Commenting Media, Politik

Burka

Eine Burka
By Daderot [Public domain], from Wikimedia Commons
Jens Spahn hat in der FAZ was geschrieben, das bei FAZonline zusammengefasst wurde. Die Zusammenfassung habe ich gelesen und mich geärgert, und zwar deshalb:

Eine offene Gesellschaft beruhe auf Austausch und Teilhabe am öffentlichen Leben. Hingegen signalisiere eine Vollverschleierung, dass sich jemand isoliere, abgrenze und den Blicken anderer entziehe, schreibt Spahn.

Die Vollverschleierung signalisiert Abgrenzung nicht weniger wie sonstige Mode, die auf Individualität, also auf Abgrenzung von der Menge abzielt. Inwiefern es negativ ist, wenn eine Frau sich den Blicken anderer entziehen will, erschließt sich mir dabei nicht.

Dessen ungeachtet kann eine verschleierte Frau durchaus in Austausch mit anderen treten und am öffentlichen Leben teilhaben. Sie tut es ja gerade, indem sie als die Person, die sie ist, mit Schleier, in der Öffentlichkeit auftritt und sich eben nicht zurückzieht.

Damit verweigere man sich einer der grundlegendsten Formen der zwischenmenschlichen Kommunikation: „Ich verwehre meinem Gegenüber die Möglichkeit, sich im wahrsten Sinne ein Bild von mir zu machen.“

Das Gegenüber kann sich durchaus ein Bild machen, indem es mit der Frau redet. Das Bild ergibt sich dann eben aus dem Gesagten, und weniger aus Oberweite, Taillie oder dergleichen. Wenn eine Frau danach beurteilt werden möchte, wer sie ist, was sie sagt, dann hindert ein Schleier daran nichts.

Wenn aber in der Öffentlichkeit die eigene Freiheit die Freiheit und Erwartungen der anderen tangiere, müssten Regeln gelten, die dieses Zusammenleben strukturierten und gesellschaftlichen Frieden möglich machten, schreibt Spahn. „Deshalb wird übrigens auch Nacktsein im öffentlichen Raum als öffentliches Ärgernis eingestuft und sanktioniert.“

Ob die Frauen untereinander und mit ihren Kindern kommunizieren können?
By Peretz Partensky from San Francisco, USA (Evening Walk) [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons
Es ist mitnichten so, daß Nacktheit im öffentlichen Raum immer sanktioniert wird. Auch wird öffentliche Nacktheit überhaupt erst seit relativ kurzer Zeit als Problem angesehen. Auch erschließt sich mir nicht, inwiefern die Feiheit zum Schleier die Freiheit anderer tangieren sollte. Ich verstehe Spahn so, daß er sagt:Ich will das nicht sehen, also soll es verboten werden. Das kann IMHO kein Grund für eine allgemeine Gesetzgebung sein.

Spahn bezweifelt, dass es sich bei der Vollverschleierung um eine freie Entscheidung der Frauen handle.

Kann gut sein, doch ist nicht auszuschließen, daß es eben doch welche gibt, die ihn freiwilig tragen. Wer ihn nicht frewillig trägt, der muß Hilfe erhalten. Nur liegt dann das Problem nicht im Schleier  und wird auch durch ein Verbot desselben nicht gelöst. Aber bei der CDU ist man ja offenbar zufrieden, wenn man einen Mißstand so kaschiert, daß man nix mehr davon mitkriegt. Ich erinnere mich etwa an die DNS Umleitungen gegen Darstellungen von Kindesmißbrauch, die das Problem nicht lösten und nicht effektiv waren… aber zurück zum Thema!

Eindrucksvoll seien die Bilder der Frauen, die voller Begeisterung ihren Gesichtsschleier verbrannten, nachdem die Stadt Manbidsch von islamischen Dschihadisten befreit worden sei.

Da gab es auch andere Bilder. Etwa die von Männern, die ihre Bärte abschnitten. Will Spahn jetzt auch Bärte als Unterdrückungssymbole verbieten?

Bei Integration dürften nicht aus falsch verstandener Toleranz immer wieder die alten Fehler wiederholt werden, so Spahn.

Dem stimme ich voll zu. Einer dieser Fehler wäre der Ansatz „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“. Wenn wir nicht klarmachen, daß die freie Entscheidung zu einem Kleidungsstück kein Problem ist, wohl aber Druck jeglicher Art was die Wahl der Bekleidung angeht – ob durch den Ehemann oder durch den Staat, dannzeigen wir, wie ein tolerantes System funktioniert, das die Menschen anerkennt und sie nicht bevormundet.

„Die deutsche Gesellschaft darf und muss klare Ansprüche formulieren, wie Zusammenleben funktioniert und wie eben nicht.“

Die Rahmenbedingungen hierfür gibt das Grundgesetz vor. Ich halte es für einen Fehler, davon abzurücken, weil einzelne Probleme mit Kleidungsstücken anderer Kulturen haben. Wenn Bayern ihre Lederhosen auch in Berlin und an der Nordsee anziehen können, dann können konservative Musliminnen auch in Deutschland einen Schleier tragen!

Theologie

Auf daß alle eins seien

Bei Jörg stieß ich auf einen Artikel, in dem es um Feindbilder geht. Und darum, wie diese oftmals unser Denken auf völlig falsche Bahnen lenken. Konkret spricht er von Wolgadeutschen und Pfingstlern, und beim Lesen merke ich: Ja, ich habe auch so das ein oder andere Feindbild, wobei, nein: Feind ist ein zu starkes Wort, aber trotzdem: Vorbehalte gegen gewisse Gruppen sind es mindestens.

Man beraubt sich mit diesen Feindbildern der Möglichkeit, den anderen kennenzulernen. Man meint vielleicht, ihn sowieso schon zu kennen, auch wenn man seine Beweggründe, seine Geschichte gar nicht kennt. Das führt dann dazu, daß Gruppen entstehen, die einander aus dem Weg gehen.

Jeder Mensch ist individuell anders. Niemand ist mit einem anderen in jedem Punkt völlig einer Meinung (und wenn doch ist es eher ein Zeichen für eine Erkrankung als daß es normal wäre). Grenzte man sich gegen alle Menschen ab, mit denen man nicht übereinstimmt, würde das zu immer kleineren Gruppen und schließlich zur Vereinsamung führen.

Freilich kommt es nicht so weit. Auf gesamtgesellschaftlicher Ebene zumindest. Der Mensch ist trotz allem ein soziales Wesen. Und auch die Konzentration auf das Individuum seit der Aufklärung, die Formulierung individueller Rechte und Freiheiten hat noch nicht dazu geführt, daß die Gesellschaft vollends vereinsamt. Aber die Tendenz besteht.

Mir – und wahrscheinlich jedem Menschen – geht es ja so, daß ich vor allem sehe, was mich überzeugt, sei es nun im zwischenmenschlichen Bereich, politisch, theologisch, im Gespräch mit den Menschen oder im Gebet mit Gott, beim Lesen von Texten wie Bibel oder auch der Tageszeitung…

Und ich bemerke bei mir ein Bedürfnis, mich abzugrenzen gegen das, was mich nicht überzeugt, und manchmal benenn ich das auch (wer hier öfter liest kriegt nen Eindruck davon), während ich das, was mich überzeugt nach der genannten kritischen Prüfung versuche, in mein Denken zu integrieren.

Manchmal hab ich auch das Gefühl, ziemlich alleine dazustehen (nicht nur, weil mein Blog nicht so oft angesurft wird), aber das macht weniger etwas. Schwieriger finde ich es, wenn solche Abgrenzungen sich dann zu Feindbildern verfestigen, und man den Kontakt zu denjenigen Menschen, die diese anderen Ansichten vertreten, die einen selbst nicht überzeugen und die man vielleicht auch für schlicht falsch hält.

Da weist dann ein Artikel wie der von Jörg in die Richtige Richtung. Oder der von Rolf, in dem es darum geht, daß die Menschen eben verschieden sind und es auch sein können und trotzdem zusammen in einer Gemeinde Gott loben und verkündigen können.

Ich meine, das ist auch eine wunderbare Möglichkeit zur eigenen Korrektur, denn auch wenn ich versuche, die Dinge zu durchdenken, kann ich nciht sagen, daß ich dabei keine Fehler machen würde. In der Gemeinde kann ich durch diejenigen, die anders denken, auf meine eigenen Denkfehler aufmerksam gemacht werden. Auch und gerade durch diejenigen, zu denen ich ein Feindbild habe, wenn ich dieses Freund-Feind-Denken überwinde, und ihnen zuhöre, auch wenn ich ihren Ansichten meist recht wenig abgewinnen kann.

Wir sind als Menschen nun einmal fehlbar, da ist es doch im eigenen Interesse, sich fortwährend immer breit zu informieren und in viele Richtungen zuzuhören. Auch wenn es manchmal anstrangt denek ich, daß man letztendlich dabei gewinnt. Und schließlich sollen wir ja alle eins sein, und nicht jeder für sich.