Treibgut aus dem Netz

Netzfunde vom Samstag, den 2. März 2013

Bei Schwergläubig kann man nachlesen, was man mit Gott so alles anstellen kann, und wieso das dann gottlos ist. Toller Text, wobei ich vielleicht am Ende etwas anders formuliert hätte. Ich bin der Meinung, daß derjenige, der mit Gott etwas macht, Gott also zum Objekt macht, Gott entgottet und sich selbst zum Gott aufschwingt, beziehungsweise dies versucht. Gehen kann das nicht, weil keiner die Macht hat, Gott zu entthronen, aber man kann so leben „als ob“, und muß dann wohl auch die Konsequenzen tragen, wenn was schief läuft.

Beim Herrn Alipius hab ich sowas gelesen, daß die katholischen Heime in Irland wohl nicht ganz dem üblen Bild entsprachen, das da scheinbar gemalt worden ist. Nun hab ich mich in diese ganze Geschichte überhaupt nicht eingelesen und möchte dazu auch gar nicht mehr scheiben, als diesen Hinweis für interessierte Leser. Allerdings möchte ich noch ein Wort zu der These verlieren, daß falsche Berichterstattung ja auch etwas Gutes haben könnte, nämlich daß bestimmte Themen öffentlich angesprochen werden. Scheint nach dem Motto zu funkionieren:

„Es ist Zeit für eine öffentliche Debatte zum latenten Antisemitismus in der Gesellschaft – oh, laßt uns doch mal schreiben, daß die Giordano-Bruno-Stiftung eine ganz miese antisemitische Vereinigung ist.“

Wär zwar falsch, aber hey, der Antisemitismus in der Gesellschaft könnte thematisiert werden. Geht natürlich auch mit anderen Themen: Piraten konsumieren Kinderpornos, Unionspolitiker fahren auch noch nach einer Maß Auto, NPD versteckt Abschiebekandidaten… Auch wenn öffentliche Debatten über Abschiebungen, alkoholisierte Autofahrer und Kinderpornographie (wohl besser: dokumentierter Kindesmißbrauch) nicht verkehrt sind, dürften wohl alle zustimmen, daß es nicht angehen kann, daß zu diesem Zweck einfach mal jemand an den Pranger gestellt wird. Und mal ganz ehrlich: Zu öffentlichen Debatten kommt es seltenst, meist doch eher zu Empörungswellen, Aufbrühen alter Vorurteile und Bestätigung unterkomplexer Weltbilder…

Noch so ein Kirchenthema: Bei GetReligion geht es darum, daß es für den Press Democrat in Santa Rosa ein ungeheuericher Vorgang ist, daß ein katholischer Bischof an katholischen Privatschulen katholische Lehre durchsetzen will. Sowas. Was kommt als nächstes? Wollen jüdische Geschäftsleute in ihren Geschäften vielleicht jüdische Bekleidungsvorschriften respektiert wissen? Ja, genau, wie man bei Sojourners nachlesen kann. Die Stadt New York ist übrigens der Auffassung, daß es sich hierbei um Menschenrechtsverletzungen handelt, wobei Kleiderordnungen in Edelrestaurants wohl in Ordnung gehen.

Johannes schreibt über die Summe wider die Heiden des Thomas von Aquin, und zwar genauer über die Frage, ob es zwei Götter geben kann. Ganz verstanden hab ich es nicht, interessant fand ich aber den Kommentar von Herrn Alipius. Thomas versteht das Böse wohl nicht als eigene, dem Guten gegenberstehende Entität, sondern fasst das Böse als Abwesenheit des Guten auf. Ich hatte das schonmal irgendwo gelesen, aber verstehe (noch) nicht ganz, wie man darauf kommen sollte, bzw warum es nicht auch einfach umgekehrt sein kann.

Bei Peter geht es um den Feminismus und seine Auswirkungen. Es gab da wohl in der zeit ein paar Artikel zum Thema. Was ich gut finde, auch wenn es schade ist, daß dies noch extra erwähnt werden muß (und ich habe den Eindruck, das muß es in der Tat) ist, daß eine erstrebenswerte Gesellschaft nicht so aussehen kann, daß statt Männern nun Frauen den Ton angeben, sondern daß die Gleichbehandlung von Männern und Frauen die erstrebenswerte Gesellschaft ausmacht. Deshalb halte ich den Begriff des Feminismus auch für schlecht. Gleichheit find ich irgendwie besser…

Ein anderes Thema aus dem Bereich Geschlechter und ihre Kategorisierung: In Amerika darf ein transsexuelles Kind (geboren als Junge, fühlt sich als Mädchen) in der Schule nicht die Toilette seines gefühlten Geschlechts benutzen. Ehrlich gesagt bin ich etwas ratlos, was ich davon halten soll, deshalb hier einfach nur der Hinweis darauf. Womöglich wären Unisex Toiletten wie bei den Piraten wirklich ne praktikable Lösung? Ich weiß es nicht.

Bei Remid gibt es ein Interview mit Erhard Gerstenberger, der bis 1997 in Marburg Professor für Altes Testament war, und zwar zum Thema Befreiungstheologie. Viel interessanter als das Interview finde ich den Hinweis auf den von der Giessener Elektronischen Bibliothek herausgegebenen Sammelband mit ausgewählten Aufsätzen Gerstenbergers. Das Ganze ist Open Access und kann also von jedem runtergeladen werden. Bei der GEB gibt es übrigens, wie ich rausgefunden habe, ne ganze Reihe an Open Access Dokumenten.

Und dann ist da noch der wöchentliche Artikel von „protestantisch pfälzisch profiliert“. Mechthild Werner schreibt über die Sonntagsruhe.

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Netzfunde vom Donnerstag, den 28. Februar 2013

Peter hat in der WA nen Lutherspruch ausgegraben, der ganz gut passt als Absage an allen Biblizismus. Nicht an den Buchstaben halten, sondern an den Geist!

Bei Get Religion geht es um die Frage, wieso der Papst immer so alt ist und um Reporter, die offensichtlich kaum Ahnung von Kirche haben und trotzdem alles schreiben können, was sie für richtig halten. Man stelle sich vor ein Journalist würde behaupten, das Bundespräsidentenamt würde ausgependelt. Lächerlich? Schon, aber was ist es dann, wenn einer schreibt, Katholiken würden an die Göttlichkeit des Papstes glauben? So, und bevor ich jetzt zum Rant über den Spiegel und die Glaubens- und Kirchenthemen darin ansetze, wechsle ich lieber das Thema.

Ein schöneres Thema findet sich bei Bigi, die davon schreibt, wie Gott ihr in ihrem Leben geholfen hat.

Um Hausverwaltungen, Camus und Nietzsche geht es bei „Die Wahrheit über die Wahrheit“.

Bei „Experimental Theology“ geht es um Martyns Kommentar zum Galaterbrief, wenn ich es richtig sehe gehört der zur Reihe Anchor Bible Commentary. Interessant ist, daß Martyn wohl den Fokus auf den Befreiungsaspekt des Kreuszesgeschehens lenkt, also weniger Gerechtigkeit durch Glauben, mehr Christus Victor. Hört sich jedenfalls interessant an.

Und ebenfalls bei „Experimental Theology“ gibt es ein Gebet des Ordens von Mutter Theresa.

Bei Lana geht es um den Feminismus, und während ich ihr in all ihren Punkten zustimmen kann, würde ich da weniger den Begriff des Feminismus gebrauchen. Denn Feminismus bedeutet für mich, daß ich als Mann Aggressor bin. Feminismus bedeutet für mich, daß ich IMMER Täter bin und die Frau IMMER Opfer. Feminismus bedeutet für mich, daß eine Alice Schwarzer die Wahl von Merkel gutheißt, aus dem einfachen Grund, daß Merkel keinen Penis hat. Solch ein Feminismus sricht mich nicht an und kann mich nicht ansprechen. Das ist jedoch das, was ich bisher am Meisten mit „Feminismus“ in Verbindung gebracht habe. Das, was Lana beschreibt, ist Gleichberechtigung oder Chancengleichheit, Gerechtigkeit. Und ich bin wie gesagt voll auf ihrer Seite. Aber den Begriff „Feminismus“ lehne ich ab. Da kann ich nicht mitgehen.

Bei Ameleo geht es um die Pfarrei-Initiative und einen fiktiven Antwortbrief. Ich fände so einen Brief auch erfrischend, nicht nur von katholischen Bischöfen. Sowas könnte durchaus auch als Ansatzpunkt gelten zur Stärkung des Priestertums der Gläubigen (wobei da dann die Katholiken wohl nicht mehr mitspielen können).

Bei „Fire and Rain“ kann man erfahren, daß es durchaus Stadtteile in Deutschland gibt, die Farbkonzepte für Neubaugebiete erarbeiten, aber keine Konzepte zur Kinderbetreuung.

Und Eric Djebe hat innerhalb seines Basisdiskurses Religion ne Reihe zu Wundern gestartet. Besonders den zweiten Teil finde ich interessant, in dem es darum geht, daß wir nicht mehr auf dem Stand der Wissenschaft sind, wenn wir davon ausgehen, daß die Welt wie ein großes Uhrwerk ist, das wir nur noch verstehen lernen müssen. Wahnsinnig spannend, und hoffentlich kommt da noch mehr, denn Erkenntnistheorie ist ein Gebiet, auf dem ich mich nicht sonderlich auskenne, das ich aber recht spannend finde, auch in Hinblick darauf, wie intellektuell redlich Glaube ist beziehungsweise nicht ist. Das mit der intellektuellen Redlichkeit ist ja ein gängiger Vorwurf atheistischer Missionare, bei dem ich schon länger vermute, daß die da nicht ganz richtig liegen, aber mir fehlt halt die Kenntnis, um den Finger in die Wunde zu legen.

Bei Joshua Tongol gibt es ein etwas längeres Video zur Frage wieso Jesus sterben mußte, Gottes Zorn und den Römerbrief. Und auch hier läuft es auf Christus Victor hinaus. Es feut mich, daß diese Kreuzesinterpretation scheinbar immer mehr um sich greift, denn ich halte sie einfach für richtiger als die Satisfaktionslehre. Das Video ist wie gesagt etwas länger und streift mehrere Themen, insgesamt aber durchaus wert sich anzusehen, falls man des Englischen mächtig ist.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Karfreitag, 6. April 2012

Antje Schrupp befasst sich auf ihrem Blog mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen und der Frage, wer dann die Drecksarbeit macht. Der Artikel wirft eine wichtige Frage auf, auch wenn mich als Mann die Suggestion, die „Dreckarbeit“ würde vor allem an den Frauen hängen bleiben, annervt, aber das ist ne andere Diskussion. Ich würde ja die weitergehende Frage stellen, was die Folge wäre, wenn die Drecksarbeit nicht erledigt würde. Riefe man nicht nach dem Staat? Es könnte auf Steuerfinanzierung rauslaufen…

Thomas hat einen Artikel über Zombie-Filme geschrieben, und der ist interessanter, als es sich anhört. Vielleicht gerade auch für diejenigen, die nicht zu den Fans des Genres gehören. Beim Lesen kam mir der Gedanke, ob man wohl auch die Passion als Zombie-Film drehen könnte, oder als Monster-Film mit Zombies, Vampiren, Mumien und Werwölfen, wobei mir noch nicht ganz klar ist, wer für was steht.

Mandy schrieb, passend zur kommenden Osterzeit, über Jonathans Ei. Dabei geht es um einen Jungen mit Behinderung, der eine Regelschule besucht. Und das ist jetzt die Überleitung zu einem Bloghinweis, den ich schon länger unterbringen wollte, der aber nei richtig reinpasste: Der Blog Inklusion ist Menschenrecht. Es ist ja in der Tat so, daß die BRD ein UNO Papier ratifiziert hat, das sich für die Inklusion in der Schue ausspricht. Die Aufnahme in Regelschulen ist also Bundesrecht und muß umgesetzt werden. Insofern ist eine Auseinandersetzung mit der Thematik sicherlich nicht verkehrt.

Gerd Häfner stellt anhand der Frage nach dem Todestag Jesu dar, auf welchen Ebenen man einen Bibeltext lesen kann, und wieso das Nebeneinander von vier Evangelien in der Bibel durchaus sinnvoll ist.

Alien59 schreibt Bedrückendes über Wegwerfmenschen. Am Ende stellt sie die Frage nach dem Menschenbild. Ich meine, daß in diesen Fällen der Mensch nicht als Mensch, sondern als Produkt, als Gegenstand betrachtet wird, der eintauschbar ist bei Nichtgefallen oder Defekt. Eigentlich ein krasser Verstoß gegen Art. 1 GG. Und auch bei Peter scheint mir der Gedanke vom Menschen als Produkt im Hintergrund zu stehen, wenn er von der neuen Scham schreibt, die sich nicht auf die Nacktheit bezieht, sondern auf Armut und Unattraktivität.

Und ein dritter Artikel zum Thema, mit dem Titel „Das Weib als Volkseigentum“ ist bei Geiernotitzen zu lesen, mit einer bedenkenswerten und kreativen Ausdeutung des Ehebruchs.

Beim Hellbound-Blog kommen immer wieder recht gute Artikel, ich dachte ja erst, da würde nur der Film beworben. Weit gefehlt. So gibt es da den Artikel zur Frage, wie es denn nun ist mit der Liebe im Christentum, und wie mit den Werken.

Um Liebe in Form von gegenseitigem Dienst (Fußwaschung!) geht es auch in der Gründonnerstagspredigt von Nick Baines, und die Bemerkung, daß er in dem Jahr, wo er jetzt Bischof von Bradford ist, viele Leute getroffen habe, die gute Arbeit in der Diözese leisteten, dachte ich ein wenig an Heikos Artikel bei evangelisch.de. Dort geht es um die Facebook Seite des bayrischen Landesbischofs, der ja durchaus auch Projekte in seiner Kirche (und anderswo) besucht, die hoffentlich auch alle gute Arbeit leisten. Ne entsprechende Medienpräsenz der „Reisen des Bischofs“ (der Name ist verbesserungsfähig), auf der die guten Projekte in der Kirche kurz umrissen werden (evtl. mit Link zur Projektseite im Internet), vllt. vom Bischöf persönlich in ein paar kuren Worten, würde diesen Besuchen nicht nur den Aspekt des „die Landeskirche nimmt die gute Arbeit hier wahr und schätzt sie“ für die dort arbeitenden geben, sondern sie ebenfalls in Bezug auf „Außenwerbung“ erschließen. Wo jemand sagen würde „Die Kirche macht eh nix für die Menschen“ könnte man beiläufig auf die Internetpräsenz des Bischofs (oder Kirchenpräsidenten oder Präses oder oder) verweisen…

Über den Facebook-Gottesdinest aus dem Maternushaus Köln gibt es einen Artikel bei FrischFischen. Dabei wird auch die Frage nach der zukünftigen Rolle der Ministranten aufgeworfen.

Andrea hat einen Artikel zur Vorratsdatenspeicherung geschrieben. Diese läuft in Österreich im Gegensatz zu Deutschland seit letztem Jahr. Interessant fand ich, daß die evangelische Kirche in Österreich klar Stellung dazu bezogen hat (die EKD war mein ich eher verschwiegen, oder hab ich was übersehen?), gerade auch wegen der Seelsorge. Wären die Piraten, die sich ja hierzuland den Kampf gegen die VDS auf die Fahnen geschrieben haben, nicht so religionsskeptisch eingestellt, hätten sie hiermit vielleicht ein Argument, das sogar einen gestandenen CSUler vom Schaden dr VDS überzeugt. Aber da gibt es wohl leider ideologische Grenzen.

Zu den Piraten hat auch Muriel geschrieben. Lesenswert.

Euch allen einen gesegneten Karfreitag.

Anthropologie

Abtreibung

Bei Antje Schrupp hab ich einen Artikel gelesen, der sich mit Giublini und Minervas Gedanken zur Kindstötung gelesen.

Sie kritisiert darin die Anschauung, daß es bei einer Abtreibung um eine Abwägung der Interessen von Mutter oder Eltern und Kind gegeneinander handelt. Bei einer solchen Abwägung, so Antje, könne man recht wenig gegen die Tötung Frischgeborener einwenden.

Man solle die Abtreibung nicht als ein Verhältnis zwischen Eltern/Mutter und Kind, sondern als ein Verhältnis der Mutter zu sich selbst und ihrem Körper verstehen. Das ungeborene Kind sei ein Teil des Körpers der Mutter, die darüber auch entscheiden könne. Dies gelte beim geborenen Kind nicht mehr, was die Argumentation von Giublini und Minerva aushebeln würde.

Ich stimme da zu: Giublini und Minerva sind asgehebelt. Aber ich habe Bedenken dabei, das Kind als Anhängsel der Mutter zu verstehen. Gerade aus den Erfahrungen der Frauenbewegung heraus (Antje bezieht sich auf den Feminismus) denke ich, daß das Denken des einen als ein „Anhängsel“ oder „Teil“ des anderen zu betrachten, kritisch gesehen werden sollte.

Da die Frau als Anhängsel des Mannes begriffen wurde, wollte man ihr keine gleichen Recht zukommen lassen. Statt dessen hatte der Mann früher weitreichende Bestimmungsrechte über das Leben der Frau. Freilich handelte es sich da um eine gesellschaftlich festgelegte Sache. Wir können heute auch gut leben, ohne die Frau als Anhängsel des Mannes zu betrachten.

Ungeborene Kinder sind allerdings tatsächlich im Körper der Frau. Das ist gesellschaftlich nicht zu ändern. Doch rechtfertigt das, nur die Interessen der Frau zu Wort kommen zu lassen?

Zu bekräftigen, dass diese Entscheidung letzten Endes von der schwangeren Frau getroffen werden muss und nicht von externen „Experten“, bedeutet nicht, das „Recht auf Abtreibung“ zu fordern. Es bedeutet nur, die Beurteilung des ethisch und moralisch schwierigen Themas bei derjenigen zu belassen, die es betrifft, weil es um ihren Körper geht.

Gerade weil es sich um ein moralisches Dilemma handelt, kann sich die Gesellschaft in einem solchen Fall nicht anmaßen, der schwangeren Frau vorzuschreiben, was sie zu tun hat.

Die Entscheidung soll nach Antje Schrupp bei der Frau liegen, und nur bei ihr, und zwar weil es sie betrifft. Die durchgesetzten Frauenrechte betrafen auch die Familienväter und Ehemänner. Die Frauen waren nun nicht mehr Verfügungsmasse für politische oder wirtschaftliche Interessen. Wir sind uns einig, daß die Interessen der Frauen um einiges mehr wogen als die Interessen ihrer Väter und Ehemänner. Aber betroffen waren diese durchaus auch.

Aber es fällt mir noch etwas ganz anderes auf: Antje schreibt von einem moralischen Dilemma und betont ach, daß es sich keineswegs um eine leichte Entscheidung handelt, wenn man sich für die Abtreibung entscheidet. Aber zeigt das nicht, daß es doch nicht nur um den eigenen Körper der Frau geht? Ginge es lediglich um den Körper der Frau, dann dürfte die Entscheidung doch ähnlich gelagert sein wie ein anderer Eingriff, meinetwegen eine Blinddarmoperation.

Selbst emotional schwer afgeladene Entscheidungen, wie wenn es zu Amputationen kommen muß mögen schwer sein, und schmerzhaft, aber es sind keine moralischen Dilemmata.

Die Frauenrechte konnten nur von Frauen erkämpft werden, weil nur sie für sich selbst sprechen konnten. Männer konnten dabei lediglich die Gedanken nachvollziehen, und sich eine Meinung dazu bilden, selbst für sie sprechen konnten sie nicht.

Und so habe ach ich hier ein Problem. Die Embryonen müßten für sich selbst sprechen können, was ihnen nicht gegeben ist, wir können nur mutmaßen und uns eine Meinung bilden.

Es ist tatsächlich ein Problem, daß die Embryonen in den Körpern der Frauen heranwachsen müssen. Sie tun dies, ohne die Frauen zu fragen, und bestimmen deren Leben nachhaltig. Sie schränken die Freiheit der Frauen enorm ein.

Allerdings hatten die Embryonen auch keine Wahl. Sie entstanden einfach. Das liegt in der Natur der Sache. Die Natur ist auch schuld daran, daß die Frauen diejenigen sind, die in ihrer Freiheit eingeschränkt werden, und die Männer sich davonmachen können.

Bleibt die Frage, wie man gesellschaftlich damit umgeht. Gesellschaftlich ist es so, daß die Männer zu Unterhaltszahlungen für das Kind gezwungen werden. Die Gesellschaft verlangt also hier von den Männern, Verantwortung zu übernehmen. Insofern wäre es nicht ganz von der Hand zu weisen, wenn auch den Frauen eine Verantwortung übertragen wird. Nun ist es aber so, daß die Frauen im Zweifel immer alleine stehen. Wenn die Gesellschaft den Mann nicht zur Zahlung bringen kann, steht die Frau alleine da. Wenn der Vater unbekannt ist erst recht.

Es ist in der Tat ein Dilemma, und ich verstehe jede Frau, die da Panik kriegt. Trotzdem halte ich es für die bessere Lösung, wenn das Kind geboren wird, wenn die Frau von ihrer Freiheit absieht und Verantwortng übernimmt. Genauso (nein, eigentlich mehr) halte ich es für die bessere Lösung, wenn der Mann Verantwortung übernimmt und sich um das Kind kümmert, und nicht irgendwelche Tricks anwendet, um die Unterhaltszahlung zu umgehen und Ähnliches. Und auch von der Gesellschaft sollte man erwarten können, Verantwortung zu übernehmen und ungewollt schwangere Frauen zu unterstützen.

Da die Gesellschaft aber nicht ideal ist, halte ich es für einen praktikablen Weg, in Anerkenntnis der problematischen Situation der Frauen, wenn sie im Falle einer Abtreibung nicht strafrechtlich belangt werden, so wie es im Moment der Fall ist.

Das muß dann nicht bedeuten, daß man Abtreibung als legitim ansieht. Der Meinung bin ich nicht, da der Embryo, der eigentlich die wenigste Schuld hat, der Leidtragende ist (auch wenn er noch kein Leid empfinden kann). Aber es ermöglicht denjenigen Frauen, die alleine und ohne Unterstützng dastehen, einen Ausweg. Aber nicht, weil es sich um ihren Körper handelt. Sondern weil die Gesellschaft, wenn sie schon die Frau nicht dahingehend unterstützt, daß sie das Kind bekommt, wenigstens so viel Verantwortng übernehmen sollte, die Frau nach einer Abtreibung nicht für eine Sache zu kriminalisieren, die die Gesellschaft durch ihre unterlassene Hilfestellung herbeigeführt hat.