Theologie

Etsi deus non daretur

Im Zusammenhang mit dem neuen Berger-Buch über die historisch kritische Methode kam es zu einigen Reaktionen, vor allem katholischer Blogger (was mich etwas verwundert, daß so wenige Protestanten sich dazu äußern, aber gut, einige seiner Vorwürfe kommen ziemlich hahnebüchen daher). Ziemlich deutlich hat sich Gerd Häfner geäußert (den ich in meinem letzten Artikel zum Thema eigentlich verlinken wollte, nun das ist jetzt nachgeholt).

Jetzt hab ich aber nicht nur gute Artikel pro historisch-kritische Methode gelesen, sondern auch ein paar bedenkenswerte Anfragen an die historische Kritik.

Zuerst sei MC von „Demut Jetzt“ genannt. Er gesteht ein, daß eine Katharsis, also eine Reinigung als Ziel des Studiums durchaus sinnvoll sein könnte. Eine Katharsis, hervorgerufen durch die Zweifel, die im Studium aufkommen können. MC lehtn es jedoch ab, eine solche Katharsis selbst herbeiführen zu wollen. Sie kann natürlich, wenn sie die richtigen Menschen zur richtigen Zeit erreicht – und das wäre dann Gottes Werk und Aufgabe – dem Wachsen des Glaubens zuträglich sein. Wenn aber im Studium jeder Student systematisch dahin geführt und sich selbst überlassen wird, ist dies zu kritisieren.

Ein anderer Kritikpunkt MCs ist die Prämisse der Wissenschaft, daß es Gott nicht gäbe. (Und wenn ich es recht verstehe, stimmt ihm Damian hier zu) Mir stellt sich hier die Frage, wie denn eine Exegese etsi deus daretur (als ob Gott nicht gegeben wäre) aussehen sollte. Denn wenn Gott in die Sache hineinkomm, dann wird alles unberechenbar, denn Gott ist unberechenbar. Ist Jesus von einer Jungfrau geboren? Durchaus möglich, Gott kann alles. Aber Er kann uns auch auf die Probe stellen. Man muß schon eine ganz gewisse Vorstellung von Gott haben, damit man überhaupt etwas damit anfangen kann. Damit hat man aber ein Gottesbild und keinen Gott. Also etsi Gottesbild daretur? Wenn ich eine Vorstellung von Gott habe, dann kann ich natürlich dem Ganzen einen Sinn zuweisen. Oder ganz verschiedene Sinne, je nach Gottesbild. Aber was soll ich dann herausfinden? Ich weiß ja schon alles vorher. Dann kann ich auch aufhören mit der Forschung, Bibel lesen, beten und ein gutes, frommes Leben führen. Das ist nichts schlechtes, man kann durchaus darüber nachdenken, wozu man überhaupt Theologie betreibt. Mit der historischen Kritik könnte man zumindest herausfinden (mit einer bestimmen Wahrscheinlichkeit, nichts ist absolut sicher in der Wissenschaft), welche Gottesbilder eine Rolle spielten bei Verfassung der heiligen Texte. Was man daraus dann für sich und den eigenen Glauben herauszieht, ist eine andere Frage und hat mit der historischen Kritik auch nichts mehr zu tun.

Was das gezielte Herbeiführen der Katharsis angeht, fällt mir zuerst ein, daß diese ja nicht bei jedem vorkommt beim Studium der Theologie. Manch einer kommt ach ganz ohne größere Krisen durch. Ich hatte in meinem Studium zwar auch einige Punkte, wo ich erst einmal schluckte, und gehörig umdenken mußte, aber alles in allem warfen sie mich nicht sonderlich aus der Bahn. Dagegen erinnere ich mich daran, wie einige Erkenntnisse aus dem historisch-kritischen Methoden mir durchaus den Glauben gestärkt haben. Vielleicht hatte ich auch Glück, jedenfalls gibt es das: Theologiestudium ohne größere Glaubenskrise. Dann muß natürlich auch niemand ein Theologiestudium aufnehmen. Man studiert ja nicht mit dem Ziel, ein besserer Gläubiger zu werden oder auch nur um im Glauben zu wachsen. Man kriegt aber im Studium einiges zugemutet, was im Idealfall zu einem Wachsen im Glauben führen kann, damit man dann auch in der Lage ist, als Pfarrer zu arbeiten. Wie sollte man sonst Pfarrer werden auch für Menschen, die schon seit Jahrzehnten länger im Glauben ihren Weg gehen und schon viel mehr erlebt und gesehen haben? Man muß im Glauben reifen, um Pfarrer zu werden. Nicht jedem gelingt das im Theologiestudium, aber es muß auch nicht jeder Pfarrer werden. Problematisch ist es, wenn Menschen im Theologiestudium den Glauben verlieren, was leider auch vorkommt, aber unter all meinen Kommilitonen fällt mir keiner ein – es ist wohl auch nicht gar so häufig – und diese Menschen dann das Studium trotzdem abschließen und trotzdem Pfarrer werden, einfach um einen Beruf zu haben. Aber wie gesagt, die Zahl derer schätze ich aus meinen eigenen Beobachtungen als recht klein ein.

 

Netzfunde

Netzfunde – Klaus Berger Edition

Klaus Berger, emeritierter Professor für Neues Tesament in Heidelberg, hat ein neues Buch geschrieben: Die Bibelfälscher. Gelesen habe ich es nicht, doch aus dem, was ich bisher über das Buch gelesen habe, geht es darin um einen ziemlichen Zerriß der hsitorisch-kritischen Methode. Was genau das ist, hat Ameleo in diesem Zusammenhang noch einmal ausgebreitet.

In einem anderen Artikel verlinkt sie weitere Stimmen zu Bergers Buch und nimmt auch selbst Stellung. Dabei gefallen mir vor allem ihre Überlegungen zum schlichten Glauben. Denn wenn Voker Schnitzler in seinem Artikel über das Berger-Buch den kritischen Glauben stark macht, könnte man auf die Idee kommen, der schlichte Glaube unserer Omas sei irgendwie minderwertig, nicht ganz so gut. Volker Schnitzler schreibt dann auch gleich in einem Kommentar bei Ameleo, daß er der Meinung ist, solch schlichter Glaube käme auch recht sicher durchs Theologiestudium.

Der schlichte Glaube ist also kein naiver Glaube, kein Kinderglaube. Er ist erwachsen geworden und hat sich am Leben bewährt, während sich ein naiver Glaube der Bewährung verweigert. Jedenfalls würde ich das so deuten. Man will an seinem Kuschelgott, wie Volker Schnitzler den Gott der naiv Gläubigen nennt, festhalten, und greift daher alles an, was diesen Kuschelgott gefährden könnte.

Wenn ich nun einen Vergleich zwischen dem schlichten erwachsenen Glauben und dem durch ein Theologiestudium gegangenen Glauben versuchen will, dann haben diese beiden gemeinsam, daß sie sich bewährt haben, der eine am Leben, der andere am Studium. Das ist natürlich nicht das gleiche, aber beides wirkt sich so aus, daß der Glaube reift, daß man nicht am Kuschelgott festhalten muß, dem gezähmten Gott, der sich wunderbar ins eigene Weltbild einfügt, der greifbar ist, sei es im Bibeltext oder sonstwie. Der naive, unerwachsene Glaube meint, man kann Gott durch eigene Anstrengung, wie frommes Leben oder dergleichen mehr, kontrollieren, so wie kleine Kinder meinen, ihre Eltern entweder durch Artigkeit oder durch Geschrei kontrollieren zu können. Bei den Eltern klappt das sogar oft. Beim Kuschelgott klappt das auch, denn der Kuschelgott will immer genau das, was man in der Bibel zu lesen meint…

Der erwachsene Glaube weiß, daß es so einfach nicht ist. Daß auch der frömmste Leid erfahren kann und die Ferne Gottes, das nichts Gott beeinflussen kann, daß der Zweifel zum Glauben dazugehört.Der erwachsen Glaubende, sei er nun durchs Leben oder das Studium erwachsen geworden, hat gelernt, und vielleicht auch lernen müssen, damit umzugehen. Der naiv Glaubende ist nicht oder noch nicht so weit, Zweifel und Scheitern in den eigenen Glaubensweg zu integrieren. Dieser Weg liegt noch vor ihm, und es ist seine Sache, ob er ihn geht.

Am Schluß will ich noch auf einen Artikel bei „Demut Jetzt“ hinweisen, der dem Buch Bergers mehr abgewinnen kann und auch auf weitere Artikel verlinkt, die das Buch positiver sehen.

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Faith or Doubt

Wer kennt diese lustigen, aber nicht so gemeinten, kleinen Comics von Jack Chick? Für alle, die es noch nicht kennen: Es handelt sich um Traktate in Comic Form, inzwischen auch in vielen Sprachen zu haben sind (schon aufm Kölner Kirchentag wurden deutsche Comics verteilt). Dabei bekommt so ziemlich jeder etwas ab, der nicht genau die Ansichten von eben jenem Jack Chick teilt: Protestanten, Katholiken, Freikirchler, Zeugen Jehovas, Mormonen, Muslime, Juden, Hindus etc. Ich denke es ist ziemlich schwer, ihm Einseitigkeit vorzuwerfen (interessant wäre ein Comic über die Westboro Baptist Church, aber die ist dann wohl doch zu klein).

Und wie es halt so ist bei solchen Traktaten, läuft es mehr oder weniger danach ab, daß man eben das Richtige tun muß, wenn man nicht ewig in der Hölle brennen will: Sünden bekennen und sein Leben Jesus übergeben. Tut er das nicht (so wie die Antagonisten der Comics), kommt es unweigerlich dazu, daß man vor Gottes Richterstuhl steht und dann geschockt erfahren muß, daß man von nun an und in Ewigkeit sein Dasein in der Hölle zubringen wird. Werkgerechtigkeit? Auf jeden Fall! Aber nicht, ohne genau das den Katholiken auch noch als Grund vorzuhalten, warum sie in die Hölle kommen.

Soviel zu den Chick Comics. Als ich nun nach längerer Zeit mal wieder auf die Homepage gesehen hab – ich gebs zu, ich nutz die Comics als das was sie sind: Comics, und lach drüber – war da ein Video, und darum soll es hier gehen:

http://www.youtube.com/watch?v=gbhj59j04G4&feature=player_embedded

Faith

Faith or Doubt ist das Motto, unter dem die ganze Sache steht. Faith steht für die King James Bible, eine alte englische Bibelübersetzung, die wie auch Lutherbibeln bis einschließlich der 1912er Revision auf dem Textus Receptus basiert.

Textus Receptus

Der Textus Receptus ist der Bibeltext der Tradition. Vereinfacht gesagt ist es so, daß der Bibeltext immer und immer wieder abgeschieben wurde, und dabei eben auch – Evangelikale werden das nicht gerne hören – Veränderungen vorgenommen wurden. Wenn ein Abschreiber zum Beispiel einen Schreibfehler entdeckt hat, hat er ihn vielleicht ausgebessert. Oder auch wenn es Grammatikfehler gab, manchmal wurde auch der Stil verbessert.

Manchmal waren die Abschreiber aber auch müde, haben Buchstaben verwechselt, Wörter und Zeilen doppelt geschrieben oder übersprungen. Das konnte dann von den nächsten Abschreibern wieder asgebessert werden, so daß es halt wieder einen Sinn ergibt.

Unnötig zu sagen, daß es dabei über die Jahrhunderte natürlich immer mehr Abweichngen entstanden, ach unter den einzelnen Handschriften. Dabei hat sich eine Tradition als ziemlich stark und weit verbreitet herausgestellt. Und diese Texttradition diente Erasms von Rotterdam als Grundlage für seine griechische Bibelausgabe 1516. Ab 1633 wurde diese Ausgabe als Textus Receptus bezeichnet. Wer keine Theologie studiert und es genauer wissen will, kann einiges schon bei Wikipedia lesen, wer sich darüber hinaus Bücher ansehen will, kann sich zum Beispiel die Einführung im NT Graece durchlesen, oder gleich Alands Der Text des Neuen Testaments. Und dann gibt es noch das Arbeitsbuch zum Neuen Testament von Conzelmann/Lindemann, da kriegt man dann auch gleich noch die anderen Schritte der historischen Kritik beigebracht.

Doubt

Doubt steht für all jene Bibelübersetzungen, die sich nicht am Textus Receptus orientieren, sondern per Textkritik möglichst nah an den ursprünglichen Text zu gelangen versuchen und diesen dann als Grundlage für die Übersetzng nehmen, und nicht den Textus Receptus.

Folglich steht auch keine Übersetzung zu 100% fest, es könnten ja immer neue Handschriften auftauchen, die zu ner neuen Textbasis führen. Das ist eigentlich kein Problem, wenn man die Bibel als (durchaus inspiriertes) Buch versteht. Ist die Bibel ein Buch, dann ist es erst einmal auch kein Problem, wenn verschiedene Übersetzungen gemacht werden für verschiedene Zielgruppen.

Ich studiere Theologie, und weil wir da nicht nr stur Dogmen auswendig lernen (eigentlich gar keine, es sei denn man faßt Griechisch-Stammformen als Dogmen auf, und so gesehen bin ich kein Dogmatiker ;)), les ich viele Dinge mit, wenn ich nen Bibeltext lese, die meine Oma nicht mitliest. Ganz einfach weil ich vielleicht schon etwas mehr über die sozialen Hintergründe zur Entstehungszeit der Texte gehört hab.

Dann ist die Frage, wie nah bleibt die Übersetzung am Text. Wenn sie wirklich ganz nahe am Text bleibt, dann wird es für deutsche (und englische und andere auch) Leser schnell unschön zu lesen. Das Griechische benutzt einfach viel mehr Partizipen, zum Beispiel. Dazu gibt es grammatikalische Strukturen, die kann man nicht 1:1 übersetzen. Insofern steht man immer (!) zwischen den Stühlen. Will man einen Bibeltext, der möglichst nah an den Ursprachen ist, oder will man, daß die Übersetzung auch verstanden wird?

Aus all diesen Gründen (und noch vielen weiteren) gibt es heute so viele verschiedene Bibelübersetzungen: Von der Volxbibel über die Einheitsübersetzung bis zur original Lutherbibel.

Wie gesagt: All das ist kein Problem, wenn man die Bibel als Buch versteht, wenn auch als inspiriertes Buch. Aber wie soll man sie denn sonst verstehen?

Der papierne Papst

Völlig anders sieht es aus, wenn man von der Bibel erwartet, einem alle Antworten zu liefern. Wenn sie zum Handbuch und Orakel für ein gottgefälliges Leben gemacht wird (am besten noch per Bibelstechen).

So verlangt man etwas von der Bibel, das sie nicht leisten kann oder sollte. Denn mal ehrlich: Wenn die Bibel alle Antworten liefert tritt sie dann nicht als Mittler zwischen uns und Gott, als Verkündigerin des göttlichen Willens, vielleicht gar noch als einzige? Wo bleibt Gott, wenn die Bibel seinen Platz zugewiesen bekommt? Und inwieweit sind allein as der Bibel abgeleitete Regeln die Regeln, die man selbst in die Bibel reingelesen hat? Gerade heute hab ich irgendwo gelesen:

Jesus sprach nie über Homosexualität. Es gibt 12 (?) Verse in der Bibel, die sich irgendwie mit dem Thema befassen, aber stark vom Kontext abhängen, und es gibt riesige Kontroversen darüber. Es gibt aber tausende Stellen zur Armut in der Bibel, und die nimmt keiner in den Fokus.

Ich denke, daß wer von der Bibel 100% richtige Antworten erwartet, damit er seinen gottgegebenen Verstand ausschalten und im Atopilot funktionieren kann, der macht etwas falsch. Er verweigert die Verantwortung, die ihm übertragen ist (ja, von Gott) nd versucht Gott loszuwerden, indem er immer genau macht, was gefordert ist. Ein ähnliches Verhalten kenn ich von der Bundeswehr:

Nicht auffallen!

Wer beim Bund immer gleich gemacht hat, was erwartet wurde, mußte sich nicht mehr als unbedingt nötig mit den Vorgesetzen aseinandersetzen, mußte nicht diskutieren und riskierte nichts. Beim Bund war dieses Verhalten erwünscht, aus mehreren Gründen (die ich zum Teil nachvollziehen kann). Aber sieht so die lebendige Beziehung zu unserem Schöpfer und Erlöser aus? Das wäre furchtbar!

Falsche Alternativen

Überhaupt sind es falsche Alternativen, die hier aufgemacht werden: Auf der einen Seite der Glaube, der fest steht und nicht wackelt, auf der anderen Seite der Zweifel und die Gefahr, etwas falsch zu verstehen und in der Konseqenz dann in die Hölle zu kommen. Denn letztendlich geht es ja genau darum, daß die Macher der Seite einen Weg suchen, die Hölle sicher zu vermeiden. Sonst würde der Glaube reichen, und man brächte nicht noch die richtige Bibel etc, aber ich sagte ja schon: Werkgerechtigkeit.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Glaube und Zweifel zusammen gehören. Und Zweifel, oder altdeutsch: Anfechtung, ist auch nichts per se schlimmes. Der Glaube kann daran wachsen und für mich stellt es sich so dar, daß der Kern des Glaubens sich immer klarer darstellt.

Doch wenn Glaube und Zweifel auf einer Seite sind, was ist dann auf der anderen Seite? Ich meine es ist die Sicherheit, das Wissen. Wissen und Sicherheit sind das Gegenteil von glaubendem Zweifel und zweifelndem Glauben.

Sicherheit, daß man immer das richtige tut und Gott nicht ärgert. So wird das Wissen um das Richtige überlebensnotwendig. Wer nicht weiß, was Gott will, landet womöglich in der Hölle, weil er ohne dieses Wissen nicht tun kann, was Gott von ihm verlangt. Unter Umständen tut er genau das Falsche.

In seiner Angst klammert er sich an einen Text, den er für die göttliche Anleitung für alle Lebenslagen hält. So kann er Gott in die Tasche stecken und sich beruhigen. Denn er weiß, was in der Bibel steht und so weiß er auch, was Gott will. Man stelle sich das vor: Das ist wie wenn ein Soldat den Reibert mit dem Stuffz vertauscht, wenn wir schon beim Thema Bundeswehr waren.

Wer sich statt Gott auf die Bibel verlassen will, macht einerseits irgendwo einen Gegenstand zu seinem Gott, ob bewußt oder unbewußt. Und damit, weil er den Gegenstand ja kennt und beherrscht, er kennt ja seine Bibel, macht er sich selbst zm Gott.

Auf der anderen Seite ist da diese Angst, die aus alledem spricht: Angst vor der Hölle. Angst, daß Glaube allein nicht reicht, daß es ein echter, ein richtiger Glaube ist, ein perfekter Glaube. Daß man immer tut, was Gott will, um ja nicht mit der Hölle bestraft zu werden.

Als ob Christus nie am Kreuz gehangen hätte: Die Angst, ein Sünder zu sein. Die Angst, Gott etwas schuldig zu sein, auf Seine Gnade angewiesen zu sein.

Paradox

Es ist schon paradox: Gleichzeitig Selbstvergöttlichung und Angst vor der Strafe des wirklichen Gottes. Es ist aber auch menschlich, und ganz normal. Der Mensch ist ein Sünder und als solcher will er eben gena das nicht wahrhaben. Er will auf eigenen Beinen stehen, nur sich selbst verantwortlich sein und niemandem etwas schuldig bleiben, schon gar nicht einem starken Konkurrenten um den Gottestitel. Bleibt man dem wahren Gott etwas schuldig ist ja damit geklärt, wer wirklich Gott ist.

Darin liegt die Angst: Entgöttlichung des selbstvergöttlichten Menschen bedeutet eben auch Kontrollverlust des Menschen über die Situation, sein Leben. Er muß sich eingestehen, daß er nicht selbst für sein Wohl sorgen kann. Nicht in letzter Instanz. Das verunsichert, es macht Angst. Ohne Vertrauen in Gott ist es nicht auszuhalten. Vertrauen ist aber nicht Sicherheit. Vertrauen ist Glaube.