Commenting Media, Gesellschaft, Glaube, Religion, Theologie

Christentum und AfD

Christentum und AfD, wer ist hier der "echte" Christ? Das Bild zeigt einen Anhänger der "Deutschen Christen" und einen Anhänger der Liste "Evangelium und Kirche" mit umgehängten Wahlplakaten
Kirchenratswahlen Berlin 1933

Auf Twitter äußere ich mich öfters dahingehend, daß weder Mitgliedschaft noch Sympathie mit der sogenannten AfD mit dem christlichen Glauben vereinbar sind. Heute nun wurde mir auf zweierlei Weise widersprochen. Einmal von einem mutmaßlichen AfD Sympathisanten, der meinte, Christentum bedeute vor allem, andere auszugrenzen und das würde bei der Aussage ja auch wunderbar auf mich zutreffen. Dann warf er mir vor, auf die no true scotsman fallacy reinzufallen. Dazu möchte ich zuerst ein paar Worte verlieren.

Dann möchte ich mich mit dem zweiten Einwand beschäftigen, die auf große sowohl personelle wie auch inhaltliche Gemeinsamkeiten zwischen sogenannter AfD und Christen hinwies. Ich versuchte zuerst, auf Twitter in die Debatte einzusteigen, aber das Format war dann doch zu eng. Daher versuche ich nun hier, meine Ansicht zu der Thematik etwas breiter auszuformulieren, als dies auf Twitter möglich ist.

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Commenting Media, Netzfunde

We fight not with bullets, but with wide open arms

Auf Twitter sah ich heute morgen das:

Hier ist der Link, den Screenshot hab ich gemacht, falls das aus welchen Gründen auch immer gelöscht wird, denn in dem Gedicht steckt für mich alles, was den christlichen Glauben ausmacht:

Spray us with bullets or blast us with bombs,
We’ll walk into heaven, singing our psalms.
Kill two, kill four, or even kill more,
And we will surely love you, more than before.
Let us remain faithful until our spirit calms
For we fight not with bullets, but with wide open arms.

Ich versuche mal eine freie Übertragung:

Zerreißt uns mit Kugeln und Bomben die Glieder,
Auf dem Weg in den Himmel sing’n wir unsre Lieder.
Tötet zwei, tötet vier oder tötet noch mehr,
Und wir werden Euch lieben, mehr als vorher.
Lasst gläubig uns ausharrn, beherrschen die Triebe
Uns treibt nicht der Hass an, sondern die Liebe.

Und nochmal etwas wörtlicher:

Besprüht uns mit Kugeln oder zersprengt uns mit Bomben,
Wir werden in den Himmel gehen, unsere Psalmen singend.
Tötet zwei, tötet vier, or tötet sogar mehr,
Und wir werden Euch sicher lieben, mehr als vorher.Lasst uns gläubig bleiben bis unser Geist sich beruhigt
Denn wir kämpfen nicht mit Kugeln, sondern mit weit geöffneten Armen.

So reagieren also ägyptische Christen auf den Bombenanschlag auf eine Kirche in Kairo. Echte Christen, die glauben, und den Glauben nicht für bloße Kulturkulisse halten.

Man vergleiche dem gegenüber Pegida und die AfD, die wohl zu großen Teilen keine Kirchenmitglieder sind, aber meinen, das Christentum verteidigen zu müssen, indem sie auf ihren „Spaziergängen“ Weihnachtslieder singen (ich frag mich ja, welche LIeder da gesungen wurden, eher „Jingle Bells“ oder eher „Vom Himmel hoch“, aber das ist ein anderes Thema).

Die „Verteidigerdes christlichen Abendlandes“ wären sicher die letzten, die der Logik des Gedichtes folgen würden. Sie kämpfen nicht mit offenen Armen, nicht mit Liebe, sondern eben mit Haß, wie ihre vermeindlichen Gegner, die Islamisten. „Vermeindlich“ deshalb, weil sowohl die Islamisten und Terroristen als auch Pegida und AfD an der gleichen Strippe ziehen. Man könnte noch die Nazis hinzunehmen, die Anschläge auf Asylunterkünfte verüben, oder sonst den Geflüchteten zusetzen, physisch oder durch Propaganda. Denn das Ziel all jener ist gleich: Den Frieden stören, um in dem folgenden Chaos ihre Vorstellung von Ordnung durchzusetzen. Haß eben, der sich zuerst gegen die Liebe wendet und sich verlacht, um sich dann selbst zu zerfleischen und alle, die übrig geblieben sind.

Es fällt doch auf, daß sich die Bilder von Berlin 1945 und Kabul 2002 sehr ähneln…

Gesellschaft, Politik, Religion, Theologie

Christenterroristen

Wenn man in letzter Zeit versuchte, islamophob veranlagten Mitbürgern zu vermitteln, daß nicht alle Muslime Terroristen seien und daß auch das Christentum durchaus auch gewalttätig sein kann, hörte man immer wieder:

Aber es gibt keine christlichen Terroristen.

Nun, abgesehen von solchen Nebensächlichkeiten wie Mordanschlägen auf Abtreibungsärzte oder die Lord’s Liberation Army (um mal zwei zu nennen), mag es ja Leute geben, die dem Glauben schenkten.

Nun aber tauchte im Internet ein Papier auf, in dem selbsternannte Christen rechtsradikal motivierte Morde androhen – falls ihre Forderungen nicht umgesetzt werden. Aber lest selbst:

Drohbrief an den Bürgermeister von Neu-Isenburg
Drohbrief an den Bürgermeister von Neu-Isenburg

Der Text im Wortlaut (Fehler beibehalten):

A C H T U N G

Dies ist eine Warnung an die CDU, SPD, die Grünen und die Linken im Stadtparlament.
Hört auf damit Euch so stark für Mulsime in Neu-Isenburg einzusetzen. Der Löwenanteil dieser Menschen ist Aggressiv und Böse und sie möchten hier nur ihre scheiß Religion durchsetzen. Wir sind eine Gruppe Christen beider Deutschen Konfessionen und wir haben die Schnauze voll uns anfeinden, defarmieren und beleidigen zu lassen. Wir haben es auch satt das wir ständig gesagt bekommen das der Islam die einzig wahre Religion wäre, obwol wir alle wissen, das diese Religion der letzte Dreck ist. Die deutschen Kinder gehen in den Schulen durch die Hölle und unsere Politiker tun nichts dagegen. Damit ist jetzt Schluss. Wir sind bewaffnet und bereit. Hört auf damit Euch so stark für Muslime zu engagieren, andernfalls beginnen wir mit Erschießungen bei Angehörigen dieser Volksgruppe. Wir machen keinen Spaß uns mittlerweile die Lust am Leben in diesem Land vergangen. Finden unsere Forderungen trotzdem kein Gehör so werden wir mit Erschießungen von Kommunalpolitikern weitermachen. Wir lassen uns nicht Islamisieren. Wir sind Christen und verteidigen unser Land.

Achtung dies ist eine Warnung

Was die Fehler in Rechtschreibung und Sprache angehen, mag sich ein Germanist damit auseinandersetzen. Es läßt tief in die Leistungsfähigkeit unseres dreigliedrigen Schulsystems blicken, wenn man dann später in der Lage ist, solche Texte zu verfassen.

Was mich als Theologen viel mehr schckiert, ist daß hier jemand behauptet Christ zu sein, der grundsätzlich nicht verstanden hat, was das bedeutet. Sicherlich gibt es da von Konfession zu Konfession Unterschiede. Aber soweit ich informiert bin stehen alle Konfessionen hinter der Aufforderung der Selbstverleugnung und dem Einsatz für andere, selbst wenn man selbst Nachteile davonträgt. Die frühen Christen ließen sich in der Arena den Löwen vorwerfen und beteten für ihre Verfolger.

Wir Christ ist weiß, daß seine Aufgabe ist, sein Kreuz auf sich zu nehmen. Und wenn das Kreuz darin besteht, Tür an Tür mit Menschen anderen Glaubens lebn zu müssen, das ist das um einiges erträglicher als das, was andere Christen täglich ertragen müssen, ohne Gewalt anzudrohen.

Wenn jemand die „Schnauze voll“ hat, sich beleidigen zu lassen etc, dann kann er zu Gott beten. Jesus hatte sicher auch keinen Spaß dran, für uns ans Kreuz zu gehen. Trotzdem hat Er die Arschbacken zusammengekniffen und es durchgezogen. Für uns. Und wir, die wir uns für Seine Nachfolger ausgeben, können es nicht einmal ertragen, in der Fußgängerzone Frauen mit Kopftuch zu sehen. Was sind wir nur für Jammerlappen!

Wer sich bewaffnet, um seine „Forderungen“ mit Gewalt gegen die Mehrheit durchzusetzen, kann sich nicht auf Christus berufen. Mir ist auch klar, wieso die Verfasser Angst haben, islamisiert zu werden. Wer selbst einen festen Glauben hat, wird den nicht ändern weil es mehr Muslime in seiner Nachbarschaft gibt. Wer aber keinen festen Glauben hat, ist offenbar wie ein loses Blatt, das sich den Bewegungen des Windes hingeben muß.

Also, liebe Neu-Isanburger „Christen“: Wie wäre es, wenn Ihr mal wieder sonntags in die Kirche geht und Euch erklären laßt, was es mit diesem Christus auf sch hat und wieso Ihr keine Angst vor „dem Islam“ haben müßt, wenn Ihr Euren eigenen Glauben habt. Tätet Ihr das, müßtet Ihr keine solchen Texte verfassen. Beide Volkskirchen haben übrigens keinen Zweifel daran gelassen, wo sie in der Flüchtlingsfrage stehen.

Hier gibt es übrigens weitere Infos zu dem Brief.

Gesellschaft, Politik, Theologie

Die Hoffnung, die in uns ist

Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist

So steht es in 1. Petr 3, 15. Ich mußte anden Satz denken – und erst einmal suchen, wo genau in der Bibel er steht, beim Nachdenken über das, was diese Tage in Deutschland passiert. Ihr wißt schon: „Flüchtlingskrise“. Ein anderer Spruch schwebt mir im Ohr: „Es gibt keine Probleme, sondern nur Herausforderungen.“ So hörte ich öfter sagen bei der Bundeswehr. Oder auch diesen Spruch: „Probleme lösen sich, indem man sie ignoriert.“

Das ist im Moment so ein bißchen meine Befürchtung. Denn ja, wenn man ein Problem nicht beachtet, dann wird es größer und größer und wird sich irgendwann von selbst lösen – nur selten zum Guten oder so, wie wir es uns wünschen würden. Die aktuelle Flüchtlingskrise hat sicher auch zum großen Stück damit zu tun, daß man in der Vergangenheit verpasst hat, die schwelenden Konflikte gut zu lösen. Statt dessen hat man schnelle Lösungen gesucht, die aber nicht trugen. In den Zusammenhang möchte ich nochmal auf das Konzept vom Gerechten Frieden als Gegenentwurf bzw. besser Weiterentwicklung zum Konzept vom Gerechten Krieg hinweisen. Wennwir es schaffen, überall in der Welt für gerechten Frieden zu sorgen, werden wir viele Probleme zum Positiven lösen.

Jetzt müssen wir den gerechten Frieden erst einmal in unserem Land und auf unserem Kontinent sichern. Denn das christliche Abendland ist nicht mehr so christlich. Die Zahl derer, die sich rechtspopulistisch äußern oder solchen Äußerungen zustimmen steigt. Und getrieben werden sie von einer Angst, der Angst vor Überfremdung, vor den Kosten, vor Verlust ihrer Privilegien.

Und die Lösungen, die gesucht werden, sind so einfach wie unwirksam: Die Flüchtlinge müssen weg. Egal wo, nur nicht hier, nur nicht bei uns.

Diese Lösungen sind so untragfähig wie die Lösungen, die uns erst die Flüchtlingskrise brachten. Sie strotzen vor Zynismus gegenüber den Menschen, die alles zurücklassen mußten, ihre Heimat verließen, großteils unter Lebensgefahr sich auf den Weg hierher machten, um ihr Leben zu retten, um eine Zukunft zu haben.

Und die Rechtspopulisten, die sich auch noch auf das christliche Abendland berufen, die Fahnen mitführen in den deutschen Farben, angeordnet in der Form eines Kreuzes wie auf den skandinavischen Flaggen, hängen diesen einfachen Lösungen nach, wegen ihrer Ängste.

Welche Hoffnung steckt wohl in diesen Menschen? Auf wen verlassen sie sich angesichts der Krise? Was würden sie antworten,wenn man sie nach Rechenschaft fragte über die Hoffnung in ihnen? Auf was vertrauen sie?

Ist ihr Vertrauen nicht vor allem in Menschenwerken gegründet? Grenzzäune, bewaffnete Grenzer, Zuwanderungsobergrenzen oder lieber doch erst mal ganz dicht machen?

Verlass dich auf den HERRN von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand (Spr 3, 5)

Es mag sein, daß die Aufgabe, die vor uns steht, groß und schwierig ist. Un des mag sein, daß die einfachen Antworten der Rechtspopulisten verführerisch klingen. Doch das sind einfache Dinge immer: Verführerisch. Leider sind sie meist auch schlechter, tragen weniger, bedeuten mehr Probleme hinterher.

Den Glaubensgeschwistern unter denen, die den Rechtspopulisten nachhängen möchte ich zurufen: Welche Hoffnung habt Ihr? Daß Ihr mit menschlicher Anstrengung und Verstand die Krise bewältigen könnt, indem Ihr Grenzen zieht und bis auf die Zähne verteidigt? Oder daß Gott unser Handeln gesegnet hat, wo wir sein Werk tun und Liebe üben?

Liebe kennt aber keine Grenzen. Und keine Rassen. Und keine Nationalitäten. Und ja, Liebe kennt auch keine Religionen. Nehtm die Menschen an, wie Jesus Euch angenommen hat, trotz aller Eurer Sünden. Alles, was Ihr habt, habt Ihr von Gott, und Ihr könnt alles einsetzen für den Nächsten, und das kann wie der Samaritaner im Gleichnis ein Mensch sein mit einer anderen Religion aus einem anderen Volk. Gottes Kinder sind wir alle. Wir haben keinen Geist der Angst empfangen, sondern einen Geist der Zuversicht. Der Zuversicht, daß Gott uns gesegnet hat, damit wir ein Segen für Seine Schöpfung sind.

Zum Thema Angst bin ich übrigens die Tage über zwei Blogartikel von Krisi und Don Ralfo gestolpert, die beide auf jeden Fall lesenswert sind.

Theologie

Predigtkommentar

Predigen ist eine gefährliche Sache. Viele Menschen hören einem zu und glauben das, was man sagt. Als Prediger hat man eine gewisse Autorität, manches wird ungeprüft geglaubt, weil es „der Herr Pfarrer“ sagt.

Es ist nicht verkehrt, sich das als Prediger bewußt zu machen und ich bin mir bewußt, daß auch ich in meinen Predigten immer wieder in diese Gefahr komme und in die Falle tappe. Ich bin, wie alle anderen Menschen auch, ein Sünder.

Christina machte mich in einem Kommentar auf diese Hörpredigt aufmerksam (leider habe ich keinen Link zum geschriebenen Text). Mein Eindruck ist, daß der Prediger gut auch gute Absichten haben kann, ich denke aber ebenso daß er seine Gemeinde verführt (und zwar schon durch die abwertenden Sprache, die er zum Teil benutzt, um die Flüchtlinge zu bezeichnen; es kommt mehrmals der Begriff „Horden“ etc).

Ich möchte diesen Blogartikel benutzen, um in brüderlicher Verbundenheit auf ein paar Probleme hizuweisen, die mir beim einmaligen Hören der Predigt (den Text vorliegen zu haben würde es mir hier freilich einfacher machen) aufgefallen sind. Am Ende muß sich freilich jeder selbst ein Bild machen, den vor Gott werden wir dereinst alleine stehen, ohne uns auf einen Papst oder Lieblingsprediger berufen zu können.

Ich habe mir beim Hören Notizen gemacht und werde darauf antworten. Das wird leider sehr bruchstückhaft sein. Ich möchte entscheidende Aussagen der Predigt überprüfen und mein jeweiliges Ergebnis vorstellen.

Der Prediger stimmt der Aussage zu, daß Christen alle Menschen lieben, fragt aber, ob dies bedeutet, daß wir alle Menschen in Deutschland aufnehmen müssen, die kommen. Darauf antwortet er mehrfach, zuerst mit einem Beispiel:

Ein Einfamilienhaus mit 100m² Wohnfläche soll 200 Flüchtlinge aufnehmen, weil der Hausbesitzer sie alle liebt. Er stellt fest, daß die 200 Menschen zwar in das Haus hinein passen würden, daß es aber schnell zu Chaos führen würde, weil es doch zu wenig Platz zum Leben ist, und spätestens wenn weitere 500 Flüchtlinge ins Haus wollen, geht gar nichts mehr.

Das Beispiel ist sehr anschaulich, es ist nachvollziehbar, und es ist Quatsch. Nachvollziehbar ist es, weil es tatsächlich irgendwann dazu kommt, daß eine bestimmte Fläche zu viele Menschen beherbergen muß. Quatsch ist es, weil die Menge der Flüchtlinge pro m² in Deutschland nicht annähernd den Wert auch nur erreichen kann, der im Beispiel angenommen wird.

Wenn ein Haus 100m2 hat und darin 4 Personen (Papa, Mama, Sohn, Tochter) leben, dann hat jeder 25m². Wenn 200 Personen in dem Haus leben, sind das pro Person nur noch 1/2 m².

2013 standen in Deutschland pro Person im Durchschnitt 45m² zur Verfügung. Bei 80 Mio. Menschen. Um auf 1/2 m² wie im Beispiel mit dem Haus zu kommen, müßten 90 Mal (45:90=1/2) so viele Menschen hier wohnen, also 89 x 80 Mio. = 7,12 Mrd. Flüchtlinge hierher kommen. Das wäre fast die ganze Weltbevölkerung! So viele Menschen kommen sicherlich nicht, auch nicht in den nächsten 100 Jahren! Und es geht auch nur um den momentan (bzw. 2013) bestehenden Wohnraum. Wenn mehr Wohnungen gebaut werden bzw. leerstehende Wohnungen wieder genutzt werden, dann müßten noch mehr Menschen hierher kommen, um auf den 1/2 m² zu kommen, den der Prediger in seinem Beispiel bringt.

Ergebnis: Er übertreibt maßlos und provoziert damit Ängste. Zuletzt war die Rede von 1 Mio. Flüchtlingen pro Jahr. Sind wir einmal großzügig und gehen wir von 5 Mio Flüchtlingen pro Jahr in den nächsten 10 Jahren aus, dann wären das 50 Mio Flüchtlinge zusätzlich zu den 80 Mio. Einwohnern. Und gehen wir der Einfachkeit davon aus, daß niemand in der Zeit stirbt und keine neuen Wohnungen gebaut werden (was Unsinn ist, weil immer neue Wohnungen gebaut werden).

Dann hätten wir 130 Mio Menschen auf den 3,6 Mrd m² Wohnfläche (80 Mio. Einwohner x 45m² pro Einwohner 2013), das ergäbe dann 27,69m² pro Person. Imer noch mehr als in der „guten alten Zeit“ 1965, als jedem im Schnitt 22,3m² zur Verfügung standen.

Und es ist immer noch mehr als zur Verfügung steht, wenn in dem genannten Einfamilienhaus mit 100m² Wohnfläche zwei Erwachsene mit zwei Kindern wohnen.

Das sollte deutlich zeigen, in welche unverantwortlicher Weise hier Ängste geschürt werden. Ja, die Flüchtlinge leben derzeit in den Heimen auf engem Raum und das führt zu Unruhe, mitunter auch zu Gewalt. Es wäre aber ein leichtes, hier einfach neue Ressourcen zu schaffen. Im Moment mag es überall knirschen, aber wenn es drauf ankommt können auch schnell neue Gebäude gebaut werden, man muß es nur wollen.

Der Prediger sagt, jeder denkende Christ müßte auch ohne Bibel sehen, daß der Zuzug Chaos bedeute und der Teufel sich ob des Chaos die Hände reibe. Nun, ich erinnere mich ohne Bibel daran, daß man das Böse mit Gutem überwinden soll und daß der Teufel und das Chaos nicht vor der Liebe bestehen werden. Zumal wir im Zweifel unser Kreuz auf uns nehmen und keine Angst haben sollen, auch wenn uns Leiden vorausgesagt sind.

Nun sagt der Prediger, daß die Nächsten- und Feindesliebe ja ganz toll sei, daß aber diese in den persönlichen Bereich gehöre, aber nicht in die Politik, sie gelte also nicht für den Staat resp. das ganze Volk.

Mich erinnert diese Unterscheidung ein wenig an die Eigengesetzlichkeit, die lutherische Theologen aufgrund der Zwei-Reiche-Lehre machen zu können meinten. Die ist liberale Theologie at its  best (und das in der Predigt eines freikirchlichen Predigers!) und hat uns im letzten Jahrhundert die theologische Rechtfertigung des NS Staates eingebracht – heute sollte klar erkennbar sein, daß es sich hier um eine Häresie handelt!

Mit dieser Differenzierung zwischen Politik und privatem Bereich, in dem alleine Feindes- und Nächstenliebe gelten soll kommt der Prediger dazu zu sagen, daß all die Forderungen von Liebe gegenüber Nächsten und Fremden nicht bedeuten, daß ein Volk Fremde aufnehmen solle.

Im NT habe die Gemeinde keine politische Macht gehabt, deshalb sei es auch immer um den persönlichen Breich gegangen und nicht um die Politik. Um die ginge es dagegen im AT.

Dem würde ich sogar zustimmen, das AT hat in viel größerem Maße auch die Staats- oder Gesellschaftsebene im Blick als das NT. Allerdings – und da begeht der Prediger den Kategorienfehler, den er anderen vorwirft – wird im AT eine Theokratie beschrieben, und kein moderner Rechtsstaat. Wie dieser funktioniert finden wir nicht direkt in der Bibel. Auch wie eine Demokratie funktioniert steht dort nicht geschrieben. Trotzdem macht er Rechtsstaat und Demokratie stark, als positive Gegenbeispiele zur Theokratie, die der Islam angeblich fordere. Nun, wenn man in die Bibel, speziell ins AT sieht, dann ist es dort eben auch die Theokratie und nicht die Demokratie, die gefordert wird.

Er gesteht zwar ein, daß man das AT nicht 1:1 übertragen könne, daß es aber doch Vorbildfunktion hätte. Allerdings würde ich anfügen, daß man dabei aufpassen muß, was man überträgt: Die Theokratie, die er offenbar auch nicht will (sonst würde er den Islam dafür kaum kritisieren können), oder die Forderungen Gottes, die auch für ein demokratisiertes Volk im Rechtsstaat gelten?

Mit Verweis auf Röm 13 (komischer Weise NT) und andere Bibelstellen hält er fest, daß der Staat dem Bösen nicht freien Raum lassen dürfe. Allerdings fordert das auch niemand. Keiner fordert, das staatliche Gewaltmonopol (das Schwer in Röm 13) abzuschaffen. Ein Flüchtling unterliegt den gleichen Gesetzen wie wir und für deren Einhaltung ist ebenso die Polizei zuständig. Falls dies nicht geschieht, ist das ein Grund, unsere Polizei besser auszustatten oder sie dazu anzuhalten, ihre Arbeit zu erledigen, es spricht aber nicht dagegen, Flüchtlinge aufzunehmen.

Der Prediger sagt, daß der Staat die Pflicht habe, sein Volk vor dem Bösen mit Gewalt zu schützen. Dem würde ich gr nicht einmal widersprechen. Allerdings frage ich mich da: Was ist das Böse? Sind das Menschen? Gab es da nicht einmal die Unterscheidung zwischen Person und Tat im Christentum: Liebe den Sünder, hasse die Sünde?

Die Flüchtlinge sind ja nicht per se böse. Womöglich gibt es Flüchtlinge, die Böses tun. Dafür ist die Polizei da, dafür trägt die Obrigkeit das Schwert, wie Paulus feststellt. Damit ist dann aber auch alles gesagt in der Sache.

Den Kern seiner Predigt machen die Passagen zur Unterscheidung von Fremdling und Fremder aus. Der Fremdling, nach dem Prediger ein Proselyt, hebr. als Ger bezeichnet, sei ein Mensch, der den jüdischen Glauben angenommen habe und folglich als Einheimischer, als „Jude mit Migrationshintergrund“ zu behandeln sei: Ohne Unterschied zu anderen Juden.

Der Fremde hingegen, der die Gebräuche des Landes nicht annehme, sei eher als Feind zu behandeln. Für ihn gelten auch diverse soziale Leistungen nicht. Zu diesem hielte Israel deutliche Distanz.

Zu den Begrifflichkeiten verweise ich einfach auf zwei Artikel im Wibilex:

Proselyten (AT)

Fremder (AT)

Das Problem hier ist, daß Israel im AT nicht nur eine religiöse Gemeinschaft wie die Kirche bezeichnet, sondern eben auch einen Staat, der theokratisch-monarchisch regiert wird.

Wenn wir die Theokratie nicht wollen, dann müssen wir alles aussondern, was theokratische Forderung ist. Und theokratisch sind vor allem die Forderungen nach Reinheit des Volkes vor anderen Religionen.

Die freiheitliche Demokratie, in der wir leben, kann keine Religionen ausschließen wie es die altisraelitische Theokratie konnte. Heute könnte niemand mehr auf staatlicher Ebene etwas dagegen sagen, daß Salomo seinen Frauen einen Götzentempel baut. Das sind heute Fragen der privaten Frömmigkeit, also des Bereichs, in dem laut dem Prediger auch Nächsten- und Feindesliebe gelten.

Die abweisende Haltung den Fremden gegenüber haben wir dabei durchaus auch: Wer keinen deutschen oder europäischen Paß hat, gilt hier als Ausländer und hat, wenn er nicht ein Aufenthaltsrecht hat, sehr wenige Rechte. Er kann hier Urlaub verbringen oder zu einem Geschäftstermin kommen, aber viel mehr geht nicht. Er darf hier nicht ohne weiteres wohnen und er darf nciht ohne weiteres eine Arbeit annehmen.

Von den Fremdlingen wurde im AT verlangt, daß sie die Bräuche der Israeliten annehmen – dafür wurde ihnen laut dem Prediger (im Wibilex liest sich das ein wenig anders) die volle Gleichstellung zugebilligt. Damals umfassten diese Bräuche auch die Religion.

Im freiheitlichen Rechtsstaat (und um den geht es ja bei uns, wir nehmen ja keine Flüchtlinge in die Gemeinschaft der Christen auf, wenn sie nicht getauft sind) gelten auch bestimmte Regeln, die eingefordert und per Poizei durchgesetzt werden. Nur werden keine religiösen Forderungen mehr gestellt, weil der freiheitliche Rechtsstaat weltanschaulich neutral ist, er kann also gar keine religiösen Forderungen stellen, sonst wäre er kein freiheitlicher Rechtsstaat mehr.

So gesehen entsprächen also die Flüchtlionge genau den Fremdlingen, denen nach dem prediger sämtliche Sozialleistungen zustehen würden. Trotzdem sin die Sozialleistungen, die Flüchtlingen zugestanden werden, deutlich geringer als das, was uns zur Verfügung steht. Sie stehen noch einmal deutlich untr Hartz IV Niveau, haben keine Krankenversicherung und dürfen oftmals nicht einmal den Landkreis verlassen…

Es spielt im freiheitlichen Rechtsstaat übrigens auch keine Rolle, ob seine Bürger diesen mögen, oder ihn umbauen wollen. Vielen wollen den Umbau, nicht nur „echte Muslime“, wie der Prediger meint. Der freiheitliche Rechtsstaat kann aber nicht Muslimen per se weniger Rechte geben, auch wenn diese ihn tatsächlich abschaffen wollten, denn das entspräche einer Diskriminierung aufgrund der Religion, was nach den Regeln des freiheitlichen Rechtsstaates nicht geht. Er wäre nur noch auf dem Papier ein freiheitlicher Rechtsstaat: Wie jemand, der sich zwar Christ nennt, aber lieber draufhaut, als die andere Wange hinzuhalten.

Der Prediger betont, daß Scharia und Grundgesetz nicht zusammenpassen würden und daß „echte Muslime“ nicht integriert werden könnten. Doch sind auch „echte Muslime“ nicht zwangsläufig immer Muslime, deshalb sollte man zwischen den Menschen und ihrer Religion zu unterscheiden wissen. Fällt die Religion weg, oder wird sie „unecht“ im Sinne des Predigers, geht das mit der Integration vielleicht doch…

Am Ende bringt der Prediger noch die Idee vor, daß das Gericht Gottes bedeuten würde, daß ein Volk preisgegeben würde. Er meint, die Flüchtlinge würden sich von unserem Vermögen ernähren wie es im AT für die Zeit nach dem Fall von Samaria und Jerusalem berichtet wird. Das Überhandnehmen des Fremden sei eine Strafe Gottes.

Das kann durchaus so sein, und wenn es so ist, dann haben wir diese Strafe verdient. Und zwar, weil wir es seit Jahrzehnten verpassen, die Fremdlinge, die als Gastarbeiter kamen, tatsächlich zu integrieren. Sie mögen damals für uns gearbeitet haben und zu unserem Reichtum beigetragen haben, aber es war eben nicht alles gut damals. Wir haben das integrieren verpasst, haben sie wie Fremde anstatt wie Fremdlinge behandelt, und sie ud ihre Kinder sind Fremde geblieben, denen wir nun preisgegeben werden, wenn wir das Ruder nicht noch herum reißen.

Wir sollten aber auch bedenken: Die Bibel spricht in den Versen, die der prediger anführt von der verbrannten Erde, vom Zustand nach dem Krieg, als Assyrer und Babylonier fertig waren mit Israel und Juda. So weit sind wir noch lange nicht. Uns geht es gut, wir schwelgen im Luxus wie Samaria zur Zeit des Amos, auch wenn unsere fetten Kühe nicht auf dem Baschan grasen. Die Aramäer waren ein recht kleines Problem für Israel damals, ebenso wie die Flüchtlinge für uns heute. Wenn wir anständig damit umgehen, wenn wir die Flüchtlinge aufnehmen als Fremdlinge, die sich an unsere Gesetze halten und dafür als Gleichberechtigte behandelt werden, dann haben wir eine Chance. Wenn nicht, wird Assur kommen und uns zu Fall bringen.

Das Wort zum Tag

Dienstag, den 15. September 2015

Abram zog aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte.

1. Mose, 12,4

Abram zog aus, um in ein fernes Land zu ziehen, wo seine Nachkommen leben sollten, ein Land, das ihm zum Erbe gegeben werden sollte. Und wir wissen, wie die Geschchte weiterging: Es kam so: Abram wurde Vater großer Völker dem Fleische nach, und von noch mehr Menschen dem Geiste nach.

Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, in ein Land zu ziehen, das er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.

Hebr 11,8

Er wußte nicht, was gescheen würde, er ging einfach drauf los, alles was er hatte, war sein Glaube, war die Hoffnung, daß Gott ihn nicht hängen läßt.

Abram war nicht arm. Wir erfahren zum Beispiel, daß er Knechte hatte, daß er Herden hatte, die er von Lots seines Neffen Herden trennte. Er war ein reicher Mann aus dem heutigen Irak, der über das heutige Syrien in das heutige Israel zog und zeitweise bis nach Ägypten und Libanon kam.

Auch heute sind viele Menschen auf dem Weg. Viele stammen aus der Gegend, aus der auch Arbam stammte: Irak und Syrien. Manche kommen auch aus ganz anderen Gegenden. Und vielen wird zum Vorwurf gemacht, daß sie gar nicht arm seien, weil sie sich Zugtickets, Schlepper und Handys leisten können. Aber sie alle haben wie Abram keine Sicherheit, dort anzukommen, wo sie hinwollen. Sie haben nur ihre Hoffnung, ihr Vertrauen, vielleicht auf Gott, daß alles irgendwie gutgehen wird. Daß sie nicht umkommen auf dem Weg übers Meer oder in den Fahrzeugen der Schlepper.

Abram und seine Nachfahren nahmen schließlich das Land ein, die Urbevölkerung wurde nach dem Bericht der Bibel vertrieben oder ermordet, nachdem die Familie bzw. das spätere Volk Israel eine weitere Migrationsbewegung nach Ägypten und von dort zurück vollzogen hatte. Viele Menschen hierzulande haben Angst, daß uns das gleiche Schicksal bevorsteht, wie auch der Urbevölkerung Kanaans, daß wir oder zumindest unsere Kultur umkommen werden.

Doch eins sollte man dabei bedenken: Nach dem Bericht der Bibel fanden die Kanaanäer ihr Ende, weil sie gottlos waren. Heute würde man vielleicht unmenschlich sagen.

In Am 9,7 wird klar, Gott gab auch anderen Völkern neue Länder:

Seid ihr Israeliten mir nicht gleichwie die Mohren?, spricht der HERR. Habe ich nicht Israel aus Ägyptenland geführt und die Philister aus Kaftor und die Aramäer aus Kir?

Er bevorzugt die Israeliten auch nicht sonderlich, auch anderen hat Er in der Hinsicht geholfen. Und ich glaube, Er bevorzugt auch uns nicht. Wenn wir es als Gesellschaft nicht schaffen, die Nächstenliebe zu leben, die Er uns aufgetregen hat, wieso sollte unsere Gesellschaft, unsere Kultur dann überleben? Welche Daseinsberechtigung hat ein unbarmherziges Volk?

Menschen sind unterwegs zu uns, und wir müssen damit umgehen. Wenn Gott sie schickt, werden wir sie nicht stoppen können, wenn sie sich nur auf ihre menschlichen Kräfte verlassen, droht uns keine Gefahr.

„Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht“ übersetzt Luther in Jes 7,9, wo das Ende des Nordreiches prophezeit wird, weil sie sich abwenden und in den Krieg gegen das Südreich ziehen. Sie glaubten nicht und sie blieben nicht, sondern wurden von Assyrien erobert und ins Exil geführt.

Also laßt uns im Glauben bleiben, indem wir Nächstenliebe praktizieren, gerade auch gegenüber den Fremden, die bei uns Schutz suchen.

Denen fällt übrigens durchaus auf, daß die Deutschen helfen wollen, während die richen Araber am Golf ihnen die Tür vor der Nase zuschlagen. „Überwindet das Böse mit Gutem“, sagte Christus, und das ist es, was passiert. Wenn jemand, der sonst Allahu akbar ruft merkt, daß er bei seinen Glaubensbrüdern nur Verfolgung (ISIS) oder Ablehnung (Golfstaaten) zu erwarten hat, während die verhaßten Christen ihm mit Liebe begegnen, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, daß er irgendwann „Halleluja“ singt.

Aber ob er nun konvertiert oder nicht, unser Auftrag bleibt der gleiche: Nächstenliebe, ohne Hintergedanken, ohne ungefragte Missionsversuche!

Anthropologie

Wie lautet die Alternative?

Sowas in der Art findet man ja öfter im Netz. Und ich will jetzt einmal ganz einfach die Atheisten unter Euch fragen: Wie lauten denn Eure ganz persönlichen Alternativen? Was tut Ihr in den Fällen, wo Christen beten? Also bei Tsunamis, Hungersnöten und Kernschmelzen? Mich interessiert jetzt nicht, was der Papst müsste, was die Regierung könnte oder dergleichen, sondern wie Ihr auf schreckliche Nachrichten reagiert. Und bei den Christen würde mich interessieren, wieso sie in solchen Situationen beten, auf dass wir alle den Anderen ein Stückchen besser verstehen lernen.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde Mittwoch, 26. September 2012

Bei takeover.beta schreibt Zweisamkeit über sexuelle Manipulation in der Beziehung. Tenor des (im bekannt schwer leslichen Genderdeutsch verfassten) Artikels ist, daß ein Partner (hier geht es wohl vor allem um Männer), der ein Nein nicht akzeptiert, sondern Umstimmungen versucht, auch sonst nicht auf die Wünsche des anderen Partners hört, und auch dort ebenso veruschen wird, zu manipulieren. Den Lösungsvorschlag, der Fragliche sollte es sich statt dessen einfach selbst besorgen, halte ich jedoch für keinen. Was muß der unwillige Partner (also gedacht im Artikel wohl die Frau) denken und fühlen, wenn der Mann, nachdem er abgewiesen wurde, sich einen runterholt. Es dürfte wohl in die Richtung gehen, daß man sich als Objekt vorkommt, das, wenn es nicht wie gewünscht funktioniert, auch ersetzt werden kann. Denkt man etwas weiter, dann könnte man in der gleichen Logik vorschlagen, der Mann könnte ja statt dessen auch ins Puff gehen, hauptsache er manipuliert die Frau nicht. Ich glaube, das funktioniet so nicht. Es reicht nicht, die Manipulation zu lassen. Wenn die Partnerin nein sagt, ist die Zeit der Enthaltsamkeit (es soll ja Menschen geben, die das ein ganzes Leben lang durchhalten). Denn eine Manipulation an den eigenen Genitalien entweder selbst, oder durch willigere andere Objekte kommt einer Manipulation durchaus gleich. Hier finde ich auch Paulus sehr erhellend, der schreibt, daß der eigene Körper eigentlich dem jeweiligen Partner gehört (1.Kor 7,4). Demnach hat man in der Partnerschaft also gar kein Recht mehr daran. Macht auch nichts, wenn die Partner einander lieben. Dann tun sie dem anderen Körper auch nichts an, sondern halten sich an des Partners Wünsche (inklusive eines Nein). Ist dies nicht der Fall, sollte man vielleicht die Partnerschaft überdenken. Inwieweit das jetzt zu „modernen“ Partnerschaftsverständnissen à la Lebensabschnittsgefährte paßt, steht auf einem anderen Blatt. Ich finde die Ehe als Konzept (unabhängig vom Trauschein, mir geht um um das, was man lebt) eh überzeugender.

Um Liebe und Partnerschaft geht es auch in Christian Hoppes Artikel zum Film „Liebe“. Es geht um ein altes Ehepaar, um Pflege und schließlich Sterbhilfe, bzw ist das nicht so klar. Der Artikel geht auf die Deutung, die wohl dem Marketing zu Grunde liegt ein und schlägt eine andere Deutung vor, die nicht von einem „Triumph der Humanität“, sondern von einem Scheitern der Liebe ausgeht. Ohne selbst den Film gesehen zu haben scheint mir Christians eigene Deutung durchaus berechtigt zu sein.

Über die Auswüchse der modernen Gesellschaft hat der Herr Alipius etwas, der sich am Ende fragt, wofür Ludwig XVI sterben mußte. Sicherlich eine provokante Frage aber angesichts des Dargestellten womöglich nicht ganz verkehrt. Vielleicht sollte man auch hier mal ganz konkret mit dem Verantwortungsbegriff durchbuchstabieren, was wir gut finden und was nicht. Aber Verantwortung ist heutzutage eh nicht mehr so in Mode. Mein Reilehrer lehrte mich noch, daß die Freiheit der Verantwortung entsprechen müsse. Gebe es eine Diskrepanz, so entspreche die Differenz zwischen beiden der Größe der Sünde. Sünde ist demnach, wenn man sich Freiheiten rausnimmt, ohne die Verantwortung zu übernehmen. Ob das nun noch auf den Wiener Klub anzuwenden ist, wäre vielleicht auch mal ne interessante Frage, die ich hier aber nicht beantworte (falls jemand nen Ansatz hat, es gibt ja die Kommentarfunktion).

Eric Djebe hat die Frage gestellt, ob das Christentum eine Chance hätte, wenn es heute bei Null anfangen würde. Er hat Zweifel, sucht aber auch nach den Gründen für den damaligen Erfolg.

Peter schreibt über die Soteriologie von Narnia und sieht dainter das Christus-Victor-Motiv. Daß ich selbst dieses Motiv mag und viel für meinen eigenen Glauben daraus ziehe, könnte dem regelmäßigen Blogleser schon aufgefallen sein. Interessant finde ich Peters Kritik daran, daß Lewis Alsan nicht trinitarisch angelegt hat. In der Tat kommt er damit dann in die Schwierigkeit, auf eine uralte Magie verweisen zu müssen. Allerdings finde ich das für Kinder noch etwas nachvollziehbarer, als noch eine ausgewachsene Trinitätslehre im Buch unterzubringen. Das ist ja das schöne bei Kindern: Sie können gut vertrauen, ohne ganz zu verstehen. Ich denke, deshalb sollen wir auch wie die Kinder glauben, wie Jesus sagt. Ich gehe stark davon aus, daß die alte Magie den Kindern vollkommen als Erklärung reicht. Die ausgewachsene Trinitätslehre kann man nachreichen, wenn die Kinder durchs Erwachsenwerden das Vertrauen langsam schwerer fällt, es ist ja nicht so, daß es keine Trinitätslehre gäbe.

Der Morgenländer schreibt von Elefanten in Räumen und V-Männern (also vom Staat bezahlten Menschen, aber eigentlich ist es nur einer), dem vorgeworfen wird, die Logistik dr NSU gestellt zu haben, inklusive Besorgung der Waffen. Jetzt frage ich mich, wieso die Geheimdienste nichts davon wußten, wenn der eigene V-Mann womöglich involviert war, und das an entscheidender Stelle. Wenn V-Leute nicht so funktionieren wie sie sollen, daß sie also eben keine Informationen liefern, jedenfalls nicht diejenigen, die wichtig sind, stellt man sich die Frage nach dieser Einrichtung überhaupt.

Alternativ könnte man überlegen, ob der V-Mann doch berichtet hat und die Geheimnisse doch über den NSU Bescheid wußten. Wie man es dreht, schön ist es nicht.

Bei Kirche 2.0 gibts ne pdf mit 20 Tipps für Facebook Beiträge von Kirchengemeinden.

Bei Sojourners gibts nen Artikel zu atheistischem Schmuck, also für all die Leute, die sich weder Kreuz noch Davidstern um den Hals hängen wollen.

Mandy weist auf ein Online-Bibelkundeseminar hin. Das Ganze wird von ERF und Bibelseminar Bonn veranstaltet und beginnt im Oktober. Ich hab ja meine Bibelkunde schon, und inwieweit solche Bibelschul-Kurse von Universitäten und Kirchen anerkannt werden, steht in den Sternen. Das muß jedoch nicht bedeuten, daß sie qualitativ schlecht wären. Wer Interesse, Zeit und das nötige Kleingeld hat, kann unter Umständen durchaus mit Gewinn an so einem Seminar teilnehmen, auch wenn er sich nicht zum evangelikalen Christentum rechnet (oder vielleicht gar kein Christ ist).

Und zum Schluß hab ich noch nen Artikel von Charles Halton über das Jesus und seine Frau Papyrus aus Harvard. Recht hatter.

Stöckchen

Das Besondere an der Bibel

Ich sortier das mal unter „Stöckchen“ ein, weil es af ne Frage auf nem anderen Blog zurückgeht, die ich hier beantworten will. Die Fragen, es sind eigentlich mehrere, lauten:

  1. Wieso hält ein Christ die Bibel für heilig?
  2. Wieso glaubt ein Christ, daß die Bibel irgend etwas über den wahren Gott aussagt?
  3. Warum gerade die Bibel und nicht ein anderes Buch?

Die einfache Antwort wäre nun etwa so:

  1. Weil sie Gottes Wort ist.
  2. Weil es in der Bibel steht.
  3. Weil kein anderes Buch heilig ist, kein anderes Buch von Gott ist.

Die Antworten sind vielleicht nicht mal falsch – leider Gottes. Es gibt Richtungen im Christentum, wo die Bibel als von Gott diktiert, unfehlbar und über jeden Zweifel erhaben gilt. Wenn man nachhakt, kommt nicht mehr als „ist halt so“. Jedenfalls hab ich noch keine darüber hinausgehende Antwort gehört. Aus gewissen Kreisen.

Und solche Antworten sind natürlich nicht überzeugend, weil es keine wirklichen Antworten sind. Ich denke, daß hier auch ein Grund dafür liegt, wenn sehr konservative Christen direkt Atheisten werden, eher noch, als daß sie ihr Bibelverständnis hinterfragen. Mir ist es oft passiert, daß ich im Gespräch mit Atheisten dort auf Bibelverständnisse gestoßen bin, die dem Bibelverständnis eben jener konservativen Kreise entsprechen. Entweder, Gott hat die Erde in 7 Tagen erschaffen, oder das sind alles Lügen und sie sind unglaubhaft. Entweder, Mose und David haben wirklich existiert nd die Geschichten über sie sind wahr, oder es ist alles erstnken und erlogen, und die Bibel muß als Lügenwerk entsorgt werden. Entweder die Bibel ist unfehlbar, oder ien einziger Fehler. Entweder sie ist wie Gott, oder vom Teufel.

Bei diesem Bibelverständnis ist es kein Wunder, wenn einige Atheisten jeden historischen Fehler, jede Ungenauigkeit, jeder innerbiblische Widerspruch frenetisch gefeiert wird.

Ich möchte einen anderen Vorschlag machen. Das hat zwei Konsequenzen: Erstens kann man damit immer noch gut und gerne Christ sein, ohne daß die Bibel historisch korrekt sein muß. Außerdem nimmt es besagten Atheisten ein wenig die Freude, weil die Widersprüche eben nciht mehr gefeiert werden können. Aus Erfahrung kann ich aber sagen: Sie tun es trotzdem, während sie gleichzeitig behapten, man wäre kein richtiger Christ. So wie es auch die konservativen Christen gerne mal tun, wenn man nicht ihr Bibelverständnis teilt.

Also, die anderen Antworten, die ich anbieten möchte, sind:

  1. Heiligkeit der Bibel
    Die Bibel ist heilig, weil „heilig“ ihrem Gebrauch entspricht. Die Bibel ist kein profanes Buch, das aus profanen Gründen gelesen wird, etwa zur Unterhaltung. Sie wird auch meist nicht als Fachbuch gelesen, um irgendwelche neuartigen Fachkenntnisse zu erwerben. Die Bibel ist abgesondert vom profanen, also gewöhnlichen Gebrauch. nd „heilig sein“ bedeutet nichts anderes als eben das: Abgesondert sein. Man liest die Bibel zur Erbauung, wenn man sich selbst in den abgesonderten Bereich des Göttlichen begibt. Auch wenn man dei Bibel studiert und in diesem Zusammenhang liest, geschieht es doch meist, wenn im profanen Bereich als profane Handlung, aber doch meist mit einem Ziel im abgesonderten, heiligen Bereich. Etwa, daß man mehr über Gott erfahren will. Die Bibel ist also heilig, weil sie so behandelt wird. Würde sie wie ein normales Bch behandelt, wäre sie nicht heilig.
  2. Sagt die Bibel etwas über den wahren Gott aus?
    Ganz klare Antwort: Kann man nicht sagen. Sie sagt etwas über einen Gott aus. Sie entwirft ein Gottesbild. Dieses Gottesbild hat zwar immer wieder Brüche und ist nicht frei von Widersprüchen, aber es scheint immer der gleiche Gott gemeint zu sein, denn die verschiedenen widersprüchlichen Texte sind aufeinander bezogen. Man kann also sagen, daß die Bibel etwas über Gott aussagt, über einen bestimmten Gott. Ob dies nun der wahre Gott ist, kann man nicht objektiv belegen. Falls das jemand der Leser doch kann, wär ich ziemlich interessiert (in dem Fall werf ich das Stöckchen einfach mal weiter). Bis der Gegenbeweis da ist, behaupte ich aber das Gegenteil.
  3. Warum gerade die Bibel?
    Ebenfalls klare Antwort: Tradition. Oder auch gute Erfahrung? Ich glaube es war Karl Barth, der einmal sagte, Gott könne sich so wie durch die Bibel auch durch einen toten Hund offenbaren. Aber es gibt definitiv mehr Berichte davon, daß es durch die Bibel geschah, während mir kein Bericht bekannt ist, in dem es um einen toten Hund ginge. Daher ist es nicht verwunderlich, daß Christen die Bibel tradiert haben, und nicht Hunde mumifiziert.
    Es ist also durchaus möglich, daß es Besseres als die Bibel gibt. Den Beweis der größeren Güte, der nur durch die Geschichte erbracht werden kann, weil wir nur dadurch die Bibel gekriegt haben, muß allerdings erst noch angetreten werden.

Zusammenfassend kann man wohl sagen, daß es keinen objektiven Grund gibt, der belegen könnte, daß der Gott der Bibel der wahre Gott ist, noch kann gesagt werden, daß die Bibel die geeignetste Form ist, diesen Gott kennen zu lernen. Ich denke sogar, sie ist ungeeignet dazu, dem Menschen einen Zugang zu Gott aus eigener Kraft bereit zu stellen. Sie ist eine Möglichkeit, durch die Gott wirkt, eine Möglichkeit unter vielen, und sie stiftet Einheit, weil alle sie benutzen. Also alle Christen.

Gott allerdings ist von der Bibel unabhängig. Deshalb glabe ich nicht, daß man mit der Bibel alleine auch schon Gott „hat“. Ich glaube vielmehr, die Bibel ist ein Korrektiv. Wiederum eins unter vielen, etwa neben der Gemeinde, aber immerhin eins.

Wir kriegen eine Verbindung zu Gott nur, wenn Er sich uns offenbart. Die Bibeltexte können helfen, hier zwischen Einbildung und Realität zu unterscheiden. Und hier merkt man schon: Da die Offenbarungen ne recht persönliche Sache sind, gitl das für die Korrektivkraft der Bibel in gleicher Weise. Das Korrektiv fnktioniert so, daß die Bibel niedergeschriebene Gotteserfahrungen enthält, die einige tausend Jahre alt sind und auch über mehrere Jahrhunderte aufgeschrieben wurden. Insofern ist die Bibel normierende Norm (norma normans) für unsere privaten Gottesoffenbarungen, und unterscheidet die Einbildngen von den Tatsachen (ich sprech hier von Subjektivem, Hinweise auf die Nichtbelegbarkeit meiner Aussagen gehen am Ziel vorbei). Da die Bibel aber auch aus Niederschriften von Gottesoffenbarungen besteht, ist sie gleichzeitig normierte Norm (also norma normata). Hier komm ich wohl in Widerspruch zu Luther, aber ich bin auch kein Lutheraner.

Schlußendlich bleibt die ganze Sache subjektiv, ich kann also nur darlegen, wie ich die Dinge sehe, ich kann keine harten, objektiven Fakten liefern. Da aber all unsere Wahrnehmung subjektiv ist und alle Erklärungsmodelle der Welt (auch) auf Erfahrung beruhen, hab ich damit kein großes Problem.

Eine Frage fällt mir noch ein, die ich selbst beantworten möchte, bevor sie jemand nicht stellt: Angenommen, man würde die Bibel durch den Koran oder Grimms Märchen ersetzen, würde das nciht auch so funktionieren?

Antwort: Sehr gut möglich, daß es funktionieren würde. Theoretisch. Wir haben ja letztendlich einen Zirkel aufgemacht, und wieso sollten andere Zirkel weniger gut sein? Allerdings, und hier liegt der Unterschied, kriege ich die Privatoffenbarungen besser mit der Bibel zusammen, als mit Grimms Märchen, dem Koran oder den gesammelten Bänden von Karl May. Es ist und bleibt also alles subjektiv.

Religion

Islam is for Arabs, Christianity is for everyone

Langsam wird das mit den Videos zum Thema Islam (bzw dagegen) zur schlechten Gewohnheit. Ich schieb’s mal einfach auf die Publicity, die das Thema durch die Koranverteilaktion gekriegt hat. Hier ist noch ein Video von Jay Smith, für diejenigen von Euch, die des Englischen mächtig sind:

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich mit Jay in vielen Punkten übereinstimme, was die christliche Lehre angeht. Ich hab auch schon Jahre keine Videos mehr von ihm gesehen, auch ich mag es, wie er den Fundamentalismus von allzu platten Missionaren wie Pierre Vogel ad absurdum führt, indem er sie voll gegen die Wand laufen läßt (das kommt jetzt in diesem Video weniger vor, aber es gibt noch einige mehr von ihm). Er muß dazu nichts weiter tun, als die Fundis ernst nehmen, und schon stößt er auf massig Widersprüche (kleiner Tipp: Das funktioniert auch bei christlichen Fundis).