Gesellschaft

Bundeswehr

Als ich im November 1999 zur Bundeswehr eingeogen wurde und in der Grundausbildung war, wurde uns klar gesagt: Die Bundeswehr hat kein Feindbild. Feindliche Truppen (stets nur fiktiv oder „virtuell“ vorhanden) in Übungen wurden mit „Rotland“, „Gelbland“ etc bezeichnet.

n zwei Beispiele kann ich mich erinnern, in denen davon abgewichen wurde. Einmal bei einem Nachalarm, als uns gesagt wurde, daß Russen und Serben (der Kosovokrieg war grad vorbei) uns angegriffen hätten und wir nun auch ran müßten. Gleich nach der Übung wurde uns gesagt, daß das eigentlich nicht so formuliert werden darf, da die Bundeswehr kein Feindbild habe. Das Beispiel wurde quasi als Anlaß dafür genommen, uns zu erklären, daß es so ist.

Ein andermal ging es um Wachtdienst und Durchsuchen einer verdächtigen Person, die in etwa so beschrieben wurde: „Trägt nen Turban, spricht serbokroatisch und macht auch sonst keinen vertrauensvollen Eindruck“. Auch nicht in Ordnung, aber durch Turban UND serbokroatische Sprache für uns alle klar als Karikatur erkenntlich: Es ging um den (aus damaliger Sicht) Verdächtigen an sich.

Beides ist an sich nicht in Ordnung gewesen, es war jedoch zumindest für mich (bei der Nchtübung im Nachhinein) klar, daß hier kein Feindbild vermittelt oder aufgebaut werden sollte. Wie gesagt, daß wurde uns auch noch recht ausführlich erklärt.

Heute las ich in der Zeitung allerdings etwas, das dann auch mir zu weit ging und bei dem ich hoffe, daß ich in so einem Fall sofort sämtliche Befehle verweigert hätte.

Einschub:
Man sagt das so leicht: Wenn man aber in der Grundausbildung drauf getrimmt wird, daß man Befehle nicht ausdiskutiert und man bedenkt daß es 3 Uhr morgens ist und man womöglich noch gar nicht so lange im Bett liegt, ist das schon nicht mehr so leicht. Für Fehler wurden ja auch gerne mal alle bestraft, so daß man in dieser Situation die Wachheit und den Mumm aufbringen muß, sich nicht nur gegen Vorgesetzte, sondern auch im Zweifel gegen die Kameraden zu stellen. Denn eingezogen wurden alle, und nicht alle konnten kritische Haltungen nachvollziehen.
Allerdings, und das ist auch wichtig und spielt wohl auch im Hintergrund eine Rolle, wieso ich diesen Artikel überhaupt schreibe: Uns wurde in der Grundausbildung sehr deutlich gemacht, was rechtmäßige Befehle sind und was nicht, welche Befehle wir auszuführen hätten, und welche wir nicht ausführen dürfen, und wenn der Vorgesetzte noch so schreit und auch wenn einem von diesem Vorgesetzten (erst mal) Strafe droht. Daß man sich manchmal widersetzen muß liegt daran, daß man den „Befehlsnotstand“ verhindern wollte, mit dem sich viele Nazitäter nach dem Krieg rauszureden versuchten.

Was bringt mich dazu, so lange auszuholen? Ein Bericht heute morgen (11.8.2013) in der Rheinpfalz am Sonntag. Es ging darin um den freiwilligen Wehrdienst und einige Rekruten und ihren Weg in der neuen Freiwilligenarmee. Dort wird geschrieben, daß bei einem Nachalarm die Lage ausgegeben wurde, daß es „Aufständische“ gebe, gegen die nun vorgegangen werden müsse.

Schützenpanzer Marder 1 A3 von hinten
Marder gegen deutsche Aufständische?
Quelle: Bundeswehr-Fotos, Lizenz: CC-BY-2.0, via Wikimedia Commons
Woran stoße ich mich? „Aufständische“, das sind keine äußeren Feinde, gegen die die Bundeswehr im Falle der nationalen Selbstverteidigung vorgeht, etwa wenn im Klten Krieg die „Russen“ gekommen wären, sondern es sind Bundesbürger, die hier aufgewachsen sind und hier leben. Falls diese straffällig werden, indem sie etwa zu den Waffen greifen und andere bedrohen, ist grundsätzlich die Polizei zuständig. Einsätze gegen solche „Kräfte“ sind wenn überhaupt, dann nur in Ausnahmefällen und ganz engen Grenzen für die Bundeswehr erlaubt, und auch nur, wenn die Polizei es nicht merh in den Griff kriegt.

Die Bundeswehr hat die Aufgabe der Landes- und Bündnisverteidigung. Das vor dem Hintergrund, daß sie in Zeiten des Kalten Krieges gegründet wurde, wo dieses Szenario noch sehr wahrscheinich war. Welcher Gegner, der bei Sinnen ist, greift heute noch offen die NATO mit ihrem Militärapparat an? Der letzte Fall, an den ich mich erinnern kann, waren die Argentinier, die die Falklandinseln besetzten. Und da ging Großbritannien alleine in den Krieg, ohne die NATO.

Während also die Bundeswehr kein Feindbild hat und auch die politische Lage in Deutschland nicht derart ist, daß wir sagen könnten, die Polizei sei mit der Aufrechterhaltung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung überfordert bzw daß der Bund und die Länder in ihrer Existenz bedroht seien, während dieser durch und durch friedlichen Situation, werden in deutschen Kasernen Lagen ausgegeben, in welchen Teile des eigenen Volkes als Feinde vorgestellt werden!

Als die Bundeswehr gegründet wurde, machte man sich Gedanken, wie man verhindern kann, daß das Militär wieder derart von einer unrechtmäßigen Regierung mißbraucht werden kann, wie dies im Dritten Reich der Fall war. Eine Konsequenz daraus war das Konzept des Staatsbürgers in Uniform. Während zur Zeit der Weimarer Republik die Soldaten kein Wahlrecht hatten, also quasi außerhalb der Gesellschaft standen, sollten die Bundeswehrsoldaten Bürger sein wie alle anderen, inklusive Wahlrecht und vor allem: Aus allem Schichten und Gruppen. Durch die allgemeine Wehrpflicht sollte (unter anderem) dafür gesorgt werden, daß ein repräsentativer Bevölkerungsschnitt in der Bundeswehr war und es nicht dazu kommt, daß ein politisch homogener Haufen unter Waffen einer heterogenen Bevölkerung gegenübersteht. Dieses Konzept finde ich sehr überzeugend, da solche Armeen sehr schwer für die Interessen einiger Weniger eingespannt werden können. Zu viele Soldaten gehören in dem Fall anderen gesellschaftlichen Gruppen an, und sind wenig motiviert, die Interessen anderer unter Einsatz des Lebens (!) durchzusetzen. Überhaupt sind Soldaten die größten Pazifisten, aber das ist eine andere Dikussion.

Nun hat nach ständiger Verkleinierung der Bundeswehr der Herr Dr. Karl Guttenberg die Wehrpflicht ausgesetzt. Seither geen nur noch die zum Militär, die das wollen, und nicht auch Leute wie ich, die sich schöneres vorstellen können. Und davon ziehen es nicht alle durch. Wie man im genannten Artikel lesen konnte, springt rund ein Drittel wieder ab. Es ist zu erwarten, daß diese Armee viel homogener in ihrer Zusammensetzung sein wird, als es die alte Bundeswehr war. Zu dem Zeitpunkt hört man dann davon, daß es bei Nachtalarmen nicht mehr gegen Rotland geht, auch nicht gegen fiktive Russen und Serben (wozu auch, Serbien strebt ja in die EU und ohne Rußland dürfte es uns im Winter recht klat werden), sondern gegen das eigene Volk.

Gleichzeitig hört man auch von Polizeigewalt bei Demonstrationen, wobei die Täter selten gefaßt werden oder auch nur ermittelt wird. Gleichzeitig hören wir, wie wir abgehört werden nicht nur von den Geheimdiensten unserer demokratischen (!) Verbündeten, sondern auch von den Diensten unserer Regierung, die den Diensten der Verbündeten helfen, die Daten unserer Mitbürger zu sammeln.

Es ist noch nicht so lange her, da trat ein Bundesprsident zurück, weil er geäußert hatte, man könnte die Bundesmarine ja einsetzen, um die deutschen Handelswege im Zweifel freizuschießen, also nicht zur Landes- und Bündnisverteidigung.

Wir leben in einem Staat, der dabei ist, seine Bürger immer genauer zu überwachen, der dabei ist, die Verbindung zwischen Gesellschaft und Militär zu lockern und in dem Minister ohne großen Widerspruch irgendwelche Supergrundrechte proklamieren können, von denen vorher niemals jemand etwas gehört hat. Der Unterschied zur DDR scheint mir immer kleiner zu werden. Während die BRD früher auch institutionelle Sperren gegen eine mögliche Diktatur kannte, werden diese heute, so scheint es mir, mehr und mehr abgebaut (wenn auch nicht wissentlich, hoffe ich zumindest), so daß der Unterschied nur noch darin besteht, daß die Regierung nicht in der Weise wie die DDR Regierung Gebrauch der Möglichkeiten macht, aber noch sind ja auch nicht alle Sperren abgebaut. Im September dürfen wir wählen.

Wehret den Anfängen!

Allgemein

Man könnte heulen

Aus kirchlichen Medien erfährt man davon, allgemeine Medien sind da – nett ausgedrückt – eher zurückhaltend: Die Verfolgung unserer christlichen Glaubensgeschwister in aller Welt. Theodred hat drüber geschrieben und fragt, was man überhaupt tun kann.

Ich mußte unweigerlich an den Machine Gun Preacher denken. Und an den Kirchentag in München. Dort sprach Militärbischof Dutzmann über die Auslandseinsätze der Bundeswehr und die begrenzten Möglichkeiten des Militärischen. Ein Militäreinsatz könne immer nur ein Zeitfenster öffnen, in dem dann wirkliche Hilfe geleistet wird. Militär ist in der Lage, äußere Sicherheit zu bieten, zumindest für eine Weile, aber Militär allein kann kein stabiles System aufbauen.

Ähnliches beschreibt auch der Machine Gun Preacher in seinem Buch. Er trägt Waffen, sein Ziel ist aber, den Kindern zu helfen und ihnen ein sicheres Heim zu bieten.

Doch sind das Lösungsansätze für Ägypten, Nigeria oder Syrien? Militäreinsatz bedeutet auch Krieg, Tod, Leid für hunderte, wenn nicht tausende. Das muß man wollen, um sich die Chance zu erkaufen, etwas zu bessern. Damit ist noch nichts besser.

Also hingehen? Wer geht schon nach Syrien? Was dort machen? Noch ne NGO? Warum nicht, wenn die bisherigen nicht ausreichen? Ein weiterer Tropfen auf den heißen Stein, aber was kann einer schon mehr sein als ein Tropfen. Wir haben aber nur die Verfügungsgewalt über uns selbst, wir können anderen nicht sagen, was sie tun sollen. Zumal, wenn wir nicht mit gutem Beispiel vorangehen (und dann nicht, weil jeder in einer anderen Situation lebt).

Was also tun? Beten kann ein Ansatz sein. Vielleicht helfen Spenden doch ein kleines wenig? Vielleicht hilft es auch, Öffentlichkeit für die Opfer zu schaffen. Es gibt viele Möglichkeiten, bis dazu selbst hinzufahren und sein Leben der Hilfe zu opfern. Ich werde das nicht tun, so edel bin ich nicht. Aber selbst wenn ich es wäre, könnte ich das große Ganze nicht ändern. Das ist Gottes Sache, deshalb bleibt uns letztendlich bei all unserem Tun nichts als auf Gott zu vertrauen. Das fällt uns oft schwer.

Herr, hilf!

Das Wort zum Tag

Tageslosung zum 20.2.2012 (Jos 8, 1)

Fürchte dich nicht und verzage nicht!

Es ist ein Satz, der Mut machen soll – und merkwürdig ist. Wenn ich früher mal eine Spritze bekam oder mir Blut abgenommen wurde, wurde mir gesagt: „Hab keine Angst.“ Da ich dennoch Angst hatte, bin ich einer solchen Aufforderung gegenüber sehr skeptisch. Vielleicht geht es euch ähnlich. Denn Angst ist ja nichts, was ich mir aussuche, die kommt einfach. Doch um Angst geht es hier nicht, sondern um Furcht. Man kann Furcht von Angst dadurch unterscheiden, dass die Furcht rational begründet und auf ein konkretes Gegenüber gerichtet ist.  Man kann sicher darüber streiten, ob die Menschen damals bereits diese Unterscheidung gemacht haben. Auffallend ist jedoch, dass die Formulierung „Fürchte dich nicht und verzage nicht(Luther übersetzt: Lass dir nicht grauen)“ nie ohne einen konkreten Anlass zur Furcht auftaucht, z.B.  im Kontext mit unmittelbar bevorstehenden Kampfhandlungen (z.B. Dtn 1, 21) (z.B. Dtn 1, 21), bezogen auf zukünftige Befreiung Israels uns Jakobs (Jer 30, 10Jer 46, 27) .Situationen, in denen Menschen andere dazu angesichts großer Aufgaben auffordern sind z.B. 1. Chr 22, 13 1. Chr 28, 20  .  Sowohl wenn Gott als auch wenn Menschen sagen: „Fürchte dich nicht und erschrecke nicht“ ist das nie grundloser Befehl, sondern immer verbunden mit Unterstützung angesichts konkreter Gefahren oder Herausforderungen. Wenn wir also den Satz „Fürchte dich nicht und erschrecke dich nicht“ auf uns heute beziehen, so kann man ihn vielleicht so verstehen:

„Rechne angesichts ganz realer Gefahren und Herausforderungen damit, dass du Grund zur Annahme hast, mit dieser Gefahr und Herausforderung nicht allein gelassen zu werden“. Und so verstanden wird mir zumindest dieser Satz tatsächlich zu dem, was er sein soll: Ein mutmachender Satz.

Noch einmal zurück zu den Israeliten. Es wird ihnen also gesagt: „Fürchtet euch nicht vor dem, was vor euch liegt“. Was vor ihnen liegt, ist ein Kampf gegen die Bewohner von Ai. Wenn es uns (oder zumindest mich) heute befremdet, Gott als Berater so unmittelbar in Kampfhandlungen eingebunden zu sehen, muss die damalige Zeit berücksichtigt werden, in denen die Einbindung von Göttern in Kampfhandlungen völlig selbstverständlich war. Und so sehr mich die Einbindung von Gott in Kampfhandlungen befremdet, so freut es mich doch, dass Gott eben auch da ist, wo ich ihn mir nur schwer vorstellen kann. In der ESG gab es einmal einen Abend zur Militärseelsorge in der Bundeswehr. Und es wurde auch die Frage gestellt, wie sich die Kirche am Krieg beteiligen könne. Ich bin der Meinung, die Kirche darf sich nicht an Krieg beteiligen. Sie muss aber für die Menschen vor Ort ansprechbar sein, denn sie dient eben einem Gott, der auch da ist, wo wir ihn uns nicht vorstellen können. (Weitere Infos zur Militärseelsorge: (evangelisch katholisch EKD-Hintergrundinfo)

Nur das Vertrauen darauf, dass Gott eben auch da ist, wo wir ihn uns nicht vorstellen können, macht ein Satz wie „Fürchte dich nicht und verzage nicht“ überhaupt nachvollziehbar.

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Wider Matusseks Polemik

Letzte Woche war Kirchentag, und ja, ich war auch in Dresden. Seit ich wieder zu Hause bin, lese ich immer wieder in der Presse vom Gutmenschentum, der Weltferne, Naivität etc, die auf dem Kirchentag vorherrsche. Und immer wieder ist ein Name damit verbunden: Käßmann.

Matthias Matussek vom Boulevardmagazin SPIEGEL hat nun einen Artikel geschrieben, in dem er sich an Käßman abarbeitet, ihr Polemik vorwirft und ja: Weltfremdheit. Das Übliche halt.

Bei Licht betrachtet ist es aber auch nicht mehr als Polemik, er reißt Zitate aus dem Zusammenhang und verdreht die Dinge. Und wozu? Weil es so leicht ist und en vogue, auf Käßmann zu schimpfen, weil sie sich ideal als Feindbild eignet?

Ich stehe Käßmann ja durchaus auch kritisch gegenüber, doch finde ich sollte eine Kritik mindestens auf gleichem Niveau stattfinden. Das scheint mir bei Matussek nicht der Fall zu sein.

1. Vorwurf: Käßmann sagt, man solle mit den Taliban beten, statt sie zu bombardieren. So Matussek. Sieht man sich den Text der fraglichen Bibelarbeit Käßmanns an (da steht „es gilt das gesprochene Wort“, ich war anwesend nd kann bestätigen, daß es keine Diskrepanz zwischen der Rede nd dem Druck gibt), hört sich das Ganze schon wieder anders an:

Der damalige Wehrbeauftragte Reinhold Robbe, hat mir im vergangenen Jahr gesagt, ich
solle mich doch in ein Zelt setzen und mit den Taliban bei Kerzenlicht beten. Offen
gestanden finde ich, das ist eine wesentlich bessere Idee als die Bombardierung von
Tanklastwagen in Kunduz. Wir wissen doch, dass Frieden letzten Endes nur durch
mühselige, oft schmerzhafte und riskante Versöhnungsprozesse wachsen kann, in denen die
Opfer gehört werden und die Täter Schuld bekennen.

Es war also nicht Käßmann, die auf die Idee mit dem Beten kam, sondern Robbe. Käßmann sagte einzig, daß die Idee besser sei als den Tanklaster in Kunduz zu bombardieren. Daraus abzuleiten, daß Käßmann nun tatsächlich dazu aufriefe, alles im gemeinsamen Gebet mit den Taliban zu lösen, ist dumme Polemik.

Der Tanklastwagen führt mich zum 2. Vorwurf:

Margot Käßmanns indes setzte auf Demagogie. Sie glänzt mit frommem Augenaufschlag vor Tausenden. Sie führte aus, es sei besser zu beten, als Tanklastwagen zu bombardieren. Ach ja? Alles ist besser!

Jeder weiß doch mittlerweile, dass jenes tragische Bombardement ein Versehen war, und dass die Entscheidung dazu getroffen wurde, um einen größeren Anschlag zu verhindern. Käßmann aber behauptet implizit, die irrtümliche Bombardierung von Zivilisten sei in Wahrheit Absicht gewesen und in einer so hellsichtigen Weise getroffen worden, wie man es tut, wenn man sich zum Beten hinsetzt.

Das tragische Bombardement mag ein Versehen gewesen sein, liegt jedoch innerhalb der Logik der Gewalt im Krieg. Dagegen richtet sich Käßmann, nicht daß hier mit Absicht Leid erzeugt wurde. Denn begibt man sich erst einmal in die Logik der Gewalt, in den Krieg, dann ist das Leid schon Folge, egal wie man es dreht und wendet nd wie „sauber“ der Krieg auch geführt wird.

Matussek wendet sich der Frage nach dem gerechten Krieg zu, nachdem er feststellt, daß man sehr wohl für die Taliban beten und sie gleichzeitig bombardieren kann. Hier kann ich gerade noch so mitgehen mit seinem Gedanken. Ja, ich würde sogar soweit gehen, es als christliche Pflicht zu erachten für denjenigen zu beten, den man gerade tötet, wenn man denn schon so weit gekommen ist.

Doch Matussek gleitet ab in eine Pose des gerechten Racheengels:

Es gibt den bellum iustum, den gerechten Krieg. Seit dem heiligen Augustinus dürfen Christen Krieg führen, wenn er dem Frieden dient. Und das Gebet für die Feinde?

An jedem zweiten Sonntag beten auch wir Katholiken in den Fürbitten dafür, dass der Herr uneinsichtige Politiker auf den rechten Weg führe, damit sie für größere Gerechtigkeit sorgen mögen. Das heißt aber nicht, dass wir uns das Wählen schenken sollten. Ganz grundsätzlich: Ich kann für Stalin beten, dass er seine Fehler einsieht, und ihn trotzdem töten, wenn dadurch weitere Gulags verhindert werden. Ich kann für Hitler beten, und dafür, dass er seine Sünden bereut und von Untaten absieht.

Zu der Frage nach dem bellum iustum gibt es nicht nur bei Käßmann, sondern auch bei anderen protestantischen Pfarrern (in diesem Gespräch mit Renke Brahms und Martin Dutzmann, das auch sonst sehr interessant ist beispielsweise) durchaus die Meinung, daß es den gerade nicht gibt, weil Krieg immer schon bedeutet, daß man vorher schon auf ganzer Linie versagt hat und nur noch Schadensbegrenzung betreiben kann, die aber nie per se gerecht ist sondern schon innerhalb der Ungerechtigkeit stattfindet. Um den Frieden zu erhalten, muß vorher gehandelt werden, das wäre gerecht. Kriegerische Gewalt ist nur noch Einschränken der Ungerechtigkeit, kann sie aber nicht aus der Welt schaffen.

Konsequenterweise verkürzt Matussek auch Bonhoeffer geradezu grausam:

Darf ich Hitler trotzdem umbringen, falls er uneinsichtig bleibt? Darf ich das fünfte Gebot brechen, das Tötungsverbot? Der evangelische Märtyrer Dietrich Bonhoeffer hat sich inständig und tief mit diesem Problem auseinandergesetzt, und zwar nicht auf der schick ausgetrommelten Messias-Veranstaltung eines Kirchentages, sondern in der Nazihaft.

Zuerst ist anzumerken, daß Bonhoeffer schon vor seiner Haft im Widerstand war. Die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Tyrannenmord kam bei ihm also vorher. Aber das ist hier unwichtiges Detail (wenn es auch auf die Recherchequalität von Matussek schließen läßt).

Bonhoeffer kam zwar zu der Überzeugung, sich am Tyrannenmord zu beteiligen, aber auch Bonhoeffer war sich bewußt, daß er damit Schuld auf sich laden würde, es also keinesfalls eine gerechte Sache wäre, sondern lediglich eine Einschränkung der Ungerechtigkeit gegen andere, während er dabei Schuld auf sich lädt. Dieser Gedanke ist meiner Meinung nach wichtig. Es gibt hier keine generelle Rechtfertigng für ein gewaltsames Handeln. Also ach keinen bellum iustum.

Matussek kürzt dies ab, um Käßmann eins auszuwischen und sie als Demagogin des „Gutmenschentums“ darzustellen, und ist doch selbst demagogisch, denn Bonhoeffer kam eben nicht zum gleichen Ergebnis wie Augustinus und Thomas von Aquin:

Bonhoeffer ist zu dem gleichen Schluss gekommen wie vor ihm Augustinus oder Thomas von Aquin. Es gibt den gerechten Krieg, und es gibt die moralische Rechtfertigung des Tyrannenmordes.

Es gibt nie eine moralische Rechtfertigung dafür, einem Menschen das Leben zu nehmen, ihm Gewalt anzutun, weil Gewalt moralisch eben nicht Recht ist, osndern höchstens in bestimmten Sitationen geboten, um nicht noch mehr Unrecht aufkommen zu lassen.

Und darum geht es, so denke ich auch Käßmann: Auch wenn wir Soldaten nach Afghanistan schicken, so erreichen wir damit doch keinen Frieden. Den Frieden, den gerechten Frieden, erreichen wir mit ziviler Aufbauarbeit. Dem würde wohl auch ein de Mezière zustimmen. Und in Afghanistan läuft die Lage aus dem Ruder, weil scheinbar nicht genügend zivil aufgebaut wird, so jedenfalls verstehe ich Käßmann, wenn sie sagt: Nichts ist gut in Afghanistan.

Sie macht nicht aus den Soldaten kaltkütige Täter, wie Matussek in einem weiteren Vorwurf sagt, vielmehr macht sie aus dem Souverän Deutschlands, also uns allen, die wir den Bundestag gewählt haben, der dem Mandat zugestimmt hat, wirre Planer. Und ich finde, das kann man sich sagen lassen, wenn es stimmt.

Gab es nicht jahrelang überhaupt keine richtige Strategie zum zivilen Aufbau des Landes? Gibt es die jetzt? Wo und wie findet der zivile Aufbau statt? Wie erfolgreich ist er? Was könnte besser gehen? Wo hakt es? Darüber hört man nichts. Statt dessen: Fokussierung auf den militärischen Teil, auf die toten Soldaten, kontrollierte Gebiete. Was in den Gebieten, die kontrolliert werden, geschieht, hört man kaum. Abgesehen von einigen Meldungen über Drogenanbau.

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Faith or Doubt

Wer kennt diese lustigen, aber nicht so gemeinten, kleinen Comics von Jack Chick? Für alle, die es noch nicht kennen: Es handelt sich um Traktate in Comic Form, inzwischen auch in vielen Sprachen zu haben sind (schon aufm Kölner Kirchentag wurden deutsche Comics verteilt). Dabei bekommt so ziemlich jeder etwas ab, der nicht genau die Ansichten von eben jenem Jack Chick teilt: Protestanten, Katholiken, Freikirchler, Zeugen Jehovas, Mormonen, Muslime, Juden, Hindus etc. Ich denke es ist ziemlich schwer, ihm Einseitigkeit vorzuwerfen (interessant wäre ein Comic über die Westboro Baptist Church, aber die ist dann wohl doch zu klein).

Und wie es halt so ist bei solchen Traktaten, läuft es mehr oder weniger danach ab, daß man eben das Richtige tun muß, wenn man nicht ewig in der Hölle brennen will: Sünden bekennen und sein Leben Jesus übergeben. Tut er das nicht (so wie die Antagonisten der Comics), kommt es unweigerlich dazu, daß man vor Gottes Richterstuhl steht und dann geschockt erfahren muß, daß man von nun an und in Ewigkeit sein Dasein in der Hölle zubringen wird. Werkgerechtigkeit? Auf jeden Fall! Aber nicht, ohne genau das den Katholiken auch noch als Grund vorzuhalten, warum sie in die Hölle kommen.

Soviel zu den Chick Comics. Als ich nun nach längerer Zeit mal wieder auf die Homepage gesehen hab – ich gebs zu, ich nutz die Comics als das was sie sind: Comics, und lach drüber – war da ein Video, und darum soll es hier gehen:

http://www.youtube.com/watch?v=gbhj59j04G4&feature=player_embedded

Faith

Faith or Doubt ist das Motto, unter dem die ganze Sache steht. Faith steht für die King James Bible, eine alte englische Bibelübersetzung, die wie auch Lutherbibeln bis einschließlich der 1912er Revision auf dem Textus Receptus basiert.

Textus Receptus

Der Textus Receptus ist der Bibeltext der Tradition. Vereinfacht gesagt ist es so, daß der Bibeltext immer und immer wieder abgeschieben wurde, und dabei eben auch – Evangelikale werden das nicht gerne hören – Veränderungen vorgenommen wurden. Wenn ein Abschreiber zum Beispiel einen Schreibfehler entdeckt hat, hat er ihn vielleicht ausgebessert. Oder auch wenn es Grammatikfehler gab, manchmal wurde auch der Stil verbessert.

Manchmal waren die Abschreiber aber auch müde, haben Buchstaben verwechselt, Wörter und Zeilen doppelt geschrieben oder übersprungen. Das konnte dann von den nächsten Abschreibern wieder asgebessert werden, so daß es halt wieder einen Sinn ergibt.

Unnötig zu sagen, daß es dabei über die Jahrhunderte natürlich immer mehr Abweichngen entstanden, ach unter den einzelnen Handschriften. Dabei hat sich eine Tradition als ziemlich stark und weit verbreitet herausgestellt. Und diese Texttradition diente Erasms von Rotterdam als Grundlage für seine griechische Bibelausgabe 1516. Ab 1633 wurde diese Ausgabe als Textus Receptus bezeichnet. Wer keine Theologie studiert und es genauer wissen will, kann einiges schon bei Wikipedia lesen, wer sich darüber hinaus Bücher ansehen will, kann sich zum Beispiel die Einführung im NT Graece durchlesen, oder gleich Alands Der Text des Neuen Testaments. Und dann gibt es noch das Arbeitsbuch zum Neuen Testament von Conzelmann/Lindemann, da kriegt man dann auch gleich noch die anderen Schritte der historischen Kritik beigebracht.

Doubt

Doubt steht für all jene Bibelübersetzungen, die sich nicht am Textus Receptus orientieren, sondern per Textkritik möglichst nah an den ursprünglichen Text zu gelangen versuchen und diesen dann als Grundlage für die Übersetzng nehmen, und nicht den Textus Receptus.

Folglich steht auch keine Übersetzung zu 100% fest, es könnten ja immer neue Handschriften auftauchen, die zu ner neuen Textbasis führen. Das ist eigentlich kein Problem, wenn man die Bibel als (durchaus inspiriertes) Buch versteht. Ist die Bibel ein Buch, dann ist es erst einmal auch kein Problem, wenn verschiedene Übersetzungen gemacht werden für verschiedene Zielgruppen.

Ich studiere Theologie, und weil wir da nicht nr stur Dogmen auswendig lernen (eigentlich gar keine, es sei denn man faßt Griechisch-Stammformen als Dogmen auf, und so gesehen bin ich kein Dogmatiker ;)), les ich viele Dinge mit, wenn ich nen Bibeltext lese, die meine Oma nicht mitliest. Ganz einfach weil ich vielleicht schon etwas mehr über die sozialen Hintergründe zur Entstehungszeit der Texte gehört hab.

Dann ist die Frage, wie nah bleibt die Übersetzung am Text. Wenn sie wirklich ganz nahe am Text bleibt, dann wird es für deutsche (und englische und andere auch) Leser schnell unschön zu lesen. Das Griechische benutzt einfach viel mehr Partizipen, zum Beispiel. Dazu gibt es grammatikalische Strukturen, die kann man nicht 1:1 übersetzen. Insofern steht man immer (!) zwischen den Stühlen. Will man einen Bibeltext, der möglichst nah an den Ursprachen ist, oder will man, daß die Übersetzung auch verstanden wird?

Aus all diesen Gründen (und noch vielen weiteren) gibt es heute so viele verschiedene Bibelübersetzungen: Von der Volxbibel über die Einheitsübersetzung bis zur original Lutherbibel.

Wie gesagt: All das ist kein Problem, wenn man die Bibel als Buch versteht, wenn auch als inspiriertes Buch. Aber wie soll man sie denn sonst verstehen?

Der papierne Papst

Völlig anders sieht es aus, wenn man von der Bibel erwartet, einem alle Antworten zu liefern. Wenn sie zum Handbuch und Orakel für ein gottgefälliges Leben gemacht wird (am besten noch per Bibelstechen).

So verlangt man etwas von der Bibel, das sie nicht leisten kann oder sollte. Denn mal ehrlich: Wenn die Bibel alle Antworten liefert tritt sie dann nicht als Mittler zwischen uns und Gott, als Verkündigerin des göttlichen Willens, vielleicht gar noch als einzige? Wo bleibt Gott, wenn die Bibel seinen Platz zugewiesen bekommt? Und inwieweit sind allein as der Bibel abgeleitete Regeln die Regeln, die man selbst in die Bibel reingelesen hat? Gerade heute hab ich irgendwo gelesen:

Jesus sprach nie über Homosexualität. Es gibt 12 (?) Verse in der Bibel, die sich irgendwie mit dem Thema befassen, aber stark vom Kontext abhängen, und es gibt riesige Kontroversen darüber. Es gibt aber tausende Stellen zur Armut in der Bibel, und die nimmt keiner in den Fokus.

Ich denke, daß wer von der Bibel 100% richtige Antworten erwartet, damit er seinen gottgegebenen Verstand ausschalten und im Atopilot funktionieren kann, der macht etwas falsch. Er verweigert die Verantwortung, die ihm übertragen ist (ja, von Gott) nd versucht Gott loszuwerden, indem er immer genau macht, was gefordert ist. Ein ähnliches Verhalten kenn ich von der Bundeswehr:

Nicht auffallen!

Wer beim Bund immer gleich gemacht hat, was erwartet wurde, mußte sich nicht mehr als unbedingt nötig mit den Vorgesetzen aseinandersetzen, mußte nicht diskutieren und riskierte nichts. Beim Bund war dieses Verhalten erwünscht, aus mehreren Gründen (die ich zum Teil nachvollziehen kann). Aber sieht so die lebendige Beziehung zu unserem Schöpfer und Erlöser aus? Das wäre furchtbar!

Falsche Alternativen

Überhaupt sind es falsche Alternativen, die hier aufgemacht werden: Auf der einen Seite der Glaube, der fest steht und nicht wackelt, auf der anderen Seite der Zweifel und die Gefahr, etwas falsch zu verstehen und in der Konseqenz dann in die Hölle zu kommen. Denn letztendlich geht es ja genau darum, daß die Macher der Seite einen Weg suchen, die Hölle sicher zu vermeiden. Sonst würde der Glaube reichen, und man brächte nicht noch die richtige Bibel etc, aber ich sagte ja schon: Werkgerechtigkeit.

Ich habe die Erfahrung gemacht, daß Glaube und Zweifel zusammen gehören. Und Zweifel, oder altdeutsch: Anfechtung, ist auch nichts per se schlimmes. Der Glaube kann daran wachsen und für mich stellt es sich so dar, daß der Kern des Glaubens sich immer klarer darstellt.

Doch wenn Glaube und Zweifel auf einer Seite sind, was ist dann auf der anderen Seite? Ich meine es ist die Sicherheit, das Wissen. Wissen und Sicherheit sind das Gegenteil von glaubendem Zweifel und zweifelndem Glauben.

Sicherheit, daß man immer das richtige tut und Gott nicht ärgert. So wird das Wissen um das Richtige überlebensnotwendig. Wer nicht weiß, was Gott will, landet womöglich in der Hölle, weil er ohne dieses Wissen nicht tun kann, was Gott von ihm verlangt. Unter Umständen tut er genau das Falsche.

In seiner Angst klammert er sich an einen Text, den er für die göttliche Anleitung für alle Lebenslagen hält. So kann er Gott in die Tasche stecken und sich beruhigen. Denn er weiß, was in der Bibel steht und so weiß er auch, was Gott will. Man stelle sich das vor: Das ist wie wenn ein Soldat den Reibert mit dem Stuffz vertauscht, wenn wir schon beim Thema Bundeswehr waren.

Wer sich statt Gott auf die Bibel verlassen will, macht einerseits irgendwo einen Gegenstand zu seinem Gott, ob bewußt oder unbewußt. Und damit, weil er den Gegenstand ja kennt und beherrscht, er kennt ja seine Bibel, macht er sich selbst zm Gott.

Auf der anderen Seite ist da diese Angst, die aus alledem spricht: Angst vor der Hölle. Angst, daß Glaube allein nicht reicht, daß es ein echter, ein richtiger Glaube ist, ein perfekter Glaube. Daß man immer tut, was Gott will, um ja nicht mit der Hölle bestraft zu werden.

Als ob Christus nie am Kreuz gehangen hätte: Die Angst, ein Sünder zu sein. Die Angst, Gott etwas schuldig zu sein, auf Seine Gnade angewiesen zu sein.

Paradox

Es ist schon paradox: Gleichzeitig Selbstvergöttlichung und Angst vor der Strafe des wirklichen Gottes. Es ist aber auch menschlich, und ganz normal. Der Mensch ist ein Sünder und als solcher will er eben gena das nicht wahrhaben. Er will auf eigenen Beinen stehen, nur sich selbst verantwortlich sein und niemandem etwas schuldig bleiben, schon gar nicht einem starken Konkurrenten um den Gottestitel. Bleibt man dem wahren Gott etwas schuldig ist ja damit geklärt, wer wirklich Gott ist.

Darin liegt die Angst: Entgöttlichung des selbstvergöttlichten Menschen bedeutet eben auch Kontrollverlust des Menschen über die Situation, sein Leben. Er muß sich eingestehen, daß er nicht selbst für sein Wohl sorgen kann. Nicht in letzter Instanz. Das verunsichert, es macht Angst. Ohne Vertrauen in Gott ist es nicht auszuhalten. Vertrauen ist aber nicht Sicherheit. Vertrauen ist Glaube.

Eingehen auf Suchbegriffe

Wofür lohnt es sich Soldaten ins Ausland zu schicken?

… so eine Suchanfrage, durch die jemand auf meinen Blog kam. So gefragt würde ich sagen: Für gar nichts!

Denn einen Lohn, also Profit, aus dem Einsatz der Soldaten zu ziehen, der notwendigerweise mit deren Tod rechnen muß (auch wenn dies mit allen Mitteln zu vermeiden gesucht wird – es sind immer noch Soldaten!), ist ein abscheulicher Gedanke.

Wo um des Profits Willen Militär zum Einsatz kommt, werden aus Soldaten Söldner, deren Leben auf den Wert festgesetzt wird, der als Lohn erwartet wird.

Denkt man so, dann ist ab einem gewissen Preis der Einsatz der Soldaten Söldner nicht mehr gerechtfertigt, und man zieht ab, um nicht einen größeren Verlust zu realisieren. Das Denken ist ein Ökonomisches, der Mensch, der da eventuell stirbt, zählt nicht.

Deshalb war die Empörung über den zurückgetretenen Bundespräsidenten Köhler gerechtfertigt, als dieser über den Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung der Handelswege nachdachte. Das würde die Bundeswehr zum Werksschutz der Wirtschaft degradieren.

Damit man mich richtig versteht: Mir ist durchaus bewußt, daß von freien Handelswegen unser Wohlstand abhängt. Die Frage die ich stelle ist lediglich: Wieviel Wohlstand ist ein Soldatenleben wert? Und wenn zwei nicht aus dem Einsatz zurückkommen? Eine Antwort muß zynich sein!

Der Einsatz militärischer Macht ist dann gerechtfertigt, wenn damit höhere Werte durchgesetzt werden und das nur dann, wenn es sich tatsächlich um einen höheren Wert handelt. Was unter einem solchen höheren Wert zu verstehen ist, ist wieder Gegenstand einer weiteren Diskussion, wobei es zu bedenken gilt, daß die Definition solcher Werte demokratisch und freiheitlich geschehen muß, wenn sie tragen soll. Ansonsten besteht sehr schnell die Gefahr, daß es sich nicht um höhere Werte handelt, sondern eine Gruppe ihre Profitinteressen gegen den Rest durchsetzt, und dabei ist es nicht von Belang, wie groß diese Gruppe ist. Wenn die Mehrheit in der Gesellschaft für einen Angriffskrieg zur Sicherung der Ölversorgung stimmt, wird daraus kein höherer Wert, und die Söldner werden nicht zu Soldaten.

Natürlich stellt sich die Frage, ob es sich nun bei den Einsätzen der Bundeswehr um höhere Werte handelt, oder um Profiterzielung. So kann man sagen, der höhere Wert „nie wieder Auschwitz“ stehe hinter dem Einsatz im Kosovo, man könnte auch behaupten es geht um Machtinteressen und Einflußsphären auf dem Balkan.

Ähnliche Überlegungen kann man anstellen bei Bosnien, Afghanistan, dem Horn von Afrika, Osttimor, Kongo, Somalia… Mir geht es nicht darum, zu entscheiden, in welchem Fall es sich um was handelt, darüber liese sich in jedem Fall gut und lange diskutieren, wahrscheinlich oft ohne Ergebnis. Mir geht es darum einen Anhalt anzubieten für die Beantwortung der Frage, wann sich die Entsendung von Soldaten „lohnt“.

Man könnte nun behaupten: Militäreinsätze seien in jedem Fall profitorientiert und höhere Werte existierten an sich nicht. Dies würe doch dann auch bedeuten, daß man gegenüber Diktaturen nicht sagen könnte, sie seien Unrecht, da man mit den höhren Werten auf der positiven Seite auch das Unrecht auf der negativen Seite negiert hat, alles wäre demnach gleich gut oder schlecht.

Sagt man nun, es gebe die höheren Werte zwar, aber die seien es nicht wert, dafür Menschenleben zu opfern, so kommt man wieder ins Profitdenken und muß sich fragen, welcher Wert wie viele Menschenleben „kosten“ darf.

Höhere Werte in diesem Sinne müssen absolut gesetzt werden, sonst sind sie keine, und lassen Kosten-Nutzen Rechnungen zu, die, wie oben schon gesagt, notwendig zynisch werden.

Die Frage ist also nicht, wofür es sich lohnt, Soldaten ins Ausland zu schicken, sondern, ob es irgendetwas gibt, das wir als Gesellschaft für so wertvoll erachten, daß wir in dem Fall keine Kompromisse eingehen und im letzten Schritt (ultima ratio) auch zur Waffengewalt greifen. Denn ist ein Kompromiss möglich, so ist dieser immer der Gewalt vorzuziehen.

Martin Dutzmann, der evangelische Militärbischof , geht davon aus, daß es solche höheren Werte gibt, oder zumindest geben kann. Allerdings hält er auch eine Diskussion in der Gesellschaft darüber für nötig (wobei allein Mehrheitsabstimmungen nicht tragen), wie er beim Gespräch auf dem Kirchentag in München sagte.

Die Diskussion hat kaum begonnen, eher gibt es eine Diskussion um die „Kosten“ der Einsätze in Euro und Menschenleben. Vielleicht liegt es an der Durchökonomisierung der Gesellschaft, daß alles seinen Preis hat. Gut finden muß man das noch lange nicht.

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Bundeswehr

Die Bndeswehr steht nach Tagesschau und evangelisch.de vor der größten Reform ihrer Geschichte. Und schon ist die Rede davon, daß es mit Landesverteidigung alleine nicht getan sein wird. Als Ziel wird ausgegeben, in Zukunft Auslandseinsätze besser stemmen zu können.

Es ist ja tatsächlich so, daß die Bundeswehr in all den Jahrzehnten, in denen die Invasion „des Russen“ erwartet wurde (und auch danach als nicht mehr so klar war, gegen wen man sich verteidigen müßte) und doch ausblieb, eben wegen dieses Ausbleibens ihre ganze Schlagkraft nicht anwenden konnte. „Glück gehabt“ möchte man laut hinausschreien. Doch nun kommt die Veränderung: Kleiner soll die Armee werden, schlagkräftiger, spezialisierter auf die kommenden Aufgaben.

Es stell sich die Frage, welche Aufgaben das sein werden. Zuvorderst natürlich die Einsätze in Ex-Jugoslawien, am Hindukusch und am Horn von Afrika, was detsche Soldaten in den letzten Jahren allgemein so tun, wenn sie nicht zu Hause in der Kaserne sind und Autos grün anmalen (und das ist in keinster Weise provozierend gemeint, ich denke die meisten tun einen guten Job, zu Hause wie im Einsatz).

Doch auch andere Aufgabenfelder könnten zur Diskussion stehen. So wäre unter Umständen eine Truppe, die auf Auslandseinsätze und Aufstandniederschlagung spezialisiert ist (so was in der Art wird man ja wohl brauchen) auch gut geeignet um bei Castortransporten für Ruhe und Ordnung zu sorgen, etwa durch Einsatz von schwerem Gerät. Da können die Wendlandbauern ihre Trekker dann einpacken. Vor diesem Hintergrund ist auch kritisch zu bedenken, wie sich die geplante Aussetzung der Wehrpflicht auswirkt auf das ursprüngliche Ziel, bei der Bundeswehr einen Qerschnitt durch die Gesellschaft zu haben und somit eine gesellschaftliche Kontrolle zu schaffen? Dieser Durchschnitt durch die Bevölkerung schien mir schon früher nicht gegeben, als ich um die Jahrtausendwende meinen Dienst leistete, durch die Aussetzung der Wehrpflicht wird sich die Gruppe derjenigen, die den Beruf des Soldaten ergreifen weiter einengen. Das wird sich langfristig auch auf die „Betriebskultur“ innerhalb der Bundeswehr auswirken. Eine gesellschaftliche Kontrolle wird so immer weniger gegeben sein.

Doch nicht nur die Anti-Atom Bewegung und Stuttgart 21 Gegner könnten zu neuen Aufträgen der Bundeswehr werden. Es war in der Vergangenheit öfters die Rede vom Verteidigen deutscher Wirtschaftsinteressen. Einen Bundespräsidenten hat ns das Thema schon gekostet.

Wir haben also eine Armee, die so nicht weiter bestehen kann. Darüber sind so ziemlich alle einig. Dann haben wir aber auch verschiedene Begehrlichkeiten, wo und wie diese Armee denn nun sinnvoll eingesetzt werden soll, wenn schon nicht zur Abschreckung „des Russen“ (oder Rotland oder Grünland).

Ich denke es ist Zeit, für eine breite gesellschaftliche Diskussion darüber, was die Bundeswehr denn leisten soll, was sie dazu braucht, ob wir sie überhaupt brauchen, oder ob wir alles komplett umgestalten wollen und Weltpolizei spielen (nicht mein Favorit, aber ich gehe davon aus, daß es auch diese Position gibt also nenne ich sie). Wir sollten wissen, was wir wollen, und ob wir bereit sind, die Folgen zu tragen (etwa in Form immer neuer Särge aus dem jeweiligen Einsatzgebiet, ob Wendland oder Helmland). Und wenn wir einen Konsens in der Gesellschaft erreicht haben, mß der Umbau der Bundeswehr erfolgen und entsprechend dann auch eine Grundgesetzänderung. Im Moment scheint es zwar noch so zu sein, daß die Auslandseinsätze alle noch irgendwas mit dem GG zu tun haben (spätestens beim Kosovokrieg bin ich skeptisch), doch wenn die Bundeswehr irgendwann derart umstrukturiert ist, daß sie die klassische Landesverteidigung gar nicht mehr anstrebt nd daz nicht mehr in der Lage ist, gibt es nach meiner unjuristischen Einschätzung eine Diskrepanz zum GG. Deshalb bin ich hier für klare Worte, damit die Demonstranten morgen ach wissen, warum sie sich mit einer Haubitze konfrontiert sehen, und nicht einem Polizeibus…

Update: Der Bund deutscher Kriminalbeamter fordert nun auch schon den Einsatz der Feldjäger im Polizeidienst. Wieso unterscheiden wir noch zwischen den verschiedenen Sicherheitsbehörden?

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Friedensethik

Bevor es zu lange zurückliegt will ich hier kurz vom Kirchentag berichten und einem Thema, das sich mir dort aufgedrängt hat:

Der SeTh hatte auf seinem Messestand beim Kirchentag zum Gespräch mit dem evangelischen Militärbischof Dr. Dutzmann eingeladen. Interessiert an Friedens- und politischer Ethik, bin ich dahin getingelt und hab zugehört, wie und was er zu den Fragen meiner Kommilitonen zu sagen hatte. Der Bischof hat einen guten Eindruck auf mich gemacht, vor allem blieb folgende Idee in meinem Gedächtnis:

Wie wäre es, wenn der Bundestag bei der Mandatierung eines Auslandseinsatzes nicht nur die militärische Seite mandatiert (das muß er ja), sondern auch den zivilen Anteil? Will sagen: Der Bundestag soll nur noch Soldaten in den Einsatz schicken, wenn er sich gleichzeitig festlegt, mit welchen zivilen Mitteln der Frieden in der Zielregion gesichert wird, also etwa in Afghanistan oder auch in Ex-Jugoslawien.

Die zivile Seite muß der Bundestag nicht mandatieren, und so hat er auch keine Übersicht über das, was in Afghanistan erreicht wurde. Will man wissen, was dort auch an Positivem geschieht, muß man sich bei Leuten informieren, die ihre eigenen Kanäle nutzen um Informationen zusammenzutragen und evtl. auch nicht alles erfassen was gut geht und was scheitert.

Bei Madatierung und finanzieller Ausstattung der zivilen Seite des Aufbaus in einem Krisengebiet wäre es wohl leichter zu evaluieren, ob ein Einsatz noch Sinn ergibt. Die Regierung könnte nicht einfach Soldaten losschicken, ohne sich Gedanken zu machen, was eigentlich Ziel der Übung ist und die Soldaten wüßten, wofür sie Kopf und Kragen riskieren.

Auch die Bevölkerung wüßte, wozu wir unsere Soldaten im Ausland töten und sterben lassen und es könnte sich eine gesellschaftliche Diskussion entfalten, ob und unter welchen Umständen wir das wollen oder zumindest hinnehmen. Die Politik wäre gefordert, Verantwortung zu übernehmen für das Zielgebiet. Man könnte nicht einfach auf internationalen Druck Soldaten senden um weiterhin mitreden zu können, man würde tatsächlich mitreden und die Gestaltung der Situation im Krisengebiet in Richtung einer Verbesserung angehen. Ob und in welcher Art man dies gut findet, was die Regierung in dem Fall tut, kann man immer noch über die Wahlen ausdrücken, es sind sich nicht alle einig welche Ziele und Mittel man wählen muß um eine Zivilgesellschaft zu etablieren, die nach meiner momentanen Ansicht (ich arbeite mich immer noch ins Thema ein) Grundlage für eine Stabilisierung der Situation ist (die Demokratie kann höchstens gegen Ende der Entwicklung ins Blickfeld kommen, eine Zivilgesellschaft ist auch in undemokratischen Staaten zu haben und kann ein erster Schritt zur Demokratie sein).

Was mir jedoch durchaus schlüssig erscheint ist, daß es ein „weiter so“ nicht geben kann. Wir brauchen die Diskussion über den Einsatz in Afghanistan in der Bevölkerung, am Besten noch bevor die neue Strategie greift, die Soldaten wieder vermehrt auf die Bevölkerung zugehen und die Panzerwagen verlassen und wir größere Verluste zu erwarten haben. Die Taliban wissen schließlich auch vom Strategiewechsel, und sie wissen um die Haltung der deutschen Bevölkerung, deshalb werden vor allem deutsche Soldaten im Visier stehen, um einen übereilten Abzug der Deutschen zu erwirken.

Wichtig im Kopf zu behalten ist, was auch bei einer Kirchentagsdiskussion zur Friedensethik gesagt wurde (ich hab leider vergessen, von wem):

Das Militär kann für einen begrenzten Zeitraum dafür sorgen, daß nicht geschossen wird und so einen Sicherheitsraum schaffen, in dem humanitär gearbeitet wird.

Dieses Zeitfenster scheint sich für Afghanistan zu schließen. Deshalb ist es höchste Zeit, sich Gedanken zu machen, wie man die relative Ruhe ausnutzt, um für Stabilität zu sorgen, und das geht nur zivil. Nach immer wieder genannten Verhältnissen von Militär zu Zivil bei der Konfliktlösung, wurde immer wieder ein Verhältnis von 20:80 genannt, wobei nicht klar wurde, ob sich diese 20% Militär gegenüber 80% zivilem Aufbau auf die finanziellen Kosten oder andere Größen beziehen soll.

Aus all diesen zugegeben noch unsortierten Gedakengängen stellte sich mir nun die Frage, ob diese Mandatierung eines Militäreinsatzes durch den Bundestag im Zusammenhang mit der Mandatierung eines zivilen Einsatzes (Polizeiausbildung, THW, NGOs, whatever…) in das Grundgesetz geschrieben werden sollte, wobei ich mir bei der Formulierung und der Art der Aufnahme ins GG noch absolut unsicher bin.

Deshalb auch dieser Artikel, falls irgendwer sich Gedanken zu der Materie macht und hier kommentieren will, fänd ich das super (falls hier überhaupt noch wer mitliest). Meine Vision ist die, daß wir, wenn wir schon die Bundeswehr ins Ausland schicken, gleichzeitig dafür sorgen, daß ihr Auftrag klar ist und die Soldaten auch wissen, wofür sie den Kopf hinhalten und schließlich auch die Bevölkerung der Zielregion den Nutzen von der ganzen Geschichte hat (das kann man dann auch mal für den Fall der somalischen Piraten durchdenken).

Am wichtigsten finde ich jedoch, daß wir, das Volk, uns darüber austauschen, was wir in Bezug auf die Auslandseinsätze wollen, was wir für hinnehmbar halten, was wir erreichen wollen indem wir unsere Steuergelder und das Leben unserer Soldaten einsetzen etc, und daß die Politik nicht weiter mit Herumdrucksen und Ähnlichem die Probleme umschifft, die Wählerstimmen kosten könnten. Bei aller Indirektheit unserer Demokratie in Deutschland sind schließlich wir, das Volk, der Souverän des Landes, und wir tragen die Verantwortung für das, was getan wird, auch für jeden toten Soldaten und jeden toten afghanischen Zivilisten. Deshalb sollten wir, meiner Meinung nach, diese Verantwortung auch übernehmen und die Politik zwingen, Farbe zu bekennen, damit wir diejenigen in unsere Parlamente delegieren können, die wir am geeignetsten halten.

Kommentare sind herzlich willkommen, ich bin hier gerade selbst noch mitten im Meinungsbildungsprozess. Aber ich denke, es muß etwas getan werden. Wir müssen was tun. Ich muß was tun.

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Lk 15, 1-7:

1 Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören.

2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen.

3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste läßt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet?

5 Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude.

6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.

7 Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

Buße anzunehmen ist ein schwieriges Thema. Jetzt weniger bei Gott als in der Gesellschaft. Kann man jemandem trauen, der behauptet, sich geändert zu haben? Soll man sich auf ihn verlassen? Will er vielleicht das Vertrauen erschleichen, um dann noch größeren Schaden anzurichten?

Nachdem mit Bodo Thiesen und dem Interview von Andi Popp in der Jungen Freiheit die Piratenpartei in das rechte Spektrm gerückt wurde, geht die Hexenjagd weiter:

In Niedersachsen gibt es ein Piratenmitglied, das bis vor 5 Jahren noch aktiv in rechtsextremen Kreisen war. Grund genug für einen weiteren Artikel, der vor einem Rechtsruck bei den Piraten warnt, wenn nicht gar einen solchen unterstellt.

Gewisse Kreise haben scheinbar ein Interesse daran, die Piraten, die andere Ziele als sie verfolgen, ebendiese durch die Nazikeule mundtot zu machen. Dabei offenbart sich für mich nicht, daß die Piraten rechtsextrem wären, sondern eben der Extremismus der Kritiker.

Ein Stück weit kenne ich das. Nach dem Abi stand für mich damals die Frage auf der Tagesordnung: Bund oder Zivi. Ich hatte mich mit dem Konzept der Bundeswehr und ach des GG etwas vertraut gemacht. Grundidee ist der Bürger in Uniform. Dadurch, daß die Bundeswehr einen Querschnitt durch die Gesellschaft darstellt, sollen extreme Kreise dort nicht zu viel Macht erhalten. Das wäre gefährlich, weil die hätten die Waffen und wüßten, wie man sie benutzt.

Nun sagt ach unser Grundgesetz, daß zum Wehrdienst herangezogen werden kann, wer keine Gewissensgründe vorbringen kann, die ihm den Dienst unmöglich machen.

Ich überlegte also: Ich hatte keine Gewissensbisse bei dem Gedanken, mein Leben oder das meiner Freunde oder Familie dadrch zu retten, daß ich den Angreifer erschieße. Heute denke ich etwas anders darüber, doch damals war mir klar: Gewissensgründe hast Du nicht.

Ende der 90er waren ach Videos aufgetaucht, die dokumentierten, daß es rechte Tendenzen in der Bundeswehr gab. Ich weiß noch, daß ich in der Grndasbildung als Reaktion darauf dazu gedrillt wurde, beim melden immer nur den linken Arm zu heben.

Jedenfalls war für mich klar, wenn die Bundeswehr nicht rechtslastig werden soll, müssen auch links eingestellte Bürger da rein, eben um den Bevölkerungsdurchschnitt so weit wie möglich zu gewährleisten. Also verweigerte ich nicht.

Dies wurde mir dann später äußerst negativ ausgelegt, als ich mit der Freundschaftsgesellschaft Berlin-Kuba für ein halbes Jahr nach Kuba wollte, um das Land kennen zu lernen, mein Spanisch zu verbessern und einfach mal zu sehen, wie das Leben dort so ist. Aus der Sache wurde nichts. Mir wurde zu verstehen gegeben, daß die politischen Ansichten nicht zusammenpassen würden. Dabei hat man mich gar nicht zu meinen Ansichten gefragt, jedenfalls nicht offen. Jedenfalls schien man zu dem Schluß gekommen zu sein, daß jemand, der seinen Wehrdienst geleistet hat zumindest so weit rechts steht, daß er nicht nach Kuba paßt. Heute seh ich das Ganze auch etwas mit anderen Augen, ich war damals noch sehr naiv gegenüber dem linken Rand, inzwischen sehe ich, daß die Linksextremen keinen Deut besser sind als die Nazis. Naja, man muß alles erst lernen.

Doch zum Lernen ist es auch nötig, Fehler machen zu dürfen, denn am Meisten lernt man aus Fehlern. Der Pirat aus Niedersachsen, der im rechtsradikalen Raum wohl ziemlich bekannt war, sagt offen, daß er sich distanziert hat von seinen damaligen Einstellungen. Von linker Seite wird er trotzdem als potentieller Nazi gesehen, mit dem man keinen Kontakt haben darf, weil solche Menschen schlechter Umgang sind.

Da lob ich mir den christlichen Glauben, der die Vergebung lehrt. Sicher, man kann nie sicher sein, daß jemand nicht doch noch rückfällig wird. Aber es gibt auch keine Sicherheit, daß vertraute Bekannte auf einmal sich in eine Richtung entwickeln, die einen nur noch zum Kopfschütteln bringt. Gott eröffnet dem Menschen mit der Buße die Möglichkeit zur Umkehr, eines Neuanfangs, ohne zurücksehen zu müssen. Ähnliches tut die Piratenpartei auf weltlicher Ebene mit der Unschuldsvermutung.

Die etablierten Kräfte in der Gesellschaft scheinen jedoch von der Angst gelähmt, ja nicht dem Falschen zu vertrauen, so daß sie gar nicht die Möglichkeit in Betracht ziehen, daß sich ein Mensch ändern kann. Damit spalten sie die Gesellschaft und damit wird ein Zusammenleben auf lange Sicht hin immer schwerer. Das bezieht sich nicht nur auf ehemalige Nazis, sondern auf alle extremen Einstellungen. Die Gesellschaft läßt oft eine Rückkehr nicht zu, und fragmentiert sich somit. Die Piratenpartei scheint, neben der Kirche, die das Prinzip der Vergebung aber nicht so stark macht wie sie eigentlich könnte, begriffen zu haben wie man Menschen einen Neuanfang bietet. Hoffentlich bleibt es so und sie paßt sich nicht so schnell dem gesellschaftlichen Druck der Angst an. Das würde vielen Menschen die Rückkehr in die Mitte der Gesellschaft ermöglichen.

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Wie christlich ist die Union?

Heute ist Bundestagswahl, und daher will ich den Zeitpunkt nutzen, mal über ein Thema zu schreiben, das mich schon ne Weile beschäftigt: Wie christlich ist die Union.

Heute werde ich wohl nicht mehr all zu viele Leute erreichen, wenn überhaupt, und die nächste Wahl ist nie so weit weg wie am Wahltag, also ist heute wohl der Tag, um am unaufgeregtesten diese Frage stellen zu können. Es geht um nichts.

Es wird ja immer wieder davon gesprochen, daß die Union sich am christlichen Menschenbild orientiere nd daher das C zu Recht im Namen trage. Ich weiß jetzt nicht genau, wo definiert ist, was die Union unter einem christlichen Menschenbild versteht. Eine schnelle google Suche hat mich hierher gebracht:

Ministerin Kramp-Karrenbauer sagte, das Verständnis des Menschen als ein Ebenbild Gottes sei der Grundsatz christlich-demokratischer Politik. Der Mensch habe in jeder Situation seine eigene Würde, die ihm nicht zu nehmen sei; daraus folge, dass jede Politik die Maxime habe, mit dieser Würde umzugehen.

Ist ja schon einmal etwas um anzufangen. Allerdings ist mir das etwas einseitig, und vielleicht wird das in der nion wirklich so begrenzt gesehen, was mit ein Grund für die Punkte sein könnte, die ich zu kritisieren habe.

Meiner Meinung nach steht der Gottesebenbildlichkeit und der Würde des Menschen als Kind Gottes gegenüber, daß alle Menschen Sünder sind.

1. Mose 8,21:

Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe.

Hiob 14,4:

Kann wohl ein Reiner kommen von Unreinen? Auch nicht einer!

Psalm 14,3:

Aber sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben; da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht „einer.“

Psalm 5,10:

Denn in ihrem Munde ist nichts Verlässliches; ihr Inneres ist Bosheit. Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen heucheln sie.

Psalm 10, 7-11:

Sein Mund ist voll Fluchens, voll Lug und Trug; seine Zunge richtet Mühsal und Unheil an. Er sitzt und lauert in den Höfen,  er mordet die Unschuldigen heimlich, seine Augen spähen nach den Armen. Er lauert im Verborgenen wie ein Löwe im Dickicht,  er lauert, dass er den Elenden fange; er fängt ihn und zieht ihn in sein Netz. Er duckt sich, kauert nieder, und durch seine Gewalt fallen die Unglücklichen. Er spricht in seinem Herzen: »Gott hat’s vergessen, er hat sein Antlitz verborgen, er wird’s nimmermehr sehen.«

Psalm 140,4:

Sie haben scharfe Zungen wie Schlangen, Otterngift ist unter ihren Lippen.

Jesaja 59, 1-8:

Siehe, des HERRN Arm ist nicht zu kurz, dass er nicht helfen könnte, und seine Ohren sind nicht hart geworden, sodass er nicht hören könnte, sondern eure Verschuldungen scheiden euch von eurem Gott, und eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch, dass ihr nicht gehört werdet. Denn eure Hände sind mit Blut befleckt und eure Finger mit Verschuldung; eure Lippen reden Falsches, eure Zunge spricht Bosheit. Es ist niemand, der eine gerechte Sache vorbringt, und niemand, der redlich richtet. Man vertraut auf Nichtiges und redet Trug; mit Unheil sind sie schwanger und gebären Verderben. Sie brüten Natterneier und weben Spinnweben. Isst man von ihren Eiern, so muss man sterben, zertritt man sie aber, so fährt eine Schlange heraus. Ihre Gewebe taugen nicht zu Kleidern, und ihr Gespinst taugt nicht zur Decke. Ihre Werke sind Unheilswerke, an ihren Händen ist Frevel. Ihre Füße laufen zum Bösen, und sie sind schnell dabei, unschuldig Blut zu vergießen. Ihre Gedanken sind Unheilsgedanken, auf ihren Wegen wohnt Verderben und Schaden. Sie kennen den Weg des Friedens nicht, und Unrecht ist auf ihren Pfaden. Sie gehen auf krummen Wegen; wer auf ihnen geht, der hat keinen Frieden.

Römerbrief 3,23:

sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten,

Man sieht also, daß zumindest der Bibel das Sündersein des Menschen nicht fremd ist. Insofern sollte man, denke ich, wenn man von einem „christlichen“ Menschenbild redet, nicht nur die schönen Teile, Gottesebenbildlichkeit und Menschenwürde nennen, sondern ach den negativen Teil. Das wäre ehrlich. Wobei ich wie gesagt noch keine Definition seitens der Union gefunden habe. Vielleicht gibt es die ja und sie bedenken das Sündersein entsprechend. Was mir aber auffällt ist, daß die tatsächliche Politik der CDU/CSU dies nicht beachtet, zumindest nicht immer. Als Beispiel möchte ich den derzeitigen Bundesinnenminister mit einigen seiner Ideen nehmen, doch zuerst zu etwas Grundsätzlichem:

Der freie Rechtsstaat westlicher Prägung baut auf der Gewaltenteilung auf. Dies steht im Zusammenhang mit dem christlichen Menschenbild in der Art, daß unter der Prämisse des Sünderseins Macht an einer Stelle konzentriert Tür und Tor öffnet dafür, daß das Volk (oder neudeutsch. die Bevölkerung) unter den Verfehlungen eines Menschen oder einer kleinen homogenen Grppe leidet. Wo Macht kontrolliert und beschnitten ist, können die Verfehlungen eines oder weniger Sünder nicht alle in Mitleidenschaft ziehen. Deshalb ist eine Aushöhlung der Gewaltenteilung aus christlicher Sicht nach meinem Dafürhalten schon scharf zu kritisieren. Nun zu Schäuble:

Da wäre zuerst einmal das Papier, das vor kurzem aus seinem Ministerium geleakt wurde. Auch wenn es nicht auf Schäuble direkt zurückgeht zeigt es doch an, in welche Richtung gedacht wird. Und zwar in Richtung Kontrolle. Und zwar Kontrolle des Staates über die Bürger. Damit etabliert man das, was man in der Informatik einen single point of failure nennt: Einen einzigen Punkt, an dem das ganze System ausgehebelt werden kann. In der Informatik gilt dies als schlechte Architektur, und auch in der Politik ist der Gedanke eigentlich unerträglich, daß nur der entsprechende Minister ein bißchen undemokratisch drauf sein muß, um sich große Gefahren einzuhandeln. Ich möchte Herrn Schäuble nichts unterstellen, aber bis heute abend ist noch vollkommen offen, ob nicht aufgrund der Wirtschaftskrise radikalere Kräfte an die Macht kommen. Oder wenn nicht jetzt, dann vielleicht bei den nächsten Wahlen. Dies ist aber alles erst mal nur Politik.

Den Bereich der Religion, in dem die Union mit dem C fischt wird aber berührt, wenn suggeriert wird, man könne, durch welche Maßnahmen auch immer, mehr Sicherheit schaffen. Sicherlich gibt es Maßnahmen, die mehr Sicherheit schaffen, aber wir können als fehlbare Menschen nie 100% Sicherheit schaffen. Und solange man nicht 100% erreicht hat, ist ein Mehr immer möglich, und es scheint mir so zu sein, als ob genau das das erklärte Ziel ist: Immer mehr Sicherheit, immer mehr Kontrolle.

Bei der ganzen Hatz der Sicherheit hinterher, angesichts jugendlicher S-Bahn Schläger und Amokläufer, fundamentalistischer Terroristen und Flugzeugentführer, verlieren wir aber etwas, nämlich Kontrolle über die Regierung, und auch Freiheit. Jemand, der sich des christlichen Menschenbildes als des Menschen als einem Sünder bewußt ist, der kann eigentlich nicht dafür sorgen, daß die Bürger einigen wenigen Menschen ausgeliefert sind, im Guten wie im Bösen.

Man könnte es auch anders formulieren, nämlich daß hier versucht wird, Gott nachzubilden. Die Regierung soll um der Sicherheit Willen immer mehr Macht erhalten, und weil es eine gute Regierung ist, soll sie annähernd die Macht erhalten, die auch der gute Gott hat: Alles wissen, alles können.

Es stimmt schon: Gott sieht alles, ist also der ultimative Big Brother. Nur hat Gott einen Vorteil gegenüber der Regierung: Er ist vertrauenswürdig. Er benutzt die Dinge die Er über uns weiß nicht gegen uns. Bei der Regierung kann ich davon nicht ausgehen, es handelt sich nun einmal um Menschen, wie gut ihre Absichten auch sein mögen.

Und wenn die Regierung nun wie Gott über Leben und Tod entscheiden will, indem sie Flugzeuge die mutmaßlich von Terroristen entführt wurden, zum Abschuß freigibt, oder wenn sie ein Überwachungssystem etabliert, das gegen uns genutzt werden kann, je nachdem, wer grad am Hebel sitzt, wenn sie weiterhin die Gewaltenteilung aushöhlt, indem Polizeibehörden ohne Kontrolle Listen von mutmaßlich illegalen Homepages erstellen und diese ohne richterliche Kontrolle gesperrt werden, wenn die Macht der Staatsgewalt drch Bundeswehr im Innern und Aufhebung der Grenzen zwischen Polizei und Geheimdienst aufhebt, dann sieht das für mich gewaltig danach aus, als ob jemand das Gottvertrauen verloren hat und es dadurch zu einem Ungleichgewicht zwischen Sicherheits- und Freiheitsinteressen kommt. Da soll ein anderer Gott konstruiert werden, der dann vertrauenswürdiger ist als der Gott, dem man nicht mehr vertraut. Dieser neue Gott heißt Staat, und er ist ein Abgott.

Und spätestens da wird offensichtlich, wie dieses Konzept eigentlich im Widerspruch zum C steht. Sicherlich gibt es auch Fehlentwicklung in die andere Richtung, indem man so viel vertrat, daß man selbst keine Verantwortung mehr übernimmt. Wenn es einmal so weit kommen sollte, wer weiß, dann schreib ich dazu mal nen Text. Bisher sehe ich diese Gefahr aber noch nicht einmal im Ansatz.