Allgemein

Übersetzungsfreuden I

Derzeit übersetze ich grade einige Texte von Samuel Barnett, einem Sozialreformer und Theologen, für mein Studium. Auf ihn geht der Bereich in der Sozialen Arbeit zurück, der heute „Gemeinwesenarbeit“ genannt wird. Seine Texte sind wirklich spannend, hin und wieder werde ich jetzt mal einzelne Zitate hier veröffentlichen. Heute dieses:

„Zwei ehrliche Gegner werden kaum miteinander über neutrale Themen diskutieren, ohne etwas voneinander zu lernen, was Grundlage dafür wird, Verachtung durch Respekt zu ersetzen.“ (Samuel Barnett, Towards Sozial Reforms, S. 277, London 1897)

Im Original heißt es: „Two honest opponents will hardly discuss together on neutral subjects without learning of each other which will cause the substitution of respect for contempt“

Mal sehen, was noch so daraus wird 🙂

Theologie

Historizität

Nchmal zum Thema Berger. Bei idea gabs nen Artikel dazu, und darunter ienen Kommentar von einem „Hinweis77″(vom 3.6. um 14:09 Uhr). Er oder sie schreibt:

Sie sagen es kommt nicht auf die „Historizität“ an. Genau das ist die Lüge, man möchte Gottes Handeln aus der Geschichte radieren.

Was ist Gottes Handeln und was ist Geschichte? Ist Geschichte das, was wirklich passiert ist, oder ist Geschichte das, was wir uns vom wirkich passierten rekonstruieren?

Lesen wir Geschichtsbücher, so lesen wir darin immer nur Ausschnitte dessen, was passierte, und zwar in der Deutung bestimmter Menschen. Nimmt man ein geschichtliches Ereignis und sieht dazu in ein Geschichtsbuch von heute, eins aus der DDR und eins aus dem Dritten Reich, dann werden wir ganz unterschiedliche Dinge lesen. Und das sind dann auch nur drei Darstellungen, neben denen es noch Milliarden andere geben kann. Wenn ich in die nächste größere Stadt fahre, dann ist es für den einen Geschichtsschreiber vielleicht interessant, wie die Stadt heißt, weil er wissen will, wo ich wohne, und über den Namen der Stadt auf den Namen meines Wohnortes schließen könnte. Der nächste würde wissen wollen ob ich mit dem Fahrrad, Motorrad, Trecker oder einem Auto fahre, und welches Modell. Der nächste würde sich für den Kraftstoffverbrauch interessieren, wieder einer, was ich unterwegs gesehen habe, welche Straße ich benutzt habe etc etc. Komplizierter wird es nun, wenn es nicht heißt „in die nächste Stadt“, sondern nur „in die Stadt“. Denn es hat sich in meinem mfeld eingebürgert zu sagen, man gehe in die Stadt, wenn man runter ins Dorf geht. Ist nun eine Stadt gemeint, oder das Dorf? Das Spiel könnte man noch unendlich fortführen.

Worauf ich hinaus will: Das, was wir als Geschichte verstehen, ist ein Konstrukt. Es ist eine Auswahl dessen, was passiert ist. Genauer gesagt dessen, was wir meinen, was pasiert ist. Und zwar in der Auswahl, die wir treffen.

Es gibt Gründe dafür, was wir als wichtig auswählen. Die wenigsten Menschen werden wirklich ein Interesse daran haben, wann ich wohin mit welchem Auto gefahren bin. Wenn es am gleichen Tag irgendwelche wichtigen politischen Entscheidungen gab, wird man sich die eher merken. Es sei denn, jemand hat kein Interesse an Politik, aber eben daran, daß ich in die Stadt komme. Vielleicht ein Freund, mein Chef oder ein Kunde, egal.

Es gibt auch Gründe dafür, was wir meinen, daß passiert ist. Wir gucken in den Himmel und sehen irgendwas, das wir nicht zuorden können und meinen, es war ein UFO. War es nun eins oder nicht? Wir sagen ja, andere Menschen glauben das nicht, und sagen nein. Was denn nun? Wir haben natürlich Grund zur Annahme, daß wir wissen, was wir sehen. Andere sehen das anders. Wieder andere meinen, wir hätten uns lediglich geirrt und es war ein Düsenflieger, kein UFO.

Wenn ich nun sage, es war ein UFO, ist es eine Lüge? Und wenn jemand anders sagt, es war keins, lügt der dann?

Ist Gottes Handeln als geschichtliches Faktum wichtig? Ist uns wichtig, daß in den Geschichtsbüchern steht, Gott habe an dm und dem Tag um die und die Uhrzeit Maria geschwängert? Oder Sodom und Gomorra zerstört? Oder mit Jakob gerungen?

Das sind Dinge, die als historische Fakten durchaus ach von Nichtchristen angenommen werden könnten, wenn es Beweise dafür gäbe. Das würde die Nichtchristen aber nciht plötzlich zu Christen machen, oder? Spricht nicht Christus, daß selbst die Dämonen an Gott glauben – und zittern? Simples für-wahr-halten bringt nix. Wenn ich aufzählen kann, wann Gott was gemacht hat, dann bringt mir das überhaupt nichts, außer daß ich vielleicht mal als Telefonjoker bei „Wer wird Millionär“ angerufen werde. Wenn das Handeln Gottes für mich keine weitere Bedeutung hat, wenn es so wichtig ist für mich wie die Einigung Chinas durch Zhao Zheng, dann macht mich das nicht zum Christen. Wichtig ist, was das Handeln Gottes für mich bedeutet. Das begründet Beziehung. Zu Gott. Und ich kann an einen Gott, der so handelt auch glauben, wenn ich Sein Handeln historisch nicht nachweisen kann. Ich kann an einen solchen Gott sogar glauben, ohne die Bibel überhaupt als historischen Bericht zu verstehen. Was ich aus der Bibel entnehme ist, daß es Menschen gab, die Grund dazu hatten, Gott all dies zuzutrauen. Wieso sollte ich das anders sehen? Und zwar unabhängig davon, was die Bibelautoren, wer auch immer sie waren, meinten erlebt und gesehen zu haben? Wenn das Handeln Gottes völlig aus der Geschichte gelöscht ist, habe ich immer noch die Berichte derjenigen Menschen, die selbst, subjektiv ein Handeln Gottes erfuhren. Diese Menschen glaubten an Gott, sie hielten Ihn nicht nur für wahr. as ist für mich Grund genug, es ebenso zu tun, weil meine subjektiven persönlichen Erfahrungen sich damit decken. Und hätte ich keien Bibel, so habe ich doch Freunde und Familie, die an Gott glauben und von derartigen Erfahrungen berichten. Wieso sollte ich ihnen nicht glauben? Mehr brauch ich nicht. Wenn jetzt Menschen kommen, die meinen, ich würde damit der Irrlehre Tür und Tor öffnen, wie Hinweis77 meint, dann seh ich nicht, inwieweit ich das eher tue als andere, die sich auf Historizitäten versteifen und nicht mehr fragen, was Gott für sie persönlich bedeuet, die sich am Buchstaben der Bibel festhalten, damit der Geist sie ja nicht wegweht. Irrlehren gibt es nicht erst seit der historisch.kritischen Methode, und die Konzentration auf die Bedeutung Gottes Handelns für einen persönlich, anstatt auf historische Faktenpostulationen, sehe ich jetzt auch nicht als die schlimmere Alternative an…