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Christentum und AfD

Christentum und AfD, wer ist hier der "echte" Christ? Das Bild zeigt einen Anhänger der "Deutschen Christen" und einen Anhänger der Liste "Evangelium und Kirche" mit umgehängten Wahlplakaten
Kirchenratswahlen Berlin 1933

Auf Twitter äußere ich mich öfters dahingehend, daß weder Mitgliedschaft noch Sympathie mit der sogenannten AfD mit dem christlichen Glauben vereinbar sind. Heute nun wurde mir auf zweierlei Weise widersprochen. Einmal von einem mutmaßlichen AfD Sympathisanten, der meinte, Christentum bedeute vor allem, andere auszugrenzen und das würde bei der Aussage ja auch wunderbar auf mich zutreffen. Dann warf er mir vor, auf die no true scotsman fallacy reinzufallen. Dazu möchte ich zuerst ein paar Worte verlieren.

Dann möchte ich mich mit dem zweiten Einwand beschäftigen, die auf große sowohl personelle wie auch inhaltliche Gemeinsamkeiten zwischen sogenannter AfD und Christen hinwies. Ich versuchte zuerst, auf Twitter in die Debatte einzusteigen, aber das Format war dann doch zu eng. Daher versuche ich nun hier, meine Ansicht zu der Thematik etwas breiter auszuformulieren, als dies auf Twitter möglich ist.

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Fliegendes Suizidkommando

Fliegendes  Suizidkommando? Nein, der Erlöser beim Erlösungswerk!
Uoaei1 [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Das fliegende Suizidkommando und Karfreitag

Wer kennt ihn nicht: Monty Pythons „Das Leben des Brian“? Der Film enthält jede Menge Anspielungen auf alles Mögliche. Zum Beispiel spielt die Konkurrenz zwischen der Volksfront von Judäa und der Judäischen Volksfront (und diverser anderer im Film genannter Gruppen) auf die Kämpfe verschiedener Befreiungsbewegungen untereinander – anstatt gegen den erklärten Feind – an. Und dann gibt es bei der Judäischen Volksfront noch ein „Fliegendes Suizidkommando“. Heute im Gottesdienst kam ich darauf, daß es sich da um eine Anspielung auf Jesu Kreuzestod handelt:

Es wird gestorben, vorgeblich zur Befreiung Anderer, aber irgendwie stellt sich die Befreiung nicht spürbar ein.

Oder anders gesagt: Jesu Tod hat nichts gebracht.

Jesus und das fliegende Suizidkommando

Dem stimme ich so natürlich nicht zu: Jesu Kreuzestod hat durchaus Befreiung gebracht. Beim fliegenden Suizidkommando ist das freilich anders: Brian bleibt am Kreuz und es bleibt ihm nichts als eine Hymne auf das Leben im Hier und Jetzt zu singen. Auch recht traurig, wenn an bedenkt, daß in Brians Hier und Jetzt das Leben zum Ende kommt.

Aber wo ist der Unterschied zwischen Christi Handeln und dem „Anschlag“ des fliegenden Suizidkommandos?

Judäische Volksfront

Soweit es aus dem Film erkennbar ist, liegt das Ziel der Judäischen Volksfront darin, Judäa von der römischen Besatzung zu befreien. So weit, so normal. Die Unfreiheit besteht hier in der Fremdbestimmung durch eine ausländische oder als ausländisch empfundene Macht. Also kein großer Unterschied etwa zur katalanischen oder schottischen Unabhängigkeitsbewegung. Unterstellt man, daß die Judäische Volksfront wohl auch vor Waffengewalt nicht zurückschreckt, dann sind die Vergleichspunkte wohl eher ETA, PKK, PLO oder Irgun.

Jesus Christus

Jesus geht es in Seinem Befreiungswerk jedoch nicht um solche äußere, nationale Freiheit. Als Er zum König gemacht werden soll, entzieht Er sich, im Verhör mit Pilatus sagt Er, Sein Reich sei nicht von dieser Welt. Es geht Ihm nicht um weltliche Befreiung.

Befreit wird der Mensch durch Jesus nicht von einer fremden Macht. Diese Perspektive scheint Jesus gar nicht zu interessieren. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“. Und auch seine ersten Nachfolger waren da durchaus zurückhaltend. Grad von Paulus kennen wir die Forderung, der Obrigkeit untertan zu sein, auch spricht er sich nicht gegen die Sklaverei aus oder die Unterordnung der Frau unter den Mann – jedenfalls nicht direkt.

Denn der Befreiungsakt geschieht an einer ganz anderen Front. Sie löst ein ganz anderes Problem als daß der weltlichen Unterdrückung. Das Problem ist das Problem der Sünde. Christus befreit uns nicht von einem weltlichen Tyrannen, sondern von der Sünde.

Sünde? Echt jetzt?

Aber mal ehrlich, abseits vom innersten Kreis der Kerngemeinde und vielleicht noch studierten Theologen, wer versteht sich heute als Sünder? Wer versteht überhaupt, was Sünde ist? Eine böse Tat? Eine Tafel Schokolade in der Fastenzeit? Tanzen am Karfreitag?

Ich hatte hier schon einmal meinen Religionslehrer im Gymnasium erwähnt. Er erklärte uns das mit der Sünde immer mal wieder mit folgendem Bild: Freiheit und Verantwortung müssen sich die Waage halten. Nehmen wir uns irgendwann mehr Freiheit, als wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, entspricht die Diskrepanz zwischen beiden der Sünde.

Freiheit!

Wenn wir jetzt mal die Religion bei Seite lassen, so sollte doch leicht ein Konsens herzustellen sein, daß es von Übel ist, wenn sich jemand alle möglichen Freiheiten rausnimmt, ohne die entsprechende Verantwortung zu übernehmen: Alkohol trinken und trotzdem Auto fahren, Sex ohne Gummi und die Frau schwanger sitzen lassen, Daten sammeln und nicht sicher speichern… Es gibt viele Beispiele, die man aufzählen könnte.

Wo ich Freiheit auslebe, kann das immer auch Auswirkungen auf andere haben. Und für diese Auswirkungen habe ich die Verantwortung. Übernehme ich die nicht, sorge ich mich nicht um die Konsequenzen meines Handelns, dann entsteht Leid. Aus der Sünde, also dem Verweigern von Verantwortung, entsteht Leid. Und zwar in ganz verschiedener Weise. Das Leid, das durch das verantwortungslose, alkoholisierte Führen eines Kraftfahrzeugs entsteht ist anders als das Leid, das entsteht, wenn sich jemand schmieren läßt oder jemand Drogen mißbraucht.

Verantwortung!

Jahrelang fragte ich mich, wie es nun ist, wenn ich mehr Verantwortung als Freiheit übernehme – oder sollte ich sagen: übernehmen will?

Letzte Woche sprach ich mit einem Kollegen über das Altern. Irgendwann ging es darum, ob es besser sei, früher zu sterben, bevor man unter Demenz leidet oder allgemein zum Pflegefall wird. Wir kamen darauf, inwieweit man sich in einer solchen Situation vielleicht als „useless“ (wir sprechen meist Englisch im Büro), also unnütz, verstehen würde.

Ich stellte es in Frage, Menschen nach ihrer Nützlichkeit zu kategorisieren. Darauf meinte mein Kollege, das sei trauriger Weise das Paradigma, unter dem wir alle leben.

Und da fiel der Groschen bei mir: Auch das ist Sünde. Die Verantwortung für etwas übernehmen zu wollen, was nicht in unserer Freiheit steht, ist Sünde, also führt zu Leid!

Nützlichkeit

Ob etwas „nützlich“ ist beurteilt man daran, wie gut man es benutzen kann, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Und hier sieht man auch schon das Problem, wenn man dies auf Menschen anwendet: Man macht Menschen zu einem Objekt, zu Dingen, die gebraucht werden für bestimmte Zwecke. Man verweigert die Achtung ihres eigentlichen Wesens, daß sie als Menschen nicht zu irgend einem Zweck da sind, sondern einen Selbstzweck haben. Keiner darf Menschen besitzen oder sonst über sie verfügen. Das ist Konsens einer freien und demokratischen Gesellschaft,und der Gedanke liegt auch hier im christlichen Denken zu Grunde.

Die Menschen sind untereinander Brüder und Schwestern und ihr Umgang miteinander soll sich an der Liebe orientieren. Wenn jemand einen Menschen beurteilen kann, dann höchstens Gott, denn Er hat den Menschen gemacht und kennt sich aus.

So lange es um die Beurteilung anderer geht, sind wir noch beim ersten Beispiel: Wenn sich jemand mehr Freiheit raus nimmt als er bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Zum Beispiel Menschen aburteilen und dann sich selbst überlassen, ohne ihnen eine Perspektive zu geben.

Wenn ich aber das Ganze auf mich selbst anwende, wenn ich also nach meiner eigenen Nützlichkeit frage, kommen wir in den anderen Bereich. Ich versuche, mehr Verantwortung zu übernehmen als ich Freiheit habe. Immer noch unternehme ich den Versuch, Gottes Platz einzunehmen. Ich versuche, etwas zu tun, was Ihm obliegt und auch Er nur wirklich kann. Was weiß ich denn im Vergleich? Wie fundiert kann mein Urteil denn sein?

Leid

Und auch hier entsteht Leid. Ich weiß, wovon ich rede, ich kämpfe manchmal auch mit Depression. Ich weiß nicht, was ich anderen bedeute, und maße mir ein Urteil über meine Nützlichkeit an. Ich weiß nicht, welche Auswirkung mein Dasein hat und maße mir an, ein Urteil darüber fällen zu können.

Ich bin alt, bettlägrig und empfinde mich nur noch als Last für meine Kinder und Angeörigen.Oder ich habe Angst vor so einer Situation. Also beschließe ich, lieber jung zu sterben. Oder jünger, wenn ich es noch selbst in der Hand habe. Auch das verursacht Leid. Am offensichtlichsten bei den Hinterbliebenen. Aber auch sonst. Wie viele Begegnungen haben wir in unserem Leben, wie beeinflussen wir einander, ohne es zu wissen?

Oder bei mir: Vielleicht will ich gar nicht sterben, aber meine, meinen Nächsten nicht zur Last fallen zu sollen.

Eine Sache beim Leid ist richtig fies: Es pflanzt sich fort. Leide ich, so bin ich dadurch so mit mir beschäftigt, daß ich weniger auf andere achten kann, und füge ihnen auch Leid zu. Man wird dünnhäutiger, explodiert leichter. Oder man sinnt schlicht nach Rache, will es anderen doppelt heimzahlen. Und andere Menschen wissen natürlich darum, gehen mir aus dem Weg, wenn wir gereizt bin. So läßt man sich durch die Situation, durch die Spannung, die Leid erzeugt, gefangen nehmen. Man paßt sein Tun an, verliert Freiheit.

Leid pflanzt sich fort und multipliziert sich. Das ist die Konsequenz der Sünde, so funktioniert sie.

Befreiung, oder christliche gesprochen: Erlösung

Wie paßt jetzt Jesus da rein? Im Gegensatz zum fliegenden Suizidkommando? Nun, zuerst einmal starb Jesus wegen unserer Sünde. Menschen nahmen sich mehr Freiheit, als sie verantworten wollten. Unterjochten ien Land, arrangierten sich mit den Machthabern etc etc. Am Ende war es so weit, daß man in Jesus einen Aufrührer sah, nur weil Er offen sagte, was Sache war und weil Ihm viele Menschen zuliefen.

Jesus, der den Eliten Angst machte

Solche Menschenansammlungen mußten die Römer ja skeptisch ansehen. Sie wußten ja um das Leid, daß sie der Bevölkerung zugefügt hatten und hatten auch schon einige Erfahrung mit Aufrührern. Sie hatten Angst, waren durch ihre eigene Sünde gefangen genommen worden. Das ließe sich jetzt für alle möglichen Gruppen durchführen, von der gesellschaftlichen Elite bis hin zu den echten Aufrührern, denen es freilich suspekt vorkommen mußte, daß Jesus nicht zu den Waffen rief. Und dann gibt es ja auch das Problem der Rivalität zwischen der Judäischen Volksfront und der Volksfront von Judäa…

Was tat Jesus also? Er ließ sich ans Kreuz schlagen. Obwohl Er Alternativen gehabt hätte. Oder lassen wir die Engelslegionen bei Seite und betrachten es weltlich: Da wäre es immer noch vernünftiger gewesen, die Anhänger zu den Waffen zu rufen. Es gibt ja die Deutung, daß es Judas Ischariot genau darum ging. Außerdem wurde Jesus ja mehrfach verhört: Vorm Sanhedrin, vor Pilatus und auch vor Herodes Antipas. Mit ein bißchen Verhandlungsgeschick wäre Er da vielleicht auch rausgekommen aus der Sache.

Aber Er hätte sich auch der Logik der Sünde unterworfen. Er hätte die Verantwortung für Sein Tun nicht übernommen. Wäre es Ihm um Sein Leben gegangen, wäre Er womöglich nie in die Situation gekommen. Aber es ging Ihm um mehr. Also tat Er, was Er für nötig hielt, und nicht was opportun war. Er ging zu den Menschen, den Zöllnern, Sündern, und behandelte sie wie Menschen, heilte hier und da und stiftete Gemeinschaft.

Er unterwarf sich aber der Logik der Sünde nicht. Er kuschte nicht, Er unterließ nicht, was Er für richtig hielt. Und Er nahm die Konsequenz auf sich, ohne Widerstand. Er verteidigte sich nicht in den Verhören, und ging ans Kreuz. Litt unsre Not, starb unsern Tod.

Unser Tod

Unser Tod, weil wir Menschen es sind, deren Sünde dazu führte, daß Er am Kreuz enden mußte. Weil die Menschen in ihrer Sündhaftigkeit Angst bekamen. Also schlugen sie drauf, bevor sie vielleicht selbst Opfer werden konnten.

Aber was geschah dann? Jesus wehrte sich nicht. Hatte man sich geirrt? Wieso wehrte Er sich nicht? Selbst wenn Er zu Unrecht verurteilt wurde, hätte Er sich doch gegen die Todesstrafe wehren müssen?

Und dann stand Er wieder auf. Tod wo ist Dein Stachel, Hölle, wo Dein Sieg? Er durchbracht die Logik der Sünde. Er ließ sich nicht gefangen nehmen. Er scherte sich nicht um Opportunitäten, und Er schreckte nicht davor zurück, die Verantwortung dafür zu übernehmen, was Er tat. Daher mußte Er sich auch nicht entschuldigen.

Das ewige Leben

Bis hierher war es vielleicht für atheistische Leser noch in Teilen nachvollziehbar. Sobald wir aber zur Auferstehung kommen,geht es nicht mehr ohne Glauben. Das aufrechte Leben Jesu, der Tod und die Wiederauferstehung, nehmen dem, der daranglaubt, die Angst – zumindest ein Stück weit – kein menschlicher Glaube ist perfekt,deshalb bleiben wir auch alle Sünder.

Die Sünde besteht weiter, Menschen nehmen sich mehr Freiheit, als sie Verantwortung übernehmen – oder sie versuchen mehr Verantwortung zu übernehmen, als sie Freiheit haben. Und sie erzeugen damit Leid. Wer aber an die Auferstehung glaubt, weiß auch, daß das Leid zeitlich begrenzt ist. Er schränkt sich vielelicht ein, wo er Leid erfährt, besteht nicht auf allen Freiheiten, um in der aktuellen  Schwäche weniger Verantwortung tragen zu müssen. Er wird frei von der Sünde in dem Sinne, daß sie ihn nicht mehr beherrscht, wenn er sie auch nie ganz los wird.

Diese Freiheit ist viel tiefgreifender als die Freiheit, für die all die Freiheitsbewegungen kämpfen.Sie ist grundlegend und verändert die Welt. Es mag sein, daß der Gedanke einer Gleichberechtigung der Frau nicht explizit in der Bibel steht, aber er entstand in einer biblisch geprägen Kultur, und die ersten Schritte gingen früh los. Die Bibel lehnt auch die Sklaverei an sich nicht ab, trotzdem waren es Christen, die sich nachhaltig und mit Erfolg für die Abschaffung der Sklaverei einsetzen, und zwar aus religiösen Motiven. Wenn man sucht kann man viele weitere Aspekte finden. So entspricht die Gleichheit aller vor Gott der Gleichheit aller vor dem Gesetz – das haben wir auch noch nicht so lange.

Jesu Tod führt letztlich zur Freiheit – im Gegensatz zum Tod des fliegenden Suizidkommandos. Und der Weg geht weiter.

EKD, Gesellschaft, Glaube, Kirche, Theologie

It’s the catechesis, stupid

ein Tropfen führt zu konzentrischen Kreisen im Wasser
Mikkel Houmøller [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

So viele Probleme!

Jana ist Freikirchlerin. Darauf wird in jedem Beitrag verwiesen, also muß das irgendwie wichtig sein. Vielleicht geht es darum, sich von ihr gleich mal implizit zu distanzieren?

Geredet hat wie es aussieht keiner mit ihr, seit vor einem guten Monat der Streß los ging. Also keiner von Seiten der EKD, deren Zugpferd sie ja sein sollte für eine Präsenz auf Youtube. Immerhin 200.000 € soll sich die EKD das kosten gelassen haben. Für ne professionelle Produktion sicherlich angemessen, aber trotzdem keine Peanuts, die EKD ist ja nicht die Deutsche Bank.

Der Hintergrund

Achso: Für alle, die nicht auf dem Laufenden sind. Die EKD hat sich überlegt, auf Youtube präsent sein zu wollen und deshalb ein Projekt gestartet. Hanno Terbuyken von evangelisch.de hat auf seinem Blog confessio digitalis ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert, wie und warum es dazu kam.

Jedenfalls wurde Jana Highholder diejenige welche die EKD auf Youtube repräsentieren sollte, trotz ihrer Zugehörigkeit zu einer Freikirche – was ja an sich ein positives Zeichen sein kann.

Nun hat Jana aber am Weltfrauentag von Unterordnung der Frau gesprochen, wenn auch (?) nur auf sich selbst bezogen. Das hat die genannten Wellen geschlagen.

Reden über den Glauben

Ich hab mich ja schon bei Hannos Artikel gewundert. Der schreibt nämlich:

Unter den YouTubern, die die Agenturen mit eingebracht haben, war sie aber diejenige mit der besten Bildschirmpräsenz und der klarsten eigenen Glaubens-Ansage.

Die Hervorhebung ist von mir. Und im Ernst: Wundert das wen? Die Freikirchler (und die Konservativen innerhalb der Landeskirchen) sind doch grad diejenigen, die am ehesten klare Aussagen überhaupt treffen können! Da ist alles (oder zumindest vieles) ganz klar vorgegeben. Jemand,d er seine Ansichten nicht so klar hat wäre wahrscheinlich mainstreamiger rübergekommen.

Kirchengeschichten dazu:

Konkrete Sprache fällt im protestantischen Mainstream sehr schnell unter den Verdacht der Freikirchlerei – kein Wunder, dass dieses Milieu so gut wie keine Menschen hervorbringt, die willens oder in der Lage sind, öffentlich über ihren Glauben zu sprechen.

Ich frage mich ja, ob das so sein muß. Der Autor von Kirchengeschichten (sorry, ich wußte Deinen Namen mal aber ich hab den nirgends mehr gefunden) sieht den Grund hierfür, daß die Landeskirchen die Mitglieder nicht verschrecken wollen.

Aber kann es das sein? Lieber nix sagen, bevor man aneckt? Lieber schwammig als konkret, bevor man Mitglieder verliert? Ist es nicht möglich – immerhin sind wir, die Gläubigen, doch ein Leib – daß wir im Einzelnen abweichende Ansichten haben und trotzdem gemeinsam glauben?

Jetzt mal ins Unreine gesprochen: Wenn Jana so ein Frauenbild hat und sich damit wohl fühlt, soll sie meinetwegen damit glücklich werden. Solange sie nicht von anderen verlangt, das auch so zu sehen…

Marketing und Verkündigung

Aber hier kommt dann wieder das allgemeine Problem: Die EKD wollte ja durch eine Person sich selbst darstellen. So kann das nur schief gehen. Aber wie hätte es klappen können? Indem eine Redaktion alle Aussagen weichspült und genau aufpasst, was Jana in jedem Video sagt? Das wär dann wohl recht unauthentisch geworden. Und das merkt man normal auch.

Ich erinnere mich noch an Beff-Man, der kritisch über die Kirche schreiben wollte, aber halt auf nem Kirchenblog – was dann deutlich weniger ätzend wurde als erhofft…

Mein Eindruck aus meiner zugegeben geringen Praxis (nach dem Vikariat war ja Schluß) ist, daß Jugendliche durchaus Fragen zum Glauben haben, durchaus interessiert sind. Man muß sich halt die Zeit nehmen und die Anstrengung auf sich nehmen, mit ihnen darüber zu reden. Katechese sagte man früher.

Da geschah das per Druckbetankung im Konfi-Unterricht. Zum Glück ist das heute nicht mehr so. Zu viel Zwang. Aber wenn Fragen sind, muß ein Pfarrer nach meiner Meinung (ja, ich hab leicht reden) da sein, Rede und Antwort stehen.

Bei der immer weiter steigenden Arbeitsbelastung ist das freilich kaum drin. Und ich befürchte, das Problem ist eher hier zu verorten.

Und dann wird der ganze Unsinn deutlich, der da gerade läuft. Mir stellt sich das so dar:

Die EKD wollte mit ner coolen jungen Erwachsenen ihre Marke stärken. Quasi wie Coca Cola darstellen will, daß ihre Erfrischungsgetränke cool sind, damit sie gekauft werden.

Nur: Was verkauft die EKD? Eben, nichts. Und deshalb ist das ganze Konstrukt schief, und deshalb kann das so gar nicht funktionieren.

Und die Zukunft?

Was funktioniert ist, daß Personen, die über ihren je privaten eigenen Glauben reden, andere damit zum Weiterdenken anstoßen – im Guten wie im Schlechten. Aber das muß schon eigene Überzeugung sein, kein redaktionsgefolterter PR Text.

So gesehen war es richtig, daß Jana die Möglichkeit hatte zu sagen, was sie sagte.

Das Problem war halt nur, daß die EKD sich auf eine Person konzentriert hat. Das Problem ist ein Stück weit vielleicht auch, daß Menschen sich über die Ansichten anderer Menschen empören. Und das Problem ist, daß Jana (bisher?) die einzige Stimme war, die mit Segen der EKD von ihrem Glauben auf Youtube erzählte.

Begreift man das Ganze aber nicht als Markenkernstärkung, sondern als das was es ist: Reden vom Glauben – und setzt man die eigene Jugend in die Lage, über den eigenen Glauben zu reden, und greift man dann noch Wolfgangs Netzwerk-Idee aufgreift, dann könnte das echt ein Projekt mit einer gewissen Breitenwirkung werden.

Und das führt dann vielleicht wieder zu Fragen bei Jugendlichen, also weiteren Katechesegelegenheiten… und irgendwie denk ich jetzt grad an das Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“…

Ihr versteht, was ich meine 😉

English, Theologie

Inerrant God and the Spirit of the Bible

I am still dealing in my head with Agent X’s article „Prophets of Consumerist Doom“. We entered a serious debate over at his blog and I have also added an article on my blog to the discussion.

As I want to keep things more approachable also for other readers, I write another blog article rather than another comment on the Fat Beggar’s School of Prophet’s blog. After all, the Web 2.0 was about building up networks, right. Maybe some of my readers wants to jump in to the discussion and write an article on his/her blog…

But before I get deeper into the discussion, I think it is necessary for the sake of clearing premisses, that I write a bit about how I see the bible. Because honestly, I feel like the different approaches towards the bible without clearing them for oneself and for others, brings most of today’s misunderstandings about. And in the end, it is all about calling others names like heathens and infidels and what not. I think we need to understand first, as understanding makes love easier and love hinders condemnation.

So let’s talk a bit about what the bible is – in my opinion – and how to use the bible and what to get from it, using it that way.

What is the bible?

Stupid questions get stupid answers, and so one could be tempted to say: „A book.“ Right as the answer is on the one hand, it appears to bring us no further in our quest – or does it?

Because, being a book, one could presume several things, for example, that there need to be one or several author(s). Also, books do have one or several purpose(s). Both is true for the bible, and both is, as I think, a matter of intense debate.

So who is the author of the bible? Some might feel tempted to say „God“, but I hesitate, because not even the bible says so. God is nowhere in the bible said to have put up a pen and written down any one book of the bible, or even the bible as a whole. He didn’t. There’s no such claim. So I won’t make this claim up. I stick with what we know of authorships (to some extent by the bible itself), that there were several human beings (most of all men from the middle east) who wrote down parts of the bible each.

And I do stick to what I learned at university, that there has been a long process of writing, rewriting, redaction, „corrections“ and what not on the bible text, before what we have today in our modern language bibles, be it KJV, NIV, German Luther translation or Volxbibel. Whoever had a look into textual criticism knows, this is also true for ancient language bibles, we have nothing that we could call the original, though deviations of the different original language texts from one another is in most cases not very big.

So the bible is a book, composed by mostly men of middle eastern descent, from cultures that are different to our own cultures, that even differ within themselves: Whoever composed the Miriam-Song lived in a completely different reality than whoever composed the Apocalypse of John.

Apocalypse of John? Didn’t John write it? Some folks seem to be obsessed with such questions, they seem to think that if John did not write the Apocalypse of John, all other things written down might be lies, too, and if that’d be so, what use would it to be to even look at the bible?

You see we also touch the next question, how to use the bible, but we have not yet been talking about the purpose. So what would be the purpose of the bible being written?

Some folks might say: To give directions to true believers to know whatever they are to do in any situation, or to reveal the will of God Almighty or something along these lines.

I think of it a bit differently. I think there were men who had an experience with God and wanted to write it down, one way or another. And other people read that, because it gave them something. And they retold the story, and it was changed to fit other circumstances, but sometimes it was also kept, the different story parts might have gone through quite some change as they turned into the composition of the bible we have today. It is a lengthy process.

Now one thing is important to me. No, make that two: One thing is that the people involved did not (for the most part – we are all sinners, aren’t we?) do it for some evil plans to be fulfilled, they wanted to tell of God, how they experienced Him. Whether they used the form of fiction (similar to C.S. Lewis or J.R.R. Tolkin), historical setting (Ken Follet?) or whatever form of literature – they wanted to tell of what they experienced with God.They were sincere.

And they were read by the community that passed on their writings. So the community approved of what they found. We would not pass on literature that we consider bad, or morally questionable. There might be others in our times who would, but they wouldn’t consider the literature bad or questionable as we do, they’d like it for some reason or another.

So I come to the conclusion, that the bible is a book, composed by many people who expressed their experiences with God, and that book is approved by believers throughout times. Just as we read the Old Testament texts, Jesus read them. And just like we read Paul’s letter to the Galatians, the Galatians themselves read it. Maybe there were some differences in their actual copies, but most was at least very similar.

We share through the bible community with other readers throughout the times, other sisters and brothers in faith, who read the same texts and were lifted up by the witness of the texts, the experiences of other sisters and brothers (mostly brothers though) brought into the form of literature.

Looking at it as this is, the question whether John wrote the Apocalypse is at most boring. Which John anyway? I don’t care about the name, I care about what experience he had with our (his and my) God. I care about how this was considered relevant to fellow Christians from the first reader all down the line to me and my fellow sisters and brothers in these times.

The purpose for the bible to be written was to tell of God. And when I read the bible, I hear of God.

How to use the bible?

„So all I have to do to hear of God is to open the bible and read?“

„Yes.“

„So what I read there is the word of God? So God is the author still?“

„No, the bible is not the Word of God, it contains the Word of God. You yourself cannot do anything to get the Word of God out of it. It’s God’s to open the bible up to you trough His Holy Ghost (or is it Holy Spirit? I am never sure which is the right English term.).

Of course we can read in the bible. And we might get some interesting insights into biblical history, poetry and what not. You can analyse it like any book, but that will lead you nowhere.

Well, not exactly nowhere, but where reading and analysing Shakespeare or any other worldly writer would bring you too: greater knowledge in a certain field of literature. As God didn’t write it, we cannot get His will directly from it.

You can read the bible all your life and be an atheist. And you can read one verse and start to believe. God makes the difference, and we cannot do anything about it really.

The difference God makes, I suppose, is that between a distanced look at literature and an existential look at the literature of my community. I can be entertained by Shakespeare, but the team songs of my favourite football team touch deeper. They have to do with me.

And as I am Christian, the bible has to do with me. I am a sinner and might be making mistakes, but I seek to get something from the experiences other believers had with God. Some understanding, relieve maybe. And as God didn’t write it, I won’t get anything about Him by quoting single verses. This will get me to the actual author. But the author tells a longer story, and the story is about life with God. And the God is the same God in all stories, so I expect there to be a general picture of this God to shine through.

Yes, there are all kind of contradictions and cruelties that lead people to say this God must be mad or a monster, but actually, I think this is not God you see in there, but the sinners that wrote the text. I think you can look beyond this, but you might have to need the Spirit to do so. Luckily, as Christians we have the Spirit not in our pockets, but sent to us by our Lord and saviour to comfort us. And He does, opening up the bible to us.

And in all this we need to remain humble. You can never be too sure whether the Spirit guides you or your own desires. The bible is only one voice to listen to. We also have the Spirit talking directly to our hearts (whereas we still cannot be too sure which Spirit is talking at any given time), we have our fellow Christians with whom we share community and hopefully the one or the other talk about how God is making Himself heard in our lives, maybe there are testimonies as well… and last but not least we have our brains to make sense of all that.
With none of these we can be too sure, nothing gives us a clear direction, we cannot step back, out of responsibility. We will be responsible for what we consider right and wrong, so I consider it a bad thing to point to a bible verse prohibiting others certain things, like premarital sex or homosexuality or Rock’n Roll music. We are responsible for ourselves and others for themselves. We need to talk, because we are brothers and sisters, we need to understand, else there will be division in the body of Christ, which shall not be.

What to get from the bible?

So what do I get from the bible, from reading the bible? Nothing much, if I look for a 1-2-3 plan for my life or for other’s lives or anything like that. It’s not a short cut to circumvent own thinking, own responsibility for thought and claims.

But what we do get is an idea of God, an idea of community and an object around which community can form, as we talk about it, as we gather to hear from it. All directed towards the triune God, not the text, but with the text as some kind of catalyst if you like. Plus, you get quite some good literature. After all, the bible is an all time best-seller, and certainly not only because of the tradition of having a bible copy as a Christian. Some folks do really read it and enjoy it.

Post Scriptum

You might have realised that I did not argue biblically. I do not intend to give biblical proof for what I wrote here, because that would be a circle, wouldn’t it. I mean you wouldn’t even consider it to be true if you found a paper with two sentences on it:

The world is flat. What is written on this paper is true.

The bible declaring itself to be true is no better argument than a person claiming to be no liar. The bible itself, the person itself is hardly proof. You need proof from other sources: The Spirit, fellow Christians, your brains. I chose the route via the brains here, though I have the impression that the Spirit doesn’t tell me a very different story, so I ask you, my Christian brothers and sister for your comments as a further corrective. We need this talking, this forms community – especially here on the internet where we cannot share bread and wine.

Commenting Media, English, Glaube, Theologie

„I want to know what Jesus would do“

Agent X of the Far Beggar’s School of Prophets wrote an article called „Prophets of Consumerist Doom“. The main argument of the article is, that there are many prophets around who remind us of the problems in this world.

Speaking of Pop music, I’d think of Guns ’n Roses‘ „Civil War“, Papa Roach’s „Broken Home“ or „Schrei nach Liebe“ by „Die Ärzte“.

Agent X brought up an old video, that addresses the problem of consumism in the „western?) world, which offers remedy that is not exactly Christian.

The question Agent X asks is more or less the headline of this article:

I want to know what Jesus would do

But first, the video:

Youtube blocked the once here embedded video for copyright reasons, sorry.

I will be honest here, I have not seen the whole video. It is very very long, and I just do not have the time. But I think I found a rough ground-structure of the video, which is a us vs them dichotomy:

It explains the world as consistent of two groups: The exploited on the one hand and the exploiters on the other. And while I agree that there are exploited people as well as there are exploiters, I think this is a false view of reality.

And I think this would be a first answer to Agent X’s question:

I ask my Christian brothers and sisters to talk about how Jesus addresses the world depicted here.  Seriously.

The world depicted here is a depiction through a broken lens. 1Cor 13:12 comes to mind. So what I think is Jesus would question this way of looking at the world. He would not ask who (among all others) the exploiters are, He’d say something along the lines of „woe, you exploiters“ and then make us realize our role in all this.

After all, aren’t we the consumers? Agent X agrees in a comment:

We don’t need all this junk. We don’t need all this mindless frenzy. It is killing our planet and making us glutted fat slobs. We need to repent.

Agent X also writes, the US were part of the problem. Well, they are also part of the victims of the problem, namely the homeless people of America (among others), which does always have an impact on every one person, so we do all sit in one boat.

But back to looking for solutions. To me it seems, most if not all man made solutions seek to replace the head in order to change the system. Democracy in Iraq? Kill Saddam and have free elections. But afterwards there were still the tribes, the different religions and national groups. Oopsie. Similar in Afghanistan? Establish Democracy? Easy: Defeat the Taliban and have elections. Well, who could know you need democrats (people who actually believe in democracy, not the US political party) for a democracy to work (hint: Maybe Germans who paid attention in history class,because this is more or less what happened here between the two world wars: Kaiser Wilhelm was resigned and democracy was established, though the people longed for a strong man like the Kaiser. They got Hitler…).

I disgress…

Also you find it in Marx’s communist manifesto: Establish a leadership of the avantgarde of the worker’s class  to lead the actual system from what it is via socialism to communism. In fact, only the heads have been exchanged. Was the Kaiser worse than Hitler? Was the Czar worse than Stalin? Was Saddam worse than Daesh?

But what to do? For me it is essential to see that you do not change the system when you change the heads. Of course, the ones call themselves socialists, the others fascists or fundamentalists. Each care for different groups of people, each consider different groups of people evil, the enemy, the oppressor. Bankers, Jews, Infidels… it’s always some outgroup that is considered responsible. But in fact they all care for their own and oppress the other. They dehumanize them and then kill them – in big scale.

The system is always the same,and we are more then willing to play our part. Agent X is right, we need to repent. And I think this is what Jesus would ask us to do.

And that would mean to refuse, as far as possible, to be part of the system. We won’t be able to avoid it at all, but we have our chances. If we succeed, we might be nailed to a cross. Or just shot dead, like Martin Luther King. And there are other names: Paul Schneider, Oscar Romero

It’s not that hard to find a way to oppose the system. If you find something going wrong, don’t be silenced. Speak out. You do not need to take action more than that. Telling the truth in a world of lies is a powerful act. Like Paul Schneider. The Nazis were so afraid of their power being undermines by the words of a pastor of a village in the province, that they killed him in a concentration camp even before the organised genocide stared in the early 1940s.

Of course, there’s always more you can do: Act and help other people who are downtrodden by the system. There is nothing wrong with helping e.g. a communist in a fascist system, after all, he is a human being and a child of God. But don’t be surprised if he won’t thank you too much after the heads have been exchanged. He might as well seek to kill you, once the system works for him and you still oppose it. We don’t do this to be loved by men…

And even more you can do: Use the means within the actual political version of the system to better things, to act on behalf of the downtrodden. If you live in a democracy, do politics, get elected or convince your representatives. Luther wrote, we are all simul iustus et peccator, both just and sinners. This is true for our representatives as well. Government programs can help a bunch so that charity can focus on more special cases.

In doing what you do, you can break laws, as long as you do it openly and willing to take upon you the punishment, as Martin Luther King wrote in his Letter from Birmingham Jail.

But what crosses the line is, when you start taking over the logic of the system, when you start to exchange heads in order to better things. This is where I am not sure how close I am to Bonhoeffer. Maybe what he had in mind falls into the section of breaking laws openly, but I am not sure. But I disgress again.

The logic of the system builds upon power and fear. Just like Satan in the desert, people are lured with power or ability, maybe even ability to help the poor. But then they are scared, they might loose their newfound powers, their abilities, because of others who seek to have these powers, or some of it. This can start with little things like being anxious of going to church service stinking and end with killing opposing province pastors. In the first we are afraid to loose our good reputation, in the latter we are afraid to loose grip on the people we rule…

To be clear, I compare the structure underneath our deeds, I do not compare Agent X to Hitler, far from it! But I think the fear he described before going to church stinking has something to do with dictatorships‘ fear of opposition. In both cases you run the risk of loosing approvement from other people. But, to make it even more clear: Agent X got beyond this actually going to church stinking, while the Nazis tried to shut up every opposing voice. They did not confront their fears.

You break the logic of the system, by controlling your fear, by facing it, by  nnot avoiding it, by finally getting over it.

And I think this is where the cross comes in. If you know, all will be wonderful in the end, you can endure a lot. As Unbelievers we cannot be sure that all is wonderful in the end. What we know is that in the end – we are dead. So we have to make the most out of our lives.

This and the fact that we are not perfect and are again and again confronted with doubts in our believe, makes the system so strong. Agent X wrote about this to be a struggle with demons, and it is. The system is the realm of the demons, you could as well call it hell or death. It’s basically all the same.

As believers in the cross and resurrection of the Christ, we know all will be fine in the end, because we are saved. And this is the force that will brake the system, which actually broke it already 2000 yeas ago. What we witness is only the drawback fight of the demons. They are still strong, and they bring about their share of hurt for people, but in the cross they are ultimately defeated.

So what we can do is actually: Take up our own crosses, like Jesus said, be open about the system and where it hurts people, refuse to take part in it, work not directly against it to avoid the risk of trying to exchange heads, but do what is right and leave what is wrong. That’s already a hard thing to do. But nothing is impossible for those, who believe.

Post scriptum: I tend to put things to extremes. It’s not all about dictatorships and death camps. I try to use these extremes to show, where things are heading. Most of the things we see are way less extreme, but still hurting people. Most of the time the system does not go to such extremes, this doesn’t mean it is defeated in times when there are no death camps, when we have democracies instead of dictatorships. The above video shows very well, how the system does work well within western democracies. And it will work with any political (sub)system, we will finally overcome the system only in the kingdom of God.

Theologie

Credo

Der auferstandene Christus mit der Siegesfahne
Der auferstandene Christus kommt mit der Siegesfahne
Marco d’Oggiono [Public domain], via Wikimedia Commons
In seinem letzten Blogpost umreißt Thomas seinen Glauben in 5 Bibelversen. Die Idee hat er von Malte, der seinerseits einen Vortrag von Rod Rosenbladt übersetzte. (soviel zur Traditionsgeschichte)

 

 

Ich fand die Idee interessant, jedenfalls hat sie mich dazu inspiriert, mir ein wenig Zeit zu nehmen und zu versuchen, das für mich auszuformulieren. Dabei will ich mich nicht auf einzelne Verse beschränken, sondern eher auf Aussagezusammenhänge; die können dann auch gerne mal länger sein. Los geht’s:

 

Schöpfung (Gen 1, 1-5)

1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.
3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.
4 Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis
5 und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Mußte ich fürs Hebraicum auf Hebräisch auswendig lernen (wie wahrscheinlich die meisten Hebräischlernenden hierzuland). Wichtig ist mir hier zweierlei:

  1. Gott erschafft nichts aus dem Nichts, sondern es war schon was da: Das Tohuwabohu des hebräischen Textes übersetzt die Lutherbibel mit „wüst und leer“.
  2. Gott schafft, indem Er ordnet. Er trennt Licht von Finsternis, Wasser von Land etc etc. So schafft er aus dem lebensfeindlichen Chaos einen Ort, an dem Leben möglich ist.

Sünde (Gen8, 21)

Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe.

Mich interessiert weniger, wie genau die Sünde in die Welt kam, wichtiger finde ich die Feststellung, daß die Sünde nun einmal da ist und wir mit ihr umgehen müssen. Das Faktum der Sünde wird an vielen Stellen der Bibel erwähnt. Was mir hier gefällt ist, daß die Sünde nicht als Grund für Strafen und dergleichen vorkommt, sondern als Begründung dafür, nicht mehr zu strafen.

Offenbar nimmt Gott hier Rücksicht auf die Befindlichkeit des Menschen – und fordert nicht bei Strafandrohung die Einhaltung von Gesetzen, die der Mensch eh nicht in der Lage zu erfüllen ist.

Rettung (Kol 2, 12-15)

12 Mit ihm seid ihr begraben worden in der Taufe; mit ihm seid ihr auch auferweckt durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.
13 Und Gott hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden.
14 Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn aufgehoben und an das Kreuz geheftet.
15 Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in Christus.

Die Lösung des Sündenproblems ist das Kreuz. Am Kreuz wurden die „Mächte der Finsternis“, Sünde, Tod und Teufel ihrer Macht beraubt. Danach wurden sie verspottet. Das ist hin und wieder auch Bestandteil bei Osternachtsgottesdiensten: Das Triumphlachen über den Tod.

Die Schuld, mit der der Teufel (das Böse personifiziert gedacht) uns gefangen hielt, wird ans Kreuz gehängt und belastet nicht mehr, schüchtert nicht mehr ein. Wir sind frei!

Konsequenz (Gen 1, 27)

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

Tippfehler? Nein! Aber von vorn: Die Konsequenz aus unserer Rettung, aus der Lösung des Sündenproblems ist der Wunsch, fürderhin mehr Teil der Lösung als Teil des Problems zu sein. Also streben wir danach, Gutes zu tun (nicht um die Erlösung zu erlangen, sondern weil wir erlöst sind).

Der oben zitierte Vers schlägt den Bogen von unserem Antworten in den Taten zur Verehrung Gottes, der ja Grund und Ursprung der Taten ist: Mit „Bild“ ist hier ein Götterbild gemeint. Wir,dieMenschen, sind das Götterbild des einen Gottes. Er wird nicht abgebildet, weil man Ihn in uns erkennen kann (oder soll).  So wird in unseren guten Taten die Güte Gottes offenbar. Das Bild entspricht der Vorlage.

Das Gegenstück dazu finden wir in der Götzenpolemik bei Deuterojesaja (Jes 44, 12-19):

12 Der Schmied macht ein Messer in der Glut und formt es mit Hammerschlägen. Er arbeitet daran mit der ganzen Kraft seines Arms; dabei wird er hungrig, sodass er nicht mehr kann, und trinkt auch kein Wasser, sodass er matt wird.

13 Der Zimmermann spannt die Schnur und zeichnet mit dem Stift. Er behaut das Holz und zirkelt es ab und macht es wie eines Mannes Gestalt, wie einen schönen Menschen; in einem Hause soll es thronen.

14 Er haut Zedern ab und nimmt Kiefern und Eichen und wählt unter den Bäumen des Waldes. Er hatte Fichten gepflanzt und der Regen ließ sie wachsen.

15 Das gibt den Leuten Brennholz; davon nimmt er und wärmt sich; auch zündet er es an und bäckt Brot; aber daraus macht er auch einen Gott und betet’s an; er macht einen Götzen daraus und kniet davor nieder.

16 Die eine Hälfte verbrennt er im Feuer, auf ihr brät er Fleisch und isst den Braten und sättigt sich, wärmt sich auch und spricht: Ah! Ich bin warm geworden, ich spüre das Feuer.

17 Aber die andere Hälfte macht er zum Gott, dass es sein Götze sei, vor dem er kniet und niederfällt und betet und spricht: Errette mich, denn du bist mein Gott!

18 Sie wissen nichts und verstehen nichts; denn sie sind verblendet, dass ihre Augen nicht sehen und ihre Herzen nichts merken können.

19 Er kommt nicht zur Einsicht; keine Vernunft und kein Verstand ist da, dass er dächte: Ich habe die eine Hälfte mit Feuer verbrannt und habe auf den Kohlen Brot gebacken und Fleisch gebraten und gegessen, und sollte die andere Hälfte zum Götzen machen und sollte knien vor einem Klotz?

Bei den Götzen sind die Bilder aus Holz und können nichts tun. Deshalb werden diejenigen unvernünftig genannt, die sich vor einem Holzklotz niederwerfen.

Geborgenheit (Röm 8, 38f)

38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,
39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Es geht in beide Richtungen. Wir wenden uns nicht nur von Gott gesandt in die Welt, um Gutes zu tun, wir können auch aus der Welt zu Gott Zuflucht nehmen, wann immer wir Geborgenheit und Sicherheit brauchen. Bei allem, was uns widerfahren kann ist eins klar: Wir sind gerettet, Gott gibt uns nicht preis. Um’s Verrecken nicht!

Gesellschaft, Glaube, Theologie

Quo vadis, domine?

Annibale Carracci [Public domain], via Wikimedia Commons
Wohin gehst Du, Herr?

Populär wurde die Frage durch das Buch von Henryk Sienkiewicz und die folgende Verfilmung mit Sir Peter Ustinov. Die Frage kommt erstmal vor in Joh 13, 36, wo Jesus dem Petrus antwortet, er könne dahin noch nicht folgen, sondern werde den Weg später gehen.

Die Petrusakten, eine Sammlung von Legenden um Petrus, nehmen den Satz auf, und Sienkiewicz‘ Buch Quo Vadis übernimmt diese Geschichte wiederum:

Petrus, der mit Paulus zusammen zur Zeit Neros in Rom wirkte, kann gerade noch aus der Stadt fliehen und läßt seine Gemeinde im Stich, die der Verfolgung preisgegeben ist und im Zirkus nach und nach ermordet wird. Und das, obwohl Jesus ihm nach dem Johannesevangelium den Auftrag gab: Weide meine Schafe.

Auf der Flucht aus der Stadt heraus trifft Petrus auf Jesus, der auf dem Weg in die Stadt ist. Petrus fragt nun wiederum die Frage aus dem Johannesevangelium: Quo vadis, domine? Wohin gehst Du, Herr?

Und Jesus antwortet: Ich gehe nach Rom, um mich wiederum kreuzigen zu lassen.

Das bring Petrus zum Umdenken. Er will nicht wieder davonlaufen und seinen Herrn verleugnen. Diesmal ist es ihm gegeben, ihm auf dem Weg zu folgen, also geht Petrus nach Rom, wird gefangen und von Nero gekreuzigt.

An diese Geschichte mußte ich denken, als ich heute auf einigen amerikanischen Blogs über die Mauer las, die Präsident Trump an der Grenze zu Mexiko errichten will. Mehrfach las ich die Aussage: Wenn die Mauer gebaut wird, ist Jesus auf der anderen Seite. Den Jesus ist immer und war immer bei den Armen und Bedrückten.Wenn man die mit einer Mauer auszugrenzen versucht, grenzt man auch den Menschensohn aus, grenzt man sich vom Heiland ab – ebenso wie das Establishment im NT sich von Jesus abgrenzte, weil dieser sich mit Sündern und Zöllnern abgab.

Und das hat mich zum Nachdenken gebracht. Wenn Jesus in Amerika hinter der Mauer, jenseits bei den Ausgegrenzten ist, wo ist er dann beim Flüchtlingselend in Europa? Ich kann es mir nur so denken, daß Er bei denen ist, die auf überfüllten Booten versuchen, das Mittelmeer zu überqueren. Er ist auch hier jenseits, hinder den Grenzen, die wir aufziehen. Wir laufen Gefahr, uns ebenso von unserem Heiland abzugrenzen, weil Er bei denen ist, die wir nicht sehen wollen.

Wie das Establishment im NT Angst hatte um die Ordnung, Angst um die eigene Macht, haben wir Angst um unseren Wohlstand, und hatte der Petrus der Petrusakten Angst um sein Leben.

Alle wollen nur eins: Das eigene retten. Und das bedeutet dann eben auch: Zuerst NICHT für den Nächsten einstehen. Petrus wurde vor Augen geführt, was das bedeutet: Jesus muß ein weiteres Mal ans Kreuz. Daß das nicht geht, ist dem frommen Petrus klar. Jetzt ist er dran, er muß ein Opfer bringen, im Vertrauen auf Gott.

Wo ist unser Vertrauen? Lassen wir Jesus ein weiteres Mal sterben? Diesmal in den kalten Fluten des Mittelmeeres? Gehen wir so leichtfertig über die Forderung hinweg, daß auch wir unser Kreuz auf uns nehmen und Ihm nachfolgen sollen?

Ich weiß noch nicht, was die Konsequenz aus meinen Überlegungen ist. Doch eins weiß ich: Es kann nicht sein, daß mein Herr und Heiland für mich den Kopf hinhält, der ich doch Glied an Seinem Leib bin. Ich sollte ebenfalls bei jenen sein, die jenseits sind, und fern gehalten werden.

Herr, erbarme Dich!

Theologie

Internet-Meme für die Verkündigung – Gedanken

Letzte Woche formulierte ich die Idee, per Internet Memes zu verkündigen. Der Gedanke hat sich in meinem Kopf etwas weiter gesponnen und Formen angenommen.

Beim Durchsehen verschiedener Memes fiel mir noch einmal neu auf, daß es viele Memes mit Bezug zu Jesus/Religion/Christentum bereits gibt, und das wohl schon länger. Viele haben einen humoristischen Hintergrund, viele andere stellen (neo-)atheistische Kritik an Religion dar und manche haben einen Inhalt, der durchaus in Richtung Verkündigung geht – wobei hier oft von liberalerer (nach amerikanischer Terminologie) Seite Kritik an den Fundamentalisten und ihren Ansichten formuliert wird.

Tausende Religionen - ich hoffe Du hast richtig getippt Ein Beispiel (neu-)atheistischer Kritik daran, daß man (angeblich) nur gerettet wird, wenn man (von sich aus) die richtige Religion und den richtigen Gott erkennt
Tausende Religionen – ich hoffe Du hast richtig getippt
Ein Beispiel (neu-)atheistischer Kritik daran, daß man (angeblich) nur gerettet wird, wenn man (von sich aus) die richtige Religion und den richtigen Gott erkennt
Wenn Jesus wiederkommt, wo wird das sein? Vielleicht hier? (Mega-Church) Oder hier? (Pro Life Demo) Oder hier? (Suppenküche) Nah, es wird wohl kaum hier sein, richtig? Dürfte ich mit allem Respekt anmerken, vielleicht zuerst einen Blick in das Handbuch zu werfen, bevor man sich auf eine Antwort festlegt? Ein längeres Meme, das durchaus zur Verkündigung gezählt werden kann.
Wenn Jesus wiederkommt, wo wird das sein?
Vielleicht hier? (Mega-Church)
Oder hier? (Pro Life Demo)
Oder hier? (Suppenküche)
Nah, es wird wohl kaum hier sein, richtig?
Dürfte ich mit allem Respekt anmerken, vielleicht zuerst einen Blick in das Handbuch zu werfen, bevor man sich auf eine Antwort festlegt?
Ein längeres Meme, das durchaus zur Verkündigung gezählt werden kann.

Als ich die letzten Tage über Verkündigung mit Internet-Memes nachdachte, kamen mir vor allem zwei Image-Macros in den Sinn: Condescending Wonka und The Most Interesting Man in the World. Beide waren mir besonders präsent, also wollte ich überlegen, wie die Struktur dieser Image Macros für die Verkündigung genutzt werden kann.

Für diese beiden Image Macros bin ich zu dem Schluss gekommen, dass sie sich für Verkündigung nur bedingt eignen, und zwar aus folgendem Grund: Beide Image Macros funktionieren so, dass sie einen Punkt in einem Dialog darstellen. Man kann an zwei Gesprächspartner denken – das Gespräch muss nicht unbedingt von gegenseitigem Respekt und Anerkennung geprägt sein, deren einer im Verlauf des Gesprächs das sagt, was auf dem Willy Wonka Bild steht. Dieses Image Macro arbeitet mit Unterstellung, nämlich der Unterstellung, daß jemand, der eine bestimmte Eigenschaft hat, oder einer bestimmten Gruppe angehört, sich auf eine bestimmte Weise verhält (oder eben nicht):

Du bist 18 und schon verlobt? Du musst richtig erwachsen sein für dein Alter.
Du bist 18 und schon verlobt?
Du musst richtig erwachsen sein für dein Alter.
Oh, Du liebst Jesus aber haßt Religion? Du musst so viel schlauer und vorurteilsfreier sein als andere Christen.
Oh, Du liebst Jesus aber haßt Religion?
Du musst so viel schlauer und vorurteilsfreier sein als andere Christen.

Man kann auch vom Text abweichen, die Abwertung der Gruppe bleibt:

Oh, Du hast gerade Deinen Abschluß gemacht? Das ist toll. Ich hätte gerne einen Mocca Frappucino.
Oh, Du hast gerade Deinen Abschluß gemacht?
Das ist toll. Ich hätte gerne einen Mocca Frappucino.

Ich habe selbst zwei Versuche gemacht, bei denen ich versucht habe, dem abwertenden Muster auszuweichen, indem ich meine eigene Peer-Group oben einsetzte und den abwertenden Satz dann so negativ machte, daß es auf den Sprecher zurückfällt und eben nicht auf die angesprochene Person oder Peer-Group:

19upbh
Du glaubst also, jeder sei ein Sünder
Erzähl mir mehr darüber, Menschen nicht als gut oder böse zu klassifizieren, wie es sonst jeder tut
19tuos
Du glaubst also an „Liebe Deinen Feind“
Erzähl mir mehr darüber, wie Feigheit zu einer besseren Welt führt.

Das Problem ist: Ich unterstelle hier natürlich auch. Beim oberen unterstelle ich, daß jemand behaupten würde, die Welt in gute und böse Menschen einzuteilen sei normal und richtig. Beim zweiten unterstelle ich eine Ansicht, daß Feindesliebe dazu führt, den Feind nicht zu bekämpfen und daß das mit Feigheit identisch sei.

Ich mache also viele Unterstellungen und Vorannahmen und tue im Endeffekt genau das, was ich nicht wollte: Mich über eine andere Gruppe erheben, statt das Evangelium zu verkündigen.

Beim „Most Interesting Man“ ist es ähnlich: Man arbeitet mit Vorurteilen und Unterstellungen, um seine Position auf- und die des Gesprächspartners abzuwerten. Beim Herumspielen mit Meme-Generators kamen noch zwei andere Ergebnisse raus:

19tvmw
Christen
Warum seid Ihr nicht besser als andere? (mit schlechter Orthographie im Original)

Hier wird zwar auch eine Gruppe – die Christen – angesproche, auch mit einem Vorwurf, aber wenn man in Betracht stellt, daß sie ja gerade nicht schlimmer als andere sind, sondern nur nicht besser, ist es nicht ganz so wie bei den betrachteten Beispielen vorher. Aber was sagt dieses Bild aus? Für Verkündigung ist es etwas dünn für meinen Geschmack, es hat aber einen Punkt (ebenso wie die oben genannten Image Macros einen Punkt haben können). Als – möglicherweise augenzwinkernde – Antwort in einer Diskussion, indem man genau das vorgeworfen bekommt als Christ, könnte man so darauf hinweisen, daß es gar keinen Grund zum Meckern gibt, weil die Christen eben nicht schlimmer sind als andere.

19tvhr
Man bereut nicht einfach
seine Sünden.

Ebenso kann man dieses Image Macro (genau, es stammt aus Herr der Ringe – Man geht nicht einfach nach Mordor) im Verlauf eines Dialogs angebracht werden um den Punkt zu machen, daß das Bereuen der Sünden keine freie Entscheidung ist, sondern auch geglaubt werden muß. Man muß überzeugt sein.

Meine Vermutung ist, daß alle oder zumindest die meisten Internet Memes vor allem in solchen Gesprächen funktionieren: denn dort werden sie ja auch ursprünglich angewandt. Sie funktionieren, indem sie Aussagen der Gesprächspartner übereinander abbilden (Wonka, Interesting Man) oder auf einen speziellen Punkt der Diskussion (Y U NO, One does not simply) eingehen. Für sich selbst sagen sich selten bis kaum etwas aus, und wenn, dann ist es oft abwertend und für Verkündigung kaum geeignet.

Mit dieser Erkenntnis möchte ich erst einmal schließen, nicht ohne einen weiteren Versuche meinerseits. Diesmal wollte ich den ehtigen Losungstext (5. Mose 15, 10) umsetzen, und wieder geht es nicht ohne Anklage:

19xe13
Großzügigkeit
Du machst es falsch.
Theologie

Sympathy for the Devil

Unser Bürgerrecht ist im Himmel. Gilt das auch für ihn?
Bundesarchiv, Bild 183-S33882 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons
Angenommen, wir kommen in den Himmel – und als Christen glauben wir ja daran: wen wollen wir dort treffen? Wen werden wir dort treffen? Und was, wenn wir ganz andere Leute dort treffen, als wir vermuten?

Wir leben in dieser Welt, sind Sünder, für wie gut oder besser als andere wir uns auch immer halten. Grundsätzlich haben wir kein Recht auf den Eingang in den Himmel, wir können es nicht gerechter Weise erstreiten. Gott gewährt diese Nähe zu Ihm in seiner Gnade zu uns. Verdient haben wir das nicht – keiner von uns.

Doch als Sünder die wir sind, haben wir natürlich auch ein verqueres Weltbild. Dazu gehören gewisse Vorstellungen darüber, daß es vielleicht doch Menschen gibt, die so schlimm sind oder waren, daß sie bei Gott kein Gehör finden können, keins finden dürfen, weil sie halt doch noch mal ne ganze Schippe schlimmer sind oder waren, als wir.

So denken wir. Aber müssen wir nicht auch, auf dem Weg in den Himmel, unser altes Wesen ablegen? Müssen wir nicht auch all die Lieblosigkeit ablegen, die uns hier noch bestimmt und vielleicht auch selbst bedrückt? Müssen wir nicht erst gewahr werden, daß wir Sünder sind und was für Sünder wir sind? Müssen wir nicht alle die Konsequenzen unserer Taten erkennen und sie annehmen lernen als durch unsere Schuld verursacht?

Durch eine solche Katharsis muß wohl jeder, der zu Gott kommt. Und wieso sollte jemand, der da durch ist, der die Last der eigenen Sünden gespürt hat, nicht von Gott begnadigt werden wie alle anderen auch?

In einem Gespräch mit einem griechischen Professor über die Hölle im Vergleich zwischen römischem Katholizismus und orthodoxer Theologie sagte er: Unsere Hölle ist am ehesten das Fegefeuer der Katholiken. Sie ist eher nicht ewig, sondern dient der Läuterung.

Das kann ich mir auch gut vorstellen: Wir müssen erkennen, wer wir sind, und das tut weh, sehr weh, weil es demütigt und die eigenen Ausreden zur Selbstrechtfertigung nicht mehr zuläßt. Man kann sich nichts mehr vormachen, man muß da durch. Aber dahinter, da liegt dann die Erlösung. Sobald ich meine Sündhaftigkeit erkannt habe und darunter zusammenbreche kommt Gott, und trägt mich, nimmt mir die Last ab, rechnet sie mir nicht zu. Er sagt: Du selbst willst Dich verdammen, aber ich nehme Dich an.

Wer durch diese Katharsis, dieses Fegefeuer hindurch ist, kann mir auch im Himmel begegnen.

Stell Dir vor, Du hast in Deinem Leben Millionen ermordet und einen ganzen Kontinent in Schutt und Asche gelegt. Natürlich rechtfertigst Du das vor Dir mit irgend einer kruden Ideologie von Herrenrasse oder ähnlichem. Du wirst Dir nicht eingestehen, daß Du mit Deinen Taten die mit schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte begangen hast – würdest Du es Dir eingestehen, würdest Du zusammenbrechen, also flüchtest Du Dich in die Ideologie, die Dich dazu brachte.

Wenn Du nun aber durch die Katharsis mußt, wenn Du gezwungen bist anzuerkennen, was Du da getan hast, und es keine Ausrede mehr gibt, keine Facade, die Du aufbauen und hochhalten kannst vor anderen oder Dir selbst, wie groß muß der Schmerz sein! Unmenschlich groß, weil er durch unmenschlich großes Leid verursacht wurde.

Und dann kommt das, was immer kommt: Die Annahme dessen, das man selbst wirklich dafür verantwortlich ist mit allen Konsequenzen. Hat man selbst noch ein Recht zu leben? Nein! Wie hart ist man getroffen, wenn man selbst eingestehen muß, es wäre besser, wenn man getötet würde?

Ich denke, wer durch diese Tortur hindurch mußte, der ist geläutert, ist demütig, versucht nicht mehr, sich selbst auf Kosten anderer durchzusetzen, sondern versucht in Zulkunft zu dienen, so wie alle, die im Himmel wohnen, wie auch Gott selbst immer nur den Menschen dienen wollte, weil Er uns liebt.

Der Gedanke mag im ersten Moment furchtbar erscheinen, Menschen wie Hitler, Stalin oder Bin Laden im Himmel zu begegnen. Aber man stelle sich vor: Diese Tyrannen als geläuterte Männr, die nur danach streben, anderen zu dienen.

Unvorstellbar, nicht? Aber so ist er, der Himmel.

Gesellschaft, Theologie

Von der Dummheit

Dietrich Bonhoeffer
Bundesarchiv, Bild 146-1987-074-16 / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons
Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse läßt sich protestieren, es läßt sich bloßstellen, es läßt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurück läßt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch mit Gewalt läßt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil wiedersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden – in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch -, und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseitegeschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen. Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen, es ist sinnlos und gefährlich.Um zu wissen, wie wir der Dummheit beikommen können, müssen wir ihr Wesen zu verstehen suchen. Soviel ist sicher, daß sie nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist. Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind, und intellektuell sehr Schwerfällige, die alles andere als dumm sind. Diese Entdeckung machen wir zu unserer Überraschung anläßlich bestimmter Situationen. Dabei gewinnt man weniger den Eindruck, daß die Dummheit ein angeborener Defekt ist, als daß unter bestimmten Umständen die Menschen dumm gemacht werden, bzw. sich dumm machen lassen.Wir beobachten weiterhin, daß abgeschlossen und einsam lebende Menschen diesen Defekt seltener zeigen als zur Gesellung neigende oder verurteilte Menschen und Menschengruppen. So scheint die Dummheit vielleicht weniger ein psychologisches als ein soziologisches Problem zu sein. Sie ist eine besondere Form der Einwirkung geschichtlicher Umstände auf den Menschen, eine psychologische Begleiterscheinung bestimmter äußerer Verhältnisse. Bei genauerem Zusehen zeigt sich, daß jede starke äußere Machtentfaltung, sei sie politischer oder religiöser Art, einen großen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt. Ja, es hat den Anschein, als sei das geradezu ein soziologisch-psychologisches Gesetz. Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen. Der Vorgang ist dabei nicht der, daß bestimmte – also etwa intellektuelle – Anlagen des Menschen plötzlich verkümmern oder ausfallen, sondern daß unter dem überwältigenden Eindruck der Machtentfaltung dem Menschen seine innere Selbständigkeit geraubt wird und daß dieser nun – mehr oder weniger unbewußt – darauf verzichtet, zu den sich ergebenden Lebenslagen ein eigenes Verhalten zu finden. Daß der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, daß man gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat. Er ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen mißbraucht, mißhandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen. Hier liegt die Gefahr eines diabolischen Mißbrauches, dadurch werden Menschen für immer zugrunde gerichtet werden können.Aber es ist gerade auch hier ganz deutlich, daß nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung die Dummheit überwinden könnte. Dabei wird man sich damit abfinden müssen, daß eine echte innere Befreiung in den allermeisten Fllen erst möglich wird, nachdem die äußere Befreiung vorangegangen ist; bis dahin werden wir auf alle Versuche, den Dummen zu überzeugen, verzichten müssen. In dieser Sachlage wird es übrigens auch begründet sein, daß wir uns unter solchen Umständen vergeblich darum bemühen, zu wissen, was „das Volk“ eigentlich denkt, und warum diese Frage für den verantwortlich Denkenden und Handelnden zugleich so überflüssig ist – immer nur unter den gegebenen Umständen. Das Wort der Bibel, daß die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei, sagt, daß die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche Überwindung der Dummheit ist.

Übrigens haben diese Gedanken über die Dummheit doch das Tröstliche für sich, daß sie ganz und garnicht zulassen, die Mehrheit der Menschen unter allen Umständen für dumm zu halten. Es wird wirklich darauf ankommen, ob Machthaber sich mehr von der Dummheit oder von der inneren Selbständigkeit und Klugheit der Menschen versprechen.

Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, DBW 8, S. 26-28.

Beim Lesen dieses Textes kommt es mir fast so vor, als habe Bonhoeffer in unsere Zeit gesprochen. Der Text begegnete mir in Auszügen heute auf Twitter und ich fand ihn so stark, daß ich in nachschlug und abgetippt habe.

Wenn Bonhoeffer Recht hat, dann müssen wir die Dummen unserer Tage nicht zu überzeugen suchen, weil das nicht geht, sondern wir müssen sie befreien helfen. Es stellt sich allerdings die Frage, durch was sie gefangen sind. Hier sollte man nicht zu schnell schießen. Wenn wir konstatieren, sie sind in ihrer Dummheit gefangen, dann bringen wir Ursache und Wirkung durcheinander. Wenn Bonhoeffer Recht hat, muß es eine andere Antowort auf die Frage geben, wer sie gefangen hält. Bonhoeffer spricht von der Maht der einen, die die Dummheit der anderen braucht. Welche Macht ist es, die heutzutage Menschen dumm hält, so da sie zu allem Bösen in der Lage sind?

Und ein ganz anderer, häretischer Gedanke: Wenn alle Macht auf der anderen Seite der Dummheit bedarf, wie ist es dann mit der Macht Gottes? Schließt sich hier der Kreis zur paulinischen Torheit des Kreuzes? Sind wir auch dumm? Müssen wir von Gott befreit werden? Dem hätte Bonhoeffer wohl nicht zugestimmt, aber der Vergleich von Torheit des Kreuzes und Dummheit, die Macht voraussetzt, scheint mir interessant zu sein.