Kirchentag, Technik

Kirchentags-App

Im Juni ist wieder Kirchentag. Wieder in Stuttgart, so wie damals, als ich zum ersten Mal einen Kirchentag besuchte, 1999 in der Woche vorm mündlichen Abi (Religion – ich bekam 8 Punkte). Dieses Jahr liegt er genau nach dem Schulpraktikum und vor dem Gemeindepraktikum. Das heißt, obwohl ich nicht mehr studiere, sondern im Vikariat bin, kann ich ohne Problem zum Kirchentag fahren – vielleicht zum letzten Mal als Privatperson ohne Verantwortung für irgendwelche Jugendgruppen. Und wenn man dann noch den Streß im Schulpraktikum berücksichtigt – ich tu mir ziemlich schwer und bald ist Prüfung – dann freu ich mich gleich doppelt drauf.

Letztes Mal gab es ja schon eine Kirchentags-App, mit der man das Programm durchsuchen konnte, einen Plan machen etc. Auf jeden Fall etwas, das ich mir ansehen wollte. Nur letztes Mal war es an mir vorbei gegangen, nur konnte ich im Nachhinein sehen, daß die App nur über google playstore bzw. Apple Store zu beziehen war. Aus diesem Grund hatte ich den Kirchentag angeschrieben und darauf hingewiesen, daß das alle diejenigen ausschließt, die kein entsprechendes Konto haben wollten und angeregt, die App auf der Kirchentagsseite zum Download anzubieten.

Macht doch Sinn, oder? Ich bekam auch eine Rückmeldung, daß man sich das überlegen würde. Jetzt seh ich die letzten Tage immer wieder auf die Kirchentags-Seite, um zu sehen, wann die App rauskommt, und ob sie auch ohne Apple- oder gogle Konto zu beziehen sind.

Heute sah ich zum ersten Mal die Downloadlinks. Einer in den google playstore, einer in den Apple Store. Früher, so meine ich mich zu erinnern, konnte man die Dateien bei google ja zumindest mit dem PC ohne Konto runterladen. Dem ist nicht mehr so.

Kurz gesagt: Ich bin enttäuscht.

Gut, ich komme mit dem Programm in Printform klar, und ich weiß nicht, ob ich mich mit der App würde anfreunden können – ich hab sie ja noch gar nicht testen können!

Ganz ehrlich frage ich mich, was die Beweggründe dahinter sind, die App nur denjenigen zur Verfügung zu stellen, die ihre Privatsphäre an US Konzerne verkaufen. Der Kirchentag kann selbst ja kein Interesse daran haben, die Privatsphäre seiner Besucher zu verletzen, ob direkt oder indirekt.

Ich vermute, die App wurde in Auftrag gegeben. Was spricht dagegen, nachdem die Entwicklerfirma bezahlt wurde, den Quellcode vielleicht sogar zu veröffentlichen? Die Community würde vielleicht noch ganz neue Features einbauen, an die die Kirchentagsverantwortlichen gar nicht denken. Beim nächsten Kirchentag könnte man ja, wenn man sich nicht sicher ist, ob der Code vielleicht durch die Veränderungen irgendwie verschlechtert wurde, wieder eine Firma beauftragen, die da mal drübersieht, für die offizielle Version. Alles denkbar, aber was machen sie? Closed Source und nur zugänglich mit Zugangskonten für die großen Stores.

Dabei ist der Kirchentag eigentlich sehr sensibel, wenn es um Verantwortung und die Folgen des eigenen Handelns geht: Fair Trade Verpflegung, Zertifizierung der CO2-Neuralität, Barrierefreiheit für Menschen mit Handicap… alles Standard.

Vielleicht sind die zuständigen Leute einfach zu alt. Vielleicht muß man sie einfach nur nachhaltig auf die Problematik hinweisen. Ich hab nochmal ne Mail geschrieben, mal sehen ob was passiert. Vielleicht wollt Ihr ja auch ne Mail schreiben?

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde am Mittwoch, den 16. Mai 2012

Den Auftakt macht Ralpe mit einem Artikel über google, Selbstzensur aus Abmahnangst und der Verantwortng der Schmaschinenbetreiber. Das hat mich zur Frage gebracht, ob man nicht die öffentlich-rechtlichen Sender umgestalten sollte, so daß die Informationspflicht für die Bürger weniger durch heute und Tagesschau nachgekommen wird, sondern durch eine Bundessuchmaschine. Unabhängig von Wirtschaftlichkeitsstreben der großen Firmen. Betreibt der Staat nicht sonst auch Infrastruktur? Vielleicht liest hier ja ein Pirat mit, der das mal weiterdenken kann, ich hab grad wenig Zeit dafür…

Bei sojourners gibts mal wieder nen Artikel über einen Film, der wohl auch bei uns nie erscheinen wird (die haben das öfter). Manchmal wünscht man sich ja, asländische Filme wären einfacher zu bekommen, unabhängig von den Marketingentscheidngen der Vertriebsgesellschaften, aber das ist ein müßiges Thema, jedenfalls bis die Piraten den Kanzler stellen oder die SPD kapiert hat, daß der Erfolg der Piraten nicht am Vorhandensein von Faebookseiten dn Twitteracounts liegt.

René Brandstädter hat was zum Bildungssystem in Deutschland geschrieben. Und während ich ihm teilweise Recht gebe, daß die Schüler auch den Umgang mit digitalen Medien erlernen müssen, bin ich nicht der Meinung, daß man auf Tafel, Kreide und Frontalunterricht ganz verzichten sollte. Etwas jemandem zu erklären geht beim ersten Mal am Besten frontal, daß Nachfragen dann natürlich möglich sein müssen war auch schon bei unseren Großeltern normal.

Medienkompetenz in dem Sinn, daß man den „Qualitätsjournalismus“ vom Weizen trennen kann, geht auch mit Printprodukten. Folgeerscheinungen der Digitalisierung wie shitstrom und dergleichen kann man prinzipiell auch ohne Netz besprechen. Jedoch sind eigene Erfahrungen im Netz sicherlich hilfreich dabei, nd da kommt dann der Teil, vo ich René Recht gebe. Allgemein bin ich der Ansicht, daß Schüler in Schulen weniger geupdated werden sollen, sondern den Updatemechanismus erlernen sollen, um die gleiche Terminologie zu verwenden. Dazu ist nicht ganz so viel Netz notwendig, wie für das eigentliche „Update“. (auch heute lernt man an Unis noch viel aus analogen Büchern – oder geht das nur uns Theologen so?)

Der Herr Alipius hat in nem Artikel ein Zeugnis geschrieben von seiner Priesterberufung, nd inwieweit das mit dem Katholikentag (nicht) zusammenhängt. Lesenswert und nachvollziehbar, auch wenn ich theologisch wo ganz anders stehe (so sehr dann vielleicht doch nicht). Ach ja, und natürlich gibts ne neue Schwester Robusta.

Einen mit moderneren Strömungen (und dem Katholikentag) versöhnlicheren Ton hat wieder Ameleo. Mir kommt es ja so vor, als ob beide durchaus nen Punkt haben und das Ideal dort ist, wo beide zusammenkommen, Ernsthaftigkeit im Glauben und Form und Wahrnehmng der aktellen Probleme als aktuelle Probleme. Wir haben ja ähnlich widerstrebende Strömngen im Protestantismus. Es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Alexander Ebel schreibt über nen Weltrekord. Rekordhalter: Paedophryne amauensis, das (bisher) kleinste Wirbeltier der Welt, wohnhaft in Papua-Neuguinea.

Bobby Ross von getReligion wundert sich über nen Artikel über eine Nonne, in der die Rede von Kleiderlängen und Alkoholverbot ist, aber der Glaube quasi nicht vorkommt.

Die 70% Idee vom Relicamp hat es zu nem eigenen Artikel bei evangelisch.de geschafft. Das scheint ja ne ganz nette Resonanz zu haben.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Dienstag, 27. März 2012

Mandy hat sich Gedanken dazu gemacht, ob Tiere eigentlich in den Himmel kommen. Und dann hat sie noch einen wunderbaren Artikel zu Behinderungen geschrieben. Ich hab mal den Satz afgeschnappt: Behindert ist man nicht, behindert wird man. Ich denke das kommt in ihrem Text gut raus. Einschränkungen hat jeder af die ein oder andere Art, aber zur Behinderung werden sie erst, wenn andere darauf keine Rücksicht nehmen.

Ich bin auf ein tolles Video von Joshua Tongol gestoßen (via):

Es geht um die Frage, was der Kreuzestod Jesu bedeutet,also ob Gott seinen Sohn ermordete, weil er Blut sehen mußte, oder ob es noch andere Deutungen gibt. Sehr sehenswert, leider in Englisch.

Über die scoop.it Seite von Kirche 2.0 fand ich ein paar interessante Artikel: Ralpe schreibt zu Luthers „pecca fortiter“ und Bentzerfreundlichkeit, bei RTL gibt’s ein Video zu QR Codes auf Grabsteinen und überhaupt, Keith Anderson schreibt über das Problem, daß Erfolg auch bei Kirchens in Zahlen gemessen werden soll und erinnert mich damit ein wenig an den Reformprozess der EKD, mit seiner Fixierung auf Taufzahlen et al und Jörn Brien schreibt über den Umgang mit dem Tod im Social Web.

Bei idea wird gemeldet, daß der Arabische Frühling auch zu einem Anstieg der Zahl der Neuchristen im arabischen Raum geführt hätte. Im Libanon hätten die Missionare dabei mehr Probleme mit den traditionellen Christen wie Maroniten als mit den Muslimen. Wenn man jetzt schon öfters mal was aus diesem Missionsgebiet gelesen hat wundert das nicht. Mir ist es schon mehrfach begegnet, daß die Konversion von traditionellen Christen zu evangelikalen Gruppen als Missionserfolg verbucht wurde und von Neuchristen gesprochen wird. Allerdings ist auch die Rede davon, daß es sich diesmal bei den Neuchristen vorwiegend um ehemalige Muslime handelt…

Ich hab noch ein Video, auch Englisch, aber etwas schwerer, weil irisches Mädchen:

[Das Video ist auf Youtube leider nicht mehr verfügbar]

Gefunden bei peregrinatio. Es geht um St. Patrick. Ebenfalls bei peregrinatio gibt es einen Artikel zum Führungsstil des scheidenden Erzbischofs von Canterbury.

Und noch was britisches: Ein Artikel von Bischof Nick Baines über die Deutschen und die Rolle, die das 3. Reich noch in unserem Denken spielt.

Herrmann Aichele hat einen Artikel über „Glauben“ geschrieben und das Problem, wenn man den Begriff erkenntnistheoretisch einengt. Dürfte für Atheisten interessant sein, die den (religiösen oder christlichen) Glauben wirklich verstehen wollen.

Ne neue Runde lusitge Kirchenschilder gibts bei sojo.net.

Bei geiernotizen lernt man die neuesten Schutzzauber gegen Nazis und deren Gedankengut kennen.

Und dann natürlich der Aufreger des Wahlabends. Die Piraten sind ins Saarbrücker Parlament eingezogen und Patrick Döring von der grandios gescheiterten FDP ließ sich dazu hinreißen, von einer Tyrannei der Masse zu sprechen und einen Klarnamenzwang zu fordern. Das gibt es auch als Video:

[Der entsprechende Youtube Kanal wurde inzwischen gelöscht]

Dazu passt dann wunderbar der Artikel über Kritik und Bashing von Michael Blume, in dem er die Piraten als positives Beispiel für Politikkritik hervorhebt und (meiner Meinung nach treffend) Fußball-Hooligans mit Bashern vergleicht.

Dann hab ich noch ne Horrormeldung: Google will nun auch die Hintergrundgeräsche bei Telefongesprächen zur besseren Werbeplatzierung erschließen. Prost Mahlzeit, die werden dann natürlich mit den Suchanfragen, den E-Mails und den youtube-Videos, die man so guckt gekoppelt und ras kommt… ich will es mir nicht vorstellen.

Und weil wir es von youtube hatten, noch ein Video (via).

Ich bin ja echt versucht, den „netten Nazi“ als armes Opfer anzusehen. Freilich, er hat ein politisches Mandat und nutzt es im Sinne der NPD, aber ich denke das Problem liegt hier weniger darin, daß es sich um einen gemeingefährlichen Menschen handelt (er wird ja von allen als „nett“ bezeichnet), sondern daß er einfach zu dumm (sorry, aber ist doch so) ist um zu begreifen, wo er da mitmacht. Er liest nur noch die eine Zeitung und hält sich daran, was da drin steht. Und nur, weil es nicht die BILD ist, ist sein unreflektiertes Wiederholen der Parolen nicht mehrheits- und gesellschaftstauglich.

Eigentlich müßte man sich mit dem Mann einmal befassen. Zeit mit ihm verbringen, mit ihm reden, ihm andere Möglichkeiten erschließen, die Welt zu sehen. Auf mich jedenfalls macht der Herr den Eindruck, den auch viele Sektenmitglieder machen: Allein und ohne die Sekte auch orientierungslos. Aber nimmt man sich die Zeit und bietet eine Alternativorientierung an, dürften die Chancen gut stehen, ihn aus dem Sumpf rauszuholen. Das macht seine Partei und deren Parolen freilich nicht weniger gefährlich, aber so könnte man ihnen vielleicht wirklich das Wasser abgraben, indem man sich Zeit nimmt für die Menschen.

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Servergate

Es gibt ja nicht wenige Menschen die sagen würden, Deutschland sei ein Rechtsstaat. Und verglichen mit anderen Ländern, etwa Rußland oder Belarus, haben wir ja auch viele Freiheiten. So können wir etwa öffentlich sagen, was wir von Merkel halten. Wir haben sogar eine freie Presse, die diese Äußerungen dann ohne große Angst vor Repression veröffentlichen kann. Eigentlich ne gute Sache.

Eigentlich. Denn eigentlich geht damit auch eine gewisse Verantwortung einher. Eigentlich hätte die Presse selbst ein Interesse daran, Angriffe auf den Rechtsstaat zu melden, bekannt zu machen, so daß breiter öffentlicher Druck entstehen kann, der solche Angriffe für die Zukunft verhindert.

Gestern hat die Staatsanwaltschaft in Darmstadt mal eben die Server der Piratenpartei vom Netz genommen. Es ging um ein Rechtshilfeersuchen aus Frankreich, weil wie es aussieht auf den Piratenpads DDOS Angriffe auf ne französische Energiekonzernseite abgesprochen wurden.

Nun muß man wissen, daß diese Piratenpads öffentlich zugänglich sind. Wie beispielsweise googlemail. Man stelle sich vor: Bin Laden, als er noch lebte, hätte eine E-Mail Adresse bei google angemeldet und von dort ne Mail an Ahmadinedschad geschrieben. Daraufhin hätte man dann google den Stecker gezogen. Nicht nur googlemail, sondern sämtliche Dienste von google für 8 Stunden vom Internet genommen, denn man hat nicht etwa nur die betroffenen Piratenpads offline genommen, sondern alle Dienste auf den entsprechenden Servern.

Natürlich hinkt der Vergleich, denn es war keine Terrorabsprache internationalen Rangs, es war nicht Gefahr im Verzug, es ging um einen DDOS Angriff auf ne französische Internetseite und zwar von einem Konzern, der nicht wie google, amazon oder ebay in erster Linie auf das Netz angewiesen ist, um Geld zu machen.

Es handelte sich auch nicht um einen Konzern, der zum Liedtragenden der Polizeiaktion wurde, sondern um eine Partei, genauer um die Mitgliederstärkste nicht im Bundestag vertretene Partei.

Nicht genug, daß hier eine Partei in ihrer Arbeit behindert wurde, was an sich schon verfassungsrechtlich bedenklich ist, es fand auch noch in der heißen Phase eines Wahlkampfes statt: Am Sonntag wird in Bremen gewählt, und das Wahlrecht haben schon 16-jährige. Heißt soviel wie: Die Piraten haben ernsthafte Chancen, gewählt zu werden.

Dazu kommt, daß die Piraten ihre Server nicht nur benutzen um schöne Bilder ihrer Kandidaten unters Volk zu bringen, sondern sie nutzen sie auch für die Kommunikation untereinander. Die gesamte Parteiarbeit läuft zum Großteil über die Server. Man stelle sich vor ein Terrorist hätte auf CDU Briefpapier nen Bekennerbrief geschrieben, und die Polizei schließt darafhin sämtliche Büros der Partei, die Parteizentrale in Berlin und nimmt den Politikern Papier und Stifte weg.

Der Vergleich mag lustig klingen, aber genau das ist es, was passiert ist. Es ist schlimmer, als wenn google komplett offline gestellt wird wegen einer Mail von Bin Laden an Ahmadinedschad, weil es sich ume ien Partei handelt und nicht nur um ein Unternehmen ohne Verfassungsrang, und es ist besonder schlimm wenn man bedenkt, daß es keinerlei Not gab, so zu handeln, noch daß irgendwelche Spuren hätten gefunden werden können: Die Server schreiben nicht mit, wer beim Piratenpad etwas einstellt.

Und die Medien, die eigentlich Angriffe af unsere Rechtsordnng berichten sollten? Die bringen hier nd da was in ihren Onlineausgaben, aber im Print, wo eine breitere Öffentlichkeit erreicht werden kann, liest man nichts.

Die Zeiten der Spiegelaffäre, wo es auf einen Eingriff der Staatsmacht in die Freiheitsrechte zu einem großen Aufschrei in der Öffentlichkeit kam, sind wohl vorbei. Vielleicht müssen auch erst wieder Redaktionen geschlossen in den Knast wandern, bevor man sich rührt.

Hier noch ein Video vom stellvertretenden Vorsitzenden der Piraten:

https://www.youtube.com/watch?v=KGf_-EaepZM&feature=player_embedded

Update Ich war wohl falsch informiert. Laut Schockwellenreiter hat der Angriff auf das französische Unternehmen gar nicht stattgefunden.

Update II Bei Wolfgang Dudda hab ich jetzt gelesen, daß auch das Ersuchen aus Frankreich (noch) nicht vorlag. Das kriegt jetzt nen ganz üblen Geschmack, wenn die Aktion noch vor dem Wochenende durchgezogen werden sollte, ohne auf das französische Dokument zu warten…