glaube, kirche, Religion

Die Teilnahme an der Eucharistie

Heute morgen hab ich es mal wieder geschafft, nach langer Zeit, zum Morgenlob zu gehen. Ist immer freitags, ist immer früh, ist in der KSG, aber ökumenisch in der Ausrichtung.

Und danach gibt es Frühstück und theologische Gespräche. Ich befürchte ja, daß der Kaplan manchmal vielleicht etwas genervt ist von meiner protestantischen Sichtweise, die ich offen vertrete, aber hey, es ist ne ökmenische Veranstaltung.

Heute morgen ging es mal wieder um die Eucharistie. Dabei betonte er, daß ja nicht nur Protestanten nicht hinkönnen, sondern auch allerlei Katholiken nach Lehre ihrer Kirche besser nicht zur Eucharistie gehen, um sie sich nicht zum Gericht einzunehmen. Ein Kommilitone betonte, daß früher die Teilnahme auch an die vorherige Beichte inklusive Bußübungen gebunden war, und daß dies eigentlich immer noch gelten würde.

Da dachte ich dann: Wie viel einfacher wäre die Ökumene, wenn das noch so wäre! Welcher Protestant würde noch zur römischen Eucharistie wollen, wenn die Beichte Voraussetzung ist? Und zwar auch für die Katholiken!

All die ganzen Streits über gemeinsames Abendmahl wären plötzlich von Tisch, der öffentliche Druck würde verschwinden, oder, was wahrscheinlicher ist, sich auf diesen Rückschritt konzentrieren, und etliche Priester und Bischöfe müßten sich mit noch etlicheren erbosten Gemeindegliedern rumschlagen – so jedenfalls die Befürchtng meiner katholischen Kommilitonen heute morgen. Aber das gemeinsame Abendmahl wäre erst mal aus dem Fokus der Öffentlichkeit.

Und ganz vielleicht würde ja dieser nachlassende Druck dafür sorgen, daß es dann irgendwann hinter verschlossenen Türen tatsächlich zu ner Einigung käme in der Sache, weil keiner das Gesicht verlieren muß.

Naja, man wird doch mal träumen dürfen.

glaube, Religion

Rechtfertigung

Nach dem Erdbeben in Haiti und nach dem Seebeben, Tsnami und Reaktorunglück in Japan habe ich schon darüber geschrieben, heute also wieder das Thema: Theodizee. Die Rechtfertigung Gottes für Sein Tun und Lassen vor dem menschlichen Richterstuhl.

Drauf gekommen bin ich über nen Artikel beim Blasphemieblog 2, der seinerseits auf das Projekt einer Gymnasiumsklasse hinweist.

Warum ein neuer Artikel? Im Artikel zu Haiti habe ich mich vor allem damit auseinandergesetzt, wieso man in einigen Fällen eher die Theodizeefrage stellt und in anderen nicht, bzw habe ich dann auch auf die Möglichkeit der Menschen hingewiesen, Leid zu lindern.

Im Japanartikel ging es mir um die Sinnfrage. Das Aufkommen der Theodizee-Frage zeigt eine Sinnkrise an. Man versteht Gott nicht mehr. Man zweifelt.

Im Haiti-Artikel habe ich es so ausgedrückt:

Die Frage, die mich beschäftigt ist: Kann man das Gott in die Schuhe schieben? Und ich denke: Nicht unbedingt. Die Menschen wären gestorben, so oder so. Nimmt man, etwa als Christ, Gott als gegeben an, dann kann man damit rechnen, daß die Toten auferstehen werden, wie sie auch auferstanden wären, hätten sie länger gelebt. Nimmt man Gott nicht an, dann sind die Toten tot und hätten vielleicht noch ein langes, erfülltes Leben vor sich gehabt, vielleicht auch ein Leben in Armut und Not. Nur, wie immer es auch gewesen wäre: Wenn man Gott nicht annimmt, kann man auch nicht fragen, wie Er das zulassen konnte. Gläubig kann man darauf vertrauen, daß Gott sich um die Menschen kümmert, was auch immer passiert, ungläubig kann man nicht einmal Gott verantwortlich machen.

Im Japan-Artikel hielt ich fest an der These, daß die Frage an sich nicht zu beantworten ist, sondern einen Punkt markiert, in dem man seinem Leben einen neuen Sinn geben muß, damit die Frage wieder in den Hintergrund rückt. Dabei ist eine Möglichkeit sicherlich, was Max im Blasphemie-Artikel kommentiert hat (auch wenn bei ihm nicht die Theodizee der Auslöser war, jedenfalls schriebt er es nciht so):

Ich kann das Vertrauen an Gott, also an diese jüdisch-christliche Entität, nicht mehr aufbringen, da ich diese Figur endgültig als Märchenfigur in meiner Schublade verstaut habe. Es ist für mich eine literarische Figur geworden, keine Gestalt, die unbedingt „dort oben“ zu sein hat, um meine Moral und meine Ethik zu ordnen.
Dies habe ich beileibe nicht „über Nacht“ getan, und auch weit vor Dawkins Büchern, aber ich habe einfach genug ausserhalb der christlichen Religiösität erlebt, um diese Ideologie „abzuschalten“, ohne Nachteile zu erfahren. So, durch Kirchenbesuche – die ich immer noch im Zuge von Freunden und Bekannten ausübe – habe ich hingegen nur die „kultischen“ Aspekte des Glaubens vor Augen, etwa die Gemeinde, den Zusammenhalt und den gemeinsamen Glauben. Aber der ganz persönliche Glaube an Gott als „Vater“ und an Jesus als „Erlöser“, den habe ich einfach nicht mehr. Das mir gebotene hat sich für mich als „kirchliche Angebote“ entpuppt. Und auf der Suche nach Gott, da fand ich einfach zuviele unterschiedliche Angebote in der Welt der Ideologien.

In diesem Artikel möchte ich die Frage noch einmal etwas anders angehen, unter Auslassung der emotionalen Aspekte. Das Problem bei der Aseinandersetzung mit der Theodizee ist nämlich, vor allem wenn Katastrophen zum Anlaß für die Auseinandersetzung genommen werden, daß man nicht kühl analysieren kann, ohne extreme emotionale Reaktionen zu provozieren, die die Analyse mitunter als zynisch angesichts des gerade Geschehenen ansehen.

Ich möchte nun also einen verstärkten Blick auf die theoretische Seite der Frage werfen.

Wann verlangen wir Rechtfertigung?

An den Anfang möchte ich eine Selbstreflektion stellen: Wann verlangt der Mensch nach Rechtfertigung? Wann fordern wir von anderen, über ihr Tun Rechenschaft abzulegen? Wann ziehen wir sie vor den Richterstuhl?

Ich meine, wir tun das immer dann, wenn wir kein Vertrauen zu ihnen haben:

EIn Mensch wurde getötet, eine Leiche gefunden. Die Polizei sucht nach dem Mörder. Dabei wird versucht, die Menschen einzuschätzen und aus dieser Einschätzung abzuleiten, wem man vertrauen kann, und wer nicht vertraenswürdig ist, wer eventuell lügt, um sich oder ihm nahestehende Personen nicht zu belasten.

Vertrauen und Mißtrauen

Vertrauen bezieht sich hier in erster Linie nicht auf die als Mörder in Frage kommenden Menschen. Das Vertrauen bezieht sich vielmehr auf die kriminalistischen Methoden nd die Fähigkeit der Ermittler, als auf die als Täter in Frage kommenden Menschen.

Verläßt man nun den kriminalistischen Bereich und geht in den Alltagsbereich der Zwischenmenschlichkeit, so fallen die kriminalistischen Methoden fort und werden ersetzt durch die je individuellen Methoden, die jeder hat, um den anderen einzuschätzen.

Wenn man nun nachdenkt, wo es wirkliches Vertrauen gibt und wo das Vertrauen lediglich auf der eigenen Fähigkeit beruht, den Anderren richtig einschätzen zu können, so meine ich ist das Ergebnis, daß wirkliches, nur auf der Hoffnung, daß es nicht vergebens ist, gründendes Vertrauen recht selten ist, und man den Mitmenschen eher mißtraut, wo man sie nicht richtig einschätzen kann. (daß es darüber hinaus immer Fehleinschätzungen gibt und geben wird ist ein anderes Thema und in der Imperfektion des Menschen begründet)

Vertrauen gibt es höchstwahrscheinlich nur da, wo es Liebe gibt. Da ist der Mensch stark genug, allein auf die Hoffnung zu bauen und zu riskieren, das alles in einem ökonomischen Sinn umsonst war. Vertrauen ist übrigens eine mögliche Übersetzung für πιστεύω, das in der Bibel jedoch meist mit „glauben übersetzt wird. Man hat also hier die Trias: Glaube, Liebe Hoffnung vor sich, aber daraf will ich hier nicht weiter eingehen.

Gott vor dem menschlichen Richterstuhl

Wenn man nun die Theodizee-Frage stellt, so deutet dies darauf hin, daß das eigene Vertrauen zu Gott mindestens einen Knacks gekriegt hat. Bevor mich jemand mißversteht: Das ist nichts moralisch verwerfliches, sondern eine Feststellung der Tatsachen. Daß das Vertrauen zu Gott Schaden nimmt, ist etwas ganz natürliches und kommt immer wieder vor, wird auch in der Bibel des öfteren erwähnt. Viele Psalmen drücken das aus. Ein besonders prominenter Vertreter ist Hiob:

Nach einer Wette Gottes mit Satan verliert Hiob seinen Besitz und ach alle seine Kinder. Hiob ist sich keiner Schuld bewußt und versteht Gott nicht mehr. Ihm verlangt nach einer Erklärung, er will wissen, welche Schuld er auf sich geladen habe, die eine solche Strafe rechtfertigt. Er zieht Gott damit vor den Richterstuhl, verlangt Rechtfertigung. Damit hat er noch lange nicht mit Gott gebrochen, denn er erkennt immer noch an, daß Gott es ist, der Übertretngen des Rechts ahnden kann, soll und darf.

Aber nach langen Diskussionen mit den Freunden, die Hiob zu trösten versuchten, findet sich keine Antwort. Schließlich spricht Gott selbst, bleibt aber eine Rechtfertigung schuldig. Anstatt sich zu rechtfertigen, weist Gott Hiob in die Schranken. Er rechtfertigt sich nicht, Seine Argumentation, wenn man sie so nennen will, geht gar nicht auf die moralische Ebene. Er betont den Machtaspekt: Schöpfung und Erhaltung aller Geschöpfe und Macht über das Chaos in Form des Leviathan.

Man könnte daher auf die Idee kommen, es gehe Gott allein darum zu sagen: Ich Chef – Du nix, oder anders ausgedrückt: Wenn Du meine Moral in Zweifel ziehst, kriegst Du auf’s Maul. Hiob scheint die erste Rede Gottes ähnlich verstanden zu haben (Hi 40, 4):

Siehe, ich bin zu gering, was soll ich antworten?

Nach der zweiten Rede Gottes kommen neue Aspekte dazu:

  1. Ich erkenne, dass du alles vermagst, und nichts, das du dir vorgenommen, ist dir zu schwer. (Hi 42, 2)
    Hier drückt sich noch die Gott Chef – Hiob nix Variante des Verstehens aus. Es nützt nichts, gegen Gott zu wettern, denn Gott ist jedenfalls stärker.
  2. Darum hab ich unweise geredet, was mir zu hoch ist und ich nicht verstehe. (Hi 42, 3)
    Hier geht es nicht mehr um Macht, sondern um Wissen. Hiob sieht ein, daß er Gott Sein handeln nicht vorwerfen kann, weil es ihm an Wissen mangelt, die Taten zu verstehen, daß er nicht das Zeug dazu hat, den Ratschluß Gottes in Frage zu stellen und wohl auch nciht, in vollkommends zu verstehen.
  3. Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; aber nun hat mein Auge dich gesehen.
    Darum spreche ich mich schuldig und tue Buße in Staub und Asche. (Hi 42, 5f)
    So ist Hiobs Antwort auf des Herrn Aufforderung: Lehre mich. Hiob bekennt, daß er Gott nicht belehren kann, nicht seinen Platz einnehmen kann. In der vorhergehenden Rede fragt Gott, ob Hiob die gleiche Kraft hat wie er selbst, ob er in gleicher Weise Hochmütige und Gottlose in ihre Schranken weisen könne.

Die Entscheidung spielt sich also ach hier nicht auf der moralischen Ebene ab. Gott gibt keine Auskunft über Seine Moral. Er rechtfertigt sich nicht. Hiob erkennt an, daß er Gottes Job nicht übernehmen könnte, nicht wegen moralischer Inkompetenz, sondern wegen der schlichten Machtlosigkeit. In eine ähnliche Richtung scheint mir der Film Bruce allmächtig zu gehen. Bruce bekommt von Gott zwar Macht: Er kann die Umlaufbahn des Mondes ändern, auf Wasser gehen etc etc. Aber er schafft es trotzdem nicht, alles im Gleichgewicht zu halten, so wie Gott es in seinen Reden an Hiob beschreibt.

Wir sehen also, daß Gott sich nicht rechtfertigt und sich nicht nach menschlichem Ermessen rechtfertigen läßt. Gott vor dem menschlichen Richtersthl, vor dem die Taten oder Unterlassungen Gottes moralisch geprüft werden, muß im Schuldspruch enden, wie damals beim Prozess gegen Jesus, der ja auch recht still blieb. Man kann nun mutmaßen, warum dies so ist. Ich habe das oben getan, indem ich andeutete, daß neben einer guten Moral noch viel mehr nötig ist, um die Welt am Laufen zu halten. Doch all dies ändert nichts an der Tatsache, daß Gott vor dem menschlichen Richterstuhl nicht bestehen kann. Er muß schuldig gesprochen werden, womit die Rede vom „lieben“ Gott schwierig wenn nicht unmöglich wird.

Interessant wäre die Frage, inwieweit jeder einzelne Mensch vor dem gleichen Richterstuhl bestehen könnte. Was käme dabei raus, wenn man die Vorwürfe, die man gegen Gott wegen Seines Tuns oder Nichttns erhebt, an sich selbst anlegte? Aber die Anthropodizee ist hier nicht Thema, also belaß ich es bei dem Hinweis.

Wem vertrauen?

Wenn Gott als „Vertrauensperson“ wegfällt, bleibt nicht viel übrig. Vielleicht noch eineige sehr nahe Freunde oder Familienmitglieder, wenn man ein sehr glücklicher Mensch ist und eine so gute Beziehung zu ihnen hat. Letztendlich lebt man aus der Hoffnung. Man hofft darauf, daß man denjenigen, denen man vertraut, auch vertrauen kann. Ob das nun Gott einschließt oder nicht, spielt hier keine Rolle. Wenn es ach sonst niemanden einschließt, bleibt man am Ende nur selbst übrig. Man ist daruaf zurückgeworfen, seinen eigenen Fähigkeiten zu vertrauen. Man muß hoffen, daß sie ausreichen.

Mißtrauen ist gut und lebenserhaltend, schrieb Ezri. Das mag stimmen. Aber wo das Mißtrauen so weit geht, daß man allen gegenüber argwöhnisch wird, erhält man sich vielleicht eher das biologische Überleben, das Leben an sich, als Teilnahme an Lebensfreude, an Liebe, an allem, was das Leben lebenswert macht, bleibt dabei aber auf der Strecke. Je mehr man mißtraut, desto mehr. Es wäre also nicht verkehrt, sich die Frage zu stellen, inwieweit man leben will, und inwieweit man überleben will. Erst einmal unabhängig von Gott, aber wenn man an Gott glaubt, warum Ihn nicht einbeziehen?

Die Frage nach der Kontrolle

Gott läßt sich nicht kontrollieren. Er ist souverän. Weder Hiob noch sonst jemanden ließ er bisher in seine Karten sehen, um eine Antwort auf die Theodizee-Frage zu geben. Und das ist nicht verwunderlich, wenn man es genau bedenkt:

Wüßte man, wieso Gott was tut, so wäre Er berechenbar. Er könnte zum Werkzeug der Menschen verobjektiviert werden. Man wüßte: Wenn ich dies will, muß ich das tun. Dies würde allerlei Möglichkeiten eröffnen, m Gott für die eigenen Zwecke zu mißbrauchen. Es wäre im Grunde nichts anderes als die Beschwörngen, die es in anderen Religionen gibt, nd die christlicherseits so abgelehnt werden. Gott wäre, ließe Er isch in die Karten sehen, nicht mehr Gott, sondern Götze. Zur Verfügung der Menschen. Er würde nicht mehr länger sie kontrollieren, sondern sie Ihn, einfach nur über ihr Wissen.

Mißtraut man Gott soweit, daß man eine Antwort auf die Theodizee Frage fordert, dann ist es mit dem Glauben aus. Man vertraut nicht mehr Gott, sondern nur noch den eigenen Fähigkeiten. Man ist selbst der oberste Kontrolleur seines Lebens. Gibt man sich zufrieden damit, daß die Theodizee Frage nicht gelöst werden kann, daß es eine logische Unmöglichkeit ist die Frage zu lösen und gleichzeitig Gott zu vertrauen, dann ist es mit der absoluten Kontrolle aus. In mindestens diesem Bereich im Leben vertraut man blind. Das iwrd dann gerne lächerlich gemacht als „keine Verantwortung übernehmen wollen“ und dergleichen, wobei „Verantwortung übernehmen“ hier nicht bedeutet, daß man tatsächlich für seine Taten keine Verantwortung übernähme, sondern daß man sein Leben nicht komplett kontrollieren wolle. Der Vorwurf ist, daß man nicht sein eigener Gott sein will. Dieser Vorwurf ist, jedenfalls nach meiner Überzeugung, leicht auszuhalten. Was ist schon so erstrebenswert daran, mehr Verantwortung übernehmen zu müssen, als man fähig ist zu tragen? In solchen Situationen macht man oft mehr kaputt, als daß man verbessert.

Deshalb halte ich es auch nicht für verkehrt, beim Auftauchen der Theodizee Frage nicht in erster Linie nach einer Antwort zu suchen, sondern nach einem Weg, der aus dieser aufbrechenden Sinnkrise herausführt: Umgehen mit den gegebenen Dingen und nicht danach fragen, wieso sie so gekommen sind. Jedenfalls bis man alles emotionsloser analysieren kann.

Gesellschaft, Religion

Weihnachten wird unterm Baum entschieden

Vor ner Weile gab es ja mal Ärger zwischen nem Elektronikverkäufer und Kirchen. Damals ging es darum, ob denn nun Geiz geil sei oder doch eher abturnt. Wohl aus einem Gleichberechtigungsgedanken heraus ist dieses jahr ein anderer Elektronikverkäufer dran. Diesmal geht es darum, ob Weihnachten denn nun unterm Bam oder in der Krippe entscheiden wird.

Bisher hielt ich Weihnachten ja nicht für einen Wettbewerb. Ich erwartete gar keine Entscheidungen. Nn wrde ich eines besseren belehrt. Entschieden werden muß wohl irgend etwas. Aber was?

Den Elektronikern geht es vor allem darum, ihren Plunder zu verkaufen. Klar. Die Entscheidung ist hier, wer wie viel nd vor allem auch wie tolle Geschenke zu bieten hat. Hier bricht sich die Leistungsgesellschaft Bahn: Je größer, je besser je teurer desto gut.

Alles wird zum Wettbewerb, bei dem einer gewinnt und alle anderen unterliegen, Kriterium ist die finanzielle Leistungsfähigkeit und Cleverness, beim richtigen Geschenkelieferanten einzukaufen.

Weihnachten gelingt demnach, wenn man ein möglichst tolles Geschenk unter den Baum zu legen hat. Wenn man zeigen kann, wie großzügig man ist, wie viel man rangeschafft hat. Man muß etwas zu bieten haben.

Doch was ist beim Entscheid in der Krippe anders? Hier gewinnt wohl nur der, der noch begreift, um was es bei Weihnachten dogmatisch-theologisch geht? Geburt des Herrn, Beginn Seines Erlösungshandeln an der Welt. Gewinnt hier derjenige, der am andächtigsten „Stille Nacht“ zu singen vermag, aber bitte alle 6 Strophen?

Man hört ja oftmals davon, und erlebt es mitunter auch, daß die Entscheidungsschlacht um Weihnachten verloren wurde. Wenn es mal wieder Streit gab, weil alle unter Strom standen und einen möglichst perfekten Tag hinlegen wollten, und sich dann doch als Underperformer erwiesen haben. Die Entscheidung fiel zu gunsten der anderen aus, die eigene Leistung war nicht ausreichend – mene mene tekel.

Ich bin ja kein Freund der Leistungsgesellschaft, weil ich der Überzegung bin, daß ein Mensch nicht nach seinen Leistungen beurteilt werden kann oder soll. Ein Mensch ist Geschöpf und Bildnis Gottes, und damit schon per se beurteilt.

Deshalb versuche ich auch, wo es geht, mich dieser Leistungsmaschinerie zu entziehen, nicht mitzuspielen. Die Weihnachtsathmosphäre ist nicht durch eine wie auch immer geartete Performance zu erzielen, sie liegt nach meiner Meinung in den Gefühlen der Menschen begründet, der Liebe, die man in der Familie hoffentlich zeinander hat, wo das Fest gefeiert wird. Ob mit oder ohne Geschenke, ob mit oder ohne Kirchgang, ob mit oder ohne Krippe und Weihnachtsbaum.

Die Beziehungen sind entscheidend, aber die bringt man nicht mal eben ein paar Tage vorm Fest auf Vordermann. Die stellt man auch nicht durch teure Flachbildschirme und andere Geschenke her. Die lebt man das ganze Jahr hindurch, indem man vielleicht etwas weniger leistet, indem man aus der Tretmühle aussteigt und füreinander Zeit hat. Dann kann man immer noch etwas schönes schenken, wenn einem etwas einfällt und man es sich leisten kann und will. Aber dann sitzt man zusammen, vielleicht nach der Christmette, bei ein paar Plätzchen und ner Tasse Glühwein, und guckt auf dem alten Röhrenfernseh einen schönen Weihnachtsfilm wie „Stirb Langsam“ oder „Ist das Leben nicht schön?“, und freut sich an der Gemeinschaft.

Religion

Einen Bund schneiden

Ich hatte eigentlich seit dem Grundstudium nicht mehr viel von ihm gehört: Dem Bund. Es ist einer dieser alttestamentlichen Begriffe, die man wahnsinnig aufladen kann und die einem, wenn man sich nicht eingehend damit beschäftigt, nicht besonders viel sagen müssen und daher auch abschrecken können. Es war jedenfalls nicht mein Lieblingsbegriff damals.

Heute begegnete ich ihm wieder, in einer Übung zur Ehe- und Familienseelsorge. Und zwar bei der Beschreibung der Ehe zwischen Mann und Frau, in Abgrenzung zu einem Vertragsverständnis. Und da man im Studium gedanklich ja nie nur bei einem Thema ist, hatte ich Assoziationen in eine ganz andere Richtung, nämlich zur Staatstheorie.

Der Liberalismus

Ich habe mich für ein anderes Thema nämlich in die Entwicklung im 19. Jahrhundert etwas eingelesen, Konservativismus gegen Liberalismus. Und da begegnet eine Kritik am Liberalismus, die ich nachvollziehen kann: Der Liberalismus löst die Gesellschaft auf. Und tätsächlich ist da etwas Wahres dran, denn der Liberalismus, mit seiner Betonung des Individuums, vernachlässigt aufgrund dieser Betonung die Gesellschaft in ihrer Gänze ein wenig. Ideal ist der gebildete und mündige Bürger, der weitgehend atonom entscheidet, was er tut und was er läßt. Vorschriften von einem König oder sonst jemandem will er sich nicht machen lassen und wenn, dann sollen diese Vorschriften für alle gelten. Es war dies ein unglaublicher Fortschritt, hinter den niemand, der Herr seiner Sinne ist, wieder zurückwollen könnte.

Doch stellt sich die Frage, was mit dem Bürger ist, der Bildung und Mündigkeit nicht erlangt hat. Man hat die Menschenrechte formuliert, aber keine Menschenpflichten. In der Abwehr der Übergriffe des Absolutismus hat der Liberalismus zuerst und zumeist die individuellen Freiheiten betont. Jedoch führen diese, im Extrem von unumsichtigen Zeitgenossen gefordert und angewandt, zur Deintegration der Gesellschaft und des Staatswesens, das die Freiheiten eigentlich garantieren soll. Beispiele scheinen mir gegeben etwa in der Occpuy-Bewegung, wo der einseitige Machtanstieg in der Hand einiger weniger kritisiert wird, oder auch im Urteil zum Gebetsverbot am Diesterweg Gymnasium zu Berlin-Wedding, wo der eine (meiner Meinung nach zu Recht) auf seine Religionsfreiheit pocht und die Gegenseite ein Recht postuliert, von Religion verschont bleiben zu dürfen. Beide argumentieren mit Freiheit, beide beziehen sich zuerst auf sich selbst und nicht auf die Gesamtgesellschaft. Gleiches wird „den Banken“ vorgeworfen. Es gibt der Beispiele noch viel mehr.

Und auch wenn alle diese Beispiele lösbar sind, etwa durch bessere Gesetze oder mehr Toleranz, zeigt sich doch hier das Problem des Liberalismus, daß eben der gesellschaftliche Zusammenhalt durch die Fokussierung auf das Individuum prinzipiell erst einmal in Frage gestellt wird.

Zur Absicherung des gesellschaftlichen Zsammenhalts haben schon früh liberal denkende Philosophen nach Strukturen gesucht, die im Rahmen des Liberalismus den Zusammenhalt garantieren können. Populär war der Gedanke eines Gesellschaftsvertrages, der in allgemeiner Übereinstimmung geschlossen wird und die Grundlagen des gesellschaftlichen Miteinanders klärt. Dabei ist es nie zu einem wirklichen Übereinkommen aller Individuen gekommen, es wird angenommen, daß im Grunde alle die gleichen Vorstellungen und Wünsche haben. Hierher gehört wohl auch der Gedanke von Kants kategorischem Imperativ.

Das Vertragsmodell

Nun hat ein Vertragsmodell seine Schwächen: Ein Vertrag regelt das Verhältnis zwischen zwei Parteien, wobei jede Partei etwas gibt. Sind beide Seiten nicht mehr zufrieden mit dem so geschlossenen Austausch von Gütern, wird der Vertrag gelöst. Kann eine Seite nicht liefern, kommt es mitunter zum Konflikt (etwa wenn ein Teil der Bevölkerung keine Arbeitsstelle findet und der Allgemeinheit auf der Tasche liegt). Sind die Partner bei einem Vertrag ungleich, so gibt er nciht viel Sicherheit. So müssen manchmal Menschen Arbeitsverträgen zustimmen, um überhaupt eine Arbeit zu bekommen, auch wenn sie mit den Klauseln des Vetrages nicht einverstanden sind. Die wirtschaftliche Macht kann Druck erzeugen und so die Schwachen ausbeuten, was wiederum dem individuellen Egoismus der Stärkeren entspräche (man hat ja das Recht zur freien Gehaltsverhandlung) und auch für eine Deintegration der Gesellschaft sorgt (Stichwort Klassenkampf).

Das Manko des Vertragsmodells liegt daran, daß man für eine Leistung etwas kriegt und daß folglich der, der nichts leisten kann und nichts zu geben hat, auch nichts mehr bekommt. Er kann also nur aus dem Gesellschaftsvertrag aussteigen und für eine andere Gesellschaft kämpfen, was eben Deintegration bedeutet.

Vor dem Liberalismus war Garant der Intergration der Gesellschaft der Monarch, der für einen Ausgleich der Interessen zu sorgen hatte. Daß die Monarchen dies nicht taten, ist evident, und so manch einer hat in der Folge den Kopf verloren.

Der Bund

In der heutigen Übung, um nochmals darauf zurück zu kommen, ging es nun m den Gegensatz zwischen einem Vertrag als Austausch von Werten und eine Bund, der auf der Zurechnung von Würde basiert. Beim Vertrag erhält mein Partner einen Wert dafür, daß er mir einen anderen Wert ausliefert. Beim Bund schenkt man aufgrund der Würde des anderen. Er ist auch auf gegenseitigkeit ausgerichtet, aber eben anders. Ein Bund ist nicht so einfach zu lösen, wie ein Vertrag, da man zuerst dem anderen die Würde aberkennen müßte, die Geschenke zu erhalten. Da es auch nicht um das Nehmen, sondern um das Geben geht, gibt es auch gar keinen Grund, einen Bund aufzulösen.

Dieser Bundesgedanke, den wir als grundlegend für die christliche Ehe besprachen, scheint mir ach in Bezug auf die Absicherung der Gesellschaft eine interessante Alternative zum Vertragsgedanken zu sein. Wie schon gesagt, ist so ein Bund auf Dauer und Verläßlichkeit ausgelegt, und nicht auf die Befriedigung der eigenen Wünsche, wie ein Vertrag. Er bedeutet, jemanden für das, was er ist, zu würdigen. Ihr seid meine Mitbürger, deshalb zahle ich Euch zu Liebe Steuern, ohne bei der Steuererklärung z tricksen, und dergleichen mehr. Mancher behauptet, daß ein stetiges Empfangen zu einem Überschuß führen kann, so daß der Beschenkte ebenfalls etwas zurückgibt an die Gesellschaft. Dies scheint mir eher den Zusammenhalt zu fördern, als ein Vertrag, bei dem jeder weiß, was er zu Bekommen hat.

(Nebenbei: Das ist der Gedanke hinter Kreuz und Erlösung durch Christus: Er hat uns zerst geliebt, so daß wir nun lieben können)

Zur Begründung und Absicherung einer liberalen Gesellschaft, die Freiheit nicht als Freiheit von, sondern als Freiheit zu versteht, könnte diese Bundestheorie einen Beitrag leisten. Doch hat auch sie ihre Schwächen. Wenn nämlich jemand so egoistisch ist, daß er einfach alles nimmt, was er kriegt, und nichts weitergibt. Bei einem ist dies kein Problem, den kann die Gesellschaft tragen. Aber je mehr, desto schwerer wird es. Und irgendwann bleiben auch hier die Schwachen auf der Strecke.

Diese sind dann gezwungen, über das Vertragskonzept ihr Auskommen zu sichern. Möglicherweise ist so der Liberalismus überhaupt erst eintstanden. Doch scheint mir auch, daß überall dort, wo Menschen ein Auskommen haben, der Vertragsgedanke zurückzutreten und der Bndesgedanke stärker zu werden. So kann ich mich daran erinnern, als Daimler noch bessere Verträge anbot, da standen die Arbeiter hinter dem Konzern und liesen kein schlechtes Wort auf ihn kommen. Als die Rationalisierung Einzug hielt und quasi der Vertragsgedanke gestärkt wurde, baute sich das langsam ab. Inzwischen gibt es kaum noch solche Loyalitätsbekundungen zum Konzern.

Das Vertragskonzept sichert den Menschen in der Not, es führt aber über kurz oder lang zu Deintegration, wenn es über den Bereich des Geschäftlichen hinaus wirkt. Das Bundeskonzept sichert den Menschen langfristig und unabhängig von seiner Leistungsfähigkeit, so lange nicht zu viele das System ausnutzen und andere in die Verträge drängen.

Ich glaube, dem Menschen ist der Bund gemäßer. Die Umsonstheit entspricht dem Menschen eher als das do ut des der Vertragswelt, bei dem man immer Leistung zu bringen hat und zunehmend nur noch danach bewertet wird. Deshalb ist zu hoffen, daß ausreichend Menschen die Möglichkeit haben, nach dem Bundeskonzept z leben, und nicht nach dem Vertragskonzept.

 

 

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Wer interessiert sich schon für Gottes Willen?

Hab im Moment grad ne tolle Diskussion auf nem Atheistenblog laufen. Recht weit unten im Diskussionsverlauf (Kommentar Nr 282) kam ich auf eine Idee, die ich hier etwas ausführen möchte. Nich aber ohne mich vorher bei Hinterfragerin für den Anstoß zu bedanken.

Es geht um Gottes Willen. Doch, zu was ist der nütze? Naja, mag man sagen, eben dazu, zu wissen, was gut ist und was schlecht. Stimmt. Stellt sich noch die Frage, wie man Gottes Willen rausfinden kann. Darauf möchte ich hier gar nicht eingehen (wer mich kennt weiß, daß IMHO das nicht über naiven Biblizismus geht), sondern auf eine ganz andere Frage:

Wann ist der Wille Gottes relevant? Wann nicht als Frage nach Geschäftszeiten, also nicht Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr (oder noch schlimmer lediglich Sonntags von 10 bis 11), sonst kann man tun, was man will, sondern an welcher Stelle im Glauben, in der Theologie?

Hinterfragerin hatte geschrieben, daß sich aus der Aussage, es gebe einen Gott gleich auch die Frage stelle, was will dieser Gott? Ich finde, das ist zu früh.

Ich finde, es ist angemesserer, erst einmal zu fragen: Wer ist dieser Gott? Was hat er so getan? Darauf könnte man dann grob antworten, Gott ist der Schöpfer, er hat die Welt aus dem Chaos geschaffen und uns Menschen nebst vielen anderen Lebenwesen hineingesetzt, wurde letztlich selbst Mensch und erlöste uns von dem Bösen, dem wir anhängen, indem er uns seine Liebe zu uns vorlebte und bis in den Tod durchhielt, so in der Art. Und ja, man könnte jetzt noch tasend Diskussionen zu Schöpfungs- und Erlösngslehre hier einfügen. Das will ich jetzt nicht tun, weil der Artikel dann ellenlang wird. Jedenfalls sind dies alles Fragen, die zuerst zu klären sind, aus meiner Sicht. So lange all das nicht klar ist, ist es unerheblich zu fragen: Was will Gott?

Was soll diese Frage ohne vorher zu wissen, wie er zu uns steht? Man fragt ja auch nicht „was will Al Capone“ ohne vorher zu klären, ob man überhaupt auf einer Linie ist, ob man überhaupt bereit ist, ihm zu Willen zu sein. Hat man dies nicht geklärt, versteht man auch nicht das Problem dahinter, wenn Capone sagt, er will ein Auto. Ohne geklärt zu haben, wer das ist, würde man ihm vielleicht ein Auto verkaufen. Wenn man wüßte, daß er es als Fluchtauto benutzen will, würde man sich vielelicht verweigern (oder das Auto präparieren, so daß er der Polizei darin nicht entkommen kann). Jedenfalls würde man anders mit seinem Willen umgehen.

So auch bei Gott. Ohne zu wissen, daß er uns liebt, daß er uns erlöst hat, kann man mit seinen Forderungen nicht viel anfangen. Man hat auch kaum einen Anhalt, Forderungen gegeneinander abzuwägen. Ist jetzt das Sabbathgebot wichtiger oder das Nächstenliebegebot?

Danach ist immer noch zu klären, wie Gott die Welt sieht (diese Frage dient vor allem der Abwehr eines naiven Biblizismus, der die Bibel und unsere Begriffe von den Dingen zu Götzen macht, denen man an Stelle von Gott folgt). Was meint er mit Sabbath, was meint er mit Liebe, was meint er mit Zauberei und Götzendienst. Was ist „Gräul“. Diese Fragen sind ebenso wichtig und noch viel schwerer zu beantworten. Aber wenn ich Gottes Willen kenne in der Form: Tu X nicht, weil es ist ein Gräul bzw Y, und ich kenne weder X noch Y genau, woher will ich wissen ob ein A X oder Y entspricht?

Wenn ich Gott kenne, wenn ich weiß, daß ich erlöst sind, und nichts mich von Gott trennen kann, was ach geschieht, was ich auch tue oder getan habe, dann ist das Ursache unglaublicher Freude und Dankbarkeit. Dann kann ich fragen: Gott, was willst Du? Womit kann ich Dir eine Freue machen? Und dann werde ich ach darauf achten, nicht meine Vorstellungen da reinzbringen, sondern ganz auf Gott zu hören. Denn ich bin ja voll der Freude und Dankbarkeit, ohne irgendwelche Verpflichtungen zu spüren.

Leider ist dies sehr selten der Fall, und es ist auch nie ein anhaltender Zustand (der Mensch bleibt Sünder). Aber er kommt immer wieder, kann immer wieder kommen und ist Grund dafür, nicht nach sich zu fragen sondern nach Gott und damit auch nach dem Nächsten bis hin zum größten Feind.

In diesem Bewußtsein ist man darauf bedacht, kein Leid anzurichten, ist sensibel dafür. Die Sensibilität geht verloren mit dem Maß, wie die Erlösungsgewißheit verloren geht. Mit dem Maß, mit dem man meint, man hätte eine Pflicht, Gottes Willen zu tun. In dem Maß, wie man sich müht, seinen Willen (oder das was man dafür hält) zu tun, ohne es recht eigentlich zu wollen. In diesem Moment schleichen sich götzendienerische Tendenzen ein. Man fühlt einen Druck, Gottes Willen zu tun und tut irgend etwas, das man als Willen Gottes darstellen und verkaufen kann. Es hat nun nicht mehr den Zweck, Gott eine Freude zu tun, sondern sich selbst einzureden, man tue ja das Richtige oder genug. Schrittweise geht es dann dahin, daß man im sozialen Umfeld den Anschein aufrecht erhält, sich ja an Gottes Willen zu orientieren, um als erlöst zu gelten. Weil wer will schon von der Erlösung hören, wenn er meint, auch selbst gut genug zu sein, wenn er sich lieber an seine eigenen Regeln hält statt an die Gottes, anfangs vielleicht sogar ohne es zu bemerken? Der nächste Schritt wäre dann, daß man weiterhin nach außen den Schein wahrt, aber aktiv ein Verhalten pflegt und ein Denken fördert, das einen selbst als besonders gottgefällig dastehen läßt (zumindest in einem bestimmten Kontext), das aber vor allem auf den eigenen Vorteil ausgerichtet ist. Es geht dann meist um die eigene Brieftasche.

Das alles geschieht, so gewinne ich immer mehr den Eindruck, dort, wo die Heilsgewißheit verloren ging in der Art, daß sie von Gott abhängig ist und zur vergötzen Heilsgewißheit wurde, die am Menschen, am Selbst hängt und an den Erfolgen nd Taten, die man „für Gott“ vorzweisen hat. So kann es dann auch zu so etwas kommen, was in der angesprochenen Diskussion auch genannt wurde: Der im folgenden Video (naja, 5 Videos) gezeigte Hexenglaube in Kinshasa, der Kinder zu Verfolgten und Gequälten macht (nichts für schwache Nerven):

http://www.youtube.com/watch?v=wa9YAdXtZrY

http://www.youtube.com/watch?v=Az0iv86GQGw

http://www.youtube.com/watch?v=YrSpmMulG38

http://www.youtube.com/watch?v=lQ9pzr3C4Sc

http://www.youtube.com/watch?v=plP3cNe86rI

Religion

Umdichtung

… ist vielleicht manchmal nötig, um eine entsprechende Empörung in der Öffentlichkeit zu erregen. Bei den Klosterneuburger Marginalien wurde ich so auf den Penseur hingewiesen, der über einen ehemals katholischen Polen schreibt, der eingesperrt wurde, weil er zum Islam konvertierte. Anklage: „die angestammte katholische Religion Polens untergraben zu wollen“. Na dann.

Wer so etwas prinzipiell für eine Sauerei hält, kann hier gerne eine Petition an den Bundestag mitzeichnen.

kirche, Kirche & Web 2.0, Religion

Katechismus

Ich weiß nicht mehr warum, jedenfalls gab ich heute morgen bei youtube mal den Suchbegriff „Erbsünde“ ein. Da kamen dann jede Menge Videos die gar nichts mit dem Thema zu tun haben, oder Videos von muslimischen Jugendlichen, die aus islamischer Sicht Kritik übten, oder sowas wie das:

http://www.youtube.com/watch?v=LsOxY4io1Hw

Und mich beschlich das Gefühl: Das muß doch anders darstellbar sein. Jetzt nicht nur auf die Erbsünde bezogen, sondern christliche Glaubensinhalte allgemein. So kam ich darauf, nach „Katechismus“ zu suchen. Die Suche war nicht viel ergiebiger.

Jetzt überlege ich, ob es denn möglich wäre, einen Katechismus überhaupt zu verfilmen. Erst dachte ich an den Pfälzer Katechismus von 1869 (da ich als Pfälzer weder reformiert noch lutherisch bin), aber der ist im Netz (weil mein Exemplar bzw das meiner Oma zu Hause liegt) irgendwie nicht zu finden, trotz des netten Hinweises von @Kirchturmpirat auf google Books. Da gibt es soweit ich sehe auch nur den Heidelberger Katechismus. Aber so schlecht ist der ja auch nicht.

Jetzt die Frage: Wie würde man es angehen, wenn man den veryoutuben wollte? Ginge das überhaupt? Oder läßt sich christliches Lehrgut nur derart verzerrt wie oben darstellen?

kirche, Religion

Sublimis Deus

Der erhabene Gott neigte sich unserem Geschlecht mit solcher Liebe zu und schuf den Menschen dergestalt, dass dieser nicht bloß wie die anderen Geschöpfe am Guten teilnehmen, sondern das unzugängliche und unsichtbare höchste Gut selbst verkosten und von Angesicht zu Angesicht schauen darf. Da nun, nach dem Zeugnis der Hl. Schrift, der Mensch für das ewige Leben und die Glückseligkeit bestimmt ist, dieses ewige Leben und die Seligkeit aber nur durch den Glauben an unsern Herrn Jesus Christus erlangt werden können, muss man dem Menschen eine derartige Beschaffenheit und Natur zuerkennen, dass er diesen Glauben an Christus zu empfangen imstande sei und dass, wer immer die menschliche Natur sich zu eigen nennt, auch die Fähigkeit zu glauben besitze. Denn es wird wohl niemand so beschränkt sein, um annehmen zu wollen, ein Ziel lasse sich ohne den Einsatz der dazu notwendigen Mittel verwirklichen. Wie wir wissen, sprach deshalb die Wahrheit selbst – und sie kann ja weder irren noch jemanden in Irrtum führen -, als sie die Prediger des Glaubens zum Amte der Verkündigung auserkor, die Worte: Euntes docete omnes gentes. Alle, sagte sie, ohne Ausnahme, sind doch alle fähig, im Glauben unterwiesen zu werden. Scheelen Blickes sah dies der Rivale des Menschengeschlechtes, der stets allem Guten entgegenwirkt und es zu vernichten trachtet. Daraufhin ersann er eine bislang nie gehörte List, um die Verkündigung des Wortes Gottes an die Völker und damit deren Heil zu hintertreiben: Er veranlasste nämlich einige seiner Helfershelfer, die nichts anderes begehrten, als ihre Habsucht zu befriedigen, dass sie unablässig daraufhin arbeiteten, die Bewohner West- und Südindiens und andere Nationen, von denen wir Kunde erhalten haben, wie Tiere zum Sklavendienst einzuspannen. Sie schützten dabei vor, diese Leute könnten des katholischen Glaubens nicht teilhaftig werden. Als Stellvertreter Christi, unseres Herrn, wiewohl dessen unwürdig, suchen wir mit all unseren Kräften, die Schafe seiner Herde, die uns anvertraut sind und sich außerhalb seiner Herde befinden, in seinen Schafstall hinein zu führen. Wir wissen wohl, dass die Indianer als wirkliche Menschen nicht allein die Fähigkeit zum christlichen Glauben besitzen, sondern zu ihm in allergrößter Bereitschaft herbeieilen, wie man es uns wissen ließ. Aus dem Verlangen, in diese Angelegenheit Ordnung zu bringen, bestimmen und erklären wir mit diesem Schreiben und kraft unserer apostolischen Autorität, ungeachtet all dessen, was früher in Geltung stand und etwa noch entgegensteht, dass die Indianer und alle andern Völker, die künftig mit den Christen bekannt werden, auch wenn sie den Glauben noch nicht angenommen haben, ihrer Freiheit und ihres Besitzes nicht beraubt werden dürfen; vielmehr sollen sie ungehindert und erlaubter Weise das Recht auf Besitz und Freiheit ausüben und sich dessen erfreuen können. Auch ist es nicht erlaubt, sie in den Sklavenstand zu versetzen. Alles, was diesen Bstimmungen zuwiderläuft, sei null und nichtig. Die Indios aber und die andern Nationen mögen durch die Verkündigung des Wortes Gottes und das Beispiel eines guten Lebens zum Glauben an Christus eingeladen werden.

Es handelt sich um die Übersetzung einer päpstlichen Bulle von Paul III von 9.7.1537, also nicht allzu lange nach dem Entdecknen der Neuen Welt, noch vor dem Untergang des Inkareiches und nur 16 Jahre nach der Unterwerfung der Azteken.

Ich finde, nachdem ich mich die Tage kritisch über Bischof Müller geäußert hatte, kann ich jetzt auch mal anerkennen, daß die Kirche von Rom recht früh klare Worte gegen die Versklavung gefunden hat, auch wenn sich modern wähnende Menschen ständig anderes behaupten (Interessant wäre allerdings zu wissen, wie der Papst dem gleichzeitigen Sklavenhandel im Mittelmeerraum gegenüberstand). Überhaupt finde ich interessant, welche Ideen zum Beipsiel in der spanischen Spätscholastik entwickelt wurden, so wurde mir bei einer Führung bei der UN in Genf erklärt, daß unser modernes Völkerrecht genau bei Vertretern der spanischen Spätscholastik ihren Ursprung hat.

Achja: Ich hab den Text komplett zitiert, und zwar wie er auf der verlinkten Seite angegeben ist. Laut dortiger Angabe handelt es sich um eine Übersetzung nach J. Baumgartner, Mission und Liturgie in Mexiko, Bd. 1, Schöneck-Beckenried 1971, 122; aus: Conquista und Evangelisation (Mainz 1992), S. 475 f.

Falls Sie also der Urheber oder Copyright-Besitzer sind und ein Problem mit der vollständigen Wiedergabe haben, melden Sie es bitte kurz an, bevor sie mir ne Abmahnung oder ähnlich häßliche Schreiben schicken. Im übrigen bein ich Student, bei mir ist eh nicht viel zu holen 😉