Theologie

Evangeliumsverkündigung und Islamfreundlichkeit

Ulrich Kasparick hat einen Artikel geschrieben, indem er idea für deren Handeln kritisiet und fordert, daß die EKD idea nicht weiter finanziell unterstützen soll.

Zu dem Artikel hat ein Kommentator „Wga“ folgendes geschrieben:

Als Christ erwarte ich nicht, dass die EKD einen interreligiösen Dialog macht, linke Positionen vertritt, sondern klar das Evangelium des Auferstandenen verkündet: CHRISTUS ALLEIN. Wie soll man da islamfreundlich sein? Der Islam ist eine antichristliche Religion, die mit Christus NICHTS gemeinsam hat. Die Erlösung erfolgt ausschließlich durch das was Jesus am Kreuz getan hat.

Ich muß Wga zugestehen, daß er oder sie im Konfirmationsunterricht aufgepasst hat: Die Erlösung erfolgt durch Christus, durch das, was Christus am Kreuz getan hat, nämlich die Welt geliebt und zwar so sehr, daß Er nicht zurückgeschlagen hat, sich nicht gewehrt hat, sondern lieber den Tod auf sich nahm als die Welt dafür zu bestrafen, daß sie Gott ermordete.

Allerdings kann man Wga denke ich ein wenig dafür kritisieren, das nicht ganz durchdacht zu haben, was Christus da gemacht hat und was daraus folgert. Als Seine Jünger sollen wir Ihm nämlich nachfolgen und unser Kreuz auch auf uns nehmen. Sprich: Wir sollen Liebe üben und nicht zurückschlagen. Das fällt schwer, das wissen wir alle, und wer meinen Blog länger liest weiß, daß ich auch oft austeile, daß ich auch über die Grenze zwischen Bekennen der Wahrheit (soweit man sie erkannt zu haben glaubt) und Angreifen der Gegenposition hinausschieße.

Aber ist ist halt auch so, daß Verkündigung des Evangeliums des Auferstandenen nicht nur bedeutet, andächtig aufs Kreuz zu schauen, sondern daß zur Verkündigung auch unser Tun dazugehört. Wir sollen nicht nur reden, wir sollen auch tun. Und jetzt „tut“ die EKD wie viele landeskirchliche und auch andere Gemeinden interreligiösen Dialog.

Wga fragt, wie man als Christ, der das Evangelium verkündigt, islamfreundlich sein kann. Nun, ich denke man kann nicht nur, man muß, wenn man verkündigen will, freundlich sein. Nicht nur den Muslimen gegenüber, sondern auch allen anderen Menschen gegenüber. Dialog und Islamfreundlichkeit bedeutet ja nicht, daß man die eigene Position verläßt. In einen Dialog kann man nur treten, wenn man die eigene Position kennt. Wenn man sie nicht kennt, muß man vorm Dialog freilich Angst haben, weil man ja nicht weiß, wieso man seine Position hat, so daß man auch plötzlich eine andere POsition bekommen könnte und Muslim werden könnte… es gibt sicher Menschen, denen das Angst macht.

Dialog bedeutet lediglich, daß man sich austauscht darüber, was der je andere glaubt. So daß man nicht auf BILD und idea angewiesen ist. Dann findet man vielleicht auch herraus, daß der Islam mitnichten antichristlich ist, sondern daß es im Islam unter den Muslimen eine ziemliche Hochachtung auch für den christlichen Glauben gibt. Das wird aus den Nachrichten freilich nicht klar, weil es dort immer um irgendwelche Spinner mit Sprengstoffgürteln geht. Man versetze sich einmal in die Lage eines Muslim, der keine Christen kennt und in den Nachrichten nur von Leuten wie Breivik hört, oder von Bush, der einen „Kreuzzug“ machen wollte und ein Land angriff, weil dort angeblich Massenvernichtungswaffen sein sollten, mit dem Ergebnis, daß heute alles noch viel schlimmer ist als unter Saddam. Und Bush meinte dann auch noch, Gott hätte ihm gesagt, das zu tun…

Dialog kann solche falschen Bilder vermeiden helfen und zum Frieden beitragen. Insofern ist der Dialog mit dem Islam und auch allen anderen Religionen genau das, was Wga fordert: Verkündigung des Evangeliums, indem nämlich gezeigt wird: Christen sind nicht gewalttätig, sie reden mit den Menschen und nehmen sie als Menschen wahr, nicht als Stereotypen.

Damit erlösen wir zwar nicht die Muslime, aber Erlösung kann sowieso nur durch Gott geschehen. Aber wir schließen Kontakte, vielleicht sogar Freundschaften, und falls sich irgend ein Muslim entscheiden sollte, zu konvertieren, hat man direkt chon den Kontakt und kann helfen. (umgekehrt natürlich genauso)

Wga schreibt weiter unten:

Was soll da an Gemeinsamkeiten möglich sein. Wer das propagiert hat den seligmachenden Glauben, den auch die Kirchenväter vekündet haben, verlassen.

Es gibt viele Gemeinsamkeiten. Die Muslime kennen die meisten der biblischen Personen und ihre Geschichten. Natürlich haben sie keinen seligmachenden Glauben nach christlichem Verständnis, sie sind ja keine Christen. Aber man verläßt ja nicht den Glauben, wenn man ins Gespräch kommt. Gerade die Kirchenväter haben doch immer wieder das Gespräch zum heidnischen Umfeld gesucht, um eben das Christentum zu erklären. Nichts anderes tun Christen doch im interreligiösen Dialog. Und zum Erklären gehört auch das Zuhören, sonst ist es ja sinnlos. Ergo hat der, der den interregligiösen Dialog führt, den Glauben der Kirchenväter gerade nicht verlassen, sondern steht in dessen Tradition.

Allerdings wundert es mich, daß gerade ein Evangelikaler sich auf die Kirchenväter zu stützen versucht. War da nicht mal was mit allein die Schrift?

Ach, eins noch:

Die Evangelikalen sind auch die, die in Einheit mit allen Konfessionen und quer durch die Kirchengeschichte an der gemeinsamen Haltung gegenüber unbiblischer Lehren bezüglich Gender und Homosexualität festhalten. Die paar Liberalen, die da was ändern, können nicht sagen, dass sie kirchengeschichtlich in Einheit mit den Vätern und allen Konfessionen stehen, nicht mal mit den Leuten in ihren eigenen Konfessionen können sie da behaupten, sie hätten eine Einheit.

Luther hatte am Anfang auch keine Einheit. Mit (fast) niemandem. Ist die Rechtfertigung aus dem Glauben deshalb plötzlich falsch?

Allgemein

Elevator Pitch

Rolf hat ein lustiges Spiel angefangen. Es geht darum, einen Elevator-Pitch für das Evangelium zu verfassen. Was genau das ist, kann man in seinem Artikel nachlesen. Grob geht es darum, in 30 Sekunden bzw 90 Wörtern das Evangelium zu erklären.

Einfach ist das sicher nicht, zumal es durchaus strittig sein dürfte, was genau das Evangelium beinhaltet. Womöglich würden viele Menschen der Zusammenfassung „Gott liebt Dich“ zustimmen, allerdings so platt formuliert, daß man darunter auch alles mögliche verstehen kann: Es wird also zur Projektionsfläche für eigene Wünsche und Vorstellungen, und sagt letztlich nicht nur alles mögliche, sondern nichts aus.

Es scheint also eine Notwendigkeit zu geben, irgendwie die Heilsgeschichte noch mit rein zu bringen, was natürlich Zeit kostet und noch viel mehr Fragen aufwirft als es beantwortet. Und so käme man dann Schritt für Schritt zu nem dogmatischen Entwurf, aber der ist dann lang und kompliziert und eben nicht mehr auf 30 Sekunden oder 90 Wörter begrenzt.

Thomas Jakob hat es anders versucht und den Elevator-Pitch als Werbetext formuliert. Das ist ihm wunderbar gelungen, allerdings stellt sich mir wie auch Karl Heinz die Frage, wo der Inhalt bleibt. Denn Thomas bewirbt das Evangelium wunderbar, sagt aber auch nicht, was genau es ist, selbst wenn er Bibelverse verarbeitet hat, wie er betont.

Allerdings hat auch der darauffolgende Versuch von Karl Heinz seine Schwäche, nämlich daß er dem Menschen unterstellt, sich in einer bestimmten Situation zu befinden. Wer sagt denn, daß das Leben des Angesprochenen mühsam und stressig ist? Außerdem bin ich etwas skeptisch wenn es heißt, man müßte „nur einen Knopf drücken“. Das ist mir zu positiv ausgedrückt, negiert die Möglichkeit der Mühsal, die auch dem Gläubigen begegnen können. Manchmal fühlen sich Gläubige beschissener als Ungläubige, und das ist dann halt so.

Zusammenfassend würde ich sagen, daß so ein Pitch also Inhalt bringen muß, aber nicht von einer Situation ausgehen darf, die vielleicht gar nicht vorliegt (oder zumindest nicht so wahrgenommen wird), er darf sich nicht in Details verheddern und sollte dennoch auch die Realität abbilden, und eben nicht vereifachen von wegen ein Knopf drücken und alles ist gut.

Ein erster Gedanke führt mich dahin, auf die Wirkungen des Evangeliums in der Welt hinzuweisen: Einsatz für Arme und Entrechtete, Gerechtigkeit und Frieden. Jedoch würde das einerseits ausblenden, was an Gräultaten im Namen des Evangeliums getan wurde, außerdem würde es eben auch nicht den Inhalt darstellen.

Und ich stelle mir die Frage: Was ist überhaupt Sinn und Ziel so eines Pitches? Information über das „Produkt“? Das ginge vielleicht noch, wenn es aber Werbung sein soll, so daß man angeregt wird, das „Produkt“ zu kaufen, dann muß es in die Hose gehen, wird doch der Glaube durch Gott geschenkt.

Ich kann also voraussetzen, daß der Angesprochene entweder glaubt, oder daß er mich eh nicht ganz verstehen wird, weil er eben nicht glaubt. Ich kann also dem Ungläubigen das Evangelium so darstellen, wie es sich für Christen darstellt und auswirkt. Und wenn der Angesprochene ein Christ ist, wird er mich verstehen und mir zustimmen – im Idealfall.

Wohlan, ans Werk:

Das Evangelium besagt, daß Gott uns liebt, daß nichts und niemand uns von dieser Liebe trennen kann. Und wenn Gott für uns ist, wer sollte gegen uns sein?

Uns geht es nicht besser als anderen Menschen: Wir kämpfen mit Rückschlägen, Leid und der eigenen Unzulänglichkeit.

Das Evangelium gibt uns die Kraft, immer wieder aufzustehen, denn es gibt uns Hoffnung: Gott liebt uns, also wird Er uns auch jetzt helfen.

Vielleicht verzweifeln wir weniger oder engagieren uns mehr für andere. Aber sicher würden wir das Evangelium gegen nichts in der Welt eintauschen wollen.

Das wäre mein Versuch. Mit dem Ende bin ich noch nicht ganz zufrieden. Mir geht es darum, das pro me auszudrücken, daß der Glaube an das Evangelium mir das Leben lebenswerter macht, daß es womöglich auch Effekte gibt, die sich in der Welt zeigen (die Früchte des Geistes), aber ich will diese hier bewußt in der Möglichkeitsform halten, um nicht so verstanden zu werden, daß Christen bessere Menschen seien. Denn wie sich die Früchte zeigen, ist je verschieden und muß, wenn man eine Bewertungsskala einführen wollte, um holier than thou zu spielen, nicht zu einem Vorteil der Christen vor den Nichtchristen führen. Glaube ist schließlich kein Wettbewerb!

Allgemein

Mission

Die Mission ist ja so ein Thema, das heutzutage kaum Popularität besitzt in landeskirchlichen Kreisen. Wobei, das stimmt nicht ganz, es gab vor ner Weile mal ein paar offizielle Verlautbarungen zur Mission, daß man die als wichtig ansieht und so fort. Aber daß davon groß etwas in den Gemeinden angekommen wäre kann ich jetzt nicht sagen. Oder es ging an mir vorbei.

Das liegt wohl einerseits an der unsäglichen Geschichte der Mission. So kam es immer wieder dazu, daß Menschen zur Taufe gezwungen wurden, man spricht da auch von Schwertmission. Die Vermischung mit der politischen Ebene spielt dabei eine nicht unwichtige Rolle, so hat etwa Kaiser Karl, genannt „der Große“, von den vom ihm unterworfenen Sachsen die Taufe verlangt. In dem Fall spiele eine große Rolle, daß dies die Unterwerfung unter eben jenen Kaiser bedeutete, und seine Kirche. Karl hatte übrigens einen Hoftheologen, Alkuin, der Kritik äußerte. Aber wer hört schon auf die Theologen, wenn wichtigere Interessen auf dem Spiel stehen?

Ein anderer Grund, wieso die Landeskirchen beim Thema Mission nicht ganz so im Vordergrund stehen liegt vielleicht an der Abgrenzung gegenüber evangelikaleren Richtungen. Dort führt man die Mission zumindest gefühlt ständig im Munde, und wendet es auch auf Konzepte an, die man schwerlich unterstützen würde, als Landeskirchler. Man hält sich also lieber zurück. Nichts desto trotz gibt es Missionsgesellschaften, die den Landeskirchen nahe stehen. Man schickt dort aber selten Missionare aus, um „die Heiden“ in fremden Weldteilen zu bekehren (wir haben ja auch genug Nichtchristen hierzuland), sondern betreibt eher Entwicklungshilfe.

Aber zurück zu den evangelikaleren Gruppierungen. Dort werden durchaus Missionare ausgesendet, mitunter auch mal in arabische Länder, wo diese dann zu Tode kommen, und hinter allem steht das Ziel, Jünger zu machen, also Nichtchristen (manchmal werden von den fraglichen Gruppen auch Katholiken und Orthodoxe dazugezählt) zu Christen zu machen.

Von den Konzepten solcher Gruppen las ich gerade kürlich wieder in zwei Artikeln englischer Blogs, deren Autorinnen selbst als Missionarinnen nach Südostasien gingen. Sie kennen also das Terrain. Bei Laura geht es darum, wie Missionare versuchen, an die Kinder der Leute heranzukommen, indem man ihnen eine bessere Zukunft verspricht und sie in eigene Schulen bringt, freilich ohne daß es die Eltern etwas kostet, wo die Kinder dann zu Christen erzogen werden. Lana berichtet davon, daß die Menschen Material für den Hausbau bekamen und eine Schulbildung für die Kinder, nur daß sie dafür einmal pro Woche eine einstündige Predigt hören mußten. (für alle die Englisch können sind beide Blogs übrigens sehr zu empfehlen)

Es entspann sich vor allem bei Laura eine Diskussion darüber, ob und inwieweit das okay sei, sich so auf die Kinder einzuschießen.

Die eine Seite (zu der auch ich gehöre) hatte ein Problem damit, daß die Kinder indoktriniert werden und die Eltern entmündigt. Und daß das Evangelium quasi Handelsware, ja noch schlimmer, Bürde wurde. Das Evangelium wurde zu dem Frosch, den die Leute schlucken mußten, wenn sie Hilfe bekommen wollten.

Die andere Seite pochte auf den Missionsbefehl und daß die Menschen verloren wären, wenn sie nicht das Evangelium hörten und sich bekehrten. Stünde doch ganz klar in der Bibel.

In der Diskussion habe ich mich zum ersten Mal seit längerem mit dem Thema Mission auseinandergesetzt und reflektiert, wie ich Mission gut fände.

Ausgehend von der Situation, die in den Artikeln beschrieben wird: Arme Menschen, die teilweise hungern und um Hilfe bitten, bin ich der Meinung, daß das erste, was ein Christenmensch tun sollte ist, Hilfe zu bieten.

Die Hungrigen speisen, die Kranken pflegen. Diese Dinge, also alles, was wir unter Diakonie fassen würden, aber nicht nur institutionalisiert wie hier in Deutschland, sondern auch konkret dem gegenüber, der an die Tür klopft.

Das geschieht nach Aussage von Lana und Laura auch. Aber: Ich denke, das sollte man tun, ohne darauf zu schlielen, wann man jetzt seinen Sermon von der Heilstat Jesu ablassen kann um den Hilfesuchenden vor die Wahl zu stellen: Bekennst Du nun Christum als Deinen Herrn?

Was würde der Hilfesuchende wohl tun? Mit den Lippen bekennen, weil man vielleicht irgendwann wieder Hunger hat und sich nicht die Chance verbauen will, noch einmal Hilfe zu bekommen? Wohl möglich. Oder ehrlich sein sich zum Buddhismus bekennen? Was sollte das nützen? (Womöglich sieht man das mit der Verleugnung der eigenen Religion im Buddhismus auch gar nicht als so schlimm an wie wir im Christentum, aber das weiß ich nicht)

Es besteht also eine wunderbar hohe Chance, daß die Angesprochenen, alleine um konform zu sein und nicht anzuecken, mitspielen. Zumindest, so lange sie sich davon etwas versprechen.

Eien Kommentatorin mit Namen Anna hat bei Laura davon berichtet, daß Jugendprojekte ganz schnell wieder einbrechen und Lana berichtete wo anders davon, daß in Südostasien die Gemeinden oftmals praktisch aufhören zu existieren, wenn die westlichen Missionare wieder verschwinden und das Christentum keinen materiellen Vorteil mehr bringt.

Deshalb denke ich, auch wenn mir mehrfach entgegengehalten wurde, daß wir das Evangelium verkünden müssen, daß in den Situationen, wo jemand zu uns kommt und um Hilfe bittet, es unsere Pflicht und Schuldigkeit als Christen ist, diesem Kind Gottes zu helfen so gut wir können, ohne zu versuchen einen Profit für uns dabei rauszuschlagen, indem wir anfangen zu evangelisieren. Denn damit ziehen wir die Liebe in Zweifel, die wir eigentlich zeigen wollen und sollen. Sie verkommt zum Lockangebot in einem Kuhhandel: Ich geb Dir essen und Du singst meine Kirchenlieder. Nein! Wer Hilfe sucht soll Hilfe bekommen, ohne seien Religion wechseln zu müssen oder auch nur mit der Frage danach konfrontiert zu werden!

Das bedeutet nicht, daß man nicht verkündigen soll. Was spricht dagegen, jeden Tag einen Gottesdienst zu feiern und jeden, der sich interessiert, zu empfangen? Was spricht dagegen, wenn der Hilfesuchende danach fragt, wieso man diese Hilfe gewährt (vielleicht auch schon über längere Zeit), auf Christus zu verweisen? Steht nicht Christus und Seine Liebe hinter jeder Hilfe, die wir Christen geben? Aber eben: Kein langer Sermon, einfache Antworten auf einfache Fragen. Die Fragen werden kommen, man muß geduldig sein. Und dann liegt es an Gott, einem die richtigen, kurzen Antworten zu geben und das Interesse zu wecken, daß der Betreffende vielleicht irgendwann auch im Gottesdienst oder einer Bibelstunde erscheint. Nicht, weil er irgendwleche Konformitäten erfüllen will oder gar genötigt wurde, sondern weil er selbst es will und sich selbst interessiert.

Das bedeutet sicherlich viel mehr Aufwand. Und viel mehr Unsicherheit. Aber wie viel Sicherheit hat man denn, wenn man jedem gleich das Evangelium um die Ohren haut, der nicht schnell genug davonkam? Man kann sich vielleicht einreden, alles getan zu haben, was man konnte. So nach dem Motto: Gott kann mir nichts vorwerfen, ich hab getan was geht, um Jünger zu machen. Das wäre erstens ein werkgerechter Ansatz (was schon per se wenig evangelisch und damit wohl auch nicht evangelikal wäre) und zweitens erinnert es ein wenig an den Pharisäer im Tempel, der meint, er sei nicht so schlecht wie der Zöllner, der ja gar kein guter Mensch sein könnte…

Christus sagte uns, wir sollten Jünger machen, Er sagte nicht, daß wir dazu kurz das Evangelium umreißen sollen und dann hoffen, daß das schon irgendwie genug sei. Was er aber auch forderte war Liebe für den Nächsten und selbst für den Feind. Das tut sonst keiner und wird auch immer wieder in Gesprächen mit Atheisten als Punkt vorgebracht, der absolut unsinnig sei. Ja, für Atheisten muß das wohl so aussehen. Aber genau deshalb wird es auch irgendwann Fragen provozieren.

Wenn man ein Stück Land bearbeiten will, kann man ja auch nicht einfach die Samenkörner zwischen die Hecken werfen. Das heißt, man kann schon, aber der Ertrag wird geringer sein, als wenn man das Land erst einmal rohdet, die Steine entfernt, pflügt, also quasi: Es urbar macht. Ich denke so muß man auch die Menschen erst einmal auf das Evangelium vorbereiten. Und meine Überzeugung ist, daß dies eben durch Liebesdienste geschieht, die eben nicht danach fragen, wie die Situation nun ausgenutzt werden kann, um das Evangelium anzubringen (vordergründig, um Gott einen Gefallen zu tun, hintergründig dann vielleicht doch eher: um sich selbst besser zu fühlen. Als ob Gott unter Zeitdruck stünde udn Ihm nicht andere Personen zur Verfügung stünden, um dem Menschen das Evangelium zu bringen).

Man muß dabei ein wenig mehr Spannugn aushalten. Denn wenn man möglichst früh den Sermon abläßt, steht es danach eben bei Gott, man hat selbst erst einmal seinen Teil getan. Wenn man auf Fragen wartet, dann muß man sich so lange auch zurückhalten, muß darauf warten, daß Gott in dem Menschen das Interesse weckt. So lange kann man „die Sache“ auch nicht abhaken und zum nächsten gehen. Das ist sicher anstrengender. Aber ich vermute, es ist erfolgversprechender. Und es nähme der Mission vielleicht auch nach und nach ihr negatives Image, was dann bedeuten würde, daß auch mehr Menschen diese Anstrengungen unterstützen.

Glaube

Entkehrung

Da lese ich mich so durch die Blogs, die ich abonniert habe, und bleibe beim „Der Sieger Blog“ hängen. Da geht es um „Entkehrung“. „Entkehrung“ meint hier das Gegenteil von Bekehrung, also sozusagen der Abfall vom Glauben. Dazu hat er auch ein Interview verlinkt, das wie ich meine unbedingt lesenswert ist.

Darin berichtet Tobias Faix von seinen Untersuchungen auf dem Gebiet der Entkehrungen, zu dem er auch ein Buch geschrieben hat (näheres dazu im Interview). Faix benennt bestimmte Gemeindestrukturen als möglichen Grund für Entkehrungen:

Wir haben festgestellt, dass es in Gemeinden Strukturen gibt, die Dekonversionen fördern.

Weiter führt er aus:

Man muss gemeinsam überlegen und darüber reden: Wie verstehen wir einzelne Aussagen der Bibel? Warum verstehe ich sie so? Was ist unverständlich? Es ist wichtig, dass es dafür Kommunikationsräume gibt. Wir sollten die Angst davor ablegen, dass der ganze Glaube einer Person zusammenfällt, wenn sie einen bestimmten Aspekt nicht glaubt. So etwas macht es schwierig, auch Zweifel zuzulassen und auszusprechen.

Beim „Sieger Blog“ schwebt dem Autor Viktor eine bestimmte Lösungsrichtung vor: Die Alten in den Gemeinden sollen sich nicht über die Formen beschweren, die den Jungen eher zusagen:

ich habe auch beobachtet wie die jungen Leute, wenn sie heranwachsen, die Gemeinde verlassen und vollkommen andere Wege einschlagen. Die ältere Geschwister sagen dann: “Wir beten dafür, dass Gott sie zurück holt.” Aber sie tun meistens nichts dafür. Im Gegenteil, sie meckern wenn die Musik im Gottesdienst zu laut ist oder das Programm nicht stimmt… Die Liste könnte man fortsetzen.

Außerdem spricht er davon, daß Mentoren benötigt werden

die sie ermutigen, mutig ihren Glauben im Alltag auszuleben und sich mehr mit dem Wort Gottes zu beschäftigen […] und ihnen nicht ihre Ideologie, Theologie oder ähnliche …logien aufzwingen.

Ich denke nicht, daß ein Programm in einer Gemeinde dazu führen, kann, den Glauben ganz aufzugeben. Man ärgert sich vielleicht über den Gottesdienst, über die Form, die einem nicht entspricht, aber das ist ein Konflikt mit Menschen, nicht mit Gott. Daher kann er meiner Meinung nach vielleicht zur Trennung von Menschen führen, man geht vielleicht in eine andere Gemeinde, die einem mehr entspricht, aber deshalb trennt man sich nicht von Gott. Und ein Gemeindewechsel ist keine Entkehrung, es sei denn, man hängt dem Glauben an, daß nur die eigene Gemeinde die Wahrheit erkannt hat.

Das ist übrigens auch ein interessanter Punkt bei dem Interview: Es wird nie gesagt, was genau mit Entkehrung gemeint ist. Was ist mit den Entkehrten? Sind sie jetzt Atheisten? Sind sie Agnostiker? Suchen sie eine neue Gemeinde?

Irgendwie bekomme ich vom Interview und noch mehr bei Viktor den Eindruck, daß es hier nicht um Menschen gibt, die zu einem eigenen festen Glauben an Gott gekommen sind, sondern um Menschen, die vielleicht Gott suchten, in eine Gemeinde kamen, die vielleicht ein oder zwei interessante Dinge über diesen Gott zu sagen hatte, aber deren Gott dann am Ende doch enttäuscht hat. Es ist immer gefährlich, solche Behauptungen aufzustellen, letztlich weiß ich es nicht und kein Mensch kann in eines anderen Menschen Herz sehen. Trotzdem möchte ich auf diese Möglichkeit hinweisen, denn es scheint mir viel dafür zu sprechen.

Wie gesagt wundert es mich, dass vor allem äußerliche Gründe genannt werden: Bei Viktor die Formen des Gottesdienstes und bei Faix, schon etwas tiefer gehend, die Akzeptanz eigener, abweichender Glaubensüberzeugungen. Aber auch bei Faix frage ich mich: Was, wenn eine Gemeinde mit den abweichenden Meinungen ein Problem hat und Druck ausübt. Gibt man deshalb den Glauben auf, oder ist es nicht auch eine Möglichkeit, eine Gemeinde zu suchen, die dem eigenen Glauben eher entspricht? Ist es nicht so, daß nur wenn man die Frömmigkeit der Gemeinde für die einzig gültige hält ein Bruch mit der Gemeinde auch ein Bruch mit Gott bedeutet? Ansonsten verläßt man die Gemeinde und bleibt Gott treu.

Und das wäre, falls ich richtig liege, auch ein Kritikpunkt in solchen Gemeinden: Da wird vielleicht nicht nur Gott verkündet, sondern die eigene Kultur, der eigene Zeitgeist. Und da hat Viktor dann auch Recht, wenn er nach Mentoren verlangt, die nicht die eigenen Ideologien verbreiten.

In den letzten Tagen kam ich über einen Artikel bei Lana Hope zu nem Artikel bei Laura Parker, in dem es um Mission und Kinder geht. Beide schreiben auf Englisch, also sind die Artikel womöglich nicht für alle lesbar. Es geht grob darum, wie Missionare in Südostasien (wo beide als Missionarinnen arbeiteten bzw. arbeiten) Essen und Schulunterricht als Gegenleistung für Predigthören etc anbieten. Vor allem die Kommentare bei Laura, wo ich ein wenig mitdiskutiert habe, brachten mir ein wenig mehr Einsicht.

Es war da zum Beispiel die Rede von Jugendprogrammen (diesmal in Amerika), die kurzfristige Erfolge brachten, aber auf lange Sicht kaum jemanden zum Glauben bringen konnten. Vor längerem, ich glaube auch bei Lana, laß ich von Gemeinden, wieder in Südostasien, die sprühten vor Aktivität, jede Menge neuer Gläubiger und alles, bis die Missionare gingen. Dann waren die Kirchen verlassen und die Gemeinden hörten auf, zu existieren.

Während der Diskussion bei Laura ging es mir erst darum zu sagen, daß man das Evangelium nicht verkaufen kann, also Brot für Evangelium hören wird kaum Gläubige machen. Dann kam auf einmal die Frage auf, ab wann man den Kindern denn von Jesus erzählen kann, die nach Brot fragen. Und in mir wuchs die Sicherheit, daß das der falsche Ansatz ist. Die Kinder werden von Jesus erfahren. Man kann ihnen auf Fragen antworten, aber eben keine vorgefertigten Vorlesungen zu Kreuz und Auferstehung, sondern eine einfache Antwort auf eine einfache Frage. Und in der Zwischenzeit, bis alle Fragen gestellt sind, hält man sich an das Liebesgebot: Die Hungrigen ernähren, die Nackten kleiden, solche Dinge.

Ansonsten wird man wahrscheinlich eher Konformität erzeugen, als echten, tiefgehenden Glauben. Die Menschen, egal ob Kinder in Südostasien oder Erwachsene hier, werden vielleicht so lange nach den Regeln der Gruppe handeln, wie sie davon Vorteile für sich erhoffen. Aber eben nicht, weil sie es als Wahrheit erkannt haben. Und sobald die Vorteile weg sind, werden sie auch aufhören mit der Konformität.

Konformität ist aber kein Glaube, sie ist oberflächlich, sieht wie Glaube aus. Vielleicht spricht man dann von „Entkehrung“, wenn ein Mensch der Gemeinde den Rücken kehrt. Weil er in dem Fall tatsächlich auch Gott den Rücken kehrt, jedenfalls dem Gott, der in der Gemeinde vermittelt wurde: Der, der Konformität.

Das bedeutet auch nicht, daß die in der Gemeinde tätigen Geschwister keinen echten Glauben hätten oder nicht ganz bei der Sache wären. Sie sind vielleicht zu sehr bei der Sache und vergessen, daß sie keinen Glauben erzeugen können, denn Glaube ist eine Gnade Gottes, die nur Gott gibt.

Was sie aber tun können, was wir alle tun können in den Gemeinden, ist Liebe üben. Nicht, um damit irgendwelche Taufzahlen zu erreichen, sondern weil die Liebe der Wahrheit entspricht, die Gott uns offenbart hat. Das geht dann in Richtung der Mentoren, die Viktor fordert, und es geht in Richtung des mündigen Glaubens, den Faix anmahnt. Und es macht ernst mit der Erkenntnis, daß alles in Gottes Hand liegt und wir keinen Menschen zum Glauben bringen können, sondern nur das, was unser Herr uns aufgetragen hat: Zu lieben. Die Geschwister, den Nächsten und auch den Feind.

Kirche

Kommt bald eine neue Spaltung?

Das Christentum hat ja in seiner langen Geschichte schon viele Kirchenspaltungen erlebt. Die Anzahl der Kirchen, Kofessionen und Glaubensgemeinschaften ist so unübersichtlich geworden, daß da wohl keiner mehr nen absoluten Überblick hat.

Die ökumenische Bewegung will hier Abhilfe schaffen und schafft dies in kleinen Schritten auch. Inzwischen erkennen Katholiken und Protestanten gegenseitig die Taufe an und die mit Rom unierten Ostkirchen benutzen im Gottesdienst das NC ohne „filioque“, weil man sich da zwischen Rom und Orthodoxie auch näher gekommen ist. Ein gemeinsames Abendmahl liegt trotzdem noch in weiter Ferne, das ist halt nicht ganz so einfach.

Was mir in letzter Zeit immer wieder durch den Kopf geht ist die Spaltung in den evangelischen Landeskirchen zwischen eher konservativen und eher liberalen Kreisen. Oftmals geht es dabei ums Bibelverständnis: Die einen nehmen die Bibel eher wörtlich und sehen in ihr eine eigene Autorität, der man als Christ zu folgen habe, die anderen sehen in ihr ein historisches Zeugnis, das auf Christus verweist, die Autorität aller Christen.

Wahrscheinlich ist eine längere Auseinandersetzung darüber, was die Bibel ist und was sie uns bedeutet, angebracht und von Nöten. Allerdings besteht hier eben auch die Gefahr, die Trennung damit zu vollziehen und festzuklopfen. Andererseits sind auch so schon einige aus der Landeskirche ausgewandert und bilden eigene Gemeinden, in denen es dann etwa keine Frauenordination gibt, oder kein Abendmahl zwischen Reformierten und Lutheranern oder was heute meist Stein des Anstoßes ist: Die Haltung gegen über der Homosexualität. Manchmal spielt auch der Islam ne Rolle.

Immer geht es darum, daß die konservative Seite behauptet, eine Linie sei überschritten worden, die nicht mehr mitgetragen werden kann, während die Liberaleren betonen, daß die aktuelle Auslegung der fraglichen Sache noch auf dem Boden des Evangeliums stünde. So lange man sich nicht eing ist, wie man die Bibel auslegt, bzw was man sonst als vermittelnde Autorität in dem Streit annehmen sollte, sind solche Fragen kaum mit letzter Gültigkeit zu entscheiden (denn Konzilien können irren und für die Reformierten haben Bekenntnisse prinzipiell nur zeitlich relative Bedeutung).

Vor kurzem habe ich auf einer Seite von eher konservativen Christen meiner eigenen Landeskirche etwas vom Relativismus gelesen. Der Vorwurf war, daß die Landeskirchen tendentiell gar kein Bekenntnis mehr hätten und alles irgendwie gehen würde. Im Gegensatz dazu betonten jene konservativen Seitenbetreiber, daß ein festes Bekenntnis nötig und wichtig ist.

Ich würde da eine vermittelnde Stellung einnehmen: Einerseits hat jeder ein Bekenntnis, als Christ wohl mindestens das Bekenntnis zu Christus, wie auch immer das individuell verstanden wird. Und diese persönlichen Bekenntnisse sind vielleicht nicht ganz klar formuliert und meist auch widersprüchlich, aber sie sind insofern klar als daß der Betreffende meist sagen kann, was er glaubt und was nicht, wenn auch mit tastenden Worten (lieber tastend, als daß man etwas, das an sich unaussprechlich ist, durch eindeutige Worte unsachgemäß vereinfacht).

Ich meine aber, daß innerhalb einer Kirche, in der viele Individuen sind, die Gott je anders geschaffen hat, eine gewisse Varianz gegeben ist und sein muß. Sonst steht am Ende jeder alleine da, was dem Begriff „Gemeinde“ ja so ziemlich widerspricht. Nicht jeder drückt die Dinge gleich aus, und das macht es IMHO schwierig, eine objektive Grenze zu ziehen, wann jemand Christ ist und wann nicht. Da ich in den anderen nicht reinsehen kann, weiß ich nicht einmal, ob er vielleicht doch genauso denkt wie ich und wir uns nur mißverständlich ausdrücken. Deshalb tendiere ich selbst dazu, all diejenigen als Christen anzusehen, die sich selbst so bezeichnen (und ja, womöglich sind auch welche darunter, die das nur sagen, aber nicht meinen, das kann ich aber nicht entscheiden, Gott weiß es). Das mag nach Relativismus aussehen, aber es ist der Sache geschuldet. Und solange sich jemand als Christ bezeichnet, kann ich mit ihm über unsere verschiedenen Glaubenswege reden, und wir beeinflussen einander vielleicht dahingehend, daß wir beide näher zu Gott kommen (letztlich liegt es eh bei Ihm).

Für mich persönlich kann ich ein klareres Bekenntnis fassen, was sich allerdings schlechter vorsagen läßt als sich vielmehr in meinen Antworten auf Rückfragen äußern kann. Jedenfalls so unvorbereitet, wie ich jetzt darauf bin.

Vielleicht läge im Formulieren und gegenseitigen Vortragen dieser Punkte ein Weg, Konservative und Liberale einander wieder näher zu bringen: Indem sie beide formulieren, wie ihr Bekenntnis aussieht, und anhand welcher Kriterien sie entscheiden, wer ein Christ ist und in die Kirche gehört.

Und zwar wäre es interessant, wenn dies einmal umgekehrt geschähe: Wenn die Liberaleren einmal persönliche Bekenntnisse formulieren und damit das ausdrücken, was den Konservativen so am Herzen liegt: Der echte, unrelativierte Glaube. Und wenn die Konservativen dann mal auf ein Bekenntnis verzichten würden und das formulierten, was den Liberalen wichtig ist: Inwieweit Varianz in den Ansichten der Gemeindeglieder sein kann, ohne daß jemand ausgeschlossen wird.

Interessanter könnte das werden, wenn die Liberalen versuchen, biblisch zu argumentieren. Die Konservativen könnten die Bibel einmal in den Hintergrund treten lassen und sich drauf besinnen, daß Luther sich in Worms auf Schrift und Vernunftgründe berief, und daher versuchen, die Grenzen der Kirche anhand allen Menschen einsichtlicher Gründe zu ziehen.

Was denkt Ihr? Würde das was werden? Ich vermute ja, daß keine der Seiten es überhaupt nur erwägen würde und statt dessen auf ihren Ansichten beharren. Wie sagte Gott noch gleich? „Es ist ein halsstarriges Volk.“

Netzfunde

Netzfunde vom Donnerstag, den 6. Juni 2013

Zuerst mal der Hinweis auf den Bog von Uwe Hermann. Uwe ist Pfarrer und schreibt schon ne Weile auf seinem Blog „lechajim“ (oder לחיים). Gestern hat er nen Artikel zum Bibelverständnis geschrieben, bei dem er auch einige der Artikel der letzten Tage zu Bergers neuem Buch auflistete. In Zukunft will er dazu auch noch aus eigner Perspektive schreiben, und sammelt noch Fragen, also schreibt ihm, je besser der Input desto besser der Output 😉

Doro schreibt über den (angeblichen?) Fachkräftemangel, und zwar aus einer mir bisher unbekanten Persoektive. Und zwar ist es wohl so, daß transsexuele Menschen bei der Geschlechtsumwandlung auch ihre Arbeitsplätze verlieren, was mir bisher nicht bewußt war, und was ich etwas irrsinnig finde. Aber lest selbst.

Früher, als die Welt noch in Ordnung war und jeder wußte, daß Religion das Problem und nicht die Lösung ist, war es durchaus chic und galt als wahnsinnig subversiv, wenn man Religion auf welchem Weg auch immer angriff. Keine Diffamierung war zu dumm. Manche ewig Gestirgen haben sich da bis heute kein Stück weit weiterentwickelt. Auf der anderen Seite des großen Wassers ist man da schon weiter. Dort wird inzwischen schon der religionsfeindliche kritisiert, Rebell ist nicht der Atheist, der gegen die Massenvernichtungswaffe Vaterunser vorgeht, sondern wer vorgegebene Bahnen verläßt und trotz allem ein Gebet spricht. Ich kann mich dem Herrn Alipius nur anschließen in seiner Freude über Roy.

Stellt sich noch die Frage, wie man das mit diesem Dunk dem Herrn Video denn werten soll. Krisrennt spricht von Zensur, weil der Sender das Video nun doch nicht ausstrahlen will. Der Sender spricht von Verunglimpfung religiöser Symbole. Ich denke nicht, daß man Fundamentalist sein muß, um solch ein Video abzulehnen. Ich mein, meinetwegen können die tausendmal ne Jesusfigur ablecken und auf nem „Altar“ das Röckchen lüpfen. Iss n freies Land. Aber das heißt nicht, daß jeder verpflichtet wäre, das dann auszustrahlen, oder das man das jetzt ganz toll finden müßte. Ehrlich gesgat verstehe ich auch nichtwie man dadurch Kritik am Zölibat oder dem angeblichen Ideal der Jungfräulichkeit lesten sollte? Ohne Erklärung würd ich da wohl nicht drauf kommen. Ich mein, wenn ich ein Video dreh und darin auf ein Judengrab pinkle, dann kann ich auch kaum hingehen und sagen, es ginge mir um die Freiheit Tibets. Da fehlt einfach der Zusammenhang ud was ich da täte, wär einfach pietätlos. Nun, ich sehe den Zusammenhang zwischen Jesuslutschen und Zölibat auch nicht. Zumal keiner zum Zölibat gezwungen wird und diejenigen, die sich dagegen aussprechen, meist selbst nicht im Zölibat leben müssen. Und Ideal der Jungfräulichkeit? Also ich verstand die RKK immer so, daß das Ideal ist, zu heiraten und viele viele Kinder zu kriegen, die man dann auch römisch-katholisch zu erziehen hat. Jungfräulichkeit ist diesem Ziel eher abträglich, aber ich kann mich irren…

Nein, ich hab vielmehr den Eindruck, es geht darum, auf die Scheiße zu hauen und Quote zu machen, weil es eben ziemlich mainstreamig ist, au alles was nach Kirche aussieht, einzudreschen. Und das find ich einfach nur billig, deshalb verlink ich das Video hier auch nicht direkt. Wer abseits vom Mainstream wirklich mal coole subversive Kritik leisten wil, der mache mal ein Video über die Vorzüge von Zölibat und Jungfräulichkeit (wenn man denn nciht von diesem Thema lassen will). DAS wäre doch mal ein Schocker. Das würde den Mainstream herausfordern. Das wäre dann auch wenigstens vergleichbar mit den Aktionen eher religionskritischer Künstler, die sich damals gegen den kirchlich geprägten Mainstream auflehnen wollten. Aber den Arsch dazu hat mal wieder keiner in der Hose.

We are in bondage of a book.

So schreibt Erzbischof Lazar Puhalo. Zu deutsch etwa: „Wir sind Gefangene eines Buches.“ Und weiter:

Ultimately, too many people worship The Book, rather than the deity they proclaim to be great.

Zu viele Menschen beten ein Buch an anstatt der Gottheit, die sie als „groß“ verkünden. Puhalo bezieht das auf alle Buchreligionen und beschreibt, wie all dies zu religiöser Gewalt führt. Mandy hat vor kurzem in ne ähnliche Richtung sich ausgedrückt, als sie schrieb, sie folge Jesus und nicht der Bibel (seht nach beim Artikel vom Uwe Hermann, den ich ganz oben verlinkt hab). Uwe, wenn Du das hier liest, Puhalos Text wär für Deinen nächsten Artikel vielleicht auch interessant 😉

Adam Ericksen hat nen wahnsinnig guten Artikel über den neuen Star Trek Film „Into Darkness“, dessen Bezüge zum Evangelium und zum Krieg gegen den Terror geschrieben. Einer der wenigen Artikel, die einen richtig von den Socken hauen. Und am Beispiel von Krik sieht man, daß ein Schuldbekenntnis nicht unbedingt mit Zerknirschung einhergehen muß, und trotzdem wirksam ist.

Nochmal Mandy: Sie hat ne wichtige Nachricht geschrieben über ne Frau, die ziemlichen Müll verzapft hat und nun wohl die Geister nicht mehr loswird, die sie rief. Ich bin ja nicht mehr bei Facebook und kann den Shitstorm nicht verfolgen, aber wir sollten echt drüber nachdenken, wie wir als Gesellschaft die Medienkompetenz der Leute um ein paar Kilometer (oder mißt man das in Tonnen?) erhöhen!Das Problem ist halt, daß es sehr schnell zu Mobbildungen kommen kann und Facebook seine Verantwortung, hier regelnd einzugreifen wohl nicht ganz so ernst nimmt. Ist ja auch nur ne moralische Verantwortung, keine gesetzlich festgeschriebene.

Theodred hat einen weiteren Teil seiner Auseinandersetzung mit Deschners Kriminalgeschichte abgeliefert.In dem Zusammenhang verlinkt er auch einen Artikel der Legal Tribune, wo dann auch ne Magisterarbeit zu den Kinderhexen aus dem Kongo verlinkt wird.

Ach, noch ein wenig Bluckupy. Wie viele Demokraten müssen eigentlich noch von den Polizisten zusammengeschlagen werden, bevor Polizeibeamte bei solchen Demos identifizierbar werden? Und wenn der Staat Demonstranten so einschüchtert, wieso gestattet er uns dann noch ein Versammlungsrecht? So ist das nichts Halbes und nichts Ganzes!

Das Ehegattensplitting gilt auch für eingetragene Lebenspartnerschaften, und zwar ab jetzt seit 2001 (nein, das ist nicht widersprüchlich ;)). Find ich gut, daß es hier zu einer Gleichbehandlung kommt. Ich find ja Ehegattensplitting sowieso irrsinnig, weil Ehe bedeutet nicht, daß es Kinder gibt, und wenn immer vom Nutzen der Ehe für die Gesellschaf die Rede ist, dann geht es doch vor allem um die zu erwartenden Kinder; die Zukunft der Gesellschaft. Aber ich hab zu dem Themenkomplex sowieso nen anderen Ansatz.

Daß es ein guter Ansatz ist, die Person und ihre Taten voneinander getrennt zu sehen und zu bewerten, kann man dieser Tage in Torgau beobachten. Die dortigen Häftlinge haben zwar durchaus schlechtes getan – auch Mörder sind unter ihnen – aber deshalb müssen sie nicht selbst abgrundtief schlecht sein:

Wir sind Knackis, aber wir können damit zeigen, dass wir keine schlechten Menschen sind

sagt einer der Insassen, die mit blutigen Schwielen an den Händen Sandsäcke füllen für die Menschen, die vom Hochwasser bedroht sind. In der Not rücken die Menschen zusammen. Alle Menschen. Beim Film Full Metal Jacket, der im Vietnam Krieg spielt, sagt ein Soldat über einen Kameraden, der anderen sehr ruppig begegnet und ihnen droht, dieser sei unter Feuer der beste Freund, den man sich wünschen könne, er brauche einfach nur einen, der ständig mit Granaten auf ihn wirft. In der Not rücken die Menschen zusammen…

 

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Die Sturmstillung – Wie Jüngersein aussehen kann I

Schon vor einigen Jahren begann mich die Erzählung von der Sturmstillung bei Matthäus zu faszinieren. Da mir leider grade die Zeit fehlt, einen einzigen langen Artikel zu schreiben, möchte ich meine Gedanken in mehreren kurzen Artikeln mal formulieren. Hier erstmal der Text:

8 Als Jesus sich dann wieder von großen Volksscharen umgeben sah, befahl er, an das jenseitige Ufer des Sees hinüberzufahren. 19 Da trat ein Schriftgelehrter an ihn heran mit den Worten: »Meister, ich will dir folgen, wohin du auch gehst!« 20 Jesus antwortete ihm: »Die Füchse haben Gruben und die Vögel des Himmels Nester; der Menschensohn aber hat keine Stätte, wo er sein Haupt hinlegen kann.« – 21 Ein anderer von seinen Jüngern (= Schülern, Anhängern) sagte zu ihm: »Herr, erlaube mir, zuerst noch hinzugehen und meinen Vater zu begraben!« 22 Jesus aber antwortete ihm: »Folge du mir nach, und überlaß es den Toten (d.h. den geistlich Toten), ihre Toten zu begraben!«

23 Jesus stieg dann ins Boot, und seine Jünger folgten ihm. 24 Da erhob sich (plötzlich) ein heftiger Sturm auf dem See, so daß das Boot von den Wellen bedeckt (= überflutet) wurde; er selbst aber schlief. 25 Da traten sie an ihn heran und weckten ihn mit den Worten: »Herr, hilf uns: wir gehen unter!« 26 Er aber antwortete ihnen: »Was seid ihr so furchtsam, ihr Kleingläubigen!« Dann stand er auf und bedrohte die Winde und den See; da trat völlige Windstille ein. 27 Die Leute aber verwunderten sich und sagten: »Was ist das für ein Mann, daß sogar die Winde und der See ihm gehorsam sind!«
An der Textauswahl habt ihr bestimmt schon gesehen, dass ich mehr Text zur Sturmstillung rechne, als z.B. die übliche Perikopenordnung vorsieht. Diese beginnt die Geschichte mit der Sturmstillung nämlich bei V. 18. Die Geschichte beginnt jedoch viel früher, nämlich bereits in V. 18: Hier erteilt Jesus den Auftrag, ans andere Ufer zu fahren, er ist der Einleitungsteil zu V. 23. In den Versen dazwischen werden Gespräche von Jesus mit zwei Personen geschildert. Dieses Gespräch wird üblicherweise unabhängig von der Sturmstillung betrachtet. Ich glaube, man nimmt beiden Erzählungen dadurch einiges an Aussagekraft.
Zunächst zur Einleitung, dem Gespräch mit den zwei Personen. Es vermittelt Wichtiges darüber, was „Jesus nachfolgen“ bedeutet. Der erste, mit dem Jesus spricht, ist ein Schriftgelehrter, der ankündigt, Jesus überall hin folgen zu wollen. Jesus verwehrt es ihm nicht, lässt ihn aber auch nicht über die Folgen im Unklaren: Das, was selbst Tiere haben, einen dauerhaften Rückzugsort, wo sie Kraft schöpfen können, ist ihm und denen, die ihm nachfolgen, verwehrt. Mich beeindruckt hier, dass dem Schriftgelehrten keinerlei Hoffnungen auf ein behütetes, sorgenfreies Leben gemacht werden. Deutlich wird gesagt: Folgst du Jesus, verlässt du deine sicheren Rückzugsorte auf Erden. Auf diesen Punkt wird später noch zurückzukommen sein.
Die zweite Person, die Jesus anspricht, ist bereits ein Jünger. Er will Jesus jetzt nachfolgen und dazu auch seine Familie verlassen. Offenkundig kannte schon Matthäus zwei Arten von Jüngern: Die einen waren die „klassischen“ Jünger, wie z.B. die 12: Menschen, die Jesus physisch nachgefolgt sind, mit ihm sein Wanderleben geteilt haben. Doch daneben hat es offenbar schon andere gegeben, die sesshaft bei ihren Familien lebten, sich aber bereits durch irgendwas so von anderen unterschieden haben, dass sie, wie die zuerst beschriebenen Jünger, als Jünger bezeichnet wurden. Dies steht in starkem Kontrast zu dem negativen Bild, das Matthäus sonst von Familie und Jüngerdasein zeichnet (Vgl. Mt 10, 35 ff). Dennoch zeigt diese kurze Episode: Es gab verschiedene Arten von Jüngern, doch es wurde von der Begrifflichkeit her nicht in „Jünger 1. und 2. Klasse“ unterschieden. Alle gelten gleichberechtigt als Jünger.
Doch dann kam der Punkt, an dem der Jünger sein Leben verändern wollte. Alles, was wir über ihn sonst noch erfahren ist, dass sein Vater vor kurzem verstarb. Möglich, dass es genau diese Veränderung war, die dazu führte, dass er im Bezug auf sein Jüngerdasein etwas verändern wollte. Eine einzige Einschränkung macht er noch: Er will zuvor seinen Vater begraben, ehe er sein Leben radikal verändert. Jesus aber sagt: Lass die Toten ihre Toten begraben, du aber folge mir nach. Diesen Jünger fordert Jesus also auf, sofort mit ihm zu kommen, nachdem er selbst – mit Einschränkung – zugesagt hat, mit ihm zu ziehen.
Hier sieht man einen deutlichen Unterschied zum Schriftgelehrten: Der kannte vielleicht die Lehren von Jesus, und war auch bereit, ihn als Lehrer anzunehmen, wie die Anrede „Meister“ zeigt. Doch in Bezug auf das Leben, das ihn erwartet, ist er offenkundig noch ahnungslos. Deshalb verwehrt Jesus ihm zwar nicht, ihm zu folgen, macht ihm aber deutlich, was die Konsequenzen sind. Bei dem Jünger sieht das anders aus. Ihm muss offenbar nicht mehr gesagt werden, was ihn in der Zukunft an der Seite Jesu erwartet. Doch noch lässt er sich von seiner Vergangenheit bestimmen, statt voll und ganz auf Jesus zu setzen. Erst die Vergangenheit regeln – dann Jesus folgen. Doch Jesus sagt: Lasse die Vergangenheit hinter dir. Folge mir nach.
Der Jünger wird sich bei seiner Familie nicht mehr sehen lassen können, wenn er seinen Vater unbestattet zurücklässt. Doch Jesus folgen kann eben auch heißen, Vertrautes entgültig hinter sich zu lassen. Der Jünger bekommt hier eine erste Ahnung davon, was es heißt, wenn Jesus sagt: „Der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlegen kann“.
Schwule Pfarrer???

Schwule Pfarrer zum Letzten

Dies ist der letzte Teil der Reihe „Schwule Pfarrer“ (1. Teil, 2. Teil, 3. Teil, 4. Teil).

Alles wesentliche ist bereits gesagt, hier soll es sich um eine Zusammenfassung der Ergebnisse handeln. Dazu noch ein kleiner Ausblick, was all das nun eigentlich bedeutet.

Der Artikel, der zu dieser Reihe geführt hat, „argumentierte“ grob so, daß Pfarrer besondere Verantwortung haben, daß Gott sexuelle Sünden besonders hasse, daß (praktizierte) Homosexualität eine solche Sünde ist und daß deshalb (praktizierende) Homosexuelle niemals Pfarrer werden dürften, weil sie der Verantwortung nicht gerecht werden würden und so das Evangelium verfälschten.

Die Verantwortung der Pfarrer

Im zweiten Artikel der Reihe sahen wir, daß Pfarrr tatsächlich eine besondere Verantwortung haben in der Ausübung ihres Amtes. Ihre Verantwortung liegt darin, daß sie Gottes Willen nicht verfälschen dürfen. Also keine billige Gnade, um mit Bonhoeffers Worten zu sprechen. Damit ist gemeint, daß sie nicht sagen dürfen, daß es kein Problem sei, wenn jemand etwas Schlechtes tut. Etwas Schechtes muß etwas Schechtes bleiben. Der Täter ist von Gott angenommen, nicht die Tat, und dadurch hat der Täter auch die moralische Verpflichtung sich anzustrengen, die Tat nicht zu wiederholen. Er muß ein Einsehen in die Schlechtheit der Tat haben.

Würde ein Pfarrer Schlechtes tun, also etwas, das Gottes Willen widerspricht, und würde er daran festhalten, daß dies nicht schlecht wäre, dann wäre er ein schlechtes Vorbild und würde seiner Verantwortung nicht gerecht.

Das bedeutet aber nicht, daß man von einem Pfarrer erwarten soll, daß dieser nie etwas Falsches täte. Dann müßten die Kanzeln leer bleiben. Jeder Mensch macht Fehler, auch ein Pfarrer ist davor nicht gefeit. Wichtig ist hier, wie er mit seinen Fehlern umgeht, ob er sie so wie Wulff dann einräumt, wenn nix anderes mehr geht, oder ob er sie wie Käßmann eingesteht, Buße tut und die Konsequenzen zieht.

Nicht die Konsequenzen zu ziehen, bzw. den Fehler kleinzureden oder zu relativieren, das schadet dem Amt, und der Verkündigung des Evangeliums. Denn es begründet eine Doppelmoral, in der der Pfarrer für sich Dinge rausnimmt, die für andere nicht gelten.

Sexuelle Sünden

Im dritten Teil sahen ir, daß es so etwas wie sexuelle Sünden eigentlich gar nicht gibt. Jedenfalls spielen sie keine große Rolle. Was eine Rolle spielt, eine große Rolle sogar, ist der Götzendienst, also die Verehrung eines anderen Gottes, eines anderen Ideals, als Gott selbst. Solche Götzendienste werden dann häufig mit sexuellen Vokabeln umschrieben.

Das schlimme am Götzendienst ist immer, daß man damit nicht Gott folgt, sondern menschengemachten Größen, seien es Holzbilder, die mit Gold überzogen sind, oder Ideologien wie der Kommunismus. Der Mensch hängt sich dabei immer an seine eigene Macht, vertraut auf das Selbstgemachte, und nicht auf Gott.

Beispielsweise, wenn er, also der Mensch, dem Zeitgeist anhängt. Dann ist alles gut, was zu dieser Zeit bzw. in dieser Kultur als gut gilt. Die Kultur ist geprägt vom Menschen, der sich seine Gedanken dazu machte. So ist in den USA etwa die Todesstrafe gut, in Europa wird sie als schlecht angesehen. Gleiches könnte man mit zig Beispielen durchspielen. Was in einer Kultur gut ist, muß in einer anderen Kultur nicht auch gut sein. Der Zeitgeist, die Kultur, funktioniert nur schlecht als dauerhafter Maßstab. Und daß es schlecht ist, anderen nach unserer Kultur beibiegen zu wollen, was gut ist und was nicht, wissen wir spätestens, seit wir den Kolonialismus kritisch reflektiert haben.

Das darf man nun nicht falsch verstehen. Es ist nicht schlecht, eine Kultur zu haben. Jeder Mensch hat eine Kultur und lebt in mindestens einer Kultur. Aber es ist kritisch zu sehen, wenn man unreflektiert an einer Kultur festhält und sie quasi als das Evangelium ausgibt. Das Evangelium ist keine Kultur, auch wenn es Kulturen seit 2 Jahrtausenden positiv beeinflußt. Und keine Kultur setzt das Evangelium perfekt um, denn jede Kultur ist menschengemacht und somit zeitlich, also fehleranfällig. An der Kultur, dem Zeitgeist festzuhalten ist somit nichts anderes, als an Menschlichem festzuhalten, als Götzendienst zu treiben.

Und ein solcher Zeitgeist ist die Sache mit der Beziehung der Sünde auf die Sexualität: die Leibfeindlichkeit. Die Bibe ist nicht so leibfeindlich, wie es viele Christen heute sind. Die Bibel macht sich keine Gedanken darüber, ob auch jeder brav nur Sex zur Fortpflanzung hat, ob auch jeder die Lust zu meinden sucht. Die Bibel vergötzt die Lust auch nicht, aber sie sieht sie als zum normalen Leben gehörig an. Sie ist nicht per se schlecht. Sex ist nicht per se schlecht. Zärtlichkeit ist nicht per se schlecht. Wie diese Gedanken ins Christentum gekommen sind – ich würde mal vorschtig vermuten, die Gnosis hat damit etas zu tun – kann ich nicht sagen. Ich bin mir aber recht sicher, daß es mit dem Evangelium von Jesus Christus nichts zu tun hat, wer mit wem ins Bett geht. Denn das Evangelium sagt, daß Gott den Sünder annimmt. Durchaus nicht die Sünde, aber den Sünder. Und es verlangt vom Sünder die Nächsten-, Feindes- und Gottesliebe. Jesus sagt, die Nächsten- und die Gottesliebe sei das ganze Gesetz und die Propheten. Demnach müßte sich alles daraus ableiten. Ich kann verstehen, wie sich das Götzendienstverbot darauf ableitet. Ich kann verstehen, wie sich der Ehebruch daraus ableitet, wie Diebstahl- und Mordverbot. Wie aber das Vorbot einer bestimmten Art der Sexualität, dei auf Augenhöhe geschieht, daraus abgeleitet werden sollte, erschließt sich mir nicht. Und keiner der Anti-Schwulen-Christen, die ich bisher traf, konnte diesen Zusammenhang herstellen.

Diese ganze Ablehnung bestimmter Arten gleichberechtigter Beziehungen sehe ich daher ganz in der Nähe des Götzendienstes. Hier wird versucht, eine Ordnung aufrecht zu erhalten, die doch selbst vom Menschen gemacht ist, die Kultur ist, und eben nicht identisch it dem Evangelium, und die deshal vor dem Evangelium zurückweicen müßte, wenn sie eine christliche Kultur wäre.

Homosexuelle Praktiken

Wir sahen im vierten Teil, daß es nur zwei Bibelstellen gibt, die für die Beurteilug der Homosexualität in Frage kommen, und daß es sich im einen Fall um eine rhetorische Figur handelt (in der es im Hintergrund wohl auch nicht um gleichberechtigte homosexuelle Beziehungen handelt) und im anderen Fall um eine ganz dunkle Formulierung, die so heute icht mehr entschlüsselt werden kann, und die nicht zwingend gegen homosexuelle Praktiken gerichtet sein muß. Sie gilt außerdem für Israel, das ins Land Kanaan einzieht, und nach dem Apostelkonzil dezidiert nicht für Heidenchristen wie uns.

Ob praktizierte Homosexualität ein Problem für Gott ist, muß also stark angezweifelt werden. Jedenfalls stärker, als das Verbot, Schweinefleisch zu essen oder milchige und fleischige Speisen zu mischen.

Vielmehr sieht alles danach aus, daß eine in Liebe geführte homosexuelle Beziehung, die von gegenseitiger Liebe und Verantwortung getragen ist, genauso wenig ein Problem ist, wie eine gleiche heterosexuelle Beziehung.

Schluß

Es gibt also keinen Grund, schwul Pfarrer für ungeeignet zu halten. Ungeeignet sind selbstherrliche Pfarrer, ohne Liebe, ohne Demut, ohne Reue. Pfarrer die alles schon wissen und daher auf Gott verzichten können, weil Er ihnen eh nix Neues mehr sagen kann. Ungeeignet sind Götzendiener-Pfarrer, die sich auf menschlichen Zeitgeist stützen und an ihm stärker festhalten als am Evangelium, denen das es-war-schon-immer-so wichtiger ist als der Mensch, dem sie eigentlich Nächsteniebe erweisen sollten.

Wenn es einen schwulen Pfarrer gibt, auf den all das zutrifft, dann stimme ich dem zu, daß er nicht geeignet ist für das Pfarramt. Aber das liegt dann nicht an seiner sexuellen Orientierung.

Sollte es aber wirklich so sein, daß ich die Bibel falsch interpretiere, und daß schwule Pfarrer wirklich ein Problem sind, dann ist das Problem eigentlich viel größer. Denn dann stelen die Kirchen aktuell Pfarrer ein, die ungeeignet sind. Dann ist die Auswahl der Bewerber vielleicht prinzipiell ungeeignet. Dann gibt es womöglich auch zig andere Pfarrer, die als Heterosexuelle ungeeignet sind. Die Kritiker sollten sich also nicht so ehr auf die Schwulen unter den Ungeeigneten einschießen, sondern analysieren und herausarbeiten, wie man geeignete Pfarrer ermitteln kann. Und dabei sollte nicht auf die Sexualität geachtet werden, denn der richtige Galube ist von der Sexualität unabhängig. Jedenfalls wird das ständig behauptet, wenn gesagt wird, daß ein nicht praktizierender Homosexueller kein Problem wäre.

Gesellschaft, glaube, kirche, Religion

Bloß nichts falsch machen

Der Glaube an Gott ist etwas Gutes, etwas Schönes. Er gibt Kraft und Hoffnung, gerade auch in schwierigen Situationen. Jedenfalls geht es mir meist so.

Anderen Menschen nicht unbedingt. Gerade habe ich wieder von so einem Fall gehört, mit jemandem drüber geredet. Glaube an Gott kann auch weh tun. Beziehungsweise, das, was dann noch nachkommt.

Als ich vor über 10 Jahren im Kibbutz war, war da auch ein etwa 40 jähriger Finne namens Jorma. Jorma war ein lieber Kerl, man konnte sich gut mit ihm unterhalten, auch wenn er etwas strange war. Das alles galt, so lange er nüchtern war. Das war er aber nicht immer. Jorma war Alkoholiker. Und er war ein Schrank von einem Mann. Er konnte echt Angst machen, und es gab Gerüchte, daß er vorher in der Fremdenlegion gewesen wäre. Ausgebildet zum Töten.

Wie dem auch sei, Jorma war Christ. Er glaubte an Jesus Christus, wenn er auch mir ganz unbekannte Prediger immer wieder nannte. Ein paar Koreaner, die auch im Kibbutz waren, kannten die Prediger sogar. Ich weiß nicht, in welcher Tradition die staden. Ich schätze mal ganz vorsichtig, es handelt sich um einen pfingstlerischen Hintergrund, aber egal.

Ich verstand mich ganz gut mit besagten Koreanern, tue das immer noch. Sporadisch haben wir noch Kontakt. Aber eine Äußerung gab mir zu denken. Einer der Koreaner sagte einmal, Jorma könne kein Christ sein, eben weil er Alkoholiker ist.

Dabei tranken sie selbst auch Alkohol. Nicht so viel, aber sie standen auch nicht abseits, wenn wir feierten (und was gibt es im Kibbutz nach Feierabend sonst noch zu tun?).

Ich fand das damals schon irgendwie komisch, habe es auch all die Jahre immer wieder durchdacht. Da wird quai ein Anspruch an die Person gestellt, bevor sie wirklich und ganz und vollständig als Bruder im Glauben anerkannt wird.

Ja, Jorma war schwach, was den Alkohol anging. Und er konnte wirre Geschichten erzählen. Er muß auch eine sehr schwere Kindheit gehabt haben, aber das wurde nie ganz klar, aufgrund der Wirrheit seiner Geschichten. Man wußte nie genau, was jetzt echt war und was nicht.

Aber trotz alledem bekannte er sich zu Christus. Christus, der die Schwachen, die Sünder annahm. Christus, der nicht auf die Person achtete.

Und dann gab es Anhänger eben dieses Christus, die die Latte höher hängten: Bekenntnis zu Christus schön und gut. Aber wie sieht es denn mit dem Lebenswandel aus? Hat denn die Sucht noch Macht über den Sünder? Ja, na dann kann es ja kein echter Christ sein.

Jorma hatte einmal den Entschluß gefasst, nichts mhr zu trinken. Und ich fand das echt großartig. Leider habenir alle (ich auch) ihn nicht besonders unterstützt, sondern saßen mit unserem Alkohol bei ihm. Er trank Orangensaft. Wir, das beinhaltet auch die Koreaner.

Wir haben es ihm nicht leich gemacht, den besseren Weg zu gehen. Eine Sache, die ich mir heute noch vorwerfe. Ich war Teil des Problems und nicht Teil der Lösung.

Aber ich sah das Verhalten auch danach noch oft, gerade in Kirchengemeinden oder sonstlichen christlichen Gruppen. Wer nicht einem gewissen Bild entspricht, wird als Bruder nicht anerkannt. Bunte Haare, Jeans im Gottesdienst, all das kann dazu führen, daß Menschen, die Gott suchen, abgestoßen werden. Und zwar von denen, die über sich sagen, sie seien Anhänger dieses Gottes.

En anderer Freund von mir hat einige Gemeinden durch. Er ist als Pfarrerssohn zuHause aufs Übelste vermöbelt worden, wenn er nciht spurte. Kontakte zu anderen Kindern im Dorf waren nciht gerne gesehen. Der Vater war Antikommunist – und Pfarrer in der DDR. Alles jenseits des Gartentors war der Feind.

Besagter Freund hat also sozusagen „einen Schlag weg“. Er leidet furchtbar. Und er sucht in seinem Umfeld nach Menschen, die ihn einfach annehmen, wie er ist. Mit all seinen Problemen und Fehlern (der Umgang mit ihm ist wirklich nicht immer einfach, er weiß das auch). Früher ging er in verschiedene Gemeinden, suchte dort Anschluß. Und der wurde ihm widerstrebend gegeben. Oberflächlich. Bis er sagte, daß er nicht glaube, daß Noah wirklich so alt wurde, wie es in der Bibel steht. Und er flog raus aus der Gemeinde.

Ich glaube, wir verdunkeln oft das Evangelium, indem wir von anderen verlangen, so zu sein wie wir. Jesus interessierte sich nicht dafür, wie andere aussahen oder was sie sonst so taten. Er ging auf die Sünder zu, nahm sie als Menschen an, trotz aller Fehler.

Wie sollen Menschen denn das Evangelium erfahren, wenn sie von vorne herein abgewiesen werden? Wenn sie erst „perfekt“ sein sollen (natürlich nur nach menschlichem Ermessen)?

Und inwieweit entspricht es dem Evangelium, wenn sich die Schwachen an de Starken anpassen müssen? Was sol das, wenn man dem Schwachen, dem Suchenden, erst einmal sagt, er solle stark werden, dann würde man ihm auch die Quelle der Stärke vermitteln?

Welcher Starke braucht denn eine Kraftquelle? Wenn er stark ist, hat er eine Quelle, wie weit sie auch immer trägt. Ein Starker wird nicht fragen. Wer fragt, das sind die Schwachen, die haben aber nicht die Kraft, sich den kulturellen Gepflogenheiten Anderer immer anzupassen. Auch nicht, falls es wirklich so ist, daß diese Gepflogenheiten ihnen selbst gut tun würden, etwa „kein Alkoholmißbrauch“.

Wenn es dann um Dinge geht, wie Anzug tragen, Krawatte tragen, Haare richtig gescheitelt haben, um in der Gemeinde angenommen zu werden, dann wird noch offensichtlicher, daß es hier nicht um Christus geht, sondern um einen Götzendienst. Man ehrt den Gott des anständigen Auftretens. Und der hat mit dem Gott, der den Sünder annimmt, und für ihn ans Kreuz geht, nichts zu tun.

Der, der ans Kreuz geht, gibt seinen Anhängern Stärke. Er dient ihnen.

Der, der anständiges Auftreten einfordert,  in welcher Art auch immer, der verlangt von seinen Anhängern Stärke, nimmt sie ihnen also. Er läßt sich dienen.

Freilich gibt es immer auch Menschen die Schwach sind, und andere so nicht annehmen können, wie diese sind. In dem Fall muß sich immer der Stärkere anpassen, Liebe geben. Denn Liebe baut auf, Liebe gibt dem anderen die Kraft, auch ein Stück weit auf andere zuzugehen, und sich soweit anzupassen, daß Gemeinschaft einfacher möglich wird.

Und je mehr Gemeinschaft, je mehr Liebe, desto mehr wird der Gott am Kreuz verehrt, und nicht der Abgott des Anstandes.

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Das Letzte zuerst…

Die römische Kirche hat zur Zeit ein mittleres Imageproblem, das ist bekannt. Durch das Thema Kindesmißbrauch durch Kirchenmänner (und Frauen? ach nee, geht ja nicht…) ist die Kirche in einer Art in den Medien präsent, die sie in keinem guten Licht dastehen läßt.

Natürlich fehlt es nicht an „Kirchenkritikern“ (ich würd eher sagen Kirchenbashern, weil Kritik hat was mit Abwägen und Bewerten zu tun), die nun die Gelegenheit beim Schopfe packen und mal so richtig abziehen über Sexualmoral der römischen Kirche, über Zölibat und was weiß ich noch. Es scheint da irgend so einen Reflex im Menschen zu geben, der auf diese Art funktioniert und somit den Fokus vom eigentlichen Thema nimmt: Es geht nicht um Zölibat oder Sexualmoral. Es geht um sexuelle Gewalt an Schutzbefohlenen.

All das wäre mir keinen Artikel wert, da ich mich zu dem Thema schon mehrfach geäußert habe und auch nicht sehe, daß die Kirchenbasher sich durch irgend etwas beeindrucken ließen, um zum Thema zurückzukommen. Nun habe ich aber bei einem Kirchenbasher, dessen Blog ich hin und wieder lese (fällt das jetzt unter know your enemy? als Feind würd ich ihn nicht bezeichnen) eine Verlinkung gefunden zu einer Äußerung des Bischofs von Regensburg, Herrn Prof. Dr. Müller. Und auch wenn es mich in den Fingern kribbelt, den betreffenden Artikel zu kommentieren, weil er wieder – typisch Kirchenbasher – Die Aussagen des Bischofs so verdreht, daß es in sein Weltbild passt. Ich denke, das führt zu nichts, deshalb lasse ich es hier.

Was ich aber tun möchte ist, mich mit den Äußerungen von Herrn Müller auseinander zu setzen. Diese sind zwar zum Großteil richtig (aus römischer Perspektive wohl alle, aber ich bin kein römischer Christ), aber ich frage mich nach den Beweggründen für solch eine Äußerung gerade zu dieser Zeit.

Bischof Müller geht nämlich nur am Anfang seines Textes auf den Kindesmißbrauch ein und fasst kurz zusammen, wie dieser aus christlicher so wie aus staatlicher Sicht zu beurteilen und zu verurteilen ist. Das ist jedoch nur der Einstieg in ein anderes Thema, der Auseinandersetzung mit den Kritikern. Da wird dann breit erläutert, daß viele Kirchenbasher nun die Möglichkeit ergreifen, auf die Kirche einzudreschen etc, naja, ich geb ihm ja im Grunde Recht. Auch die römische Sexualmoral ist mir nicht so fremd, auch wenn ich sie nicht in allen Punkten nachvollziehe, aber darum geht es mir im Moment nicht.

Er geht noch weiter auf das Thema ein und stellt eine christliche Anthropologie gegen die Atheistische, wie gesagt, viele der Aussagen würde ich so (oder ähnlich) mittragen.

Was ich mich allerdings frage ist: Wieso ist der Bischof so sehr damit beschäftigt, seine Kirche zu verteidigen? Und seine Lehre? Wieso kümmert er sich nicht zuerst um die Opfer? Wahrscheinlich hat er seine Gremien beauftragt, dies zu tun und vielleicht tun sie es auch mit Nachdruck. Aber es gab in letzter Zeit Berichte aus seinem Bistum, daß da einiges im Argen liegt. Und es gibt Hinweise, daß das auch noch vertuscht werden soll.

Angesichts dieser Umstände erwarte ich von einem Bischof, egal welcher Konfession, sich um Aufklärung zu kümmern. Alles hat seine Zeit, aber jetzt ist nicht die Zeit der dogmatischen Auseinandersetzung. Alles hat seine Zeit, aber jetzt muß erst einmal dafür gesorgt werden, daß aufgeklärt wird.

Es ist aus meiner Sicht eine grobe Fehlleistung, Anwälte zu beauftragen, damit Ruhe einkehrt. Und falls die Anwälte von Priestern und nicht dem Bistum angeheuert werden, dann erwarte ich, daß das Bistum dafür sorgt, daß aufgeklärt wird. Im Zweifel dadurch, daß es auf eingene Kosten den Anwalt der Gegenseite stellt. Man muß sich mal denken, was hier vorgeht: Jemand weist auf einen Mißbrauch hin und wird platt gemacht. Und sowas von christlicher Seite, ja von der Instanz, über die es in der Bibel heißt (Tit 1, 7-9):

Denn ein Bischof muss unbescholten sein, weil er das Haus Gottes verwaltet; er darf nicht überheblich und jähzornig sein, kein Trinker, nicht gewalttätig oder habgierig. Er soll vielmehr das Gute lieben, er soll gastfreundlich sein, besonnen, gerecht, fromm und beherrscht. Er muss ein Mann sein, der sich an das wahre Wort der Lehre hält; dann kann er mit der gesunden Lehre die Gemeinde ermahnen und die Gegner widerlegen.

Besonnen, beherrscht… erst mit gesunder Lehre die Gemeinde ermahnen (dazu gehören auch die Priester) und dann erst die Gegner widerlegen.

Wie beherrscht sind Abmahnungen gegen Kritiker? Inwiefern passen sie zur Maxime Jesu in der Bergpredigt (Mt 5, 38-41):

Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge und Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin. Und wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel. Und wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm.

In der bisherigen Umgangsform der römischen Kirche mit dem Bekanntwerden der Mißbrauchsfälle habe ich nicht viel bemerkt vom andere Wange hinschlagen. Oder Hemd geben. Oder zwei Meilen gehen. Man verteidigt sich, was verständlich ist, aber eben nicht weiterführt. Die Verteidigung kann warten, bis die Opfer versorgt sind, bis alle Opfer sich trauen, zu reden, und bis man einen Weg gefunden hat, mit den Schuldigen in der Kirche umzugehen (wie der Staat damit umgeht ist erst einmal Sache des Staates). Sicher gibt es Kirchengerichte, die sich damit befassen, und sicher gilt auch da erst einmal die Unschuldsvermutung. Aber es muß in der Kirche doch auch gelten, daß man den Armen und Entrechteten, den Geschundenen beisteht. Und es kann doch nicht sein, daß die Geschundenen sich nicht trauen, sich zu offenbaren, weil diejenigen, die ihnen helfen sollten, sie bedrohen.

Der Bischof kämpft gegen die atheistischen Anfeindungen des Glaubens, oder der speziellen römischen Ausformungen in diesem Fall. Dabei vergißt er den anderen Gegner innerhalb seiner eigenen Kirche. Zumindest wird es nicht klar, wie mit den Betroffenen innerkirchlich umgegangen wird. Es gibt Instrumente, damit umzugehen. Was aber noch schlimmer ist: Diejenigen, die der Kirche nicht ganz so nahe stehen, können nur eine Lieblosigkeit gegenüber den Opfern feststellen, denn wenn der Bischof „nur“ betet für die Opfer, dann sieht das keiner und weiß es keiner. Ich würde mir wünschen, man verhielte sich mehr nach Sprüche 27, 5:

Besser offener Tadel als Liebe, die sich nicht zeigt.

Damit ist nicht Tadel an denen gemeint, die gegen die Kirche aussagen, für die gilt weiterhin der Spruch mit der anderen Wange. Und das ist wohl auch der Grund, warum so viele Menschen auf die Kirchenbasher in den Medien hören: Weil die Liebe der Kirchlichen zu den Menschen und besonders den Opfern ihres Klerus nicht erkennbar ist.

Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe.

So steht es in 1. Joh 4,8. Und welche Relevanz hätte eine Kirche, die Gott nicht erkannt hätte? Das fühlen die Menschen, denn das Gesetz Gottes ist ihnen ins Herz geschrieben (Röm 2,15). Umgekehrt ist es aber doch auch so, daß

Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind (Röm 8, 28)

Nimmt man das ernst, dann kann der römischen Kirche, wenn sie die Mißbrauchsfälle mit Liebe zu den Opfern und nicht mit Selbstliebe und Angst um ihr Bild in der Öffentlichkeit behandelt, gestärkt aus der Geschichte hervorgehen. Indem sie sich, wie es sich für Kirche gebührt, an die Seite der Opfer stellt. Nicht indem sie zeigt, welche Macht sie medial oder in den Gerichten der Welt entfalten kann. So fordert es auch der Apostel Paulus im Brief an die Galater Kapitel 6, 9.10:

Lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun; denn wenn wir darin nicht nachlassen, werden wir ernten, sobald die Zeit dafür gekommen ist. Deshalb wollen wir, solange wir noch Zeit haben, allen Menschen Gutes tun, besonders aber denen, die mit uns im Glauben verbunden sind.

Die Opfer wären nicht Opfer geworden, wenn es nicht eine Verbindung im Glauben gegeben hätte, zumindest über die Eltern. Und die Täter stellen durch ihr Tun ihren Glauben in Frage, weil sie sich nicht an der Liebe orientieren. Ich will nicht sagen, daß sie ungläubige sind, aber allemal Sünder, die natürlich auch der Vergebung bedürfen, wie alle Sünder, die aber zuerst einmal umkehren, Buße tun müssen.

Die Opfer hingegen, die von der Kirche scheinbar bedrängt werden, haben keine Schuld auf sich geladen durch die Verbrechen, die ihnen widerfahren sind. Diese Binsenweisheiten muß man sich ins Gedächtnis rufen um zu begreifen, was die Kirche tut, indem sie sich auf das Spiel der Medien einläßt in der Diskussion um den Zölibat und die Sexualmoral. Dies zu tun bedeutet, das Letzte zuerst tun. Erst die wahre Lehre vertreten, und dann danach handeln. Dabei täte es Not, danach zu handeln, und dann, im Nachgang, vielleicht gar nur auf Anfrage hin, zu erklären, warum man so gehandelt hat und nicht anders.

Das würde den Opfern gerecht werden, das würde den Medien die Munition nehmen, und vor allem: Es stünde im Einklang mit dem Evangelium.