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Gender Mainstreaming

Das Druckerzeugnis mit den vier großen Buchstaben nennt es „Polit-Irrsinn des Jahres“ und Dersieger schreibt an die Bundesregierung und bringt zwei Videos unter der Überschrift: „Sagt Nein zu Gender-Mainstreaming“. Und über seinen Artikel bin ich auch erst auf die Sache aufmerksam geworden. Es geht um die Unisex Toiletten. Es berichtet unter anderem auch die Taz, außerdem gibt es noch was von den zuständigen Piraten und den Antrag selbst.

Dersieger versteigt sich zu einer ziemlich niveaulosen Sprache, es ist die Rede von „GENDER-SCHEIß“ und „Schwuchtelpaar“. Am Ende schreibt er noch:

Ich hoffe, dass viele anderen Christen sich mir anschliessen.

Nun, ich bin Christ und ich muß sagen: NEIN! Und zwar genau, weil ich Christ bin. Und das möchte ich hier gerne ausführen in der Hoffnung, vielleicht mit Dersieger (oder anderen) ins Gespräch über das Thema zu kommen.

Mein erster Grund, mich nicht anzuschließen, ist die Wortwahl. Mit Gender-Scheiß hab ich wenigr die Probleme, man kann sich aufregen über eine Sache und das dann auch in der Wortwahl deutlich machen. Ist zwar nicht besonders chic, aberdas kann einem schon mal passieren. Wenn ich die Sache für unterstützenswert halte, seh ich in diesem Begriff kein Problem.

Anders sieht es aus mit „Schwuchtelpaar“. Der Begriff ist eindeutig abwertend-beleidigend. Wenn jemandem sowas mal rausrutscht ist es in jedem Fall angemessen , sich zu entschuldigen. Für mich bedeutet das dann aber: So lange keine Entschudigung erfolgt und die Beleidigung nicht aus der Welt geschaffen ist, kann ich da nicht mitmachen. Ich würde quasi auch die Beleidigung mit unterstützen, unabhängig von der Sache selbst. Deshalb alleine schon kann ich mich nicht anschließen. Ich müßte einen eigenen Aufruf zur selben Sache formulieren, der nicht beleidigend ist. Denn die Beleidigung (und vor allem die Abwertung) paßt nicht zum Nächstenliebegebot.

Dann ist da aber noch die Sache an sich, um die es geht. Dersieger wendet sich gegen Gender-Mainstreaming im Allgemeinen und nimmt die Unisex Toiletten aus Friedrichshain-Kreuzberg als Anlaß. Ich bin ja selbst bei vielen Projekten der Gender-Politik äußerst skeptisch, so gefällt mir die Selbstbezeichnung Student besser als Studierender (beides übrigens aktive Präsenspartizipien, das eine in Latein, das andere in Deutsch, Gender-Mainstreaming besteht in diesem Fall also schlicht in einer Übersetzung und das für Leute die studieren und die Übersetzung auch so nach Erklärung hinkriegen sollten, auch wenn sie sonst kein Latein können) und die sogenannte inklusive Sprache, Binnen-i und Gender-Gap machen nach meinem Dafürhalten einfach nur alles kompliziert, so daß man gar nix mehr versteht. Alles Punkte, über die man im einzelnen diskutieren kann. Viel wichtiger finde ich die Kritik, die ich bei Wikipedia gelesen habe, daß nämlich mit Gender-Mainstreaming ein binäres Geschlechterkonzept festgeschrieben würde. Ich kenn jetzt nicht die genauen Grenzen, und ob Gender-Mainstreaming nicht auch andere Geschlechterkonzepte aufnehmen könnte, aber letztendlich ist das egal, denn darum geht es hier nicht.

Es geht zuerst und vor allem um die Unisex Toiletten, denn ich denke, als Christ hat man gute Gründe, diesen Ansatz zu begrüßen, auch wenn es vielleicht nicht die beste Lösung ist.

Aus den bei Dersieger geposteten Videos entnehme ich, daß sein Punkt ist, daß tatsächlich etwas dran ist an den Geschlechterrollen, weil eben im ersten Film aus Norwegen immer noch mehrheitlich Männer Ingenieure werden und in der Krankenpflege mehrheitlich Frauen arbeiten. Daran mag vielleicht sogar etwas sein, aber das ist recht irrelevant. Wichtig ist, daß ein Mann Krankenpfleger werden könnte und eine Frau Ingenieurin, und daß es ihnen niemand verbietet, weil es nicht ihrem Geschlecht entspräche. Gott schreibt nirgends irgendwelche Berufe für die Geschlechter vor, auch wenn das kulturelle Umfeld in den Bibeltexten ein recht konservatives Rollenbild transportiert. Festgeschrieben wird dies nicht.

Nun gibt es aber nicht nur Männer und Frauen. Und dazu ist nochmal eine Unterscheidung nötig. Man unterscheidet nämlich zwischen dem körperlichen Geschlecht (also profan gesagt das, was man zwischen den Beinen hat oder auch nicht) und dem psychologischen Geschlecht (also das, was man vom Kopf her ist). Beide sind in den meisten Fällen identisch. Die meisten körperlichen Männer empfinden sich auch als Männer und die meisten körperlichen Frauen fühlen sich auch als Frauen. Manchmal fühlen sich aber auch Frauen als Männer und umgekehrt. Aus fundamentalistischer Perspektive könnte man hier noch sagen, daß Gott eben wollte, daß man sich in sein Schicksal (also den falschen Körper mit all seinen Rollenbildern) fügt. Ich lehne diese Meinung zwar zutiefst ab, aber darum geht es hier nicht.

Probleme dürfte aber jeder Fundamentalist bekommen, wenn er zum ersten Mal auf einen Menschen trifft, der körperlich weder Männlein noch Weiblein ist. Es gibt da ganz verschiedene weitere Möglichkeiten, und die existieren wirklich. Für den Fundamentalisten sind sie Teil Gottes guter Schöpfung, aber sie passen nicht in die gängigen Muster. Wenn ein Mensch beide Geschlechter hat, soll er dann als Mann oder als Frau leben? Und welche Toilette soll er benutzen? Liberale Menschen werden nicht am körperlichen Geschlecht festhalten und sagen, er soll so leben, wie er sich fühlt, unabhängig von althergebrachten Rollenbildern. Konservativere bzw fundamentalistische Menschen kriegen hier ein unlösbares Problem, wie ich meine, weil sie an den zwei Geschlechtern festhalten, und mit etwas Drittem konfrontiert werden.
Für solche Fälle, die eben unentscheidbar sind, gibt es nun in Friedrichshain-Kreuzberg eine weitere Toilette. Es ist ein Tropfen auf den heißen Stein, zeigt aber ein Problem auf.Und das Problem ist ja nicht mit den Menschen beendet, die körperlich in keins der zwei gängigen Geschlechter passen. Wenn man einmal gesehen hat, daß das Zweiersystem nicht von Gott kommt, weil der auch andere Menschen schafft, wird man sich vielleicht auch eher am psychologischen Geschlecht orientieren als am Körper. Was aber nun, wenn sich ein körperlicher Junge, der sychologisch ein Mädchen ist, entscheiden soll, in welche Toilette er geht, etwa in der Grundschule. Nehmen wir an, er hat lange Haare und trägt Kleider, ist also von außen nicht von „echten“ Mädchen zu unterscheiden. Geht er in die Jungentoilette, weil er einen Penis hat, oder geht er in die Mädchentoilette, weil er lange Haare hat, ein Kleid trägt, und mit Puppen spielt? Sowas hatte ich ja grad in nem anderen Artikel, hier ist der Link zum Fundort. Eine Unisex Toilette könnte hier die Entscheidung erleichtern, weil dort alle reingehen können ohne das Gefühl haben zu müssen, zu den falschen zu gehen. Zum Themenkomplex, wie man da gehemmt sein kann, in Bezug auf die Umkleide beim Sportunterricht, gibt’s auch nen kleinen Film. Und grad weil im Film auch Schwule und Lesben vorkamen, nochmal eine Klarstellung: Die sexuelle Orientierung ist nochmal etwas ganz anderes als das körperliche oder psychologische Geschlecht. Schon deshalb ist der Begriff „Schwuchtelpaar“ völlig fehl am Platz, unabhängig vom Niveau. Trotzdem sollte aus dem Film ersichtlich sein, daß auch hier eine Unisex-Toilette ein entspannteres Feld bieten könnte, wo gängige Diskriminierungen hoffentlich nicht vorkommen.Zusammenfassend kann ich sagen: Als Christ bin ich durch meinen Herrn udn Heiland Jesus Christus angehalten, meinen Nächsten zu lieben. Das beinhaltet für mich, ihm Rückzugsmöglichkeiten zu schaffen, wenn er bedrängt wird, und ihm wie allen anderen auch ein gleichberechtigtes Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen. Die Unisex Toilette zielt in diese Richtung, auch wenn es noch bessere Lösungen geben mag. Sie verbessert wenigstens den Status Quo. Wo Gender Mainstreaming in ähnlicher Weise Menschen das Leben erleichtert, bin ich ebenfalls dafür.Wie das die Familie kaputt machen sollte, ist mir rätselhaft. Und wenn ich Kinder hätte und ich würde mitsamt meiner Frau sterben, dann wäre es mir lieber, meine Kinder würden von einem „Schwuchtepaar“ erzogen, das ihnen ein liebendes Umfeld bietet, als von einem Fundamentalistenpaar, das meine Kinder womöglich noch den gleichen Haß einimpft gegen alle Menschen, die nicht in ihr menschengemachtes Geschlechterkonzept passen. Gott schuf vielleicht Adam Eva als Mann und Frau, aber heute ist die Sachlage komplizierter, und trotzdem hat Gott das alles geschaffen.Gottes Segen und Gute Nacht

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde vom Sonntag, den 20. Januar 2013

Fangen wir an mit ein wenig Politischer Korrektheit. Beim Herrn Alipius gibt es ein kleines Video dazu. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus der ZDF Serie „Unser Lehrer Dr. Specht“. Weitere Videos zur Herkunft der Politischen Korrektheit un der Rlle der Frankfurter Schule dabei gibt es beim Geier. Die Videos machen auf mich nen sehr einseitigen Eindruck, man will durch das ständige Widerholen des „Marxismus“ wohl dem amerikanischen Publikum klar machen, daß es sich hier um ne gan böse Strömung handelt, aber wenn man es schafft davon zu abstrahieren kann man aus den Videos vielleicht den Gewinn ziehen, den Zusammenhang zwischen political correctness, Studentenrevolution der 60er und marxistischen Strömungen zu sehen. Mein erster Eindruck ist, daß es um die Befreiung des Menschen geht. Die ist ein Stück weit sicherlich in die Hose gegangen, weil andere Unfreiheiten entstanden, aber das könnte man seinerseits ja wieder kritisieren, idealerweise ohne in alte Muster zurückzufallen (denn hätten die getaugt, wär der Marxismus welcher Prägung auch immer wohl nicht aufgekommen).

Und dann gibt es noch einen Artikel von Antje Schrupp zur Benutzung des „N-Worts“ (es handelt sich um das Wort „Neger“)  in Kinderbüchern. Ich gehöre ja noch zu der Generation, die mit Liedern wie „10 kleine Negerlein“ aufgewachsen ist und bis ins Jugendalter (das war in den 90ern) das Wort Neger für einen neutralen Begriff für Menschen mit dunkler Hautfarbe hielt. Schon damals irritierte mich, wieso der Begriff auf einmal nicht mehr angebracht war und warum man heute möglichst umständlich von „Menschen mit dunkler Hautfarbe“ (wenn das überhaupt politisch korret ist) reden muß. Trotzdem halte ich mich weitgehend an die Konvention, man will ja nicht negativ auffallen.

Nichts desto trotz empfand ich es als erfrischen unverkrampft, als ich zur Zeit meiner Wehrdienstes erlebte, wie in der Buneswehr Begriffe wie „Volk“, „Führer“ und dergleichen ohne böse Hintergedanken oder Konnotationen benutzt wurden. Man überlies diese Begriffe nicht den Nazis, sondern benutzte sie selbst in ihrer eigentlichen Bedeutung weiter, nämlich „Volk“ im Sinne von „Bevölkerung“ und „Führer“ im Sinne von „Anführer“.Ich empfinde das als ehrlicher und praktikabler als nur noch in Umschreibungen mit Gender-Gap zu sprechen und zu schreiben (ja, solche Blogs gibt es auch).

Und weil wir grad beim Herrn Alipius waren: Der geht in einem anderen Artikel auf den Unterschied zwischen Haß und Haß ein, oder so ähnlich. Und in einem noch anderen Artikel beschreibt er, wieso er trotz allem Kirchenhaß und aller Kirchenkritik trotzdem gerne sienen Job, nein, seinen Beruf (von Berufung ;)) ausübt und dankbar dafür ist, das zu tun.

Nick Baines, anglikanischer Bischof von Bradford, England, schreibt über den Sudan und Südsudan wie auch über Joachim Gauck und daß Christen „von einem anderen Liedblatt singen“.

Bei Weihrausch und Gnadenvergiftung gibt es einen Artikel zur Einheit der Christen, bzw dem Fehlen derselben.

Bei Theopop gibt es nun auch sowas wie Netzfunde, wöchentlich, und auf den Bereich Internet und Religion begrenzt.

Der Morgenländer hat ein längeres – und sehr poetisch verfasstes – Zitat von Simone Weil über diejenige außerweltliche Wirklichkeit, die Grundlage des Guten ist.

Fehlt nur noch ne Stellungnache der „NPD – türkische Abteilung“ … 😀

Zu etwas Schönerem, poetischerem: Hao hat eine Predigt zur Gerechtigkeit, oder bessr zur Ungerechtigkeit Gottes geschrieben. Wirklich wunderbar. Wobei mir der Gedanke kam, daß das, was er die Gerechtigkeit Iustitias nennt, hier Gleichheit genannt wird und das, was Hao Gottes Ungerechtigkeit nennt, die Gerechtigkeit des verlinkten Artikels ist.

Und zum Abschluß nochwas zu der Sache mit der Vergewaltigten von Köln. In Frankfurter Rundschau und Kölner Stadtanzeiger (via) wird zur Sprache gebracht, daß es wohl schon Vortäuschungen von Notlagen gab, um in katholischen Kliniken an die Pille danach zu kommen, woraufhin dann bei der Kirchenleitung Anzeige erstattet wurde, weil die Pille wirklich ausgegeben wurde. Trotzdem meine ich, wie schon geschrieben, entgegen der Berichterstattung, daß die fraglichen Kliniken gar nicht helfen konnten, weil sie keine anonyme Spurensicherung vornehmen konnten.

Weitere Rätsel gibt der in der Rundschau genannte Fall auf, wo eine Vergewaltgte in eine Klinik ohne Gynäkologie geacht wurde und dort nicht geholfen bekam (wie auch, ohne entsprechende Fachleute?), aber wie es aussieht nicht einmal an eine andere Klinik verwiesen wurde, wo man hätte helfen können…