Verbreit‘ es nicht Challenge

Die Kirche sieht nicht so aus, weil ein LKW letzten Montag in den Weihnachtsmarkt gefahren ist. Ihr Aussehen ist das letztendliche Resultat rechter Hetze.
By No machine-readable author provided. Angr assumed (based on copyright claims). [Public domain], via Wikimedia Commons

Nachdem letzten Montag ein LKW in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin gefahren ist, habe ich etwas seltsames wahrgenommen:

Die Menschen beschlossen, keine Gerüchte oder Spekulationen zu twittern – es war ungewöhnlich ruhig in mienr Timeline.

Das heißt, natürlich war nicht jeder ruhig. Rechtspopulisten, oder richtiger: Nazis, haben sehr schnell dabei Behauptungen aufzustellen, wer der Täter sei und welche Motive er gehabt habe. Ich las auch einige englischsprachige Tweets, die aber mehrheitlich im Rahmen der Vernunft spekulierten. Was ich auch gelesen habe ist, dass es wohl Menschen gibt die meinen, die Gedächtniskirche (Bild oben) sähe wegen des Anschlages so aus – tut sie nicht.

Diese Erfahrung hat mich beeindruckt. Ich frage mich, was wäre, wenn wir nicht von dem Dreck, mit dem die Rechten in den sozialen Medien provozieren wollen, weiterverbreiten? Was, wenn wir beschließen, nicht ihre Verstärker zu sein? Ich kämpfe da mit mir selbst, ich laß mich leicht provozieren und tendiere dazu, das Provokante zu teilen und meine Meinung dazu zu kommentieren. Ich teile den Dreck quasi weiter, um der Welt zu zeigen, welchen Dreck die Provokateure von sich geben, und so spiele ich ihr Spiel mit.

„Das Spiel mitspielen“ ist verbreitet dieser Tage, auch unter den Rechten: Sie spielen das Spiel der Dschihadisten, doch nicht nur das, sie spielen im gleichen Team.

Natürlich wollen Dschihadisten und Rechte uns glauben machen, das Spiel wäre „wir“ gegen „die“, „Orient“ gegen „Okzident“, „Muslime“ gegen „Christen“. Ich denke, das stimmt nicht. Das Spiel ist Haß gegen Liebe, Chaos gegen Frieden. Beide, Dschihadisten und Rechte, gehören zu dem Team, das die Gesellschaft in zwei Blöcke spalten will: „die“ und „wir“. Und sicher: „Wir“ sind die Guten, die sich mit aller Gewalt gegen die Bösen zur Wehr setzen müssen, gegen „die“.

Ich denke, unser Job ist es, als Angehörige des anderen Teams, des Teams der Liebe, des Friedens und der einigen Gesellschaft, die Gesellschaft zu heilen, alles zu tun, um die Spaltung der Gesellschaft zu verhindern.

Da das Spalten zum Beispiel durch sogenannte „fake news“ (oder laßt es uns als das bezeichnen, was es ist: Lügen und Propaganda) betrieben wird, würde das Nichtverbreiten der Propaganda – wie sehr wir uns auch darüber ärgern – die Spaltung erschweren. Oder einfach Medien nicht konsumieren, die diese Propaganda verbreiten. In letzter Zeit sollen Rechte ja immer wieder in Talkshows eingeladen worden sein. Wieso also nicht aufhören, die Talkshows zu sehen, dann müssen sie ihren Dreck woanders verbreiten.

Denn die Medien funktionieren nach den Regeln des Marktes: Was sich verkaufen läßt, wird produziert. Laßt uns einfach aufhören, zu kaufen.

Daher fordere ich Dich heraus, die Propaganda dieser Menschenhasser nicht zu teilen, zu retweeten oder zu konsumieren. Ihre Propaganda ist nichts, das irgendwer kennen müßte. Es ist nichts, worüber wir reden müßten. Laßt uns ihnen nicht mehr helfen.

Früher gab es mal den Spruch: „Don’t feed the trolls – füttert nicht die Trolle.“ Er gehörte in die Newsgroups, wo immer mal wieder Menschen Spaß daran zu haben schienen, durch Provokationen die Debatten zu zerstören. Die Regel war, nicht mit diesen „Trollen“ zu reden, damit sie die Lust verlieren und aufgeben.

Meine Challenge ist ähnlich, aber nicht identisch. Verbreitet nicht ihre Lügen und ihre Propaganda, spricht nicht darüber, was die schon wieder getan oder gesagt haben, aber benutzt die sozialen Medien, um mit ihnen zu sprechen. Erschüttert ihre Weltanschauung, geht in die Debatten, zeigt ihnen jedes Mal auf, wenn sie sich auf Vorurteile berufen, damit sie begreifen, daß die Leute sehen, daß sie lügen und es öffentlich machen. Letztendlich wollen wir die Gesellschaft ja heilen, nicht spalten. Das bedeutet, daß wir hinterher mit ihnen eine Gesellschaft bilden werden müssen. Macht den ersten Schritt – sie werden es nicht tun.

Ich weiß, das kann frustrierend sein, aber ich bin sicher es ist die Mühe wert. Was können wir sonst tun, um das Haß-Team zu besiegen? Wenn wir die Methoden von Haß und Abgrenzung übernehmen, gewinnen sie.

 

 

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Do not share Challenge

The church does not look like this because of the truck running into a Christmas market next to it on monday. What it looks like is the final result of right wing agitation!
By No machine-readable author provided. Angr assumed (based on copyright claims). [Public domain], via Wikimedia Commons

The church does not look like this because of the truck running into a Christmas market next to it on monday. What it looks like is the final result of right wing agitation!

After a truck ran into a Christmas market at Breitscheidplatz, Berlin this monday, I realized something strange:

People decided not to retweet rumours about what happened. It was unfamiliarly silent in my Twitter timeline.

That is, not exactly everybody did so. Right wing populists, I shall better call them what they are: Nazis, were fast to name the offender and the cause of what happened, and I also read some English language tweets, some with rather reasonable speculations about the incident. I also read about the nearby Gedächtniskirche (picture above) being in that condition because of the „terrorist attack“ – it doesn’t.

This experience has an impact on me. I wonder, what if we did not share any of the filth right wingers post in social media to provoke? What if we decide not to be their amplifiers? I struggle myself, I am easily disgusted by some content and tend to react by sharing and commenting how disgusting I find this. I spread their filth to show people how filthy the provokers are, and by this I play their game.

I think „playing their game“ is common these days, also among the right wingers: They play the game of the jihadists, but not only this, the play in the same team.

Of course, jihadists and right wingers want people to think it is a game us vs them, east vs west, Muslims vs Christians. I believe this is wrong. It is the game hate vs love, chaos vs peace. Both, jihadists and right wingers, are on the team that tries to crack society into two blocks: „them“ and „us“. And of course, „we“ are the good guys who must use any weapon at our hand to defeat the bad guys, „them“.

I think our job, being on the other team, the team of love, peace and unity, is to heal society, to do whatever we can to hinder the cracking.

As cracking is done e.g. by so called „fake news“ (let’s call it what it is: propaganda and lies), avoiding the crack would mean to not spread these news, however upset we are about it. And to not consume any media that does spread these. Right wingers have been on many talk shows in Germany recently. Why not stop watching them, so they can spread their filth elsewhere.

Media runs by the mechanisms of the markets: Whatever sells, will be produced. Let’s not buy.

This is why I challenge YOU, to not share, retweet or consume the propaganda of these haters. Their propaganda is nothing the world needs to know about. It is nothing we need to talk about. Let us not help them any more.

In days of old there was a saying: „Don’t feed the troll“. It belonged to the newsgroups, where eventually people showed up who seemed to have fun provoking and thus destroying good debates. The rule was to not talk to these „trolls“, so they will give up eventually.

What I challenge you is similar, but not identical. Do not spread their lies and propaganda, do not tell what they do, but use the social media to speak with them. Shatter their world view, get into the debate, point out any prejudice they bring up, so they understand people do see they are lying and name it in public. After all, we want to heal society, to not crack it up. Which means we will have to form one society with them afterwards. Take the first step, because they won’t.

I know this can be frustrating, but it is worth the efforts I am sure. What else can we do to defeat the team of hate? Whenever we use methods of hate and separation, they win.

 

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Das Weihnachtsevangelium in 15 Sprachen

Joseph von Führich [Public domain], via Wikimedia Commons

Ich hab grad nen Downloadlink gefunden. Dahinter findet sich das Weihnachtsevangelium in 15 Sprachen, jeweils auf eine Seite gedruckt. Dahinter steht soweit ich das sehe das Katholische Bibelwerk und die Deutsche Bibelgesellschaft. Gedacht wird dabei wohl vor allem an die Arbeit mit Geflüchteten, allerdings gibt es auch eine deutsche Übersetzung in leichter Sprache. Hier eine Liste mit allen 15 Sprachen:

Das Evangelium in Leichter Sprache
Albanisch
Amharisch (Äthiopien)
Arabisch
Dari (Afghanistan)
Englisch
Französisch
Italienisch
Kurmanji
Rumänisch
Serbisch
Spanisch
Swahili (Ostafrika)
Syrisch
Tigrinya (Äthiopien, Eritrea)
Urdu (Pakistan)

Hier ist der Link.

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We fight not with bullets, but with wide open arms

Auf Twitter sah ich heute morgen das:

Hier ist der Link, den Screenshot hab ich gemacht, falls das aus welchen Gründen auch immer gelöscht wird, denn in dem Gedicht steckt für mich alles, was den christlichen Glauben ausmacht:

Spray us with bullets or blast us with bombs,
We’ll walk into heaven, singing our psalms.
Kill two, kill four, or even kill more,
And we will surely love you, more than before.
Let us remain faithful until our spirit calms
For we fight not with bullets, but with wide open arms.

Ich versuche mal eine freie Übertragung:

Zerreißt uns mit Kugeln und Bomben die Glieder,
Auf dem Weg in den Himmel sing’n wir unsre Lieder.
Tötet zwei, tötet vier oder tötet noch mehr,
Und wir werden Euch lieben, mehr als vorher.
Lasst gläubig uns ausharrn, beherrschen die Triebe
Uns treibt nicht der Hass an, sondern die Liebe.

Und nochmal etwas wörtlicher:

Besprüht uns mit Kugeln oder zersprengt uns mit Bomben,
Wir werden in den Himmel gehen, unsere Psalmen singend.
Tötet zwei, tötet vier, or tötet sogar mehr,
Und wir werden Euch sicher lieben, mehr als vorher.Lasst uns gläubig bleiben bis unser Geist sich beruhigt
Denn wir kämpfen nicht mit Kugeln, sondern mit weit geöffneten Armen.

So reagieren also ägyptische Christen auf den Bombenanschlag auf eine Kirche in Kairo. Echte Christen, die glauben, und den Glauben nicht für bloße Kulturkulisse halten.

Man vergleiche dem gegenüber Pegida und die AfD, die wohl zu großen Teilen keine Kirchenmitglieder sind, aber meinen, das Christentum verteidigen zu müssen, indem sie auf ihren „Spaziergängen“ Weihnachtslieder singen (ich frag mich ja, welche LIeder da gesungen wurden, eher „Jingle Bells“ oder eher „Vom Himmel hoch“, aber das ist ein anderes Thema).

Die „Verteidigerdes christlichen Abendlandes“ wären sicher die letzten, die der Logik des Gedichtes folgen würden. Sie kämpfen nicht mit offenen Armen, nicht mit Liebe, sondern eben mit Haß, wie ihre vermeindlichen Gegner, die Islamisten. „Vermeindlich“ deshalb, weil sowohl die Islamisten und Terroristen als auch Pegida und AfD an der gleichen Strippe ziehen. Man könnte noch die Nazis hinzunehmen, die Anschläge auf Asylunterkünfte verüben, oder sonst den Geflüchteten zusetzen, physisch oder durch Propaganda. Denn das Ziel all jener ist gleich: Den Frieden stören, um in dem folgenden Chaos ihre Vorstellung von Ordnung durchzusetzen. Haß eben, der sich zuerst gegen die Liebe wendet und sich verlacht, um sich dann selbst zu zerfleischen und alle, die übrig geblieben sind.

Es fällt doch auf, daß sich die Bilder von Berlin 1945 und Kabul 2002 sehr ähneln…

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Joch des Liberalismus

Man soll ja versuchen, andere zu verstehen, die Dinge aus ihrer Sicht zu sehen. Wenn ich nicht verstehe, was jemanden bedrückt, dann kann ich auch nicht verstehen, warum er dagegen aufbegehrt. Die Vertreter des Establishments, diejenigen, die ein System prägen, sind auch diejenigen, die die Nachteile am Wenigsten zu spüren bekommen.

So soll die französische Königin Marie Antoinette, als die Bürger von Paris vor Hunger auf die Straßen gingen, gemeint haben:

Wenn sie kein Brot haben, so sollen sie Torte essen.

Zynisch, nicht wahr? Oder naiv? Oder schlicht dumm? Wie dem auch sei, sie hatte offenbar kein Verständnis für die Not der Menschen und am Ende kostete diese Haltung sie das Leben. Sie wurde geköpft.

Wohlgemerkt: Sie wurde nicht geköpft, weil sie persönlich diese Haltung hatte, sondern weil eine bestimmte Gruppe von Menschen, die die Macht hatten, diese Haltung hatten und sich nicht dazu herablassen wollten, den „Pöbel“ zu verstehen.

„Pöbel“ kommt ja von frz. „peuble“: Volk. Der Pöbel, das ist das einfach Volk. Und wenn das einfache Volk Sorgen und Nöte hat, und die Elite, die Mächtigen, diese Sorgen und Nöte nicht kennen oder nicht verstehen oder nicht verstehen wollen, und deshalb nichts tun, um sie zu lindern, dann explodiert das Ganze irgendwann. Meistens gewaltsam.

Genug der theoretischen Vorrede, hin zur praktischen Anwendung:

In vielen westlichen Nationen feiert der Populismus gerade riesige Erfolge. Dummdreiste Parolen werden in Massen in den Sozialen Netzwerken verbreitet, man wähnt sich in die 1930er zurückversetzt.

Ich meine, daß hinter diesem Erfolg der rechtspopulistischen Parteien die Sorgen und Nöte von Menschen stecken, die von den Mächtigen nicht gehört und auch gar nicht verstanden werden. Ich meine, es liegt am System.

Die Freiheit, die uns die frz. Revolution erkämpft hat, hat ja nicht alles gut gemacht. Sie hat die Grundbedingungen verbessert, um sich selbst einzubringen und etwas zu verändern.

Es war nicht mehr vom König abhängig, ob man ein gutes Leben führen konnte, man war nunmehr selbst dafür verantwortlich. Man hatte die Freiheit, mitzubestimmen, was Politik ist. Gleichzeitig bekam man aber auch die Verantwortung aufgebürdet, das zu tun. Es ist nun kein König mehr Schuld, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie sollen, sondern eben der neue Souverän: Das Volk.

Doch hier stellt sich die gleiche Frage, wie bei den Königen vorher: Sind sie geeignet, die Verantwortung zu übernehmen?

Könige hatten oftmals in die eigene Tasche gewirtschaftet, anstatt zum Wohle des Volkes zu regieren, daß den Monarchen nach ihrer eigenen Ideologie des Gottesgnadentums anvertraut wurde. Sie verloren den Kopf, weil sie ihrer Verantwortung nicht nachkamen.

Und wenn das Volk der Verantwortung nicht nachkommt, sich um sich selbst zu kümmern?

Mir kommt es momentan so vor, als teile sich das Volk in die Gewinner und die Verlerer des aktuellen Systems. Für die Gewinner läuft es gut. Sie sind in der Lage, auf sich aufzupassen, sich zu informieren, Vorsorge zu treffen etc. Aber nicht alle Menschen sind gleich.

Manche Menschen sind nicht in der Lage, in diesem Maße Eigenverantwortung zu übernehmen. Manche Menschen scheitern daran. Manche haben auch nur Pech, kaufen Telekom-Aktien, weil das alle tun und bleiben auf einem Scherbenhaufen sitzen.

Manche mißverstehen die Demokratie so, daß sie meinen, sie hätten selbst Freiheiten und seien für sich selbst auch nur verantwortlich. Dem ist IMHO nicht so. Man hat Verantwortung immer für das Ganze, und wird man ihr nicht gerecht, wird man zur Rechenschaft gezogen – so wie die Adeligen im Frankreich des ausgehenden 18. Jhd.

Mein Religionslehrer machte immer eine Unterscheidung zwischen Wörtern auf -tät und auf -ismus. Demnach wäre Liberalität in Ordnung, Liberalismus, wie alle -ismen, ein großes Problem. Denn der Liberalismus unterdrückt, so gesehen bestimmte Menschen, so wie es der Kommunismus tut und wie es alle anderen -ismen tun.

Die Unterdrückten und Übervorteilten im Liberalismus sind diejenigen, die den Märkten nicht gewachsen sind. Die nicht zum Spitzenprodukt taugen. Die hinten runter fallen und sehen müssen, wo sie bleiben. Sicher: Jeder ist für sein eigenes Glück verantwortlich. Aber das ist ja gerade das Problem: Weil nicht jeder sein Glück garantieren kann.

Diese Menschen brauchen Hilfe, um ihr Glück zu erreichen. Und findige Menschenfeinde und Egoisten nutzen das aus, und bieten einfache Lösungen. Wenn ich keinen anderen Ausweg mehr sehe, wenn ich irgendwann meine, nur durch rechte Gewalt zu meinem Stück Glück zu kommen, dann mach ich da irgendwann mit.

Zum Glück geht es vielen Deutschen noch relativ gut, zum Glück war die Aufarbeitung der NS Zeit so erfolgreich, daß es sich immer noch um relativ wenige Leute handelt – im Gegensatz zum Rest in Europa.

Aber das wird nicht ewig so bleiben. Wir müssen Wege finden, die Abgehängten vom Joch des Liberalismus zu befreien. Nicht, indem wir zurück wollen zu König und Absolutismus (noch so ein -ismus), sondern indem wir uns überlegen, wie wir es schaffen, daß diejenigen, die nicht in der Art für sich sorgen können, wie andere, trotzdem etwas vom Leben haben.

In vielen Fällen handelt es sich um durchaus leistungsbereite Menschen, die ihren Beitrag bringen wollen.

Ich sehe im Moment noch nicht ganz, wie diese Wege aussehen könnten. Vielleicht kann ein bedingungsloses Grundeinkommen eine Rolle spielen. Oder ein Höchsteinkommen.

Damit werden wir den Faschismus nicht lsowerden können. Manche sind so verblendet, daß man ihnen nicht helfen kann. Aber man wird die Motivation größerer Bevölkerungsteile mindern können, faschistische Ideen als Alternativen zu erwägen.

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Lieber Gutmensch

lieber-gutmenschDieses Bild hab ich heute auf Twitter gesehen. Dazu einige Links:

Von Neonazis vergewaltigt
Neonazi muss in Haft
Nazi-Bestien vergewaltigen Opfer mit Besenstiel
NPD-Kandidiat wegen Vergewaltigung und Überfall verurteilt

Obdachloser bei Mügeln zu Tode getreten

Rollstuhlfahrer ausgeraubt

OSS diskutierte Anschlag auf Dresdner Frauenkirche
Brandanschlag auf Kirchenmitarbeiter
Katholische Kirche von Neonazis niedergebrannt

Gehört eine Nazi-Guillotine ins Museum?
Widerstandskämpfer von Nazis geköpft

Der Text in obigem Bild will suggerieren, daß die offene Gesellschaft der „Gutmenschen“ zu all diesen Verbrechen führen wird: Vergewaltigung, Raub, Mord. Die Links sollten belegen, daß wir keinerlei Flüchtlinge oder Migranten brauchen, um diese Verbrechen zu begehen, das wollen uns die – ja, wie nennt man sie? Schlechtmenschen? Angstmenschen? Rechte Hetzer? – wie auch immer man sie nennt, sie wollen uns weis machen.

Die Idee dahinter ist, das Ideal der offenen Gesellschaft fallen zu lassen und dem Vorurteil, der Ab- und Ausgrenzung Tür und Tor zu öffnen,sich von der Angst vor allem Fremden bestimmen zu lassen – während diejenigen, die die Angst verbreiten, selbst all diese Verbrechen begehen, für die sie die Migranten verantwortlich machen.

Deshalb möchte ich an der offenen Gesellschaft festhalten, egal wie oft sie mich als „Gutmenschen“ verhöhnen. Und auf diese Weise angesprochen, möchte ich antworten:

Ja, auch wenn Ihr und Euresgleichen mir und meinen Lieben all das angetan habt, hoffe und bete ich inständig, daß ich tolerant und offen bleibe und nicht wie jene werde, die diese Verbrechen begehen.

Denn, wenn man es mal genau betrachtet, ist doch das ganze rechte Gesocks kein bißchen besser als die Daesh Leute: Sie alle sind von Haß erfüllt und verbreiten Angst, um ihre Gewaltphantasien zu legitimieren.

Machen wir uns nicht gemein mit diesen Schlechtmenschen.

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Wort des Bischofs

Ich bin sicherlich nicht immer einer Meinung mit den Vertretern der Kirche von Rom. Homosexualität, Wiederverheiratung, Frauenordinaion, Amtsverständnis – zu gewissen Teilen auch Abtreibung – sind einige der Themen, die ich grundlegend anders sehe.

In der Flüchtlingskrise allerdings sprechen mir der Papast und seine Bischöfe immer mehr aus der Seele. Hier ein Beispielvon einem Vertreter, bei dem ich vor nicht langer Zeit nicht erwartet hätte, daß wir so nahe beieinander stehen.

Wer wie ich lieber Texte liest statt Videos guckt, sei hierher verwiesen.

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Terror – Ihr Urteil

DieAllianz Arena – ein mögliches Ziel

By Tobias Kage (selbst aufgenommen, Canon Powershot A200) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], via Wikimedia Commons


Gestern abend kam in der ARD eine Gerichtsverhandlung, an deren Ende die Zuschauer als quasi-Schöffen dazu aufgerufen waren, über Schuld oder Unschuld des Angeklagten zu entscheiden.

Ich war gespannt auf die Sendung, konnte sie aber nur am Rande verfolgen. Dies vorab, falls ich hier irgend etwas vergesse, was gesagt worden ist.

Der Fall sah so aus, daß ein Luftwaffenoffizier einen Airbus abschoß, der von einem Terroristen entführt worden war und womöglich in ein voll besetztes Fußballstadion gesteuert wurde.

Die große Mehrheit der Zuschauer stimmte am Ende für den Freispruch des Piloten – ich halte das für grundfalsch.

Ich will gar nicht groß darauf eingehen, wie unsympathisch und anmaßend der Pilot dargestellt wurde. Hier saß ein Soldat, eingebunden in eine klare Befehlsstruktur, der einen Eid abgelegt hatte, die freiheitlich demokratische Grundordnung tapfer zu verteidigen, der als Begründung für seinen Abschuß unter anderem angab, daß das Bundesverfassungsgericht (mithin einer der wichtigsten Teile der FDGO) falsch entschieden hätte. Der Soldat wurde nicht zum Dienst gezwungen, er hat den Beruf freiwillig gewählt. Er ist kein kleiner Befehlsempfänger, sondern Stabsoffizier. Und er ist keiner, der die Folgen seines Tuns nicht überblicken konnte: Seine Schulzeugnisse und sonstigen Leistungen sind ausgezeichnet. Er nimmt sich ja gerade heraus, die Situation besser einschätzen zu können als seine Vorgesetzten oder das Bundesverfassungsgericht.

Und ein Argument, daß ich später auch bei Plasberg wieder hörte, war: Der Staat macht sich angreifbar, wenn er hier von vorne herein auschließt, das Flugzeug abzuschießen. Auf diese Weise würden Terroristen Tür und Tor geöffnet, weil hier ein klarer Weg aufgezeigt wird, auf dem es keinen wirksamen Widerstand der Staatsmacht geben wird.

Dem stimme ich zu: Der Staat gibt sich hier eine Blöße, und wie jede Blöße kann sie ausgenutzt werden von den Feinden des Staates.

Aber ist das ein Problem? Und ist die daraus folgende Angst, daß jemand die Blöße ausnutzen wird, ein guter Ratgeber bei der Beurteilung der Schuldfrage in Bezug auf den Major?

Als ich dieses Argument gestern abend hörte, mußte ich an Margot Käßmann denken. Wenn ich sie richtig verstehe, will sie ja in ähnlicher Weise eine Blöße in Kauf nehmen, wenn sie Terroristen mit Liebe begegnet – und sie wird eben auch genau dafür kritisiert.

Womöglich ist dieses Aushalten einer Blöße auch ein Erbe unserer christlichen Kultur, auch wenn gerade diejenigen, die dauernd von Leitkultur reden meist diejenigen sind, die Angst vor der Blöße haben.

Exkurs – Bibel

Tatsächlich kennt die Bibel ja Feindesliebegebot und die Forderung, die andere Wange hinzuhalten.

Sie kennt aber auch die Talionsformel, nach der Gleiches mit Gleichem vergolten wird. Doch welches Gleiche wird vergolten, wenn unschuldige Passagiere in den Tod geschickt werden?

Und dann kennt die Bibel noch die Erzählungen vom Bann.

Wir verabscheuen heute solche Bibelstellen zu Recht und schon in der Bibel sind apologetische Anstrengungen bemerkbar bis der Begriff des Banns kaum mehr benutzt wird – offenbar hatten die Autoren damals auch schon Probleme damit.

Die Bibel hat also eine klare Richtung für die Entwicklung vorgegeben, in der die eigene Deckung immer mehr fallen gelassen wird um dem feindlichen Gegenüber mit immer weniger Feindschaft und mehr Liebe zu begegnen.

Mir fällt es schwer nachvollziehen zu können, falls sich jemand sonst auf eine christliche-abendländische Leitkultur zu stützen vorgibt und dann mit der Blöße argumentiert, die der Staat sich gibt, wenn er keine Verkehrsflugzeuge abschießen will.

Die wirkliche Blöße

Der Staat gibt sich doch eine viel größere Blöße, wenn er die Prinzipien aufgibt, auf den er sich gründet. Die Gefahr, die sich daraus ergibt, daß Flugzeuge nicht abgeschossen werden ist die eine Sache, aber was ist mit der Gefahr, die sich daraus ergibt, daß die Prinzipien unseres Rechtsstaates, ja des Grundgesetzes nicht mehr gelten?

Wenn ein „übergesetzlicher Notstand“ dazu führen kann, daß Artikel 1 des GG ausgehebelt wird, welchen Wert hat dann noch Art. 1 GG? Müßte es dann nicht heißen: Die Würde des Menschen ist unantastbar, so lange nichts dazwischen kommt?

Für wie wertvoll erachten wir die Menschenwürde? Wir halten uns dran, wenn 10 Menschen in Gefahr sind, aber bei 100 Gefährdeten machen wir einen Unterschied? Oder bei 1000? Bei 10000? Wo fangen wir an, zu handeln?

Ich meine handeln im wirtschaftlichen Sinn. Denn darum geht es doch im Grunde: Kann man Menschen gegeneinander aufwiegen, kann man mit ihnen Arithmetik betreiben?

Dann könnte man einen Markt eröffnen: In unseren von der Ökonomie (vielleicht eine alternative Leitkultur unserer Tage?) geprägten Denkweise könnten wir dann überlegen, ob wir bestimmte Menschen töten, um ihre Organe anderen einzupflanzen, die dann länger leben können. Ein Mensch stirbt, mehrere überleben. Arithmetisch-ökonomisch eine Gewinnrechnung.

Aber ist es Zweck unseres Staates, daß möglichst viele Menschen überleben, oder ist es der Zweck unseres Staates, daß die Menschen friedlich zusammenleben?

Ökonomisches Denken ist immer auf Transaktion fixiert, will handeln, will Gewinn einfahren. Das Ziel ist wichtig, mag der Weg auch unschön sein. Der Abschluß, der Gewinn, darum geht es letztendlich.

Sicher ist es kaum auszuhalten, in solchen Dilemmasituationen zu stecken, und wir wollen eine Lösung, um uns wohler zu fühlen. Und diese Lösung, die wir dann durchaus nicht einfach machen, verteidigen wir. Denn es ist ebenso schwer auszuhalten, daß man Schuld auf sich geladen haben könnte. Man versucht, sich vor sich selbst zu rechtfertigen.

Aber dieser psychische Mechanismus im Menschen drin, der die Menschen dann eben doch zu Objekten seiner Berechnungen macht – weil er irgend etwas entscheiden muß – dieser psychische Mechanismus ist nicht, weil er existiert, eine gute Sache. Und schon gar nicht sollte er zur Handlungsmaxime erhoben werden, denn wie gesagt: Eine derartige Durchökonomisierung der Gesellschaft würde Menschen grundsätzlich zu Objekten machen, sie als Handelsobjekte, als Verfügungsmasse definieren.

Das wäre das Ende unserer Freiheitsrechte. Das wäre das Ende unserer Grundrechte. Damit wäre ein so elementares Recht wie das Recht auf Leben oder das Recht auf körperliche Unversehrtheit abgeschafft. Damit wäre unsere freiheitlich demokratische Grundordnung aufgegeben, abgeschafft, Geschichte.

Plot Twist

Der Major im Film sagte, seine Aufgabe als Soldate sei es, Deutschland zu verteidigen. Sein Diensteid aber sagt etwas anderes:

Ich schwöre, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, so wahr mir Gott helfe.

Er soll Deutschland dienen, es nicht verteidigen. Zu verteidigen hat er das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes, mit anderen Worten die freiheitlich demokratische Grundordnung. Und ja, als Soldat ist es seine Aufgabe, dafür im Zweifel sein Leben einzusetzen.

Deshalb ist die eigentliche Frage für mich nicht, was er in der Situation in der Luft tut. Menschlich-moralisch ist alles, was er tun kann, falsch. Er kann in der Situation nicht gewinnen. Moralisch ist beides verwerflich. Man kann höchstens versuchen, etwas zu rechtfertigen, um sich besser zu fühlen. Grundsätzlich ist aber der Tod Unschuldiger – ob nun im Stadion, im Flugzeug, oder wo auch immer, eine schlimme Sache und nicht zu rechtfertigen.

Er schießt das Verkehrsflugzeug also ab.

Wichtig ist, was dann kommt. Wie geht er mit seiner Tat um? Bereut er sie? Zieht er Konsequenzen?

Er hat Recht und Freiheit zu verteidigen und Deutschland zu dienen, wie ist das zu tun nach einer solchen Dilemmasituation?

Wie dient man Deutschland, wie verteidigt man Recht und Freiheit, wenn man eine Verkehrsmaschine abgeschossen hat?

Meines Erachtens kann dies nur funktionieren, indem er sich dafür einsetzt, daß seine Tat kein Präzedenzfall wird. Meines Erachtens muß er hinterher klar sagen können, daß das, was er tat, falsch war. Nicht falscher als die Alternative, aber falsch. Und daß eine Rechtfertigung dieses falschen Handelns die Rechtsordnung beschädigt, daß sie Recht und Freiheit des deutschen Volkes verletzt, und daß eien solche Rechtfertigung kein Dienst an Deutschland wäre.

Als Soldat muß er damit rechnen, seine ganze Person einbringen zu müssen in Krisensituationen. Das ist den meisten Soldaten klar, davon bin ich überzeugt. Und kein Soldat käme auf die Idee anzunehmen, daß der Beruf nicht am Ende das Leben kosten kann. Im Feuergefecht würde jeder damit rechnen, selbst erschossen werden zu können.

Eine Gefängnisstrafe ist gegenüber dem Tod ein deutlich geringeres Übel, so schlimm es auch ist. Trotzdem denke ich, der Soldat müßte aus eigenem Antrieb schon, um seinem Eid nachzukommen, die Gefängnisstrafe anstreben, um Recht und Freiheit zu verteidigen. Womöglich ist eine Gefängnisstrafe ehrenrühriger als der Heldentod, da gilt es dann – und ich meine das mit vollem Ernst und nicht als Häme – tapfer zu sein.

Dilemmata gibt es immer wieder, und wir kommen aus ihnen nicht raus. Wir können aber hinterher selbst entscheiden, wie wir damit umgehen, ob wir uns unserer Schuld stellen und die Gemeinschaft stärken, oder ob wir zusehen, daß wir mit heiler Haut davonkommen und uns nicht weiter um die Gemeinschaft kümmern.

Gesetze können nicht alles regeln, deshalb müssen Menschen in die Bresche springen, wenn es brenzlig wird. Christlich gesehen, haben wir die Aufgabe, uns selbst aufzuopfern für andere, für die Gemeinschaft.

Womöglich ist das zu viel verlangt, wo eine Gesellschaft nicht christlich ist. Aber ich befürchte, dann wird die Gesellschaft keinen Bestand haben können (aus den vorgetragenen Gründen). Deckt sich irgendwie mit der historischen Erfahrung.

Der letzte Artikel war überschrieben mit „Liebe überwindet alles“. Diesen möchte ich schließen mit:

Alles wird überwunden werden, was keine Liebe hat.

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Liebe überwindet alles

Schriftzug auf Bild: "Wir sollten versuchen, den Terroristen mit Liebe zu begegnen" - Margot Käßmann - Frühere Ratspräsidentin der Evangelischen Kirche in Deutschland, liebt die Menschen, die uns töten wollen.

AfD Hamburg Nord twittert über Käßmann

Es ist natürlich eine himmelschreiende Provokation für besorgte Bürger, daß Siegmar Gabriel Margot Käßmann als Kandidatin für das Bundespräsidentenamt eingebracht hat. Also muß man reagieren, dachte sich wohl der Bezirksverband Hamburg-Nord,und postete obenstehenden Tweet (ich hab nen Screenshot gemacht, da die AfD ja gerne Tweets löscht).

Die selbsternannten Verteidiger der deutschen „Leitkultur“ machen sich lustig über einen zentralen christlichen Wert: Die Liebe zum Nächsten und sogar zum Feind.

Das ist auch nicht weiter verwunderlich, insofern die AfD im Kern eben nicht christlich ist und auch keine christlich-abendländischen Werte vertritt. Ihr Rezept für den Umgang mit dem Islamismus lautet Haß, Ausgrenzung, Repression – das Gegenteil von Liebe.

Überhaupt stellt man Käßmann ja gerne einmal als weltfremd hin, man denke an die Rede davon, mit den Taliban bei Kerzenlicht zu beten (eine Idee des damaligen Wehrbeauftragten Robbe, nicht Käßmanns) oder als wüßte sie nicht, wovon sie redet – bei ihrem vielkritisierten Satz „nichts ist gut in Afghanistan“ (ein Nebensatz in ihrer Neujahrspredigt vom 1.1.2010) wissen wir inzwischen, daß sie Recht hatte. Zumindest sieht das Präses i. R. Manfred Kock so, dem man in der Regel mit mehr Respekt begegnete – Frauen in kirchlichen Führungspositionen sind halt für die ach so frauenbewegten Abendlandsretter (man verlangt von Muslimen, sich ein Frauenbild zuzulegen, daß man selbst wohl mit „Genderwahnsinn“ beschreiben würde) ein rotes Tuch, die sieht man lieber am Herd, so lange sie nicht den Schießbefehl an der Grenze fordern oder die positive Besetzung des Adjektivs „völkisch“…

Nun also wieder, dabei stellt sich doch die Frage, ob Lösungsversuche, die auf militärische Macht und Gewalt setzen, so viel besser sind. Gewalt erzeugt Gegengewalt, wußten schon die Ärzte. Und im Lied Civil War besangen Guns ’n Roses, daß mti Gewalt kein Staat zu machen ist:

So I never fell for Vietnam
we got the wall in DC to remind us all
that you can’t trust freedom when it’s not in your hands
when everybody’s fighting for their promised land.

Also fiel ich nicht für Vietnem
wir haben die Wand in DC, um uns alle zu erinnern
daß man der Freiheit nicht trauen kann, wenn es nicht in Deiner Hand ist,
wenn jeder für sein gelobtes Land kämpft.

Der Viet Cong kämpfte nach eigenem Verständnis für die Freiheit, auch die Freiheit vom Kapitalismus. Die Islamisten kämpfen für die „Freiheit“, nach den Regeln ihres Islamverständnisses zu leben. Wer so kämpft, wer so überzeugt ist, den kann man mit Gewalt nicht umstimmen. Man kann ihm mit Gewalt aber neue Mitkämpfer in die Arme treiben und das Elend verlängern und vergrößern.

Besser wird mit Gewalt also nichts, man kann sich aber kurzfristig das Elend der Menschen aus den Augen schaffen. Etwa indem man sie abschiebt. Aber wie christlich ist es, wegzusehen und vom Leid anderer nichts hören zu wollen?

Will man etwas ändern, geht das nur über Liebe und Vergebung (auch gegenüber Pegida und AfD), aber das ist kein Eiapoppeia. Natürlich kann man die Ansichten der Leute ablehnen, die man liebt. Deshalb stimmt auch der Teil mit I ♥ IS nicht. Den Terroristen soll mit Liebe begegnet werden, nicht der Terrororganisation. Denn Terroristen sind Menschen und als solche für Liebe ansprechbar. Und Liebe verändert die Menschen. Oder schon normale Menschenfreundlichkeit. Wie etwa bei den syrischen Flüchtlingen, die ihren terroristischen Landsmann fesselten und der Polizei übergaben.

Ich bin Deutschland so dankbar, dass es uns aufgenommen hat. Wir konnten nicht zulassen, dass er Deutschen etwas antut! – Quelle: http://www.express.de/24878794 ©2016

So die Aussage von Mohammed A. Liebe, Zuwendung, Hilfe in der Not – das wirkt also tatsächlich, wenn auch nicht immer. Doch wenn man die Herzen der Verbohrten gewinnt, wenn ihr „gelobtes Land“ keins mehr ist, weil man eine Beziehung zu ihnen aufgebaut hat, die in diesem „gelobten Land“ nicht bestehen kann, dann bessert sich etwas.  Gandhi und King waren ja auch nicht ganz unerfolgreich und gerade King forderte ja immer wieder, die Weißen nicht zu verteufeln, wie etwa die Black Panther Bewegung. Er wollte die Beziehung, wollte das „gelobte Land“ der weißen Rassisten als das demaskieren, was es ist: Eine Hölle aus Haß und Menschenfeindlichkeit.

Oder wer hätte gedacht, daß man mit Kerzen und Gebeten ein Regime stürtzen kann? Trotzdem kam es irgendwie dazu, im Spätjahr 1989. Bei anderen Revolutionen wurden die Mächtigen geköpft, Honecker und seine Genossen kamen dagegen recht glimpflich davon. So wirkt Liebe, auch und gerade die Liebe zum Feind.

Gewalt hingegen wirkt nie, kann nur unterdrücken, was später dann noch viel schlimmer ausbricht.

Aber der Haß steht den Menschen nun einmal näher (christlich gesehen: Menschen sind nun einmal Sünder), deshalb funktioniert Populismus auch immer über Haß und über Spott gegen angeblich verweichlichte „Gutmenschen“.

Doch die Verweichlichung ist gar keine, sie ist eine Stärke. Wer die Deckung immer oben läßt aus Angst, sich eine einzufangen, wird mit seiner Haltung letztendlich einknicken müssen, wenn er merkt, daß die Deckung nicht mehr schützt.

Wer aber von Anfang an offen und ohne Deckung auf den anderen zugeht, läßt sich auch sonst nicht so leicht einschüchtern. Er steht fester zu seinen Überzeugungen.

Käßmann mag nicht die endgültige Lösung der Probleme mit dem Islamismus in der Tasche haben, aber sie hat zumindest einen Ansatz. Und was hat die AfD Hamburg-Nord? Nichts als Scheinlösungen, die sich schon mehrfach als unwirksam erwiesen haben.

Aber so ist er, der Populismus. Hauptsache, man wird gewählt und kann Diäten kassieren…

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Losung für Sonntag, den 4. September 2016

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Wir haben einen Gott, der da hilft, und den HERRN, der vom Tode errettet. (Ps 68, 21)
Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachten sie zu Jesus alle Kranken und Besessenen. (Mk 1, 32)

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