Netzfunde

Netzfunde Mittwoch, den 30. März 2016

Wir hatten schon lange keine Netzfunde mehr, ich hatte auch insgesamt wenig Zeit. So ein Vikariat ist schon fordernd.

Nun hab ich aber ein paar Tage Urlaub (was bitter nötig war) und bin beim Surfen heute über zwei Dinge gestolpert, die ich einfach mal festhalten will:

Das erste wäre ein Ausschnitt aus der NDR Talkshow. Bernhard Hoecker erklärt darin, wie die Flüchtlinge Deutschland überfluten und wie gefährlich das ist.

Das andere ist ein Interview der Stuttgarter Zeitung mit Professor Jürgen Moltmann, und ich kann nicht umhin, einige seiner Statements, die mir aus der Seele sprechen, zu zitieren.

Zum Kampf gegen Daesh sagt er:

Der IS ist in den Köpfen und in den Herzen von Menschen entstanden und kann auch nur in den Köpfen und Herzen von Menschen bekämpft werden. Es arbeiten viele Christen und Muslime in Deutschland und anderswo daran, dass junge Menschen nicht auf falsche Heilsversprechen reinfallen. Das ist der einzige Weg, den ich sehe.

Das erklärt vielleicht, wieso Käßmann doch Recht hat, wenn sie Terroristen mit Beten und Liebe begegnen will.

Auf die Frage, ob es im Sorgen bereite, daß derzeit so viele Muslime nach Deutschland kämen, antwortet Moltmann:

Christus ist nicht gegen die Muslime, sondern für sie gestorben. Das muss die Haltung von gläubigen Christen gegenüber den Muslimen prägen.

Zur Frage, ob er keine Angst habe, daß sich die Menschheit vernichte:

Angst ist eine Vorwegnahme des Terrors, Hoffnung ist eine Vorwegnahme der Freude. Ich bevorzuge die Hoffnung. Die Angst vor einem wie auch immer gearteten Weltuntergang lähmt uns, nichts befördert einen Weltuntergang so sehr wie die Angst vor ihm. Man muss die Angst in sich überwinden, und das geht nur über die Kraft der Hoffnung. […] Nichts zu hoffen bedeutet nicht zu leben.

Genug der Vorrede, hier der Link zum Interview.

Gesellschaft

Frauenbild?

Es soll ja in diesem unseren Land Menschen geben, die Muslimen generell ein Frauenbild unterstellen, bei dem die Frau vor allem dem Manne zu dienen hat oder dergleichen.

Auf Twitter begegnete mir die Tage folgendes Bild (gepostet von einer Frau):

Auf dem Bild zu sehen ist eine leicht bekleidete Dame und folgender Text:

Ich halte wenig von zu viel Rücksichtnahme auf die vermeintlich religiösen Gefühle unserer Gäste.
Im Gegenteil:
Der Kulturschock sollte ihnen schnellstens um die Ohren Fliegen.

Das und nur das ist Integration.

Daß jemand gefordert hätte, Frauen sollten sich wegen der Flüchtlinge stärker bedecken, ist mir bisher noch nicht untergekommen. Sicher gibt es Menschen, die leicht bekleideten Frauen Schimpfwörter an den Kopf knallen – eben wegen der Kleidung. Aber die gab es schon lange, bevor die Flüchtlinge kamen. Deutsche konnten früher schon Opfern von Vergewaltigungen die Schuld geben mit den Worten „Ja so wie Du angezogen bist…“. Eine Veränderung nehme ich da erst wahr, seit man damit Stimmung gegen Flüchtlinge machen kann, also so in etwa seit letzten Silvester.

Und es gibt ja auch durchaus viele Menschen, die die Forderung nach leichter Bekleidung bei Frauen kritisch sehen. Dahinter steht eben auch ein fragliches Frauenbild, wenn die Frauen immer sexy auszusehen haben und vielleicht sogar ein Teil der Wertschätzung davon abhängt, wie sie aussehen bzw sich anziehen.

Frauenfeindlich ist so etwas, wenn nicht die Leistung zählt, oder die Persönlichkeit, sondern das Aussehen, wenn Frauen als Püppchen zu funktionieren haben.

Nur ist es nicht immer so. Manche Frau fühlt sich vielleicht einfach nur wohl in Kleidung, über die andere die Nase rümpfen würden. Es ist Teil unserer Freiheit, daß sie die Kleidung selbst wählen können (und daß andere die Nase rümpfen können). Doch sobald jemand versucht, ein Verbot durchzusetzen, hat es sich mit der Freiheit. Denn was ich anziehe ist meine Sache. Da hat mir niemand etwas zu verbieten.

Und wenn eine Frau gerne eine Burka anziehen möchte – aus welchen Gründen auch immer – dann sehe ich keinen Grund, der ein Vebrot rechtfertigen würde. Jedenfalls nicht, so lange nicht auch in gleicher Weise über ein Verbot von Bikinis nachgedacht wird.

Was Frauen selbst anziehen wollen, ist ihre Sache. Man kann darüber denken, was man will, aber das war es dann auch.

Wenn Druck ausgeübt wird, bestimmte Kleider anzuziehen, sei es nun ein Bikini oder eine Burka oder ein Spongebob Kostüm, dann ist das von Übel. Und zwar in gleicher Weise.

Insofern kann meinetwegen jeder sich wünschen, daß den Flüchtlingen der Kulturschock um die Ohren fliegt. Aber dann soll er bitte nicht maulen, wenn er ebenso kulturgeschockt wird durch die andersartige Kleidung der Flüchtlinge.

Unser freiheitlicher Rechtsstaat schreibt keine Kultur fest. Es gehört inhärent zu unserer westlichen Freiheit, daß wir über unsere Kultur oder Subkultur selbst entscheiden können. Wenn mir danach ist, färbe ich mir morgen die Haare grün – und außer mir geht es niemanden etwas an.

Wer das nicht versteht, wer das nicht aushalten kann, der verteidigt nicht unsere westlichen Werte, sondern tritt sie mit Füßen, ob es sich nun um einen Flüchtling, oder um einen Deutschen handelt.

Hier noch ein Bild zum Nachdenken:

Die Frau links denkt: Alles bedeckt außer ihren Augen. Was für eine grausame, männlich dominierte Gesellschaft.

Die Frau rechts denkt: Nichts bedeckt außer ihren Augen. Was für eine grausame, männlich dominierte Gesellschaft.

Gesellschaft, Politik

Grenzkontrollen

Immer wieder les ich davon, daß die Grenze geschlossen werden sollte, daß das billiger wäre als die Flüchtlinge aufzunehmen, und (ja, immer noch) daß es deutsches Recht wäre, den Grenzübertritt mit Waffengewalt zu unterbinden.

Letzteres ist natürlich völliger Unsinn, denn der Polizist oder Grenzschützer, der auf Flüchtlinge feuert, die die Grenze übertreten, macht sich außer in ganz wenigen Ausnahmefällen strafbar. Da das anderswo gut und ausführlich erklärt wird, schreib ich dazu jetzt nichts mehr.

Was mich hier interessiert ist die Frage, ob und inwiefern es sinnvoll und durchführbar ist, durch Grenzkontrollen oder Stacheldrahtzäune den Grenzübertritt zu verhindern.

Es steht ja die Behauptung im Raum, daß wir uns der ganzen Krise entledigen könnten, indem wir einfach die Grenzen schließen.

Nun sind Grenzen keine Schleusen oder Ventile, die man zudrehen kann und schluß im Bus. Grenzen sind abstrakte Linien, die durch Geschichte und Politik in der Landschaft gezogen wurden, um Hoheitsbereiche voneinander abzugrenzen. Eine Grenze existiert nicht an sich, sondern nur deshalb, weil hinreichend viele Menschen sich an diese Grenze halten und sich so VERhalten, als wäre da eine Grenze.

Glauben die Menschen nciht mehr an Grenzen, oder sind sie ihnen egal, dann verschwinden die Grenzen auch ganz schnell. Das beste Beispiel der jüngeren Vergangenheit ist die DDR.

Die Grenze der DDR zur BRD war stark gesichert mit Stacheldraht, Soldaten, Schießbefehl, Hundebahnen, was es damals so gab. Es spielt dabei übrigens keine Rolle, wer wen am Grenzübertritt hindern wollte, denn es gab auch hier eine Gruppe, die ein Interesse daran hatte, den Grenzübertritt zu verhindern (damals das SED Regime, heute die AfD und andere Rechtspopulisten und Nazis) und eine Gruppe, die ein Interesse daran hatte, die Grenze zu überqueren (damals die freiheitsliebenden Ostdeutschen, heute die friedenssuchenden Flüchtlinge).

Die Grenze hatte lange Bestand, auch wenn sie nie ganz dicht war. Denn immer wieder gelang es einzelnen Menschen oder kleinen Gruppen, die Grenze zu durchbrechen und in den Westen zu kommen, andere kamen beim Versuch um – auch hier ist es heute nicht anders: Viele Flüchtlinge sterben auf ihrem Weg. Und noch eine Sache fällt auf: Auch damals gab es Republikflüchtlinge, die mit der ganzen Familie flohen, also auch Frauen und Kindern. Wer sich darüber aufregt, daß die heutigen Flüchtlinge ihre Kinder in eine solche Gefahr versetzen, erinnere sich daran, daß wir das gleiche Verhalten bei den damaligen Republikflüchtlingen nicht kritisierten, sondern die Schuld immer (zu Recht!) beim DDR Regime suchten. Nur heute, wo wir unsere Grenzen schützen wollen, suchen wir die Schuld fü die Opfer der Grenzsicherung nicht bei uns!

Man bedenke, daß ein Flüchtling, der hier Asyl bekommen will, gar keine andere Chance hat, als illegal (also meist mit Schleppern) über die Grenze zu kommen und DANN Asyl zu beantragen. Es gibt keine andere Chance, in die EU zu kommen. Und jetzt, wo der Familiennachzug reduziert wird, werden nicht nur die jungen Männer den Weg auf sich nehmen und die Familie nachholen, sondern die ganze Familie wird sich auf den Weg machen, was in mehr Toten resultieren wird. Und wir müssen uns die Frage stellen, wer an diesen Toten die Schuld trägt, wenn nicht die, die den Grenzübertritt verhindern wollen. Nebenbei: Früher hießen die Schlepper Fluchthelfer und hatten keinen so schlechten Ruf.

Und wie war das in der DDR? Wann war die Mauer weg? Als Schabowski sich verplapperte und die Menschen ihm glaubten. Unabhängig davon, was in den Gesetzesbüchern stand. Die Menschen kamen an die Grenze mit dem Bewußtsein, daß die Mauer gefallen, die Grenze offen ist. Und es wurden immer mehr. Die DDR Grenzer hätten durchaus schießen können. Waffen waren da. Es hätte jedoch nur zu einem Massaker geführt in dem die Grenzer wohl selbst alle umgekommen wären – so viele Menschen waren auf der Straße.

Insofern sind Grenzen sehr demokratische Einrichtungen. Wenn genug Leute sagen oder denken „das ist für mich keine Grenze, ich mach da nicht halt“, dann ist das so. Wenn an einem Punkt sehr viele Menschen kommen und rüber wollen, dann können die nur mit sehr sehr viel Gewalt aufgehalten werden. Und es braucht hinreichend Staatsgewalt vor Ort, um das durchzusetzen.

Und jetzt betrachten wir die Grenze Deutschlands. Meinetwegen nur die Grenze zu Österreich, um die es vor allem geht. Diese Grenze mißt 815 km, also 815.000 Meter. Das bedeutet, wenn wir alle 100m einen Beamten aufstellen wollen, bräuchten wir dazu schon 8.150 Beamte pro Schicht, wahrscheinlich drei Schichten pro Tag, also 24.250 Beamte pro Tag, und da ist noch nicht bedacht, daß die Beamten auch Urlaub haben und mal krank werden. Das wäre schon über die Hälfte aller Bundespolizisten (insgesamt etwas über 40.000), die nebenher noch andere Aufgaben zu haben, als die Grenze zu schützen.

Oder rechnen wir einmal anders: 24.250 Beamte pro Tag, die nur an der Grenze stehen und aufpassen,daß keiner kommt, das kostet ja auch Geld. Bei den angenommenen 8 Stunden Schichten sind das beim Mindestlohn von 8,50 € pro Stunde (Beamte kosten mehr, schon alleine wegen der Versorgung, die ja über das Dienstzeitende besteht), sind das 1.662.600 € pro Tag – wie gesagt mit dem zu niedrig angesetzten Lohn, ohne die Versorgung, ohne die dazugehörige Logistik und Ausrüstung bzw deren Wartung (ja, Stacheldraht rostet und muß ausgewechselt werden, wieder Kosten, die anfallen).

Das wären dann pro Jahr fast 607 Mio. €. Aber da stehen sie nur alle 100m. Das reicht vielleicht, um zu sehen, ob jemand kommt, aber wenn an einem bestimmten Punkt viele Flüchtlinge auf einmal kommen, reicht das bei weitem nicht, um sie aufzuhalten. Auch nicht mit Schußwaffen, weil auf die Entfernung trifft man nicht so leicht, und schon gar nicht auf bewegliche Ziele, die dann ja auch in Deckung gehen würden.

Also müßte man mehr Beamte aufstellen, was auch mehr Kosten bedeuten würde. Will man alle 50m jemanden aufstellen, sind wir schon bei rund 1,2 Mrd im Jahr. Aber selbst wenn wir jeden Meter einen Beamten aufstellen (607 Mrd. – wir kommen in den Bereich, den die Bankenrettung gekostet hat) wird man bei einer Millione Flüchtlinge Probleme bekommen, das im Griff zu haben (obwohl man fast so viele Beamte an der Grenze hätte – die Beamten wären ja auch die ganzen 815 km verteilt, während die Flüchtlinge nur an bestimmten Punkten die Grenze zu mehreren überqueren.).

Sicherlich kann man da einiges mit Technik machen (was die Kosten noch weiter ansteigen ließe – bei rund einer Mio. Beamten vor Ort steigen ja auch die Kosten für die Logistik, die Verwaltung, die Ausrüstung und Wartung etc. – wir kommen da also locker in den Billionenbereich pro Jahr, ohne daß die Grenzen dicht wären – wie lange können wir uns das wohl leisten?), aber alle aufhalten? Schon die stark bewachten und im Vergleich relativ kurzen Grenzen der spanischen Exklaven Ceuta und Melilla sind nicht ganz undurchlässig. Man müßte mit Tunneln und dergleichen rechnen (auch das gab es schon) und der Aufwand würde wahnwitzig werden.

Und wozu das alles? Nur um ein paar Millionen Flüchtlinge davon abzuhalten, hier bei uns ihr Glück zu finden und ihre Arbeitskraft in den Dienst unserer Gesellschaft zu stellen, statt in den Dienst ihrer Herkunftsgesellschaften, wo sie derart bedrängt wurden, daß sie sich auf den lange und gefährlichen Weg machen.

Den Flüchtlingen wird es im Prinzip egal sein, ob sie über die Balkanroute oder über Malta und Italien oder über Spanien kommen. Sie suchen nicht nach landschaftlich schönen Strecken, sie suchen nach möglichst sicheren Wegen, um ihrem Elend zu entfliehen und eine bessere Zukunft zu finden. Damals, bei den Ostdeutschen, die zu uns in den Westen flüchteten fanden wir das noch positiv und vielleicht sogar heldenhaft – sich dem Regime widersetzen, das einen sein Leben lang unterdrückt hat und eine neue Zukunft in Freiheit und Selbstbestimmung im Westen suchen. Und bei den Flüchtlingen rümpfen wir nur die Nase und reden von „Wirtschaftsflüchtlingen“. Waren das die DDR Flüchtlinge nicht auch? Sahen wir nicht auch die wirtschaftliche Selbstverwirklichung als Teil unserer Freiheit an? Können wir es anderen dann verdenken, wenn sie unsere Träume mitdenken? In ihren Herkunftsländern wird ihnen der Traum verwehrt, wie damals den Bürgern der DDR. Manche sagen: Die könnten auch in ihren Ländern bleiben. Mag sein, aber gilt nicht auch das für die Bürger der DDR, die ihrem Staat den Rücken gekehrt hatten? In der DDR war auch kein Krieg. Man konnte, wenn man das Maul hielt und nicht aufmuckte, sogar manchmal ein recht beschauliches Leben führen. Aber war das nicht das, was wir früher immer so schlimm fanden, daß man eben nicht sagen kann, was man dachte, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen? Die Konsequenzen sind in den Ländern, aus denen die Flüchtlinge kommen, oftmals noch viel schwerer als damals in der DDR. Schon vor dem Bürgerkrieg war Assad ein Diktator it allem, was dazugehört. Und auch im Irak und in Afghanistan sieht die Lage nicht zwingend anders aus.

Und deshalb werden sie weiter kommen, egal ob uns das nun gefällt. Und viel dagegen tun können wir nicht, außer ihnen die „Anreize“ zu nehmen.

Diese Anreize bestehen aber nicht wie so oft gemutmaßt wird vor allem aus den Segnungen des Sozialstaates (bzw was davon übrig ist). Die Segnungen bestehen für Menschen, die aus Diktaturen kommen darin, daß man hier seine Meinung sagen kann, daß man die Religion selbst wählen kann, kurz: Daß man hier frei ist. Über die Sozialleistungen ist vielleicht keiner böse, aber ich denke, die große Mehrheit würde lieber selbst arbeiten und sich ihren Lebensunterhalt verdienen, so wie sie es immer tun mußten – weil viele so etwas wie ein Sozialsystem gar nicht kannten.

Wenn wir aber diese Anreize, die wirklich ziehen, abschaffen wollen, dann müssen wir wirklich AfD wählen, oder noch weiter rechts. Dann müssen wir unseren Rechtsstaat abschaffen, dann müssen wir Polizeiwillkür fördern, Korruption und Unrecht. Wenn wir das wollen ist es auch förderlich, an der Grenze oder auch anderswo im Staat willkürlich auf Menschen zu schießen, denn sowas wie ein Gewissen wäre uns bei der Verfolgung dieses Zieles nur hinderlich. Dann müssen wir tatsächlich unsere Kultur vernichten und selbst die Konsequenzen tragen. Wenn wir es schaffen, Deutschland zu einem zweiten Afghanisten, zu einem zweiten Syrien oder einem zweiten Irak zu machen, dann wird keiner mehr kommen wollen, dann hat die AfD ihr Ziel erreicht.

Die Frage ist: Wollen wir das?

Gesellschaft, Netzfunde

Hoaxmap

Screenshot von hoaxmap.org
Screenshot von hoaxmap.org

Im Moment ist viel los, deshalb erscheint hier umso weniger. Das wollte ich Euch allerdings nicht vorenthalten:

Heute stieß ich auf die Hoaxmap. Da werden Gerüchte über Flüchtlinge auf einer Karte eingetragen zusammen mit einem Link zur Widerlegung des Gerüchts. In unserer von (schießwütigen?) rechten Populisten aufgeheitzten Gesellschaft ein nicht unnötiges Werkzeug gegen die Überhitzung. Die Karte stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit (wie auch?), aber alleine was das auftaucht ist erschreckend.

Hier ist der Link:

http://hoaxmap.org/index.html

 

Commenting Media, Gesellschaft, Politik

Die wirklichen Lügner

Im Umfeld von AfD und Pegida Sympathisanten spricht man ja gerne von der Lügenpresse, die angeblich alles verdreht und „uns“ (wer auch immer damit gemeint ist) an irgendwelche bösen Mächte (wer auch immer damit gemeint ist) verkauft.

Nun stieß ich bei Twitter vor ein paar Tagen auf einen Tweet aus eben demselben rechtspopulistischen Umfeld:

Nach etwas Recherche fand ich das Bild, das von Árpád Kurucz am 1. September 2015 im Keleti Bahnhof in Budapest aufgenommen wurde. Daß es sich bei der bonden  Person in der Mitte nicht um eie Frau handelt, erkennt man, wenn man auf der Fundseite nach links blättert zu diesem Bild, wo die Person mit dem weißen Oberteil und den langen blonden Haaren (man achte auch auf den weißen Gürtel) offensichtlich keine Frau ist und wahrschienlich auch nicht deutsch (was freilich unerheblich ist – ich betone das,w as es im Tweet betont wurde).

Um sicher zu sein habe ich den Fotografen über dessen Homepage kontaktiert und heute hat er geantwortet. Es habe dort einen kleine Kampf zwischen Afghanen und Syrern gegeben und die Syrer hätten behauptet, der Mann mit dem weißen Oberteil hätte ein oder mehrere Kinder mißbraucht.

Da braucht man kein Syrer oder Muslim zu sein, um da handgreiflich zu werden. Freilich, was da genau passiert ist und ob an den Vorwürfen etwas dran ist, kann keiner sagen. In solchen Situationen – auf der Flucht – hilft keine Polizei und kann auch nicht helfen, weil die Menschen auf der Durchreise sind, nirgends registriert, ohne Dach über dem Kopf.

Helfen kann da nur, die Flucht zu beenden, indem man die Menschen aufnimmt und ihnen Wohnraum und eine Perspektive gibt, indem man ihnen zeigt, daß die Behörden bei uns zu ihrem Schutz da sind und zum Schutz ihrer Kinder.

Ein Bild zu benutzen, um aus niederen Instikten (Fremdenhaß) Stimmung gegen diese Menschen zu machen, um bei ihnen das Gefühl von Beschütztsein gar nicht erst aufkommen zu lassen, ist da schon eine himmelschreiende Schweinerei und gibt Zeugnis von den Zielen der Urheber: Nicht um Warnung geht es, nicht um Korrektur der angeblichen Lügenpresse, sondern um Verbreitung der eigenen Propaganda auf Kosten Schwächerer und unter Inkaufnahme übelster Lügen.

Ich weiß, daß dieser Blogbeitrag daran nichts ändern wird. Aber vielleicht ist es für andere Menschen, die auch auf das Bild stoßen und genau wissen wollen, was da zu sehen ist, auffindbar und sie sehen, wer die wirklichen Lügner sind.

Gesellschaft, Politik

Nützliche Idioten?

Nützliche Idioten?
blu-news.org [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons
Ein gewisser Alexander Gauland, der offenbar bei der AfD in Brandenburg ein wichtiger Mensch ist, hat offenbar die Flüchtlingshelfer „nützliche Idioten“ genannt, angesichts der Anschläge am 13.11. in Paris.

Ich frag mich ja, wenn man wirklich von „nützlichen Idioten“ sprechen will (ich find den Begriff eigentlich Mist, weil er Menschen abwertet), ob das nicht viel besser auf die ganzen „kritischen Stimmen“ paßt, auf AfD, Pegida, Orban, Le Pen, Seehofer & Söder und wie sie alle heißen.

Denn nützlich für die Terroristen (egal ob Daesh oder Al Quaida) ist doch vor allem eins: Die Spaltung der Gesellschaft in Europa. Die haben doch von Ressentiments gegen Muslime hierzulande am Meisten: Die Muslime spüren Nachteile, werden ausgegrenzt und suchen ihr Heil dann bei den Terroristen, ähnlich wie die Neonazis, die ja auch vor allem dort erfolgreich Nachwuchs finden, wo die Arbeitslosigkeit hoch ist.

Wenn nun also mehr Druck ausgeübt wird auf Flüchtlinge und Muslime allgemein hierzulande, dann ist das genau das, was die Terroristen wollen. Dann sind diejenigen, die für den größeren Druck werben (also Seehofer, Orban, le Pen etc.) die wirklichen „nützlichen Idioten“.

Diejenigen aber, die helfen, Flüchtlinge zu integireren, die ihnen das Ankommen und das Zurechtfinden in unserer Gesellschaft erleichtern wollen sind diejenigen, die Daesh, Al Quaida und wie sie alle heißen entwaffnen.

So wird ganz konkret, was schon die Bibel lehrt, daß Liebe den Haß überwindet. Deshalb helfen keine Kriege gegen den Terror, auch keine Grenzschließungen und keine Obergrenzen.

Die Lösung ist die Liebe, die Lösung ist, sich um die Menschen zu kümmern, und aller Haß wird über kurz oder lange vertrocknen. So kann sich kein Terrorismus halten – übrigens auch kein rechter Terrorismus à la NSU.

Commenting Media, Gesellschaft, Politik

Die bürgerliche Mitte

Ein Kommantator mit dem Nickname „Einer aus der bürgerlichen Mitte“ schrieb einen Kommentar beim Vergleich von PEGIDA und NSDAP auf dem Blog von Michael Bittner (unbedingt lesenswert!).

Er schreibt darin:

Viel besser fände ich, wenn einmal grundsätzlich diskutiert werden würde, wie man die Flüchtlingswelle bewältigen will.

Die Frage halte ich für sinvoll und möchte darum hier auf seien Kommentar eingehen (und nicht dort, weil es IMHO um ein anderes Thema geht).

Die ZEIT schrieb zuletzt, dass seit September täglich 10.000 Menschen nach Deutschland gekommen sind, also hochgerechnet fast 500.000 Menschen. Wo sollen die denn alle untergebracht werden? Vor allem menschenwürdig und witterungsgerecht?

Das ist in der Tat ein Problem und es ist auch nicht leicht zu lösen. Nur ändert es nichts an den Fakten, daß diese Menschen kommen – und das nicht aus Jux und Dollerei. Wir werden sie nicht ohne Gewalt aufhalten können, und da Gewalt nach meiner Meinung die deutlich schlechtere Alternative ist, werden wir lernen müssen, damit umzugehen, so schwierig es auch ist – gerade jetzt, wo es Winter wird.

Man hört von Beschlagnahme, Zwangsunterbringung in privatem Wohneigentum, Nutzung von Sporthallen als Notunterkunft, von viel Geld, was die Aufnahme der Flüchtlinge kostet.

Ja, es ist teuer, ein Rechtsstaat zu sein. Es ist nicht umsonst, menschlich zu sein, sonst müßt das nicht immer wieder in ganz verschiedenen Situationen eingefordert werden. Auf kurze Sicht am einfachsten ist es, ein Arscholoch zu sein und seine Interessen durchzusetzen. So wie ich unser Land und unsere Gesellschaft verstehe, ist das nicht das, was wir wollen. Wir wollen ein demokratischer Rechtsstaat sein, für den die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. Und zu dieser Erklärung gehört das Asylrecht (Art. 14).

Von Unterbringungen in Sporthallen habe ich schon gehört. Diese Hallen gehören den Kommunen, die für die Unterbringung zu sorgen haben. Beschlagnahmungen und Zwangsunterbringungen in privaten Wohnungen gibt es nach meinem Wissen nicht.

Allerdings denke ich persönlich, daß dies durchaus möglich und angebracht sein kann. Erstens verpflichtet Eigentum (Art. 14, Abs. 2 GG) und zweitens kann durchaus per Gesetz enteignet werden (Art. 14, Abs. 3 GG). Im Nachkriegsdeutschland gab es darüber hinaus sogar Einquartierungen. Das war sicher nicht einfach für alle Beteiligten, aber es hat im Endeffekt geklappt.

Es ist halt immer die Frage, wie groß eine Not ist und was man tun kann. Bei Überschwemmungen und sonstigen Naturkatastrophen bringt der Katastrophenschutz auch Menschen in Turnhallen unter, und je nachdem wie groß die Katastrophe ist, wäre denkbar auch leerstehenden Wohnraum zu beschlagnahmen im Dienste der Allgemeinheit.

Nur weil es sich um Ausländer handelt, die hier in Not geraten sind, denkt man jetzt darüber nach, ob man sich der Probleme nicht auch einfach entledigen kann. Ich finde das im höchsten Maße bedenktlich.

Die Situation ist momentan sicherlich schwierig, das kann aber doch nicht heißen, daß man wie ein kleines Kind beleidigt davonrennt und nix mehr macht.

Die Wirtschaft fordert die sofortige Eingliederung der Flüchtlinge ins Arbeitsleben (zu Dumpinglöhnen, weil die Menschen ja auch noch nicht so viel Deutsch können?). Von unangebrachtem Verhalten einiger weniger Flüchtlinge (sexueller Art gegenüber Schülerinnen und Frauen), Gewalt und sonstiger Delikte.
Wenn von Integration gesprochen wird, dann kann man meist den Eindruck gewinnen, dass wir uns den Flüchtlingen anpassen sollen und nicht anders herum.

Ich denke, für Flüchtlinge sollte ebenso der Mindestlohn gelten, wie für alle anderen auch. Wenn dies gewährleistet ist, dann sehe ich nur Vorteile darin, den Flüchtlingen so schnell wie möglich die Arbeit zu erlauben. So können sie zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, es gibt mehr Wertschöpfung, mehr Steuereinnahmen, und so schrumpfen dann letztendlich auch die Kosten für die Aufnahme der Flüchtlinge.

Ja, es gibt Flüchtlinge, die straffällig werden, aber das ist eine Binsenweisheit. Ebenso gibt es Deutsche, die sich nicht an die Gesetze halten. Dafür haben wir die Polizei.

Ich sehe nicht, wo wir uns den Flüchtlingen anpassen sollten. Wenn von Integration die Rede ist, dann nehme ich das vor allem im Zusammenhang mit Sprachkursen wahr. Und das sind Deutschkurse für die Flüchtlinge, keine Farsi Kurse für Deutsche! Keiner fordert von uns, uns den Flüchtlingen anzupassen. Rücksicht nehmen vielleicht, wie es ein anständiger Mensch auch sonst gegenüber Deutschen tut, aber das ist ja keine Anpassung. Ein Augenmekrk darauf, daß sie aus anderen Kulturen kommen und es daher zu Mißverständnissen kommen kann. Man muß also nachsichtig sein und erklären, was daneben ist und warum. Ein Kumpel von mir, der in den 80ern Jahren aus der DDR in den Westen kam verstand nicht, wieso er jedesmal, wenn er eine junge Frau „Fräulein“ nannte, aneckte, bis ihm irgendwer mal erklärte, daß die Bezeichnug „Fräulein“ im Westen abgeschafft wurde und als herabwürdigend wahrgenommen wird. Das wußte er nicht – andere Kultur halt. In einem anderen Beispiel erzählte iene Ostdeutsche Kommilitonin, sie hätte wenig Geld auf dem Konto woraufhin ein Westdeutscher Kommilitone miente „Du must halt schaffen gehn.“ Sie war zu Tode beleidigt, weil sie „schaffen“ im Sinne von „anschaffen“ verstand. Er meinte aber „schaffen“ im Sinne von „arbeiten“, wie ich es als Westdeutscher auch zuerst verstanden hatte. Andere Kulturen – auch innerhalb Deutschlands. Da muß man dann halt mit rechnen, freundlich bleiben und versuchen, die Mißverständnisse zu lösen, bevor man das Schlimmste annimmt.

Die Politik lässt das Volk (ich kann den Begriff nicht mehr hören) im Stich. Keine Information, keine Diskussion,… und da sollen sich die Menschen in Deutschland keine Gedanken machen, Sorgen und Ängste haben?

„Die Politik“ ist sehr allgemein. Und es ist ja nicht so, daß es keine Informationen von Politikern gäbe. Die Rechten sind da ganz vorne mit dabei. Auch PEGIDA ist ja eine politische Veranstaltung, und da werden ja auch Meinungen geäußert (auch wenn die IMHO nicht zur Lösung der Probleme beitragen und Diskussion dort nach meiner Wahrnehmung auch nicht stattfindet). Die etablierten Parteien haben vielleicht grad alle Hände voll zu tun, die Krise zu bewältigen, aber es stimmt schon: Es dürfte mehr Information kommen. Wobei man durchaus die Chance hat, sich Informationen zu beschaffen. Die Regierung hat ne eigene Homepage, dort gibt es Kontaktadressen usw. Man kann seinen Bundestagsabgeordneten schreiben und Fragen stellen.

Man braucht keine Sorgen und Ängste zu haben, wenn man auch erst mal nachfragen ud sich informieren kann – idealiter aus mehreren Quellen und nicht nur bei PEGIDA, der Jungen Freiheit und BILD.

Ich bin überzeugt, dass viele Themen viel ruhiger ablaufen würden, weniger Hass da wäre, wenn Kommunikation stattfinden würde. Die Regierenden sollten endlich mal erklären, dass es Unterschiede zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen gibt, dass es eine humanitäre, moralische, menschliche Verpflichtung gibt gegenüber den an Leib und Leben Bedrohten, nicht aber gegenüber denen, die hier das Schlaraffenland sehen.

Das heißt also, daß die BRD die Bürger der DDR, die geflohen sind mehrheitlich hätte abschieben müssen, weil die wenigsten an Leib und Leben bedroht waren?

Aber das mal bei Seite: Die Thematik der Wirtschaftsflüchtlinge ist doch allen bekannt. Und wieder könnte ich fragen, wie das mit den ehemaligen DDR Bürgern ist, die in den Westen ziehen, um einen Job zu finden. Sind das auch Wirtschaftsflüchtlinge? Sollen die Westbundesländer die Grenzen nach Osten schließen, um mehr Syrien-Flüchtlinge aufnehmen zu können?

Ich denke nicht, daß die Themen ruhiger ablaufen würden, wenn diskutiert würde. Diskussionen führen oft dazu, daß die Gemüter hochkochen und viele sind ja auch resistent gegenüber guten Argumenten.

Es muss den Flüchtlingen erklärt werden, dass sie hier lediglich geduldet sind. Wer Straftaten begeht (Asylantenheime als Dealerbude, Vergewaltigungen, Mord und Totschlag, Diebstahl), hat die Gastfreundschaft der Menschen in Deutschland missbraucht und somit sein Aufenthaltsrecht verwirkt.

Wenn dem Flüchtling dann im Heimatland der Tod droht, ist das faktisch eine Todesstrafe. Die Todesstrafe ist laut GG aber abgeschafft! Bei Asyl geht es nicht um Gastfreudschaft. Das ist keine gnädige Gabe an die Flüchtlinge, osndern das ist deren Recht in einem Rechtsstaat wie Deutschland. Sie sind keine Gäste, sondern Flüchtlinge. So eine Regelung würde höchstens bei Wirtschaftsmigranten Sinn machen. Und selbst da bin ich skeptisch: Es stellt sich doch die Frage, wieso sie straffällig werden. Wenn es unsere sozialen Strukturen sind, sollten wir zuerst die ändern und die ausländischen Straftäter so wegsperren, wie wir das mit deutschen Kriminellen tun. Und so wie wir jene zu rehabilitieren suchen, sollten wir es dann auch mit diesen tun.

Übrigens finde ich es interessant, daß gefordert wird bei kriminellen Ausländern sofort das Aufenthaltsrecht zu entziehen, während man gleichzeitig den kriminellen Lutz Bachmann als Führungsfigur anerkennt. Könnte schon fast als Heuchelei durchgehen.

Es sollte weiterhin geklärt werden, wie der Nachzug der Verwandtschaft geregelt werden soll und dass die Flüchtlinge nach Beendigung des Krieges auch wieder nach Hause gehen müssen.

Der Nachzug der Verwandtschaft ist schon geregelt, und zwar in einer nach meienm Empfinden umneschlichen Weise. So kann ein Flüchtling aus Syrien zwar seine minderjährigen Kinder, nciht aber seine Eltern oder seine volljährigen Kinder nachholen. Die kommen dann im Zweifel im Bombenhagel um.

Falls der Flüchtling mangels Sprachkenntnis vielleicht unsere Regelungen nicht kennt und er den Antrag zur Familienzusammenführung nicht innerhalb 3 Monaten nach seiner Anerkennung stellt, muß selbst seine Frau noch Deutschkenntnisse nachweisen, um nachkommen zu dürfen. Sie muß also in Syrien im Bombenhagel deutsch lernen, um ihr Leben retten zu können, ohne sich an einen Schlepper wenden zu müssen. Das sind die Fakten. Wie viel mehr soll da noch geregelt werden? Noch unmenschlicher?

Daß die Flüchtlinge nach Kriegsende nach Hause gehen ist der Normalfall. Das war bei Bosniern und Kosovaren nicht anders. Der Großteil ging nach Hause. Manche erwarben sich ein weiterführendes Aufenthaltsrecht und blieben, so wie manche Deutsche auch in Bosnien oder dem Kosovo wohnen, aber die Zahl ist beiderseits gering. Auch die Syrer werden Deutschland wieder verlassen, wenn es sicher ist. Vielleicht dauert der Krieg aber so lange, daß sich einige entschließen, die Staatsbürgerschaft zu wechseln, dann sind es Deutsche wie wir. Und wieso sollte man uns abschieben?

Die Bundesregierung muss ein Wohnungsbauprogramm auflegen, Bürgschaften geben, Sicherheiten schaffen.

Nach meiner Wahrnehmung sind diese Dinge gerade in der Mache.

Es gibt genügend Menschen, die Wohnungen bereitstellen könnten. Warum aber sollten sie das tun, wenn es vermeintlich bessere Mieter (mit Bonitätsnachweis) gibt oder die kulturellen Unsicherheiten vermeintlich so groß sind, dass man es lieber leerstehen lässt?

Klar, deshalb muß und wird da wahrscheinlich auch etwas passieren. Nur brauchen solche Dinge dann doch ein wenig Zeit. Da sind ja dann auch einige rechtliche Fragen zu klären, auch Fragen, wie sich das ganze auf den Wohnungsmarkt auswirkt und die Wohnungseigentümer, wenn plötzlich viele neue Wohnungen entstehen etc. Das ist alles nciht sooo einfach.

Warum neue Wohnungen bauen und sich nachher womöglich mit den Flüchtlingen rumärgern, die dann plötzlich gar nix mehr verstehen (eine bösartige Verallgemeinerung, aber da man in die Köpfe der Menschen leider nicht reinschauen kann halt auch ein menschlicher Reflex)?

Ein privater Vermieter wird immer zusehen, daß er mit seien Mietern klar kommt. Deshalb ist hier auch der Staat gefragt, neue Wohnungen zu bauen, bzw. vorhandene zu enteignen oder zu beschlagnahmen. Am Einfachsten für alle wäre es freilich, wenn Flüchtlinge ohne Druck Wohnraum bekämen.

Wenn die Regierung endlich mal ihre Hausaufgaben machen würden, dann wäre Pegida völlig ohne Substanz und so schnell verschwunden, wie sie gekommen ist.

So einfach ist es nicht. Es gibt immer Unzufriedene. Allen kann man es nicht Recht machen, Und da die Unzufriedenen heutzutage offenbar immer mehr dazu neigen, nur ihre eigenen Probleme zu sehen und sich immer weniger um die allgemeie Probleme kümmern wollen ist es leicht für Bauernfänger, Mitläufer zu finden.

Noch viel besser wäre es, wenn die Ursachen der Flüchtlingswelle in deren Heimatländern bekämpft würden… Ein bürgerlicher Traum!?!

Klar wäre das das Beste, aber das wäre nochmal um einiges teurer für uns, denn dann müßten wir uns richtig engagieren, und zwar humanitär, nicht nur militärisch. Und dann kämen ganz schnell wieder Leute, die sich darüber aufregen, wie viel Geld wir in die arabische Wüste setzen, wo es doch auch hier arme Menschen gibt…

Wie gesagt: Man sieht immer nur das Eigene und ist weder bereit noch in der Lage, auch die Not anderer zu sehen und anzuerkennen…

Politik

CSU – Die Familienpartei

Wenn man sich die Homepage der CSU ansieht und nach der Ansicht der CSU zur Familie sucht, dann stößt er mitunter auf dieses Zitat von Horst Seehofer:

Es war so und wird so bleiben bei der CSU, dass wir Ehe und Familie besonders fördern und unterstützen.

Außerdem steht da folgende Ausführung:

Die Familie muss im Zentrum stehen. Familien sind der kostbarste Schatz unserer Gesellschaft. Sie verdienen unsere ganze Anerkennung und Unterstützung. Wir wollen eine familiengerechte und kindergerechte Gesellschaft gestalten. Der Staat sollte Familien mit Zutrauen begegnen und nicht mit Misstrauen. Jede Familie soll frei wählen können, für welchen Lebensplan sie sich entscheidet. Ob Elterngeld, Kindergeld, Krippenausbau, Betreuungsgeld, Landeserziehungsgeld oder Ehegattensplitting – wir treten ohne Wenn und Aber für Schutz und Förderung jeder Familie ein.

Beides habe ich hier gefunden. Allerdings ist das mit dem Schutz der Familien so eine Sache: Wenn die Familien nicht von hier sind, dann gibt es wohl für die Partei mit dem C im Namen keinen Grund mehr, die Familie ins Zentrum zu stellen.

Auch eine Familie? Selbst wenn sie nicht von hier stammen?
H. Murdock, VOA [Public domain], via Wikimedia Commons
Wie ich darauf komme? Na, zum Beispiel nach der Lektüre dieses Zeit Artikels. Da lese ich zuerst, unter welchen Umständen anerkannte Flüchtlinge (also Leute die es geschafft haben, durch Wüste, Mittelmeer und halb Europa hierherzukommen und nach monatelanger Bearbeitungszeit als Flüchtlinge anerkannte Menschen, oder wie man es als Christ ausdrücken könnte: Kinder Gottes) ihre Familie nachholen können:

Es gibt eine Frist von drei Monaten nach der Anerkennugn, in der minderjährige Kinder und Lebenspartner nachgeholt werden können. Wenn also der Asylantrag lange genug bearbeitet wird, wird die Tochter 18 und muß in Damaskus bleiben. Dieeigenen Eltern müssen sowieso bleiben. Und man muß  in den ersten drei Monaten reagieren. Wußtest Du das, lieber Leser? Ich nicht. Ich hätte meine Frau wohl nicht nachholen können, wenn mir nicht jemand meine Möglichkeiten in meiner Sprache erklärt hätte.

Doch Moment. Ich kann meine engsten Angehörigen auch danachnoch nachholen, falls ich es schaffe, in dem fremden Land, dessen Sprache ich nicht spreche, weil ich erst mit der Anerkennung einen Anspruch auf einen Sprachkurs habe, eine Arbeit zu finden, die kein Einheimischer noch ein EU Ausländer haben will, und wenn ich mit dieser Arbeit dann für Wohnung und Unterhalt für meine Familie sorgen kann. Wenn nicht bleiben nicht nur die 18 jährige Tochter und die Eltern und Geschwister in Damaskus, sondern eben auch die Frau und die Kinder. Übrigens mischt Putin jetzt im Krieg mit, das gefährdet meine ganz Familie natürlich darüber hinaus.

Achja,fast hätte ich es vergessen: Wenn ich die Dreimonatsfrist verpasse, weil ich nichts davon weiß und Glück habe und einen Jobfinde, mitdem ichmeine Familie ernähren und eine Wohnung unterhalten könnte, muß meine Frau immer noch Deutschkenntnisse nachweisen, um sich vor den Bomben in Sicherheit zu bringen.

Das ist der Ist-Zustand. Meiner Meinung nach ist das allesandere als familienfreundlich. Hier steht nicht die Familie im Zentrum, wie die CSU es proklamiert. Hier wird Ehe und Familie nicht sonderlich gefördert und unterstützt, wie Seehofer sagt. Eigentlich müßte die CSU als Familienpartei und als christliche Partei gegen diese Regelungen Sturm laufen und sie entschärfen. Wenn die Familie bei ihnen im Mittelpunkt steht und wenn christliche Nächstenliebe irgend eine Rolle in der CSU spielen, dürfte es dort nichts drängenderes geben, als diese familienfeindlichen und familienzerstörenden Zustände radikal zu verbessern. Nur befürchte ich, daß die CSU ihren Anteil bei Einführung dieser Zustände hatte…

Die CSU will aber, wie man dem Zeit Artikel entnehmen kann, die Situation noch verschärfen, auch wenn keine konkreten Maßnahmen genannt werden. Der Familiennachzug soll jedoch noch weiter begrenzt werden. Und wieso?

Zuerst brauche man einen Überblick, wie viel Wohnraum, Schul- und Kitaplätze zur Verfügung stünden, sagte Singhammer ZEIT ONLINE. Erst dann könne man entscheiden, in welchem Umfang der Nachzug von Familienangehörigen möglich sei.

Der Familiennachzug wird von den Politikern der Partei, die „christliche Werte“ und Familie immer wieder beschwört, davon abhängig gemacht, ob grad Platz ist.

Wenn man etwas von aktuellen Umständen abhängig macht, anstatt die Veränderung und Verbesserung der Umstände anzustreben und auch anzupacken, dann ist das kein „ins Zentrum stellen“, dann ist das kein stützen und fördern. Und wenn man behauptet, man stütze und fördere doch, dann ist das nichts als Heuchelei.

Christlich ist da nix dran. Stell Dich ins Eck und schäm Dich, CSU!

Nachwort: Ich möchte auf diesem Blog Themen in den Mittelpunkt stellen und weniger Parteien, die andere Ansichten vertreten, angreifen. Die Dreistigkeit der Forderung, den Familiennachzug weiter zu beshränken, während man gleichzeitig immer wieder die Familienkarte zu spielen versucht, wenn dies opportun erscheint, hat mich hier bewogen, klar gegen diese Partei Stellung zu beziehen. Ansprechen möchte ich damit vor allem Mitchristen, denen die Familie so am Herzen liegt, wie die CSU es von sich behauptet. Ich möchte diese Mitchristen dazu anregen, zu überdenken, ob und wie eine konservative Einstellung in Bezug auf Ehe und Familie mit der konservativen Politik in der Flüchtlingsthematik zusammenpaßt.

Allgemein

Geldverteilungen

Heute morgen habe ich diesen Artikel gelesen und mich wieder mal über die Europapolitik bei den Flüchtlingen geärgert. Es werden in der Flüchtlingspolitik Milliarden in die Hand genommen. Finde ich ja prinzipiell gut. Doch schon die folgende Formulierung ließ mich aufhorchen: „Mit diesem Kraftakt wollen die EU-Staaten ihre gemeinsamen Außengrenzen besser sichern und schutzbedürftigen Menschen in Krisengebieten helfen.“ Nun kann man sicher darüber streiten, ob die Reihenfolge in einer Aufzählung Rückschlüsse auf die Wichtigkeit des Aufgezählten erlaubt. Ich fürchtete jedoch, dass in diesem Fall die Reihenfolge (1. Grenzen sichern, 2. schutzbedürftigen Menschen in Krisengebieten helfen) genau die Prioritätenreihenfolge wiedergab, die in der gegenwärtigen Europapolitik bestimmend ist. Die weitere Lektüre des Textes zeigte folgendes:

  • eine Milliarde Euro zusätzlich für die Versorgung syrischer Flüchtlinge in Nachbarstaaten Syriens
  • Aufstockung der Flüchtlingshilfe für die Türkei für dieses und das kommende Jahr auf eine Milliarde Euro
  • 1,8 Milliarden Euro für afrikanische Länder

Insgesamt wird hier also von 3,8 Millionen gesprochen, unklar ist mir noch, zu welchem Betrag die eine Milliarde Euro für die Versorgung syrischer Flüchtlinge dazu kommen soll. Weiß jemand zufällig etwas über die Höhe des vorigen Betrags?

Unmittelbar nach dem Hinweis auf die 1,8 Millarden Euro dann eine interessante Detaillosigkeit hinsichtlich eines Geldbetrags: „Außerdem will die EU ihre Grenzschutzagentur Frontex stärken – auch dafür gibt es zusätzliches Geld. “  Warum wird hier keine genaue Zahl des Geldbetrags angegeben? So erhält nämlich nämlich diese Aussage „Laut EU-Kommission sollen die Gelder, die vor allem zur Flüchtlingshilfe eingesetzt werden, im Vergleich zum Jahresbeginn insgesamt auf 9,2 Milliarden Euro verdoppelt werden.“  einen – in meinen Augen – sehr bitteren Beigeschmack, zumindest, solange keine Zahlen geliefert werden, auf wieviel Milliarden sich die Unterstützung der syrischen Flüchtlinge im Ausland vor der zusätzlichen Milliarde belief.

Denn nur anhand der Zahlen in diesem Artikel ergibt sich, dass 3,8 Milliarden für Flüchtlinge bereitgestellt wurden. Zieht man diese 3,8 Milliarden von den insgesamt 9,2 Milliarden Euro ab, kommt man auf 5,4 Millionen Euro. Ist das nun der Betrag, den die EU-Politiker Frontex zugedacht haben? Sollte das der Fall sein, wird meine Skepsis hinsichtlich der Aufzählung (1. Grenzen sichern 2. Flüchtlingen helfen), die ich zu Anfang äußerte, voll und ganz bestätigt. Hat zufällig irgendjemand andere Zahlen, die mir zeigen, dass die EU-Politiker nicht der Abschottung vor Flüchtlingen Vorrang geben vor der Hilfe für Flüchtlinge? Denn sonst hat sich nur zu deutlich in diesem Artikel gezeigt, dass die EU-Politik gegenüber den Flüchtlingen stärker von menschenfeindlicher Abschottung als von Solidarität geprägt ist.

Gesellschaft, Theologie

Fachkräftemangel

Wenn es stimmt, daß Deutschland durch den Zuzug vieler Muslime islamisiert wird, dann ist der Fachkräftemangel ganz leicht zu lösen:

Da alle muslimisch werden durch die Anwesenheit von Muslimen, werden doch sicher auch alle zu Akademikern durch die Anwesenheit von Akademikern.

Die Lösung ist also ganz leicht: Man schickt einfach alle Leute für 10 Minuten in die nächste Hochschule, die Anwesenheit der Akademiker färbt ab und schon haben wir lauter Akademiker. Problem gelöst.

Wenn die rechtskonservativen Parteien das mal umsetzen würden, stat immer nur Angst vor den Asylanten zu haben, dann könnten die in Deutschland echt noch etwas reißen. Man kann das übrigens noch weiter treiben: Man schickt alle Asylanten für 10 Minuten in ein Parlament und hat dann lauten lupenreine Demokraten. Nix mehr Terrorismus, nix mehr Scharia…

Und wenn man sie dann in die Kirche schickt…

Das geht natürlich nicht in einem weltanschaulich neutralen Staat, dennoch hat Käsmann recht, wenn sie sagt:

Gehen Sie sonntags in die Kirchen, dann müssen Sie keine Angst vor vollen Moscheen haben.

So wenig, wie man zum Akademiker wird, wenn man sich in einem Unigebäude aufhält, so wenig wird man zum Muslim, wenn man einen auf der Straße trifft. Islam ist keine ansteckende Krankheit.

Wenn jemand „christliches Abendland“ schreit, also für sich selbst den christlichen Glauben in Anspruch nimmt, dann kann ich diese Angst vor den Mulsimen schon dreimal nicht verstehen, denn erstens steht gefühlte tausend Mal in der Bibel „fürchte Dich nicht“, zweitens steht in der Bibel, daß die Kirche, also die Gemeinschaft der Heiligen, nicht überwunden werden wird, und drittens fordert Jesus darin das Ausharren, falls es doch einmal zu Verfolgungen kommt.

Sprich: Selbst wenn das jetzt alles Terroristen wären, die da kommen, müßten wir als Christen (und ich sprech jetzt wirklich nur von den Christen) denen helfen (Nächsten- und Feindesliebe!), und wenn sie die Scharia einführen sollten (was sie nicht tun werden, sie fliehen ja vor ISIS und Taliban), können wir nichts anderes tun als die andere Wange hinzuhalten. Wenn wir Christen sind und das „christliche Abendland“ im Munde führen.