Theologie

Exit-Strategie

Francesco Furini – La Fe [Public Domain]
Verletzlich, schön – und zum Teil im Dunkel verborgen: Der Glaube

Thomas Jakob hat bereits im März einen Artikel geschrieben über den Plan B. Er plädiert darin für eine Pflicht, sich darüber Gedanken zu machen, was wäre, wenn man Unrecht hätte mit der Annahme, daß Gott existiere – oder eben nicht.

Ich mußte unwillkürlich an Pascal denken und seinen „Gottesbeweis“, der eigentlich eine Risiko-Rechnung ist:

Angenommen, Gott existiert nicht und ich glaube an ihn. Dann habe ich mein Leben lang etwas Falsches geglaubt, aber keine negativen Folgen zu fürchten.

Umgekehrt, wenn Gott existiert, ich aber nicht an ihn geglaubt habe, komme ich in die Hölle. Habe ich geglaubt, komme ich dagegen in den Himmel.

Habe ich nicht an Gott geglaubt und es gibt auch keinen, passiert mir nach dem Tod auch nichts anderes, als wenn ich geglaubt habe.

Ergo: Falls Gott nicht existiert ist es egal, ob ich glaube oder nicht, falls Gott jedoch existiert ist es besser zu glauben als nicht zu glauben. So schließt Pascal,daß es auf jeden Fall besser ist zu glauben, als nicht zu glauben.

Ich hoffe, das jetzt richtig aus der Erinnerung wiederzugeben, aber so in etwa war der Gedankengang. Pascal hat keine Exit-Strategie, keinen Plan B. Er sieht auch nicht auf etwaige aus dem Glauben folgende Beschwernisse(oder in seiner Zeit eher aus dem Nichtglauben folgend)  im Leben, er macht ne Risikorechnung auf und tut so, als könne er selbst entscheiden, ob er glaubt oder nicht.

Meiner Meinung nach ist das ein Knackpunkt in der ganzen Frage: Kann ich überhaupt entscheiden, ob ich glaube oder nicht? Der weitgehende Konsens, den Thomas erwähnt, daß es keinen Gottesbeweis gibt und ihn nicht geben kann, hängt für mich mit dieser Frage zusammen.

Geht man davon aus, daß der Mensch sich so weit selbst bestimmt, daß er auch souverän über den eigenen Glauben bestimmen  kann, spielen Argumente für oder gegen die Existenz Gottes und für oder gegen diekorrekte Artan diesen Gott zu glauben eine Rolle. Ich erinnere mich daran, in meiner Jugend auch so gedacht zu haben – ich kann mich nicht erinnern, wann sich das änderte, ob eher in der Jugendzeit oder eher in den letzten Jahren.

Damals rechtfertigte ich meinen Glauben vor mir, indem ich mich innerlich aufs Ethische zurückzog: Selbst wenn es Gott nicht geben sollte und Jesus nie gelebt hätte, die Bergpredigt, die Feindesliebe, all das waren doch Dinge, die unabhängig davon Gültigkeit hatten, die ich unabhängig von Gott als gut anerkennen konnte.

Damals merkte ich noch nicht, wie ich damit Gott eigentlich damit entthronte: Wenn es nur von meinem Gusto abhängt, ob etwas gut oder schlecht ist, wozu braucht man dann noch Gott? Höchstens als Stichwortgeber.

Freilich werden wir das Problem nie ganz los, da es letztendlich doch darauf ankommt, was wir denken, was wir entscheiden – oder zu entscheiden meinen.

Inzwischen habe ich keinen derartigen Plan B mehr, aber ich würde inzwischen auch sagen, daß es korrekter wäre zu sagen: „Ich glaube an Gott“ als „Ich glaube, daß Gott existiert / ich halte die Existenz Gottes für wahr“.

So versuche ich, die Beweislast loszuwerden, die Thomas mir aufladen will. Natürlich, ihm geht es um intellektuelle Redlichkeit, um die Frage, inwieweit das, was ich so an Glaubensaussagen zu Gott vorbringe, für andere, Außenstehende, annehmbar und nachvollziehbar ist. Mir geht es um diese Frage nicht. Inzwischen bin ich davon überzeugt, daß der Glaube an Gott (nicht das Fürwahrhalten der Existenz einer oder mehrerer Gottheiten) vollkommen außerhalb dessen liegt, was ein Mensch (bewußt?) bewirken kann. Kein menschliches, intelligibles Argument kann von der Existenz Gottes überzeugen. Und der Glaube fragt nicht nach Argumenten. Man kann ihn höchstens auf Schlüssigkeit prüfen – aus der Innenansicht. Von außen kann er nur irrational wirken, weil er ja gerade der Ratio nicht ohne weiteres zugänglich ist.

Das Risiko allerdings, das damit zusammenhängt, ist mir bewußt. Und anders als Pascal sehe ich durchaus, daß der Glaube Konsequenzen im Leben hier und jetzt hat. Am stärksten sieht man das an den verfolgten Christen oder an den Konvertiten unter den Flüchtlingen, für die die Frage nach dem Glauben existenzbedrohende Ausmaße annimmt. Inwieweit mein Leben sich konkret ändern würde kann ich nicht sagen, aber es würde sich ändern, es wäre anders, auf die ein oder andere Art.

Mein Glaube läßt sich nicht objektiv falsifizieren oder verifizieren, höchstens subjektiv von mir selbst (was dann aber wieder keine echte Verifikation oder Falsifikation wäre,nciht wahr?). Aus diesem Dilemma kommt man IMHO nicht heraus. Wer das doch behauptet und meint, Gründe für die Existenz Gottes anführen zu können, wie elaboriert sie auch sein mögen, läuft IMHO erstens Gefahr, diese Art des Glaubens zu verlieren, wenn die Gründe wiederlegt werden, und zweitens denke ch, daß das eine gänzlich andere Art des Glaubens ist als meine – und ich bin mir unsicher, inwieweit da ein Zusammenkommen möglich ist. Da ist die Nähe wohl eher zum Atheismus gegeben als zu meinem Glauben, aber das nebenbei.

So halte ich also stur am Glauben fest, ohne ihn zu begründen, weil ich es nicht kann. Ich habe ihn nicht verursacht, also kann ich ihn nicht begründen. Von daher bin ich auch nicht eigentlich stur.

Ich bin mir bewußt, daß ich ein Risiko trage, und um es deutlich zu sagen: So gerne ich wollte, ich kann dieses Risiko nicht von anderen fernhalten. Aus meinem Glauben resultieren bestimmte Vorstellungen von richtig und falsch. Diese kann ich versuchen, mit anderen Menschen in Einklang zu bringen, durch den Versuch, deren Position zu verstehen und ähnlich zu argumentieren. Küng spricht ja von einem Weltethos, der allen Menschen eigen wäre (oder hab ich das falsch verstanden). Auf so einer Basis geht das Miteinander, und diese Basis ist im realen Leben durchaus sehr breit – jedenfalls erlebe ich das so.

Allerdings, und hier liegt der Knackpunkt, gibt es sicher Punkte – ohne diese hier und jetzt genau benennen zu können – an denen ich nicht über eine gewisse Linie gehen kann. Und dann handle ich nicht dem allgemeinen Konsens entsprechend, weil ich es aufgrund meines Glaubens nicht kann. Das hört sich jetzt sehr fundamentalistisch an und das ist es wohl auch. Ein krasses Beispiel aus Ermangelung eines Lebensnäheren:

Wenn jemand im Begriff steht, sein Kind zu töten, werde ich in den meisten Fällen versuchen einzugreifen.

Jetzt mag man versucht sein zu sagen: Das würde doch jeder tun, aber mir geht es darum, daß ich es eben nicht begründen kann auf einer objektiven Grundlage, die auch der Täter nachvollziehen würde. Denn für ihn ist es klar, daß es einen guten Grund gibt, das Kind zu töten, sonst würde er es nicht tun. Er steht eben nur weit außerhalb meines Gut-Schlecht-Empfindens, das letztlich in meinem Glauben begründet ist. Soweit, daß es hier eben keine gemeinsame Basis mehr geben kann. Und dann trägt er womöglich das Risiko dafür, daß ich es wegen meines Glaubens für falsch halte, Kinder zu töten.

Wie fundamentalistisch das ist sieht man gleich, wenn man statt „Kind“ „Embryo“ einsetzt, nicht wahr?

Jetzt kommt der Punkt, an dem sonst die Beweislast umgedreht wird: Ich behaupte, daß es so allen Menschen geht. Jeder hat seinen eigenen wie auch immer gearteten Wertekanon, und meistens ist er mit den meisten Menschen seiner Umwelt im Konsens. Aber manchmal kracht es eben, und dieser Konsens, diese gemeinsame Basis ist nicht mehr da, und dann trägt immer der andere das Risiko für die Überzeugung des einen.

Damit habe ich noch keine Aussagen zum Inhalt meines Glaubens getätigt, sondern lediglich die Grundlagen etwas beleuchtet: Er kommt von außerhalb und ich bin gewisser Maßen ausgeliefert. Nicht gegen meinen Willen, aber auch nicht so, daß ich am Glauben etwas ändern könnte. Ich kann höchstens versuchen, das Ausleben des Glaubens zu unterdrücken, die Konsequenzen im Handeln daraus nicht zu ziehen. Das ist dann keineExit-Strategie, käme dem aber wohl am Nächsten. Wahrschienlich wäre ich dann ein Heuchler. Aber womöglich ist das manchmal sogar besser – fragt sich nur nach wessen Kriterien.

Commenting Media, Theologie

Der mitleidende Gott

Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0
Quelle: http://jesusandmo.net

Ein Jesus & Mo Comic, für die Nichtenglischsprecher unter Euch, hiernochmal eine Übersetzung der Konversation:

Bild 1:
Jesus: Ich gebe zu, daß grauenhafte Ereignisse uns manchmal dazu bringen können, die Existenz Gottes anzuzweifeln, aber nach den Anschlägen in Paris habe ich gebetet.

Bild 2:
Jesus: Ich fragte Gott: „Wo bist Du in alledem?“ Und Gott sprach zu mir. Er sagte: …
Barmädchen: Warte!

Bild 3:

Barmädchen: Laß mich raten … sagte er etwas darüber, irgendwo „da“ zu sein in der Mitte von alledem und dann irgendwelche Platitüden darüber, unser Leid zu teilen?

Bild 4:
Jesus: Wie macht sie das?Mo: Gott ist unaussprechlich, aber vorhersehbar.

Es gibt viele von diesen Comics und sie wollen alle den Eindruck erwecken, besonders intelligent Religionskritik zu üben. Manchmal schaffen sie es auch, Mißstände aufs Korn zu nehmen, nur schießen sie dann oft zu weit übers Ziel hinaus und verlieren dadurch.

Wie dem auch sei, dieses Comic nimmt einen Punkt aufs Korn, der mich selbst oft ärgerte. Mir war als Jugendlicher nie eingeleuchtet, was ich davon haben sollte, daß Gott mit mir in irgend einem Leid ist, wenn er mir nicht helfen kann. Wozu jemanden, der mitleidet? Reicht es nicht, wenn es einem dreckig geht?

Ich habe über die Jahre (hört sich wahnsinnig lange an, so alt bin ich gar nicht) zwei ganz verschiedene Zugänge zu dieser Frage gefunden, bzw selbst erlebt.

Gott ist wirklich da

Im Leben bleibt es nicht aus, auch manchmal ziemlich nach unten zu kommen. Und manchmal steht man richtig am Abgrund, und weiß nicht mehr weiter, ist verzweifelt. Ich blieb davon auch nicht verschont und habe erlebt, daß es eine enorme Erleichterung sein kann, nicht auf sich selbst zurückgeworfen zu sein, sondern jemanden zu haben, dem man sein Leid klagen kann und zwar so oft und so ausführlich, wie kein Mensch es ertragen könnte, zuzuhören. Schon alleine aus zeitlichen Gründen.

Ob und inwieweit Gott mitlitt kann ich nicht sagen, aber es war mir eine Hilfe, daß Er da war, bis ich mich irgendwann gefangen hatte und aus der Verzweiflung raus kam. Womöglich hat es eine Rolle gepielt, daß ich weiß, daß Gott das Leid nicht fremd ist, ging Er doch selbst ans Kreuz. Aber alleine daß ich wußte, es gibt einen Gott, alleine daß ich wußte, Er steht mir bei und läßt mich nicht verloren gehn, komme was wolle, half mir.

Gott leidet nicht nur passiv mit

Jeder Versuch, die Theodizee-Frage, die Frage wieso Gott Leid zuläßt, zu beantworten, wird unweigerlich zynisch. Es ist unsagbar zynisch, wenn man vebsucht, in den Geschehnissen einen tieferen Sinn zu finden. Die Menschen sind tot. Viele andere sind verletzt, physisch und psychisch. Solch schwer zu ertragendes Leid darf man nicht mit irgendwelchen Spekulationen über einen tieferen Sinn wegwischen. Das wäre unanständig und auch unehrlich: Keiner von uns kennt Gottes Plan.

Die Theodizee Frage ist ja auch falsch gestellt. Die Frage ist ja nicht, wieso Schlimme Dinge geschehen, sondern, wieso überhaupt gute Dinge geschehen. Was ist der Grundzustand der Welt? Gehen wir davon aus, daß eigentlich alles gut sein müßte? Oder kommtalles Gute, was uns widerfährt, von Gott? Ist letzteres der Fall,dann war Gott durchaus da bei den Anschlägen und hat konkret geholfen. Keiner der Attentäter kam ins Stadion, der Bataclan wurde relativ schnell gestürmt, die Ärzte waren durch eine kurz vorher abgehaltene Notfallübung ideal vorbereitet.

Sicher kann man jetzt sagen,das war nicht Gott, das war das vorausschauende Handeln der Menschen. Die Sicherheitsvorkehrungen haben geholfen, nicht Gott. So wie das Tischgebet Bart Simpsons:

Lieber Gott, wir danken dir für gar nichts, wir haben alles selbst bezahlt.

Nur ist es dann nicht billig, ausgerechnet das Negative Gott anzulasten? Wenn gute Sicherheitsvorkehrungen für den vergleichsweise glimpflichen Ausgang verantwortlich waren, sind dann nicht auch Menschen für die Anschläge, für das Leid verantwortlich? Schließlich waren es Menschen, die Bomben zündeten, die andere Menschen ermordeten.

Entweder man gesteht Gott zu geholfen zu haben, oder man braucht ihm auch das Negative nicht zuzurechnen.

Freilich, wenn man sich nun dafür entscheidet, Gott das Positive zuzurechnen, woher kommt dann das Negative? Entweder die Menschen haben eine hinreichende Freiheit, unabhängig von Gott Böses zu tun, oder aber es kommt doch von Gott her.

Viele apologetisch schreibende christliche Blogger, so ist mein Eindruck, ziehen als Erklärung die Freiheit des Menschen heran. Sie schreiben, der Mensch sei frei, Gutes und Böses zu tun, um Gott zu entschuldigen.

Ich halte das für nicht zutreffend. Mir ist ein Punkt sehr wichtig, und zwar daß Gott unbedingt über alles souverän ist. Wir sind Ihm letztendlich ausgeliefert, im Guten wie im Bösen.

Und diese Böse Seite müssen wir aushalten, wenn wir uns nicht in den schon erwähnten Sinnfindungen verlieren wollen. Wir können nicht alles Leid erklären, und das müssenwir auch nicht. Als Christen können wir trotz allem hoffen. Und wer kein Christ ist, wer nicht an Gott glaubt, der stellt auch nicht die Frage, ob Gott nun gut oder böse ist.

Womit sich nun die Frage nach dem obigen Comic stellt. Wenn der Autor nicht gläubig ist, wieso gibt er sich überhaupt mit dem Thema ab. Ich weiß es nicht, aber vielleicht kennt ja jemand von Euch die Antwort.

Religion

Mit den Waffen des Lichts gegen die Mächte der Finsternis

Die Predigt von letztem Wochenende. Predigttext war Röm 13, 8-12

Liebe Gemeinde,

mit Finsternis kann man keine Finsternis austreiben. Und wenn wir momentan die Nachrichten einschalten: Finsternis haben wir zur Genüge: Beirut, Paris, Brüssel, Bamako, aber auch Hannover. Al Quaida und Daesh, wie man den IS auch nennt, verbreiten Angst und Schrecken, zunehmend nun auch bei uns. Aber auch Heidenau, Dresden, Berlin: Von Ablehnung bis zum offenen Hass gehen viele Reaktionen auf die Flüchtlinge.

Wenn wir ins Internet schauen, in die sozialen Medien, dann kann man den Eindruck bekommen, dass viele Menschen dem Hass erlegen sind. Man findet einerseits die Propaganda von Daesh, Videos und Texte dieser Verbrecher, eingestellt um Angst zu verbreiten und Terror zu erzeugen. Auf der anderen Seite werden Horrorgeschichten über kriminelle Flüchtlinge erfunden oder aufgebauscht, vielleicht hier und dort auch ein Missverständnis hochgespielt.

Ein Beispiel: In einem Gespräch letzte Woche wurde mir erzählt, dass in einer Unterkunft irgendwo in der Pfalz Flüchtlinge die Heizung hochgedreht und gleichzeitig das Fenster offen gelassen hätten. Und dann wurde sich aufgeregt, wie DIE UNSER Geld verschwenden. Man hätte auch hingehen können und auf das Problem aufmerksam machen. Ich erinnere mich, dass in meiner Schulzeit dieses Verhalten von Seiten der Schüler auch existierte. Außer einem Badener und einem DDR-Flüchtlingskind hatten wir niemanden mit Migrationshintergrund in der Klasse.

Liebe Gemeinde, mit Finsternis kann man keine Finsternis austreiben. Mit was dann? Manchmal betreibe ich im Internet Couterspeech. Als vor einer Weile die großen Medien auf die Hasskommentare im Internet aufmerksam wurden, hatte man das als Umgang damit empfohlen: Einspruch erheben gegen diese Hasskommentare, Gegenbeispiele aufzeigen, den Hass nicht unwidersprochen stehen lassen. Ich kann Ihnen so viel berichten: Es kostet viel Zeit und viele Nerven, und ich bin sehr skeptisch ob ich bei irgend jemandem durchgedrungen bin. Viele haben mich auch einfach blockiert, mich auf stumm gestellt, damit sie die entgegengesetzte Meinung gar nicht erst hören müssen und ganz ehrlich: Ich kann es nachvollziehen: Auch ich blockiere Leute, die mich mit ihren Nachrichten nerven. Ich gebe mir Mühe, offen für andere Ansichten zu bleiben, aber irgendwann kann ich das nicht mehr. Wir Menschen tendieren dazu, uns voneinander abzuschotten, wenn wir verschiedener Ansicht sind.

Oder wir gehen aufeinander los. Die Polizei hat mitunter Schwierigkeiten bei politischen Demonstrationen rechte und linke Demonstranten zu trennen, aber auch bei Fußballspielen kommt es oft zu Gewalt zwischen den Anhängern gegnerischer Mannschaften. Als ob die Niederlage auf dem Platz durch eine Schlägerei vor dem Platz wettgemacht werden könnte.

Und wir schaukeln einander hoch.

Haben Sie auch schon die Erfahrung gemacht, dass Sie sich gestritten haben und gar nicht mehr so recht wissen, womit es eigentlich los ging? Irgendetwas gibt den Ausschlag, dass ich mich aufrege und austeile, und prompt bekomme ich eine nicht weniger gepfefferte Antwort und so ergibt ein Wort das Nächste und man kommt immer weiter rein in den Streit, bis man gar nicht mehr weiß,um was es ursprünglich ging.

Unser Verhalten zieht auch Kreise:

Ein Gerät funktioniert nicht, ich rufe die Servicenummer an und der Computer am anderen Ende der Leitung macht mich fast verrückt, weil mein Hochdeutsch wohl doch etwas zu pfälzisch klingt und er mich nicht versteht. Wenn ich dann endlich einen Menschen am Telefon habe, bekommt der meinen gesamten angestauten Frust ab. Dieser Mensch kriegt in seiner 10 Stunden Schicht so viele Wutausbrüche ab, dass es ihn so belastet, dass er krank wird und ausfällt. Schließlich verliert er seine sowieso schon schlecht bezahlte Stelle. Seine Eltern machen sich daraufhin Sorgen, der Vater ist womöglich Industriemeister und lässt seinen Frust bei seinen Arbeitern ab. Einer davon macht sich daraufhin Sorgen, nicht in eine Feststelle übernommen zu werden, ist gedanklich nicht bei der Sache und verursacht vielleicht einen Unfall mit dem Gabelstapler. Und so zieht meine Wut immer weitere Kreise und verursacht immer mehr Leid.

In diesem Beispiel merkt man, wie auch Angst eine Rolle spielt in diesen Mechanismen: Angst kann verunsichern und so auch zu zweifelhaften Taten führen. Angst, den Beruf zu verlieren, Angst, schlecht dazustehen vor dem Chef, vor dem Partner, vor den Kindern. Angst vor Fremdem, Angst vor Kriminalität, Angst vor Veränderung. Angst vor dem Tod. Angst kann dazu führen, dass man unbesonnen und extrem reagiert, ob die Angst begründet ist oder nicht. So fürchten sich offenbar viele Menschen vor den Flüchtlingen und setzen ihre Hoffnung deshalb auf Populisten. Einige wenige greifen sogar zur Gewalt gegen Flüchtlinge. Andere Menschen haben so viel Angst vor rechten Gewalttätern, dass sie selbst zur Gewalt gegen alle greifen, die sie für rechts halten. Damit die Gewalt der anderen nicht überhand nimmt, setzen sie ihre eigene Gewalt dagegen.

Es ist wie Friedrich Schiller im Wallenstein beschreibt: Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären. Und irgendwann kommt man so zu Krieg und Terror.

Die böse Tat oder das böse Wort pflanzt sich fort, zieht immer mehr Menschen in Mitleidenschaft auf seinem Weg. So läuft das seit Jahrtausenden und es ist angesichts dessen ein Wunder, dass es nicht noch schlimmer zugeht auf der Welt, dass es nicht noch finsterer ist.

Mit Finsternis kann man keine Finsternis austreiben, liebe Gemeinde, Finsternis kann immer nur Finsternis hervorbringen.

Und in dieser ganzen Finsternis, die uns umgibt, hören wir jetzt in Bibelversen, Gebeten und Liedern davon, dass ein König kommen soll. Wir sind im Advent, was wie Pfarrer Funke sicher schon mehrfach erklärt hat Ankunft bedeutet und sich auf die Ankunft Jesu Christi auf der Erde bezieht. Ein süßes kleines Kind in Bethelhem im Stall, ganz idyllisch zwischen Ochs und Esel.

Darüber vergessen wir leicht, dass ein König jemand mit außerordentlicher Macht war, der seine Macht auch durchzusetzen wusste. Also ziemlich das Gegenteil von einem süßen kleinen Kind in beschaulicher Postkartenidylle.

Die Postkartenidylle täuscht daher ein wenig darüber hinweg, wer dieser Jesus ist: Ein mächtiger König, der direkt vom Himmel kommt, der unglaubliche Macht hat und auch eine klare Vorstellung davon, was Recht ist und was Unrecht. Auf die Ankunft dieses Königs bereiten wir uns im Advent vor. Was haben wir da zu erwarten, bei dem ganzen Leid, das unsere Taten nach sich ziehen?

Sind wir doch einmal ehrlich: Würden wir, wenn wir als Könige in so ein Chaos kämen, nicht unsere ganze Macht daran setzen, diese Taten zu unterbinden? Würden wir nicht zu Zwang und vielleicht sogar Gewalt greifen, um die Fortpflanzung der bösen Taten zu begrenzen? So wie die Polizei im Zweifel Gewalt anwendet, wenn sie Recht und Ordnung durchsetzt?So wie die Mächtigen dieser Welt immer wieder zum Mittel des Krieges greifen, nicht nur um die eigenen Interessen durchzusetzen, sondern auch um Völkermorde zu beenden und Sicherheit für Minderheiten und Unterdrückte zu gewährleisten?

Liebe Gemeinde, mit Finsternis kann man keine Finsternis austreiben. Wie Finsternis immer nur Finsternis gebirt, wie böse Taten immer nur böse Taten gebären, so gebirt auch Gewalt immer nur Gewalt, Hass immer nur Hass, Angst immer nur Angst.

Wie durchbricht man die Gewalt-, Hass- und Angstspiralen? Wie besiegt man die Finsternis? Nicht mit mehr Angst, Hass und Gewalt, nicht mit mehr Finsternis, sondern mit Licht, mit dem Gegenteil von Angst, Hass und Gewalt: Mit Liebe und Vertrauen.

Counterspeech zu betreiben, das habe ich bei meinen Versuchen erfahren, erfordert viel Kraft. Nämlich Kraft, die Beleidigungen, die einem an den Kopf geworfen werden, wegzustecken und bei der Antwort an der Liebe festzuhalten, und nicht die Spirale weiterzudrehen. So nimmt man dem Gegner irgendwann den Wind aus den Segeln und kommt vielleicht an den Punkt, wo man ganz offen miteinander ins Gespräch kommt und sich wirklich etwas ändert.

Überhaupt, wenn man es schafft, die Hass und die Gewalt, die man selbst erfährt, nicht weiterzugeben, unterbricht man die Fortzeugung der bösen Taten und Worte. Auch wenn es viel Kraft kostet: Die Welt wird ein wenig heller.

So hat auch Jesus angefangen, die Welt heller zu machen. Er hat alles auf sich genommen, die Gewalt nicht weitergegeben, selbst als es um sein Leben ging.

Die Kraft dazu schöpfte er aus seinem Gottvertrauen. Sein Glaube war stark genug darauf zu vertrauen, dass Gott ihn letztendlich nicht fallen lassen wird,dass alle seineAnstrengung und alles Leid, das er erfahren muss, nicht umsonst gewesen seinwird. Weil er die Gewalt, die er erfuhr, nicht weitergeben musste, war er der letzte, der die Spirale durchbrach. Diese Gewalt, dieser Hass zog keine Kreise mehr.

So besiegte er die Finsternis. Mit dem Licht der Liebe und der Kraft des Glaubens. Und nun bereiten wir uns darauf vor das Fest der Ankunft dieses Königs zu feiern. Der Advent ist die Zeit der Vorbereitung, der Selbstprüfung.

Habe ich diesen Glauben? Kann ich darauf vertrauen, dass Gott mir beisteht und ich nicht fallen lassen wird? Habe ich die Kraft, die Werke der Finsternis abzulegen und nicht weiter an den Hass- und Gewaltspiralen zu drehen?

Was hindert es dann, mich dem König in seinem Kampf gegen die Finsternis anzuschließen?

Auch wenn ich nicht jede Schlacht gewinnen kann, weil ich ein Mensch bin und immer wieder Zweifel habe, so trage ich doch mit jedem Sieg dazu bei, die Welt ein wenig heller zu machen und das Reich des Königs aufzurichten, indem ich die Waffen des Lichts aufnehme und wie Paulus im Predigttext schreibt das Gesetz erfülle und Liebe übe?

Das Wort zum Tag

Dienstag, den 15. September 2015

Abram zog aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte.

1. Mose, 12,4

Abram zog aus, um in ein fernes Land zu ziehen, wo seine Nachkommen leben sollten, ein Land, das ihm zum Erbe gegeben werden sollte. Und wir wissen, wie die Geschchte weiterging: Es kam so: Abram wurde Vater großer Völker dem Fleische nach, und von noch mehr Menschen dem Geiste nach.

Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.

Hebr 11,8

Er wußte nicht, was gescheen würde, er ging einfach drauf los, alles was er hatte, war sein Glaube, war die Hoffnung, daß Gott ihn nicht hängen läßt.

Abram war nicht arm. Wir erfahren zum Beispiel, daß er Knechte hatte, daß er Herden hatte, die er von Lots seines Neffen Herden trennte. Er war ein reicher Mann aus dem heutigen Irak, der über das heutige Syrien in das heutige Israel zog und zeitweise bis nach Ägypten und Libanon kam.

Auch heute sind viele Menschen auf dem Weg. Viele stammen aus der Gegend, aus der auch Arbam stammte: Irak und Syrien. Manche kommen auch aus ganz anderen Gegenden. Und vielen wird zum Vorwurf gemacht, daß sie gar nicht arm seien, weil sie sich Zugtickets, Schlepper und Handys leisten können. Aber sie alle haben wie Abram keine Sicherheit, dort anzukommen, wo sie hinwollen. Sie haben nur ihre Hoffnung, ihr Vertrauen, vielleicht auf Gott, daß alles irgendwie gutgehen wird. Daß sie nicht umkommen auf dem Weg übers Meer oder in den Fahrzeugen der Schlepper.

Abram und seine Nachfahren nahmen schließlich das Land ein, die Urbevölkerung wurde nach dem Bericht der Bibel vertrieben oder ermordet, nachdem die Familie bzw. das spätere Volk Israel eine weitere Migrationsbewegung nach Ägypten und von dort zurück vollzogen hatte. Viele Menschen hierzulande haben Angst, daß uns das gleiche Schicksal bevorsteht, wie auch der Urbevölkerung Kanaans, daß wir oder zumindest unsere Kultur umkommen werden.

Doch eins sollte man dabei bedenken: Nach dem Bericht der Bibel fanden die Kanaanäer ihr Ende, weil sie gottlos waren. Heute würde man vielleicht unmenschlich sagen.

In Am 9,7 wird klar, Gott gab auch anderen Völkern neue Länder:

Seid ihr Israeliten mir nicht gleichwie die Mohren?, spricht der HERR. Habe ich nicht Israel aus Ägyptenland geführt und die Philister aus Kaftor und die Aramäer aus Kir?

Er bevorzugt die Israeliten auch nicht sonderlich, auch anderen hat Er in der Hinsicht geholfen. Und ich glaube, Er bevorzugt auch uns nicht. Wenn wir es als Gesellschaft nicht schaffen, die Nächstenliebe zu leben, die Er uns aufgetregen hat, wieso sollte unsere Gesellschaft, unsere Kultur dann überleben? Welche Daseinsberechtigung hat ein unbarmherziges Volk?

Menschen sind unterwegs zu uns, und wir müssen damit umgehen. Wenn Gott sie schickt, werden wir sie nicht stoppen können, wenn sie sich nur auf ihre menschlichen Kräfte verlassen, droht uns keine Gefahr.

„Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht“ übersetzt Luther in Jes 7,9, wo das Ende des Nordreiches prophezeit wird, weil sie sich abwenden und in den Krieg gegen das Südreich ziehen. Sie glaubten nicht und sie blieben nicht, sondern wurden von Assyrien erobert und ins Exil geführt.

Also laßt uns im Glauben bleiben, indem wir Nächstenliebe praktizieren, gerade auch gegenüber den Fremden, die bei uns Schutz suchen.

Denen fällt übrigens durchaus auf, daß die Deutschen helfen wollen, während die richen Araber am Golf ihnen die Tür vor der Nase zuschlagen. „Überwindet das Böse mit Gutem“, sagte Christus, und das ist es, was passiert. Wenn jemand, der sonst Allahu akbar ruft merkt, daß er bei seinen Glaubensbrüdern nur Verfolgung (ISIS) oder Ablehnung (Golfstaaten) zu erwarten hat, während die verhaßten Christen ihm mit Liebe begegnen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, daß er irgendwann „Halleluja“ singt.

Aber ob er nun konvertiert oder nicht, unser Auftrag bleibt der gleiche: Nächstenliebe, ohne Hintergedanken, ohne ungefragte Missionsversuche!

Netzfunde

Netzfunde

Gestern war letzter Urlaubstag und ich hab nochmal die religiösen Blogs, die ich so lese, zum Thema Flüchtlinge durchsucht. Mir ist dabei sicher der eine oder andere durchgeschlüpft, aber ich fand es schon interessant, daß ich die meisten Artikel bei einem einzigen Blogger gefunden hab, nämlich bei Volker Schnitzler.

Er geht darauf ein, welchen Stellenwert die Flüchtlinge in der katholischen Blogoezese so haben und wie viel ausführlicher blonde Bikinischönheiten diskutiert werden.

Da scheint die Blogoezese kein gutes Bild abzugeben, aber wenn ich mir die christliche Bloggercommunity durchsehe, dann sind dort, mit Ausnahme der hier erschienenen Artikel, nur diese zwei zum Flüchtlingsthema in den letzten Tagen erschienen (liebe Mitblogger, da können wir doch mehr!):

Viktor nimmt Ps 12, 2 zum Anlaß, darüber nachzudenken, ob die Flüchtlinge immer nur als Problem oder Herausforderung gesehen werden müssen, oder ob wir sie nicht auch als Prüfung verstehen können.

Daniela schreibt im zweiten Artikel, daß Angst vorm Islam oder einer Islamisierung unbiblisch ist und, ja, sie hat Recht. Die Kirche (= Gemeinschaft der Heiligen) wird nicht überwunden werden, wenn Gott für uns ist, wer kann gegen uns sein. Wer Angst vorm Islam hat, kann sich schlecht zum christlichen Abendland zählen.

Was mich wieder zu Volker und seinem nächsten Artikel führt: Er zitiert Bischof Oster, und da der Text so wunderbar klar und eindeutig und richtig ist, den der Bischof da auf seine Facebook Seite geschrieben hat, zitier ich den gleich nochmal:

Im Blick auf Berichte über Gewalt gegen Flüchtlinge möchte ich sehr deutlich in Erinnerung rufen: Unser Glaube lässt keinerlei Möglichkeit, Fremdenfeindlichkeit auch nur irgendwie zu rechtfertigen! Schon gar nicht gegen Menschen in Not. Es gibt auch keinerlei Möglichkeit einer Allianz von christlichem Glauben und ausgrenzendem Nationalismus. Man darf sein Land lieben, selbstverständlich. Aber man darf aus seinem Land nicht fremde Menschen in Not vertreiben wollen und sich dabei womöglich noch auf die Erhaltung des „christlichen Abendlandes“ berufen. Das ist ein Widerspruch in sich!

Klar, deutlich, richtig und wahre Lehre. Hier wird deutlich, daß alle Christen ganz nah beieinander sind, auch wenn wir in eher nebensächlichen Fragen von Amt und Sexualethik verschiedener Meinung sind! Die Höchste ist die Liebe!

Und dann hat Volker, das paßt jetzt nicht ganz zur Flüchtlingsthematik, ganz gut zusammengefaßt, wie das Böse funktioniert. Könnte man hier von Satans Masterplan sprechen? Ich sehe diese Wirkweise auch überall. Und sie ist es, die wir bekämpfen müssen, wenn wir für das Gute eintreten.

Wolfgang hat, ja was ist das, ein Gedicht? Jedenfalls hat er es geschrieben, und er hat irgendwo Recht. Mit Nazis abgeben bringt (meist?) nichts. Allerdings, irgendwie muß man wohl reagieren. In seinem Update beschreibt er, wie das in seiner Nachbarschaft passiert, wo plötzlich Menschen ganz verschiedener politischer Richtungen an einem Strang ziehen.

Da kann Satan masterplanen, wie er will. Gott ist stärker, und muß am Ende der Sieger bleiben, wie Luther schon schrieb:

das Feld muß Er behalten / das Reich muß uns doch bleiben.

Und dann ist da noch der Artikel von Ralpe, bzw, er hat es rebloggt und noch zwei Links hinzugefügt. Es geht um Gottesdienste mit Flüchtlingen.

Theologie

Gleichheit und Unterdrückung

lenin-unterdrückungWeder kann existieren, noch existiert, noch wird jemals existieren eine „Gleichheit“ zwischen Unterdrückern und Unterdrückten, zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten.

Dieses Bild und dieser Satz, alles schön in rot gehalten. Ein Kampfspruch der politischen Linken, die mit solchen Aussagen ihren Kampf für eine bessere Welt legitimiert. Eine Welt, in der diese Gleichheit Wirklichkeit wird, in der es eben keine Unterdrückung und keine Ausbeutung mehr geben soll.

Wenn man das Bild von Lenin sieht und weiß, was aus der Sowjetunion geworden ist, wie eben auch dort keine Gleichheit erreicht wurde, wie eben auch dort Unterdrückung und Ausbeutung vorkam, vielleicht sogar mehr als im Westen, dann widerlegt das nicht den Satz, der da im Bild steht, nein, es bstätigt ihn nur für den Bereich des Sozialismus/Kommunismus.

Ich denke, der Satz ist korrekt, wie er so da steht. Und ich würde noch einen drauf setzen:

Ausbeutung und Unterdrückung werden wir nicht abschaffen können.

Befreien kann uns kein Lenin, kein Kaiser noch Tribun, oder wie die Bibel es ausdrückt: „alle haben gesündigt“ (Röm 3,23), „denn das Sinnen des menschlichen Herzens ist böse von seiner Jugend an“ (1. Mose 8, 21).

Die Situation ist verfahren, darauf kann man sich vielleicht auch einigen, wenn man nicht an die Ursünde („Erbsünde“ ist ne schlechte Übersetzung für Augustins „peccatum originale originans„) glaubt, die auf diesen und anderen Bibelstellen beruht.

Alle Versuche, an der Unterdrückung und der Ausbeutung etwas zu ändern müssen scheitern, weil der Mensch einfach so ist, daß er auf seinen Vorteil bedacht ist. Das gilt für mich, Dich und alle anderen.

Man will das nicht so gerne wahr haben, denn eigentlich erlebt man sich ja nicht als so schlecht. Meistens sind es ja die anderen: Die Banker, die Kapitalisten, die Nazis, die Radikalen, die Gutmenschen, die Mörder, die Reichen, die Ossis, die Wessis, die Türken…

Kurz: Die sind schuld, nicht ich, nicht wir (diese Sicht der Dinge begegnet einem außer im Bereich der großen Gesellschaftlichen Probleme auch im Kindergarten, nur geht es da um anderes).

Ja gut, mag manch einer sagen, mal nen Vorteil mitgenommen, wo es keine Opfer gibt, das ist ja nicht so schlimm. Die Kirche mit ihrem Moralismus übertreibt es da ja auch immer! Diese Denke spielgelt sich auch in den „Zehn Angeboten“ der Neoatheisten wieder, deren Nr. 4 lautet:

Du sollst nicht lügen, betrügen, stehlen, töten – es sei denn, es gibt im Notfall keine anderen Möglichkeiten, die Ideale der Humanität durchzusetzen!

Durchsetzung der Ideale der Humanität durch Lüge, Betrug, Stehlen und Mord! Und in Nr. 5 ist dann die Rede davon, daß man nicht moralisieren soll und der homo sapiens gut wäre und keine „Bestie“.

Ich halte die christliche Anschauung vom Menschen als Sünder da für realistischer. So läßt sich erklären, woher Unterdrückung und Ausbeutung kommt. Mit dem anderen Denken, das wohl sowohl von Lenin als auch von den Neoatheisten geteilt wird, ist der Mensch aber an sich gut und leidet unter wenigen Individuen, die aus welchem Grund auch immer böse sind und zumindest bei Lenin mit Gewalt entmachtet werden müssen, damit alles besser wird (wobei die Neoatheisten ja im Zweifel auch mit Mord die „Ideale des Humanismus“ durchsetzen wollen).

Daß die Gewalt an sich und die Bereitschaft, zur Durchsetzung der eigenen Überzeugung (etwa der Durchsetzung der Ziele des Humanismus) mit Gewalt auch schon ein Problem ist, auch schon mit Unterdrückung zu tun hat, das wird dabei übersehen.

So wie immer übersehen wird, daß die eigenen Mittel im Zweifel genau so schlimm sind wie die der Unterdrücker, die man beseitigen möchte. So löst eine Gewalt die andere ab. Mal wird sie mit Gewehren ausgeübt, mal mit Kapital und Wirtschaft, mal sind die Gewinner des Systems eine bestimmte „Ethnie“, manchmal ist es eine bestimmte „Klasse“. Was aber immer bleibt ist:

Wir gegen die, die sind Unterdrücker, wir sind Befreier.

Die gegnersiche Seite versteht sich selbst dann als Verteidigerin der Freiheit, während sie die selbst ernannten Befreier als Terroristen tituliert. Wie gesagt, es ist wie im Kindergarten: Ich hab recht und die anderen haben Unrecht und deshalb hau ich die jetzt.

So ist dem Grundübel, der Unterdrückung und der Ausbeutung nicht beizukommen! Wie ich eingangs schrieb: Unterdrückung und Ausbeutung sind nicht zu ändern. Das gibt es, weil der Mensch so ist. Nicht nur besondere, böse Menschen, sondern wir alle, Dich und mich eingenommen.

Die meisten Lösungsansätze bestehen darin, ungeachtet der Propaganda, daß die eigene Gruppierung sich eben gegen die anderen, notfalls mit Gewalt, durchsetzen muß, damit alles besser wird. Wird es auch: Für diejenigen, die hier ihre eigenen Herrschaft durchsetzen.

Wieso schreibe cih dann aber so lange davon? Auf was will ich hinaus?

Nun, es gibt einen Weg des Umgangs, der jedoch von den meisten Menschen nicht als solcher angesehen wird, ja vielleicht sogar belacht wird. Und das ist der Weg des (christlichen) Glaubens. Jesus spricht zu denjengen, die Ihm nachfolgen wollen:

Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.(Mt 16, 24; Mk 8, 34; Lk 9,23)

Ich meine tatsächlich, die Lösung liegt in der Selbstverleugnung. Wenn ich mich als unterdrückt erkenne, dann kann ich mich bedauern, oder ich kann mich selbst verleugnen und meinen Drang, immer nur mein Bestes zu suchen, und kann die Situation annehmen.

Die erste Option führt dazu, daß ich im Zweifel enorme Energie aufbringe, den Zustand der Unterdrückung zu bekämpfen. Dieser Kampf kann mich gefangen nehmen, indem ich meine Freiheit über alles setze, ordne ich dem Kampf alles unter, ud es kommt in immer mehr Feldern zur Alternativlosigkeit: Wenn ich in dem Kampf vorwärts kommen will, muß ich dies oder jenes tun und kann auf anderes keine (oder kaum) Rücksicht nehmen. Ich bin Gefangener meines Freiheitskampfes und all mein Tun ist festgelegt. Ich bin vielleicht nicht mehr von äußeren Umständen unterdrückt, dafür nehmen mich innere Umstände, nämlich der Kampf um die Freiehti, gefangen. Ich unterdrücke mich quasi selbst, habe nichts von meiner Freiheit.

Im zweiten Fall würde ich den Freiheitskampf nicht antreten, was schmerzhaft ist. Ich würde vielleicht sogar zusehen, daß ich mich möglichst gut ausbeuten lasse, daß ich ein guter Sklave des Systems bin. Das bedeutet extreme Selbstverleugnung und nach dem eigenen Vorteil braucht man dabei nicht lange suchen. Der ist hin.Wenn man es aber schafft, die Kraft dazu aufzubringen, daß man sich selbst derart zurücknimmt, gewinnt man damit auch eine gewisse innere Freiheit, die für den Freiheitskämpfer unerreichbar ist. Man hat nichts zu verlieren, man gibt, was man hat demjenigen, der einen unterdrückt. Aber alles, was der Unterdrücker von einem nicht will, hat man für sich und kann damit tun, was man will, ohne sich überlegen zu müssen, inwieweit man damit den eigenen Freiheitskampf gefährdet. Das ist eine sicherlich kleine Freiheit, aber eine größere, als sie der in der Alternativlosigkeit gefangene Freiheitskämpfer hat.

Ich glaube, der Weg ist nur im Glauben wirklich zu gehen, weil einem sonst die Kraft dazu fehlt. Aber ich glaube auch, daß dieser Weg tatsächlich etwas verändern kann, im Gegensatz zu all den Revolutionen, die sonst als Rettung angesehen werden, die aber meist nur viele Tote und Zerstörung und eine neue (und nicht zwingend bessere) Regierung bringen.

Dieser Weg ist im besten Sinne unmenschlich, insofern der menschliche Weg der der Gewalt ist. Dieser Weg kann auch ansteckend sein, indem er die Unterdrücker, die ja selbst in den Alternativlosigkeiten dieser Welt gefangen sind, zum Umdenken bringt. Indem sie Menschen erleben, die sich offen ihnen gegenüber verhalten und nicht nur ihre Position gefährden, können auch sie offener werden und gewinnen Alternativen im handeln dazu. Sie werden so auch ein wenig freier.

Meiner Meinung nach sollten Revolutionen nur so, und nicht mit Gewehren verlaufen. Dieses Ideal steht auch hinter dem Kampf der Bürgerrechtsbewegung in den USA um die Aufhebung der Rassentrennung. Man hat sich lieber von der Polizei mißhandeln lassen, als selbst zur Gewalt zu greifen. Leute wie Malcolm X haben das wie ich oben schrieb belächelt und verurteilt. Nach menschlichem Denken verständlich: Wie sollte man im Freiheitskampf gewinnen, wenn man sich in die Unfreiheit begibt, nicht zurückschlägt, wie früher die Sklaven?

Trotzdem war die Bürgerrechtsbewegung erfolgreich, auch wenn icht alles durchgesetzt wurde. Die USA haben einen schwarzen Präsidenten, schon in der zweiten Amtsperiode, während die Bewaffnung und die Gewalt, die vonLeuten wie Malcolm X propagiert wurde, wohl mit ein Grund dafür ist, daß weiße Cops meinen, sie könnten einfach so schwrze Jugendliche niederschießen, weil die hätten ja schließlich alle Waffen und seien gefährlich…

Eine Sache noch:

Ich bitte zu beachten, daß ich hier nur von der eigenen Person aus argumntiert habe, nur die eigene Unterdrückung betrachtet habe, nicht die Unterdrückung anderer. Ich finde dies wichtig, weil ich eben für mich am ehesten sprechen kann, weniger für eine Gruppe, ein Millieu, dem ich vielleicht nicht einmal angehöre. Lenin wollte die Arbeiter befreien und war selbst keiner, die RAF wollte die deutschen Arbeiter befreien, die großteils BILD lasen und nicht viel von der RAF hielten. Und hätte Guevara in Bolivien mehr Unterstützung von den dortigen Bauern, die er befreien wollte, gehabt, wäre er vielleicht nicht gefangen und erschossen worden.

Man könnte nun meinen, ich spreche mich hier dafür aus, daß die Unterdrückten eben unterdrückt sein und dabei glücklich sein sollen, da ich als Angehöriger einer priviligierten Schicht mich dafür ausgesprochen habe, das Kreuz auf sich zu nehmen und zu dienen um so eine innere Freiheit zu erlangen, die schließlich auch andere befreit.

Dem ist nicht so! Was ich ausdrücken wollte ist, daß keine gewaltsame Befreiung weder der eigenen Person noch anderer etwas am grundsätzlichen Problem ändern wird, man tausht höchstens die Rollen. Das bedeutet jedoch nicht, daß man angesichts der Unterdrückung anderer nichts machen solle. Wo man kann sollte man auf eine Veränderung hinwirken, indem man die Dinge beim Namen nennt und zusieht, daß man sich selbst nicht – vielelicht aus Alternativlosigkeit – in solche Unterdrückungsmechanismen verstrickt (und wir sind alle darin verstrickt!). Kurz: Wenn Du jemanden siehst, der Hilfe braucht, dann hilf ihm, hilf ihm nachhaltig, aber versuche nicht, ihm zu helfen, indem Du mit Gewalt etwas am System ändern willst. Denn das System änderst Du nicht mit Gewalt, da es selbst auf Gewalt baut. Mit Gewalt stützt Du das System nur, Du tauschst höchstens ein paar Rollen aus un der Hilfsbedürftige von heute wird zum Unterdrücker von morgen.

Fazit

Gleichheit läßt sich nur über den Weg des freiwilligen Dienstes erreichen. Denn wenn ich freiwillig das tue, was mein Unterdrücker verlangt, dann begebe ich mit damit mit ihm auf Augenhöhe. Damit unterlaufe ich die Unterdrückung, denn wo ich freiwillig arbeite, werde ich weder unterdrückt noch ausgebeutet. So komme ch auf Augenhöhe mit denen, die mich unterdrücken.

Darüber hinus kann ich alle mir zur Verfügung stehenden Kräfte nutzen, um anderen Unterdrückten das Leben so leicht wie möglich zu machen, wobei Gewalt keine Optionist, weil sie das System stärkt und nicht schwächt.

Glaube

Entkehrung

Da lese ich mich so durch die Blogs, die ich abonniert habe, und bleibe beim „Der Sieger Blog“ hängen. Da geht es um „Entkehrung“. „Entkehrung“ meint hier das Gegenteil von Bekehrung, also sozusagen der Abfall vom Glauben. Dazu hat er auch ein Interview verlinkt, das wie ich meine unbedingt lesenswert ist.

Darin berichtet Tobias Faix von seinen Untersuchungen auf dem Gebiet der Entkehrungen, zu dem er auch ein Buch geschrieben hat (näheres dazu im Interview). Faix benennt bestimmte Gemeindestrukturen als möglichen Grund für Entkehrungen:

Wir haben festgestellt, dass es in Gemeinden Strukturen gibt, die Dekonversionen fördern.

Weiter führt er aus:

Man muss gemeinsam überlegen und darüber reden: Wie verstehen wir einzelne Aussagen der Bibel? Warum verstehe ich sie so? Was ist unverständlich? Es ist wichtig, dass es dafür Kommunikationsräume gibt. Wir sollten die Angst davor ablegen, dass der ganze Glaube einer Person zusammenfällt, wenn sie einen bestimmten Aspekt nicht glaubt. So etwas macht es schwierig, auch Zweifel zuzulassen und auszusprechen.

Beim „Sieger Blog“ schwebt dem Autor Viktor eine bestimmte Lösungsrichtung vor: Die Alten in den Gemeinden sollen sich nicht über die Formen beschweren, die den Jungen eher zusagen:

ich habe auch beobachtet wie die jungen Leute, wenn sie heranwachsen, die Gemeinde verlassen und vollkommen andere Wege einschlagen. Die ältere Geschwister sagen dann: “Wir beten dafür, dass Gott sie zurück holt.” Aber sie tun meistens nichts dafür. Im Gegenteil, sie meckern wenn die Musik im Gottesdienst zu laut ist oder das Programm nicht stimmt… Die Liste könnte man fortsetzen.

Außerdem spricht er davon, daß Mentoren benötigt werden

die sie ermutigen, mutig ihren Glauben im Alltag auszuleben und sich mehr mit dem Wort Gottes zu beschäftigen […] und ihnen nicht ihre Ideologie, Theologie oder ähnliche …logien aufzwingen.

Ich denke nicht, daß ein Programm in einer Gemeinde dazu führen, kann, den Glauben ganz aufzugeben. Man ärgert sich vielleicht über den Gottesdienst, über die Form, die einem nicht entspricht, aber das ist ein Konflikt mit Menschen, nicht mit Gott. Daher kann er meiner Meinung nach vielleicht zur Trennung von Menschen führen, man geht vielleicht in eine andere Gemeinde, die einem mehr entspricht, aber deshalb trennt man sich nicht von Gott. Und ein Gemeindewechsel ist keine Entkehrung, es sei denn, man hängt dem Glauben an, daß nur die eigene Gemeinde die Wahrheit erkannt hat.

Das ist übrigens auch ein interessanter Punkt bei dem Interview: Es wird nie gesagt, was genau mit Entkehrung gemeint ist. Was ist mit den Entkehrten? Sind sie jetzt Atheisten? Sind sie Agnostiker? Suchen sie eine neue Gemeinde?

Irgendwie bekomme ich vom Interview und noch mehr bei Viktor den Eindruck, daß es hier nicht um Menschen gibt, die zu einem eigenen festen Glauben an Gott gekommen sind, sondern um Menschen, die vielleicht Gott suchten, in eine Gemeinde kamen, die vielleicht ein oder zwei interessante Dinge über diesen Gott zu sagen hatte, aber deren Gott dann am Ende doch enttäuscht hat. Es ist immer gefährlich, solche Behauptungen aufzustellen, letztlich weiß ich es nicht und kein Mensch kann in eines anderen Menschen Herz sehen. Trotzdem möchte ich auf diese Möglichkeit hinweisen, denn es scheint mir viel dafür zu sprechen.

Wie gesagt wundert es mich, dass vor allem äußerliche Gründe genannt werden: Bei Viktor die Formen des Gottesdienstes und bei Faix, schon etwas tiefer gehend, die Akzeptanz eigener, abweichender Glaubensüberzeugungen. Aber auch bei Faix frage ich mich: Was, wenn eine Gemeinde mit den abweichenden Meinungen ein Problem hat und Druck ausübt. Gibt man deshalb den Glauben auf, oder ist es nicht auch eine Möglichkeit, eine Gemeinde zu suchen, die dem eigenen Glauben eher entspricht? Ist es nicht so, daß nur wenn man die Frömmigkeit der Gemeinde für die einzig gültige hält ein Bruch mit der Gemeinde auch ein Bruch mit Gott bedeutet? Ansonsten verläßt man die Gemeinde und bleibt Gott treu.

Und das wäre, falls ich richtig liege, auch ein Kritikpunkt in solchen Gemeinden: Da wird vielleicht nicht nur Gott verkündet, sondern die eigene Kultur, der eigene Zeitgeist. Und da hat Viktor dann auch Recht, wenn er nach Mentoren verlangt, die nicht die eigenen Ideologien verbreiten.

In den letzten Tagen kam ich über einen Artikel bei Lana Hope zu nem Artikel bei Laura Parker, in dem es um Mission und Kinder geht. Beide schreiben auf Englisch, also sind die Artikel womöglich nicht für alle lesbar. Es geht grob darum, wie Missionare in Südostasien (wo beide als Missionarinnen arbeiteten bzw. arbeiten) Essen und Schulunterricht als Gegenleistung für Predigthören etc anbieten. Vor allem die Kommentare bei Laura, wo ich ein wenig mitdiskutiert habe, brachten mir ein wenig mehr Einsicht.

Es war da zum Beispiel die Rede von Jugendprogrammen (diesmal in Amerika), die kurzfristige Erfolge brachten, aber auf lange Sicht kaum jemanden zum Glauben bringen konnten. Vor längerem, ich glaube auch bei Lana, laß ich von Gemeinden, wieder in Südostasien, die sprühten vor Aktivität, jede Menge neuer Gläubiger und alles, bis die Missionare gingen. Dann waren die Kirchen verlassen und die Gemeinden hörten auf, zu existieren.

Während der Diskussion bei Laura ging es mir erst darum zu sagen, daß man das Evangelium nicht verkaufen kann, also Brot für Evangelium hören wird kaum Gläubige machen. Dann kam auf einmal die Frage auf, ab wann man den Kindern denn von Jesus erzählen kann, die nach Brot fragen. Und in mir wuchs die Sicherheit, daß das der falsche Ansatz ist. Die Kinder werden von Jesus erfahren. Man kann ihnen auf Fragen antworten, aber eben keine vorgefertigten Vorlesungen zu Kreuz und Auferstehung, sondern eine einfache Antwort auf eine einfache Frage. Und in der Zwischenzeit, bis alle Fragen gestellt sind, hält man sich an das Liebesgebot: Die Hungrigen ernähren, die Nackten kleiden, solche Dinge.

Ansonsten wird man wahrscheinlich eher Konformität erzeugen, als echten, tiefgehenden Glauben. Die Menschen, egal ob Kinder in Südostasien oder Erwachsene hier, werden vielleicht so lange nach den Regeln der Gruppe handeln, wie sie davon Vorteile für sich erhoffen. Aber eben nicht, weil sie es als Wahrheit erkannt haben. Und sobald die Vorteile weg sind, werden sie auch aufhören mit der Konformität.

Konformität ist aber kein Glaube, sie ist oberflächlich, sieht wie Glaube aus. Vielleicht spricht man dann von „Entkehrung“, wenn ein Mensch der Gemeinde den Rücken kehrt. Weil er in dem Fall tatsächlich auch Gott den Rücken kehrt, jedenfalls dem Gott, der in der Gemeinde vermittelt wurde: Der, der Konformität.

Das bedeutet auch nicht, daß die in der Gemeinde tätigen Geschwister keinen echten Glauben hätten oder nicht ganz bei der Sache wären. Sie sind vielleicht zu sehr bei der Sache und vergessen, daß sie keinen Glauben erzeugen können, denn Glaube ist eine Gnade Gottes, die nur Gott gibt.

Was sie aber tun können, was wir alle tun können in den Gemeinden, ist Liebe üben. Nicht, um damit irgendwelche Taufzahlen zu erreichen, sondern weil die Liebe der Wahrheit entspricht, die Gott uns offenbart hat. Das geht dann in Richtung der Mentoren, die Viktor fordert, und es geht in Richtung des mündigen Glaubens, den Faix anmahnt. Und es macht ernst mit der Erkenntnis, daß alles in Gottes Hand liegt und wir keinen Menschen zum Glauben bringen können, sondern nur das, was unser Herr uns aufgetragen hat: Zu lieben. Die Geschwister, den Nächsten und auch den Feind.

Netzfunde

Netzfunde, 8. Dezember 2013

Wahlen gibt es erst mal keine, der Ausgang der letzten ist ja immer noch nicht ganz klar, aber ähnlich wie der Wahl-o-mat gibt es jetzt einen Cred-o-mat, und zwar beim Bayrischen Rundfunk aufm woran-glauben Blog. Allerdings ist das kein Tool zur Auswahlhilfe eines Glaubens, sondern dient eher der Vergegenwärtigung dessen, was man glaubt. Es gibt ja keinen Menschen, der gar nicht glauben würde, auch wenn es immer wieder Leute gibt, die meinen, sie könnten ihre Kinder „neutral“ aufziehen, damit die sich dann später „frei entscheiden“ könnten.

Heute hab ichs im Evangelischen Kirchenboten (Druckerzeugnis, daher kein Link diesmal) gelesen und fand es recht krass, wenn auch erfrischen. Michael Diener, der Präses des Gnaudauer Gemeinschaftsverbandes und ehrenamtlicher Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz hat dem pro Medienmagazin ein Interview gegeben. Das Interview hab ich nicht gelesen, das ist hinter einer Paywall, aber was ich in der Berichtserstattung darüber gelesen habe bzw was man bei youtube zu sehen bekommt… er hat sehr deutliche Worte gefunden. So warf er den Evangelikalen vor, eine Sündenhierarchie aufgebaut zu haben, bei der Fragen der Sexualität wichtiger seien als die Frage etwa nach den Flüchtlingen und ihrer Not. Das Interview gibt es in Ausschnitten bei youtube.
Ich bin selbst kein Evangelikaler, aber da sehe ich einen, der nach meinem Empfinden wichtige Probleme anspricht, die ich mit der evangelikalen Bewegung habe.

Eine andere Sache, die vor allem Evangelikalen, so mein Empfinden, wichtig ist, ist die Satisfaktionstheorie. Also die Theorie, daß Gott-Vater Seinen Sohn totschlagen mußte, um den Menschen ihre Sünden vergeben zu können, weil Er sonst Seine Ehre zu verletzt wäre, als daß Er vergeben könnte. Wer hier öfter liest weiß, daß ich damit auch meine Probleme hab. Ist halt ne recht späte Erfindung aus dem Hochmittelalter (genau: Thomas von Aquin). Peter hat sich dazu nun auch zu Wort gemeldet. Ich neige ja der von Aulen vorgeschlagenen Christus Victor Theorie zu, und letztens hab ich etwas über Abaelard gelesen das hörte sich auch ganz vernünftig an.Früher hoffte ich mal, Im Studium die Zeit zu finden, solche Fragen für mich zu klären. Es kam nicht dazu und wird es auch nicht mehr. Vielleicht später mal…

In Amerika gibt es ja so nen Slogan: Put the „Christ“ back in Christmas“, zu deutsch in etwa: Bringt Christus wieder ins Christfest. Es geht dabei wohl vor allem um „Probleme“ wie die Schreibweise Xmas, die wohl als säkular verstanden wird, wobei es sich bei dem X durchaus um ein Rho handeln könnte, also den Anfangsbuchstaben des Griechischen Christos, was dem deutschen CH entspricht, naja…
und dann gibt es ja auch das Problem mit „Happy Holidays“ was ja auch verschweigt, was wir diese Tage feiern – ganz böse. Wie kann man nur! Die Warrioress hat das ganze mal ziemlich treffend kommentiert:

How about putting Christ back in Christian?

Zu deutsch etwa:

Wie wärs, Christus zurückzubringen ins Christsein?

Die Stoßrichtung ähnelt vielleicht der Michael Dieners. Als Fazit steht bei der Warrioress: Wir haben den Kampf um Weihnachten in dem Moment verloren, als wir überzeugt waren, daß es ums Habenwollen geht.

Dann geraten nämlich diejenigen außer Sichtweite, die nichts haben. Die sind dann ja wie wir, wollen auch nur, und sind nicht besonders zu berücksichtigen…

Und noch zwei Artikel hab ich zu Armut und Reichtum, und zwar vom Tall Skinny Kiwi. Vorwürfen wie der, daß Arme Leute nur den ganzen Tag auf der faulen Haut lägenbegegnet er mit diesem Artikel, in dem er aus seinem Leben erzählt, das er in selbstgewählter relativer Armut führt.

In diesem Artikel schreibt er nochmal allgemein von Stereotypen.

Und dann ist ja Mandela gestorben. Bei der SZ gibt es nen interessanten Artikel zum Internet auf Halbmast. Demnach ist immer auch ein bißchen Selbstdarstellung bei den ganzen Tweets und Statusmeldungen bei Facebook et al, in denen es um den Tod bekannter Persönlichkeiten geht. Ich frag mich, ob das schlimm sein muß. Irgendwie betrifft der Tod ja auch einen selbst, auch wenn man denjenigen nicht kannte, er kann durchaus als Vorbild dienen und so auf einen wirken.

Nick Baines nimmt das zur Kenntnis und äußert die Hoffnung, daß die Leute Mandela nicht nur verehren, sondern ihm nachfolgen.

Und Markus Eichler hat auf seinem Blog nen Text aus der Bild-Zeitung, wo es um 7 Botschaften Mandelas geht, die bleiben werden. Ich bin skeptisch, ob die alle bleiben, ist wohl eher fromme Hoffnung. Wenn sein Einsatz für Versöhnung nach so viel Haß und Gewalt in Erinnerung bleibt (und hier und da vielleicht auch nachgeahmt wird), ist schon viel – sehr viel gewonnen.

Netzfunde

Netzfunde vom Donnerstag, den 11. April 2013

Bei Mike gibt es ein Zitat von Lucado zur Beziehung zwischen Glaube und Werken.

Kim Fabricious „dudelt“ zu allen möglichen Themen. Auszüge:

A woman once asked me why I never preach on taking Jesus as your personal Lord and Saviour. “Because, ma’am, I preach on the Bible.”

“When in Rome, do as the Visigoths”

People mainly leave the church for one of two reasons: it’s either the assholes or the problem of suffering.

The trick is to walk on your knees and pray on your feet.

Bei Lynn Grey geht es um Sex. Und um das purity movement. Amerika ist schon ne andere Welt.

Jedenfalls wissen die Kinder dort, wen man umbringen soll (via).
Ich mach mir allerdings Gedanken, daß „Jesus loves me“ nicht das Lieblingslied ist, wie die Mutter vorschlägt. Ob man sich Sorgen machen muß? Im Ernst, Sorgen mach ich mir da um was ganz anderes, abr das hier ist ein Netzfunde Artikel, da kann ich das nicht ausführen.

Bei Didi hab ich erfahren, daß das ehemalige Nachrichtenmagazin aus Hamburg wohl was über Ubuntu geschrieben hat.

Peter Singer, der Ethikprof, der weniger ein Problem mit postnataler Abtreibung hat,  aber Menschenaffen Menschenrechte zusprechen will und dafür den Ethikpreis der Giordano Bruno Stiftung erhielt (also nicht für die postnatale Abtreibung, die ist denen auch peinlich) hat ein neues Feindbild: Dicke Menschen, oder wie es magicalersatz schrieb: fat people (hier möchte ich kurz anfragen, ob das denn politisch korrekt ist, „fat“ zu sagen. In feministischen Kreisen ist man sonst sensibler für Sprache. Also ich fühl mich von „fat“ schon ein bißchen angegriffen, ich bevorzuge „Menschen mit außergewöhnlichem Bauchumfang… ;)). Die sollen nämlich für Flüge mehr zahlen als dünne Menschen, weil Fliegen kein Menschenrecht ist. Dann rechnet er rum und kommt auf Zahlen, was dicke Menschen so kosten. Und das sollen sie bitte selbst zahlen. Daß diese Kosten für alles mögliche auch Abeitsplätze schaffen (für was FDP Parolen doch gut sein können!), bedenkt er nicht. Da ich jetzt nicht näher auf seinen Artikel eingehen kann und eigentlich schon zuviel gesagt habe und ich glaube, daß er sowieso nur provozieren und wieder in die Presse kommen will, überlaß ich alle weiteren Schlußfolgerungen dem geneigten Leser. Ach, eins noch: Leute, eßt mehr Fett! Denkt an Griechenland! Denkt an Zypern! Denkt an die Merkel, die will wiedergewählt werden und braucht ne brummende Wirtschaft… 😀

Achja, Muriel ist ein Faschist. Echt jetzt, sagt er selbst (und ist wohl noch stolz drauf!).

Bei „Die Wahrheit über die Wahrheit“ scheint es diese Woche interessant zu werden, Zombies und so…

Bei den Geiernotitzen steht der erste Artikel zur Familie Romeike. Davon kommen weiter unten noch einer, es geht um Heimunterricht und Christenverfolgung.

Ameleo hat über Papst Franz geschrieben. Ihre Freude freut ich.

Karl Barth soll einmal gesagt haben, daß Gott nicht nur durch die Bibel, sondern auch durch einen toten Hund reden könne. Daran dachte ich, als ich den Artikel von andy55 über das Gegenstandsgebet gelesen hab.

Bei Peter geht es um Stief- und Schwiegermütter und die Frage, inwieweit biblische Forderungen heute noch verstanden und befolgt werden (können).

Thomas schreibt über Bonhoeffer, zentraler Satz ist:

Es ist uns verboten, zwei Räume, zwei Wirklichkeiten zu behaupten:  Es gibt nur diese eine Welt.

In NRW wird ein neues Landesmediengesetz erarbeitet, und man kann sich daran beteiligen. Dies und wo man sich beteiligt kann man bei Ralpe lesen, in seinem Artikel über die Rundfunkdefinition und die daraus entstehenden Konsequenzen.

Der zweite Artikel über die Romeikes steht bei Lana. Sie hat, aufgewachsen in einer fundamentalistischen Heimschul-Umgebung eine andere Perspektive auf das Thema.

Ich weiß, daß Margret Thatcher nicht unumstritten war zu ihrer Zeit. Ich kann mich kaum an sie erinnern, nur ihre Ablehnende Haltung zur Wiedervereinigung blieb mir im Gedächtnis. Bei „Theodreds Schicksal“ hab ich nun gelesen, daß es wohl Jubel angesichts ihres Todes gab. Und einen Verweis auf den Tod von Bin Laden. Ich schließ mich der Aussage des Artikels absolut an, daß es ein Armutszeugnis ist, sich über den Tod eines Menschen zu freuen. Ich seh das schon länger so. Und ich schließe mich der Frage nach dem moralischen Grundbewußtsein des Menschen an.

Gesellschaft, kirche, Theologie

Die Pille danach

Ich wollte zu dem Thema ja eigentlich nichts mehr schreiben, aber diese Erklärung Bischof Meisners (via) wollte ich Euch dann doch nicht vorenthalten. Ein paar Auszüge:

Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar.

Bei der Verhinderung der Nidatin sieht es anders aus:

Dass das Abgehen befruchteter Eizellen auch ganz natürlicherweise ohne menschliches Zutun geschieht, berechtigt einen Menschen nicht dazu, diesen natürlichen Vorgang aktiv zu imitieren. Denn die Beendigung eines Menschenlebens durch die Natur nennt man ein Naturereignis. Dessen absichtliche Imitation nennt man Tötung.

Trotzdem gilt natürlich:

Die Ärzte in katholischen Einrichtungen sind aufgefordert, sich rückhaltlos der Not vergewaltigter Frauen anzunehmen und sich dabei unter Berücksichtigung des neusten Stands der medizinischen Wissenschaft in ihrem ärztlichen Handeln an den oben genannten Prinzipien auszurichten.

Und ein Blick in die Geschichte:

Bisher wurde oft davon ausgegangen, dass die nidationshemmende Wirkung das zentrale Wirkprinzip der Präparate sei, die als „Pille danach“ bezeichnet werden. […] Das ist offenbar nicht mehr Stand der Wissenschaft. Die Kirche muss aber in ihren Einschätzungen die wissenschaftlichen Erkenntnisse immer berücksichtigen. […] Die Kirche kann dazu nur die moralischen Prinzipien erklären. Der einzelne Arzt einer katholischen Einrichtung muss sich dann unter Voraussetzung dieser Prinzipien gewissenhaft kundig machen und so zu einer verantwortungsvollen Entscheidung kommen.

Und was ist mit den Enzykliken und sonstigen relevanten Texten:

Die Instruktion „Dignitatis personae“ der Kongregation für die Glaubenslehre vom 8. September 2008 nennt unter den „Interzeptiva“ „die so genannte ,Pille danach‘“, bezieht sich dann aber ausschließlich auf die nidationshemmende Intention […]

Zu betonen ist, dass sich die Erklärung des Erzbischofs von Köln auf die Situation einer Vergewaltigung bezieht und nicht auf die Situation in einer sakramentalen Ehe, die die Enzyklika „Humanae Vitae“ behandelt.

Und den Satz find ich interessant, weil das Beisiel vergewaltigter Nonnen in Diskussionen auch schon aufkam:

Entsprechend hatte auch schon die Glaubenskongregation die Einnahme von Antikonzeptiva durch Ordensschwestern in einer Weltgegend, in der sie Vergewaltigungen fürchten mussten, erlaubt. Es geht beim Thema Vergewaltigung nicht um die Ganzheitlichkeit eines liebenden Aktes, sondern um die Verhinderung einer verbrecherischen Befruchtung.

Ich hatte in einigen Diskussionen Vermutungen in die Richtung geäußert, die Meisner jetzt einzuschlagen scheint. Zu hoffen bleibt, daß diese Erklärung jetzt schnell Verbreitung findet, damit nicht wieder ein Opfer auf Hilfe verzichten muß, deshalb hab ich hier auch so ausführlich daraus zitiert.

Und nochmal was ganz anderes, was hier eigentlich gar nicht mehr herpasst, aber trotzdem zur römischen Welt gehört und ebenfalls oft die Gemüter erregt: Die katholische Heirat. Die könne wohl auch unter Berücksichtigung des Glaubens (bzw des Fehlens desselben) annuliert werden, überlegt der Papst. Das sind freilich noch fühe Überlegungen, aber daß sie überhaupt angestellt werden, ist doch schon einmal was.