Uncategorized

Was mich stört ist Dir verboten!

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

Martin Niemöller

Freiheitsrechte betreffen nie nur eine Gruppe, sondern immer alle. Wenn auch nur einer Person ihre Freiheit genommen wird, betrifft es mich auch, denn ich könnte der Nächste sein. Und aus diesem Grund ist es geboten, das Maul aufzumachen, wenn anderen Freiheiten genommen oder eingeschränkt werden, weil es die Freiheit aller ist, die zur Disposition steht.

Ich dachte, in der Sache um das Beten in der Schule sei schon alles gesagt, auch wenn heute eine weitere Instanz sich mit dem Fall befasst hat und wieder einmal – wie die letzte Instanz – sich gegen die Religionsfreiheit des Schülers, der beten wollte entschieden hat. Ich habe bei der letzten Instanz etwas dazu geschrieben und meine Meinung seither nicht wesentlich verändert.

Heute nun hab ich einen wunderbaren Kommentar gelesen, der das Problem auf den Punkt bringt. Und dann noch einen Artikel in der Online Ausgabe des ehemaligen Nachrichtenmagazins aus Hamburg. SPIEGEL ist ja so ne Sache, wenn es um Religion geht. Das Thema, so scheint es mir, geht der Redaktion dort einfach ab. Das an sich ist ja kein Problem, jeder hat Dinge die ihm mehr oder weniger liegen als andere.

Allerdings waren in besagtem Artikel ein paar Formulierungen, die ich dann doch nicht unkommentiert stehen lassen will.

Demonstrative Gebete, egal welcher Glaubensrichtung, dienen nicht dem Schulfrieden. Sie teilen die Schulfamilie in Glaubensrichtungen auf, in Gruppen von Zugehörigen und Ungläubigen, in ein ungutes „Wir“ und „Ihr“.

Ich will jetzt einmal gar nicht darauf eingehen, ob Yunus M. hier demonstrativ beten wollte, oder einfach nur beten, ohne Demonstration, auch wenn die Frage nicht unerheblich ist und die Unterstellung im Zweifel nicht unproblematisch. Mir geht es um die Aufteilung der „Schulfamilie“.

Wie ich das sehe, ist die Schulfamilie schon geteilt. Man weiß, ob der andere Muslim ist oder Christ, ob Schiit, Sunnit oder Buddhist. Die Gräben sind da. Die Einteilung in „ungutes ‚Wir und ‚Ihr'“ ist gegeben. Die Zgehörigkeit zu den Religionen ist gegeben, und niemand, der auf dem Boden des Grundgesetzes steht, wird die Schüler gegen ihren Willen von ihrer Religion trennen wollen.

Dann ist jedoch die Frage, was ein „demonstratives Gebet“ dann für einen Schaden anrichtet. Es hat Konfliktpotential, sicher. Das ist jedoch nach allem, was man hört, auch gegeben, wenn muslimische Schüler im Ramadan etwas essen. Soll nun mslimischen Schülern um des lieben Frieden Willens das Essen im Ramadan per Schulbeschluß verboten weden? Um des lieben Frieden Willens? Oder werden nur einseitig religiöse Handlungen unterbunden, während liberaleres Handeln wie das Nichteinhalten des Fastens im Ramadan als gut, fortschrittlich und aufgeklärt angesehen wird? Die Einteilung in „Wir“ und „Ihr“ ist damit aber ebenso gegeben. Darüber hinaus gibt es kein Recht auf Mittagessen (es geht mir hier um die Zeit des Essens und nein, ich bin nicht der Meinng, daß man Schülern das Essen verbieten sollte!), im Gegensatz zum Recht auf freie Religionsausübung, das sogar Verfassungsrang hat. Ich frage mich nun, wieso hier ein Recht eingeschränkt wird aufgrund der Spannungen, wenn die Spannngen sich ebenso auf Essensfragen beziehen und hier keine Verbote asgespochen werden.

In dem Moment, in dem sich auch nur eine Person durch die Glaubensbekundungen der anderen gestört fühlt, sind diese Bekundungen in staatlichen Einrichtungen zu untersagen. Denn der Staat gewährt zwar Religionsfreiheit, aber eben auch in der negativen Variante der Freiheit von Religion.

Wäre die Ungestörtheit anderer Kriterium für das Zugeständnis von Freiheiten, hätten sich diese nie entwickelt. Alle Freiheiten mußten gegen diejenigen erkämpft werden, die sich gestört fühlten. Und noch heute stören sich Diktatoren an der freien Meinungsäußerung in ihren Völkern, die zum Teil gerade dabei sind, sich diese Rechte zu erkämpfen, und zwar nter Einsatz des Lebens.

Und wir werfen die Rechte weg. Wir sagen, die Rechte seien ja schön und gut, aber bitte nur so lange, wie sich niemand gestört fühlt, denn es gibt ja auch eine negative Religionsfreiheit.

Doch negative Religionsfreiheit, man berichtige mich, ist die Freiheit, keiner Religionsgemeinschaft angehören zu müssen. Sie bedeutet nicht, daß die eigene Intoleranz einer oder mehreren Religionsgemeinschaften und ihren Praktiken gegenüber rechtlich geschützt und höher gewertet würde als die positive Religionsfreiheit derer, die für die Störng der Intoleranten verantwortlich sind.

Niemand kann mir verbieten meine Meinung zu sagen, nur weil er sich dadurch gestört fühlt. So könnte man ja jeden recht schnell mundtot machen. Nur weil ich meine Religion frei wählen darf heißt das nicht, daß ich die abweichende Wahl, die andere treffen, bekämpfen oder unterbinden kann, weil ich mich gestört fühle. Und das gilt nabhängig davon, ob ich mich an einer staatlichen Einrichtung befinde oder nicht.

Es stimmt mich nachdenklich, daß der SPIEGEL hier eine ganz andere Linie vertritt. Diese Linie, in der nur noch erlaubt ist, was niemanden stört, muß in letzter Konsequenz zu Aushöhlung und Abbau unserer Freiheitsrechte führen, und davor graut mir.

Uncategorized

Widerspruch

Wir leben in einem Widerspruch: Einerseits schätzen wir unsere freiheitliche Demokratie, andererseits gehen wir wie selbstverständlich davon aus, daß derjenige, der etwas leistet, dafür auch belohnt werden soll.

Wir gehen sogar soweit, dies als Freiheit anzusehen im Gegensatz zum kommunistischen Prinzip, wo jeder das Gleiche kriegt, egal ob er was leistet oder nicht.

Wo liegt also der Widerspruch? Der Widerspruch ist kein theoretischer, sondern der Praxis geschuldet, denn in der Praxis bekommt man für seine Leistung erst einmal Geld.

Und mit dem Geld ist es so eine Sache. Es kann einerseits dazu dienen, daß wir von unserer Arbeit wirklich mehr haben, indem wir das Geld beutzen, um Konsum zu betreiben. Dieser Konsum ist schon deshalb gut, weil er anderen ermöglicht, ebenfalls durch Fleiß zu Geld zu kommen und ebenfalls mehr konsumierne zu können.

Andererseits aber, und das ist das Problem, kann Geld auch anders eingesetzt werden. Und zwar kann man es anlegen. Das ist prinzipiell noch kein Problem, weil damit wieder neue Möglichkeiten geschaffen werden für fleißige Menschen, die den Konsumenten Produkte verkaufen und so selbst wieder zu Geld kommen, das sie verkonsumieren können.

Oder anlegen. Aber zurück zur negativen Seite des Anlegens. Eine Geldanlage ist immer auch eine Spekulation, denn wenn die Anlage keine Rendite bringt, ist das Geld weg. Manchmal glücken Anlagen aber auch und man kriegt ne Rendite.

Und hier kommen wir schon zum ersten Problem: Jetzt fließt das Geld, ohne daß weitere Leistung von dem erbracht wird, der es bekommt.

Und ein weiteres Problem tritt auf: Es gibt ja immer Menschen, die Geld brauchen, für Investitionen werben, um ihre eigenen Geschäfte anlaufen zu lassen.

Derjenige aber, der das Geld hat, ist in einer Machtposition. Er kann sein Geld dem einen oder dem anderen geben. Ausschlaggebend ist in der Regel die zu erwartende Rendite. Der Geldbesitzer zwingt den Investorensuchenden, einen möglichst großen Batzen seiner Gewinne abzugeben. Damit wird nicht nur das Leistungsprinzip ad absurdum geführt und ausgehöhlt (der, der was arbeitet, kriegt weniger, der der nichts arbeitet, kriegt mehr), sondern auch das Prinzip, daß in der Gesellschaft demokratische Prinzipien gelten.

Denn wenn diejenigen mit Geld mehr Macht haben als diejenigen, die (noch) kein Geld angehäuft haben, führt zu einer Schieflage.

Inzwischen, so habe ich den Eindruck, gibt es Menschen, die etwas leisten und kaum noch etwas dafür bekommen. Es gibt Menschen, die über große Summen verfügen und damit viel verdienen, ohne noch groß etwas zu leisten. Jedenfalls nicht mit Auswirkungen auf die Realwirschaft. Vielleiht irre ich mich hier auch.

Auf jeden Fall besteht der Widerspruch zwischen der Macht des Geldes und dem Prinzip der freiheitlichen Demokratie, daß die Macht auf alle verteilt ist.

Ich denke, daß dies ein Stück weit, solange die Stärkeren die Schwächeren nicht abhängen, nicht besonders negativ ist. Es kann auch Ansporn sein, etwas leisten zu wollen. Es wird aber dann zum Probem, wenn derjenige am unteren Ende keine realistische Hoffnung haben kann, am oberen Ende zu stehen. Selbst über Generationen hinweg ist der Aufstieg mitunter schwierig. Übrigens auch der Abstieg, denn wer mal oben ist, hat in der Regel das Geld und damit die Macht, sich dort zu halten.

Was aber ist der Ausweg, wenn der Gegenentwurf des Kommunismus schon den historischen Beweis angetreten hat, daß er nicht funktioniert, weil die Leistungsträger ausgebremst werden.

Ich denke, es braucht einen Korridor für das freie Wirtschaften. Mit Grenzen nach unten, um die Schwachen vorm Elend zu schützen, wie nach oben, um die Starken von der Machtübernahme abzuhalten und das Demokratieprinzip zu schützen.

Die Grenze nach unten kennen wir. Es sind die vielen Konzepte und Umsetungen der staatlichen Stütze, von Hartz IV bis BGE. Auch wenn hier große Differenzen in der Auffassung der Ausgestaltung existieren, dürfte es in dieser Gesellschaft jeoch Konsens sein, daß wir niemanden verhungern lassen wollen (wobei ich hier vom Ideal spreche und nicht von der Realität).

Eine Grenze nach oben kennen wir jedoch nicht, und ich höre schon die Proteste. An Einwänden, die auf meie obige Begründung eingehen, bin ich äußerst interessiert.

Wie kann eine solche Grenze aussehen? Ich denke dabei an ein Steuerkonzept, daß Einkommen in der Art besteuert, daß ab einem gewissen Punkt Schluß ist, der Steuersatz gegen 100% strebt (ihn aber nie erreicht, sonst wär ja gar nix mehr da).

Wie hoch diese Höchsteinnahmengrenze sein sollte, ist eine andere Diskussion. Ich bilde mir auch nicht ein, zu diesem Zeitpunkt genügend Wissen zu haben, um eine sinnvollen Betrag zu nennen. Mir geht es hier lediglich um das grundlegende Prinzip.

Jedenfalls würde man dafür auch einen sich stetig ändernden Steuersatz benötigen im Gegensatz zu dem heutigen Stufenmodell. Das Nettoeinkommen wäre dann eine Fuktion des Brutto. Damit dürfte dann auch das Problem der kalten Progression der Vergangenheit angehören.

Zur Verdeutlichung ein Beispiel, das in der Praxis nichts taugt, aber das Prinzip vermitteln kann:

Ich habe in den lettzen Tagen mit verschiedenen Formeln herumexperimentiert, die das Prinzip umsetzen. Dabei kam unter anderem diese hier raus:

Y ist das Nettoeinkommen, x ist das Bruttogehalt, k ist das höchste Nettoeinkommen (hier habe ich 2 eingesetzt wegen der Übersichtlichkeit, man kann es auch als 2 Mio. verstehen) und j ist ein Faktor, der beeinflußt, wie schnell das Höchsteinkommen erreicht wird. Die dazugehörige Graphik sieht so aus:

Die Gerade zeigt den Verlauf von 0% Steuer, also Brutto=Netto, an. Dementsprechend bewegt sich die andere Funktion unterhalb der Gerade. Würde sie die Gerade schneiden müßte der Staat dort Geld auszahlen anstatt einnehmen. Das geht denke ich in die Richtung der negativen Einkommensteuer.

Zur Veranschaulichung der Auswirkungen von j hier nochmal eine Kurve mit j=2:

Soweit meine Gedanken. Daß die Beispielfunktion, die ich nannte, nicht für die Praxis taugt, ist mir klar. Das Problem liegt vor allem daran, daß bei hohen Höchsteinkommen die mittleren Einkommen fast gar nicht besteuert werden und damit große Steuerausfälle aufträten. Will man dies nicht, so muß man das Höchsteinkommen jedoch auf einen recht niedrigen Wert setzen. Ich bin jedoch zuversichtlich, daß es andere Menschen gibt, die mehr Ahnung von Mathematik haben als ich un brauchbarere Formeln nach dem gleichen Prinzip aufstellen können.

Ich spreche hier lediglich von der Besteuerung des Einkommens. Sicher wäre es auch nötig zu überlegen, inwieweit Vermögen in ähnlicher Weise besteuert werden müßten, um nicht die finanziellen Herrschaftsverhältnisse festzuschreiben, die derzeit bestehen, indem den weniger Vermögenden der Aufstieg verunmöglicht wird.

Schlußendlich kommt mir der Gedanke, daß meine Idee vom Grundsatz her in eine ähnliche Richtung geht wie Silvio Gesells Natürliche Wirtschaftsordnung. Es wäre sicher auch spannend, die Unterschiede zu überlegen.

Update: Irgendwie krieg ich das mit den Graphen nicht gescheit hin, wenn man drauf klickt, kriegt man ein größeres Bidl, da sind sie dann auch besser zu unterscheiden.

Uncategorized

Die Form der Steuerkurve

Als ich den letzten Artikel schrieb und bei Wikipedia nach der Zahl der Wahlberechtigten suchte, fiel mir diese Grafik auf und ich fragte mich:

Wieso haben die Kurven alle diese und genau diese Form? Wieso steigt der Steuersatz bei kleinen und mittleren Einkommen stark und flacht sich bei hohen Einkommen ab?

Ist dadurch nicht schon qua Steuersystem der soziale Aufstieg erschwert, die Vermögensakkumulation in den höheren Ebenen aber erleichtert? Und vor allem: Wollen wir das?

Mal angenommen, wir wollen das nicht. Angenommen, wir wollen, daß die Menschen es anfangs leichter haben und mit steigendem Einkommen immer schwerer, noch zusätzliche Gewinne zu machen, was wäre die Folge?

Sicher würde irgendwo einer krakeelen: Leistung muß sich aber lohnen.

Soll sie auch, ich bin durchaus dafür, daß Leistung sich lohnt. Das ist jedoch nicht die Frage: Wer mehr verdient, der bekommt mehr. Allerdings steigt auch sein Steuersatz, das heißt er bekommt vielleicht nicht in dem Maß mehr, wie er mehr verdient.

Das ist aber, sieht man sich die Grafik an, für keine und mittlere Einkommen viel mehr der Fall, als für größere Einkommen (wenn man den Freibetrag ganz unten mal bei Seite läßt). Wenn dies mit einer sich lohnenden Leistung in Einklang zu bringen ist, wieso nicht auch ein Kurvenverlauf, der langsam aber dann immer mehr ansteigt? Quasi die Spiegelung der jetztigen Kurzve?

Denn so wäre die Sicherheit, die die Großverdiener heute durch das Steuersystem haben (ihre Belastung nimmt immer weniger zu) dann auf einmal auf Seiten der kleineren Verdiener, und die starke Eröhung der Mehrbesteuerung pro zusätzlich ererarbeitetem Euro würde bei den Großverdienern zuschlagen, die durch ihr bisheriges Einkommen ihre Existenz mehr als gesichert haben dürften.

Man könnte die Steuer insgesamt vielleiht sogr so gestalten, daß ab einem gewissen Einkommen jeder weitere Cent direkt an die Steur geht. Über die Höhe kann man sicherlich trefflich diskutieren, aber ich denke, daß es für den Betroffenen keinen Unterschied mehr macht, ob er 5 Milliarden oder 10 Milliarden im Jahr verdient (ich habe absichtlich recht hohe Zahlen gewählt, um meinen Punkt deutlich zu machen).

Schon bei 5 Milliarden dürfte er an dem Punkt angekommen sein, wo es schwierig, wenn nicht unmöglich wird, das Einkommen zu verkonsumieren.

Und was ist das Ziel vom Erzielen von Einkommen, wenn nicht die Ermöglichung von Konsum?

Sicher, Geld dient auch immer dazu, Macht auszuüben, auf welche Weise auch immer. Allerdings halte ich es für der Demokratie abträglich, und damit die Freiheit gefährdend, wenn einzelne Großverdiener (sie sind immer einzelner als die Geringverdiener) durch ihr Vermögen viel mehr Einfluß ausüben, als ihnen ihre Stimme im demokratischen Prozess erlaubt auszuüben.

Daher schient mir die von mir vorgetragene Umgestaltung der Steuersätze nicht nur gerechter und sozialverträglicher zu sein, sondern auch ein Instrument zu bieten, um die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu stärken.

Uncategorized

Waffenexport

Jetzt werden also 200 Panzer nach Saudi Arabien geliefert, um dort die Revolution zu verhindern die Region zu stabilisieren. Toll! Gut für den Industriestandort, gut für die Arbeitsplätze, gut für die Regierung, die ja ach etwas Steuern einnehmen sollte bei der ganzen Sache.

Sicher, es ist nicht schön, wenn mit deutschen Waffen Menschen ermordet werden, vor allem wenn es sich vielleicht nicht um böse Diktatoren und deren Handlanger, sondern um demonstrierende Jugendliche aus dem unterdrückten Volk handelt. Aber das war bisher kein Hinerungsgrund, etwa Libyen und Irak auszurüsten, wieso also bei Saudi Arabien?

Irgendwo hab ich mal gehört, daß Deutschland sehr strikte Ausfuhrgesetze hat. Die haben auch schon bei der Türkei, immerhin NATO Partner dazu geführt, daß ne geplante Panzerlieferng lange in den Schlagzeilen war. Ist schon ne Weile her.

Aber irgendwie habe ich das Gefühl, daß weniger die Frage eine Rolle spielt, ob es sich m eine Krisenregion handelt, sondern vielmehr, wer unter Umständen mit den Waffen in Schach gehalten werden könnte, Kollateralschäden werden hingenommen. Vielleicht passt hier auch das Lieblingswort der Regierenden: „alternativlos“. Paßt sonst recht häufig.

Ich denke aber, daß es eben nicht darum geht, wer in Schach gehalten werden kann, mit den Waffen, sondern eben genau um die zu befürchtenden „Kollateralschäden“, etwa beim unterdrückten eigenen Volk oder von benachbarten Inselvölkern (nein, nicht England, Bahrain).

Und ich frage mich, ob es nicht Zeit wäre, sich einmal Gedanken zu machen, ob man nicht Waffenexporte af die Länder beschränkt, die Mitglied der EU sind. Die haben jedenfalls (soweit ich das sehe) keine schwelenden Konflikte, und auch wenn allenorts auch und gerade in der EU die Freiheit eingeschränkt wird, so ist doch noch relativ viel davon vorhanden.

Vielleicht würde das Arbeitsplätze kosten, in der Waffenindustrie. Aber andererseits: Wir haben ja auch gerade mal wieder den Ausstieg aus der Kernenergie vollführt, und man wird ja nicht müde ns z erklären, daß noch nicht klar ist, woher der ganze Strom in Zukunft kommen soll. Das wäre doch zum Beispiel ein veritables Betätigungsfeld für arbeitslose Waffeningenieure und Panzerrohrpolierer. Der Export von ökologischen Kraftwerken ist auch meines Wissens nicht beschränkt, man dürfte wohl auch Iran Windräder liefern (und wenn die die Finger dann von der Kernkraft lassen, umso besser).

Vielleicht wäre hier ja auch ein neues Betätigungsfeld für die Grünen, nachdem der Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Kernenergie durch ist und auch fast niemand mehr vom Waldsterben redet. Getreu dem Motto Frieden schaffen ohne Waffen könnten sie sich gezielt für den „ohne Waffen“ Part einsetzen, nachdem in der letzten Regierungsperiode der Grünen das Frieden schaffen (damals aber noch mit Waffen im Kosovo und in Afghanistan) den Hauptaugenmerkt bekam.

Oder die Piratenpartei nimmt sich des Themas an und pusht das ein bißchen: Es geht ja auch um Transparenz, wobei ich sowieso nicht verstehe, wieso Deutschland die Geschäfte anderer Länder geheim hält. Aber ich verstehe so einiges nicht, das wäre aber ein neues Thema.

Uncategorized

Raumpatrouille

Ich muß ja sagen, ich mag die Greifswalder Stadtbibiothek. Einen Jahresausweis kriegt man als Student schon für 7€, und asleihbar sind nicht nur Bücher, sondern auch DVDs, und zwar ohne weiteren Kosten. Wer braucht da noch eine Videothek? Vor allem, wenn er auch gerne mal ältere Filme sehen will, die er im Fernsehen bislang vielleicht verpaßt hat.

Verpasst hatte ich bisher immer die Abenteuer des Raumschiffs Orion, wenn sie mal wiederholt wurden. Aber jetzt konnte ich sie dank der Bibliothek doch einmal sehen. Alle 7 Teile. Und ich muß sagen: Okay, es entspricht sicher nicht heutigem Standard und kommt doch recht trashig rüber, trotzdem: Die Filme haben was.

Schon alleine das Universum, die Welt, in der sie spielen: Die Militärs haben sowohl deutsche als auch englische Bezeichnungen (Major McLane vs Commander McLane), man ist sich nie schlüssig ob es sich um eine Diktatur handelt (Galaktischer Sicherheitsdienst) oder doch eher um eine freiheitliche gestaltete Gesellschaft und vor allem: Ganz im Gegensatz etwa zu Enterprise gibt es so gut wie keine Außerirdischen.

Und so sind die Probleme, mit denen sich die Protagonisten auf der Orion rumschlagen weniger durch andere galaktische Imperien verursacht, sondern eher interne Probleme.

So etwa die Kritik an der Technologiegläubigkeit. Die Vorgesetzten neigen dazu, immer anzunehmen, daß „Elektronengehirne“ (heute würde man wohl Computer sagen) oder Roboter keine Fehler machen. Folglich werden dann auch eher mal die Menschen verdächtigt, Waren unterschlagen zu haben oder gar zu den einzigen Außerirdischen (Frogs genannt, die mich irgendwie an die BORG bei Star Trek erinnern), die natürlich feindlich sind, überlaufen zu wollen.

Bei der Recherche nach Nachfolgeprojekten stieß ich dann im Netz auf eine Kritik am Kinofilm „Rücksturz ins Kino“, in der gesagt wird, daß „an keiner Stelle erkennbar wird, warum dieser Film notwendig sein soll„.

Gut, Film ist nicht Serie und den Film hab ich nicht gesehen. Ich sehe aber durchaus, wie das Setting der Serie geeignet sein könnte für die Kritik an heutigen Vorgängen.

Da wäre zunächst mal die Technikgläubigkeit unserer heutigen Eliten. Wenn die Regierung oder sonstwer Daten sammelt, ist natürlich alles vollkommen sicher und nr für den genannten Zweck zu gebrauchen etc… und natürlich ist das nicht so.

Ich sehe da durchaus Parallelen zur Technikgläubigkeit der Eliten im Orion Universum, die dort gezielt in die Krisen führt, aus der nur McLand und die Orion Besatzung retten können (und zwar indem sie sich grad nicht an überkommene Regeln halten).

Ich könnte mir auch vorstellen, daß Themen wie Netzneutralität und Internetsperren, Copyright und dergleichen mehr veritable Themen für eine solche Serie abgeben. Oder der Einsatz von Gewalt gegen friedliche Demonstranten, die Weltregierung im Orion Universum neigt ja doch öfters mal zu Kurzschlußhandlungen inklusive (enormer) Gewaltanwendung, etwa in der Folge als sie aus Angst Chroma zerstören wollen, ohne vorher Verhandlungen zu suchen.

Wahrscheinlich aber werden die heutigen Probleme einfach nicht gesehen, zumindest nicht von denjenigen, die solche Serien produzieren. Oder sie wollen keine kontroversen Themen aufgreifen. An den Kosten kann es wohl nicht liegen, daß es nicht zu einer aktualisierten Fortsetzung kommt: Bügeleisen und Bleistiftspitzer sind so teuer nicht, und auch Laserstrahlen, Overkills und Frogs lassen sich mit heutiger Technik wohl leichter darstellen.

Bliebe nur noch die Frage: In Farbe oder Schwarz-Weiß? Oder gar Schwarz-Weiß und in 3D?

Allgemein

Geh doch rüber

Ich kann mich ja aktiv nicht mehr daran erinnern, dazu bin ich zu jung, aber es kursiert das Gerücht, daß früher, als die Mauer noch stand und im Osten Europas der real existierende Sozialismus weder von Ochs noch Esel aufgehalten wurde, im Westen diejenigen Menschen, die auch positive Seiten am Sozialismus zu erkennen glaubten, eben jenen Spruch an die Stirn geknallt kriegten:

Dann geh doch rüber!

Natürlich wurde das auch mal gesagt, wenn es gar nicht um Sozialismus ging, aber es wurde zum Totschlagargument: Was Du sagst ist Sozialismus, Sozialismus kannste drüben haben, drüben geht’s den Leuten schlecht, also kann die ganze Idee nix sein.

Eine durchaus einfache Weise, jemanden abzukanzeln, um sich nicht mit seiner Position auseinandersetzen zu müssen. Auch heute kommt es immer wieder zu Revivals des Spruchs und der Methode etwas z brandmarken, das man eigentlich gar nicht kennt. Zum Beispiel im Artikel von Philipp Möller vom 25.4. bei The European.

Der Artikel mit dem Titel „Dummdreistes theologisches Drohszenario“ endet nämlich genauso, wie dargestellt:

Wer sich aber mehr „Gott“ in der Regierung wünscht, dem sei ein Umzug empfohlen – zum Beispiel in den Iran.

Es geht um das ewige Thema der sog. Neuen Atheisten: Kirche und Glaube böse, alle anderen gut, und wer nicht überzeugt ist muß sich nur im Iran umsehen oder sich daran erinnern, was im 11. September 2001 so in New York los war. Achja, Kreuzzüge, Hexenverbrennung und dergleichen mehr, alles nr wegen der Religion.

Diesmaliger Aufhänger für den provokativ gestalteten Text ist das angebliche Drohszenario, das die Kirchen aufbauen würden, daß nämlich ohne Gott alles erlaubt sei. Dabei unterstellt er, wie es fast schon Tradition ist, daß kirchliche Menschen meinten, nur mit Angst vor der Hölle moralisch handeln zu können (wobei er ihnen ja genau das weiter oben abspricht, weil das afrikanische Christentum Kinder als Hexen verfolgen würde und allgemein die Religion ja Frauen unterdrückt etc, die üblichen undifferenzierten und unbelegten Vorwürfe).

Aber zurück zum Thema: Man sieht daß sie Herr Möller wenn, dann nur sehr oberflächlich mit dem Glauben, zumindest dem christlichen, befasst hat. Sonst würde er wissen, daß der Grund für die guten Werke nicht die Angst ist vor der Hölle, sondern eben genau der Umstand, daß man vor der Hölle eben keine Angst mehr haben muß, weil man durch Christus vor Gott gerechtfertigt ist. Die gte Tat des Christenmenschen ist also Reaktion auf die gute Tat Gottes an ihm selbst. Herr Möller muß natürlich nicht glauben, daß es diesen Gott wirklich gibt, aber er sollte doch als Einwohner des Landes der Lutherischen Reformation die Grundbegriffe derselben kennen, wenn er sich schon zu der betreffenden Religion äußern will. Inzwischen gibt es da auch einen (weitgehenden?) Konsens mit der römischen Kirche, und der wurde vor ein paar Jahren, also zu Lebzeiten von Herrn Möller geschlossen.

In einer Sache hat Möller Recht: Man kann auch ohne zu glauben Gutes tun, trotzdem scheint es mir sehr optimistisch, wenn er schreibt:

Er (sc. der von Religion freie Mensch) achtet die Selbstbestimmungsrechte seiner Mitmenschen und erkennt den Sinn des Lebens in dem einzigen Leben, das er hat. Er hinterfragt seine Urteile und lässt sich von keiner religiösen oder politischen Ideologie zum blutigen Kampf für „das Gute“ gegen „das Böse“ verleiten.

Sicherlich gibt es Menschen ohne Religion, die all das tun. Aber trifft das auf alle religionslosen Menschen zu? Es gibt sicherlich unreligiöse Menschen, die politischen Ideologien nachlafen und nachliefen, und nter diesen wird man ach welche finden, die ihre Urteile gerade nicht hinterfragen. Religionslosigkeit macht per se nicht zum kritisch denkenden Menschen. Und nicht zum Toleranten. Deshalb bin ich auch bei der Achtung der Selbstbestimmngsrechte skeptisch. Es ist vielleicht nur eine Korrelation, daß es im Osten, wo die Religion schwach ist, Parteien wie NPD und DVU ihre größten Erfolge feiern. Sicherlich, es hat viele Gründe, warum Menschen rechten Ideologien nachlaufen, und Religion hilft da vielleicht gar nicht mal so sehr dagegen, aber ich habe so meine Zweifel, daß alle Nazis religiöse Menschen waren und sind. Wenn aber ach Relgiionslose darunter sind, so stimmt die Rede von der Achtng der Selbstbestimmngsrechte nicht.

Da wir gerade beim Recht sind, sich selbst zu bestimmen: Möller achtet zwar die persönliche Glaubensfreiheit:

Die persönliche Glaubensfreiheit ist „Mensch sei Dank“ durch das Grundgesetz gesichert.

allerdings scheint es auch hier Grenzen zu geben. Denn wenn diese Glaubensfreiheit beinhalten sollte, daß man auch tun können soll, was man für richtig hält, dann hört die Freiheit auf, und mir geht es hier nicht um Gesetzesbrüche aufgrund religiöser Überzeugungen, sondern um Wahlen und Bndestagsabstimmngen:

Der moralische Kompass der Religion, der nur zwischen dem „lieben Gott“ und dem „bösen Teufel“ unterscheiden kann, gehört ins Museum. Nicht in Kitas, Schulen, Universitäten oder Gerichtsgebäude – und schon gar nicht in den Bundestag.

Glaubensfreiheit bedeutet also nicht, daß man seine Kinder nach den eigenen Überzeugungen erziehen darf, etwa indem man sie in eine kirchliche Kita schickt, oder in der Schule für den Religionsunterricht anmeldet (was er mit der Universität meint, versteh ach ich nicht). Und Glaubensfreiheit bedeutet vor allem nicht, das hebt Möller deutlich hervor, daß ein religiöser Bundestagsabgeordneter entsprechend seiner Überzeugung abstimmen darf. Das gesteht Möller wohl nur nichtreligiösen Abgeordneten zu. Die religiösen Abgeordneten würden sich dann wohl der Stimme zu enthalten haben oder gegen ihr Gewissen abstimmen müssen! Das wird weiter unten im Text noch einmal deutlich gemacht, dort fordert er ein System

in dem demokratisch gewählte Volksvertreter im Sinne des Volkes entscheiden – nicht im Sinne ihrer Religion

Interessant fände ich, wie er den Sinn des Volkes ermitteln will, gibt es da irgend ein Zentralkommitee, vielleicht in Form einer Vorhut der KLasse der Religionslosen? Und vor allem, inwieweit der Sinn eines Volkes, das zu 2/3 Mitglied einer der beiden großen Kirchen ist, vom Sinn der Religion des Abgeordneten abweicht, die höchst wahrscheinlich ebenfalls das Christentum ist. Aber freilich, der Text soll provokativ sein, und da kann man auch einmal Forderungen aufstellen, die keinen Sinn ergeben. Neben der Forderung, daß Abgeordnete nach dem (von der gbs festgelegten?) Sinn des Volkes abstimmen sollen statt nach ihrem Gewissen, fordert er noch

Firewall gegen Dogmen, Doppelmoral und Diktaturen

Er benutzt Analogien aus der IT, also nicht wundern, es geht um ein gesellschaftliches System für das 21. Jahrhundert.

Leider bleibt er dann den Entwurf auch schuldig. An sich logisch, denn wie könnte ein System ohne Dogmen auskommen, also ohne feststehende Vorentscheidungen, die nicht relativiert werden? Die Menschenrechte könnten so etwas darstellen, wollte man ein sälulares System formulieren. Das will er aber offenkundig nicht. Alles was er tun will, ist zu polemisieren: Hier die Religionen, die für alles Leid auf der Welt verantwortlich sind (ohne Belege zu nennen, er suggeriert nur) und af der anderen Seite die Möglichkeit, ohne Religion viel besser und in größerer Eintracht zu leben.

Man beachte, daß er auch hier nur suggeriert, daß das möglich wäre, ohne eine tatsächliche Alternative anzubieten. Die müßte sich dann der Kritik stellen und wer weiß, vielleicht ist er sich dessen bewußt, daß er auch kein konkretes System anzubieten hätte, das den einzelnen Religionen überlegen wäre.

kirche, Religion

Sublimis Deus

Der erhabene Gott neigte sich unserem Geschlecht mit solcher Liebe zu und schuf den Menschen dergestalt, dass dieser nicht bloß wie die anderen Geschöpfe am Guten teilnehmen, sondern das unzugängliche und unsichtbare höchste Gut selbst verkosten und von Angesicht zu Angesicht schauen darf. Da nun, nach dem Zeugnis der Hl. Schrift, der Mensch für das ewige Leben und die Glückseligkeit bestimmt ist, dieses ewige Leben und die Seligkeit aber nur durch den Glauben an unsern Herrn Jesus Christus erlangt werden können, muss man dem Menschen eine derartige Beschaffenheit und Natur zuerkennen, dass er diesen Glauben an Christus zu empfangen imstande sei und dass, wer immer die menschliche Natur sich zu eigen nennt, auch die Fähigkeit zu glauben besitze. Denn es wird wohl niemand so beschränkt sein, um annehmen zu wollen, ein Ziel lasse sich ohne den Einsatz der dazu notwendigen Mittel verwirklichen. Wie wir wissen, sprach deshalb die Wahrheit selbst – und sie kann ja weder irren noch jemanden in Irrtum führen -, als sie die Prediger des Glaubens zum Amte der Verkündigung auserkor, die Worte: Euntes docete omnes gentes. Alle, sagte sie, ohne Ausnahme, sind doch alle fähig, im Glauben unterwiesen zu werden. Scheelen Blickes sah dies der Rivale des Menschengeschlechtes, der stets allem Guten entgegenwirkt und es zu vernichten trachtet. Daraufhin ersann er eine bislang nie gehörte List, um die Verkündigung des Wortes Gottes an die Völker und damit deren Heil zu hintertreiben: Er veranlasste nämlich einige seiner Helfershelfer, die nichts anderes begehrten, als ihre Habsucht zu befriedigen, dass sie unablässig daraufhin arbeiteten, die Bewohner West- und Südindiens und andere Nationen, von denen wir Kunde erhalten haben, wie Tiere zum Sklavendienst einzuspannen. Sie schützten dabei vor, diese Leute könnten des katholischen Glaubens nicht teilhaftig werden. Als Stellvertreter Christi, unseres Herrn, wiewohl dessen unwürdig, suchen wir mit all unseren Kräften, die Schafe seiner Herde, die uns anvertraut sind und sich außerhalb seiner Herde befinden, in seinen Schafstall hinein zu führen. Wir wissen wohl, dass die Indianer als wirkliche Menschen nicht allein die Fähigkeit zum christlichen Glauben besitzen, sondern zu ihm in allergrößter Bereitschaft herbeieilen, wie man es uns wissen ließ. Aus dem Verlangen, in diese Angelegenheit Ordnung zu bringen, bestimmen und erklären wir mit diesem Schreiben und kraft unserer apostolischen Autorität, ungeachtet all dessen, was früher in Geltung stand und etwa noch entgegensteht, dass die Indianer und alle andern Völker, die künftig mit den Christen bekannt werden, auch wenn sie den Glauben noch nicht angenommen haben, ihrer Freiheit und ihres Besitzes nicht beraubt werden dürfen; vielmehr sollen sie ungehindert und erlaubter Weise das Recht auf Besitz und Freiheit ausüben und sich dessen erfreuen können. Auch ist es nicht erlaubt, sie in den Sklavenstand zu versetzen. Alles, was diesen Bstimmungen zuwiderläuft, sei null und nichtig. Die Indios aber und die andern Nationen mögen durch die Verkündigung des Wortes Gottes und das Beispiel eines guten Lebens zum Glauben an Christus eingeladen werden.

Es handelt sich um die Übersetzung einer päpstlichen Bulle von Paul III von 9.7.1537, also nicht allzu lange nach dem Entdecknen der Neuen Welt, noch vor dem Untergang des Inkareiches und nur 16 Jahre nach der Unterwerfung der Azteken.

Ich finde, nachdem ich mich die Tage kritisch über Bischof Müller geäußert hatte, kann ich jetzt auch mal anerkennen, daß die Kirche von Rom recht früh klare Worte gegen die Versklavung gefunden hat, auch wenn sich modern wähnende Menschen ständig anderes behaupten (Interessant wäre allerdings zu wissen, wie der Papst dem gleichzeitigen Sklavenhandel im Mittelmeerraum gegenüberstand). Überhaupt finde ich interessant, welche Ideen zum Beipsiel in der spanischen Spätscholastik entwickelt wurden, so wurde mir bei einer Führung bei der UN in Genf erklärt, daß unser modernes Völkerrecht genau bei Vertretern der spanischen Spätscholastik ihren Ursprung hat.

Achja: Ich hab den Text komplett zitiert, und zwar wie er auf der verlinkten Seite angegeben ist. Laut dortiger Angabe handelt es sich um eine Übersetzung nach J. Baumgartner, Mission und Liturgie in Mexiko, Bd. 1, Schöneck-Beckenried 1971, 122; aus: Conquista und Evangelisation (Mainz 1992), S. 475 f.

Falls Sie also der Urheber oder Copyright-Besitzer sind und ein Problem mit der vollständigen Wiedergabe haben, melden Sie es bitte kurz an, bevor sie mir ne Abmahnung oder ähnlich häßliche Schreiben schicken. Im übrigen bein ich Student, bei mir ist eh nicht viel zu holen 😉

glaube, kirche

Ökumene

Wir erinnern uns: Ökmene bedeutet römische Reichskirche.

So sagte ein Professor der Kirchengeschichte immer wieder in einer Vorlesung über die Kirchengeschichte des Mittelalters. Und bisher schien es mir so, als wäre dies auch das römische Verständnis im Gespräch mit den anderen Kirchen… äh, Pardon, Glaubensgemeinschaften.

Okay, ich will ja gar nicht weiter sticheln. Natürlich war es eine Enttäuschung, noch einmal unter die Nase gerieben zu kriegen, daß wir Protestanten keine „richtige“ Kirche sind. Ist im Rahmen der römischen Denkweise nur folgerichtig und konseqent, aus evangelischer Sicht aber eben falsch, da wir Kirche nicht am Weihesakrament (das wir gar nicht kennen) festmachen, sondern daran, daß dort die Sakramente recht verwaltet und Gottes Wort lauter gepredigt wird. So oder so ähnlich hatte sich Luther ausgedrückt, und auch wenn ich selbst kein Lutheraner bin, kann ich dem durchaus etwas abgewinnen.

Auch das Bemühen um die Piusbrüder bei gleichzeitiger (gefühlter) Gleichgültigkeit gegenüber den protestantischen Geschwistern von Seiten des Papstes sorgte für Enttäuschung. Aber wiederm aus römischer Perspektive nur folgerichtig, denn die Piusbrüder haben „echte“ Sakramente und weihen ihre Priester nd Bischöfe, und zwar mit apostolischer Sukzession. Insofern sind sie für Rom ungleich mehr Geschwister als wir Protestanten, ach sollte die Einheit mit ihnen schneller herzustellen sein, da die Differenzen marginal sind und soweit ich es beurteilen kann vor allem im Gehorsam dem Bischof von Rom gegenüber bestehen.

Alles aus protestantischer Sicht unschöne aber verständliche Geschehnisse der Vergangenheit. Als Protestant hatte man sich schon fast damit abgefunden, daß eine Anerkennung des eigenen Glaubens durch Rom nur um den Preis zu haben ist, sich dem Papst unterzordnen, Ökumene also als Rückkehr in den Schoß Roms, wahrscheinlich mit anschließendem Klappe halten und auf den Papst lauschen.

Jetzt nicht falsch verstehen, ich halte den Papst für einen durchaus hellen Kopf, und vieles was er sagt, hat Hand und Fuß. Aber er steht nicht zwischen mir und Gott, nd folglich werde ich mich auch nicht dem papst und seiner Lehre unterordnen, sondern sie in Betracht ziehen, mich Gott zuwenden und mit der Freiheit des Christenmenschen mich selbst vor Gott verantworten, auf den allein ich baue, ohne klerikal verordnete Mittelsmänner.

Da kam mir dann dieses Interview mit Bischof Müller aus Regensburg unter, der neben den Katholiken Regensburgs auch noch für die Ökumene zuständig ist. Und der hat ein paar ganz tolle Kracher losgelassen, durchaus scharf, durchaus fragwürdig, aber endlich auch einmal wieder eine Äußerung von römischer Seite in Richtung der Protestanten.

Der Einstieg ins Interview gescheiht über eine Einschätzung zm Stand der Ökumene mit den Protestanten, und anstatt auf den getrennten Tisch des Herrn einzugehen, was wohl alle Protestanten machen würden, hat er ganz andere Prioritäten, und die sind nicht einmal dogmatisch. Sie sind ethischer Natur, er nennt nämlich Bio- und Sexalethik! Hier gäbe es Spannungen und in der Tat, die gibt es. Ich hätte sie jedoch as protestantischer Sicht nie für so beträchtlich gehalten, daß sie die Ökumene belasten würden. Er nennt die Heilige Schrift und die Glaubenslehre als Grundlage für die Position Roms, wobei ich eine Auseinandersetzung über die Herleitung der römischen Sexalethik aus der Schrift interessant fände. In der Bioethik vertrete ich sehr römische Ansichten und stehe vielen evangelischen Protagonisten eher kritisch gegenüber, insofern fände ich diesen Aspekt jetzt nicht so interessant. Die Sexualethik der römischen Kirche und die Heilige Schrift, das ist jedoch eine Thematik, die ich gerne vertiefen würde. Leider geht Müller nicht näher darauf ein.

Es folgt auf dem Fuße die Frage nach dem gemeinsamen Herrenmahl, und Müller antwortet wie nicht anders zu erwarten: Das ist Zeichen der Kircheneinheit und kann nicht geschehen, wo es noch keine Einheit gibt. Klare Ansage von ihm, klare Ablehung von mir. Vor allem, wenn Einheit bedeten sollte, daß alles monokulturell unter einem Hut, nämlich der Mithra des römischen Bischofs, gefaßt werden soll, um Einheit zu haben. Interessant wäre zu wissen, in welchen Fragen denn Einheit erzielt werden muß. In der Dogmatik? Auch in der Ethik? Sind abweichende Liturgien ein Grund gegen Einheit? Wie steht es mit dem Laienkelch? Wie ist es mit der Berufung Homosexueller zu Pfarrern, oder gar von Frauen? Dürfen wir noch eine eigene Kircheninstitution haben, oder muß auch diese aufgelöst und die Kirchengleider von den Bistümern der römischen Kirche afgenommen werden? Ich habe leider den Eindruck, man will uns Protestanten mit der Aussicht auf das gemeinsame Abendmahl locken, um uns dann doch noch einzufangen. In der Zwischenzeit gibt es Agapemahle, aber darauf geh ich jetzt nicht ein, das ärgert mich nur.

Er vergleicht die gemeinsame Eucharistie mit der obersten Sprosse einer Leiter, die man nicht zuerst nehmen könne, vor den anderen. Einverstanden, aber dann wäre es wichtig und sinnvoll, sich darüber zu verständigen, was die anderen Sprossen sind. Ich habe hier wirklich ein Verständnisproblem, denn in evangelischer Tradition steht der Mensch nun einmal alleine vor Gott, was eine große Varianz innerhalb der evangelischen Kirchen zur Folge hat, mit allen Vor- und Nachteilen. Ich finde, die Vorteile überwiegen die Nachteile jedoch bei weitem. In Rom sieht man das wohl anders. Unter Umständen sieht man nur ungeordnetes Chaos, wenn man die reformatorischen Kirchen ansieht. Und diese Unordnng ist man in der römischen Kirche wohl nicht mehr gewohnt in Zeiten, wo alles nach Rom ausgerichtet und der Papst nebst Konzilien unfehlbar ist.

Bischof Müller sagt weiterhin, daß ein um die Ökumene besorgter Mensch nicht immer Forderungen stellen soll, sondern sehen soll, wie man bei sich selbst etwas tun kann. Schön und gut, möchte ich. Aber was wäre denn gewünscht? Und da kommen die Forderungen wieder ins Spiel. Was die Protestanten wollen, dürfte klar sein: Gemeinsam kommunizieren ohne von Gott lassen zu müssen, denn nicht anders müßte ich es verstehen, wenn ich den Papst als unfehlbare Instanz zwischen mir und dem wahrhaft unfehlbaren Gott anerkennen müßte. Das wollen die Römer wiederum nicht. Aber was sie wollen, ist mir noch nicht ganz klar. Vielleicht sollte man sich doch einmal verstärkt über die Ethik unterhalten, nd die Dogmatik einmal bei Seite lassen?

Froh wäre ich allerdings, wenn Müller seine Drohung wahrmachen würde, und gegen Vorgänge und Auffassungen in den evangelischen Kirchen protestierte, die nicht biblisch begründet sind. Sicher sind Diskussionen über rechte Bibelauslegung immer ein veritabler Konfliktort, aber das sollte ns nicht davon abhalten, nach der Wahrheit zu streben, und ein Weg zu ihr führt über die Kritik. In diesem Sinne bitte, Herr Bischof, nennen Sie Ihre Bedenken.

Dann spricht der Bischof davon, daß es zu einer Wellness-Religion käme, wenn Ökumene wie eine feindliche Übernahme aus der Geschäftswelt funktionierte. Nun denn, das bedeutet implizit also, wir Protestanten würden einer Wellness-Religion anhängen. Falls der Bischof es tatsächlich so gemeint haben sollte, fühle ich mich nun doch ein bißchen angegriffen. Was ist denn bei uns bitte schön mehr Wellness als in Rom? Auch hier würde ich mir mehr Ausführung durch Müller wünschen. Vielleicht kommt das ja noch die Tage.

Sicherlich kann, um nochmal auf die feinliche Übernahme zurückzukommen, Ökumene nicht so funktionieren, daß die Römer protestantisch werden. Genausowenig wie sie so funktionieren kann, daß die Protestanten sich wieder Rom unterwerfen. Die Frage ist, was kann man loslassen und was ist einem wichtig. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, wo bei den Römern Beweglichkeit herrscht. Ich kann es nur für mich sagen: Wichtig ist mir, daß ich nicht durch irgendwelche Instanzen von Christus getrennt werde, denn Er ist mein Herr, und zwar direkt, ohne Mittelsleute. Gott ist mein Vater, der direkt zu mir spricht und nicht der Stimme eines Bischofs in Italien bedarf, um mir zu sagen, daß ich Sein Kind bin. Ich sehe jedoch auch das Problem darin, denn was ich mir rausnehmen will, ist nichts als eine sehr große Freiheit und Unabhängigkeit von Lehrämtern und dergleichen, nd ich sehe nicht, wie Rom dies zulassen könnte und trotzdem von Kircheneinheit sprechen.

Verstehen wiederm kann ich, daß Müller es nicht mag, als unmodern und rückständig dargestellt zu werden, im Gegensatz zu den Evangelischen Kirchen, die durch Aufklärung nd Moderne hindrchgegangen sind, wie er Huber zitiert. Keiner hört sich gerne an, daß er unaufgeklärt sei. Und ich finde, das beschreibt die römische Kirche ach nur sehr unzreichend. In der Tat scheint es mir so, daß die Vernunft in Rom viel höher angesehen ist als bei protestantischen Gläubigen, ich schließe mich da gerne mit ein. Wobei vielleicht noch zu klären wäre, was genau mit Vernunft gemeint ist.

Dann geht es um die Reformation, in deren Folge etwas geschah, was nicht hätte sein dürfen, nämliche die Kirchenspaltung. Hier muß ich dem Bischof unumwunden Recht geben, ich kann es menschlich auch verstehen, daß die Kirche von Rom im Tridentinum die Spaltung vollzog, vielleicht in der Hoffnng, so doch noch einmal das Ruder herumzureißen und die Kontrolle wiedererlangen zu können. Leider war es dann aber doch die Spaltung, die die römische Kirche vollzog, indem sie sich vom Rest der Catholica abspaltete. Aber gerade m das rückgängig zu machen, ist ja die Ökumene da, um die Einheit wieder herzustellen, wie sie vor dem Tridentinum gegeben war.

Am Schluß spricht er noch die Aussage Luthers an, der Papst sei der Antichrist. Auch hier kann ich den Wunsch nach Distanzierng verstehen, genaso wie ich mir wünsche, daß Zwingli, Calvin und alle anderen Reformatoren in Rom rehabilitiert werden. Daz ist es aber nötig, erst einmal herauszuarbeiten, was mit der Aussage gemient war, und inwieweit man das hete immer noch so sehen würde, wenn auch weniger polemisch in Worte gefaßt.

Mir erscheint es wichtig, die Ökumene nicht nur voranzubringen, sondern sie auch ernst zu nehmen. Und das bedeutet dann auch anzusprechen, wenn man zu Punkten kommt, wo das Verständnis grundverschieden ist. Da kann man nicht einfach den Teppich drüber ausbreiten und so tun, als wäre nichts. Wir Protestanten sind aus einem Grund protestantisch, und die römischen Christen sind aus einem Grund römische Christen. Und das Kirchenverständnis Roms ist mir fremd bis zur Unverständlichkeit. So wie den Römern vielleicht auch unverständlich ist, wie wir Protestanten verschiedene ethische nd dogmatische Ansichten haben und trotzdem eine Kirche sein können.

Um einander zu verstehen, muß man miteinander sprechen. Und das geschieht nun, aufgrund der scharfen Äußerungen Müllers. Mal sehen, wie es weitergeht.

Update: Heute habe ich im Österreich Journal eine Meldung über die Reaktion Prof. Körtners aus Wien af das Müllerinterview entdeckt.

Religion

Henryk M. Broder

Irgendwie les ich von dem immer nur Dinge über den Islam… Egal. Jedenfalls hat sich Henryk M. Broder in der Welt (via) zu Schavan geäußert, zum Islam und dazu, daß Religion Privatsache sei. Einige seiner Aussagen finde ich so haarsträubend, daß ich nicht umhin kann, mich dazu zu äußern.

Man kann als Christ die Unfehlbarkeit des Papstes anzweifeln und als Jude Jesus für den Erlöser halten. Man riskiert den Zorn der Schwiegereltern, aber nicht das eigene Leben. Aber ein Moslem, der nur die Frage stellt, ob der Koran von Gott geschrieben oder nur inspiriert wurde, hört auf ein echter Moslem zu sein.

Ich finde es geradezu überwältigend, mit welcher Vollmacht Broder hier entscheiden kann, wer Muslim ist und wer nicht. Der jeweilige Mensch mß gar nicht angehört werden. Broder selbst weiß es besser. Und genaer. Muslim ist, wer sich so verhält, wie Broder sich den Muslim vorstellt. Und wenn der Mslim plötzlich die Inspiration des Koran hinterfragt, dann ist es eben kein echter Schotte mehr. Ja, man wünscht sich, daß diese unfehlbare Einteilung der Welt in gut und böse falscher Muslim und echter Muslim au (nicht „à la“, Broder ist männlich) Broder auch einem selbst gelingen würde in anderen Feldern. Klar könnte man die Welt einteilen in gt und schlecht und müßte sich keine Gedanken mehr machen, ob nicht alles doch etwas komplizierter ist und Differenzierung nötig macht. Differenzierung ist für Gutmenschen, und dei sind der Untergang des Abendlandes.

Daher irritiert es auch, daß er wenig später von liberalen Muslims schreibt. Wer soll das denn sein? Hat man ihm hier von Seiten der Redaktion, um noch etwas political correctness reinzubringen, einen Begriff untergeschoben? Man weiß es nicht, es bleibt ein komischer Nachgeschmack…

<blockquote>Wenn in Ägypten eine Brücke gebaut werden soll, müssen Ingenieure eingeflogen werden. Und wenn ein in Saudi operiert werden muss, reist er nach München oder London, vorausgesetzt er hat das Geld.</blockquote>

Recht hat er. Wo hat man auch schon einen muslimischen Ingenieur oder Arzt gesehen? Sie haben einen muslimischen Hausarzt? Einen muslimischen Ingenieurs-Kollegen? Machen sie sich nichts vor! Oben haben wir ja gelesen, wie das ist mit den Muslimen, die sich nicht wie echte Muslime verhalten. Es sind keine! Konfrontieren Sie Ihren Hausarzt doch einmal mit der Wahrheit. Oder Ihren Kollegen. Wenn er Sie nicht sofort niederstreckt – eine Koransure auf den Lippen – dann ist es der Beweis dafür, daß es sich tatsächlich NICHT um einen waschechten Muslim handelt. Wird Ihnen statt dessen nur eine finstere Miene entgegegebracht oder böse Worte, so versucht er lediglich, den Schein aufrecht zu erhalten. Womöglich wird er von Al Qaeda dazu gezwungen, sich als Mslim auszugeben, weil er sonst selbst getötet wird, als Apostat. Lassen Sie sich bloß nicht hinter’s Licht führen!

<blockquote>Religion ist, wie Sex, Privatsache. Daheim können die Menschen machen, wozu sie Lust haben. Aber sie möchten bitte die Gardinen zuziehen. Denn zur Religionsfreiheit gehört auch das Recht, von religiösen Exerzitien der Anderen verschont zu werden. Das sollte eine so kluge Frau wie Annette Schavan eigentlich wissen.</blockquote>

Wie wir sehen macht Broder nciht dabei Halt uns darüber afzuklären, was ein echter Muslim ist und wie dieser sich verhält. Nein! Er erklärt ns ach, was Freiheit ist. Religionsfreiheit bedeutet, hinter geschlossenen Gardinen Gebete zu sprechen, solange sie nicht von Nachbarn gehört werden können. Unklar bleibt, ob die Nachbarn wissen dürfen, daß jetzt gerade Gebete gesprochen werden nebenan. Zur Sicherheit sollte man Broders Worte so interpretieren, daß nicht nr die Gardienen zu sind, sondern auch keiner weiß, daß da gerade etwas Religiöses läuft. Den Ausschlag zu geben dafür, daß jemand nur an etwas Religiöses denkt, schränkt schließlich dessen Freiheit von Religion ein.

Man kann es auch übertragen auf andere Freiheiten. Etwa die Meinungsfreiheit. Man äßere seine Meinung nur noch, wo sie niemand vernehmen kann, und am besten dann, wenn keiner damit rechnet. Am Besten wäre es natürlich, man hätte gar keine Meinung, jedenfalls keine eigene, um nicht andere damit in ihrer Freiheit einzuschränken.

Ein weiteres Gut ist die Reisefreiheit. Wäre es nicht schön, wenn der Nachbar endlich mal aufhören würde, Ihnen den teuren Karibikurlaub unter die Nase zu reiben? Was soll das? Sie haben schließlich ein Recht auf Freiheit. Und Reisefreiheit schließt ein, von Reisen anderer vershcont zu bleinen! Vielleicht sollte man doch wieder eine Mauer bauen, um die Freiheit der Bürger gewährleisten zu können?

Und wie ist es mit der Bewegungsfreiheit? Sie haben das Recht dazu! Wieso sollten Sie sich von den spastischen Tanzbewegungen des Sohnes Ihres Nachbarn weiter belästigen lassen? Die Bewegungsfreiheit ist Ihr gutes Recht, weisen Sie den Jungen darauf hin, daß Sie, sollte er auch nur ein Glied noch bewegen, sofort in Karlsruhe beim Verfassungsgericht Klage einreichen werden! Denn unsere Freiheiten sind schließlich durch das GG geschützt.

Ach ja. Da Sie Informationsfreiheit genießen, hör ich jetzt lieber auf.

kirche

Tanzverbot

Bald ist wieder Ostern, und davor Karfreitag. Und wer da tanzen gehen will, könnte ein Problem kriegen. Denn in Deutschland gibt es an bestimmten Feiertagen das Tanzverbot, das dafür sorgt, daß das Volk den Tag in gebührendem Ernst begehen kann.

Leider nimmt die Zahl der Christen in Deutschland beständig ab. Hier in Pommern hatte die Landeskirche in den 50er Jahren des 20 Jhd. noch 700.000 Glieder. Die DDR-Propaganda hat es geschafft so viele Leute aus der Kirche zu treiben, daß es heute nur noch 96.000 Glieder sind. Für 2040 wird erwartet, daß nun noch 50.000 Menschen in Pommern Glieder der Landeskirche sind (die aber dann Teil der Lutherischen Kirche im Norden sein wird).

Der Rückgang der Christenzahlen führt dazu, daß es nicht mehr selbstverständlich ist, daß etwa der Karfreitag und andere Feiertage als Stille Tage akzeptiert werden. Menschen ohne Glauben oder mit anderem Glauben wollen nicht von der ehemals prägenden Religion in ihrer Freizeitgestaltung eingeschränkt werden. Sie wollen vielleicht an anderen Tagen Ruhe finden, nicht gerade an denen, die die Christen dazu ausgewählt haben.

Ich denke, sie haben Recht. Eine plurale Gesellschaft kann nicht derart von einer bestimmten Kultur geprägt werden. Nur weil ich als Christ am Karfreitag nicht in die Disco gehe, muß ich nicht Achmad, Mandy und Rene zwingen, es mir gleich zu tun. Und ich will auch nicht, daß der Staat das tut. Das ist ja das Anachronistische daran: Der Staat ist es, der gemäß der religiösen Vorstellung einer Religion für alle Bürger festlegt, an welchen Tagen nicht getanzt wird.

Würden die Kirchen sagen: Liebe Gläubige, am Karfreitag bleibt Ihr schön zu Hause von der Disco, wäre das ja noch in Ordnung. Jeder kann selbst entscheiden, ob er einer Kirche angehören will und inwieweit er sich ihren Vorgaben unterwirft. Aber die Kirche macht hier keine Vorgaben. Sie bleibt aßen vor. Handeln tut der Staat. Und wer ein bißchen im Netz sucht, findet auch einiges zu Tanzverboten, Gerichtsverfahren und Protesten.

Die Tanzverbote fallen in den Bereich der Kultur, und für den sind die Länder zuständig. In meinem Heimatland Rheinland-Pfalz gibt es nun eine Petition zur Abschaffung des Tanzverbots an den christlichen Feiertagen. Argumentiert wird, daß die Gläubigen auch wenn getanzt wird in ihrer Religionsausübung nicht gestört werden. Was ich nicht ganz verstehe ist, warum der Volkstrauertag ausgenommen wird in der Petition, denn auch dann muß das Tanzen der einen nicht das Trauern der anderen stören. Insofern ist die Petition hier nach meinem Dafürhalten nicht konsequent, aber sei’s drum.

Ich meine, auch wenn es zu Störungen kommen sollte: In einer pluralen Gesellschaft sind wir angehalten, einander zu ertragen. Die Nichtchristen ertragen die Kirchenglocken, wieso sollten die Christen nicht das Tanzen und die Musik der Nichtchristen ertragen? Man könnte ja leise darauf hinweisen, wenn es tatsächlich zu Störungen kommen sollte. Aber ich denke, per Staatsmacht die Störungsfreiheit einzufordern führt nirgendwohin. Außerdem: Wer will denn schon gezielt stören? Es dürften wenige sein. Und die werden ach den Spaß verlieren, wenn man sich nicht provozieren läßt.

Also was spricht noch dafür, daß der Staat den Kirchen eine Ruhe garantiert, die diese so wahrscheinlich gar nicht brauchen (es gelten ja weiterhin die Lärmschutzbestimmungen), während dabei Leute in ihrer Freiheit eingeschränkt werden, und am Ende vielleicht noch die Schuldigen in den Kirchen suchen, die an sich gar nichts mit der Sache zu tun haben?

Deshalb möchte ich allen ans Herz legen, die Petition mitzuzeichnen, das können auch Menschen sein, die nicht in Rheinland-Pfalz leben, so wie ich. Die Petition findet sich hier.

Update: Über @Herusche hab ich erfahren, daß es auch in Hessen eine Petition gibt. Wieder wird, für mich unverständlich, der Volkstrauertag ausgenommen. Lustigerweise werden Neujahr und der 1. Mai (sic!) als christliche Feiertage bezeichnet (da sieht man wo Bildungspolitik der CDU hinführen kann).