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Digitale Aufklärung

Digitale Aufklärung ist das Überwinden der selbstverschuldeten Bevormundung des digital vernetzten Menschen durch multinationale monopolisierende IT-Konzerne. Selbstverschuldet ist diese Bevormundung deshalb, weil diese nur aufgrund der Tatsache entsteht, dass dem Mensch der Mut und der Entschluss fehlt, statt der bevormundenden Software bereits vorhandene freie und frei verfügbare Software einzusetzen, die ihn eben nicht ausspioniert und steuert, sondern ihm selbst die Kontrolle über sein eigenes digitales Leben lässt.

Das Zitat stammt von Ulrich Berens von LUKi, genauer aus seinem Kommentar zu einem Artikel über den Katholikentag in Münster.

Es ist klar erkennbar, der Satz ist an Immanuel Kants Definition der Aufklärung angelehnt. Zur Vergegenwärtigung hier das Original von Kant:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Ich finde Ulrichs Gedanken einer digitalen Aufklärung gut, richtig gut. Es ist ein sinnvoller Gegenpol zu einer womöglich vor allem ökonomisch verstandenen „Digitalisierung“. Es geht also nicht darum, mit Hilfe des Digitalen Mehrwert zu schaffen, sondern darum, daß der Mensch als mündiges Subjekt auch in und mit der digitalen Welt mündig umgeht.

Daher einige Gedanken zu Ulrichs „Schnellentwurf“:

Digitale Aufklärung ist das Überwinden der selbstverschuldeten Bevormundung des digital vernetzten Menschen durch multinationale monopolisierende IT-Konzerne.

Mich stört ein wenig, daß ein Schuldiger angeprangert werden muß und daß dieser Schuldige nicht in der eigenen Person gefunden wird, sondern extern: Wir sind die Guten Linuxer, da sind die bösen Monopolkonzerne.

Bei aller berechtigten Kritik an den Microsofts, Apples, Googles, Amazons und wie sie alle heißen: Wenn Aufklärung bedeutet, daß man selbst etwas tut, daß man selbst mündig wird, dann führen solche Schuldzuweisungen in die Irre.

Denn Microsoft kann nichts dazu, daß wir ihr Betriebssystem nutzen. Apple kann nichts dazu, daß wir ihre Smartphones nutzen. Freilich kommt ihnen das gelegen, aber die Entscheidung dazu treffen wir!

Digitale Aufklärung ist das Überwinden der selbstverschuldeten Bevormundung des digital vernetzten Menschen durch multinationale monopolisierende IT-Konzerne.

Wir leben in einer (weitgehend?) aufgeklärten Gesellschaft, in der wir uns nicht bevormunden lassen müssen, wenn wir nicht wollen. Wenn wir dies zulassen, sind wir in gewissem Sinne unmündig, eben unaufgeklärt. Deshalb brauchen wir ja die digitale Aufklärung.

Das Problem liegt bei uns, was wir mit uns machen lassen, beziehungsweise was wir nicht tun. Deshalb würde ich lieber bei Kants „Unmündigkeit“ bleiben, weil so klarer bleibt, wo das grundsätzliche Problem sitzt (vor dem Computer) und wo die daraus folgenden Konsequenzen sitzen (in Redmond, Cupertino oder Mountain View).

Digitale Aufklärung ist das Überwinden der selbstverschuldeten Bevormundung des digital vernetzten Menschen durch multinationale monopolisierende IT-Konzerne.

Kant sprach von „Ausgang“, und es mag an meinem Hörverstehen liegen, aber Kants Begriff erscheint mir eher prozessorientiert zu ein, während ein „Überwinden“ sich eher zielorientiert anhört: Man erreicht das Ziel und dann ist gut.

Nur denke ich, daß es sich tatsächlich um einen Prozess handeln muß, nur um einen Prozess handeln kann.

Linux aufgespielt ist schnell, aber damit ist man noch nicht viel weiter. Souveränität über das eigene System: Was installier ich, was nicht, was brauch ich, was ist zu viel? Wie werfe ich Software wieder runter? Wie wende ich E-Mail Verschlüsselung an, wie gehe ich mit den Schlüsseln um?

Man ist ja nie wirklich angekommen. Meine ersten Schritte mit freier Software waren das Installieren von Suse Linux und der Versuch, mit der dort vorhandenen Software meine Arbeit zu erledigen. Irgendwann stieg ich um auf Gentoo, machte mich ein wenig mit der Kommandzeile vertraut etc etc etc. Und ich bin noch weit davon entfernt, wirklich anhand des Codes nachvollziehen zu können, was ein Programm genau macht.

Insofern bin ich auch da unmündig. Und selbst die, die das können, können es nicht unbedingt auf Bitebene beim compilierten Code. Es könnte ja was mit dem Compiler nicht stimmen. Oder die Hardware macht nicht genau das, was man denkt.

Wirklich alles selbst machen, kann niemand. Und ich denke, es ist auch nicht nötig. Aber man sollte soweit als möglich abschätzen können, wo die Risiken sind und auf was oder wen man sich verläßt – und welche Motivation derjenige hat.

Daher denke ich: Laßt uns erst mal aufbrechen.

Digitale Aufklärung ist das Überwinden der selbstverschuldeten Bevormundung des digital vernetzten Menschen durch multinationale monopolisierende IT-Konzerne.

Bei dem Punkt bin ich mir nicht ganz sicher. Klar, ich hab ja schon geschrieben: Das Problem sitzt vor dem Computer. Andererseits, wenn ich an die „Legacy-Aufklärung“ denke, ging es dabei darum, etwas zu nutzen, was jeder hat: Den Verstand. Es ging um kein Fachwissen im eigentlichen Sinn, es ging darum, nachzudenken, sich auf Argumente mehr zu verlassen als auf Autorität.

Bei der digitalen Aufklärung ist aber ein gewisses Fachwissen unabdingbar. Wenn ich es richtig verstehe, besteht die Aufklärung ja gerade im Aneignen und Anwenden dieses Fachwissens zu Software, Datenschutz etc.

Von Selbstverschuldung kann ich dann aber nur sprechen, wenn ich eine Pflicht zur Selbstbildung in IT Fragen postuliere. Ist meine Oma, die von Computern keinen Dunst hat und auch nicht haben will oder braucht für ihr tägliches Leben, „selbstverschuldet unmündig“? Wohl nicht mehr als ich es bin in Bezug auf die Bantu-Sprachen!

Sicher wird die IT für spätere Generationen als die meiner Oma (Jahrgang 1931) relevanter sein und ist es auch schon. Trotzdem scheint mir der Stempel „selbstverschuldet unmündig“ zu hart. „Selbstgewählt“ scheint mir, auch in Anbetracht unserer eigentlich aufgeklärten Gesellschaft, passender.

Digitale Aufklärung ist das Überwinden der selbstverschuldeten Bevormundung des digital vernetzten Menschen durch multinationale monopolisierende IT-Konzerne.

Eine Folge meines Spezialvikariats ist, daß ich jedesmal zusammenzucke, wenn ich „Vernetzung“ höre, und es nicht um Stromkreisläufe oder Datennetze etc geht. Mein Mentor fragte immer: „Wie willst Du Menschen vernetzen? Wo haben die ihre Steckdose?“ Sein Punkt war, daß es zwischen Menschen Beziehungen gibt, aber keine Netzverbindungen. Ein Mensch ist etwas anderes als ein Node in einem wie auch immer gearteten Netzwerk.

Darüber hinaus meine ich auch hier wieder Inaktivität und Passivität zu erkennen. Wenn ich vernetzt (Partizip Perfekt Passiv) bin, hat jemand etwas mit mir getan. Ich bin aber ein mündiges Individuum als Mensch. Klar muß ich irgendwie beschreiben, daß es nur um solche Menschen geht, die „digital aktiv“ sind (und eben nicht um Menschen wie meine Oma), also nehm ich genau das: „digital aktive Menschen“.

Somit komme ich auf einen ersten eigenen Schnellversuch für den ersten Satz:

Digitale Aufklärung ist der Ausgang des digital aktiven Menschen aus seiner selbstgewählten digitalen Unmündigkeit.

In Analogie an Kant müßten jetzt zwei nähere Bestimmungen folgen, und zwar die der digitalen Unmündigkeit und die der Selbstgewähltheit. Ich schlage folgendes für die weitere Diskussion vor:

Digitale Unmündigkeit ist das Unvermögen, die Umstände seiner digitalen Aktivitäten zu gestalten.

Selbstgewählt ist diese digitale Unmündigkeit, wenn die Ursache nicht im Mangel an Mitteln zur Gestaltung der Umstände liegt, sondern es an Entschluß und Interesse mangelt, diese Umstände zu gestalten.

Unter Mittel fasse ich alles, was es so an Hilfsstellungen geben kann. Wie gesagt ist ja ein bestimmtes Fachwissen von Nöten, das man sich etwa durch das Lesen von Dokumentation, durch Nachfragen in Foren etc aneignen kann.

Ach ja, und ganz grundsätzlich braucht man freilich nen Computer und idealiter auch nen Internetzugang, um „mitspielen“ zu können. Wer keinen Rechner und kein Internet hat, ist nicht „selbstgewählt digital unmündig“!

Gesellschaft

Verantwortung

Ask not, what your country can do for you,ask what you can do for your country.

John Fitzgerald Kennedy
35. US-Präsident

Ich habe diesen Artikel ja schonmal angekündigt. Jetzt ist er dran. Damals schrieb ich, daß die Verantwortung die Grenze für die Toleranz bildet. Jeder Mensch toleriert nur das, was er verantworten kann. In einem älteren Artikel zitierte ich einen alten Lehrer von mir, der – IMHO zu Recht – die Verantwortung als Maßstab für die Freiheit nannte. Freiheit ist nur insofern gut, als daß eine ebenso große Verantwortung damit einhergeht.

Hier soll es nun um die Verantwortung gehen, und wie sie mit Freiheit und Toleranz interagiert.

Beim Nachdenken über diesen Artikel fiel mir auf, daß überall, wo von Freiheit die Rede ist, auch von Verantwortung gesprochen werden kann: Luther übernahm die Verantwortung für seine Ansichten und sein Handeln vor Gott und sprach damit der damaligen Kirchenhierarchie ab, bestimmte Dinge für ihn zu entscheiden. Die Eigenverantwortung vor Gott brachte ihn quasi dazu, Papst und Kaiser zu widersprechen, und das durchzuhalten.

Spätere Freiheitsbestrebungen kann man durchaus so verstehen, daß die Völker, die gegen ihre Monarchen aufbegehrten, die Verantwortung für ihre Staatsordnung selbst übernehmen wollten. Man versuchte so gesehen also, den Monarchen von seiner Verantwortung für das Land zu entbinden. In den meisten Fällen wohl aus dem Grund, weil die Monarchen ihrer Verantwortung nicht gerecht wurden, sondern in die eigene Tasche wirtschafteten.

Kant weist mit seiner Definition der Aufklärung in eine ähnliche Richtung:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Er beschreibt die Unmündigkeit als Unvermögen, sich ohne Leitung durch andere des Verstandes zu bedienen. Man könnte wohl auch sagen: Man ist unmündig, wenn man nicht in der Lage ist, Verantwortung für sich, sein Denken und seine Taten zu übernehmen. Wenn Aufklärung die Freiheit des Menschen zum Ziel hat, dann gehört dazu auch, selbst Verantwortung zu übernehmen. Man könnte provokant formulieren:

Du willst Freiheit? Dann übernimm Verantwortung!

Doch bei Kant kann man auch eine andere Alternative raushören. Es ist nämlich durchaus die Möglichkeit gegeben, daß der Mensch keine Verantwortung übernimmt. Kant spricht einerseits von den Mutlosen, als auch vom Mangel an Verstand. Wer keinen Verstand hat, kann sich dessen nicht bedienen. Und wer, wieso auch immer, den Mut dazu nicht hat, ebenso.

Ich stelle mir die Frage, was mit solchen Menschen in einer freiheitlichen Gesellschaft passiert? Einer Gesellschaft, die die Freiheit voraussetzt, und damit auch die Verantwortung? Muß es nicht zu Problemen kommen, wenn Menschen, die aus welchen Gründen auch immer nicht in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen, diese trotz allem aufgehalst bekommen? Muß es die Option geben, Freiheit (und damit auch Verantwortung) abzulehnen?

Ich meine, man kann niemandem Freiheit verordnen, denn dazu müßte derjenige auch die entsprechende Verantwortung übernehmen (können). Darin sehe ich auch einen Hauptgrund, wieso das mit dem Nationbuilding nach westlichem Muster sowohl im Irak als auch in Afghanistan schief gelaufen ist. Und auch in Ägypten spielt es wohl eine Rolle. Daneben gibt es noch die militärische Komponente, die in diesem Artikel zu kurz kommt. Denn Verantwortung zu übernehmen ist die eine Sache, sie zugesprochen zu bekommen eine andere.

Ich meine, man kann nur einzelnen Menschen anbieten, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Und sind es genug, die dies für sich entschieden haben, werden sie auch auf dem einen oder anderen Weg danach streben, die damit verbundenen Freiheiten in der Gesellschaft zu etablieren.

Je mehr ich drüber nachdenke ärgern mich diese absoluten Positionen: Entweder freie Gesellschaft oder Abhängigkeit vom Regime. Zumal es ja Menschen gibt, die durchaus in Abhängigkeit leben (müssen), weil sie keine Verantwortung übernehmen (können). Ich denke hier vor allem an Kinder (in verschiedenen Abstufungen nach Alter und Entwicklung), geistige Behinderungen und Komapatienten.

Als ich meine Examensarbeit schrieb, fiel mir auf, daß staatliches Bevormundungsdenken früher zu Kaisers Zeiten wohl auch im Sinne einer Fürsorge verstanden wurde. Man war der Ansicht, die Obrigkeit müsse die Verantwortung für das Volk (oder bestimmte Teile desselben) übernehmen. Ich konnte dem, bei aller Ablehnung, auch einen positiven Aspekt abgewinnen. Nämlich, daß niemand sich selbst überlassen werden sollte. Welch Unterschied zu heutigen Konservativen (ist die SPD auch konservativ?), die eigentlich liberal denkend den Menschen eine Eigenverantwortlichkeit verordnen wollen, weil der Staat seiner Verantwortung, die Renten zu zahlen, nicht nachkommen kann oder will.

Um nochmal zu den Freiheitsbestrebungen der Aufklärungszeit zurückzukommen: Die ergeben ja nur da Sinn, wo der Monarch die ihm verliehene Verantwortung mißbraucht. Der gute König sorgt für seine Untertanen. Tut er das nicht, hat er kein Recht mehr auf sein Amt, das in der Verantwortung begründet sein soll, nicht in der Selbstbereicherung. Da der Mensch die Selbstbereicherung mehr liebt als die Verantwortung, ist die Monarchie wie alle anderen absoluten Regierungsformen abzulehnen.

Übrigens: Meine Examensarbeit schrieb ich über Adolf Stoecker, der wohl auf ähnlichen Gedanken fußend sogar die Sozialdemokraten (wohlgemerkt die des 19. Jhd.) als Liberale bezeichnete.

Den Gegenpol zu diesen „Liberalen“ bildete dann etwa kirchliche Fürsorgearbeit, die sich der Menschen annahm, die Angenommenen dann aber auch bevormundete. Zum Glück sind wir heute davon weg. Naja, im Idealfall wenigstens.

Wo auf der einen Seite die Bevormundung das Problem ist, steht auf der anderen Seite die Überforderung.

Denn ohne selbst Verantwortung zu übernehmen ist man auch nicht frei. Man wird dann, je nach Kontext zum Stimmvieh oder zur Konsummasse. Umgekehrt gipfelt Verantwortung zu übernehmen, ohne die dazu nötige Freiheit zu haben, in Bevormundung und Unterdrückung.

Und während das erstere durchaus ein Problem unserer Gesellschaft ist (Stimmvieh läßt sich wunderbar von Meinungsführern dirigieren), ist das letzte eher ein Problem repressiver Staaten. Dieses Problem wurde historisch oft durch Freiheitskriege oder Revolutionen gelöst.

Ich frage mich, ob es eine Möglichkeit geben kann, daß Bürger Verantwortung (und damit bestimmte Freiheiten) abgeben können, indem sie sagen: „Ich kann das nicht, soll sich wer drum kümmern, der sich auskennt.“ Dann müßten sie mit den Konsequenzen leben. Es stellt sich wieder das Problem der Bevormundung. Mir scheint, daß sowohl die repräsentative Demokratie (nur wer sich aufstellen läßt kann gestalten, wenn er gewählt wird, reine Wähler nicht) als auch die Liquid Democracy Versuche sind, das Problem zu lösen. Ne direkte Demokratie scheint mir dagegen wieder in Richtung Aufdrängung einer womöglich nicht gewollten Freiheit zu gehen, aber das ist nur ein erster Eindruck.

Nachdem nun das Verhältnis von Freiheit und Verantwortung weitgehend dargestellt ist, wie war das nochmal mit der Toleranz?

Dazu nochmal zu den Fürsten. Die tolerierten ja in ihrer Mehrheit nicht die Freiheitsbestrebungen ihrer Untertanen, unabhängig davon, ob diese nun Verantwortung übernahmen oder nicht.

Und das mußten die Fürsten selbst verantworten. Manche wanderten dafür auch auf die Guillotine. Heißt das nun, daß man Nazis marschieren lassen soll, weil sie sonst gewalttätig wären?

Nun ja, die Frage muß sich jeder selbst beantworten. Eine eindeutige ethische Antwort wird es wohl nicht geben. Wenn zwei Parteien für sich sowohl Verantwortung übernehmen als auch die damit verbundene Freiheit ausleben, kann dies zu ziemlichen Konflikten führen. Denn während die meisten Leute wohl davor zurückschrecken würden, die Verantwortung dafür zu übernehmen, daß bürgerliche Freiheiten wie das Versammlungsverbot ausgehölt werden, interessieren sich andere gar nicht für solche Freiheiten, ja heißen deren Aushöhlung vielleicht gut.

Es ist auch nur ne Scheinlösung, daß man die Freiheit der anderen respektieren soll und die eigene Freiheit an der Freiheit der anderen aufhört. Wenn ein Kind mit dem Feuer spielt, greife ich ein. Wenn derjenige, der (auch im übertragenen Sinn) mit dem Feuer spielt, dann denke ich, sollte ich auch eingreifen, seine Freiheit einschränken und die Verantwortung dafür übernehmen. Bonhoeffer beteiligte sich an der Planung eines Hitlerattentats. Er war sich dessen bewußt, daß das, was er tat, eigentlich falsch war, und tat es trotzdem, weil das andere falscher gewesen wäre. Er trug die Konsequenzen. Am 9. April 1945 wurde er im KZ Flossenbürg aufgehängt. Angeblich war der Lärm der Front schon zu hören.