Treibgut aus dem Netz

Netzfunde vom Sonntag, den 20. Januar 2013

Fangen wir an mit ein wenig Politischer Korrektheit. Beim Herrn Alipius gibt es ein kleines Video dazu. Es handelt sich um einen Ausschnitt aus der ZDF Serie „Unser Lehrer Dr. Specht“. Weitere Videos zur Herkunft der Politischen Korrektheit un der Rlle der Frankfurter Schule dabei gibt es beim Geier. Die Videos machen auf mich nen sehr einseitigen Eindruck, man will durch das ständige Widerholen des „Marxismus“ wohl dem amerikanischen Publikum klar machen, daß es sich hier um ne gan böse Strömung handelt, aber wenn man es schafft davon zu abstrahieren kann man aus den Videos vielleicht den Gewinn ziehen, den Zusammenhang zwischen political correctness, Studentenrevolution der 60er und marxistischen Strömungen zu sehen. Mein erster Eindruck ist, daß es um die Befreiung des Menschen geht. Die ist ein Stück weit sicherlich in die Hose gegangen, weil andere Unfreiheiten entstanden, aber das könnte man seinerseits ja wieder kritisieren, idealerweise ohne in alte Muster zurückzufallen (denn hätten die getaugt, wär der Marxismus welcher Prägung auch immer wohl nicht aufgekommen).

Und dann gibt es noch einen Artikel von Antje Schrupp zur Benutzung des „N-Worts“ (es handelt sich um das Wort „Neger“)  in Kinderbüchern. Ich gehöre ja noch zu der Generation, die mit Liedern wie „10 kleine Negerlein“ aufgewachsen ist und bis ins Jugendalter (das war in den 90ern) das Wort Neger für einen neutralen Begriff für Menschen mit dunkler Hautfarbe hielt. Schon damals irritierte mich, wieso der Begriff auf einmal nicht mehr angebracht war und warum man heute möglichst umständlich von „Menschen mit dunkler Hautfarbe“ (wenn das überhaupt politisch korret ist) reden muß. Trotzdem halte ich mich weitgehend an die Konvention, man will ja nicht negativ auffallen.

Nichts desto trotz empfand ich es als erfrischen unverkrampft, als ich zur Zeit meiner Wehrdienstes erlebte, wie in der Buneswehr Begriffe wie „Volk“, „Führer“ und dergleichen ohne böse Hintergedanken oder Konnotationen benutzt wurden. Man überlies diese Begriffe nicht den Nazis, sondern benutzte sie selbst in ihrer eigentlichen Bedeutung weiter, nämlich „Volk“ im Sinne von „Bevölkerung“ und „Führer“ im Sinne von „Anführer“.Ich empfinde das als ehrlicher und praktikabler als nur noch in Umschreibungen mit Gender-Gap zu sprechen und zu schreiben (ja, solche Blogs gibt es auch).

Und weil wir grad beim Herrn Alipius waren: Der geht in einem anderen Artikel auf den Unterschied zwischen Haß und Haß ein, oder so ähnlich. Und in einem noch anderen Artikel beschreibt er, wieso er trotz allem Kirchenhaß und aller Kirchenkritik trotzdem gerne sienen Job, nein, seinen Beruf (von Berufung ;)) ausübt und dankbar dafür ist, das zu tun.

Nick Baines, anglikanischer Bischof von Bradford, England, schreibt über den Sudan und Südsudan wie auch über Joachim Gauck und daß Christen „von einem anderen Liedblatt singen“.

Bei Weihrausch und Gnadenvergiftung gibt es einen Artikel zur Einheit der Christen, bzw dem Fehlen derselben.

Bei Theopop gibt es nun auch sowas wie Netzfunde, wöchentlich, und auf den Bereich Internet und Religion begrenzt.

Der Morgenländer hat ein längeres – und sehr poetisch verfasstes – Zitat von Simone Weil über diejenige außerweltliche Wirklichkeit, die Grundlage des Guten ist.

Fehlt nur noch ne Stellungnache der „NPD – türkische Abteilung“ … 😀

Zu etwas Schönerem, poetischerem: Hao hat eine Predigt zur Gerechtigkeit, oder bessr zur Ungerechtigkeit Gottes geschrieben. Wirklich wunderbar. Wobei mir der Gedanke kam, daß das, was er die Gerechtigkeit Iustitias nennt, hier Gleichheit genannt wird und das, was Hao Gottes Ungerechtigkeit nennt, die Gerechtigkeit des verlinkten Artikels ist.

Und zum Abschluß nochwas zu der Sache mit der Vergewaltigten von Köln. In Frankfurter Rundschau und Kölner Stadtanzeiger (via) wird zur Sprache gebracht, daß es wohl schon Vortäuschungen von Notlagen gab, um in katholischen Kliniken an die Pille danach zu kommen, woraufhin dann bei der Kirchenleitung Anzeige erstattet wurde, weil die Pille wirklich ausgegeben wurde. Trotzdem meine ich, wie schon geschrieben, entgegen der Berichterstattung, daß die fraglichen Kliniken gar nicht helfen konnten, weil sie keine anonyme Spurensicherung vornehmen konnten.

Weitere Rätsel gibt der in der Rundschau genannte Fall auf, wo eine Vergewaltgte in eine Klinik ohne Gynäkologie geacht wurde und dort nicht geholfen bekam (wie auch, ohne entsprechende Fachleute?), aber wie es aussieht nicht einmal an eine andere Klinik verwiesen wurde, wo man hätte helfen können…

glaube, Religion

Wer interessiert sich schon für Gottes Willen?

Hab im Moment grad ne tolle Diskussion auf nem Atheistenblog laufen. Recht weit unten im Diskussionsverlauf (Kommentar Nr 282) kam ich auf eine Idee, die ich hier etwas ausführen möchte. Nich aber ohne mich vorher bei Hinterfragerin für den Anstoß zu bedanken.

Es geht um Gottes Willen. Doch, zu was ist der nütze? Naja, mag man sagen, eben dazu, zu wissen, was gut ist und was schlecht. Stimmt. Stellt sich noch die Frage, wie man Gottes Willen rausfinden kann. Darauf möchte ich hier gar nicht eingehen (wer mich kennt weiß, daß IMHO das nicht über naiven Biblizismus geht), sondern auf eine ganz andere Frage:

Wann ist der Wille Gottes relevant? Wann nicht als Frage nach Geschäftszeiten, also nicht Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr (oder noch schlimmer lediglich Sonntags von 10 bis 11), sonst kann man tun, was man will, sondern an welcher Stelle im Glauben, in der Theologie?

Hinterfragerin hatte geschrieben, daß sich aus der Aussage, es gebe einen Gott gleich auch die Frage stelle, was will dieser Gott? Ich finde, das ist zu früh.

Ich finde, es ist angemesserer, erst einmal zu fragen: Wer ist dieser Gott? Was hat er so getan? Darauf könnte man dann grob antworten, Gott ist der Schöpfer, er hat die Welt aus dem Chaos geschaffen und uns Menschen nebst vielen anderen Lebenwesen hineingesetzt, wurde letztlich selbst Mensch und erlöste uns von dem Bösen, dem wir anhängen, indem er uns seine Liebe zu uns vorlebte und bis in den Tod durchhielt, so in der Art. Und ja, man könnte jetzt noch tasend Diskussionen zu Schöpfungs- und Erlösngslehre hier einfügen. Das will ich jetzt nicht tun, weil der Artikel dann ellenlang wird. Jedenfalls sind dies alles Fragen, die zuerst zu klären sind, aus meiner Sicht. So lange all das nicht klar ist, ist es unerheblich zu fragen: Was will Gott?

Was soll diese Frage ohne vorher zu wissen, wie er zu uns steht? Man fragt ja auch nicht „was will Al Capone“ ohne vorher zu klären, ob man überhaupt auf einer Linie ist, ob man überhaupt bereit ist, ihm zu Willen zu sein. Hat man dies nicht geklärt, versteht man auch nicht das Problem dahinter, wenn Capone sagt, er will ein Auto. Ohne geklärt zu haben, wer das ist, würde man ihm vielleicht ein Auto verkaufen. Wenn man wüßte, daß er es als Fluchtauto benutzen will, würde man sich vielelicht verweigern (oder das Auto präparieren, so daß er der Polizei darin nicht entkommen kann). Jedenfalls würde man anders mit seinem Willen umgehen.

So auch bei Gott. Ohne zu wissen, daß er uns liebt, daß er uns erlöst hat, kann man mit seinen Forderungen nicht viel anfangen. Man hat auch kaum einen Anhalt, Forderungen gegeneinander abzuwägen. Ist jetzt das Sabbathgebot wichtiger oder das Nächstenliebegebot?

Danach ist immer noch zu klären, wie Gott die Welt sieht (diese Frage dient vor allem der Abwehr eines naiven Biblizismus, der die Bibel und unsere Begriffe von den Dingen zu Götzen macht, denen man an Stelle von Gott folgt). Was meint er mit Sabbath, was meint er mit Liebe, was meint er mit Zauberei und Götzendienst. Was ist „Gräul“. Diese Fragen sind ebenso wichtig und noch viel schwerer zu beantworten. Aber wenn ich Gottes Willen kenne in der Form: Tu X nicht, weil es ist ein Gräul bzw Y, und ich kenne weder X noch Y genau, woher will ich wissen ob ein A X oder Y entspricht?

Wenn ich Gott kenne, wenn ich weiß, daß ich erlöst sind, und nichts mich von Gott trennen kann, was ach geschieht, was ich auch tue oder getan habe, dann ist das Ursache unglaublicher Freude und Dankbarkeit. Dann kann ich fragen: Gott, was willst Du? Womit kann ich Dir eine Freue machen? Und dann werde ich ach darauf achten, nicht meine Vorstellungen da reinzbringen, sondern ganz auf Gott zu hören. Denn ich bin ja voll der Freude und Dankbarkeit, ohne irgendwelche Verpflichtungen zu spüren.

Leider ist dies sehr selten der Fall, und es ist auch nie ein anhaltender Zustand (der Mensch bleibt Sünder). Aber er kommt immer wieder, kann immer wieder kommen und ist Grund dafür, nicht nach sich zu fragen sondern nach Gott und damit auch nach dem Nächsten bis hin zum größten Feind.

In diesem Bewußtsein ist man darauf bedacht, kein Leid anzurichten, ist sensibel dafür. Die Sensibilität geht verloren mit dem Maß, wie die Erlösungsgewißheit verloren geht. Mit dem Maß, mit dem man meint, man hätte eine Pflicht, Gottes Willen zu tun. In dem Maß, wie man sich müht, seinen Willen (oder das was man dafür hält) zu tun, ohne es recht eigentlich zu wollen. In diesem Moment schleichen sich götzendienerische Tendenzen ein. Man fühlt einen Druck, Gottes Willen zu tun und tut irgend etwas, das man als Willen Gottes darstellen und verkaufen kann. Es hat nun nicht mehr den Zweck, Gott eine Freude zu tun, sondern sich selbst einzureden, man tue ja das Richtige oder genug. Schrittweise geht es dann dahin, daß man im sozialen Umfeld den Anschein aufrecht erhält, sich ja an Gottes Willen zu orientieren, um als erlöst zu gelten. Weil wer will schon von der Erlösung hören, wenn er meint, auch selbst gut genug zu sein, wenn er sich lieber an seine eigenen Regeln hält statt an die Gottes, anfangs vielleicht sogar ohne es zu bemerken? Der nächste Schritt wäre dann, daß man weiterhin nach außen den Schein wahrt, aber aktiv ein Verhalten pflegt und ein Denken fördert, das einen selbst als besonders gottgefällig dastehen läßt (zumindest in einem bestimmten Kontext), das aber vor allem auf den eigenen Vorteil ausgerichtet ist. Es geht dann meist um die eigene Brieftasche.

Das alles geschieht, so gewinne ich immer mehr den Eindruck, dort, wo die Heilsgewißheit verloren ging in der Art, daß sie von Gott abhängig ist und zur vergötzen Heilsgewißheit wurde, die am Menschen, am Selbst hängt und an den Erfolgen nd Taten, die man „für Gott“ vorzweisen hat. So kann es dann auch zu so etwas kommen, was in der angesprochenen Diskussion auch genannt wurde: Der im folgenden Video (naja, 5 Videos) gezeigte Hexenglaube in Kinshasa, der Kinder zu Verfolgten und Gequälten macht (nichts für schwache Nerven):

http://www.youtube.com/watch?v=wa9YAdXtZrY

http://www.youtube.com/watch?v=Az0iv86GQGw

http://www.youtube.com/watch?v=YrSpmMulG38

http://www.youtube.com/watch?v=lQ9pzr3C4Sc

http://www.youtube.com/watch?v=plP3cNe86rI