Treibgut aus dem Netz

Netzfunde vom Montag, den 6. August 2012

Ich hab’s ja schonmal geschrieben, im Moment läuft hier nicht viel, weil ich neben der Schichtarbeit nicht mehr so viel Zeit für Blogschreiben hab (vielleicht sollte ich ne neue Rubrik aufmachen: Geschichten vom Band, aber das wär wohl nicht so ergiebig…).
Das bedeutet, daß ich zwar einige gute Artikel auf den Blogs dieser Welt finde, mir aber nicht mehr die Arbeit mache, sie hier zu verlinken (beziehungsweise mir die Mühe mache, mal wieder was eigenes zu schreiben).
Zwei Artikel blieben heute aber hängen, und die will ich dann doch verlinken.
Zum ersten wäre da ein Artikel über Broder, von Thomas. Über Broder hab ich ja auch schon öfter geschrieben, ich fand Thomas‘ Darlegung von Broders Vorgehensweise sehr interessant.

Zum andern hat Josef Bordat ne Rant (via) zum Thema aufgeklärter Humanismus, Beschneidung, Religionen und Gewalt geschrieben, der es wirklich Wert ist, zu lesen. Kleine Kostprobe?

Eigentlich sind alle Menschen Fans des 1. FC Köln, aber „aus psychologisch nachvollziehbaren Gründen“ verschweigen sie es und gehen statt dessen zu Real Madrid oder Bayern München. Und im Grunde will auch meine Frau rund um die Uhr Olympia gucken, doch „aus psychologisch nachvollziehbaren Gründen“ will sie es partout nicht zugeben. Das macht Spaß!

Mit diesen Sätzen macht Bordat die Vorgehensweise einer bestimmten „aufgeklärten Humanistin“ deutlich. Wer mehr wissen will, lese daselbst.
Update: Irgendwie blieb der Artikel als Entwurf im System hängen, deshalb erscheint er erst so spät…

Gesellschaft

Beschneidung

Ich habe ja schon ne Weile nichts mehr geschrieben. Das liegt zum einen daran, daß ich umgezogen bin und in dem Zusammenhang einiges zu tun hatte, das liegt zum anderen auch daran, daß ich die Zeit zum Examen im nächsten Jahrdurch nen Vollzeit-Job überbrücke und einfach die Zeit fürs Bloggen nicht aufbringe. Außerdem ist Arbeit am Band ganz schön gewöhnungsbedürftig wenn man sonst körperliche Arbeit nicht gewöhnt ist – ich verstehe inwischen die Popularität der BILD. Oft bin ich so fertig, daß ich viel höherwertiges auch nicht mehr lesen will…

Jetzt hab ich das Wochenende genutzt, um mal meine Blogabos durchzusehen, und ein Thema, das immer wieder kam, war das Beschneidungsurteil von Köln.

Ich hab beschlossen, jetzt keine der vielen Artikel, die ich dazu gelesen habe, zu verlinken, sondern mir einfach mal eigene Gedanken zu machen.

Es ist ja nun einmal so, daß die Beschneidung der Vorhaut faktisch ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit darstellt. Dies dürfte wohl keiner bestreiten, also ist die Frage wohl weniger, ob ein solcher Eingriff vorliegt, sondern vielmehr, ob ein solcher Eingriff gerechtfertigt ist.

Wenn ich das Urteil richtig verstehe (gelesen habe ich nur die Presseerklärung des Gerichts) wurde eine durch eine Arzt vorgenommene Beschneidung als Straftat eingestuft, da es dafür keine medizinische Indikation, also keine Notwendigkeit gab.

Womöglich – ich bin kein Jurist – liegt das Problem also darin, daß ein Arzt zu Beschneidung aufgesucht wurde, und kein religiöser Amtsträger aktiv wurde.

Das Problem liegt weiterhin darin, daß die Eltern zwar das Recht auf Religionsausübung und Erziehung hätten, diese Rechte jedoch dem Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit unterzuordnen sind.

Im Mittelpunkt steht – und das ist gut so – das Kindeswohl, wobei unterstellt wird, daß eine Beschneidung eben diesem Wohl widerspricht.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich dieser Einschätzung ohne Vorbehalte zustimmen kann.

Aber voher fällt mir etwas anderes auf: Es i st die Rede vomRecht auf Erziehung und Religion der Eltern, aber es ist nicht die Rede von dem Recht des Kindes – im vorliegenden Fall immerhin schon 4 Jahre alt – auf eine eigene Religion die Rede. Freilich ist das Kind noch nicht religionsmündig, sondern wird in dieser Angelegenhet durch die Erziehungsberechtigten vertreten. Trotzdem meine ich – wie gesagt, ich bin kein Jurist – , es handelt sich hier nicht nur um Rechte der Eltern, die gegen das Recht des Kindes auf Unversehrtheit stehen, sondern eben auch um ein ureigenes Recht des Kindes.

Gerade die Frage der Mündigkeit wirft weitere Fragen auf: Ab welchem Alter wäre eine Beschneidung denn möglich? Ab 14, weil man dann religionsmündig ist? Oder wäre – wie bei Tätowierungen etwa (oder liege ich da falsch?) die 18 die Grenze? Wie sieht das eigentlich bei Ohrlöchern aus? Ich kenne Mädchen, die schon im Kindergartenalter Ohrringe haben – und es durchaus toll finden.

Zurück zum Kindeswohl: Wer legt eigentlich fest, was dem Wohl des Kindes dient? Es wure schon darauf hingewiesen, daß Kinder auch – trotz gesundheitlicher Gefahren – geimpft werden. Das Argument dafür läuft dann so, daß Impfungen „vernünftig“ seien, weil sie eben das Ziel haben, Schaden abzuwenden, während eine Bescheidung eine sinnlose Verstümmelung sei. Gleiches dürfte jedoch auch für das Abschneiden der Haare (die Länge der Haare der eigenen Kinder können durchaus zu Kontroversen in den Familien führen) oder der Nägel gelten. Freilich, in den genannten Fällen wächst alles nach und vor allem: Es tut auch nicht weh (im Gegensatz zu Ohrlochstechen und Tätowierungen).

Was ist es also, das die Beschneidung zumindest für einige Menschen zum Undig macht, während sie gleichzeitig ganz selbstverständlich mit ihren Kindern zum Friseur gehen und ihnen die Finger- und Zehnägel schneiden?

Nachwachsen und Schmerzen? Gegen die Schmerzen hat die moderne Medizin Mittel gefunden (wobei ich nicht weiß inwieweit diese in den fraglichen rituellen Kontxten zulässig sind).

Es bliebe also letztendlich nur das Kriterium, ob ein abgeschnittener Köperteil nachwächst – oder eben nicht.
Wobei es einem bei Haaren und Nägeln ja meist ganz recht wäre, wenn dies nicht er Fall wäre, dann müßte man sie nicht immer schneiden.

Demnach stünde es dem Wohle des Kindes nicht entgegen, wenn es eine „unvernünftige“ (wie kann eine Frisur überhaupt in die Kategorie der Vernunft eingeordnet werden?) Kurzhaarfrisur verpasst bekommt, während eine „unvernünftige“ Beschneidung („Vernunft“ ist hier wohl synonym zu „medizinisch erforderlich“ gebraucht) dem Wohle des Kindes entgegenstünde, weil die Vorhaut nicht nachwächst.

Auch hier scheint es inzwischen in der Medzin Mittel und Wege zu geben, dies rückgängig zu machen, was mich nun völlig ahnungslos zurücklässt.

Das ist zugegebener Maßen iene sehr schwache Position verglichen mit all denjenigen, die genau wissen, was zum Wohle des Kindes ist, das sie gar nicht kennen, die sich aber gegen das geplante Gesetz zur Zulassung ritueller Jungenbeschneidung aussprechen. Und das, obwohl das Grundgesetz, auf das sie sich sonst beziehen, gesetzliche Einschränkungen dezidiert zuläßt.

Ich finde, es ist immer schwierig zu entscheiden, was dem Wohle eines (fremden) Kindes entspricht. Manche Eltern mienen, ausgedehnte Klavier- oder Ballettstunden stünden dem entgegen, andere Eltern begreifen dies als Förderung. Ebenso begreifen Eltern, die ihr Kind aus religiösen Gründen beschneiden lassen die Beschneidung als dem Kind zuträglich, auch wenn nichtreligiöse Menschen das oft nicht nachvollziehen können.

Ich tendiere dazu, die Jungenbeschneidung als weniger schlimm einzuschätzen (ohne mich genau festlegen zu wollen) bin mir abr sicher, daß ein staatliches Verbot nur zu Zwistigkeiten führt, denn religiös überzeugte Menschen werden im Zweifel eher ihrem Gewissen folgen als staatlichen Vorschriften. Und das würden wir doch – Hand aufs Herz – alle tun, auch wenn unsere je eigenen Gewissen und je anderes sagen.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde vom Mittwoch, den 11. Juli 2012

Christian hat noch weitere neun Klischees aufgeschrieben. Außerdem gibt es 10 Gegenmittel gegen christliche Clichés. (Wie schreibt man das jetzt eigentlich?)

Eric Djebe hat nen sehr guten Artikel über heiligen Zorn geschrieben.

Der Autor von Jesus und Mo hat heute Probleme, den Unterschied zwischen unmündigen Kindern und mündigen Erwachsenen zu verstehen. Oder ärgert er sich in ähnlicher Weise darüber, daß Eltern für ihre Kinder die Haarfrisur, die Kleider, die angemessenen Spielsachen, den angemessenen Freundeskreis aussuchen? Aber sobald es Religion ist, handelt es sich um schlimmste Unterdrückung, wie man sie selbst in der Steinzeit nie hatte…

Bei humanicum geht es heute um ESM/Fiskalpakt und um Zwangsarbeit. Außerdem geht es um die Abschaffung der Residenzpflicht für Asylanten und in welcher Weise der entsprechenden Petition „entsprochen“ wurde.

Auch Erik Schüler schreibt von ESM und Fiskalpakt. Das scheint sowieso ein interessantes Thema zu sein, so ganz begriffen um was es da geht, hab ich nicht, aber ich informier mich auch immer seltener über sowas. Es gibt anderes zu tun nd wenn das Geld kaptt geht? Nun, ich hab eh kaum welches. Verlieren können nur die Großkopferten und diejenigen, die sich dahinsparen wollten…

Ein weiterer Artikel zum Thema Beschneidung hat Stephanie geschrieben. Ich glaub aber ich versteh nicht, auf was sie hinaus will.

Gerd Häfner äußert sich zur Berichterstattung bezüglich des neuen Jobs von Bischof Müller, der ja bekanntlich Nachnachfolger des aktuellen Papstes als „Oberinquisitor“ wurde.

Peter schreibt zu Sexualethik, Bischof Woelki und die „Therapierng homosexeller Neigungen“ in den USA.

Die Titanic hatte mal wieder ein böses Cover und diesmal war der Papst das Ziel. Das hat viele Reaktionen hervorgerufen. Zum Beispiel vom Herrn Alipius. Oder von Thomas, dessen Reaktion eher in die gegengesetzte Richtung neigt.

Warum die Redefreiheit nicht für Christen gilt, kann man bei Jason Hess nachlesen und Trevor Scott Barton hat nen Artikel über Heldentum geschrieben.

Treibgut aus dem Netz

Netzfunde vom Dienstag, den 10. Juli 2012

Der Dorfpastor schreibt vom Diebstahl an Gott und schlägt einen Bogen von den Gesangbüchern zu den eigenen Sorgen.

Derek schreibt im zweiten Teil von Re-Thinking the Gospel davon, wie man die Gebote Gottes perfekt erfüllen und trotzdem zu den größten Sündern gehören kann.

Sakine Subasi-Piltz schreibt über das Urteil über die Beschneidungen und sieht hier mehr Kulturhegemonismus als Rücksicht auf Kinderrechte am Werk.

Melissa schreibt über die Vorzüge des freien kanadischen Gesundheitssystems und wie sie als fundamentalistische Christin dazu stand und heute dazu steht. Die Perspektive ist wirklich interessant, weil sie beide Seiten kennt.

Bei Mandy wurde ich auf dieses Video aufmerksam gemacht.

Don Ralfo rätselt über die Bedeutung von Lk 17,3 und stellt die Frage, ob man tatsächlich nur denjenigen vergeben soll, die ihr Tun bereuen.

Wer schon immer mal das Neue Testament lesen wollte, aber nicht dazu kam, kann es sich jetzt in 60 Sekunden reinziehen, in diesem Video (via).

Christian hat zehn weitere Cliches aufgelistet, die ein Christ vermeiden sollte. Auch ganz witzig. Und Church Sign Fails gibt es auch wieder 😉

Wer ne Bibel zu Hause rumliegen hat, sie aber nicht lesen will, kann beim bikerpfarrer ne Inspiration finden, was sich noch so damit anfangen läßt.

Daß bei den Geisteswissenschaften immer mehr gespart wird könnte sich als fatal herausstellen, falls sich ein Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde befindet (via).

Wer sich schonmal gefragt hat, ob die Protagonisten der Bibel auch immer schön „bitte“ und „danke“ sagen, dürfte sich für diesen Artikel interessieren (via).