Allgemein

Solidarität

Ich habe grade diesen Artikel gelesen. Landesbischof Meister spricht sich dort in erfreulicher Schärfe dafür aus, gegen Übergriffe auf Flüchtlinge und Asylbewerberheime vorzugehen. Das finde ich gut.

Außerdem schreibt er, dass Solidarität mit den Schwächsten für Christen etwas Elementares sei. Auch das findet meine vollste Zustimmung.

Er schreibt, dass Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen, nicht unter das Asylrecht fallen. So weit, so (leider) richtig. Dann schreibt er, dass das nicht bedeute, dass sie hier nicht willkommen sind. Bis hierhin habe ich mich gefreut über eine (aus meiner Sicht) gute Stellungnahme.

Doch bei den folgenden Sätzen ist mir übel geworden….

Deutschland sei vielmehr auf qualifizierte und motivierte Menschen angewiesen. „Anders können wir den Fachkräftemangel in ganz vielen Branchen nicht annähernd auffangen“.

Ja, es stimmt, wir sind tatsächlich auf Menschen angewiesen. Doch Solidarität mit den Schwächsten kann doch wohl nicht so aussehen, das „Willkommen“ an die Leistungsfähigkeit der Flüchtlinge zu koppeln. Um es ganz deutlich zu sagen: grade diejenigen, die (noch?) nicht qualifiziert sind oder Fachkräfte sind, sind die Schwächsten. Wobei es mir schon wieder komisch vorkommt, jemanden, der genug Kraft für eine Flucht unter übelsten Bedingungen zu wagen, für schwach zu halten…. Aber ich vermute jetzt mal, es geht da um andere Schwäche…  Solidarität mit den Schwächsten, mit denen, die auf Hilfe für ihren Lebensunterhalt angewiesen sind, zeigt sich nicht darin, dass wir darauf hinweisen, dass wir ja gute Arbeitskräfte brauchen. Solidarität mit den Schwächsten zeigt sich darin, sie aufzunehmen, obwohl sie diese Hilfe benötigen und obwohl sie nach dem asozialen Asylgesetz Deutschland kein Recht auf Asyl haben.

Kurz: Solidarität mit den Schwächsten darf nicht nach dem Vorteil fragen, den ihre Aufnahme bietet. Denn dann ist es keine Solidarität, sondern schlichtes Befolgen kapitalistischer Denkstrukturen.