Glaube

Entkehrung

Da lese ich mich so durch die Blogs, die ich abonniert habe, und bleibe beim „Der Sieger Blog“ hängen. Da geht es um „Entkehrung“. „Entkehrung“ meint hier das Gegenteil von Bekehrung, also sozusagen der Abfall vom Glauben. Dazu hat er auch ein Interview verlinkt, das wie ich meine unbedingt lesenswert ist.

Darin berichtet Tobias Faix von seinen Untersuchungen auf dem Gebiet der Entkehrungen, zu dem er auch ein Buch geschrieben hat (näheres dazu im Interview). Faix benennt bestimmte Gemeindestrukturen als möglichen Grund für Entkehrungen:

Wir haben festgestellt, dass es in Gemeinden Strukturen gibt, die Dekonversionen fördern.

Weiter führt er aus:

Man muss gemeinsam überlegen und darüber reden: Wie verstehen wir einzelne Aussagen der Bibel? Warum verstehe ich sie so? Was ist unverständlich? Es ist wichtig, dass es dafür Kommunikationsräume gibt. Wir sollten die Angst davor ablegen, dass der ganze Glaube einer Person zusammenfällt, wenn sie einen bestimmten Aspekt nicht glaubt. So etwas macht es schwierig, auch Zweifel zuzulassen und auszusprechen.

Beim „Sieger Blog“ schwebt dem Autor Viktor eine bestimmte Lösungsrichtung vor: Die Alten in den Gemeinden sollen sich nicht über die Formen beschweren, die den Jungen eher zusagen:

ich habe auch beobachtet wie die jungen Leute, wenn sie heranwachsen, die Gemeinde verlassen und vollkommen andere Wege einschlagen. Die ältere Geschwister sagen dann: “Wir beten dafür, dass Gott sie zurück holt.” Aber sie tun meistens nichts dafür. Im Gegenteil, sie meckern wenn die Musik im Gottesdienst zu laut ist oder das Programm nicht stimmt… Die Liste könnte man fortsetzen.

Außerdem spricht er davon, daß Mentoren benötigt werden

die sie ermutigen, mutig ihren Glauben im Alltag auszuleben und sich mehr mit dem Wort Gottes zu beschäftigen […] und ihnen nicht ihre Ideologie, Theologie oder ähnliche …logien aufzwingen.

Ich denke nicht, daß ein Programm in einer Gemeinde dazu führen, kann, den Glauben ganz aufzugeben. Man ärgert sich vielleicht über den Gottesdienst, über die Form, die einem nicht entspricht, aber das ist ein Konflikt mit Menschen, nicht mit Gott. Daher kann er meiner Meinung nach vielleicht zur Trennung von Menschen führen, man geht vielleicht in eine andere Gemeinde, die einem mehr entspricht, aber deshalb trennt man sich nicht von Gott. Und ein Gemeindewechsel ist keine Entkehrung, es sei denn, man hängt dem Glauben an, daß nur die eigene Gemeinde die Wahrheit erkannt hat.

Das ist übrigens auch ein interessanter Punkt bei dem Interview: Es wird nie gesagt, was genau mit Entkehrung gemeint ist. Was ist mit den Entkehrten? Sind sie jetzt Atheisten? Sind sie Agnostiker? Suchen sie eine neue Gemeinde?

Irgendwie bekomme ich vom Interview und noch mehr bei Viktor den Eindruck, daß es hier nicht um Menschen gibt, die zu einem eigenen festen Glauben an Gott gekommen sind, sondern um Menschen, die vielleicht Gott suchten, in eine Gemeinde kamen, die vielleicht ein oder zwei interessante Dinge über diesen Gott zu sagen hatte, aber deren Gott dann am Ende doch enttäuscht hat. Es ist immer gefährlich, solche Behauptungen aufzustellen, letztlich weiß ich es nicht und kein Mensch kann in eines anderen Menschen Herz sehen. Trotzdem möchte ich auf diese Möglichkeit hinweisen, denn es scheint mir viel dafür zu sprechen.

Wie gesagt wundert es mich, dass vor allem äußerliche Gründe genannt werden: Bei Viktor die Formen des Gottesdienstes und bei Faix, schon etwas tiefer gehend, die Akzeptanz eigener, abweichender Glaubensüberzeugungen. Aber auch bei Faix frage ich mich: Was, wenn eine Gemeinde mit den abweichenden Meinungen ein Problem hat und Druck ausübt. Gibt man deshalb den Glauben auf, oder ist es nicht auch eine Möglichkeit, eine Gemeinde zu suchen, die dem eigenen Glauben eher entspricht? Ist es nicht so, daß nur wenn man die Frömmigkeit der Gemeinde für die einzig gültige hält ein Bruch mit der Gemeinde auch ein Bruch mit Gott bedeutet? Ansonsten verläßt man die Gemeinde und bleibt Gott treu.

Und das wäre, falls ich richtig liege, auch ein Kritikpunkt in solchen Gemeinden: Da wird vielleicht nicht nur Gott verkündet, sondern die eigene Kultur, der eigene Zeitgeist. Und da hat Viktor dann auch Recht, wenn er nach Mentoren verlangt, die nicht die eigenen Ideologien verbreiten.

In den letzten Tagen kam ich über einen Artikel bei Lana Hope zu nem Artikel bei Laura Parker, in dem es um Mission und Kinder geht. Beide schreiben auf Englisch, also sind die Artikel womöglich nicht für alle lesbar. Es geht grob darum, wie Missionare in Südostasien (wo beide als Missionarinnen arbeiteten bzw. arbeiten) Essen und Schulunterricht als Gegenleistung für Predigthören etc anbieten. Vor allem die Kommentare bei Laura, wo ich ein wenig mitdiskutiert habe, brachten mir ein wenig mehr Einsicht.

Es war da zum Beispiel die Rede von Jugendprogrammen (diesmal in Amerika), die kurzfristige Erfolge brachten, aber auf lange Sicht kaum jemanden zum Glauben bringen konnten. Vor längerem, ich glaube auch bei Lana, laß ich von Gemeinden, wieder in Südostasien, die sprühten vor Aktivität, jede Menge neuer Gläubiger und alles, bis die Missionare gingen. Dann waren die Kirchen verlassen und die Gemeinden hörten auf, zu existieren.

Während der Diskussion bei Laura ging es mir erst darum zu sagen, daß man das Evangelium nicht verkaufen kann, also Brot für Evangelium hören wird kaum Gläubige machen. Dann kam auf einmal die Frage auf, ab wann man den Kindern denn von Jesus erzählen kann, die nach Brot fragen. Und in mir wuchs die Sicherheit, daß das der falsche Ansatz ist. Die Kinder werden von Jesus erfahren. Man kann ihnen auf Fragen antworten, aber eben keine vorgefertigten Vorlesungen zu Kreuz und Auferstehung, sondern eine einfache Antwort auf eine einfache Frage. Und in der Zwischenzeit, bis alle Fragen gestellt sind, hält man sich an das Liebesgebot: Die Hungrigen ernähren, die Nackten kleiden, solche Dinge.

Ansonsten wird man wahrscheinlich eher Konformität erzeugen, als echten, tiefgehenden Glauben. Die Menschen, egal ob Kinder in Südostasien oder Erwachsene hier, werden vielleicht so lange nach den Regeln der Gruppe handeln, wie sie davon Vorteile für sich erhoffen. Aber eben nicht, weil sie es als Wahrheit erkannt haben. Und sobald die Vorteile weg sind, werden sie auch aufhören mit der Konformität.

Konformität ist aber kein Glaube, sie ist oberflächlich, sieht wie Glaube aus. Vielleicht spricht man dann von „Entkehrung“, wenn ein Mensch der Gemeinde den Rücken kehrt. Weil er in dem Fall tatsächlich auch Gott den Rücken kehrt, jedenfalls dem Gott, der in der Gemeinde vermittelt wurde: Der, der Konformität.

Das bedeutet auch nicht, daß die in der Gemeinde tätigen Geschwister keinen echten Glauben hätten oder nicht ganz bei der Sache wären. Sie sind vielleicht zu sehr bei der Sache und vergessen, daß sie keinen Glauben erzeugen können, denn Glaube ist eine Gnade Gottes, die nur Gott gibt.

Was sie aber tun können, was wir alle tun können in den Gemeinden, ist Liebe üben. Nicht, um damit irgendwelche Taufzahlen zu erreichen, sondern weil die Liebe der Wahrheit entspricht, die Gott uns offenbart hat. Das geht dann in Richtung der Mentoren, die Viktor fordert, und es geht in Richtung des mündigen Glaubens, den Faix anmahnt. Und es macht ernst mit der Erkenntnis, daß alles in Gottes Hand liegt und wir keinen Menschen zum Glauben bringen können, sondern nur das, was unser Herr uns aufgetragen hat: Zu lieben. Die Geschwister, den Nächsten und auch den Feind.

Kirche & Web 2.0, Religion

Bibelkreis im Netz?

Man kennt das ja aus den Gemeinden. Bzw ich kenn das eigentlich fast gar nicht, aber das mal bei Seite: Bibelkreise: Man trifft sich, trinkt Tee, ißt Gebäck, liest Bibel und spricht darüber. Dieses Erbe des Pietismus (ist es doch, oder?) erfreut sich vor allem in frommeren Gemeinden großer Beliebtheit.

Da weder meine Frömmigkeit noch die meiner Heimatgemeinde in diese Richtung ausgeprägt ist, kenne ich das jetzt weniger. Ich habe da vielleicht auch Berührungsängste, weil es ja durchaus zu größeren Reibereien zwischen pietistischer Frömmigkeit und eher… nun, wie will ich es nennen wenn ich nicht „liberal“ sagen will? Egal, also ich denke, ich würde auch oftmals anecken, und dazu ist das Ambiente bei Tee und Keksen einfach falsch. Liberale Bibelkreise sind in liberalen Gebieten aber komischerweise noch seltener als in erwecklichen Gegenden, also fiel Bibellese in Gesellschaft für mich bisher flach.

Jetzt kam mir die Idee, daß man sowas ja auch netzbasiert machen könnte. Gut, dabei würden wohl Tee und Kekse wegfallen (kann ja jeder für sich machen, da gibt es dann auch kein Problem wie beim Online-Abendmahl ;)), aber dann ist vielleicht auch ein eckigeres Besprechen der Meinungen möglich.

Stellt sich die Frage: Wie macht man das? Eine Möglichkeit wäre sicher, dazu ein Forum (zum Beispiel dieses hier) zu nehmen, oder gibt es andere Vorschläge? In einem Chat wäre vielleicht die nötige Ruhe nicht gegeben, sich mit dem Text auseinanderzusetzen, das scheit mir zu flüchtig zu sein. Eine andere Möglichkeit wäre auch das Blog. Man würde den Bibeltext als Artikel bringen (am Besten von der Offenen Bibel, damit man nicht noch wegen Copyrightgeschichten im Knast landet). Allerdings hat Bonifatz ja seine Andachten in letzter Zeit im Fragemodus gebracht und auf einen Austausch gehofft. Viel kam da ja auch nicht.

Also was meint Ihr? Gute Idee, oder doch eher nicht? Und wenn doch, wie sollte man das umsetzen? Bzw würdet Ihr mitmachen?

Das Wort zum Tag

Tageslosung für Mittwoch, 15.2.2012 (Gen 6, 9)

„Noah, ein frommer Mann, war ohne Tadel zu seinen Zeiten, mit Gott wandelte Noah“

Da ja biblische Namen oft „sprechende Namen“ sind, habe ich mal nachvollzogen, wo der Name Noah seinen Ursprung hat. Dabei bin ich auf das Verb nwch (für die, die des Hebräischen mächtig sind: mit chet am Ende, weiß nur nicht, wie ich das hier schreiben kann) gestoßen, was – grob übersetzt – ruhen lassen, zur Ruhe bringen/kommen, Ruhe schaffen bedeutet. Mit dem gleichen Wort wird in Gen 8,4 auch geschildert, dass die Arche auf dem Berg Ararat aufsetzt. Führt man sich vor Augen, dass das Element „ruhen/ausruhen“  im AT ein breites Wortfeld aufweist (Vgl. Preuß S. 299 in Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament Band V) und „Ruhen bzw. die Ruhe at. lich. gesehen Heilsgut ist“ (a.a. O. S. 300) eröffnet dies interessante Perspektiven auf den Namen Noah:

1. Es ist aus meiner Sicht nicht ganz von der Hand zu weisen, dass hier bereits im Namen Heilshandeln angedeutet wird. Eine erste Spur davon ist bereits darin zu sehen, dass in V. 8 – entgegen sonstiger hebräischer Syntax – das Subjekt, Noah, vorangestellt wird. Schon durch den Ursprung des Namens Noah im semantischen Umfeld der Ruhe wird Heilsgut angekündigt, das „Heilsvokabular“ wird noch deutlicher darin,  dass Noah Gnade findet vor Gott.

2. Noah kann als „Ruhepol“ in einer verderbten Welt gesehen werden. Dieser Ruhepol steht in enger Beziehung zu Gott, er zeichnet sich durch Frömmigkeit aus. Sein Dasein als Ruhepol und Zeichen für Heilshandeln Gottes aber führt gerade nicht in Passivität, wie der Bau der Arche zeigt. Es hat vielmehr zur Folge, dass Noah aktiv wird. Aus der Kombination von Gottes Auftrag und Noahs Frömmigkeit ist, erwächst neues Leben, erwächst Zukunft. Vielleicht kann das ein Maßstab sein für verantwortlich gelebte Frömmigkeit: Die Frage, ob aus meiner Frömmigkeit, meinem Bezug auf Gott, Leben und Zukunft hervorgeht oder nicht.

Kirche & Web 2.0

Es läßt mich ja nicht los…

… diese ganze Kirche und Internet Geschichte. Zu vier Ansätzen, vielleicht möglichen Projekten, möchte ich nochmal meinen Senf geben. Es sind dies

  • die von Alexander Ebel angeregte Neue Atheisten FAQ,
  • das angeregte freie Gesangbuch
    (irgendwie fänd ich Open Xangbuch als Projekttitel lustig, aber das ist vielleicht nur für Pfälzer sofort verständlich),
  • ein Gedanken zur Onlinegottesdiensttechnik,
  • schließlich möchte ich die Frage anreißen, ob und wie Real-Life Kircheninstitutionen im Netz vertreten sein müssen/sollen.

Atheisten-FAQ

Alexander Ebel hat seine Folien vom Vortrag zu den Neuen Atheisten online gestellt:

Auf Folie 8 schlägt er verschiedenes vor: Neben einem koordinierten apologetischen Handeln in der Social Media unter anderen auch ein Wiki oder eine FAQ mit den Klischees der Neuen Atheisten und einer Entgegnung darauf, die das Ganze ins rechte Licht rücken soll. Im Teil zwei seines Rückblicks auf das Barcamp spricht er auch von einem Buch.

Auch wenn das Buch gemeinsam geschrieben werden könnte denke ich doch, daß es nicht der primäre Präsentationsmodus sein sollte für die Entgegnung auf die Klischees.

Ich denke, daß hier eine Knappe aber präzise Darstellung besser geeignet wäre, zumindest zur Präsentation für ein größeres Punlikum. Wenige Menschen wollen gerne lange Texte durchlesen. Das muß jedoch nicht gegen ein Buch sprechen, das aus der Arbeit ebenso hervorgehen kann.

Eine derartige Homepage könnte auch unterstützend wirken bei einem koordinierten Handeln in der Social Media, man müßte nicht immer wieder das Gleiche erklären, sondern könnte zumindest für die plattesten Vorwürfe und Klischees auf die FAQ verweisen.

Möglicherweise könnte man es auch so einrichten, daß auf der Seite der FAQ die Möglichkeit zum Kommentieren gegeben ist. So kann man neue Vorwürfe und Klischees die dort auftauchen gleich mit aufnehmen. Es wäre darüber hinaus die Möglichkeit gegeben, überhaupt ins Gespräch zu kommen mit Menschen, die sich ne eigene Meinung bilden wollen.

Es gäbe dann natürlich die Frage, wer überhaupt zu den Autoren gehören soll, wie man gleichzeitig offen ist und für ne gewisse Qualität sorgt. Ich kann mir vorstellen, daß ein Autorenteam mit verschiedenen Frömmigkeitshintergründen bei der Apologie durchaus verschiedene Wege gehen würde.

Open Xangbuch

Im schon genannten Artikel von Alexander Ebel reißt er auch das Thema Copyright und Online-Gottesdienst an. Viele Liedtexte unterliegen dem Urheberschutz und es dürfte mindestens fraglich sein, inwieweit ihre Benutzung bei Internet-Gottesdiensten (wie auch immer diese gestaltet sein sollten) eine Urheberrechtsverletzung darstellen.

Alexander Ebel verweißt auf das Weihnachtsliederheft der Musikpiraten und regt an, wie auch bei der Offenen Bibel ne freie Variante des Gesangbuches zu schaffen, durch Sammlung und Neusetzung der schon gemeinfreien Lieder. Ein Problem stellt sicherlich dar, daß es durchaus nicht einfach ist zu entscheiden, in welcher Text- und Satzversion ein Lied nun frei ist oder nicht. Es gab ja auch bei alten Liedern über die Jahre immer wieder Veränderungen am Text und auch der Melodie. Hier müßte man sehr aufpassen, weshalb ich dafür plädieren würde, wenn sowas umgesetzt wird, bei jeder Ablieferung auch eine Angabe zu machen, warum man das Werk für allgemeinfrei hält. So könnte es nochmals überprüft werden.

Ansonsten wäre es vielleicht auch sinnvoll, Texte und Melodien (die ja oft von unterschiedlichen Autoren stammen) getrennt zu sammeln. So könnten auch Neudichtungen und -kompositionen mit aufgenommen werden. Bei Bonhoeffers „Von guten Mächten“ ist es zum Beipspiel so, daß in 4 Jahren der Text frei wird (wenn ich die 70 Jahre Regel richtig verstanden habe), die Musik ist jedoch jünger. Will man den Text also singen, braucht man eine neue Melodie, wenn man nicht auf geschützte Kompositionen zurückgreifen will oder kann…

Teamspeak-Gemeindegesang?

Jetzt mal angenommen, man hat ein gemeinfreies Gesangbuch und will nen Gottesdienst online feiern: Sitzt jeder singend vor seinem Rechner und das war’s? Oder gibt es die Möglichkeit, bzw wäre es sinnvoll, einander auch zu hören?

Auf dem Blog von Michael Blume les ich immer wieder davon, daß Religiosität und Musikalität korrelieren. Das macht auf jeden Fall für mich Sinn. Gottesdienst ganz ohne Musik kann ich mir schlecht vorstellen, die Frage ist nur: Ist es möglich und wenn ja: Wie?

Man bräuchte wohl einen gemeinsamen Audiokanal. Irgendwie kam ich dabei auf Teamspeak. Das ist ein Server, über den mehrere Menschen gleichzeitig übers Netz miteinander reden können (Gamer benutzen das beispielsweise beim Spielen in Teams, aber wahrscheinlich kennt sich da eh jeder besser aus als ich).

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, für wie viele Leute so ein Teamspeak Kanal ausgelegt ist oder sein kann: Was passiert, wenn man mal einen Online-Gottesdienst von sagen wir 30 Leuten haben, und die jetzt gemeinsam „Ein feste Burg“ (tolles Lied!) singen wollen.

Wahrscheinlich wird der Service ab einer bestimmten Anzahl an Teilnehmern in die Knie gehen. Ich befürchte, man wird nur eine sehr kleine Anzahl an Leuten zusammenkriegen können. Leider bin ich aus der IT schon zu lange weg (und hatte damals wenig Ahnung) um sagen zu können, ob eine verteilte Softwarearchitektur hier helfen könnte.

Ein weiteres Problem wären die Latenzzeiten, wobei die auch ganz extrem beim Kirchentag am Abschlußgottesdienst auftreten. Zumindest dort scheinen sie weniger ein Problem zu sein (auch wenn es irritiert, daß die vorne schneller mit dem Lied fertig sind).

Landeskirche bei Facebook etc.

Als Nichtteilnehmer ist das Thema aus meiner Sicht nur ein Randthema gewesen. Trotzdem will ich ein paar Worte dazu loswerden. Die Frage war, inwieweit Kirchengemeinden, Dekanate, die Landeskirche an sich etc sich bei Facebook oder sonstigen Diensten vernetzen soll.

Ich bin da etwas krass, mag sein, aber mein Ansatz wäre: Gar nicht nutzen!

Prämissen

Ich gehe dabei von folgendem aus: Wir, also jeder einzelne von uns zusammen mit den anderen, sind die Kirche. Die Ortsgemeinde, die Landeskirche, oder was auch immer so an Institution im Real Life existiert, ist nicht Kirche an sich, sondern eine Organisationsform von Kirche, eben für das Umfeld vor Ort.

Sie IST aber an sich nicht Kirche, jedenfalls nicht über ihre einzelnen Glieder hinaus. Wenn nun die einzelnen Kirchenglieder bei Facebook sind oder bei sonstigen sozialen Diensten, so kann es dort sicher auch zu organisatorischen Formen von Kirchesein kommen. Wieso auch nicht?

Was geht

Aber ich denke, das ist nichts, wo die verfaßte Landeskirche oder ihre Gemeinden etc. viel mit zu tun hätten. Sie können das Internet durchaus nutzen: Als Medium zur Kommunikation und Information. Etwa durch Zugänglichmachung von Arbeitsbereichen, Pressemeldungen und was es sonst noch so gibt auf Gemeinde- oder Landeskirchenseite. Es ist durchaus auch möglich, daß man sich des Internets bedient, um ein Feedback der Gemeindeglieder zu bestimmten Themen zu bekommen. Aber ich denke, dazu gibt es die jeweilige Internetpräsenz der jeweiligen Institution.

Die sozialen Netzwerke

In den sozialen Netzen, so scheint mir, geschieht Vernetzung von Menschen mit gleichen Interessen. Diese Vernetzung ist auf Augenhöhe, ein Landeskirchenprofil wäre also nicht das Dach unter dem alles geschieht, sondern ein gleichberechtigter Teilnehmer am Geschehen. Nur hat dieser Teilnehmer an sich keine Substanz, da er nicht echt ist, keine Person dahinter steht.

Natürlich gibt es eine Person, die zuständig ist für das Profil, die Freunde anklickt (nach welchen Kriterien eigentlich?) oder bestätigt. Aber zu welchem Zweck? Sie wird nicht mehr tun können, als das, was sie auch auf der normalen Internetpräsenz kann. Ja eigentlich kann sie bei Facebook viel weniger tun. Dagegen gehört ihr bei der eigenen Präsenz der Server selbst und sie wird nur durch die Technik begrenzt.

Jedenfalls wäre es nach meiner Meinung sinnvoller, wenn der betreffende landeskirchliche Mitarbeiter sich selbst in solchen Diensten vernetzt. Meinetwegen mit einem vom Privatprofil getrennten dienstlichen Profil. So kann er da dann teilnehmen, wenn er will, und auch sich selbst einbringen. Er müßte sich dann auch nicht als Vertreter der Kirche fühlen, sondern eben als Kirchenglied XY. Wie alle anderen auch.

Oder kurz: Landeskirchliche Einrichtungen sind – wie Facebook-Seiten – Struktur für kirchliches Leben im jeweiligen Umfeld. Und die Struktur wird durch die Kirchenglieder geschaffen. Im RL ist es die Landeskirche, in sozialen Onlinenetzen sind es andere Formen. Wobei natürlich die Landeskirchen weiterhin prägend bleiben. Kein Mensch lebt nur online. Aber wo es verständlich ist, daß ein Greifswalder nicht jeden Sonntag in nen Lörracher Gottesdienst geht, wegen der Entfernung, ist es nicht mehr ganz so begreiflich, warum dies noch eine Rolle spielen soll, wenn es um ein kirchliches Onlineangebot geht. Denn da ist der Weg nicht weiter als für jeden sonst auch.

glaube, kirche, Kirche & Web 2.0

Ewiger Lobpreis

Die Idee mit der Twitterwall hat mich nicht losgelassen. Für alle, die den gestrigen Artikel nicht gelesen haben kurz zusammengefasst:

Man denke sich einen Hashtag aus für Lobpreis, und mache den nach und nach in der weltweiten (twitternden) Christentheit bekannt. Wenn jetzt die Leute, wenn ihnen gerade danach ist, nen kurzen Lobpreistext mit dem entsprechenden Hashtag in Twitter eingeben, kann man über ne Twitterwall das Ganze als ewiger Lobpreis abbilden, sichtbar machen.

Das hätte womöglich auch ökumenische Auswirkungen. Im Loben Gottes dürfte es nicht zu zu viel Streit zwischen den Konfessionen kommen, ist ja kein Sakrament. Da wir Christen ziemlich zahlreich sind und rund um den Erdball verstreut, dürfte es durchaus möglich sein, einen ständigen Strom von kurzen Dankgebeten oder Hymnen zu erzeugen, ohne viel Organisation in der Art, Leute inezuteilen für gewisse Schichten. Die Idee ist vielmehr, das jeder lediglich wenn er grad bei twitter eingelogt ist und ihm nach Lobpreis ist, das dann tut. Bei entsprechender Bekanntheit dürfte das für den Gebetsstrom ausreichen, wie gesagt, wir sind ziemlich zahlreich.

Inzwischen stell ich mir Fragen zur praktischen Umsetzung. Eigentlich ist es nur eine Idee, die verbreitet werden und auf Gegenliebe treffen muß. Eine tatsächliche Homepage muß nicht nötig sein. Jeder kann sich selbst ne entsprechende Twitterwall bauen, es gibt da ja genügend kostenlose Möglichkeiten im Netz (mir ist noch nicht ganz klar, wie man sowas machen würde, wenn man es selbst bauen wollte, ich denke aber die Antwort ist in der Twitter API zu finden).

Was aber festgelegt werden muß, ist ein Hashtag. Ich hab mal nach #praise gesucht, das wird wohl im Angelsächsischen Raum jetzt schon häufig benutzt für kurze Lobpreistexte, auch #ptl für „Praise the Lord“ kommt recht häufig vor.

Ich denke, die beiden sind durchaus verwendbar. Gerade #ptl ist auch schön kurz. Stellt sich nun die Frage, wie man das Ganze bekannt macht. Dazu bräuchte man wahrscheinlich doch wieder eine Homepage mit Erklärung der Aktion in mehreren Sprachen und ner exemplarischen Twitterwall.

Dann stellt sich noch die Frage, inwieweit man andere Dineste einbeziehen kann: Kurznachrichten bei Facebook, Myspace, den verschiedenen VZ-Netzwerken, Wer-kennt-Wen und wie sie alle heißen. Dazu müßte man sich wohl selbst ne Seite bauen (und erst mal rausfinden, ob und wie das technisch machbar ist).

Der Artikel hier soll dazu dienen, die ganze Sache ienmal tiefer zu durchdenken. In der Hoffnung, daß hier der ein- oder andere mitliest und seine Meinung dazu sagt, zur Idee an sich, zu technischen Fragen oder was auch immer. Vielleicht schaffen wir es ja gemeinsam, ne Sache ins Rollen zu bringen, die in etwa dem entspricht:

As o’er each continent and island
The dawn leads on another day,
The voice of prayer is never silent,
Nor dies the strain of praise away.

The sun that bids us rest is waking
Our brethren ’neath the western sky,
And hour by hour fresh lips are making
Thy wondrous doings heard on high.

PS: Das gleiche könnte man dann nochmal mit Fürbitten durchführen. Möglicher Hashtag wäre vielleicht #eleison.

UPDATE:

Nachdem ich jetzt bei tweetwally.com ne Wall mit dem Tag #ptl angelegt habe, hab ich das ganze auch mal auf Pageflakes abgebildet. Das Schöne bei tweetwally ist, man kann einen Text dazu schreiben, um das Ganze zu erklären (der ist mir inzwischen aber auch schon zu lange geraten, muß demnächst gekürzt werden) und man kriegt seine eigene Url, also die Subdomain kann man wählen. Auf Pageflakes hab ich das ganz einfach per iframe eingebunden. Wenn jemand sowas ähnliches machen will af seinem Blog oder sonstiger Seite, dann wäre hier etwas html:

<iframe frameborder="0" width="500" height="600" src="http://eternalpraise.tweetwally.com/embed" target="_blank" align="center" scrolling="Auto"></iframe>

kirche, Kirche & Web 2.0

Neid

… daß ich nicht dabei sein konnte. Aber nicht so viel, vor allem Interesse daran, was da jetzt rumkommt. Also so an Ideen. Mir kam auch eine, mehr dazu weiter unten.

Um was geht’s? Natürlich um das Barcamp Kirche 2.0 am letzten Wochenende. Um jetzt nicht wie der Blinde von der Farbe zu sprechen über ein Treffen, zu dem ich nicht hingekommen bin, hier einfach mal ne Liste mit Beiträgen zum Thema:

Wahrscheinlich gibt es inzwischen schon wieder einige neue Berichte, die ich noch nicht gesehen habe. Wie immer gilt, ich schreib sie gerne noch rein, wenn ich se find oder mir jemand was sagt.

Nachdem ich das alles gelesen habe, und eigentlich auch schon vorher, kommen mir so einige Gedanken, die ich jetzt ganz unsortiert mitteilen will.

Sakramente

Heiko Kuschel hat in seinem Blogartikel geschrieben, daß Sakramente im Twittergottesdienst nicht gehen. Ich hatte mir da schon einmal ähnliche Gedanken gemacht, aber damals schon zumindest für das Abendmahl eingeschränkt. Und inzwischen stellt sich mir die Frage etwas deutlicher:

Was spricht dagegen, wenn jeder Brot und Wein zur Hand hat, der Segen via Twitter gesprochen wird, und man dann gleichzeitig, freilich ohne einander zu sehen, erst Brot ißt, dann Wein trinkt?

Ich bin mir ehrlich gesagt unsicher, hab auch meine Vorbehalte, kann sie aber nicht wirklich in Worte fassen, so daß ich mich frage, ob es wirklich einen Grund gibt.

Bei der Taufe bin ich freilich ebenfalls der Meinung, daß das nicht über’s Netz geht. Schon alleine, weil man über’s Netz kein Wasser übertragen kann…

Lobpreis

Vor gar nicht langer Zeit hab ich mich ja zu youtube und Verkündigung geäußert. Nun drängt sich mir immer mehr af: Twitter ist DAS Medium für Lobpreis. Seit meinem ersten Artikel zum Thema Gottesdienst und Internet hab ich mich immer wieder nach dem Gemeindegesang gefragt, und ob das überhapt geht über das Netz. Irgendwie stell ich es mir komisch vor, vorm Rechner zu sitzen und Ein feste Burg zu schmettern.

Aber wenn man das Ganze elementarisiert, dann kommt man vom Gemeindegesang schnell zu dem Wörtchen Lobpreis. Und das geht auch ohne Gesang, das geht auch zum Beispiel per Text. Und das Tolle dabei ist, solche Texte können recht kurz sein. Psalm 117 paßt beispielsweise komplett in einen Tweet.

Fürbitten

Ehrlich gesagt ich gehör zu den Leuten, die sich nie trauen, freie Fürbitten zu sprechen. Muß ich mir wohl noch angewöhnen, bis das Studium um ist. Wie dem auch sei, gibt es viele Menschen, die das können. Und mit der Anonymität des Netzes fällt vielleicht auch ein wenig die Scheu davor, im Mittelpunkt zu stehen.

Daher denke ich, daß Fürbitten ebenfalls, und zwar vor allem in der freien Form, wunderbar zu twitter passen können. Fürbitten können auch oft sehr kurz und prägnant formuliert werden, so könnten dann mehrere Menschen über Twitter an der entsprechenden Stelle im Gottesdienst ihre Fürbitt-Tweets absenden, die dann von der Gemeinde auf der Twitterwand verfolgt werden können.

Fragmentarisieren?

Bei all den Möglichkeiten drängt sich mir jetzt ein Gedanke auf: So gut die einzelnen Elemente für die einzelnen Bedürfnisse geeignet sein sollten, ist es sinnvoll und pragmatisch, sie zu einem Gottesdienst zu integrieren? Wenn ich jetzt meinen Computer anmache und merke, da läuft grad ein Gottesdinest auf Twitter, und ich will nen Lobpreis oder ne Fürbitte formlieren, kann es passieren, daß der Gottesdienst bis ich den Tweet abgesetzt hab, schon weiter ist. Und der Tweet stört dann einfach, weil er am falschen Platz ist. Auch dauert es je nach Internetverbindung eine Weile, falls die Predigt bei yotube als Video vorliegt, bis alle Teilnehmer dahin umgeschaltet haben, oder bis das Video geladen hat. Ich kenn einige Gegenden, da kann man das mit dem Video sowieso gleich ganz vergessen, da gibt es noch kein DSL.

Aber wer sagt denn, daß ein Gottesdienst immer aus Lobpreis, Gebet, Predigt etc bestehen muß? Predigten kann man auch so lesen, in Büchern oder im Netz, wo es Archive gibt. Man kann auch so beten, oder Gott preisen (auch wenn es selten vorkommen sollte).

Mein Gedanke geht weg vom Paradigma des Sonntagsgottesdienstes, hin zu Frömmigkeitsformen. Per twitter kann man im stillen Kämmerlein beten, und trotzdem Teil der weltweiten Kirche sein. Man kann, wenn man die Zeit dafür hat, sich eine Predigt ansehen, anhören oder lesen. Und auch wenn nicht eine geschlossene Gruppe gemeinsam zu einem Zeitpunkt vorm Computer sitzt und das Gleiche tut, kann Gemeinschaft entstehen, oder englisch: community.

Community

Nehmen wir das Paradigma der Predigt aufm Blog. Ein Prediger schreibt seine Predigt und stellt sie af sienen Blog, für alle Welt zu lesen. Und unter Umständen dauert es nicht lange, bis sich die ersten Kommentatoren melden. Hier ist die Gelegenheit gegeben, die Themen der Predigt mit Interessierten zu besprechen, und meist kommt doch eine gehaltvollere Rückmeldung als „schöne Predigt, Herr Pfarrer“, die zwar lieb gemeint ist, aber unter mständen mehr über das soziale Ranking des Pfarrers im Dorf als über die Qualität der Predigt sagt.

Oft ist es so, daß sich um einen Blog eine gewisse Gruppe von Menschen sammelt, die da immer mal wieder lesen, und auch kommentieren. So ist man offene Gemeinschaft im Austausch über den Glauben.

Ähnlich ist es möglich bei youtube- Videos oder ähnlichen Videoportalen: Auch hier kann kommentiert werden, auch hier können sich Gemeinschaften um einen Channel bilden.

Problem dabei sind Spammer und Trolle, und man wird unter Umständen Wege entwickeln müssen, seine Gemeinschaft vor ihnen zu schützen.

Auch bei Fürbitten oder Lobpreis kann Gemeinschaft entstehen, wenn auch vielleicht viel diffuser als beim Predigtblog oder youtube Channel:

Denkbar wäre vielleicht, daß man einen Hashtag etabliert je für Fürbitten und Lobpreis. Man könnte für jeden eine Twitterwall errichten, und so Kontakt zur Gemeinschaft bekommen. Etwa, indem man sich die Fürbittenwand ansieht, und für sich allein im Kämmerchen mitbetet. Oder einfach seine eigene Fürbitte absendet in der Gewißheit, Mitbeter zu finden. Ebenso beim Lobpreis kann man mitlesen, oder auch selbst mitmachen oder beides. Idealiter wären die Hashtags international verbreitet und es käme zur ewigen Fürbitte und ewigem Lobpreis in allen möglichen Sprachen, aber einheitlichen Hashtags. Das wäre doch einmal etwas für die Ökumene!