer die Frage, wie groß eine Not ist und was man tun kann. Bei Überschwemmungen und sonstigen Naturkatastrophen bringt der Katastrophenschutz auch Menschen in Turnhallen unter, und je nachdem wie groß die Katastrophe ist, wäre denkbar auch leerstehenden Wohnraum zu beschlagnahmen im Dienste der Allgemeinheit.

Nur weil es sich um Ausländer handelt, die hier in Not geraten sind, denkt man jetzt darüber nach, ob man sich der Probleme nicht auch einfach entledigen kann. Ich finde das im höchsten Maße bedenktlich.

Die Situation ist momentan sicherlich schwierig, das kann aber doch nicht heißen, daß man wie ein kleines Kind beleidigt davonrennt und nix mehr macht.

Die Wirtschaft fordert die sofortige Eingliederung der Flüchtlinge ins Arbeitsleben (zu Dumpinglöhnen, weil die Menschen ja auch noch nicht so viel Deutsch können?). Von unangebrachtem Verhalten einiger weniger Flüchtlinge (sexueller Art gegenüber Schülerinnen und Frauen), Gewalt und sonstiger Delikte.
Wenn von Integration gesprochen wird, dann kann man meist den Eindruck gewinnen, dass wir uns den Flüchtlingen anpassen sollen und nicht anders herum.

Ich denke, für Flüchtlinge sollte ebenso der Mindestlohn gelten, wie für alle anderen auch. Wenn dies gewährleistet ist, dann sehe ich nur Vorteile darin, den Flüchtlingen so schnell wie möglich die Arbeit zu erlauben. So können sie zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, es gibt mehr Wertschöpfung, mehr Steuereinnahmen, und so schrumpfen dann letztendlich auch die Kosten für die Aufnahme der Flüchtlinge.

Ja, es gibt Flüchtlinge, die straffällig werden, aber das ist eine Binsenweisheit. Ebenso gibt es Deutsche, die sich nicht an die Gesetze halten. Dafür haben wir die Polizei.

Ich sehe nicht, wo wir uns den Flüchtlingen anpassen sollten. Wenn von Integration die Rede ist, dann nehme ich das vor allem im Zusammenhang mit Sprachkursen wahr. Und das sind Deutschkurse für die Flüchtlinge, keine Farsi Kurse für Deutsche! Keiner fordert von uns, uns den Flüchtlingen anzupassen. Rücksicht nehmen vielleicht, wie es ein anständiger Mensch auch sonst gegenüber Deutschen tut, aber das ist ja keine Anpassung. Ein Augenmekrk darauf, daß sie aus anderen Kulturen kommen und es daher zu Mißverständnissen kommen kann. Man muß also nachsichtig sein und erklären, was daneben ist und warum. Ein Kumpel von mir, der in den 80ern Jahren aus der DDR in den Westen kam verstand nicht, wieso er jedesmal, wenn er eine junge Frau „Fräulein“ nannte, aneckte, bis ihm irgendwer mal erklärte, daß die Bezeichnug „Fräulein“ im Westen abgeschafft wurde und als herabwürdigend wahrgenommen wird. Das wußte er nicht – andere Kultur halt. In einem anderen Beispiel erzählte iene Ostdeutsche Kommilitonin, sie hätte wenig Geld auf dem Konto woraufhin ein Westdeutscher Kommilitone miente „Du must halt schaffen gehn.“ Sie war zu Tode beleidigt, weil sie „schaffen“ im Sinne von „anschaffen“ verstand. Er meinte aber „schaffen“ im Sinne von „arbeiten“, wie ich es als Westdeutscher auch zuerst verstanden hatte. Andere Kulturen – auch innerhalb Deutschlands. Da muß man dann halt mit rechnen, freundlich bleiben und versuchen, die Mißverständnisse zu lösen, bevor man das Schlimmste annimmt.

Die Politik lässt das Volk (ich kann den Begriff nicht mehr hören) im Stich. Keine Information, keine Diskussion,… und da sollen sich die Menschen in Deutschland keine Gedanken machen, Sorgen und Ängste haben?

„Die Politik“ ist sehr allgemein. Und es ist ja nicht so, daß es keine Informationen von Politikern gäbe. Die Rechten sind da ganz vorne mit dabei. Auch PEGIDA ist ja eine politische Veranstaltung, und da werden ja auch Meinungen geäußert (auch wenn die IMHO nicht zur Lösung der Probleme beitragen und Diskussion dort nach meiner Wahrnehmung auch nicht stattfindet). Die etablierten Parteien haben vielleicht grad alle Hände voll zu tun, die Krise zu bewältigen, aber es stimmt schon: Es dürfte mehr Information kommen. Wobei man durchaus die Chance hat, sich Informationen zu beschaffen. Die Regierung hat ne eigene Homepage, dort gibt es Kontaktadressen usw. Man kann seinen Bundestagsabgeordneten schreiben und Fragen stellen.

Man braucht keine Sorgen und Ängste zu haben, wenn man auch erst mal nachfragen ud sich informieren kann – idealiter aus mehreren Quellen und nicht nur bei PEGIDA, der Jungen Freiheit und BILD.

Ich bin überzeugt, dass viele Themen viel ruhiger ablaufen würden, weniger Hass da wäre, wenn Kommunikation stattfinden würde. Die Regierenden sollten endlich mal erklären, dass es Unterschiede zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen gibt, dass es eine humanitäre, moralische, menschliche Verpflichtung gibt gegenüber den an Leib und Leben Bedrohten, nicht aber gegenüber denen, die hier das Schlaraffenland sehen.

Das heißt also, daß die BRD die Bürger der DDR, die geflohen sind mehrheitlich hätte abschieben müssen, weil die wenigsten an Leib und Leben bedroht waren?

Aber das mal bei Seite: Die Thematik der Wirtschaftsflüchtlinge ist doch allen bekannt. Und wieder könnte ich fragen, wie das mit den ehemaligen DDR Bürgern ist, die in den Westen ziehen, um einen Job zu finden. Sind das auch Wirtschaftsflüchtlinge? Sollen die Westbundesländer die Grenzen nach Osten schließen, um mehr Syrien-Flüchtlinge aufnehmen zu können?

Ich denke nicht, daß die Themen ruhiger ablaufen würden, wenn diskutiert würde. Diskussionen führen oft dazu, daß die Gemüter hochkochen und viele sind ja auch resistent gegenüber guten Argumenten.

Es muss den Flüchtlingen erklärt werden, dass sie hier lediglich geduldet sind. Wer Straftaten begeht (Asylantenheime als Dealerbude, Vergewaltigungen, Mord und Totschlag, Diebstahl), hat die Gastfreundschaft der Menschen in Deutschland missbraucht und somit sein Aufenthaltsrecht verwirkt.

Wenn dem Flüchtling dann im Heimatland der Tod droht, ist das faktisch eine Todesstrafe. Die Todesstrafe ist laut GG aber abgeschafft! Bei Asyl geht es nicht um Gastfreudschaft. Das ist keine gnädige Gabe an die Flüchtlinge, osndern das ist deren Recht in einem Rechtsstaat wie Deutschland. Sie sind keine Gäste, sondern Flüchtlinge. So eine Regelung würde höchstens bei Wirtschaftsmigranten Sinn machen. Und selbst da bin ich skeptisch: Es stellt sich doch die Frage, wieso sie straffällig werden. Wenn es unsere sozialen Strukturen sind, sollten wir zuerst die ändern und die ausländischen Straftäter so wegsperren, wie wir das mit deutschen Kriminellen tun. Und so wie wir jene zu rehabilitieren suchen, sollten wir es dann auch mit diesen tun.

Übrigens finde ich es interessant, daß gefordert wird bei kriminellen Ausländern sofort das Aufenthaltsrecht zu entziehen, während man gleichzeitig den kriminellen Lutz Bachmann als Führungsfigur anerkennt. Könnte schon fast als Heuchelei durchgehen.

Es sollte weiterhin geklärt werden, wie der Nachzug der Verwandtschaft geregelt werden soll und dass die Flüchtlinge nach Beendigung des Krieges auch wieder nach Hause gehen müssen.

Der Nachzug der Verwandtschaft ist schon geregelt, und zwar in einer nach meienm Empfinden umneschlichen Weise. So kann ein Flüchtling aus Syrien zwar seine minderjährigen Kinder, nciht aber seine Eltern oder seine volljährigen Kinder nachholen. Die kommen dann im Zweifel im Bombenhagel um.

Falls der Flüchtling mangels Sprachkenntnis vielleicht unsere Regelungen nicht kennt und er den Antrag zur Familienzusammenführung nicht innerhalb 3 Monaten nach seiner Anerkennung stellt, muß selbst seine Frau noch Deutschkenntnisse nachweisen, um nachkommen zu dürfen. Sie muß also in Syrien im Bombenhagel deutsch lernen, um ihr Leben retten zu können, ohne sich an einen Schlepper wenden zu müssen. Das sind die Fakten. Wie viel mehr soll da noch geregelt werden? Noch unmenschlicher?

Daß die Flüchtlinge nach Kriegsende nach Hause gehen ist der Normalfall. Das war bei Bosniern und Kosovaren nicht anders. Der Großteil ging nach Hause. Manche erwarben sich ein weiterführendes Aufenthaltsrecht und blieben, so wie manche Deutsche auch in Bosnien oder dem Kosovo wohnen, aber die Zahl ist beiderseits gering. Auch die Syrer werden Deutschland wieder verlassen, wenn es sicher ist. Vielleicht dauert der Krieg aber so lange, daß sich einige entschließen, die Staatsbürgerschaft zu wechseln, dann sind es Deutsche wie wir. Und wieso sollte man uns abschieben?

Die Bundesregierung muss ein Wohnungsbauprogramm auflegen, Bürgschaften geben, Sicherheiten schaffen.

Nach meiner Wahrnehmung sind diese Dinge gerade in der Mache.

Es gibt genügend Menschen, die Wohnungen bereitstellen könnten. Warum aber sollten sie das tun, wenn es vermeintlich bessere Mieter (mit Bonitätsnachweis) gibt oder die kulturellen Unsicherheiten vermeintlich so groß sind, dass man es lieber leerstehen lässt?

Klar, deshalb muß und wird da wahrscheinlich auch etwas passieren. Nur brauchen solche Dinge dann doch ein wenig Zeit. Da sind ja dann auch einige rechtliche Fragen zu klären, auch Fragen, wie sich das ganze auf den Wohnungsmarkt auswirkt und die Wohnungseigentümer, wenn plötzlich viele neue Wohnungen entstehen etc. Das ist alles nciht sooo einfach.

Warum neue Wohnungen bauen und sich nachher womöglich mit den Flüchtlingen rumärgern, die dann plötzlich gar nix mehr verstehen (eine bösartige Verallgemeinerung, aber da man in die Köpfe der Menschen leider nicht reinschauen kann halt auch ein menschlicher Reflex)?

Ein privater Vermieter wird immer zusehen, daß er mit seien Mietern klar kommt. Deshalb ist hier auch der Staat gefragt, neue Wohnungen zu bauen, bzw. vorhandene zu enteignen oder zu beschlagnahmen. Am Einfachsten für alle wäre es freilich, wenn Flüchtlinge ohne Druck Wohnraum bekämen.

Wenn die Regierung endlich mal ihre Hausaufgaben machen würden, dann wäre Pegida völlig ohne Substanz und so schnell verschwunden, wie sie gekommen ist.

So einfach ist es nicht. Es gibt immer Unzufriedene. Allen kann man es nicht Recht machen, Und da die Unzufriedenen heutzutage offenbar immer mehr dazu neigen, nur ihre eigenen Probleme zu sehen und sich immer weniger um die allgemeie Probleme kümmern wollen ist es leicht für Bauernfänger, Mitläufer zu finden.

Noch viel besser wäre es, wenn die Ursachen der Flüchtlingswelle in deren Heimatländern bekämpft würden… Ein bürgerlicher Traum!?!

Klar wäre das das Beste, aber das wäre nochmal um einiges teurer für uns, denn dann müßten wir uns richtig engagieren, und zwar humanitär, nicht nur militärisch. Und dann kämen ganz schnell wieder Leute, die sich darüber aufregen, wie viel Geld wir in die arabische Wüste setzen, wo es doch auch hier arme Menschen gibt…

Wie gesagt: Man sieht immer nur das Eigene und ist weder bereit noch in der Lage, auch die Not anderer zu sehen und anzuerkennen…

Gesellschaft

Diskriminierung

Ein Viertel der Jugendlichen ausländischer Herkunft hat in Schule und am Arbeitsplatz schon Diskriminierung erfahren, so zu lesen bei evangelisch.de.

Mich wundert dabei eher, daß es nur so wenige sind. Ich vermute, die Dunkelziffer ist ein gutes Stück höher.

Auch als Fall von Diskriminierung kann man das Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen verstehen. Auch hierzu gibt es einen Artikel bei evangelisch.de.

Da geht es um das Kopftuchverbot in Niedersachsen. Dort ist es einer muslimischen Lehrerin gestattet, ein Kopftuch zu tragen, aber sie muß es im Lehrerzimmer, auf dem Weg zum Klassenzimmer und auf dem Schulhof ablegen. Tragen ist erlaubt beim islamischen Religonsunterricht, aber nicht beim zweiten Fach. Muslimische Lehrerinnen, die Kopftuch tragen wollen, werden also zu einem ständigen Tuch auf – Tuch ab genötigt, und das IMHO ohne jeden vernünftigen Grund. Statt dessen wird immer wieder darüber schwadroniert, daß das Kopftuch Symbol einer unterdrückenden Kultur wäre und daß es das falsche Zeichen wäre, sowas an unseren Schulen auch noch zuzulassen, und damit quasi diese (angebliche) Unterdrückung gutzuheißen.

Alles Quatsch, wenn Ihr mich fragt. Ich habe schon einige Frauen mit Kopftuch getroffen, die durchaus sehr selbstbestimmt durchs Leben gingen, und eben Kopftuch trugen, weil sie als Muslima das Bedürfnis danach hatten. Daß das Kopftuch vom Koran nicht gefordert wird, spielt dabei keine Rolle. Konfirmation und Firmung wird von der Bibel auch nicht gefordert, trotzdem lassen sich tausende christliche Jugendliche jedes Jahr konfirmieren oder firmen. Man sollte es schon den Anhängern der jeweiligen Religion überlassen, was zu der fraglichn Religion dazu gehört oder was nicht. Oder welcher Christ würde sich von einem Muslim sagen lassen, er müsse Purim feiern, weil das in der Bibel steht?

Im Gegensatz bin ich der Meinung, daß muslimische Lehrerinnen mit Kopftuch sogar Symbol für ein modernes Verständnis der Rolle der Frau stehen können. So wird nämlich signalisiert: Auch als gläubige Muslima kann man studieren (ich sah viele „Kopftuchmädchen“ an der Uni) und sein eigene Geld verdienen. Man muß nicht zu Hause bleiben, den Mann heiraten, den die Eltern schon in Kindertagen ausgesucht hatten und sich dann auf Haushalt und Kinderkriegen beschränken. Solche Frauen könnten zu Vorbildern für einen moderneren Islam werden. Zusammen mit einem vom Staat beaufsichtigten Religionsunterricht an den Schulen (und nicht in irgenwelchen Hinterhöfen durch fragliche Lehrpersonen) könnte so ein riesiger Schritt Richtung Integration unternommen werden. Denn Assimilation wird es nicht geben (zumindest nicht, so lange wir ein Rechtsstaat) und so wie es jetzt aussieht, fördern wir eher die Parallelgesellschaften, als daß wir sie unterbinden.

Erfrischend finde ich dabei, daß die im Artikel genannte muslimische Lehrerin an einer katholischen (sic!) Schule mit dem Kopftuch überhaupt kein Problem hat. Wenn die Katholiken (die ja angeblich so engstirnig sein sollen) so freigeistig sein können, dann sollte der Staat (der ja angeblich so liberal ist) und die Gesellschaft (die ja angeblich so offen ist) das auch können.

Allgemein

Ne weitere Antwort…

… und zwar hierauf. Der Platz hat mal wieder nicht gereicht. Also los:

Redefreiheit bezieht sich nicht auf Demagogie und Hetze. Gewalt kann durch Rede motiviert werden. Es erst zur Gewalt kommen zu lassen um sie dann einzudämmen heisst Gesundheit & Leben von Menschen zu riskieren.

Moment. Es ging um die Symbolhaftigkeit der Minarette. Da von Demagogie und Hetze zu reden, find ich ein wenig übertrieben. Ein Bauwerk ist keine Hetze.

Egal in welcher Ideologie gefangen, ein Lebewesen zu quälen ist immer falsch, und wer das nicht erkennt kann keine Ideologie dafür verantwortlich machen.

Ich verstehe was Du meinst, schrecke aber davor zurück, Dir in jedem Fall zuzustimmen. Das bezieht sich jetzt nicht darauf, daß es immer falsch ist ein Lebewesen zu quälen, davon bin ich überzeugt. Aber ich bin skeptisch, ob man das wirklich unter allen Bedingungen erkennen kann. Ich glaube durchaus, daß man derart verkorkst werden kann, daß man das nicht so klar erkennt.

Ich glaube aber auch an die Eigenverantwortung des Menschen, gerade in Gesellschaften die Zugang zu anderen Ansichten ermöglichen.

Eigenverantwortung immer im Rahmen der jeweils vorliegenden Freiheiten. Womöglich, hier spekuliere ich nun, kann man hierzuland wohnen, und trotzdem in einer anderen Gesellschaft sein als wir beide, und damit ist dann vielleicht auch der Zugang zu den anderen Ansichten nicht so leicht…

was nb. ein düsteres Bild vom Rest entwirft

Klar, aber dieses Bild ist IMHO so verkehrt nicht.

dass man es akzeptieren, hinnehmen oder auch nur ignorieren sollte

Nein, das nicht. Aber Ansprechpartner bei diesem Tun kann nicht derjenige sein, der nach seinen eigenen Regeln nicht verkehrt handelt, wenn er die Menschen mißhandelt. Wenn ich Gerechtigkeit will, dann ist der ungerechte Herrscher kein Partner für die Erreichung dieses Zieles, so sehr er auch manchmal als Werkzeug genutzt werden kann. Die Diktatoren dort scheinen ja zu ihrer Zeit die Christen protegiert zu haben, zumindest ein wenig, so daß die heutige Situation allenthalben als schlimmer dargestellt wird. Viellciht stimmt aber auch meien Wahrnehmung nicht.

Die Situation kann nicht verbessert werden indem man nur den Opfern hilft. Die Opfer müssen auch den Eindruck bekommen Opfer zu sein, Hilfe erwarten zu können und zu erhalten, das die Täter als Täter anerkannt sind und nicht damit durchkommen. Ohne Druck verstärkt sich die Parallelgesellschaft immer mehr.

Diesen Eindruck kann natürlich ein scharfes Durchgreifen erwecken, aber ich habe Bedenken. Eine Tochter, die für die Aussöhnung Todesgefahr auf sich nimmt, wie sieht die wohl die scharfe Bestrafung ihrer Familie? Erst muß über den Bildungsweg vermittelt werden, daß sie tatsächlich Opfe rund die Täter tatsächlich Täter sind. Bevor das Opfer das nicht begreift, kann jedes harte Durchgreifen erfolgreich als Islamophobie dargestellt werden, nach dem Motto: Seht her, wir haben uns Versöhnt und nun kommt der islamophobe Staat und stiftet Unfrieden…

Die wenigen Programme von denen ich bislang hörte werden aber kaum staatlich unterstützt, andere werden von islamischen Verbänden reflexhaft als rassistisch abgelehnt.

Das ist es, was ich meine. Da entsteht dann wieder dieses wir gegen die Denken, das hilft nicht weiter.

Ausbildung hierzulande ist keineswegs ein Garant für positive Entwicklungen. Ich erinnere an Prof. (ehem. Muhammad) Sven Kalisch und die Reaktion auf seine Koranexegese.

Lüdemann verlor seinen Lehrstuhl, Küng bekam die Lehrerlaubnis entzogen, und wahrscheinlich noch ein paar mehr. Ich bin davon auch nicht begeistert, aber es ist Teil des Systems, das an sich so schlecht nicht ist. Was Küng angeht würde ich auch sagen: Ist Sache der Katholiken, sollen die unter sich klären. Bei Lüdemann denk ich als Protestant: So nicht, auch wenn er Unsinn verzapft. Aber dann bin ich ja auch wieder kein Hannoveraner…

Zumal die Auswahl vieler Imame bei der Ditib liegt, der türkischen Religionsbehörde, die sich da auch kaum reinreden lässt.

Doch muß auch keiner zur Ditib gehen. Wenn es parallel Angebote gibt, in Deutscher Sprache und mit Kontakt zur Wirklichkeit, dann wird sich das durchsetzen. Die Migrantenkinder können heute schon kaum mehr türkisch, die Imame wissen zum Teil um das Problem mit der Kommunikation. Auch diese Situation erzeugt Druck. Da kann die Religionsbehörde stur bleiben, und sehen, wie die Felle wegschwimmen, oder sich öffnen. Eine schwache Ditib bedeutet aber auch mehr Chancen für die wirklich Radikalen, wie Pierre Vogel und seine Gang.

Solange der Kern und die bedeutenden Zentren des Islam diese Änderung nicht von sich aus vorgeben, werden die Erfolge allenfalls winzig sein und ziemlich leicht wieder negiert werden (s. Marxlohe, Paris, Köln, Bonn).

Ich weiß nicht, worauf Du mit den Städtenamen anspielst. Kerne und Zentren können sich bewegen. Neue Ansichten entstehen. Wenn ich ans Christentum denke und mich frage, wo da die Zentren sind und waren, dann ergibt sich da durchaus eine Fluktuation. Was spricht dagegen, daß Deutschland Ägypten udn Saudi Arabein als Zentrum ablöst? Babylon war auch jüdisches Zentrum, ohne im Heiligen Land zu liegen oder auch nur eine jüdische Mehheit zu beherbergen…

Der Teil der in Europa lebenden Muslime der sich nicht integrieren will muss unter Druck gesetzt werden sich zumindest an die Menschenrechte zu halten.

Bin ich voll bei Dir. Wer Gesetze verletzt, muß nach dem Gesetz bestraft werden. Aber das schließt nicht ein, Minarette verbieten zu müssen. Im Zweifel müssen die Nichtintegrationisten lernen, daß es eben kein Bajonett ist, sondern ein Turm. Punkt.

Der Teil der dabei still (oder sogar zustimmend) zusieht muss sensibilisiert und für Europa gewonnen werden.

Bin ich voll dabei.

Und der Teil der Muslime, der für ein tolerantes Zusammenleben steht sollte mobilisiert werden, um anderen, zwischen den Stühlen abwartenden ein Signal zu geben.

Ja.

glaube

Bibel statt Gewissen?

So zieh nun hin und schlag Amalek und vollstrecke den Bann an ihm und an allem, was es hat; verschone sie nicht, sondern töte Mann und Frau, Kinder und Säuglinge, Rinder und Schafe, Kamele und Esel. (1. Sam 15, 3)

Tochter Babel, du Verwüsterin, wohl dem, der dir vergilt, was du uns angetan hast! Wohl dem, der deine jungen Kinder nimmt und sie am Felsen zerschmettert! (Ps 137, 8-9)

Was mich oft ärgert, im Gespräch mit Atheisten über meinen Glauben, ist die Unterstellung, die meist implizit kommt, daß wir Christen eine Bibel hätten, wo andere ein Gewissen haben.

Derek Flood hat zu dem Thema vor längerem einen Artikel geschrieben, der zu gut ist, um ihn nicht wenigstens auf deutsch zusammenzufassen.

Er stellt nämlich genau die Frage, wie solche Verse etwa zum Feindesliebegebot passen. Und er erinnert zerst an einen Mechanismus, in den auch ich immer wieder gerate, nämlich daß versucht wird, die Gewalt runterzspielen und zu rechtfertigen, was natürlich falsch ist. Er führt als Beleg zwei Kommentare an. Ich kenne es wie gesagt aus eigener Erfahrung an mir selbst: Die Bibelstelle wird angegriffen und oftmals gleich der Glaube und die eigene Person mit, nd da verfällt man leider viel zu schnell in den Verteidigungsmodus. Und um sich selbst zu verteidigen, verteidigt man auch – eigentlich gegen besseres Wissen! – die Gewalt gegen Säuglinge in Ps 137. Mir ist dies mehrfach passiert, und oft haben meine Gesprächspartner frohlockt, weil sie mich nun in die Monsterecke stellen konnten. Ich war in die Falle getappt.

Derek Flood macht es klar: Das Zerschmettern von Babyköpfen auch nur als annehmbar zu erwägen geht nur, wenn man von vorne herein davon ausgeht, daß biblische Befehle über dem Gewissen stehen. Wie ich eingangs schrieb: Ne Bibel, wo andere das Gewissen haben.

Er schlägt eine andere Lesart der Bibel vor, und er illustriert es an Jesus, Paulus und Martin Luther King Jr. Während Jesus noch betonte, er sei nur zu den Kindern Israels gekommen, öffnet Paulus das Evangelium auch und gerade den Heiden. Während Paulus die Sklaverei als Institution nicht anrührte, kämpfte King für die Beseitigung der letzten Spren der Sklaverei, und zwar in der Überzegung, daß er sich damit in Übereinstimmung mit der Bibel befindet. Und Jesus? Für ihn war die Begrenzung auf die Kinder Israels ja auch nicht Hauptinhalt seines Tuns. Auch er weitete den Kreis des Heils, in die sozialen Randgruppen. Es handelt sich um eine Geschite immer weiter greifender Integration. Erst die frommen Juden, dann die sozialen Randgruppen unter den Juden, dann die Heiden, und dann selbst die versklavten Randgrppen unter den Heiden.

Geht man nun den Weg hinter Jesus zurück, dann dürfte es nicht verwundern, daß auch die Texte hinter die Feindesliebe zurückfallen. Und ehrlich gesagt, auch die Johannesoffenbarung scheint mir da eher nen Schritt zrück zu gehen, was das angeht.

Derek Flood plädiert also dafür, die Bibel nicht als Belegtext für allerlei Handlungen (die im Zweifel mit dem Gewissen kollidieren müssen) zu lesen, sondern auf die Bewegung weg von Gewalt, Unterdrückung und Entmenschlichung zu achten und darin eine Aufforderung zu sehen, den Weg weiterzugehen.

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und er wird noch größere als diese tun; (Joh 14, 12)

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Freitag, 23.03.2012

Beim Ärzteblatt kommen Kirchenvertreter zum Wort. Es geht um den Bluttest auf Trisomie-21und die negativen Folgen. Die Problematik ist ja keine Neue. Das gleiche Problem steht ja auch hinter der ganzen PID Geschichte: Das Kind als Produkt.

Carsten Neumann unterstellt der katholischen Kirche vorsätzliches Verletzen der Menschenrechte. Worum geht es? Eine Kindergärtnerin hat einen neuen Mann. In katholischen Kindergärten kann sowas schon einmal die Kündigung zur Folge haben. So auch hier. Allerdings hat in diesem Fall die Stadt Königswinter dies zum Anlaß genommen, der Kirche die Trägerschaft des Kindergartens zu entziehen. Wenn ich mich recht entsinne, ist das neu, und man darf gespannt sein, wie die Katholische Kirche in Zukunft agiert, wenn nun der Verlust der Trägerschaft zu befürchten ist. Aber zurück zu den Menschenrechten. Neumann bezieht sich auf den Fall des Essener Organisten, dessen Kündigung vom Europäischen Gerichtshof als Verstoß gegen die Menschenrechte gewertet hat. Allerdings steht in dem zum Beleg verlinkten SPON Artikel vom 23.9.2010 auch ein anderer Fall, in dem eine Kündigung aufgrund außerehelicher Beziehungen eben nicht als Menschenrechtsverletzung angesehen wird. Es stimmt also nicht, daß eine Kündigung wegen Ehebruch prinzipiell gegen die Menschenrechte verstößt. Irgendwie fühl ich mich hier an die Godwin Thematik erinnert. Unter „Menschenrechtsverstoß“ scheint Kirchenkritik nicht möglich zu sein, immer gleich die größte Keule, auch wenn sie unberechtigt gentzt wird. Die Kathollische Kirche hat sich immerhin schuldig gemacht, also braucht ja keiner kommen…

Update: Carsten Neumann hat seinen Artikel geupdatet. Meine Kritik wird damit quasi gegenstandslos. Der Text bleibt trotzdem stehen, wegen der Nachvollziehbarkeit.

Benjamin Lebsanft hat auf Abgeordnetenwatch eine Frage an Dr. Günter Krings gestellt. Es geht um die Kosten der Vorratsdatenspeicherung. Ich bin gespannt auf die Antwort, falls eine kommt.

Mechthild Werner hat sich mit Gauck, dem Präsidentenamt und den Sünden befasst. Außerdem geht es darum, ob wir nun in einer Pfarrerrepublik leben bzw wie es sich auswirkt, daß die Kanzlerin Pfarrerstochter ist und der Präsident selbst Pfarrer.

Mit Gauck befasst sich auch Jacob Jung. In seinem Artikel geht es um die verschiedenen Sozialsysteme, die es gibt.

Im Film Hellbound, auf den ich durch peregrinatio aufmerksam gemacht wurde, geht es um die Hölle und die damit verbundene Angstmacherei. Der Teaser Trailer macht echt nen guten Eindruck.

Auf dem youtube Kanal zum Film gibt es noch ein paar Videos.

Andreas Meißner befasst sich mit einem recht frühen „Blogger“: Habakuk.

Thomas Steinschneid hat was geschrieben zu den kulturellen Unterschieden beim Autofahren. Es sieht danach aus, daß bald eine Fortsetzung kommt zm Thema U-Bahn.

Ein interessanter Blog, den ich entdeckt habe, ist Erhard Eutebachs Kinderlesen Blog. Bald ist Ostern, und wer noch Geschenke für Kinder sucht, könnte dort vielleicht fündig werden.

Ein weiterer interessanter Blog ist Muslim Essay. Er stellt den Anspruch, muslimische Stimmen zu Gesellschaft und Zeitgeschehen zu Gehör zu bringen. Bei einem ersten Überfliegen habe ich den Eindruck bekommen, daß es sich vorwiegend (oder nur?) um schiitische Autoren handelt. Wie auch immer, der erste Schritt zur Integration ist es, einander zuzuhören, und da kann der Blog ein Medium sein.

Auf evangelisch.de las ich von der Problematik, daß der islamische Religionsunterricht, der jetzt in verschiedenen Ländern startet, nicht von den Religionsgemeinschaften, sondern vom Staat verantwortet werden. Ich halte das wirklich für ein Problem. Was islamisch ist, kann letztendlich nur eine islamische Religionsgemeinschaft festlegen, und nicht ein weltanschalich neutraler Staat. Hoffentlich kommt es bald dazu, daß solche Religionsgemeinschaften gegründet werden, die dann den Religionsunterricht verantworten können. Ansonsten dürfte es über kurz oder lang mau aussehen mit der Akzeptanz.

Da wir es gerade vom Islam haben, noch ein Hinweis auf einen Artikel von Uri Avnery. Er befasst sich mit der „jüdischen Seele“ eines arabischen Richters, bzw. deren Nichtvorhandensein, und die Folgen für die israelische Nationalhymne.

Und jetzt noch den Bogen zur eigenen Religion zurückschlagen: Bei Brot für die Welt gibt es einen Fürbittenvorschlag für den Weltwassertag am Sonntag.

Das war es für heute. Mehr beim nächsten Mal.

Allgemein

Arbeitsteilung

Irgendwann vor langer, langer Zeit, haben die Menschen angefangen, sich niederzulassen und nicht mehr als Nomaden umherzuziehen. Mit der Zeit kam es dann dazu, daß die technische Entwicklung so weit gedieh, daß nicht mehr jeder alles tat, sondern sich Berufe herausbildeten. Einige bebauten die Felder und sorgten für die Nahrung, andere stellten die Werkzuge dafür her und so weiter und so weiter.

Diese Arbeitsteilung hat sich über Jahrtausende bewährt, es konnten immer weitere Fortschritte erzielt werden, weil nicht mehr jeder Mensch alles überblicken können mußte. Andererseits hat diese Arbeitsteilung jedoch auch eine negative Seite, wenn man es so nennen will. Man ist darauf angewiesen, dem anderen zu vertrauen. Wenn ich mein Auto nicht selbst reparieren kann, dann muß ich darauf vertrauen, daß ich in der Werkstatt nicht über den Tisch gezogen werde. Gleiches gilt natürlich in entsprechender Form auch für andere Betriebe, so muß man auch seinem Bankkaufmann vertrauen können oder seinem Versicherungskafmann.

Besteht dieses Vertrauen jedoch, dann erleichtert dies den Alltag nachhaltig. Tritt ein Problem auf in einem Feld, in dem man sich nicht auskennt, ruft man den entsprechenden Fachmann des Vertrauens an, und der kümmert sich dann drum – gegen eine kleine Gebühr.

Mir kam vor kurzem der Gedanke, ob diese Lebenshaltung mit dafür verantwortlich sein könnte, daß etwa ale Menschen oder Menschen mit Behinderung oftmals in Einrichtungen gegeben werden, die sich mit sowas auskennen.

Ich meine das in keinem Fall negativ, jedenfalls will ich niemandem einen Vorwurf machen. Ich frage lediglich nach dem Ursprung nd den Bedingungen der Tat. Man hat selbst jede Menge zu tun, um etwa seinen Lebensunterhalt zu verdienen, oder man hat aus anderen Gründen einfach die Zeit nicht, oder auch nicht den Raum, um die gebrechlich gewordenen Eltern aufzunehmen. Unter Umständen wollen diese dies auch gar nicht. Trotzdem meine ich, daß dahinter die Arbeitsteilung steckt. Es gibt Menschen, die in der Pflege tätig sind, die sich auskennen, und das übernehmen können.

In letzter Zeit scheint es mir allerdings einen gegenläufigen Trend zu geben: Das Ideal lautet wieder, überall mitreden zu können. Zuerst fallen mir da die Forderungen nach mehr direkter Demokratie ein, in der die Bürger nicht nur alle 4 Jahre ein Kreuz beim Politiker ihres Vertrauens machen (oder bei dem des geringsten Mißtrauens), sondern auch während der Legislaturperide in den Gesetzgebungsprozess eingreifen und entscheiden können.

Ein ganz anderer Ort sind etwa die neuen Medien. Geschlossene Betriebssysteme werden abgelehnt (wenn auch noch nciht von einer Mehrheit), das Ideal ist das offene Betriebssystem, bei dem ich theoretisch alles selbst einstellen kann (wenn ich das Wissen und die Zeit dazu habe).

Es ist nur ein persönlicher Eindruck, und auch wenn dies nicht auf alle Gebiete übertragbar ist, dann habe ich doch den Eindruck, daß die Idealvorstellung des Menschen weg vom arbeitsteilig schaffenden Menschen, der den jeweiligen Fachleuten (oder wenigstens einigen davon) vertraut, hin zum Alleskönner (oder Alleskönnensoller?) geht.

Auch in Punkto Umgang mit Behinderung ist das Ideal heute die Inklusion. Zum Glück! Und hoffentlich setzt sich dieses Ideal bald flächendeckend durch! Doch auch hier: Nicht mehr die Einrichtung kümmert sich um diese Menschen, sondern sie sollen wieder mitten in der Gesellschaft sein, wie alle anderen auch, denn behindert ist man nicht, behindert wird man. Und besondere Einschränkungen und Fähigkeiten hat jeder.

Ich denke, diese ganze Sache hat viel mit gesellschaftlichem Zusammenhalt zu tun. Wo es Beziehungen zwischen den Menschen gibt, die Vertrauen schaffen, kann man sein Auto dem Mechaniker anvertrauen, und muß nicht selbst reparieren. Wo diese Beziehungen nicht mehr existieren, wird es schwierig. Der Alleskönner wird gefragt.

Dies ermöglicht dann wieder neue Beziehungen, etwa wenn Menschen mit bestimmten Beeinträchigungen (vlgo: Behinderte) wieder Teil der Gesellschaft sein können. Oder wenn sich Linux-User zum Stammtisch treffen.

Das Mißtrauen hat zugeschlagen, mir scheint, wir befinden uns in einem gesellschaftlichen Umstrukturierungsprozess. Noch wurden nicht alle, denen mißtraut wird, zu Fall gebracht. Es ist auch offen, ob dies geschehen wird, oder ob diejenigen Gesellschaftsgruppen sich wie auch immer wieder Vertrauen erwerben.

Gleichzeitig bilden sich neue Vertrauensverhältnisse, die dann wieder zu einer gewinnbringenden Arbeitsteilung führen können. So entwickelt sich Gesellschaft fort. Fördern kann man das, indem man Beziehungen stiftet und ermöglicht, über alte Gräben hinweg. Hindern kann man den Fortschritt, indem man Beziehungen verunmöglicht oder jedenfalls nachhaltig erschwert, indem man andere Ziele im Leben propagiert (egal, wie gut und edel diese sein mögen).

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Wie viel Scharia hätten wir denn gern?

Nachdem ich jetzt schon ne Weile au dem Augenwinkel mitkriege, wie über den Islam und die Scharia in Deutschand debattiert wird, bin ich auf folgenden Artikel gestoßen, in dem die Einführung der Scharia zu Integrationszwecken abgelehnt wird.

Leider ist der Diskussionsgegenstand, eine Hausarbeit mit dem Titel „Anwendung der Scharia in Deutschland“ nur gegen Bezahlung zu erhalten, und die 5€ ist mir der Schrieb nicht wert.

Besagter ablehnender Artikel scheint nämlich von vornherein davon auszugehen, daß die Scharia nicht ins deutsche Rechtssystem integriert werden kann, darf oder sollte. Dafür setzt er sich aber nicht mit eventuellen Argumenten auseinander, sondern eher mit den dahinter stehenden Personen. Schade eigentlich, denn so kann ein Pfennigfuchser wie ich nur mtmaßen, was die Argumente für die Einführung der Scharia wären.

Prinzipiell bin ich der Meinung, daß die Scharia nicht eingeführt werden kann, ebenso wenig wie das mosaische oder noahidische Gesetz, die Bergpredigt  oder der Codex Iuris Canonici. Trotzdem findet man in unserem bundesdeutschen Recht Einflüsse eben jener Rechtskorpora der traditionellen hiesigen Religionen. Da nun mit dem Islam eine neue Religion hinzu kam, sollte die Frage erlaubt sein, ob ein auf christlichen Fundamenten (jaja, und der Philosophie und des Humanismus) stehendes Recht für eine aus ganz verschiedenen Gruppen bestehende Gesellschaft noch passend ist.

So scheint es mir so, als ob in letzter Zeit bei Taten wie Genitalverstümmelung (inkl. Beschneidung von Jungs, wenn sie auch von vielen Menschen, mich eingenommen, anders gewertet wird), sogenannten Ehrenmorden, Kopftüchern (wird die Queen von Prince Philipp unterdrückt wenn sie eins trägt?), Tierschächtung etc kein allgemeiner Konsens in der Gesellschaft (inklusive Muslime) besteht.

Eine Gesellschaft muß eien gemeinsamen Wertekonsens haben, sonst bricht sie auseinander, sonst geht der letzte Rest gesellschaftlicher Sozialität verloren und wir können entweder den Staat abschaffen, oder bestimmte Gruppen unterdrücken (seien es nun Muslime, Christen, Atheisten, wer auch immer). Das Thema hatte ich vor ein paar Monaten schon einmal angeschnitten.

Natürlich können wir die Scharia nicht aufnehmen in unsere Rechtsordnung. Wir können aber mit Muslimen darüber in das Gespräch kommen, inwieweit unser Rechtssystem per se schariakonform ist. Denn auch Muslime wollen Verbrechen bestrafen, und über die Mehrzahl der Verbrechen, wie Diebstahl und Mord, besteht Konsens. Wir können vielleicht auch überlegen, ob die Scharia Gesetze enthält, die unsrer Rechtsordnung mit Gewinn eingegliedert werden könnten. Die Diskussion müßte dann ergebnisoffen verlaufen und nicht zu einer Belehrung werden, warum nichts übernommen werden kann. Ergebnisoffen bedeutet jedoch auch, daß das Ergebnis die Ablehnung der Scharia un aler ihrer über unser Rechtssystem hinausgehenden Forderungen sein kann.

Wenn ich es richtig verstanden habe, ist die Scharia nicht einmal ein feststehender Rechtskorpus, sondern wird gewonnen aus der Auslegung der heiligen Schriften des Islam, und aus deren Tradition. Das macht das Ganze noch einmal schwieriger, weil zu erwarten ist, daß über den Umfang und die Forderungen der Scharia kein islamweiter (oder auch nur sunnitenweiter) Konsens besteht. Darin könnte jedoch auch eine Chance liegen, weil islamische Gelehrte durchaus in unserer Rechtsordnung, wenn sie sie denn unvoreingenommen betrachten, Anteile der Scharia finden könnten. Alles nur eine Frage der Auslegung. Ob es Übereinstimmungen gibt ist jedoch eine Frage der islamischen Theologie (noch so ein Grund für die Etablierung islamisch theologischer Fakultäten an deutschen Hochschulen, wenn die Muslime das bloß einmal geregelt kriegen würden), so wie die Aufnahme oder Ablehnung von Schariagesetzen in unser Rechtssystem eine Frage der deutschen Gesellschaft und Rechtswissenschaft ist.

Jedenfalls muß diskutiert werden. Offen, mit gegenseitigem Interesse, und ohne den jeweils anderen runterbuttern zu wollen, nur weil er Muslim ist oder nicht. Am Ende sollte eine Rechtsordnung stehen, mit der der größte Teil der Einwohner und Bürger dieses Landes zufrieden sind, die sie als ihre gemeinsame gesellschaftliche Basis akzeptieren können, damit ein gemeinschaftliches Leben möglich ist, und sich nicht eine Gruppe als Außenseiter fühlen muß und folglich den deutschen Rechtsstaat ablehnt.

Das ist kein Kuschel-Multi-Kulti, in der wir alle froh sind, daß wir so verschieden sind. Das ist eher Neokulti, das Schaffen einer neuen kulturell-gesellschaftlichen Grundlage, mit der wir alle leben können mit unsren jeweiligen Besonderheiten, und deren Aufnahme in unsere Rechtsordnung.

Dieser Staat hat es geschafft, Preußen und Bayern zu integrieren. Da sollten die Integration der Muslime keine Schwierigkeit mehr darstellen.