Kirche & Web 2.0

Viral Evangelisierung?

By Oxford_shark.jpg: The original uploader was SGBailey at English Wikipedia.Text by the wub. (Oxford_shark.jpg) [Public domain], via Wikimedia Commons
Es ist ja fast schon ne ganze Weile her, daß Social Media in aller Munde war und jeder irgendwie dazu wollte. Bei kathpress.at bin ich nun auf einen Artikel gestoßen, in dem genau das wieder gefordert wird:

Kirche müsse diese neue mediale Lebenswelt aktiver nutzen, „da dies eine der zentralen Arenen der Meinungsbildung und damit des Politischen heute darstellt“.

Im Artikel geht es auch um den Einfluss verschiedener antidemokratischer Gruppierungen, der zurückgedrängt werden soll.

Ich denke sowas geht nur über den Einsatz von Privatpersonen, aber wieso nicht kirchlich gebundene Privatpersonen. Nur was kann die Kirche da tun? Aufrufen, die Stimme zu erheben, und eventuell Unterstützung geben in Form von Zahlen und Fakten, die in einer Diskussion verlinkt werden können. Vor über 5 Jahren habe ich ähnliches schon einmal formuliert.

Aber was kann Kirche denn in ihrem ureigensten Feld tun, der Verkündigung? (Sakramente übers Netz sind so ne Sache, will ich jetzt eher nicht drauf eingehen.)

Irgendwie kam mir der Gedanke, daß es doch cool wäre, per demotivational poster, image macro oder sonstigen Inhaltsformen zu verkündigen. Wenn da das ein oder andere viral geht, kann man schon viele Menschen erreichen.

Es muß nichts grundlegend Neues erfunden werden. Die Formen gibt es schon, die haben andere erfunden (Luther griff auch auf den Buchdruck zurück und auch das Flugblatt hat er wohl nicht erfunden – aber nachhaltig genutzt).

Denkbar sind auch Youtube-Videos in einer der populären Kategorien – ich hab da selbst keinen Überblick, aber die Videos lassen sich schon einteilen nach Inhalt und Struktur.

Eine mir bekannte Form ist das Let’s Play, bei dem man Computerspierlern beim Spielen zusehen kann. Mir kommt gerade der Begriff Let’s Pray in den Kopf. Kann sich jemand vorstellen, wie so etwas aussehen könnte/müßte/dürfte, wenn es so interessant sein wollte, daß es geklickt wird?

Womöglich könnte man auch systematisch an die Sache rangehen, die existierenden Formen erst mal auflisten und analysieren, wie sie funktionieren, was sie erfolgreich macht, und was eher nicht so geht.

Davon ausgehend könnte man dann eigene Exemplare entwickeln und so verkündigen. Ich weiß, das sind jetzt nur lose, unausgegorene Gedanken. Aber ich dachte, ich schreib es mal auf, bevor der Gedanke weg ist.

Was meint Ihr?

Kirche & Web 2.0, Technik

Twitterwall für Gnu Social?

Das erste Mal auf dem Barcamp, das erste Mal beim Twittergottesdienst mitgemacht, und immer noch die Frage: Muß das Twitter sein? Geht das nicht auch ohne Konzern? Vielleicht mit Gnu Social?

Sogenannte Social Media Walls, also Anzeigen für Tweets mit festgelegten Hashtags, gibt es für Twitter jede Menge (man sagt ja auch Twitter Walls). Für Gnu Social habe ich so etwas nicht gefunden und mal im IRC nachgefragt. Auch dort wurde mir gesagt, daß es das wohl eher nicht geben wird aber leicht zu bauen sein sollte.

Ich dachte erst an komplizierte API Aufrufe, aber es geht viel leichter: RSS. Bei Gnu Social (und ich glaube auch bei Diaspora oder Friendica, kann das jemand bestätigen?) sind die (öffentlichen) Messages per RSS abrufbar.

So könnte man die leicht auslesen, das Ganze auf den Bildschirm zu bringen ist dann kein Hexenwerk mehr. Nur hatte ich Schwierigkeiten, die richtigen RSS Links herauszufinden, daher dieser Artikel, um das einmal festzuhalten.

Um einen Hashtag per RSS abzurufen, nimmt man:

https://{server}.{TLD}/api/statusnet/tags/timeline/{hashtag}.rss

Wenn man also den Hashtag #twigo auslesen wollte und den Server quitter.is nutzen will:

https://quitter.is/api/statusnet/tags/timeline/twigo.rss

Wenn ich es richtig verstehe sollte die Wahl des Server mehr oder weniger egal sein. Er sollte halt stabil genug laufen, um beispielsweise bei einem Twitter Gottesdienst in kurzen Abständen die Daten ausliefern zu können. Ob das den Server spürbar belastet, kann ich nicht sagen, käme wohl auf einen Versuch an.

Wenn man die Timeline eines bestimmten Nutzers abgreifen will, geht das mit:

https://{server}.{TLD}/api/statuses/user_timeline/{user}.rss

Hier muß der Server dann der sein, auf dem der User sein Konto hat, sonst bleibt das einfach leer…

Insofern andere freie Sozialnetzwerke ebenfalls RSS Feeds zur Verfügung stellen, könnte man auf die Art zu nem „Twitter“-Gottesdienst kommen, ganz ohne Twitter.

Ideal wäre natürlich die Einbindung beider Optionen, Twitter UND Gnu Social, Facebook UND Friendica/Diaspora/Red Matrix etc…

Ich weiß allerdings nicht, ob die komerziellen APIs das zulassen…

Trotzdem, eine Wall-Software für Gnu Social empfinde ich als ein Desiderat. Wenn ich jetzt gut programmieren könnte… wobei, wär wohl eher Webdesign

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Predigtvorbesprechung?

Ich habs glaub ich schonmal geschrieben, ich bin inzwischen kein Student mehr, sondern im Vikariat. Und als Vikar lernt man das notwendige Handwerkszeug, das ein Pfarrer so braucht, dazu gehört auch das Predigen.

Im letzten Kurs im Predigerseminar kam das Gespräch auch auf Predigtvorgespräche. Also Treffen von Pfarrern während der Woche, die sich über den anstehenden Predigttext austauschen. Ich weiß nicht, ob es das in der Praxis heute noch so gibt, aber als wir uns im Kurs über unsere ersten Predigttexte ausgetauscht haben, empfand ich das als sehr hilfreich.

Meine Gedanke war, daß solche Gespräche vielleicht wegen der zeitlichen Auslastung der Pfarrer seltener geworden sein können. Dazu kommt, daß man vielleicht auch nicht mit allen Kollegen so gut „kann“, bei manchen stimmt die Chemie, bei anderen nicht. Und wenn diejenigen, die miteinander „können“ zu weit auseinander wohnen, dann sinkt die Wahrscheinlichkeit für so ein Gespräch umso mehr.

Geht das denn nicht übers Internet? Das war mein nächster Gedanke. Ich vermute, ja. Die Frage ist aber: Wie?

Mir schwebt eine Art Portal vor, auf dem sich einerseits Pfarrer zum gemeinsamen Gespräch in privaten und öffentlichen Gruppen treffen können, um Ideen für die anstehende Sonntagspredigt auszutauschen.

Private Gruppen deshalb, weil Foren mit zu vielen Teilnehmern schnell unübersichtlich werden können und der Austausch für diejenigen mit weniger Zeit dadurcheinfach nicht mehr klappt.

Öffentliche Foren deshalb, weil ich denke, daß trotz aller Kleingruppen auch ein Austausch im Großen nochmal neue Ideen bringen kann.

Außerdem könnten Nichttheologen ihre Ansichten, Probleme oder Fragen zu den entsprechenden Perikopen vorbringen, entweder im öffentlichen Forum oder in einem extra Forum. So könnten Prediger, die Schwierigkeiten haben, sich in die Gemeinde hineinzuversetzen, eine weitere Hilfestellung bekommen.

Schlußendlich wäre auch die Möglichkeit, die fertigen Predigten zu veröffentlichen  sicher nicht verkehrt.

So in etwa denke ich mir das. Allerdings kenne ich keine Software, mit der sich das leicht umsetzen ließe. Man bräuchte wohl ein Mittelding zwischen Forum und Blog, vielleicht noch mit nem Wiki dabei, um all das zu erreichen.

Doch wenn die Grundstruktur erst einmal stünde, könnte man es leicht erweitern, etwa um alternative Perikopenreihen.

Was haltet Ihr von der Idee? Am Bedarf vorbei? Gut, aber schlecht umzusetzen? Besser doch alles per E-Mail? Oder kennt Ihr gar eine Software, mit der sich das leicht umsetzen ließe?

Kirche & Web 2.0, Technik, Theologie

Virtuelle Gemeinden? Tapfer sündigen im Internet?

Das Vikariat und die Vorbereitung zum ÖKT in Speyer fordern mich ein wenig, deshalb bin ich schon lange nicht mehr zum bloggen gekommen. Und beinahe hätte ich zwei interessante Artikel von Ralpe Reimann verpasst, die ich hier jetzt gerne aufgreifen möchte. Und das möchte ich gerne in umgekehrter Reihenfolge tun:

In zweiten Artikel „Eine virtuelle Kirche gibt es nicht, aber Online-Gemeinden schon“ reflektiert Ralpe die Frage, ob und inwieweit es Gemeinden online geben kann. Interessant finde ich, wie sehr die Konfessionalität hier eine Rolle spielt, was man dann auch in den Kommentaren sehen kann: Für die Lutheraner ist CA VII bindend, damit braucht Kirche neben der Wortverkündigug auch Sakramente und die gehen online nicht, also kann es keine Online-Gemeinden geben. Jedenfalls nicht für Lutheraner. Ralpe weist darauf hin, daß andere Konfessionen „Kirche“ anders definieren, aber das hilft den Lutheranern nicht. Und auch die Auslegung, dass es sich bei CA VII nicht um Ausschlußkriterien handelt, überzeugt offenbar nicht alle.

In der Pfalz werden wir ja nicht auf eine Bekenntnisschrift ordiniert, sondern allein auf die Heilige Schrift, was es mir immer etwas schwierig macht, diesen Konfessionalismus (ich meine das jetzt nicht abwertend) zu verstehen – ich mußte mich nie so existenziell mit den Bekenntnisschriften auseinandersetzen.

Von daher sind diese Diskussionen für mich dann immer auch etwas befremdlich, aber ich denke, sie führen auch am Wesentlichen vorbei. Denn Ralpe schreibt ja schon, daß die „Online-Gemeinden“ nicht in Konkurrenz zur Ortsgemeinde treten sollen. So wie es auch Gebetskreise, Diakonie und Seelsorge nicht sind.

Ich erinnerte mich beim Lesen an eine Schrift von Luther: „An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung“. Darin schreibt Luther (zitiert nach Projekt Gutenberg, was andres hab ich grad nicht zur Hand):

Und damit ichs noch klarer sage: wenn ein Häuflein frommer Christenlaien gefangen und in eine Wüstenei gesetzt würden, die nicht einen von einem Bischof geweihten Priester bei sich hätten, und würden allda der Sache eins, erwählten einen unter sich, er wäre verheiratet oder nicht, und beföhlen ihm das Amt: zu taufen, Messe zu halten, zu absolvieren und zu predigen, der wäre wahrhaftig ein Priester, als ob ihn alle Bischöfe und Päpste geweiht hätten. Daher kommts, daß in der Not ein jeglicher taufen und absolvieren kann, was nicht möglich wäre, wenn wir nicht alle Priester wären.

Luther geht es hierin um die Feststellung der Priesterschaft aller Gläubigen, aber ich denke, man kann die dargestellte Situation vielleicht doch übertragen. Ich denke an Länder, wo das Internet zwar verbreitet, das christliche Bekenntnis aber eine Gefahr für Leib und Leben bedeuten kann, wo vielleicht einzelne Christen im wahrsten Sinne des Wortes meilenweit vorneinander weg wohnen. Sicher werden sich die Glaubensgeschwister am Liebsten an einem gemeinsamen Ort in der Kohlenstoffwelt Gottesdienst feiern wollen, aber sie sind dazu womöglich nicht immer in der Lage. Hier ergeben „Online-Gemeinden“, welchen dogmatischen Status man ihnen auch immer geben mag, durchaus Sinn, auch wenn die Ortsgemeinde das Ziel ist. Ich glaube übrigens nicht, daß es Menschen gibt, die die Online-Gemeinde der Ortsgemeinde tatsächlich vorziehen würden, genausowenig wie es bei Verkündigung und Sakramentenverwaltung zum Chaos gekommen ist. Auch wenn alle es vom Prinzip her können bzw. dürfen, berufen die Kirchen trotzdem bestimmte Menschen dazu, dies auch zu tun.

Aber wie gesagt, ich finde die Diskussion ist viel zu wichtig, als sie nur dogmatisch zu führen um den jeweiligen Status, dem man dem, was da passiert, geben kann. Viel wichtiger finde ich, zu überlegen, wo die Chancen der „Online-Gemeinden“ liegen können.

Heiko Kuschel hat gerade von der Verscheibung der Gottesdienstzeit geschrieben. In dem Artikel geht er der Frage nach, ob eine Verschiebung des Zeitpunktes des sonntäglichen Gottesdienstes die Besucherzahlen steigen lassen können würde. Er ist da, wie ich ihn verstehe, skeptisch, und ich stimme ihm da zu.

Der „normale“ Gottesdienst am Sonntag morgen ist nicht sonderlich gut besucht, Sondergottesdienste dagegen, ob nun für Familien, für Biker, für einsame Herzen etc erfreuen sich offenbar größerer Beliebtheit. Da fühlen sich die Menschen offenbar angesprochen, oder sind zumindest neugierig. Man kann aber nicht nur noch Sondergottesdienste anbieten. Damit würde man statt einer Gemeinde von ganz verschiedenen Menschen plötzlich ganz viele Gemeinden mit recht einheitlichen Menschen, die alle ein Hobby teilen oder in einer ähnlichen Situation sind, haben. Das ist erstens für den Pfarrer viel Arbeit und hat zweitens auch nicht viel mit dem EINEN Leib zu tun, der wir doch sind…

Meine Vermutung wäre, daß „Online-Gemeinden“ (oder allgemein Online Aktivitäten von Kirchenmenschen oder Christen allgemein) ebenso wie Zielgruppengottesdienste niedrigschwellige Angebote sein können, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen.

Die Parochialstruktur ist eigentlich eine geniale Sache, denn so haben wir an jedem Platz in Deutschland eine ganz klare Zuordnung, welcher Pfarrer in erster Linie zuständig ist. Wenn es online also um etwas geht, was eine lokale Gemeinde braucht, kann sofort nchgesehen werden, in wessen Zuständigkeit das fällt. Andererseits denken die Menschen nicht (mehr?) parochial. Ich sehe das bei mir selbst auch. Ich war in der Zeit meines Studiums der Gemeinde meines Heimatortes viel näher verbunden als den Gemeinden an den Studienorten. Trotzdem bin ich natürlich nicht jeden Sonntag quer durch Deutschland gefahren zum Gottesdienst. Den Gottesdienst habe ich dort besucht, wo ich gewohnt habe, Kontakte und christlichen Austausch habe ich aber in vielen Fällen, neben den Kommilitonen – als Theologiestudent ist man da vielleicht auch im Vorteil – über das Internet mit ganz verschiedenen Christen aus ganz verschiedenen Hintergründen und Ländern gehabt.

Ich denke also, man kann viel online machen, kann dort einen Teil seines spirituellen Lebens ausleben und trotzdem (oder gerade dann) in die Ortsgemeinden gehen und dort auch mitmachen. Ich denke, in Zukunft sind, auch wenn man mal so ein böses Wort wie Mission in den Mund nimmt, beide Strukturen wichtig, wobei meine Vermuntung ist, daß in der Parochie eine wichtige Rolle spielt, daß die Struktur da ist, während online die Privatperson wichtig wird. Ich spreche nicht mit jedem im Netz über mienen Glauben, aber der Pfarrer, der in meiner Ortsgemeinde predigt, ist erst einmal der Pfarrer, und das nehme ich auch so hin, egal, was ich sonst von ihm halte…

Jetzt hat Ralpe ja noch einen ersten Artikel vor dem jetzt lange ausgewälzten zweiten Artikel geschrieben: Sündige kräftig im #Neuland!

Ich habe mich ja vor Jahren schon von Facebook und Twitter zurückgezogen, weil ich einfach meine Daten dort nicht liegen haben wollte, deshalb bin ich beim Lesen des Artikels an der Aufforderung hängen geblieben, gerade dort hin zu gehen:

Wenn wir im Rheinland schwierige Fragen zu klären haben, zitieren wir gerne die Barmer Theologische Erklärung. These III der Barmer Theologischen Erklärung verortet die Kirche „mit ihrer Botschaft … mitten in der Welt der Sünde“, These VI bestimmt den Auftrag der Kirche darin, „an Christi Statt und also im Dienst seines eigenen Wortes und Werkes durch Predigt und Sakrament die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk.“ Volkskirche so verstanden, koppelt den Auftrag der Glaubenskommunikation daran, an alle Menschen gewiesen zu sein.

Dabei dürfen und müssen wir uns als Kirche auch in Netzwerke begeben, die uns nicht gefallen, um die Menschen zu erreichen, denen diese Netzwerke gefallen. Das heißt für mich: Auch wenn Facebook in der Welt der Sünde ist, hindert mich nichts, dort das Evangelium zu verkünden. Das schulden wir nämlich allem Volk. Wenn über 30 Millionen Deutsche auf Facebook kommunizieren, dann richten wir auch dort das Evangelium aus. Täten wir das nicht, zögen wir uns aus der sündigen Welt zurück und flüchteten uns ins Weltfremde hinter Kirchenmauern. Das aber ist nicht mein Bild von evangelischer Kirche. Bei aller Kritik an Facebook & Co: wir sind – so sehe ich das – von Gott auch in solche Netzwerke gestellt.

(Hervorhebung von mir)

Ich denke, Ralpe hat hier Recht und ich überlege, ob ich mich wieder bei Facebook und Twitter anmelden sollte, zögere aber. Immerhin hbe ich ein Red Matrix Konto und bin dort durchaus als Christ zu erkennen. Und in diese Ecke der Welt gehen wahrscheinlich noch weniger Kirchenleute als zu Facebook oder Twitter…

Was mir dabei wichtig ist: Ich kann zu Facebook und Twitter gehen, um dort die Menschen zu erreichen. Aber ich würde (wahrscheinlich vor allem wegen meiner Ablehnung dieser Dienste, aber die ist ja nicht unbegründet) ein großes Fragezeichen setzen wenn es darum geht, sich dort einzurichten (Macht euch nicht gemein mit der Welt un so…).

Ralpe spricht es an, der Datenschutz dort ist ein Problem und man sollte sich nicht den Anschein geben, als sähe man das nicht so oder wisse nicht darum. Krass ausgedrückt: Wenn man als Seelsorger auf St. Pauli auch mal in die Bordelle geht, um sich der Damen dort anzunehmen, muß man noch lange kein Kunde werden…

Deshalb denke ich, ist es wichtig, daß die Kirche sich hier auch engagiert und auf freie Alternativen aufmerksam macht oder zumindest zum Problembewußtsein beiträgt (das Thema hatte früher schon einmal).

Wie man den Spagat zwischen Verkündigen bei Facebook und Twitter und dem Nichteinrichten dort schaffen kann, ist mir noch nicht ganz klar. Nach der Lektüre von Ralpes Artikel würde ich es zumindest nicht ganz ausschließen, dort (wieder) aktiv zu werden – beruflich (und das ist dann wohl der Knackpunkt der das Nichtgelingen besiegelt). Konfirmandenarbeit oder ähnliches (vor ein paar Wochen hörte ich von einem Presbyterium, das sich per What’sApp abstimmt) würde ich aber wahrscheinlich, wenn überhaupt online unterstützt, nur über Dienste laufen lassen, die entweder von der Kirche oder von mir selbst gehostet werden (bzw wenn die Teilnehmer anderen Servern vertrauen und das Netzwerk Federation unterstützt, ist das auch okay).

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Kirche und Computer – ein Diskussionsbeitrag

Ich habe ja schon vor Jahren damit angefangen, mir Gedanken zu machen zum Umgang der Kirche mit den Möglichkeiten im Internet oder Computern allgemein (auf dem alten Blog gab es dafür ne eigene Kategorie, zu dem auch Mitautor bonifatz schrieb – auf dem neuen Blog ging das Thema etwas unter, außer zwei Artikeln zu Alexander Ebel’s Idee mit dem gemeinsamen Predigterstellen per Etherpad und einer Frage nach Telefongottesdiensten fand ich nix, aber ich weiß, daß Nordlicht sich in die Richtung Gedanken macht, vielleicht kommt da ja auch bald was ;)).

Wie gesagt hab ich mich lange nicht mehr mit der Thematik befaßt, bin aber nun auf Mitredner Güntzels Artikel Kirche und Computer gestoßen, in dem er ein paar Thesen aufstellt, zu denen ich gerne auch ein paar Gedanken loswerden möchte.

These 1: Kirche sollte bei Betriebssystem und Software auf Linux und Open Source setzen, weil diese per se dem Organisationsbild von Kirche entsprechen.

Ich finde die Formulierung etwas ungeschickt, denn man müßte erst erklären, wieso das (derzeitige?) Organisationsbild der Kirche mehr ist als eben eine weltliche Form für eine überweltliche Gemeinschaft. Müssen katholische Bistümer dann auf Windows setzen, weil sie hierarchischer organisiert sind? Wohl kaum!

Güntzel nennt dann aber weitere Faktoren, die in der These nicht explizit genannt werden: Open Source muß keinen Shareholder Value erzeugen, ist weniger anfällig für Schadsoftware, ist in Datenschutz und Sicherheit vorne, außerdem sei Open Source Software mittlerweile ebenso leicht zu bedienen und ebenso zuverlässig.

Außerdem seien die Kosten geringer.

Die Kosten sind IMHO sicher ein Argument, wobei man sich klarmachen muß, daß die Schulung der Mitarbeiter erst einmal geleistet (und bezahlt) werden muß. Es läuft eben nicht alles wie bei Windows. Außerdem ist es sicherlich ein Vorteil, daß Open Source Software keinen Gewinn abwerfen muß und deshalb auch Datenschutz und Privatsphäre ernst nehmen kann. Man sollte jedoch vorsichtig sein, Open Source Software als per se sicherer oder besser als kommerzielle Software zu bezeichnen, es kommt immer darauf an, was man will (dies einzuräumen gebietet die Ehrlichkeit, außerdem beugt es Enttäuschungen in der Einführungsphase vor).

Ich bin durchaus auch der Meinung, daß Linux und freie Software allgemein kommerzieller Software eher vorzuziehen ist, aber man muß genau hinsehen, was man tut. Ich hörte davon, daß einige Kirchen SAP R3 eingeführt haben, ein umfangreiches Programm, das es nach meinem Wissen nur für Windows gibt. Das innerhalb von ein paar Jahren wieder abzuschaffen wäre sicherlich nicht weise.

These 2: Kirche sollte die Open Source-Bewegung und ihre Ziele der Standardisierung und des Schutzes der Privatsphäre aktiv unterstützen.

Güntzel schreibt:

Das Ziel der Open Source-Bewegung, allen Menschen die Möglichkeit zur Kommunikation über das Internet zu geben und dazu Mittel in Form von Betriebssystem und Software unentgeltlich bereit zu stellen, berührt sich mit dem der Kirche, das Evangelium aller Welt zu verkündigen. Die Sozialen Medien lassen sich dazu in besonderer Weise nutzen und werden bereits erfolgreich zur Verkündigung genutzt. Anders als die (notwendigerweise) auf Gewinn ausgerichteten Softwarefirmen wird die Open Source-Bewegung von idealistischen Motiven geleitet. Dennoch ist sie von finanzieller Unterstützung abhängig. Statt Geld in teuere Betriebssysteme und deren Support zu investieren, sollte Kirche in die Open Source-Bewegung investieren.

Hier werden zwei Dinge durcheinandergeworfen: Computer und Internet. Es gibt Software, die die Kommunikation über das Internet ermöglicht oder erleichtert, und solche, die das Internet gar nicht oder kaum auf dem Schirm hat, weil sie eben für lokale Zwecke gemacht ist. Und ja, es gibt Leute, die Software zur Kommunikation übers Internet herstellen und solche, die übers Internet kommunizieren wollen. Nur sind zum Beispiel gerade die genannten sozialen Netzwerke (vor allem die bekannten Nezte wie Facebook oder Twitter, freie Alternativen wie die Red Matrix sind kaum bekannt und werden entsprechend spärlich genutzt) weder Open Source noch besonders vertrauenswürdig, was den Datenschutz und die Privatsphäre angeht.

Trotzdem stimmt es natürlich, daß die Kirchen es durchaus gut theologisch begründen könnten, wenn sie der Open Source Bewegung finanzielle und vielleicht auch personelle Unterstützung zukommen lassen würden (das kann man weiterspinnen bis zum Betreiben von Freifunk Netzen über die Kirchtürme).

Das geht natürlich besonders gut, wenn man selbst Teil der Bewegung wird und im eigenen Hause eigene Lösungen entwickeln läßt.

Ob die Kirchen sich nun positionieren sollten bei der Frage, welcher Standard nun der bessere ist, da habe ich großen Zweifel. IMHO kann ein kirchlicher IT Mitarbeiter durchaus seine Meinung sagen – als Fachmann, aber ob sich jetzt ein Kirchenpräsident für das Open Document Format aussprechen sollte oder überhaupt könnte…? Woher sollte er die Fachkenntnis haben, welches Format wirklich das bessere ist?

Mehr Verschlüsselung in der kirchlichen Mediennutzung wäre sicherlich nicht verkehrt.

These 3: Die Beauftragung und Entwicklung von kirchlicher Verwaltungssoftware sollte nicht Sache der Landeskirchen sein, sondern gehört auf EKD-Ebene.

Ganz ehrlich: Bin ich kein Freund von. Ganz einfach weil ich den Eindruck habe, daß je größer das System ist, desto größer wird der Overhead und desto weniger wird tatsächlich erreicht. Gerade beim Entwickeln von spezieller Software ist es wahrschienlich nicht leicht, von kommerziell auf frei umzustellen, weil es auf einmal einen sehr großen Aufwand bedeuten würde. Etwaige landeskirchliche oder bundeslandspezifische Details zu berücksichtigen bedeutet noch einmal mehr Aufwand, vor allem wenn gleichzeitig 16 Bundesländer und 20 Landeskirchen abgedeckt werden sollen. Langfristig wäre es sicher schön zu sehen, wenn Entwicklung in den Landeskirchen stattfindet als Open Source Software, so daß auch Freiwillige mitarbeiten können (und so  ihren Kirchensteuersatz reduzieren (?) und andere Kirchen – womöglich auch anderswo in der Welt, davon profitieren können). Dann entwickelt vielleicht Bremen die Mitgliederverwaltung, Lippe das elektronische Gesangbuch, Württemberg die Finanzverwaltung und die EKiR kümmert sich um Datenschutz und Sicherheit… jeder wie er will und kann, vielleicht konkurrieren auch verschiedene Systeme miteinander die in verschiedenen Landeskirchen entwickelt werden. Ich sehe daher keine Notwendigkeit, hier auf EKD Ebene etwas einzurichten. Grundsätzlich sollte man in der IT ja single points of failure vermeiden…

These 4: Wenn Kirche Computer und Internet will, muss sie auch den Preis dafür bezahlen.

Hier schreibt Güntzel einerseits, daß es nicht angehen kann, daß Pfarrerinnen und Pfarrer sich in ihrer Freizeit ums Einrichten ihrer IT kümmern, die sie zum Arbeiten brauchen. Da ich selbst kein Pfarrer bin, kenne ich die Wirklichkeit hier nicht, aber wenn es so ist, hat er Recht (wobei Pfarrer ja Beamte sind und als solche immer im Dienst, aber irgendwann muß man auch frei haben).

Dann schreibt er über Admins auf Kirchenkreis- oder Sprengelebene als Alternative dazu, externe Dienstleister zu beauftragen. Das kann je nach Aufwand der technischen Instandhaltung sicher sinnvoll sein. Vor allem, wenn es darum geht, das System Kirche zu kennen und den Softwareentwicklern Rückmeldung zu geben, kann das durchaus sinnvoll sein. Es kommt darauf an, wie viel Hilfestellung in den Pfarreien benötigt wird. Ab einer gewissen Menge an Hilfeanfragen kann es sicher besser sein, das im Haus zu erledigen. Der Datenschutz kann dafür sprechen, wenn potentiell persönliche Daten nur von kirchlichen Mitarbeitern gesehen werden, nicht aber von externen Dienstleistern. Wobei man gerade hier darüber nachdenken sollte, wie das mit dem root bei Linux ist und welche Macht man damit den Administratoren in die Hand gibt über die Daten der Menschen, die sich an die Pfarrer wenden, das nur nebenbei.

These 5: Die Speicherung und Sicherung von Daten sollte nicht Sache der Kirchengemeinde, sondern der übergeordneten Struktur (Kirchenkreis bzw. Landeskirche) sein.

Auch hier bin ich eher skeptisch. Es kommt natrülich darauf an, welche Daten es sind, wie vertraulich sie sind etc. Sicher sinnvoll ist es, Richtlinien zu haben, wie persönliche von dienstlichen Daten getrennt werden und wie damit nach einem Stellenwechsel umzugehen ist. Vom ersten Gefühl her würde ich eher denken, ein Pfarrer sollte etwa Seelsorgedaten eher vernichten, als sie dem nächsten Kollegen zu übergeben, zu dem der Seelsorgesuchende gar keine Beziehung und (noch?) kein Vertrauen aufgebaut hat. Wenn es um Daten zu Verwaltungsfragen geht, sieht das natürlich anders aus.

Die Ablage der Daten bei der Landeskirche birgt natürlich die Gefahr, daß die Daten dort potentiell auch von nichtbeteiligten Personen eingesehen werden könnten. Man denke an die Administratoren, die das root Passwort haben und den Verschlüsslungsmechanismus kennen! Daher denke ich, daß manche Daten besser direkt auf dem Dienstrechner der Pfarrer aufgehoben sind, soweit sie niemand anderen etwas angehen. Für öffentlichere Daten zur Verwaltung etc ist es sicherlich sinnvoll, diese zentral zu sammeln, wo die Datensicherheit (Spiegelung!) gewährleistet werden kann und eine klare Struktur eingehalten wird, so daß andere Personen gleich die nötogen Unterlagen finden können. Das könnte man dann sogar in einem EKD-eigenen Rechenzentrum unterbringen, in dem Zusammenhang hielte ich das für sinnvoll.

These 6: Computer, Internet und Social Media sind nicht nur technische Entwicklungen, sondern beinhalten gesellschaftliche Veränderungen und haben Auswirkungen auf unser Leben, mit denen Kirche sich auskennen und zu denen sie sich verhalten muss.

Hier stimme ich vollkommen zu, gebe aber auch zu Bedenken, daß vieles schon passiert. Manche Kirchen haben Social Media Guidelines herausgegeben, es gibt offizielle Landeskirchenblogs, in der EKiR bloggt gar der Präses und sogar in der praktischen Theologie findet man erste Aufsätze zu Teilgebieten. Die Kirche braucht halt immer ein bißchen länger…

Kirche & Web 2.0

Jenseits der Parochie

Es ist schon ein paar Tage her, daß Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, Ralf Peter Reimann und Alexander Ebel einen Artikel mit dem Titel „Jenseits der Parochie“ im Pfarrerblatt veröffentlichten.

Der Artikel enthält viele interessante Gedanken und ist durchaus lesenswert. Ich möchte nun, nachdem ich den Artikel gelesen (und auch kommentiert) habe, mir hier ein paar weiterführende Gedanken dazu machen.

Die Frage ist grob: Wie geht die Kirche mit den Möglichkeiten des Internets um, vor allem den mit Web 2.0 bezeichneten Techniken, die eine echte Vernetzung und many to many Kommunikation ermöglichen.

Der Pfarrerblatt Artikel geht vor allem auf den technischen Hintergrund ein und fragt nach Möglichkeiten, wie man einen Content X möglichst breit kommunizieren kann. Jedenfalls verstehe ich es in diesem Zusammenhang, wenn davon geredet wird, daß Content über private Seiten der Pfarrer Verbreitung finden sollen.

Mir stellen sich hier zwei Fragen:
1. Welcher Content soll überhaupt kommuniziert werden?
2. Besteht das Agieren der Kirche im Netz lediglich in einer one to many Kommunikation?

Wieso nicht auch einmal zuhören?

Die Alternative zum lediglichen Hinauskommunizieren läßt sich eigentlich leicht benennen: Hineinkommunizieren, oder weniger verkompliziert ausgedrückt: Auch mal zuhören.

Dabei stellt sich wieder einmal die Frage, wer überhaupt kirchlicher Akteur ist, also wer überhaupt zuhören soll, statt nur zu reden. Diese Frage möchte ich unter Berufung auf die Priesterschaft aller Gläubigen erst einmal offen lassen. Sicher angesprochen fühlen darf sich die Institution Kirche in welcher Art auch immer, ob man das jetzt nun bei Gemeindepfarrern, Öffentlichkeitsarbeit und/oder der Synode ansiedelt, egal. Aber auch alle anderen Gläubigen können und dürfen sich durchaus angesprochen fühlen.

Man hört also zu und kommt dadurch zu irgendeiner Erkenntnis. Womöglich über die Menschen im Allgemeinen und ihre Sorgen und Probleme, aber auch das was ihnen Hoffnung gibt im Besonderen.

Aber was sag ich denn nun?

Derlei Erkenntnisse sind nach meinem Dafürhalten gute Quellen für Contentproduktion. Wie genau das jetzt aussieht, ob es sich um einen längeren Text zu einem abstrakten Thema des Glaubens etwa in ner Predigt oder nem Blogartikel handelt, ob es ein Video ist oder ein Comic, ob man sich mit diesem Wissen in Internetforen oder anderen Diskussionen einbringt hängt auch von der jeweiligen Person, ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten und nicht zuletzt auch Präferenzen ab. Und ja, dabei geht es nicht nur um bloße Inhaltsvermittlung, in Diskussionen oder Chats kann es durchaus auch zu seelsorgeartigen Gesprächen kommen.

Wie nun?

Ich stelle mal ein Postulat auf: Auch heute noch sind Menschen auf den Glauben ansprechbar. Kirchen- und Religionskritik, die im Internet besonders laut vernehmbar sind (oder hab ich da ne verschobene Wahrnehmung?) fordern geradezu nach Stellungnahmen, aber eben auch weniger „kritische“ Zeitgenossen sind durchaus Willens, sich über Glauben und Religion zu unterhalten. So ist jedenfalls meine Erfahrung, wenn ich mein Studienfach nenne. Kaum jemand, der nicht eine Diskussion zu Kirche und Glaube beginnt oder wenigstens ne persönliche Stellungsnahme zum Thema abgibt. Ich denke nicht, daß es Mathemtikstudetnen ähnlich geht… ich schweife ab.

Was ich jedenfalls festhalten wollte: Der „Markt“ für den christlichen Content ist jedenfalls da. Wenn nun irgend ein Christ sich berufen fühlt, diesen „Markt“ mit Content zu versorgen, kann er sich durch Zuhören ein Bild darüber verschaffen, was genau gesucht wird. Ich mutmaße einmal, daß nachvollziehbare Darstellungen der Verwendung der finanziellen Mittel der Kirche (okay, kein Glaubensthema aber ein Kirchenthema und vor allem ein GLAUBwürdigkeitsthema) besser aufgenommen würde als ein Traktat über die bei Unglauben zu erwartenden Höllenqualen. Andererseits wäre eine nachvollziehbare Darlegung der Höllenlehre oder der Vorteile des Glaubens an Gott sicher auch nicht ohne Zuhörer.

Dabei kann jeder zuhören und Content produzieren, Pfarrer, Synodale, Mitglieder der Kirchenregierung, oder eben auch Tante Erna, die jeden Sonntag den Gottesdienst besucht, sofern sie mit dem Computer umgehen kann.

Während also nun jeder Content produzieren kann und es auch soll, sehe ich die institutionalisierte Kirche hier mehr in einer Bringschuld als das normale Gemeindeglied. Immerhin hat die Institution den Auftrag der Verkündigung. So könnte sie etwa für Premiumcontent sorgen, entweder durch eigene Produktion, ich denke dabei an Andachten, aber auch Nachrichten aus dem kirchlichen Leben oder einen youtube Kanal, meinetwegen auch einen eigenen Blog oder Miniblog oder ne Facebookseite oder dergleichen. Sie kann aber auch (zusätzlich?) zur Vernetzung der Christen im Netz beitragen, indem sie aufeinander verweist. So könnte sie die Kreativität all der Comiczeichner, Videoersteller etc im eigenen Sinne fördern, ohne selbst mit größerer Kreativität in Erscheinung treten zu müssen. Und die Pfarrerzentriertheit wäre ein Stück weit aufgehoben (wobei zu erwarten steht, daß unter den Kreativen sich auch der ein oder andere Pfarrer befindet).

Da die Institution Kirche wohl auch weitreichendere Möglichkeiten im informationstechnischen Bereich hat als die kreativen Privatpersonen, könnte etwa dafür gesorgt werden, daß produzierter Content leicht auf gängigen (Facebook, Twitter, Tumblr…) und weniger gängigen (Diaspora, Friendica, Identi.ca, tent…) Plattformen weiterverbreitet werden kann.

Diese Weiterverbreitung geschähe dann wohl, wie im Pfarrerblatt Artikel genannt, auch und wahrscheinlich zumindest Anfangs vor allem durch Pfarrer auf ihren Privatprofilen. Aber mit der Zeit auch immer mehr durch normale Gemeindeglieder, die sich, je nach Qualität des Contents (spricht es an, hat es was mit eigener Situation zu tun etc) und eigener Interesselage dazu bereit finden, etwas zu teilen oder am Ende gar selbst der Kirchenseite folgen. Ob bei Facebook oder sonstwo im Netz.

Update:

Was mir gerade noch einfällt: Die institutionalisierte Kirche könnte darüber hinaus (etwa per Social Media Guidelines? ;)) Hinweise geben, wie man gut zuhört, wie man Content entwickelt und dergleichen, also quasi als Qualifizierungs- bzw Professionalisierungsstelle dienen (und „dienen“ find ich hier als Begriff gar nicht so verkehrt).

Kirche & Web 2.0

Zwei Dinge

Wie der regelmäßige Leser bereits mitbekommen hat, habe ich mir vor einiger Zeit ien bißchen Webspace gegönnt und stehe nun vor der Entscheidung, den Blog umzuziehen. Wobei, die Entscheidung an sich ist schon getroffen, muß halt alles noch eingerichtet werden in ner ruhigen Minute, nen Titel such ich noch (wieso nicht wieder ein Kirchenliedtitel), der zum Inhalt passt (derwird sich wohl nicht ändern, es bleiben die gleichen Autoren) usw, aber darum geht es mir hier gar nicht. Ich hatte in dem Zusammenhang zwei Ideen zum Thema Kirche und Web 2.0:

Die erste wäre ein Reisesegen oder etwas in der Art für den neuen Blog. Beim Rückblick lief hier nicht unbedingt immer alles so, wie ich es mir im Nachhinein wünsche und ich denke, es wäre ne schöne Sache, den neuen Blog segnen zu lassen bzw nein, das wäre protestantisch nicht okay, weil wir Segen ja keine Sachen. Viel mehr ginge es um einen Segen für die Blogautoren für ihre Bloggertätigkeit, so ist es genauer und richtiger. Wie das aussehen und durchgeführt werden könnte? Wer das dann macht? Keine Ahnung, ber ich bin für Anregungen offen.

Die zweite Idee ist mehr organisatorischer Art. Alexander hat vor langer Zeit ne Liste evangelischer Blogs erstellt, die wohl nicht mehr ganz aktuell ist. Die Idee find ich aber nicht schlecht. Ich denke, es könnte ganz gemeinschaftsnützlich sein, wenn sich alle, die thematisch in die gleiche Richtung gehen (wenn auch nur grob, ich blog ja auch mal zur Politik etc) irgendwo gemiensam listenmäßig auftreten. Ob man das jetzt auf evangelisch beschränkt oder ökumensich öffnet (fänd ich besser) mal dahingestellt, jedenfalls scheint es mir katholischerseits ne „Blogoszene“ (die nennen das selbst teilweise so) mit nem recht weit gehenden Zusammengehörigkeitsgefühl zu geben. Und da überleg ich mir, wie das technisch umsetzbar wäre. Ich experimentier im Moment mit Tiny Tiny RSS herum und wenn ich es richtig verstehe, dann kann man da auch öffentliche Feedlisten verwalten und alles über nen eigenen Feed ausgeben. Müßte ich mal nachsehen, wie genau dat läuft. Bestünde an so was abgesehen von mir überhaupt Interesse? Ich hab ja den Kontakt zur Community ein wenig verloren, als ich bei Facebook und Twitter ausstieg, vielleicht ist die Vernetzung aller anderen ja ausreichend…?

Eventuell könnte man ja noch ein Logo entwerfen, meinetwegen auch ein weißes Quadrat in Anlehnung an das Bilderverbot…

Soweit meine Gedanken. Kommentare?

Kirche & Web 2.0

Open Slides

Bin hete grad drauf gestoßen. Da gibt es ne Software, die nennt sich Open Slides und ist für Sitzungen. Man kann damit wohl sowohl Tagesordnungspnkte und dergleichen an die Wand werfen, wie auch Anträge verwalten, die die Sitzungsteilnehmer dann vom eigenen Client senden. Hört sich jedenfalls interessant an.

Noch interessanter finde ich die Referenzliste. Neben dem roten Hahn der Bundes-ESG findet man dort (zumindest im Moment) noch die Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend in Deutschland aufgelistet, die studierenden Cusanerinnen und Cusaner und den evangelischen Kirchenkreis Krefeld-Viersen. Neben diesen vier kirchlichen Referenzen gibt es dann mit der Piratenpartei nd den Grünen ach noch zwei aus dem politischen Bereich. Es freut mich zu sehen, daß die Kirche einmal im Bereich IT irgendwo nicht nur vorn dabei ist, sondern auch noch die Mehrheit stellt. Das läßt hoffen für die Zukunft.

Kirche & Web 2.0, Religion

Bibelkreis im Netz?

Man kennt das ja aus den Gemeinden. Bzw ich kenn das eigentlich fast gar nicht, aber das mal bei Seite: Bibelkreise: Man trifft sich, trinkt Tee, ißt Gebäck, liest Bibel und spricht darüber. Dieses Erbe des Pietismus (ist es doch, oder?) erfreut sich vor allem in frommeren Gemeinden großer Beliebtheit.

Da weder meine Frömmigkeit noch die meiner Heimatgemeinde in diese Richtung ausgeprägt ist, kenne ich das jetzt weniger. Ich habe da vielleicht auch Berührungsängste, weil es ja durchaus zu größeren Reibereien zwischen pietistischer Frömmigkeit und eher… nun, wie will ich es nennen wenn ich nicht „liberal“ sagen will? Egal, also ich denke, ich würde auch oftmals anecken, und dazu ist das Ambiente bei Tee und Keksen einfach falsch. Liberale Bibelkreise sind in liberalen Gebieten aber komischerweise noch seltener als in erwecklichen Gegenden, also fiel Bibellese in Gesellschaft für mich bisher flach.

Jetzt kam mir die Idee, daß man sowas ja auch netzbasiert machen könnte. Gut, dabei würden wohl Tee und Kekse wegfallen (kann ja jeder für sich machen, da gibt es dann auch kein Problem wie beim Online-Abendmahl ;)), aber dann ist vielleicht auch ein eckigeres Besprechen der Meinungen möglich.

Stellt sich die Frage: Wie macht man das? Eine Möglichkeit wäre sicher, dazu ein Forum (zum Beispiel dieses hier) zu nehmen, oder gibt es andere Vorschläge? In einem Chat wäre vielleicht die nötige Ruhe nicht gegeben, sich mit dem Text auseinanderzusetzen, das scheit mir zu flüchtig zu sein. Eine andere Möglichkeit wäre auch das Blog. Man würde den Bibeltext als Artikel bringen (am Besten von der Offenen Bibel, damit man nicht noch wegen Copyrightgeschichten im Knast landet). Allerdings hat Bonifatz ja seine Andachten in letzter Zeit im Fragemodus gebracht und auf einen Austausch gehofft. Viel kam da ja auch nicht.

Also was meint Ihr? Gute Idee, oder doch eher nicht? Und wenn doch, wie sollte man das umsetzen? Bzw würdet Ihr mitmachen?

Kirche & Web 2.0

Gedanken zum Open Xangbuch

Vor ner Weile hatten wir es ja schon einmal davon, und ich hatte dann auch sowas ähnliches auf Englisch gefunden: Open Xangbuch. Also eine Sammlung von Kirchenliedern, die allgemeinfrei sind (oder unter einer freien Lizenz verfügbar sind, falls es sowas überhaupt gibt).

Da ich ja jetzt die letzten 5 Monate bei einem großen südwestdeutschen Autobauer LKWs gebaut hab, schrecken mich die Kosten für nen eigenen Webspace auch nicht mehr ab, der wäre vorhanden. Was mir noch nicht ganz klar ist, ist die technische Umsetzung. Ich hab schon ein wenig mit MediaWiki experimentiert, und auch mal in Drupal reingesehen, aber mit beidem bin ich so ganz nicht zufrieden. Drupal ist mir einfach zu mächtig, da dauert der Einstieg wohl etwas länger, jedenfalls für mich. Und bei Mediawiki stört mich, daß ich keine so gute Kontrolle über Benutzer und Inhalte hab. Es kann ja erst mal nix gelöscht werden… jedenfalls hat es mir nicht gefallen.

Was das System können soll: Ich will schon gerne ne Community Sache draus machen und keine One Man Show, so wie es Brian vom Open Hymnal Project macht. Ich hatte ihn mal angeschrieben, und er hat mir einige gute Tipps gegeben, was Quellen angeht, und auch im technischen Bereich. Jedenfalls soll es möglich sein für jedermann, Inhalte einzustellen. Das mit Quellenangabe, damit nachvollzogen werden kann, ob das fragliche Werk wirklich frei ist. Nach einer Prüfung durch nen Moderator (oder wie immer man die Rolle nennen will) sollte der Inhalt dann für die Öffentlichkeit freigeschaltet werden können.

Es gibt ja manchmal mehrere Melodien zu einem Lied, oder mehrere Texte zu einer Melodie. Deshalb sollten auch irgendwie alle Kombinationen abrufbar sein. Wie genau ist mir noch nicht klar, aber man kann ja mehrere Melodien auf eine Liedseite bringen…

Ein anderes Thema wären Taxonomien. Oder sagt man Indizes? Und wo ist der Unterschied? Naja, es geht darum, die Lieder auch zu finden. Klar ist, daß die Lieder über die Titel gefunden werden sollen. Aber ich denke darüber hinaus auch über Themenlisten, also Weihnachtslieder, Passionslieder, Lobpreislieder… Jeweils eigene Kategorien. Dann gäbe es noch die Möglichkeit, nen Bibelstellenindex zu erstellen, der etwa auf Zitate oder Anspielungen hinweist. Wahrscheinlich gibt es noch viel mehr Möglichkeiten.

Und nun suche ich nach ner recht einfachen Software, mit der das umsetzbar ist. Und dann natürlich auch nach Leuten, die mitmachen würden, weil wie gesagt: Es soll keine One Man Show werden.