Allgemein

Mission

Die Mission ist ja so ein Thema, das heutzutage kaum Popularität besitzt in landeskirchlichen Kreisen. Wobei, das stimmt nicht ganz, es gab vor ner Weile mal ein paar offizielle Verlautbarungen zur Mission, daß man die als wichtig ansieht und so fort. Aber daß davon groß etwas in den Gemeinden angekommen wäre kann ich jetzt nicht sagen. Oder es ging an mir vorbei.

Das liegt wohl einerseits an der unsäglichen Geschichte der Mission. So kam es immer wieder dazu, daß Menschen zur Taufe gezwungen wurden, man spricht da auch von Schwertmission. Die Vermischung mit der politischen Ebene spielt dabei eine nicht unwichtige Rolle, so hat etwa Kaiser Karl, genannt „der Große“, von den vom ihm unterworfenen Sachsen die Taufe verlangt. In dem Fall spiele eine große Rolle, daß dies die Unterwerfung unter eben jenen Kaiser bedeutete, und seine Kirche. Karl hatte übrigens einen Hoftheologen, Alkuin, der Kritik äußerte. Aber wer hört schon auf die Theologen, wenn wichtigere Interessen auf dem Spiel stehen?

Ein anderer Grund, wieso die Landeskirchen beim Thema Mission nicht ganz so im Vordergrund stehen liegt vielleicht an der Abgrenzung gegenüber evangelikaleren Richtungen. Dort führt man die Mission zumindest gefühlt ständig im Munde, und wendet es auch auf Konzepte an, die man schwerlich unterstützen würde, als Landeskirchler. Man hält sich also lieber zurück. Nichts desto trotz gibt es Missionsgesellschaften, die den Landeskirchen nahe stehen. Man schickt dort aber selten Missionare aus, um „die Heiden“ in fremden Weldteilen zu bekehren (wir haben ja auch genug Nichtchristen hierzuland), sondern betreibt eher Entwicklungshilfe.

Aber zurück zu den evangelikaleren Gruppierungen. Dort werden durchaus Missionare ausgesendet, mitunter auch mal in arabische Länder, wo diese dann zu Tode kommen, und hinter allem steht das Ziel, Jünger zu machen, also Nichtchristen (manchmal werden von den fraglichen Gruppen auch Katholiken und Orthodoxe dazugezählt) zu Christen zu machen.

Von den Konzepten solcher Gruppen las ich gerade kürlich wieder in zwei Artikeln englischer Blogs, deren Autorinnen selbst als Missionarinnen nach Südostasien gingen. Sie kennen also das Terrain. Bei Laura geht es darum, wie Missionare versuchen, an die Kinder der Leute heranzukommen, indem man ihnen eine bessere Zukunft verspricht und sie in eigene Schulen bringt, freilich ohne daß es die Eltern etwas kostet, wo die Kinder dann zu Christen erzogen werden. Lana berichtet davon, daß die Menschen Material für den Hausbau bekamen und eine Schulbildung für die Kinder, nur daß sie dafür einmal pro Woche eine einstündige Predigt hören mußten. (für alle die Englisch können sind beide Blogs übrigens sehr zu empfehlen)

Es entspann sich vor allem bei Laura eine Diskussion darüber, ob und inwieweit das okay sei, sich so auf die Kinder einzuschießen.

Die eine Seite (zu der auch ich gehöre) hatte ein Problem damit, daß die Kinder indoktriniert werden und die Eltern entmündigt. Und daß das Evangelium quasi Handelsware, ja noch schlimmer, Bürde wurde. Das Evangelium wurde zu dem Frosch, den die Leute schlucken mußten, wenn sie Hilfe bekommen wollten.

Die andere Seite pochte auf den Missionsbefehl und daß die Menschen verloren wären, wenn sie nicht das Evangelium hörten und sich bekehrten. Stünde doch ganz klar in der Bibel.

In der Diskussion habe ich mich zum ersten Mal seit längerem mit dem Thema Mission auseinandergesetzt und reflektiert, wie ich Mission gut fände.

Ausgehend von der Situation, die in den Artikeln beschrieben wird: Arme Menschen, die teilweise hungern und um Hilfe bitten, bin ich der Meinung, daß das erste, was ein Christenmensch tun sollte ist, Hilfe zu bieten.

Die Hungrigen speisen, die Kranken pflegen. Diese Dinge, also alles, was wir unter Diakonie fassen würden, aber nicht nur institutionalisiert wie hier in Deutschland, sondern auch konkret dem gegenüber, der an die Tür klopft.

Das geschieht nach Aussage von Lana und Laura auch. Aber: Ich denke, das sollte man tun, ohne darauf zu schlielen, wann man jetzt seinen Sermon von der Heilstat Jesu ablassen kann um den Hilfesuchenden vor die Wahl zu stellen: Bekennst Du nun Christum als Deinen Herrn?

Was würde der Hilfesuchende wohl tun? Mit den Lippen bekennen, weil man vielleicht irgendwann wieder Hunger hat und sich nicht die Chance verbauen will, noch einmal Hilfe zu bekommen? Wohl möglich. Oder ehrlich sein sich zum Buddhismus bekennen? Was sollte das nützen? (Womöglich sieht man das mit der Verleugnung der eigenen Religion im Buddhismus auch gar nicht als so schlimm an wie wir im Christentum, aber das weiß ich nicht)

Es besteht also eine wunderbar hohe Chance, daß die Angesprochenen, alleine um konform zu sein und nicht anzuecken, mitspielen. Zumindest, so lange sie sich davon etwas versprechen.

Eien Kommentatorin mit Namen Anna hat bei Laura davon berichtet, daß Jugendprojekte ganz schnell wieder einbrechen und Lana berichtete wo anders davon, daß in Südostasien die Gemeinden oftmals praktisch aufhören zu existieren, wenn die westlichen Missionare wieder verschwinden und das Christentum keinen materiellen Vorteil mehr bringt.

Deshalb denke ich, auch wenn mir mehrfach entgegengehalten wurde, daß wir das Evangelium verkünden müssen, daß in den Situationen, wo jemand zu uns kommt und um Hilfe bittet, es unsere Pflicht und Schuldigkeit als Christen ist, diesem Kind Gottes zu helfen so gut wir können, ohne zu versuchen einen Profit für uns dabei rauszuschlagen, indem wir anfangen zu evangelisieren. Denn damit ziehen wir die Liebe in Zweifel, die wir eigentlich zeigen wollen und sollen. Sie verkommt zum Lockangebot in einem Kuhhandel: Ich geb Dir essen und Du singst meine Kirchenlieder. Nein! Wer Hilfe sucht soll Hilfe bekommen, ohne seien Religion wechseln zu müssen oder auch nur mit der Frage danach konfrontiert zu werden!

Das bedeutet nicht, daß man nicht verkündigen soll. Was spricht dagegen, jeden Tag einen Gottesdienst zu feiern und jeden, der sich interessiert, zu empfangen? Was spricht dagegen, wenn der Hilfesuchende danach fragt, wieso man diese Hilfe gewährt (vielleicht auch schon über längere Zeit), auf Christus zu verweisen? Steht nicht Christus und Seine Liebe hinter jeder Hilfe, die wir Christen geben? Aber eben: Kein langer Sermon, einfache Antworten auf einfache Fragen. Die Fragen werden kommen, man muß geduldig sein. Und dann liegt es an Gott, einem die richtigen, kurzen Antworten zu geben und das Interesse zu wecken, daß der Betreffende vielleicht irgendwann auch im Gottesdienst oder einer Bibelstunde erscheint. Nicht, weil er irgendwleche Konformitäten erfüllen will oder gar genötigt wurde, sondern weil er selbst es will und sich selbst interessiert.

Das bedeutet sicherlich viel mehr Aufwand. Und viel mehr Unsicherheit. Aber wie viel Sicherheit hat man denn, wenn man jedem gleich das Evangelium um die Ohren haut, der nicht schnell genug davonkam? Man kann sich vielleicht einreden, alles getan zu haben, was man konnte. So nach dem Motto: Gott kann mir nichts vorwerfen, ich hab getan was geht, um Jünger zu machen. Das wäre erstens ein werkgerechter Ansatz (was schon per se wenig evangelisch und damit wohl auch nicht evangelikal wäre) und zweitens erinnert es ein wenig an den Pharisäer im Tempel, der meint, er sei nicht so schlecht wie der Zöllner, der ja gar kein guter Mensch sein könnte…

Christus sagte uns, wir sollten Jünger machen, Er sagte nicht, daß wir dazu kurz das Evangelium umreißen sollen und dann hoffen, daß das schon irgendwie genug sei. Was er aber auch forderte war Liebe für den Nächsten und selbst für den Feind. Das tut sonst keiner und wird auch immer wieder in Gesprächen mit Atheisten als Punkt vorgebracht, der absolut unsinnig sei. Ja, für Atheisten muß das wohl so aussehen. Aber genau deshalb wird es auch irgendwann Fragen provozieren.

Wenn man ein Stück Land bearbeiten will, kann man ja auch nicht einfach die Samenkörner zwischen die Hecken werfen. Das heißt, man kann schon, aber der Ertrag wird geringer sein, als wenn man das Land erst einmal rohdet, die Steine entfernt, pflügt, also quasi: Es urbar macht. Ich denke so muß man auch die Menschen erst einmal auf das Evangelium vorbereiten. Und meine Überzeugung ist, daß dies eben durch Liebesdienste geschieht, die eben nicht danach fragen, wie die Situation nun ausgenutzt werden kann, um das Evangelium anzubringen (vordergründig, um Gott einen Gefallen zu tun, hintergründig dann vielleicht doch eher: um sich selbst besser zu fühlen. Als ob Gott unter Zeitdruck stünde udn Ihm nicht andere Personen zur Verfügung stünden, um dem Menschen das Evangelium zu bringen).

Man muß dabei ein wenig mehr Spannugn aushalten. Denn wenn man möglichst früh den Sermon abläßt, steht es danach eben bei Gott, man hat selbst erst einmal seinen Teil getan. Wenn man auf Fragen wartet, dann muß man sich so lange auch zurückhalten, muß darauf warten, daß Gott in dem Menschen das Interesse weckt. So lange kann man „die Sache“ auch nicht abhaken und zum nächsten gehen. Das ist sicher anstrengender. Aber ich vermute, es ist erfolgversprechender. Und es nähme der Mission vielleicht auch nach und nach ihr negatives Image, was dann bedeuten würde, daß auch mehr Menschen diese Anstrengungen unterstützen.

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom Sonntag, den 31. März 2013

Seine Wahrheit ist Schirm und Schild.
Psalm 91,4

Die Engel sprachen zu den Frauen: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden.
Lukas 24,5-6

Ostern, endlich! Das Fest der Auferstehung! Wenn wir uns an Karfreitag erinnern, dann stand dort die Verzweiflung im Mittelpunkt, das Zusammenbrechen einer Welt und das daraus sich entwickelnde Chaos. Die Tageslosung sprach davon Gottes Angesicht zu suchen, und das Angesicht Gottes war das des Gefolterten und bald toten Jesus von Nazareth.

Der Tod Jesu am Kreuz schließlich war der Schlußpunkt, spätestens hier endet nach menschlichen Maßstäben alle Hoffnung, die man vieleicht noch auf Ihn gesetzt hatte. Nach menschlichem Ermessen war dort Schluß, die Hoffnung zu Ende, und jeder war zuerst sich selbst der Nächste.

Doch Karfreitag ist nicht die ganze Wahrheit. Das menschliche Ermessen ist nicht alles. Christus ist auferstanden, das Undenkbare geschehen. Er hat den Tod bezwungen, hat die Hoffnung gerettet.

Die heutige Tageslosung spricht davon, daß Gottes Wahrheit, nicht die menschliche, die Karfreitag alle Hoffnung verlieren muß, Schirm und Schild ist.

Wenn Christus auferstanden ist, dann besteht Hoffnung, auch in der hoffnungslosesten Situation. Wenn Er durch den Tod hindurch gehen konnte, so kann Er uns auch hindurch führen, so kann auch für uns noch Hoffnung bestehen, wo nach menschlichem Ermessen alle Hoffnung zu Ende ist.

Der Lehrtext weist darauf hin, wie die Rede von der Wahrheit zu verstehen ist. Wahrheit ist: Sucht den Lebendigen nicht bei den Toten, Er ist auferstanden.

Ostern ist ein Fest des Triumphes, der großen, ja größten Freude. Ostern ist der Tag, an dem Gott den Tod besiegte, an dem Gott die Hoffnungslosigkeit besiegte. Dieses Ereignis gibt uns Christen Hoffnung auch dort, wo eigentlich keine Hoffnung mehr sein kann. Und diese Hoffnung gibt Kraft aus der Freiheit erwächst.

Wir müssen auf Weltliches nicht mehr so viel Rücksicht nehmen, eigentlich gar nicht mehr. Was immer uns widerfahren mag, was immer uns drohen mag, was kann uns schon passieren? Im schlimmsten Fall müssen wir sterben. Und dann stehen wir wieder auf.

Tod wo ist Dein Stachel, Hölle wo Dein Sieg? Sünde, Tod und Teufel habe mit Ostern endgültig verloren, haben endgültig ihre Macht über die Menschen verloren, haben kein Argument mehr für die Angst, durch die sie Macht ausüben.

Denn der Herr ist auferstanden, Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!

Das Wort zum Tag

Tageslosung vom Sonntag, den 24. März 2013

Ich freue mich über den Weg, den deine Mahnungen zeigen, wie über großen Reichtum.
Psalm 119,14

Der Gott des Friedens mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit!
Hebräer 13,20.21

Mit Mahnungen ist es eine Sache. Spätestens bei der dritten wird es ernst, fängt es an Geld zu kosten. Tja, man soll halt nicht bestellen, was man sich nicht leisten kann.

Trotzdem: Manchmal muß man sich vielleicht durchwinden, daß man vielleicht alle Mahnungen so lange laufen läßt, bis man genug Geld zusammen hat. Der Weg, den die Mahnungen zeigen ist dann mtunter sehr verworren, kostet Kraft und Konzentration, damit man auch keinen Termin verpasst. Jedenfalls ist solch ein Weg nicht angenehm, sondern steinig und schwer.

Hinnehmbar kann all diese Anstrengung sein, wenn man selbst sie zu verantworten hat. Wenn man vielleicht seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit falsch eingeschätzt hat und nun die Konsequenzen tragen muß.

Weniger hinnehmbar wird es, wenn man selbst nichts dazu kann. Wenn es darum geht, das zum Leben notwendige zu bezahlen. Wenn an unverschuldet seine Arbeit verloren und keine neue mehr gefunden hat, und sich nun so durchwurschteln muß, bis ein neuer Job greifbar wird. Trotzdem nimmt man es meist zähneknirschend hin. Das Leben kostet Geld, so ist es nun einmal. Ändern können wir wenig.

Ne ganz andere Sache ist es aber, wenn man mit Mahnungen konfrontiert wird, die keinen Bezug zum eigenen Leben aufweisen. Wenn einfach jemand auftritt, und irgendwelche Dinge verlangt, ohne dafür eine juristisch bindende Grundlage vorweisen zu können.

Das muß sich nicht auf finanzielle Fragen beziehen. Als ich als Teenager die Haare lang wachsen ließ, gab es im unmittelbaren Familienumfeld durchaus Leute, die etwas mehr Gesellschaftskonformität bei der Wahl meiner Frisur verlangten. Ja, wir hatte damals die 90er, ich red hier nicht von den 60ern oder 70ern (der Konflikt war auch nicht groß, aber vorhanden).

Wie auch immer, wir lassen uns nicht gerne eine Schuld einreden, wo wir nicht verantwortlich sind.

Jetzt schreibt aber der Psalmbeter von Psalm 119, daß er sich freut. Über einen „Weg der Mahnungen“. Und wer der Mahner ist, dürfte klar sein: Kein geringerer als Gott höchst selbst.

Nur: Welches Recht hätte Gott, an uns Mahnungen zu richten? Welche Verpflichtungen hätten wir gegen Gott, welche Verantwortung gegenüber Ihm? Wenn man von Ihm nichts erbeten hat? Wenn man vielleicht nicht mal an Ihn glaubt?

Wieso sollten Seine Mahnungen ein Gewinn sein, wieso sollte man sich darüber freuen, wenn Er einem nur noch einen kleinen Weg freiläßt, der vielleicht gerade so steinig und schwer ist wie der oben genannte eines Arbeitslosen durch den Mahnungsdschungel seiner Lebenshaltungskosten?

Im Lehrtext ist dann plötzlich die Rede davon, daß Gott Tüchtigkeit zum Tun des Guten verleihen soll. Das ist schon eher etwas Positives. Wer steht nicht gerne als jemand da, der Gutes tut? Sich darüber zu freuen ist jedenfalls nachvollziehbarer, als sich über Mahnungen oder Genörgel zu freuen.

Im Lehrtext steht aber noch etwas: Erstens wird das Tun des Guten mit Gottes Willen identifiziert, und zweitens ist die Rede davon, daß in uns etwas geschaffen werden soll, was Ihm, also Gott, gefällt.

Jetzt läßt sich trefflich spekulieren, was da gemeint sein könnte. Womöglich ist das, was da geschaffen werden soll die Voraussetzung dafür, daß wir zum guten Tun tüchtig werden (und die Voraussetzung dafür, Gottes Willen zu tun).

Nach Meinung der Herrnhuter Losungsverantwortlichen hat das Ganze dann noch mit den Mahnungen und der Freude darüber zu tun.

Eine mögliche Deutung hab ich schon angedeutet:

Gott will, daß wir Gutes tun. Er hat drei Wege, uns dazu zu bewegen: Er kann uns erstens zum Guten ermahnen, dann kann Er in uns etwas schaffen, das dahin führt und letztlich kann Er uns zum Guten tüchtig machen.

Womöglich sind diese drei Wege alle eigentlich zielich das Gleiche: Er macht uns tüchtig indem Er in uns etwas schafft. Beides kommt übrigens durch Jesus Christus, was meiner Meinung nach auf den Glauben an Jesus Christus verweisen könnte. Und dadurch nehmen wir die Mahnungen vielleicht erst an, bzw vielleicht nehmen wir sie ab dann auch erst wahr.

Tüchtig zum Guten sind wir dann, wenn wir Seine Mahnungen hören oder wahrnehmen können. Woher sollten wir vorher wissen, was Gut ist?

Ich höre schon den Einpruch: Gottes Forderungen in welcher Form auch immer dienen zuerst und vor allem der Machtsicherung und -erhaltung einer religiösen Elite, und der Mensch weiß selbst gut genug, was gut ist und was nicht.

Dem ersten Einspruch stimme ich zu. Wenn immer jemand von Gottes Forderungen spricht oder sprach gilt es genau hinzuhören und zu überlegen, was dahinter steckt. In vielen wenn nicht den meisten Fällen geht es tatsächlich um die Durchsetzung von Machtansprüchen bei Inanspruchnahme göttlicher Autorität. Wenn aber Gott tatsächlich existiert und tatsächlich Forderungen an uns hat, oder meinetwegen auch nur Vorschläge zum Lebenswandel, dann sollte man sich überlegen, ob nicht in einzelnen Fällen tatsächlich Gottes Ansichten formuliert werden.

Diese Unterscheidung zu treffen, so bin ich überzeugt, geht nicht ohne den Heiligen Geist. Nebenbemerkung: Das ist dann womöglich auch der Grund dafür, daß nicht gläubige Menschen hier stets absolut sagen (müssen), daß es IMMER um Machterhalt etc geht. Die andere Option, daß tatsächlich Gott dahinter steckt, ist nur möglich, wenn man an Gott glaubt.

Der andere Punkt mit dem Wissen um das Gute ist so eine Sache. Ich stimme zu, daß wir alle eine gewisse Ahnung davon haben, was gut ist und was nicht. Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, daß man hin und wieder in Zwickmühlen kommt, wo man nicht weiß, wie man sich entscheiden soll. So ganz scheinen wir den Dreh nicht rauszuhaben. Und ich glaube auch, daß kein Regelwerk der Welt uns für jeden Fall klare Anweisungen geben kann. So ein Legalismus ist auch gar nicht notwendig, wenn man darauf vertrauen kann, daß der Heilige Geist einen führt. Oder wenn man darauf vertrauen kann, daß Gott eine Fehlentscheidung vergeben wird. Die atheistische Alternative wäre, sich einfach für die Variante zu entscheiden, die einem subjekitv grad besser dünkt. Bei einer Fehlentscheidung haben alle Gewissensbisse. In dem Fall haben Christen keinen objektiven Vorteil gegenüber Atheisten. Aber sie wissen um eine höhere Instanz, auf die sie hoffen können, und die ihnen per Mahnungen (oder Vorschlägen) den Weg weist.

Wie schon gesagt sind solche Mahnungen (zumindest nach meinr Meinung) nicht kodifizierbar, sondern nur mit Hilfe des Heiligen Geistes aus einem Text herauszulesen. Ansonsten sind sie mindestens mißverständlich.

Werden sie aber im Heiligen Geist verstanden, dann zeigen sie einen Weg für den Lebenswandel auf, sie machen einen tüchtig, diesen Weg zu gehen, der darin besteht, das Gute zu tun, das mit Gottes Willen identisch ist. Und darüber kann man sich tatsächlich freuen wie über großen Reichtum.

Nicht, wie manch einer mutmaßen mag, weil man sonst in die Hölle käme, wenn man von dem Weg abwiche, sondern weil es eine Freude ist, wenn man Gutes tun kann, weil es erfüllend ist, dem Leben einen Sinn gibt.

Dies ist freilich nur für gläubige Menschen nachvollziehbar. Nichtgläubige werden lieber ihren eigenen Vorstellungen von Gut und Böse folgen, ihre eigenen Wege gehen und womöglich jede von Gläubigen behauptete Führung mit Unterwürfigkeit und unfreiem Denken oder mit Unterdrückung und Machtmißbrauch in Verbindung bringen. Vielleicht muß es so sein, zumindest, bis der Heilige Geist auch zu ihnen spricht.

Glaube, Religion, Theologie

Die Nacht ist vorgedrungen

Stolperstein von Jochen KLepper, dem Autor von "Die Nacht ist vorgedrungen" - Beschriftung: "Hier wohnte Jochen Klepper Jg 1903 gedemütigt / entrechtet Flucht in den Tod 11.12.1942"
Stolperstein von Jochen Klepper
Lizenz: OTFW, Berlin [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
Und das tut, weil ihr die Zeit erkennt, nämlich dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.
Röm 13, 11-12

Diese Verse stellt Jochen Klepper 1938 seinem Weihnachtslied „Die Nacht ist vorgedrungen“ voran.

Die Zeitumstände

Wenn man an Jochen Kleppers Leben denkt, so kommt einem vielleicht der Gedanke, daß die Nacht die Naziherrschaft bezeichnen könnte, und der Anbruch des Tages vielleicht auf den 8. Mai 1945 zu legen wäre. Den Tag, als die Wehrmacht kapitulierte und Hitlerdeutschland endgültig zusammengebrochen war.

Jochen Klepper war es nicht vergönnt, diesen Tagesanbruch zu erleben. Er starb inmitten der Nacht, am 11. Dezember 1942, zusammen mit seiner Frau und seiner jüngeren Stieftochter – die ältere Stieftochter konnte noch rechtzeitig vor dem Krieg nach England auswandern – das Leben. So entgingen die Frauen der Deportation in die Vernichtungslager und Klepper der Zwangsscheidung seiner Ehe.

Nicht nur wegen seiner jüdischstämmigen Frau (ihre Taufe 1938 spielte für die Nazis keine Rolle) geriet Klepper in Konflikt mit dem Nazistaat. Auch seine frühere Mitgliedschaft in der SPD war ein Problem. 1937 wurde er aus er Reichsschrifttumkammer ausgeschlossen und stand praktisch ohne Beruf da. 1938 konnte er noch einmal einen Gedichtband herausbringen, mit einer Sondergenehmigung. Der Name des Bandes war „Kyrie“, und er enthält auch „Die Nacht ist vorgedrungen“.

Das Lied

Der dem Lied vorangestellte Bibelvers drückt Optimismus aus: Nicht mehr lange, dann wird es besser, nicht mehr lange, dann wird es Tag. Dann kommt das Heil. Und deshalb laßt uns so leben, als sei es schon soweit, laßt uns die Waffen des Lichts schon am Ende der Nacht aufnehmen.

Optimismus

Die Nacht ist vorgedrungen,
der Tag ist nicht mehr fern.
So sei nun Lob gesungen
dem hellen Morgenstern!
Auch wer zur Nacht geweinet,
der stimme froh mit ein.
Der Morgenstern bescheinet
auch deine Angst und Pein.

Die erste Strophe atmet den selben Optimismus: Die Nacht ist so gut wie vorbei, der Morgenstern, der Angst und Pein bescheint, ist schon da und kann, soll, ja muß gelobt werden. Wer der Morgenstern ist, bleibt noch unklar. Man kann Gott dahinter vermuten, da zum Lob aufgerufen wird, aber ist Gottes Handeln mit der bloßen Bescheinung von Angst und Pein gut umschrieben?

Weihnachtszeit

Dem alle Engel dienen,
wird nun ein Kind und Knecht.
Gott selber ist erschienen
zur Sühne für sein Recht.
Wer schuldig ist auf Erden,
verhüll’ nicht mehr sein Haupt.
Er soll errettet werden,
wenn er dem Kinde glaubt.

Die zweite Strophe wechselt vom Bild des bald anbrechenden Tages zur Weihnachtsgeschichte: Gott wird Kind und Knecht und leistet Sühne. Als Folge daraus müssen die Schuldigen sich nicht mehr verhüllen, können offen und aufrecht dastehen. Sie können auf Rettung hoffen.

Heil im Stall

Die Nacht ist schon im Schwinden,
macht euch zum Stalle auf!
Ihr sollt das Heil dort finden,
das aller Zeiten Lauf
von Anfang an verkündet,
seit eure Schuld geschah.
Nun hat sich euch verbündet,
den Gott selbst ausersah.

Die Rettung, so erfahren wir in Strophe drei, ist im Stall zu finden, dem Geburtsort Gottes als Jesuskind. Dieses Heil, so lernen wir, wurde schon immer verkündet, nun aber geschieht es, daß derjenige, den Gott ausersah, gemeint ist Jesus, und damit Gott selbst, sich mit uns, den Schuldigen, verbündet.

Kein Dunkel mehr

Noch manche Nacht wird fallen
auf Menschenleid und -schuld.
Doch wandert nun mit allen
der Stern der Gotteshuld.
Beglänzt von seinem Lichte,
hält euch kein Dunkel mehr.
Von Gottes Angesichte
kam euch die Rettung her.

In Strophe vier geht es nun nicht mehr um die Weihnachtsgeschichte, und die Nacht ist auch nicht mehr dieses große Übel, das durch die Geburt Jesu gebrochen wird, es ist plötzlich die Rede von vielen Nächten. Die Nacht ist hier nicht mehr die Gottesferne der Menschen, in der sie mit ihrer Schuld ohne Hoffnung alleine gelassen sind, sondern es sind einzelne schlimme Zeiten, wozu Klepper sicher auch die Nazizeit zählte.

Der Unterschied zum Zustand vor Weihnachten, bevor Jesus Christus in die Welt kam, um als unser Verbündeter für unsere Rettung zu sorgen, liegt darin, daß Jesus Christus sein Werk vollendet hat. Nun wandert der Stern der Gotteshuld mit uns. Wir sind in der Huld Gottes, also im Einflußbereich Seiner Gnade, stehen in Seiner Gunst. Unsere Angst un Pein sind beschienen durch den Stern, wie Strophe eins aussagt. Und dieser Schein sorgt dafür, daß wir nicht vom Dunkel gefangen sind, das Dunkel hält uns nicht mehr, weil Gott mit uns ist. Von Ihm her kam die Rettung.

Es werde Licht

Gott will im Dunkel wohnen
und hat es doch erhellt!
Als wollte er belohnen,
so richtet er die Welt!
Der sich den Erdkreis baute,
der läßt den Sünder nicht.
Wer hier dem Sohn vertraute,
kommt dort aus dem Gericht!

Die Nacht hat freilich ein Problem mit ihrer Dunkelheit, wenn Gott sie aufsucht, und durch Seine Gegenwart Licht in die Nacht kommt. Das Dunkel wird erhellt, dadurch, daß Gott denjenigen, der im Dunkel ist, den schuldigen Sünder, nicht einfach dort läßt, sondern ihn so richtet, als ob er belohnt werden soll.

Hoffnung

Meiner Meinung nach geht es im Zentrum von „Die Nacht ist vorgedrungen“ um die Hoffnung. Und wahrscheinlich ist das Lied deshalb auch so stark. Hier schreibt einer von Hoffnung, der in der dunkelsten Zeit für seine Familie und sich die Hoffnung nicht verlor. Klepper beging Selbstmord, aber auch das in der hoffenden Zuversicht auf Gott. Die letzte Eintragung in seinem Tagebuch lautet:

Nachmittags die Verhandlung auf dem Sicherheitsdienst. Wir sterben nun – ach, auch das steht bei Gott – Wir gehen heute nacht gemeinsam in den Tod. Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des Segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.

Klepper hält trotz allem an der Hoffnung fest. Die Hoffnung, daß die Nacht dereinst, bald zu Ende sein wird, ist für ihn Grund, schon Gott für das Ende der Nacht zu loben. Er weiß sich von Gott auch in finsterster Nacht beschienen, die Nacht ist keine, und das kann man auch deutlich sagen. Man kann Christus loben, ihm die Ehre geben, auch wenn man in den Tod geht.

Und nochmals Hoffnung – auch im Angesicht des Todes und darüber hinaus

Angesichts der damals verbreiteten Ansicht, daß Selbstmörder sicher in die Hölle kommen, ein durchaus starkes Stück Hoffnung. Und so ist Klepper auch derjenige, der zumindest im evangelischen Bereich für ein Umdenken sorgte, was die Bewertung des Selbstmordes angeht.

Auch wenn die Melodie von „Die Nacht ist vorgedrungen“ eher gedeckt und die Worte nicht so triumphierend sind wie manche Osterlieder kann man es nach meinem Empfinden doch nicht als zurückhaltend beschreiben. Klar ist, daß es Hoffnung gibt, klar ist, das liegt an Jesus Christus und klar ist, daß diese Hoffnung auch in dunkelster Zeit und auch angesichts des Todes trägt.

Theologie

Gott kann tun, was er will

Ein anderes Comic bei Jesus & Mo:

Es geht um Folter. Und auf der Originalseite steht unter dem Comic „Es ist keine Folter, wenn Gott es tut. Gott kann tun, was er will.“

Für alle des Englischen nicht so mächtigen (gibt es die hier?): In den ersten zwei Bildern äußern sich Jesus und Mo darüber, wie furchtbar Folter doch ist. Im dritten Bild übertragen sie e auf die Folterer, und im letzten Bild drücken sie ihre Freude darüber aus, daß diese Leute in die Hölle kommen.

Daß dort gefoltert wird, setzt das Comic als bekannt voraus.

Mal angenommen, es wäre so: Ist es wirklich keine Folter, wenn Gott es tut. Gelten für Gott andere Gestze? Wie kann das sein?

Das ist wohl der erste Gedanke, den jeder hat. Der zweite ist bei mir: Was ist mit dem dritten Bild? Sind Folterer wirklich „the lowest of low“ (die Niedrigten der Niedrigen) und „evil bastards“ (böse Bastarde)?

Die Antworten hier würden wohl auseinandergehen. Sind Menschen, die Böses tun böse?

Machen wir die Probe aufs Exempel: Stell Dir einen Menschen vor, der 10 Kinder erst entführte, dann folterte, vergewaltigte, langsam tötete, und dann in den Rhein oder die Elbe warf. In mir steigt der Groll schon hoch, wie ich diese Zeien tippe und ich vermute mal, auch Du lieber Leser bist nicht ganz ruhig geblieben beim Lesen.

Gewaltverbrechern wünschen wir oft sonstwas an den Hals, manchmal müssen es nicht mal Verbrecher sein, daß wir uns aufregen, es reichen schon uneinsichtige Beamte, Zugbegleiter oder Politessen, um uns in vielen Situationen zum Zorn reizen zu können.

Und bei Folterknechten? Sicher ist auch bei denen niemand sonderlich zurückhaltend, zum Freuden will man so jemanden nicht haben. Und wenn wir selbst Opfer sind, oder jemand, der uns nahe steht, dann wollen wir oftmals Gerechtigkeit in der Form, daß der Täter bestraft wird. Je schlimmer die Tat, desto geringer sind die Hemmschwellen, schmerzhafte Bestrafungen zu fordern oder gar die Todesstrafe. Und manchmal meint man sagen zu können, selbst die wäre noch zu gut.

Wie ist es nun also mit der Hölle für Folterknechte? Wie stehen wir wirklich dazu? Ich meine, die Gemütsregungen von Jesus und Mo sind durchaus menschlich.

Wenn wir jetzt aber zur ersten Frage zurückkommen – ist es keine Folter, wenn Gott es tut – müssen wir vielleicht nochmal anders formulieren: Ist es keine Folter, wenn wir es tun?

Offenbar nicht, dann sprechen wir von Gerechtigkeit, und daß man ja nicht alles geschehen lassen könne. Richtig. Aber können wir dann Gott für die Hölle kritisieren? Wenn wir selbst schmerzliche Qualen für Kinderschänder verlangen, können wir demjenigen böse sein, der Ernst damit macht?

Wir sind es wohl, sonst würde das Comic und der Satz darunter nicht auf viel Zustimmung treffen, und ich meine, das tut es.

Denn wenn wir ruhig reflektieren, wenn die erste Aufwallung abgeflaut ist, fordern wir derartige Strafen nicht mehr. Dann wird statt der Rache anderes wichtig. Das wären zum Beispiel Dinge wie die der Schutz der Allgemeinheit oder die Resozialisierung des Täters, ihn also so weit zu bringen, daß er nicht mehr straffällig wird. Und dabei ist gleiches mit gleichem zu bestrafen oft nicht zielführend.

Man unterscheidet dann zwischen Person und Tat, versucht die Person zu retten, während man die Tat verurteilt. Und zur Rettung der Person gehört durchaus, daß die Person die Tat nicht wieder tut.

Nun ist aber gerade das ziemlich genau das, was aus Jesu Lehre wurde (für Mo, also den Islam, kann ich hier nicht sprechen): Gott liebt den Menschen, haßt aber unter Umständen die Tat. Und Er rettet den Menschen, leitet ihn zur Umkehr an und macht aus ihm so einen neuen Menschen.

Das Comic geht darauf nicht ein, denn es reflektiert die menschliche Wirklichkeit, Jesus und Mo stehen nicht für Jsus Christus und Mohammed, sondern für die Christen und die Muslime, wahrscheinlich vor allem aus US-amerikanischer Sicht.

Und an jenen leistet das Comic Kritik. Man kann es auch so auffassen, daß Gott ein ganz übler Folterknecht ist, freilich. Und mit der Deutung spielt das Gaze auch ein wenig. Das wäre dann jedoch durchaus etwas heuchlerisch, denn wer könnte anderen vorwerfen, was er selbst verlangt? Man denke an das Beispiel mit dem Kinderschänder!

Wer nun also einerseits ment, daß man tatsächlich Mensch und Tat zusammensetzen kann und böse Taten nur von bösen Menschen getan werden, und der gleichzeitig bekennt, daß Gott alle Menschen liebt und höchstens ihre Taten haßt, der sollte vielleicht noch einmal in sich gehen. Beides ist nicht zu haben. Wenn böse Taten aus einem Menschen einen bösen Menschen machen, dann haßt Gott nicht nur die Tat, sondern den Menschen, sobald er ein böser Mensch ist, und dann ist auch die Folterstrafe in der Hölle eine Möglichkeit.

Liebt Gott aber die Menschen unabhängig von ihren Taten und haßt nur die Taten, dann sollten auch wir wie Gott zwischen Mensch und Tat unterscheiden. Dann macht eine böse Tat einen Menschen nicht böse, dann kommt die böse Tat aus der Sündhaftigkeit des Menschen, unter der er ebenso leidet wie seine Opfer, wenn dies auch nicht sichtbar ist und ihm vielleicht nicht einmal bewußt.

Dann wäre nicht das vierte Bild die Pointe, sondern schon das Dritte, und dann müßten sich Christen und Muslime überlegen, wieso sie überhaupt ein Bild abgeben, mit dem man auf das dritte Bild kommt. Das vierte ist nur logische Schlußfolgerung.

Nachtrag: Ich sehe grad, die Gleichsetzung böse Tat = böser Mensch kommt schon vor Bild drei.

glaube

Testimonium

So kann es gehen, da kommen mehrere Blogartikel und dergleichen zusammen, kommen irgendwie in Zusammenhang, und ergeben dann nach und nach nen ganz anderen Sinn. Das heitß die Artikel ergeben keinen anderen Sinn, aber as ihnen ergibt sich einem ein anderer Sinn.

Wolfram schrieb zu meinem Artikel „Der Ertrag der Erlösung“ einen Kommentar und verlinkte eine seiner Predigten. Die habe ich dann gelesen und mich zerst gefragt, was die Predigt mit meinem Artikel zu tun hat, bis mir aufging, daß das Thema eigentlich schon das gleiche ist, daß ich aber auf die subjektive Seite kommen wollte (hab ich in dem Artikel nicht geschafft), also beschreiben wollte, was sich subjektiv, persönlich beim Menschen ändert, der gerade Erlösung, also Gnade Gottes erfährt, während Wolfram das aus objektiver Warte beschrieben hat in seiner Predigt.

Mir ging dabei etwas auf: Und zwar in Bezug auf mein „Erweckungserlebnis“, wenn man so will. Ich mag den Begriff eigentlich nicht, weil damit immer ein Wust von anderen Begriffen und Vorstellungen einhergeht, die auf mich einfach nicht zutreffen. So hab ich zum Beispiel kein „Datum“. Weder weiß ich den Tag, an dem das passierte, noch hat sich mein Leben so grundlegend geändert, daß ich meinetwegen vorher in Alkohol und Drogen verwickelt war und nachher dann ganz tolle Sachen gemacht hätte, wie das in „erwecklichen“ Zeugnissen ja oft erzählt wird. Auf dem Kirchentag in Berlin 2003 wurde mir dann auch von einem „bibeltreuen“ Christen (der Katholiken nicht als Christen ansah – da hab ich schon gestutzt) erklärt, daß das bei mir dann ja nicht wirklich was gewesen sein kann, wenn ich mein Leben nicht grundlegend verändert habe. Spätestens seit dem Gespräch bin ich ach „bibeltreuen“ Christen gegenüber etwas skeptischer. Schubladendenken mag wohl keiner, wenn es auf ihn selbst angewendet wird.

Das mit dem „Erweckungserlebnis“ kam so: Ich hatte damals Bibel gelesen, von Anfang bis Ende. Okay, ich hab geschmmelt, ich hab mit dem NT angefangen und das AT danach gelesen. Das ganze kam daher, daß ich eigentlich den Koran lesen wollte, weil nach dem 11. September 2001 jeder etwas anderes schrieb über den Islam und ich mir ein eigenes Bild machen wollte. Ich dachte mir aber, daß es nfair wäre, den Koran zu lesen und zu beurteilen, ohne unser eigenes Heiliges Buch gelesen zu haben. Ich war Anfang 2001 in Israel im Kibbutz und habe dabei mitgekriegt, daß viele Dinge, die in der Bibel stehen, bei ns gar nicht so bekannt sind. Ein Beispiel: Purim. Mir war bewußt daß es in der Bibel auch blutrünstige Stellen gibt, daher wollte ich die erst einmal alle kennen, bevor ich über die blutrünstigen Stellen im Koran urteile. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hab angefangen, die Bibel zu lesen.

Und irgendwann kam ich dann zur Kreuzigung. Ich weiß aber nicht mehr, bei welchem Evangelium mir die Gedanken kamen, wird auch egal sein. Ich muß aber noch einmal in eine andere Richtung ausholen:

Schon mein Leben lang begriff ich mich immer als Christ, und ich bin auch keiner derjenien, die das jetzt rückblickend relativieren würden und meinen, man ist erst ab so nem „Erweckngserlebnis“ wirklich Gläubiger. Wie dem auch sei war meine Ansicht des christlichen Lebens sehr moralisch geprägt. Man soll eben Gutes tun. Aber eigentlich, so dachte ich, war ich ja kein schlechter Mensch, hab keinen umgebracht oder sonstwas. Also war alles in Butter. Life of Brian brachte mich dann auch irgendwann zu dem Gedanken: Selbst wenn Jesus als Messias wirklich nur so ein Mißverständnis war, dann sind doch Nächsten- und Feindesliebe gar keine so schlechten Gebote, dann ist es trotzdem sinnvoll nd gt, sich daran zu halten, auch wenn es keinen Gott gäbe.

Doch dann war dieser Moment. Ich las von der Kreuzigung und es fiel mir wie Schuppen aus dem Haaren (oder so ähnlich): Die Dimension des Bösen wurde mir bewußt. Ich fragte mich immer, wozu Jesus denn eigentlich hat sterben müssen. Ich hörte immer für unsere Schuld und so, konnte damit aber nichts anfangen (was teilweise sicher auch damit zu tun hat, daß die doch sehr populäre Satisfationstheorie nach Anselm wirklich nicht ganz nachvollziehbar ist, wenigstens für mich heute noch, aber das ist ein anderes Thema). Wir waren doch eigentlich alle gar nicht so schlecht. Und die bösen Menschen, die kommen ja eh in die Hölle. Was mir dann aber bewußt wurde, waren zwei Dinge: Jeder hat ja auch so seine Macken. Und wenn man Gutes und Schlechtes im Menschen zsammen nimmt und gegeneinander hält, dann können die guten Taten die schlechten nicht wirklich überbieten. Zweitens: Selbst wenn das möglich wäre, wäre jedes Böse, das man getan hat, ja in der Welt. Man kann es nicht zurücknehmen, es ist da und wirkt, und ach wenn man versucht, es mit Gutem wieder gut zu machen, so ist doch der Anfangsschmerz bei den Opfern da gewesen, und hat neuen Schmerz irgendwo anders verursacht. Inzwischen (ich weiß nicht ob ich das damals schon dachte oder es sich später entwickelte) bin ich soweit, daß ich denke, daß all das Gute sowieso nicht ins Gewicht fällt, weil wir es irgendwo auch schuldig sind, zu tun. Ich kann jedenfalls nirgends erkennen, daß ns gestattet wäre, Übles zu tun, ob jetzt as der Religion heraus oder aus rein säkularen Überlegungen heraus. Gutes zu tun wird überall als Pflicht angesehen, insofern fällt auch etwaiges Wiedergutmachen nicht ins Gewicht, weil das kann ja keine Zusatzleistung sein, wenn Gutes schon sowieso gefordert ist.

Wenn das aber alles so ist, dann gibt es tatsächlich ein Problem mit dem Bösen, und es ist kein Problem mit bösen Menschen, sondern mit jedem Menschen inklusive mir. Um dieses Problem zu lösen – wie genau ist erst mal irrelevant – ging Jesus ans Kreuz. Plötzlich ergab das Sinn. Und aus dieser Erkenntnis, und daß es eben auch mit mir persönlich zu tun hat, kam dann diese Dankbarkeit auf, die objektiv wohl nur festgestellt, aber nicht erklärt werden kann, subjektiv aber durchaus verständlich ist.

Ich habe mir später oft Gedanken darüber gemacht, versucht, mir noch einmal vor Augen zu führen, was da damals in mir geschehen ist, und ich konnte mich an das Problem mit dem Bösen erinnern, das mir klar wrde, und daß das irgend etwas in mir auslöste, was dann zu einer großen Freude wurde.

Da ich das Ganze objektiv betrachtete, also nach Gründen suchte, warum das jetzt so sein mußte, kam ich wohl nie weiter. Denn man kann sich auch all dessen bewußt sein, ohne Jesus gleich dankbar zu sein. Die Dankbarkeit muß nicht zwangsläufig aus der Erkenntnis folgen, man kann auch, wie Eric Djebe es mal ausdrückte, einfach als Lottogewinn betrachten und fertig.

Das ist aber jedenfalls nicht immer der Fall, und ich will hier auch nicht über das Verhältnis Lotto zu Dankbarkeit spekulieren. Vielleicht ist es ja doch immer so und nur einfach nicht im logischen Sinn zwingend.

Mir kommt es erst einmal darauf an, wie es in meinem Fall war oder mutmaßlich war, denn wir alle machen uns ja ein Bild von der Vergangenheit, das mit den Tatsachen nicht unbedingt übereinstimmen muß.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde von Donnerstag, dem 4. Oktober 2012

Es sind wieder viele Artikel erschienen in den letzten Tagen, und einige davon möchte ich wieder mit Euch teilen:

Da wär zum Beispiel der Artikel vom „nicht überfrom, nicht allzu weise“ Blog über sittengefährdendes Verhalten. Ich weiß nun, daß sich das sowohl auf Reisen ohne Ehemann nach Saudi Arabien als auch auf Reisen ohne Ehefrau nach Jamaika (Thailand wohl auch, wurde aber nicht genannt) beziehen kann. Und daß man den Unterschied ohne ausreichend Kaffee vielleicht gar nicht mitkriegt. Bleibt nur die Frage: Wenn in Saudi Arabien Frauen diskriminiert werden, wenn sie nicht ohne Mann reisen dürfen, werden dann in westlichen Ländern Männer diskriminiert, wenn sie als Schutz gegen Sexskandale nicht mehr alleine reisen dürfen? Und regen wir uns darüber ebenso auf, wie über die Saudischen Behörden? Nebenbei: Es muß ja eine nicht geringe Zahl an muslimischen Frauen gegeben haben, die sich alleine auf die Hadsch machten. Paßt irgendwie nicht ganz zu dem Vorurteil, daß muslimische Frauen eingesperrt und unselbständig gehalten würden etc.

Zum Thema Papyrus Fragment zu Jesu Frau hat Stephan Witeschek von der Kath. Theol. Fakultät der Uni München bei lectio brevior ein paar Argumente beleuchtet, die für eine Fälschung sprechen.

Ein anderer katholischer Theologe, Bernhard Lang, hat in der NZZ derweil die These wiederholt, nach der der Lieblingsjünger des Johannesevangeliums Maria Magdalena, die „Gefährtin“ (also nicht verheiratet) gewesen sei (via). Ich wundere mich beim besprochenen Johannesevangelium bzw der Episode am Kreuz, auf die sich Lang bezieht, wieso die Mutter Jesu eine Schwester mit Namen Maria hatte. Zwei Schwestern mit dem gleichen Namen?

Der Herr Alipius macht sich Gedanken zur Gefährlichkeit des Internets. Während ich ihm zustimme, daß es durchaus bedenklich ist, wenn Behauptungen und unkritisches Übernehmen von Vorurteilen etc keinen guten Einfluß auf die Gesellschaft haben können, denke ich jedoch nicht, daß „das Internet“ ursächlich Schuld daran ist, sondern wahrscheinlich nur der „Ort“, an dem wir die gesellschaftliche Entwicklung in ihren negativeren Auswirkungen zeitweise relativ ungefiltert vor Augen geführt bekommt.

Aber Bildung tut not, echt jetzt, und damit komme ich zum Artikel von Alex über das hessische Bildungsprogramm und die dortigen Piraten. Das Busgespräch am Ende des Artikels zeigt deutlich, wie nötig Bildung ist.

Nochmal zum Herrn Alipius: Der hat auch noch was geschrieben zum Kirchensteuerurteil mit durchaus kritischen Anteilen. Mir kommt es so vor, als ob auch innerhalb der Landeskirchen die Kirchensteuer aus verschiedenen Gründen immer kritischer gesehen wird. Ein Aspekt, den ich kritisch sehe, ist zum Beispiel die Auslieferung an den Staat. Die Kirchen wissen selbst nicht, wer ihre Mitglieder sind, sondern bekommen das vom Staat gemeldet, mit Verspätungen. Außerdem kommen auch Fehler vor, so daß Ausgetretene auf einmal nachweisen müssen, wirklich ausgetreten zu sein. Darunter leidet das Image der Kirche, auch wenn der Fehler beim Staat lag, denn wie gesagt: Die Kirche weiß nicht, wer dazu gehört. Vielleicht wird es Zeit, darüber nachzudenken, welche Form der Finanzierung für katholische und evangelische Kirchen eine Alternative wäre. Die Überlegungen von berlinjc, so redlich sie auch sein mögen, bieten IMHO noch keine Lösung, aber können womöglich Richtungen andeuten, in die man denken kann. Eine interessante Frage dürfte sein, ob man das Geld hat und überlegt, was man damit anstellt, oder ob man ein (oder mehrere) Projekt(e) hat und zusieht, woher man das Geld dafür nimmt, oder besser gesagt: Wie man es umsetzt. Dann könnten auch die handwerklichen Leistungen „verrechnet“ werden, die Gemeindeglieder einbringen könnten.

Auf dem Uckerlandkirchenblog ist nachzulesen, inwiefern facebook doch ganz gut von Nutzen sein kann für die Kirche, wenn man ein wenig flexibel ist und darüber nachdenkt, was wo gebraucht werden könnte – vernetzt denken eben (via).

Als ich „Taufen per skype“ las, war ich doch etwas überrascht, was da im Uckerland läuft. Es geht aber „nur“ um die Taufgespräche. Eine Problematik, an die ich noch wenig gedacht habe. In Brandenburg – und auch sonst in Ostdeutschland – gibt es riesige Gebiete, die von nur einem Pfarrer versorgt werden. Da sind Treffen zu Kasualgesprächen schon schwierig zu managen. Wenn dann ein Partner kirchlich nicht gebunden ist, will man es diesem auch nicht so umständlich machen. Da sind Kasualgespräche per skype (oder anderer Alternativen? Wieso nicht Chat?) sicher eine Möglichkeit, falls die Leitung stark genug ist.

Beim Hellbound Blog geht es um das Lamb of God Lied „Walk with me in hell“. Ich finde den Gedanken sehr denkenswert, daß der Himmel leer sein müßte, wenn es eine Hölle gäbe, weil Jesus und all die Heiligen nichts dringenderes zu tun hätten, als den armen Verdammten Erleichterung zu verschaffen, ihnen beizustehen in der Höllenqual.

Ebenfalls bei den Jungs von Hellbound aufm Blog findet man ein Zitat von Erzbischof Lazar Puhalo bezüglich Glauben und Furcht. Und bei dem, was er sagt, kann ich ihm nur zustimmen.

In New York gab es wohl in der U-Bahn ziemlich üble Plakate, die dazu aufriefen, im Kampf zwischen zivilisierten Menschen und „Wilden“ Israel zu unterstützen und den Dschihad, also die religiöse Anstrengung im Islam, zu vernichten. Klar, man will hier mit dem Wörtchen Dschihad, das immer als Krieg gegen alles Ungläubige aufgefasst wird, und Krieg ist böse, da stimmen alle zu, Diskriminierung der Muslime möglich machen. Denn ebenso klar ist, jeder weiß, wer gemeint ist mit „Wilder“: Der Muslim, also alle Muslime. Um dies nicht für Hetze zu halten, muß man schon recht abgestumpft sein. Aber dnn gibt es noch diejenigen, die angegriffen werden, weil sie an der Anzeigenkampagne Kritik äußern. Alles zu lesen bei Sojourners.

Ebenfalls bei Sojourners nachlesen kann man, wie man Naziaufmärsche so richtig vereiteln kann. Allerdings habe ich Zweifel, daß die Antifa hierzulande über genügend Humor verfügt, das umzusetzen.

Nochmals Sojourners, und diesmal geht es darum, wie man (römisch-) katholisch sein kann, und zwar überzeugter Katholik, und trotzdem anderer Ansicht als die Kirchenführung. Hört sich einerseits sehr nach den Leuten vom Dialogprozess an, und auf der anderen Seite erfrischend anders. Und irgendwie reizt es mich jetzt auch, mit ner Nonne  nen Roadtrip zu machen.

Mandy hatte über Dirk Bachs Tod geschrieben und ziemlich üble Mails erhalten, worüber sie wiederum schrieb. Ich frage mich, inwieweit ein Christ es noch für christlich halten kann, derartige Haßmails zu schreiben, wie sie erhielt. Von Liebesgebot keine Spur! Und auch mich befällt da so ein Abgrenzungswunsch. Nich von „der Welt“, sondern von solchen homophoben Spinnern. Und dann denke ich wieder an das Zitat vom Erzbischof Puhalo, und wie Recht er doch hat…

Bei God didn’t say that geht es dann ganz passend um die entsprechenden Stellen zur Homosexualität im AT. Die Deutung, daß hier tatsächlich homosexueller Sex verboten wird, kann man teilen, muß man aber nicht. Ich habe schon zweifel, was das „Liegen mit einem Mann“ angeht, weil sonst für Sex eher „erkennen“ benutzt wird. Wichtig finde ich aber die Frage, was man mit solchen Aussagen anfängt, gegen Ende des Artikels. Denn Schweinefleischverbot und dergleichen belastet uns überhaupt nicht, während es beim Thema Homosexualität immer noch große Kontroversen gibt.

Nochmal Mandy, nochmal im Doppelpack. Sie hat nämlich auch geschrieben über Gebete, und darüber, daß sie oft unbeantwortet bleiben. Lesenswert.

So, jetzt hab ich zwar noch jede Menge Artikel, die ich gerne verlinken würde, es wird mir aber einfach zu viel. Also: Pech gehabt. Nächstes Mal vielleicht wieder.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Freitag, 23.03.2012

Beim Ärzteblatt kommen Kirchenvertreter zum Wort. Es geht um den Bluttest auf Trisomie-21und die negativen Folgen. Die Problematik ist ja keine Neue. Das gleiche Problem steht ja auch hinter der ganzen PID Geschichte: Das Kind als Produkt.

Carsten Neumann unterstellt der katholischen Kirche vorsätzliches Verletzen der Menschenrechte. Worum geht es? Eine Kindergärtnerin hat einen neuen Mann. In katholischen Kindergärten kann sowas schon einmal die Kündigung zur Folge haben. So auch hier. Allerdings hat in diesem Fall die Stadt Königswinter dies zum Anlaß genommen, der Kirche die Trägerschaft des Kindergartens zu entziehen. Wenn ich mich recht entsinne, ist das neu, und man darf gespannt sein, wie die Katholische Kirche in Zukunft agiert, wenn nun der Verlust der Trägerschaft zu befürchten ist. Aber zurück zu den Menschenrechten. Neumann bezieht sich auf den Fall des Essener Organisten, dessen Kündigung vom Europäischen Gerichtshof als Verstoß gegen die Menschenrechte gewertet hat. Allerdings steht in dem zum Beleg verlinkten SPON Artikel vom 23.9.2010 auch ein anderer Fall, in dem eine Kündigung aufgrund außerehelicher Beziehungen eben nicht als Menschenrechtsverletzung angesehen wird. Es stimmt also nicht, daß eine Kündigung wegen Ehebruch prinzipiell gegen die Menschenrechte verstößt. Irgendwie fühl ich mich hier an die Godwin Thematik erinnert. Unter „Menschenrechtsverstoß“ scheint Kirchenkritik nicht möglich zu sein, immer gleich die größte Keule, auch wenn sie unberechtigt gentzt wird. Die Kathollische Kirche hat sich immerhin schuldig gemacht, also braucht ja keiner kommen…

Update: Carsten Neumann hat seinen Artikel geupdatet. Meine Kritik wird damit quasi gegenstandslos. Der Text bleibt trotzdem stehen, wegen der Nachvollziehbarkeit.

Benjamin Lebsanft hat auf Abgeordnetenwatch eine Frage an Dr. Günter Krings gestellt. Es geht um die Kosten der Vorratsdatenspeicherung. Ich bin gespannt auf die Antwort, falls eine kommt.

Mechthild Werner hat sich mit Gauck, dem Präsidentenamt und den Sünden befasst. Außerdem geht es darum, ob wir nun in einer Pfarrerrepublik leben bzw wie es sich auswirkt, daß die Kanzlerin Pfarrerstochter ist und der Präsident selbst Pfarrer.

Mit Gauck befasst sich auch Jacob Jung. In seinem Artikel geht es um die verschiedenen Sozialsysteme, die es gibt.

Im Film Hellbound, auf den ich durch peregrinatio aufmerksam gemacht wurde, geht es um die Hölle und die damit verbundene Angstmacherei. Der Teaser Trailer macht echt nen guten Eindruck.

Auf dem youtube Kanal zum Film gibt es noch ein paar Videos.

Andreas Meißner befasst sich mit einem recht frühen „Blogger“: Habakuk.

Thomas Steinschneid hat was geschrieben zu den kulturellen Unterschieden beim Autofahren. Es sieht danach aus, daß bald eine Fortsetzung kommt zm Thema U-Bahn.

Ein interessanter Blog, den ich entdeckt habe, ist Erhard Eutebachs Kinderlesen Blog. Bald ist Ostern, und wer noch Geschenke für Kinder sucht, könnte dort vielleicht fündig werden.

Ein weiterer interessanter Blog ist Muslim Essay. Er stellt den Anspruch, muslimische Stimmen zu Gesellschaft und Zeitgeschehen zu Gehör zu bringen. Bei einem ersten Überfliegen habe ich den Eindruck bekommen, daß es sich vorwiegend (oder nur?) um schiitische Autoren handelt. Wie auch immer, der erste Schritt zur Integration ist es, einander zuzuhören, und da kann der Blog ein Medium sein.

Auf evangelisch.de las ich von der Problematik, daß der islamische Religionsunterricht, der jetzt in verschiedenen Ländern startet, nicht von den Religionsgemeinschaften, sondern vom Staat verantwortet werden. Ich halte das wirklich für ein Problem. Was islamisch ist, kann letztendlich nur eine islamische Religionsgemeinschaft festlegen, und nicht ein weltanschalich neutraler Staat. Hoffentlich kommt es bald dazu, daß solche Religionsgemeinschaften gegründet werden, die dann den Religionsunterricht verantworten können. Ansonsten dürfte es über kurz oder lang mau aussehen mit der Akzeptanz.

Da wir es gerade vom Islam haben, noch ein Hinweis auf einen Artikel von Uri Avnery. Er befasst sich mit der „jüdischen Seele“ eines arabischen Richters, bzw. deren Nichtvorhandensein, und die Folgen für die israelische Nationalhymne.

Und jetzt noch den Bogen zur eigenen Religion zurückschlagen: Bei Brot für die Welt gibt es einen Fürbittenvorschlag für den Weltwassertag am Sonntag.

Das war es für heute. Mehr beim nächsten Mal.

Anthropologie, Gesellschaft

Godwin’s Law

Vor Urzeiten, kurz nachdem die Menschen aufgehört haben in Höhlen zu leben, als sie noch über das Usenet kommunizierten, stellte ein gewisser Mike Godwin eine Regel auf:

Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit Hitler oder den Nazis dem Wert Eins an.

Mit anderen Worten: Irgendwann bringt irgendwer einen Nazivergleich. Irgendwann kommt einer mit der Nazikeule. Die gegnerische Ansicht wird mit Hitler und den Nazis verglichen, also mit dem ultimativ Bösen, damit ist die Diskussion zu Ende. Das Finale „Argument“ ist: Was Du denkst/sagst/vertrittst ist BÖSE!!!“

Das ist natürlich kein Argument. Man ist also quasi am Ende der Argumentationskette angelangt, meist erklären sich die mit den Nazis Verglichenen mit einem gewissen Recht als Gewinner der Diskussion.

Doch oftmals habe ich mich über diese Regel ach schon geärgert. Sie funktioniert ja nur unter einer bestimmten Prämisse, nämlich daß Hitler und die Nazis wirklich das ultimativ Böse sind bzw. waren. Nur wenn man dies annimmt, sind Vergleiche mit ihnen prinzipiell nicht möglich. Aber ist es denn so?

Manchmal scheint es mir, der Begriff „Hitler“ habe in unserer modernen Welt den „Teufel“ vollkommen abgelöst. An den Teufel glaubt keiner mehr, es hat auch niemand mehr Angst vor ihm (außer vielleicht die Zeugen Jehovas). Bei Hitler ist das anders, und ach vor den Nazis haben nicht nur die hier lebenden Ausländer Angst, sondern auch andere. Die Nazis sind (nicht zu Unrecht) Feindbild (fast) der ganzen Gesellschaft. Hört man manchem zu, dann handelt es sich bei ihnen gar nicht mehr um richtige Menschen.

Da krieg ich dann aber so nen Reflex, der mich an die antisemitische Propaganda des Dritten Reichs erinnert.

Noch ein Nazi-Vergleich! Ist meine Aussage deshalb falsch? Ich meine nein. Und ich meine auch, daß das Problem bei der Prämisse liegt: Nazis, und ach Hitler selbst, waren nicht irendwelche Ausgeburten der Hölle, die mit „normalen“ Menschen nichts zu tun gehabt hätten, sondern Menschen wir wir. Und trotzdem (oder gerade deshalb?) waren sie zu den unglaublichsten Verbrechen fähig.

Und gerade weil sie daz fähig waren, und gerade weil sie Menschen wie wir waren, sollten wir uns hüten, ihnen das Menschsein abzusprechen und so zu tun, als ob wir zu Völkermorden gar nicht in der Lage wären. Wir sind es. Der Christ spricht hier von Sündhaftigkeit, und die Passionszeit, in der wir uns gerade befinden ist der passende Zeitpunkt, uns das ins Gedächtnis zu rufen.

Tun wir dies, dann merken wir vielleicht, daß Godwins Gesetz zu kurz greift. Ich meine, es ist falsch, Diskussionen an diesem Punkt abzubrechen. Denn wenn heute Dinge passieren, wo auch immer auf der Welt, die ähnliche Muster erkennen lassen zu dem, was ab 1933 geschah, dann wäre es gut, wenn eine Benennung des Sachverhaltes nicht wegen einer Usenet-Regel vom Tisch gewischt, sondern reflektiert würde.

Godwin hat später einmal einen Artikel geschrieben, in dem er die Entstehung seines Gesetzes beschreibt:

In discussions about guns and the Second Amendment, for example, gun-control advocates are periodically reminded that Hitler banned personal weapons. And birth-control debates are frequently marked by pro-lifers‘ insistence that abortionists are engaging in mass murder, worse than that of Nazi death camps. And in any newsgroup in which censorship is discussed, someone inevitably raises the specter of Nazi book-burning.

But the Nazi-comparison meme popped up elsewhere as well – in general discussions of law in misc.legal, for example, or in the EFF conference on the Well. Stone libertarians were ready to label any government regulation as incipient Nazism. And, invariably, the comparisons trivialized the horror of the Holocaust and the social pathology of the Nazis. It was a trivialization I found both illogical (Michael Dukakis as a Nazi? Please!) and offensive (the millions of concentration-camp victims did not die to give some net.blowhard a handy trope).

So, I set out to conduct an experiment – to build a counter-meme designed to make discussion participants see how they are acting as vectors to a particularly silly and offensive meme…and perhaps to curtail the glib Nazi comparisons.

I developed Godwin’s Law of Nazi Analogies: As an online discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one.

Es ging ihm also darum, die Trivialisierung des Dritten Reiches anzgreifen. Das ist die andere Gefahr, neben der Entmenschlichung Hitlers und seiner Schergen. Indem man überall gleich „Nazi“ schreit, inflationär mit dem Begriff umgeht, sorgt man, wie bei einer richtigen Inflation auch, für eine Entwertung. Und Aushölung. Wenn beides zusammenkommt, also Entwertung und gleichzeitige Entmenschlichung, und das tut es, dann hat man am Ende weder einen Begriff davon, was Hitler und die Nazis getan haben, noch zieht man irgendwie in Erwägung, daß die Gefahr besteht, daß so etwas wieder passieren könnte.

Doch kann es immer wieder passieren. Kriege gab es immer, Tyranneien gab es immer, Völkermorde gab es immer. Und ach wenn es immer wieder passiert, es ist nicht trivial, es ist in jedem Fall ein unsägliches Leid, das da über die Menschen gebracht wird.

In der Folge bedeutet das für mich: Wir müssen Nazivergleiche anstellen, wo dies angebracht ist, und wir müssen sie kritisieren, wo eine Trivialisierung stattfindet.

Am Ende seines Artikels überlegt Godwin, ob man eine moralische Pflicht habe, ein Gegenmem zu entwerfen, sobald man ein schädliches Mem bemerkt. Am Ende schreibt er davon, gute Meme zu schaffen, um schlechte Meme (wie die Nazikeule) auszutreiben (etwa mit Godwin’s Law).

Ich meine, das bringt nichts, da ein Mem nicht per se gut oder schlecht ist. So hat Godwins Gesetz, selbst aus guten Gründen geschaffen, das oben genannte Problem: es sind keine Nazivergleiche mehr möglich, auch nicht, wenn diese angebracht sein sollten.

So aufwendig (und letztlich wohl auch unerfolgreich) es auch ist, es wird wohl kein Weg drumrum führen, sich in jedem Fall mit dem Gesprächspartner auseinanderzusetzen und ihm zu erleutern, warum der Nazivergleich nicht passt, vom Thema wegführt oder sonst verkehrt ist.

Wirklich Überzeugen gibt’s nicht für lau.

glaube

Wer das Schwert nimmt wird durch das Schwert fallen

Es war Nacht, als die Häscher Jesus im Garten Gethsemane auffanden und festnahmen. Bei Ihm war unter anderem Simon Petrus, der vorher noch sagte, er würde eher mit Ihm in den Tod gehen als Ihn zu verleugnen, und der Ihn dann doch dreimal verleugnete, später in der Nacht.

Bei der Festnahme Jesu war Simon allerdings noch ganz Petrus, ganz Fels: Er zog das Schwert und hieb einem der Häscher ein Ohr ab. Daraufhin sagte Jesus:

Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen.

Simon steckte das Schwert weg. Und starb später, wenn ach nicht durch das Schwert, so doch zumindest der Tradition nach eines gewaltsamen Todes.

Eines gewaltsamen Todes starb gerade erst Osama Bin Laden. Er wurde auf einem großen Anwesen in Pakistan ausfindig gemacht, die US Armee machte einen Zugriff, es kam zum Feuergefecht und Bin Laden wurde erschossen.

Das Leben eines Menschen ausgelöscht. Er ist weg, endgültig. Gewiss, er war ein Verbrecher, hatte selbst tausendfachen Tod direkt und indirekt auf dem Gewissen. Ohne ihn kein 9/11, ohne ihn kein Afghanistan-Krieg, ohne ihn kein Irakkrieg, ohne ihn kein Krieg gegen den Terror.

Und trotzdem war es ein Menschenleben, das beendet wurde. Gewaltsam. Ohne Zeit, sich Rechenschaft für sein Leben abzulegen. Ohne Zeit, mit Gott ins Reine zu kommen.

Darum wachet; denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt.

Bin Laden wußte nicht, daß die US Soldaten kommen würden. Er wurde überrascht und mußte unvorbereitet vor seinen Schöpfer treten. Ob er Zeit hatte, seine Sünden zu bereuen, bevor ihn der tödliche Schuß traf?

Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausvater wüsste, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb kommt, so würde er ja wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen. Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr’s nicht meint.Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr über seine Leute gesetzt hat, damit er ihnen zur rechten Zeit zu essen gebe? Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht. Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen. Wenn aber jener als ein böser Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr kommt noch lange nicht, und fängt an, seine Mitknechte zu schlagen, isst und trinkt mit den Betrunkenen: dann wird der Herr dieses Knechts kommen an einem Tage, an dem er’s nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und er wird ihn in Stücke hauen lassen und ihm sein Teil geben bei den Heuchlern; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

Wie der kluge Knecht hat Bin Laden nicht gehandelt. Er hat seine Brüder geschlagen, mit Tod und Terror, er aß und trank mit Menschen, die vom Haß betrunken waren und war selbst des Hasses voll. Er erwartete nicht das Kommen des Herrn, doch auch ihn ereilte es. Unvorbereitet.

„Heulen und Zähneklappern“ hat in der Bibel meist den Kontext der Verdammnis. Und genau das ist es jetzt Bin Ladens Thema:

Nach christlichen Maßstäben ist er wohl in der Hölle, denn entweder er bekommt den Lohn für seine Taten, und die waren soweit man sie kennt vom Haß auf die Andersgläubigen und den Westen bestimmt, oder er ist verloren, weil er nicht an Christus glaubt, und also noch in der Sünde war, als ihn der Tod ereilte. Einzige Hoffnung wäre die Allversöhnungslehre, doch die ist mindestens umstritten.

Soweit ich es verstehe, droht ihm auch aus islamischer Sicht ewige Qual in der Gehenna, denn auch der Islam, so wurde mir immer wieder gesagt und ich glaube es meinen muslimischen Gesprächspartnern, spricht sich ganz klar gegen Mörder aus und solche, die zum Mord aufhetzen. Mehrfach wurde mir versichert, Bin Laden könne kein Muslim sein, weil er Menschen ermordete.

Die Sache steht also schlimm um ihn. Und ja, auch wenn er selbst Schuld war, wenn er selbst den Weg des Hasses gewählt hat und nicht umgekehrt ist: Er tut mir Leid. Nicht mehr als andere Opfer von Krieg, Terror und Katastrophen. Sicherlich nicht. Doch trotz allem starb da in der letzten Nacht ein Kind Gottes, geschaffen nach Seinem Abbild. Und es starb wahrscheinlich ungeleutert. Und jetzt ist es zu spät. Und weil er, trotz all seiner Taten, seines Hasses und des Leids, das er verrsacht hat, trotzdem Kind Gottes war, war er auch unser Bruder. Und auch wenn er ein Bruder von der Art war, den man am liebsten verleugnet, ist sein Tod vielleicht doch der Zeitpunkt inne zu halten, und doch ein wenig zu trauern, um einen Bruder, der sein Leben wegwarf, und es nicht mehr zurückbekommt.