Glaube

Sich selbst zu Markte tragen

Bei „Lumières dans la nuit“ lernt man nicht nur solch wunderbare Begriffe wie „Mitmöse“ als Pendant zum Mitglied, man wird auch hin und wieder auf neue Denkwege gebracht. So beim Mitmösenartikel.

Dort geht es um Prostitution und Selbstmarketing. Mich hat es dazu gebracht, nochmal zu überlegen, wieso Prostitution so oft als verwerflich angesehen wird, während die Erwerbsarbeit allgemein akzeptiert wird.

Es hat sicher auch mit der antiken Körperfeindlichkeit zu tun, die dann irgendwie wohl über Augustinus in die Kirche kam und dort ihr Unwesen trieb und in manchen Ecken noch treibt, aber ich denke, zumindest wir heute beziehen uns in der Ablehnung der Prostitution vor allem auf die Ausbeutung der Prostituierten. Verwerflich ist der damit zusammenhängende Menschenhandel, die Abhängigkeit der Prostituierten von Freiern und Zuhältern. Und dann kann man sich noch Gedanken drüber machen – meist kommt das dann aus religiösem Hintergrund – inwieweit Menschen, die sich freiwillig prostituieren, sich nicht auch nichts Gutes tun, inwieweit diese Arbeit an sich kaputt macht, auch wenn man sie freiwillig macht.

Und dann kommt Elias mit seinem Artikel und zieht die Parallele zum „normalen“ Erwerbsleben. Und ich muß sagen, da ist was dran. Sind diejenigen, die ihre Arbeitskraft zu Markte tragen nicht auch Gefangene? Gut, man muß wirklich Abstriche machen, was ihre Freiheiten angeht. Die wenigsten wurden entführt und in ein Land gebracht, dessen Sprache sie nicht sprechen, um eine Arbeit zu verrichten, die sie nicht tun wollen. Die meisten haben sich für den Job beworben. Trotzdem, auch wenn es bei der Fabrikarbeit keine Sklaverei mehr gibt: Von den Geschäftsführern werden sie genauo als Objekte behandelt, wie die Prostituierten, da helfen auch die Gewerkschaften nicht viel. Die sorgen nur dafür, daß der Preis für den Menschen recht hoch ist, indem sie sowas wie Monopole etablieren. Trotzdem bleiben die Arbeiter würdelos in der kapitalistischen Berechnung, sie werden nicht als Menschen wahrgenommen, sie existieren nicht um ihrer selbst Willen, sondern um des Profits Willen. Wo sie den Profit nicht mehren können, werden sie abgeschafft. Auf welche Weise auch immer, hauptsache sie sind weg und kosten nichts mehr.

Die Durchkapitalisierung unserer Gesellschaft, in der jeder nur noch insofern existenzberechtigt ist, als daß er Profit bringt (wem eigentlich?) ist inzwischen ja schon so weit, daß offen darüber gesprochen wird, ob man Kinder, die bestimmten Qualitätskriterien nicht entsprechen, nicht abtreiben müßte, weil, die kosten ja nur, bringen keinen Profit. Oder die Schwangerschaft und die Erziehung der Kinder entzieht die Eltern zu lange dem Marktgeschehen, bindet zu viel Produktionspotential. Man muß immer Marktkonformer werden, gestern abend, ich glaub bei Monitor, war die Rede davon, daß immer mehr Kinder mit immer mehr psychischen Erkrankungen gelabelt werden, weil sie irgendwelchen Kriterien nicht mehr entsprechen. Sie sind quasi nicht geeignet für den Produktionsbetrieb, kaputt, und müssen vom Psychodoc repariert werden, damit sie wieder volle Daseinsberechtigung haben, „echte“ Menschen sind. Auch hier: Menschen als Objekte. Als Mittel zum Zweck, nicht selbst Zweck.

So machen wir uns kaputt. Wir rennen einem Götzen nach. Dem Götzen des Marktes, dem Götzen der Entwicklung, des Fortschritts, der Machbarkeit. Der Mensch hat einem Zweck zu dienen. Tut er dies nicht, wird er als kaputt gelabelt. Paßt er sich bis zum Umfallen an, geht er über kurz oder lang wirklich kaputt. Aber hauptsache die Wirtschaft floriert, hauptsache der Götze ist gewogen, und straft nicht mit Finanzkrisen und Staatsbankrott. Zweck ist dem Götzendiener der Götze, die Menschen werden zu Mitteln zum Zweck.

Wie viel anders ist da Gott! Er verweist gleich auf den Mitmenschen. Nicht Gott ist Zweck, sondern der Nächste: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Liebet Eure Feinde, tut wohl denen, die Euch hassen. Damit wird jedem Menschen zugesprochen, selbst Zweck zu sein, und jeder Mensch, egal wer, wird auch als Selbstzweck deklariert. Da kann man dann nicht von Menschen als Objekten reden, und sie auch nicht so behandeln, ob Prostituierte, Arbeiter oder Sklaven. Da wird die Arbeit dann nicht zum Selbstzweck, dem die Menschen geopfert werden, sondern die Arbeit hat den Menschen zu dienen. Sie hat dafür zu sorgen, daß das produziert wird, was gerade gebaucht wird.

Vielleicht ist das fortschrittsfeindlich. Vielleicht hemmt das die Entwicklung, weil es ineffizient (noch so ein Unwort) ist. Aber wer sagt denn, daß immer neue Dinge entwickelt werden müßten, für die dann mit großen Werbekampagnen erst noch ein Bedürfnis geschaffen werden muß? Wer sagt, daß es gut ist, wenn wir diesem Mechanismus unsere Umwelt, unsere Mitmenschen und uns selbst opfern? Warum nicht danach fragen: Welches Ziel will ich erreichen, und dann sehen, wie man das finanziell hin kriegt, anstatt zu fragen, wie viel Geld man verdienen will (meist ist die Antwort hier auch recht trivial: mehr!), um dann zu sehen, wie viel Mensch udn Material man dem opfern kann?

Schwule Pfarrer???

Schwule Pfarrer zum Letzten

Dies ist der letzte Teil der Reihe „Schwule Pfarrer“ (1. Teil, 2. Teil, 3. Teil, 4. Teil).

Alles wesentliche ist bereits gesagt, hier soll es sich um eine Zusammenfassung der Ergebnisse handeln. Dazu noch ein kleiner Ausblick, was all das nun eigentlich bedeutet.

Der Artikel, der zu dieser Reihe geführt hat, „argumentierte“ grob so, daß Pfarrer besondere Verantwortung haben, daß Gott sexuelle Sünden besonders hasse, daß (praktizierte) Homosexualität eine solche Sünde ist und daß deshalb (praktizierende) Homosexuelle niemals Pfarrer werden dürften, weil sie der Verantwortung nicht gerecht werden würden und so das Evangelium verfälschten.

Die Verantwortung der Pfarrer

Im zweiten Artikel der Reihe sahen wir, daß Pfarrr tatsächlich eine besondere Verantwortung haben in der Ausübung ihres Amtes. Ihre Verantwortung liegt darin, daß sie Gottes Willen nicht verfälschen dürfen. Also keine billige Gnade, um mit Bonhoeffers Worten zu sprechen. Damit ist gemeint, daß sie nicht sagen dürfen, daß es kein Problem sei, wenn jemand etwas Schlechtes tut. Etwas Schechtes muß etwas Schechtes bleiben. Der Täter ist von Gott angenommen, nicht die Tat, und dadurch hat der Täter auch die moralische Verpflichtung sich anzustrengen, die Tat nicht zu wiederholen. Er muß ein Einsehen in die Schlechtheit der Tat haben.

Würde ein Pfarrer Schlechtes tun, also etwas, das Gottes Willen widerspricht, und würde er daran festhalten, daß dies nicht schlecht wäre, dann wäre er ein schlechtes Vorbild und würde seiner Verantwortung nicht gerecht.

Das bedeutet aber nicht, daß man von einem Pfarrer erwarten soll, daß dieser nie etwas Falsches täte. Dann müßten die Kanzeln leer bleiben. Jeder Mensch macht Fehler, auch ein Pfarrer ist davor nicht gefeit. Wichtig ist hier, wie er mit seinen Fehlern umgeht, ob er sie so wie Wulff dann einräumt, wenn nix anderes mehr geht, oder ob er sie wie Käßmann eingesteht, Buße tut und die Konsequenzen zieht.

Nicht die Konsequenzen zu ziehen, bzw. den Fehler kleinzureden oder zu relativieren, das schadet dem Amt, und der Verkündigung des Evangeliums. Denn es begründet eine Doppelmoral, in der der Pfarrer für sich Dinge rausnimmt, die für andere nicht gelten.

Sexuelle Sünden

Im dritten Teil sahen ir, daß es so etwas wie sexuelle Sünden eigentlich gar nicht gibt. Jedenfalls spielen sie keine große Rolle. Was eine Rolle spielt, eine große Rolle sogar, ist der Götzendienst, also die Verehrung eines anderen Gottes, eines anderen Ideals, als Gott selbst. Solche Götzendienste werden dann häufig mit sexuellen Vokabeln umschrieben.

Das schlimme am Götzendienst ist immer, daß man damit nicht Gott folgt, sondern menschengemachten Größen, seien es Holzbilder, die mit Gold überzogen sind, oder Ideologien wie der Kommunismus. Der Mensch hängt sich dabei immer an seine eigene Macht, vertraut auf das Selbstgemachte, und nicht auf Gott.

Beispielsweise, wenn er, also der Mensch, dem Zeitgeist anhängt. Dann ist alles gut, was zu dieser Zeit bzw. in dieser Kultur als gut gilt. Die Kultur ist geprägt vom Menschen, der sich seine Gedanken dazu machte. So ist in den USA etwa die Todesstrafe gut, in Europa wird sie als schlecht angesehen. Gleiches könnte man mit zig Beispielen durchspielen. Was in einer Kultur gut ist, muß in einer anderen Kultur nicht auch gut sein. Der Zeitgeist, die Kultur, funktioniert nur schlecht als dauerhafter Maßstab. Und daß es schlecht ist, anderen nach unserer Kultur beibiegen zu wollen, was gut ist und was nicht, wissen wir spätestens, seit wir den Kolonialismus kritisch reflektiert haben.

Das darf man nun nicht falsch verstehen. Es ist nicht schlecht, eine Kultur zu haben. Jeder Mensch hat eine Kultur und lebt in mindestens einer Kultur. Aber es ist kritisch zu sehen, wenn man unreflektiert an einer Kultur festhält und sie quasi als das Evangelium ausgibt. Das Evangelium ist keine Kultur, auch wenn es Kulturen seit 2 Jahrtausenden positiv beeinflußt. Und keine Kultur setzt das Evangelium perfekt um, denn jede Kultur ist menschengemacht und somit zeitlich, also fehleranfällig. An der Kultur, dem Zeitgeist festzuhalten ist somit nichts anderes, als an Menschlichem festzuhalten, als Götzendienst zu treiben.

Und ein solcher Zeitgeist ist die Sache mit der Beziehung der Sünde auf die Sexualität: die Leibfeindlichkeit. Die Bibe ist nicht so leibfeindlich, wie es viele Christen heute sind. Die Bibel macht sich keine Gedanken darüber, ob auch jeder brav nur Sex zur Fortpflanzung hat, ob auch jeder die Lust zu meinden sucht. Die Bibel vergötzt die Lust auch nicht, aber sie sieht sie als zum normalen Leben gehörig an. Sie ist nicht per se schlecht. Sex ist nicht per se schlecht. Zärtlichkeit ist nicht per se schlecht. Wie diese Gedanken ins Christentum gekommen sind – ich würde mal vorschtig vermuten, die Gnosis hat damit etas zu tun – kann ich nicht sagen. Ich bin mir aber recht sicher, daß es mit dem Evangelium von Jesus Christus nichts zu tun hat, wer mit wem ins Bett geht. Denn das Evangelium sagt, daß Gott den Sünder annimmt. Durchaus nicht die Sünde, aber den Sünder. Und es verlangt vom Sünder die Nächsten-, Feindes- und Gottesliebe. Jesus sagt, die Nächsten- und die Gottesliebe sei das ganze Gesetz und die Propheten. Demnach müßte sich alles daraus ableiten. Ich kann verstehen, wie sich das Götzendienstverbot darauf ableitet. Ich kann verstehen, wie sich der Ehebruch daraus ableitet, wie Diebstahl- und Mordverbot. Wie aber das Vorbot einer bestimmten Art der Sexualität, dei auf Augenhöhe geschieht, daraus abgeleitet werden sollte, erschließt sich mir nicht. Und keiner der Anti-Schwulen-Christen, die ich bisher traf, konnte diesen Zusammenhang herstellen.

Diese ganze Ablehnung bestimmter Arten gleichberechtigter Beziehungen sehe ich daher ganz in der Nähe des Götzendienstes. Hier wird versucht, eine Ordnung aufrecht zu erhalten, die doch selbst vom Menschen gemacht ist, die Kultur ist, und eben nicht identisch it dem Evangelium, und die deshal vor dem Evangelium zurückweicen müßte, wenn sie eine christliche Kultur wäre.

Homosexuelle Praktiken

Wir sahen im vierten Teil, daß es nur zwei Bibelstellen gibt, die für die Beurteilug der Homosexualität in Frage kommen, und daß es sich im einen Fall um eine rhetorische Figur handelt (in der es im Hintergrund wohl auch nicht um gleichberechtigte homosexuelle Beziehungen handelt) und im anderen Fall um eine ganz dunkle Formulierung, die so heute icht mehr entschlüsselt werden kann, und die nicht zwingend gegen homosexuelle Praktiken gerichtet sein muß. Sie gilt außerdem für Israel, das ins Land Kanaan einzieht, und nach dem Apostelkonzil dezidiert nicht für Heidenchristen wie uns.

Ob praktizierte Homosexualität ein Problem für Gott ist, muß also stark angezweifelt werden. Jedenfalls stärker, als das Verbot, Schweinefleisch zu essen oder milchige und fleischige Speisen zu mischen.

Vielmehr sieht alles danach aus, daß eine in Liebe geführte homosexuelle Beziehung, die von gegenseitiger Liebe und Verantwortung getragen ist, genauso wenig ein Problem ist, wie eine gleiche heterosexuelle Beziehung.

Schluß

Es gibt also keinen Grund, schwul Pfarrer für ungeeignet zu halten. Ungeeignet sind selbstherrliche Pfarrer, ohne Liebe, ohne Demut, ohne Reue. Pfarrer die alles schon wissen und daher auf Gott verzichten können, weil Er ihnen eh nix Neues mehr sagen kann. Ungeeignet sind Götzendiener-Pfarrer, die sich auf menschlichen Zeitgeist stützen und an ihm stärker festhalten als am Evangelium, denen das es-war-schon-immer-so wichtiger ist als der Mensch, dem sie eigentlich Nächsteniebe erweisen sollten.

Wenn es einen schwulen Pfarrer gibt, auf den all das zutrifft, dann stimme ich dem zu, daß er nicht geeignet ist für das Pfarramt. Aber das liegt dann nicht an seiner sexuellen Orientierung.

Sollte es aber wirklich so sein, daß ich die Bibel falsch interpretiere, und daß schwule Pfarrer wirklich ein Problem sind, dann ist das Problem eigentlich viel größer. Denn dann stelen die Kirchen aktuell Pfarrer ein, die ungeeignet sind. Dann ist die Auswahl der Bewerber vielleicht prinzipiell ungeeignet. Dann gibt es womöglich auch zig andere Pfarrer, die als Heterosexuelle ungeeignet sind. Die Kritiker sollten sich also nicht so ehr auf die Schwulen unter den Ungeeigneten einschießen, sondern analysieren und herausarbeiten, wie man geeignete Pfarrer ermitteln kann. Und dabei sollte nicht auf die Sexualität geachtet werden, denn der richtige Galube ist von der Sexualität unabhängig. Jedenfalls wird das ständig behauptet, wenn gesagt wird, daß ein nicht praktizierender Homosexueller kein Problem wäre.

Schwule Pfarrer???

Schwule Pfarrer zum Dritten

Wie sieht es aus mit dem besonderen Haß Gottes gegen sexuelle Sünden?

Beweis, daß Gott sexuelle Sünden besonders haßt:

In Palästina wohnten zu uralten Zeiten Völker, deren Untergang ein solcher war, daß sogar ihre Namen vergessen wurden und heute keiner mehr weiß, daß sie jemals existiert haben:

Es waren sieben Völker: Die Hethiter, Girgasiter, Amoriter, Kanaaniter, Perisiter, Hewiter und die Jebusiter (5. Mose 7). Diese Völker lebten exzessiv in schwersten sexuellen Sünden: Verkehr von Vater mit Tochter, Mutter mit Sohn, Mensch mit Tier, Mann mit Mann, Frau mit Frau usw.. Eines Tages hatte Gott genug, und er beauftragte sein Volk Isreal diese Völker zu vernichten.

Dies ist der 3. Teil der Reihe, die sich mit Rainer Braendleins Artikel „Schwule Pfarrer“ auseinandersetzt (1. Teil; 2. Teil).

Hier soll es um die Frage gehn, ob die oben zitierte Aussage so stimmt. Genauer:

Haßt Gott sexuelle Sünden besonders?

Leider hat der Autor keine entsprechenden Bibelstellen angegeben. Er spricht zwar von einem „Beweis“, bleibt diesen aber zuletzt schuldig. Zwar steht in Deut. 7 von den genannten Völkern geschrieben, aber eben kein Wort von irgendwelchen sexuellen Dingen. Das Problem mit diesen Völkern wird jedoch durchaus genannt, gleich in Vers 4:

Denn sie werden eure Söhne mir abtrünnig machen, dass sie andern Göttern dienen; so wird dann des HERRN Zorn entbrennen über euch und euch bald vertilgen.

Das Problem liegt also darin, daß diese Völker falschen Göttern gedient haben, und die Gefahr besteht darin, daß sie die Israeliten ebenso dazu verführen, wie es auch schon auf der Wanderung durch die Wüste geschehen ist, beschrieben in Num 25, 1-4:

Und Israel lagerte in Schittim. Da fing das Volk an zu huren mit den Töchtern der Moabiter;
die luden das Volk zu den Opfern ihrer Götter. Und das Volk aß und betete ihre Götter an.
Und Israel hängte sich an den Baal-Peor. Da entbrannte des HERRN Zorn über Israel
und er sprach zu Mose: Nimm alle Oberen des Volks und hänge sie vor dem HERRN auf im Angesicht der Sonne, damit sich der grimmige Zorn des HERRN von Israel wende.

Hier sehen wir auch den Abfall von Gott im Zusammenhang mit einem sexuellen Wort: Huren. Doch kann man in diesem Fall eigentlich nicht sagen, daß es sich um eine sexuelle Sünde handelt. Vielmehr geht es um den Abfall von Gott, der aus der Verbindung mit den Frauen aus den Nachbarvölkern resultiert. Also ein Verstoß gegen das 1. Gebot. Der abfällige Begriff „huren“ wird hier für die Heirat fremder Frauen benutzt, weil man über eine solche Verbindung abfällig dachte, aufgrund der gefürchteten Konseqenz, des Abfalls von Gott. Daß die Bibel nicht zwangsläufig ein Problem damit hat, wenn ein Mann zu einer Hure geht (also rumhurt), sieht man etwa bei Simson (Ri 15, 1):

Simson ging nach Gaza und sah dort eine Hure und ging zu ihr.

Ein anderes Beispiel wäre Juda, der Stammvater von solch wichtigen Leuten wie König David oder auch Jesus (unabhängig davon, wer nun wirklich Jes Vater war, gehörte er doch zum Stamm Juda), vgl. Gen 38. Daß die Verbindung mit fremden Fraen aber nicht immer negativ gesehen wurde, sieht man am Buch Rut. Rut ist Moabiterin, geht aber, nachdem ihr Mann gestorben ist, mit ihrer Schiegermutter in deren Heimat, nach Bethlehem in Juda, und wird dort von Boas geheiratet. Ihr gemeinsames Kind Obed ist der Vater von Isai und der Großvater von König David. Wo liegt hier der Unterschied? Genau: Rut bekannte sich zu Gott, deshalb war eine Verbindung mit ihr, obwohl sie Moabiterin war, kein Problem. Weder sie noch Boas wurden umgebracht, wie es den Moabiterinnen und ihren Männern in Num 25 erging.

Genauso muß man aufpassen, wenn man anderswo in der Bibel von Hurerei liest. Es ist oftmals eine Umschreibung für den Abfall von Gott. Manchmal wird Gott als Bräutigam dargestellt, und Juda oder auch Zion als seine Braut. Wenn nun ausgesagt wird, daß das Volk von Gott abfiel, dann wurde das ebenso mit „Hurerei“ umschrieben. Gedacht ist dabei im gleichen Bild: Wenn das Volk nicht den echten Bräutigam anbetet, also Gott, osndern einen anderen, meinetwegen Baal, dann verbindet es sich mit einem anderen möglichen Bräutigam bzw. einem Nebenbuhler. Deshalb ist die Rede von Hurerei und dergleichen.

In diesem Zusammenhang gesehen stimmt es, daß Gott sexuelle Sünden „dieser Art“ besonders haßt. Die Bibel beschreibt drastische Konsequenzen. Wer von Gott abfällt, muß mit der Todesstrafe rechnen. Aber es sind halt nicht wirklich sexuelle Sünden, um die es hier geht. Es geht um die Verehrung anderer Götter, es geht um Götzendienst. Das hat wenig bis nichts Sexuelles. Und es ist genauso verwerflich, ob damit nun sexuelle Handlungen verbunden sind, oder nicht. Der Götzendienst ist das Schlimme, nichts anderes.

Damit habe ich immer noch nichts darüber geschrieben, ob nun Homosexualität oder homosexuelle Praktiken Sünde wären. Zuvor war es nötig, die Rolle des Pfarrers und die Frage nach Gottes besonderem Haß gegen die sexuellen Sünden zu klären. Als Zwischenfazit könnte man nun also festhalten:

Pfarrer stehen in der Tat in einer besonderen Verantwortung. Daher sollen sie nicht vorsätzlich sündigen und dies als gut verkaufen. Andererseits sind sie aber auch Menschen, denen die Möglichkeit der Buße genauso offensteht, wie allen anderen auch.

Ein besonderer Haß Gottes gegen sexuelle Sünden ist allerdings nicht auszumachen. Was Gott besonders auf die Palme bringt, ist der Götzendienst, der jedoch mit Begriffen aus dem sexuellen Bereich umschrieben werden kann.

Um die Frage, die hinter der ganzen Reihe steht, beantworten zu können, also ob Pfarrer nun schwul sein können, bzw. ob ein Schwuler wirklich Pfarrer sein kann, müssen wir uns im nächsten Teil mit der grundsätzlichen Frage befassen, ob Homosexalität in Gottes Augen falsch ist.

glaube, Religion

Wer interessiert sich schon für Gottes Willen?

Hab im Moment grad ne tolle Diskussion auf nem Atheistenblog laufen. Recht weit unten im Diskussionsverlauf (Kommentar Nr 282) kam ich auf eine Idee, die ich hier etwas ausführen möchte. Nich aber ohne mich vorher bei Hinterfragerin für den Anstoß zu bedanken.

Es geht um Gottes Willen. Doch, zu was ist der nütze? Naja, mag man sagen, eben dazu, zu wissen, was gut ist und was schlecht. Stimmt. Stellt sich noch die Frage, wie man Gottes Willen rausfinden kann. Darauf möchte ich hier gar nicht eingehen (wer mich kennt weiß, daß IMHO das nicht über naiven Biblizismus geht), sondern auf eine ganz andere Frage:

Wann ist der Wille Gottes relevant? Wann nicht als Frage nach Geschäftszeiten, also nicht Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr (oder noch schlimmer lediglich Sonntags von 10 bis 11), sonst kann man tun, was man will, sondern an welcher Stelle im Glauben, in der Theologie?

Hinterfragerin hatte geschrieben, daß sich aus der Aussage, es gebe einen Gott gleich auch die Frage stelle, was will dieser Gott? Ich finde, das ist zu früh.

Ich finde, es ist angemesserer, erst einmal zu fragen: Wer ist dieser Gott? Was hat er so getan? Darauf könnte man dann grob antworten, Gott ist der Schöpfer, er hat die Welt aus dem Chaos geschaffen und uns Menschen nebst vielen anderen Lebenwesen hineingesetzt, wurde letztlich selbst Mensch und erlöste uns von dem Bösen, dem wir anhängen, indem er uns seine Liebe zu uns vorlebte und bis in den Tod durchhielt, so in der Art. Und ja, man könnte jetzt noch tasend Diskussionen zu Schöpfungs- und Erlösngslehre hier einfügen. Das will ich jetzt nicht tun, weil der Artikel dann ellenlang wird. Jedenfalls sind dies alles Fragen, die zuerst zu klären sind, aus meiner Sicht. So lange all das nicht klar ist, ist es unerheblich zu fragen: Was will Gott?

Was soll diese Frage ohne vorher zu wissen, wie er zu uns steht? Man fragt ja auch nicht „was will Al Capone“ ohne vorher zu klären, ob man überhaupt auf einer Linie ist, ob man überhaupt bereit ist, ihm zu Willen zu sein. Hat man dies nicht geklärt, versteht man auch nicht das Problem dahinter, wenn Capone sagt, er will ein Auto. Ohne geklärt zu haben, wer das ist, würde man ihm vielleicht ein Auto verkaufen. Wenn man wüßte, daß er es als Fluchtauto benutzen will, würde man sich vielelicht verweigern (oder das Auto präparieren, so daß er der Polizei darin nicht entkommen kann). Jedenfalls würde man anders mit seinem Willen umgehen.

So auch bei Gott. Ohne zu wissen, daß er uns liebt, daß er uns erlöst hat, kann man mit seinen Forderungen nicht viel anfangen. Man hat auch kaum einen Anhalt, Forderungen gegeneinander abzuwägen. Ist jetzt das Sabbathgebot wichtiger oder das Nächstenliebegebot?

Danach ist immer noch zu klären, wie Gott die Welt sieht (diese Frage dient vor allem der Abwehr eines naiven Biblizismus, der die Bibel und unsere Begriffe von den Dingen zu Götzen macht, denen man an Stelle von Gott folgt). Was meint er mit Sabbath, was meint er mit Liebe, was meint er mit Zauberei und Götzendienst. Was ist „Gräul“. Diese Fragen sind ebenso wichtig und noch viel schwerer zu beantworten. Aber wenn ich Gottes Willen kenne in der Form: Tu X nicht, weil es ist ein Gräul bzw Y, und ich kenne weder X noch Y genau, woher will ich wissen ob ein A X oder Y entspricht?

Wenn ich Gott kenne, wenn ich weiß, daß ich erlöst sind, und nichts mich von Gott trennen kann, was ach geschieht, was ich auch tue oder getan habe, dann ist das Ursache unglaublicher Freude und Dankbarkeit. Dann kann ich fragen: Gott, was willst Du? Womit kann ich Dir eine Freue machen? Und dann werde ich ach darauf achten, nicht meine Vorstellungen da reinzbringen, sondern ganz auf Gott zu hören. Denn ich bin ja voll der Freude und Dankbarkeit, ohne irgendwelche Verpflichtungen zu spüren.

Leider ist dies sehr selten der Fall, und es ist auch nie ein anhaltender Zustand (der Mensch bleibt Sünder). Aber er kommt immer wieder, kann immer wieder kommen und ist Grund dafür, nicht nach sich zu fragen sondern nach Gott und damit auch nach dem Nächsten bis hin zum größten Feind.

In diesem Bewußtsein ist man darauf bedacht, kein Leid anzurichten, ist sensibel dafür. Die Sensibilität geht verloren mit dem Maß, wie die Erlösungsgewißheit verloren geht. Mit dem Maß, mit dem man meint, man hätte eine Pflicht, Gottes Willen zu tun. In dem Maß, wie man sich müht, seinen Willen (oder das was man dafür hält) zu tun, ohne es recht eigentlich zu wollen. In diesem Moment schleichen sich götzendienerische Tendenzen ein. Man fühlt einen Druck, Gottes Willen zu tun und tut irgend etwas, das man als Willen Gottes darstellen und verkaufen kann. Es hat nun nicht mehr den Zweck, Gott eine Freude zu tun, sondern sich selbst einzureden, man tue ja das Richtige oder genug. Schrittweise geht es dann dahin, daß man im sozialen Umfeld den Anschein aufrecht erhält, sich ja an Gottes Willen zu orientieren, um als erlöst zu gelten. Weil wer will schon von der Erlösung hören, wenn er meint, auch selbst gut genug zu sein, wenn er sich lieber an seine eigenen Regeln hält statt an die Gottes, anfangs vielleicht sogar ohne es zu bemerken? Der nächste Schritt wäre dann, daß man weiterhin nach außen den Schein wahrt, aber aktiv ein Verhalten pflegt und ein Denken fördert, das einen selbst als besonders gottgefällig dastehen läßt (zumindest in einem bestimmten Kontext), das aber vor allem auf den eigenen Vorteil ausgerichtet ist. Es geht dann meist um die eigene Brieftasche.

Das alles geschieht, so gewinne ich immer mehr den Eindruck, dort, wo die Heilsgewißheit verloren ging in der Art, daß sie von Gott abhängig ist und zur vergötzen Heilsgewißheit wurde, die am Menschen, am Selbst hängt und an den Erfolgen nd Taten, die man „für Gott“ vorzweisen hat. So kann es dann auch zu so etwas kommen, was in der angesprochenen Diskussion auch genannt wurde: Der im folgenden Video (naja, 5 Videos) gezeigte Hexenglaube in Kinshasa, der Kinder zu Verfolgten und Gequälten macht (nichts für schwache Nerven):

http://www.youtube.com/watch?v=wa9YAdXtZrY

http://www.youtube.com/watch?v=Az0iv86GQGw

http://www.youtube.com/watch?v=YrSpmMulG38

http://www.youtube.com/watch?v=lQ9pzr3C4Sc

http://www.youtube.com/watch?v=plP3cNe86rI