Commenting Media, Gesellschaft, Glaube, Religion, Theologie

Christentum und AfD

Christentum und AfD, wer ist hier der "echte" Christ? Das Bild zeigt einen Anhänger der "Deutschen Christen" und einen Anhänger der Liste "Evangelium und Kirche" mit umgehängten Wahlplakaten
Kirchenratswahlen Berlin 1933

Auf Twitter äußere ich mich öfters dahingehend, daß weder Mitgliedschaft noch Sympathie mit der sogenannten AfD mit dem christlichen Glauben vereinbar sind. Heute nun wurde mir auf zweierlei Weise widersprochen. Einmal von einem mutmaßlichen AfD Sympathisanten, der meinte, Christentum bedeute vor allem, andere auszugrenzen und das würde bei der Aussage ja auch wunderbar auf mich zutreffen. Dann warf er mir vor, auf die no true scotsman fallacy reinzufallen. Dazu möchte ich zuerst ein paar Worte verlieren.

Dann möchte ich mich mit dem zweiten Einwand beschäftigen, die auf große sowohl personelle wie auch inhaltliche Gemeinsamkeiten zwischen sogenannter AfD und Christen hinwies. Ich versuchte zuerst, auf Twitter in die Debatte einzusteigen, aber das Format war dann doch zu eng. Daher versuche ich nun hier, meine Ansicht zu der Thematik etwas breiter auszuformulieren, als dies auf Twitter möglich ist.

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EKD, Gesellschaft, Glaube, Kirche, Theologie

It’s the catechesis, stupid

ein Tropfen führt zu konzentrischen Kreisen im Wasser
Mikkel Houmøller [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

So viele Probleme!

Jana ist Freikirchlerin. Darauf wird in jedem Beitrag verwiesen, also muß das irgendwie wichtig sein. Vielleicht geht es darum, sich von ihr gleich mal implizit zu distanzieren?

Geredet hat wie es aussieht keiner mit ihr, seit vor einem guten Monat der Streß los ging. Also keiner von Seiten der EKD, deren Zugpferd sie ja sein sollte für eine Präsenz auf Youtube. Immerhin 200.000 € soll sich die EKD das kosten gelassen haben. Für ne professionelle Produktion sicherlich angemessen, aber trotzdem keine Peanuts, die EKD ist ja nicht die Deutsche Bank.

Der Hintergrund

Achso: Für alle, die nicht auf dem Laufenden sind. Die EKD hat sich überlegt, auf Youtube präsent sein zu wollen und deshalb ein Projekt gestartet. Hanno Terbuyken von evangelisch.de hat auf seinem Blog confessio digitalis ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert, wie und warum es dazu kam.

Jedenfalls wurde Jana Highholder diejenige welche die EKD auf Youtube repräsentieren sollte, trotz ihrer Zugehörigkeit zu einer Freikirche – was ja an sich ein positives Zeichen sein kann.

Nun hat Jana aber am Weltfrauentag von Unterordnung der Frau gesprochen, wenn auch (?) nur auf sich selbst bezogen. Das hat die genannten Wellen geschlagen.

Reden über den Glauben

Ich hab mich ja schon bei Hannos Artikel gewundert. Der schreibt nämlich:

Unter den YouTubern, die die Agenturen mit eingebracht haben, war sie aber diejenige mit der besten Bildschirmpräsenz und der klarsten eigenen Glaubens-Ansage.

Die Hervorhebung ist von mir. Und im Ernst: Wundert das wen? Die Freikirchler (und die Konservativen innerhalb der Landeskirchen) sind doch grad diejenigen, die am ehesten klare Aussagen überhaupt treffen können! Da ist alles (oder zumindest vieles) ganz klar vorgegeben. Jemand,d er seine Ansichten nicht so klar hat wäre wahrscheinlich mainstreamiger rübergekommen.

Kirchengeschichten dazu:

Konkrete Sprache fällt im protestantischen Mainstream sehr schnell unter den Verdacht der Freikirchlerei – kein Wunder, dass dieses Milieu so gut wie keine Menschen hervorbringt, die willens oder in der Lage sind, öffentlich über ihren Glauben zu sprechen.

Ich frage mich ja, ob das so sein muß. Der Autor von Kirchengeschichten (sorry, ich wußte Deinen Namen mal aber ich hab den nirgends mehr gefunden) sieht den Grund hierfür, daß die Landeskirchen die Mitglieder nicht verschrecken wollen.

Aber kann es das sein? Lieber nix sagen, bevor man aneckt? Lieber schwammig als konkret, bevor man Mitglieder verliert? Ist es nicht möglich – immerhin sind wir, die Gläubigen, doch ein Leib – daß wir im Einzelnen abweichende Ansichten haben und trotzdem gemeinsam glauben?

Jetzt mal ins Unreine gesprochen: Wenn Jana so ein Frauenbild hat und sich damit wohl fühlt, soll sie meinetwegen damit glücklich werden. Solange sie nicht von anderen verlangt, das auch so zu sehen…

Marketing und Verkündigung

Aber hier kommt dann wieder das allgemeine Problem: Die EKD wollte ja durch eine Person sich selbst darstellen. So kann das nur schief gehen. Aber wie hätte es klappen können? Indem eine Redaktion alle Aussagen weichspült und genau aufpasst, was Jana in jedem Video sagt? Das wär dann wohl recht unauthentisch geworden. Und das merkt man normal auch.

Ich erinnere mich noch an Beff-Man, der kritisch über die Kirche schreiben wollte, aber halt auf nem Kirchenblog – was dann deutlich weniger ätzend wurde als erhofft…

Mein Eindruck aus meiner zugegeben geringen Praxis (nach dem Vikariat war ja Schluß) ist, daß Jugendliche durchaus Fragen zum Glauben haben, durchaus interessiert sind. Man muß sich halt die Zeit nehmen und die Anstrengung auf sich nehmen, mit ihnen darüber zu reden. Katechese sagte man früher.

Da geschah das per Druckbetankung im Konfi-Unterricht. Zum Glück ist das heute nicht mehr so. Zu viel Zwang. Aber wenn Fragen sind, muß ein Pfarrer nach meiner Meinung (ja, ich hab leicht reden) da sein, Rede und Antwort stehen.

Bei der immer weiter steigenden Arbeitsbelastung ist das freilich kaum drin. Und ich befürchte, das Problem ist eher hier zu verorten.

Und dann wird der ganze Unsinn deutlich, der da gerade läuft. Mir stellt sich das so dar:

Die EKD wollte mit ner coolen jungen Erwachsenen ihre Marke stärken. Quasi wie Coca Cola darstellen will, daß ihre Erfrischungsgetränke cool sind, damit sie gekauft werden.

Nur: Was verkauft die EKD? Eben, nichts. Und deshalb ist das ganze Konstrukt schief, und deshalb kann das so gar nicht funktionieren.

Und die Zukunft?

Was funktioniert ist, daß Personen, die über ihren je privaten eigenen Glauben reden, andere damit zum Weiterdenken anstoßen – im Guten wie im Schlechten. Aber das muß schon eigene Überzeugung sein, kein redaktionsgefolterter PR Text.

So gesehen war es richtig, daß Jana die Möglichkeit hatte zu sagen, was sie sagte.

Das Problem war halt nur, daß die EKD sich auf eine Person konzentriert hat. Das Problem ist ein Stück weit vielleicht auch, daß Menschen sich über die Ansichten anderer Menschen empören. Und das Problem ist, daß Jana (bisher?) die einzige Stimme war, die mit Segen der EKD von ihrem Glauben auf Youtube erzählte.

Begreift man das Ganze aber nicht als Markenkernstärkung, sondern als das was es ist: Reden vom Glauben – und setzt man die eigene Jugend in die Lage, über den eigenen Glauben zu reden, und greift man dann noch Wolfgangs Netzwerk-Idee aufgreift, dann könnte das echt ein Projekt mit einer gewissen Breitenwirkung werden.

Und das führt dann vielleicht wieder zu Fragen bei Jugendlichen, also weiteren Katechesegelegenheiten… und irgendwie denk ich jetzt grad an das Lied „Ins Wasser fällt ein Stein“…

Ihr versteht, was ich meine 😉

Gesellschaft, Politik, Staat & Politik

Aus gegebenem Anlaß

Enver Şimşek
Abdurrahim Özüdoğru
Süleyman Taşköprü
Habil Kılıç
Mehmet Turgut
İsmail Yaşar
Theodoros Boulgarides
Mehmet Kubaşık
Halit Yozgat
Michèle Kiesewetter

Zehn Namen.

Zehn Mordopfer.

Opfer einer Haßideologie, die vor noch nicht langer Zeit Europa in Schutt und Asche legte.

Opfer einer Terrororganisation, die über ein Jahrzehnt agierte, ohne verfolgt zu werden.

Opfer einer Terrororganisation, deren Verstrickung mit staatlichen Institutionen weiterhin im Dunkeln bleibt.

Statt Aufarbeitung und Transparenz: Geschredderte Akten und Geheimhaltung für 120 Jahre.

Ein „lebenslänglich“ kann nicht über das Staatsversagen hinwegtäuschen. Das Versagen meines Staates, dessen Souverän ich mit rund 80 Millionen Mitbürgern bin.

Demnach ist es auch meine Schuld: Ich, wir alle können nicht still bleiben, wenn der Staat, für den wir die Verantwortung tragen, derart versagt. Wie wir unseren Laden in den Griff kriegen können, weiß ich nicht genau, aber es muß etwas geschehen!

Kein Vergessen!

Kein Schlußstrich!

Nie wieder!

Gesellschaft

„Entartete Kunst“, Burka im Kopf und Männerdiskriminierung

Ich bin ausdrücklich gegen jede Diskriminierung, die an Kulturgütern ausgeübt wird. Hier gebe ich ganz bewusst die Stichwörter der „entarteten Kunst“ und der „Bücherverbrennung“ unter dem Naziregime in Deutschland zu bedenken.

Charly fährt in seinem Artikel zur #metoo Debatte und dem Umfeld schweres Geschütz auf. Ist schon was her, daß er den schrieb, aber ich bin erst jetzt wieder auf seinem Blog gewesen.

Ich kenne Charly als bedachten und reflektierten Gesprächspartner und war etwas über den Artikel erschrocken. Er streift einige Gedanken, die ich zur Thematik hatte, aber geht in eine Richtung, die mir dann doch nicht behagt. Deshalb hier ne Auseinandersetzung damit nebst eigenen Gedanken.

Fangen wir mit dem obigen Zitat an:

Charly vergleicht Bücherverbrennung und die Bezeichnung „entartete Kunst“ mit dem Abhängen und Überstreichen von Kunst heute.

Ich meine, das ist etwas schräg. Leitender Gedanke bei den Bücherverbrennungen der Nazis war die Vernichtung kritischen Denkens. Das kann ich heute nicht erkennen. Das genannte Gemälde wurde abgehängt, nicht verbrannt. Das Gedicht wurde überstrichen, nicht verboten.

Was wir erleben ist IMHO weniger eine Gesinnungsdiktatur (Charly verwendet das Wort nicht!), sondern eher ein culture-shift.

Das Nachdenken über die Gesellschaft und die ihr inhärenten Machtstrukturen hat in den letzten Jahrzehnten Konjunktur. Das zeigt sich auch am immer stärker werdenden Wunsch, Frauen und Minderheiten gleichberechtigt zu behandeln.

Witze, die zu meiner Kinderzeit noch von kaum jemandem beanstandet wurden, sind heute nicht mehr salonfähig. Zu Recht! Ebenso sieht es aus mit Verhaltensweisen, die für einen Rainer Brüderle noch normal waren.

Freilich darf man sich über eins nicht wegtäuschen: Es wird ein altes Machtgefüge überwunden, aber das geschieht mitnichten durch ein machtfreies System. So eins kann es gar nicht geben, wenn man mich fragt. Natürlich werden im Neuen auch neue Machtstrukturen etabliert.

Das zeigt sich unter anderem in der Rechtsunsicherheit rund um den Geschlechtsverkehr. Früher waren die Hürden für eine Verurteilung von übergriffigen Männern vergleichsweise hoch. Sie wurden niedriger, was mit mehr Sicherheit für die Frauen und weniger Sicherheit für die Männer einhergeht (das ist jetzt stark vereinfacht, denn freilich gibt es auch die Vergewaltigung von Männern und auch hier heißt nein nein).

Charly schreibt davon, daß auch viele Frauen ihre Sexualität als Machtmittel einsetzen. Ich glaube, hier liegt ein Mißverständnis vor, denn was ich bisher erlebe ist nicht die Kritik daran, daß Männer ihre Sexualität einsetzen, sondern andere Macht, sei es körperliche Gewalt, sei es Ausnutzung anders gelagerter Machtstellungen gegenüber der Frau/dem Opfer – etwa wenn einer Produzent ist und die andere Schauspielerin.

In diesem Zusammenhang fand ich die Reaktion der Schauspielerinnen, mit schwarzen, eher bedeckenderen Kleidern aufzutreten interessant.

Man kritisiert im Westen gerne „den Islam“ für die Denke, man müsse die Frauen verhüllen, um sie vor der männlichen Begierde zu schützen.

Ich meine, hinter der Reaktion der Schauspielerinnen eine ähnliche Denke zu erkennen, was mich überraschte.

Nach meinem Verständnis sollten sich Schauspielerinnen und Muslimas kleiden können, wie SIE wollen, Rücksicht zu nehmen haben die Anderen. Solange das nicht funktioniert, haben wir ein Problem.

Manchmal erwische ich mich bei dem Gedanken, wenn alle nach der katholischen Morallehre leben würden wär alles viel einfacher. Ist aber nicht so, denn die katholische Morallehre setzt Dinge voraus, die so nicht gegeben sind. Das fängt bei der Binarität der Geschlechter an und endet dabei, daß auch alles Bewehren mit Sündenstrafen nicht davor schützt, daß der Mensch nun mal sündig ist. Sprich: Wenn er heiraten muß, um Sex zu haben und sich nicht scheiden lassen kann, dann ist mit Fremdgehen zu rechnen…

Ich schweife ab.

Wir befinden uns seit ein paar Jahrzehnten in einem enormen Kulturumbruch. Ich sehe nicht, wo wir einen Punkt erreicht hätten, der die Verhältnisse schon gedreht hätte, so daß es zu komplementären Unterdrückungen käme.

Sicher ist alles viel komplizierter. Das fängt beim Flirten an und hört auf wo es darum geht, alte Kunst zu bewerten.

Was das Flirten angeht, muß man vielleicht etwas mehr aufpassen, den anderen nicht zu überfahren. Das wär sicher auch schon früher für den jeweils anderen angenehm gewesen. Wenn es dann weiter Richtung Geschlechtsverkehr geht, wird es wahrscheinlich darauf rauslaufen, daß es hilfreich ist, erst ein Vertrauensverhältnis zueinander zu haben, so daß keiner bei nem Mißverständnis gleich von Machtmißbrauch ausgeht. Hört sich alles sehr konservativ an, ähnlich wie bei den Schauspielerinnen, die sich stärker bedecken.

Vielleicht zeigt das auch an, daß konservative Ansichten an sich selten einfach nur „rückständig“ sind, sondern bestimmte Probleme lösen, wo sich nicht alle an die Regeln halten.

Doch Regeln, die durchgesetzt werden, werden irgendwann zur Kultur. So wie wir heute uns keine Gedanken mehr beim Mülltrennen machen, weil wir das in den 80ern und 90ern als Gesellschaft lernten, werden wir auch das Flirten im Zeitalter der Geschlechtergerechtigkeit lernen.

Was die Kunst angeht, so ist diese an sich ja sowieso ständigem Wandel unterlegen. Charly bringt das Stichwort „entartete Kunst“. Damals haben die Nazis versucht, Kunst, die ihren Idealen nicht entsprach, zu diskreditieren. Sie übten dabei nicht wenig Druck aus, aus ihrer politischen Machtposition heraus.

Ähnliches kann ich heute nicht erkennen – mal abgesehen von einigen Äußerungen bei der AfD, wo man eine bestimmte Kulturpolitik forcieren will. Beim Abhängen des Gemäldes und beim Überstreichen des Gedichts geht es um eine gesellschaftliche Entwicklung. Das gehört in eine Reihe mit der Umbenennung von Kasernen, Straßennamen und Hochschulen. Alte Ideal veralten, neue kommen auf.

Damals, als John William Waterhouse das Gemälde Hylas und die Nymphen malte, gab es auch mehr oder weniger klare Ansichten, was Kunst ist und was nicht. Hätte er den Geschlechtsakt gemalt, erregierte Glieder etc, dann wär das wohl damals schon gar nicht als Kunst anerkannt worden, sondern als Porno abgetan. Jetzt wandelt sich das Gesellschaftliche Verständnis davon, was geduldet wird und was nicht – und dementsprechend werden die Ausstellungen bestückt.

Das Gemälde bleibt in der Sammlung, soweit ich das verstehe, es wird weiterhin Gegenstand von fachlichem Diskurs etc sein können und als Quelle zur Verfüng stehen – ebenso wie die ganze Nazikunst, die es ja auch noch irgendwo gibt, die jedoch nicht die ästhetischen (und politischen) Vorstellungen der Mehrheitsgesellschft treffen.

Die mentale Burka, die Charly beschreibt, scheint mir nichts anderes zu sein als das, was man traditionell als die Grenzen des Anstandes verstund. Freilich verändern sich diese Grenzen im Moment stark, so daß es für uns Männer, die wir in der Vergangenheit zu Lasten der Frauen größere Freiheiten hatten, einer Einschränkung der Freiheit gleichkommt, was gerade passiert.

So wie die Monarchen in ihrer Freiheit beschränkt wurden, als die Gleichheit aller vor dem Gesetz eingeführt wurde. Man denke an die Windmühle neben Sanssoucis!

Es ist eine Sache, ob jemand beim „Umwerben der Geschlechter“ ungeschickt ist, eine andere ob er Grenzen überschreitet. Andererseits: Wer ungeschickt beim Autofahren ist, fährt vielleicht mal in ne Radarfalle – und zahlt.

Es ist gut möglich, daß die Grenze zwischen Ungeschicklichkeit und Grenzüberschreitung noch ne ganze Weile nachjustiert wird. Die Gesellschaft befindet sich wie gesagt im Umbruch.

Grundsätzlich aber ist die Richtung zu weniger Sexismus gut, und kann schwerlich mit guten Argumenten kritisiert werden.

English, Gesellschaft, Politik, Religion

Us, Them, and the Bible

I wrote one article as answer to Agent X’s „Prophets of Consumerist Doom„, I wrote another one in which I tried to describe my approach towards the bible and now I shall write a third (and hopefully not last) one in which I try to bring the debate a bit further, addressing Agent X’s challenges to my answer. So here we go:

In my experience, by far, most of my Christian brothers and sisters hardly bother with a Bible. They seem to have their own agendas baptized, and just believe whatever they feel – which often is guided with a measure of morality, and sense of heritage, and sometimes seasoned with a few proof texts.

I pledge guilty. Honestly this is why I emphasise on taking the bible as a corrective among others. This is before all a challenge to myself, as I know I am doing this nearly all the time. And it is understandable, isn’t it? I mean we all *know* the bible, we know what it’s about and what spoke to you in the first place. Of course we want to pass on what touched us, and we tend to loose track, because our own agendas mix in as we go. We can’t hinder this, as the point where the bible touched us must have something to do with our agenda, otherwise it would not have touched us. It’s a basic flaw we can’t get rid of. So we need correctives, like the bible, the Holy Ghost (or what we consider it to be) or the community of Christian Brothers and Sisters. If we didn’t have that flaw, there’d be no need for community. Wouldn’t this be an even greater flaw?

But I hope to challenge them to open their Bible and really look and listen.

Challenge accepted. Though you won’t see me tossing bible verses proof-texting what I wrote. As I wrote, I consider the bible a work of men, men who were moved by God, but still men. I want to take this into account, too.

But I appreciate Scripture at a very high level. I am not one of those who runs around in some nervous need to claim inerrancy and all that, but I believe it is the Word of God and as such the stuff of life.

I believe the bible contains the word of God, but there is no identity. You can’t carry God’s word around in your pocket. And we won’t get the word of God out of the bible without the Holy Ghost, who is not at our disposal either.

So my first question would be: Does the Bible teach us to sidestep the “Us vs. Them” thing? And if so, where?, how?, to what extent?, and perhaps a few related things such as that. I can certainly imaging running straight to some of the great UNITY passages in St Paul or St. John etc. And I find St. Paul telling the Philippians to have one mind, one spirit, striving together and in so doing they are a sign of destruction to their opponents and of their own salvation. Destroying your opponents with your unity sounds incredible to me!

But it speaks of destroying opponents. And this is an “Us vs Them” thing at that bigger level then.

Most unity passages that come to my mind are reduced to Christians, so looking at this, there’d still be an us Christians vs them Non-Christians. And you find us vs them throughout the bible when speaking about enemy nations such as Amalekites, Philistines and what not in the OT or Jews and Gentiles in the NT, also there are sinners and saints, Pharisees and prostitutes… That’s like people always try to put up some kind of own order, categorising others. And thus we get this us vs them all the time when people are involved.

And I think you can find a development in the bible. While the „us vs them“ is in the OT more or less along national boundaries: Us Israelites vs them Gentiles, it changes more and more throughout the times. The prophets tell Israel to not be too sure of themselves just for being God’s chosen people. So already in the OT the lines are changed from national categories to moral categories, when walking in the way of God becomes more important than being of God’s people. The NT takes this to extreme, when it has Jesus proclaiming God could turn mere stones into children of Abraham. Thus gentiles come into focus more and more. With the declaration of everybody being a sinner, the newer moral categorisation starts tumbling, too. All you now have to draw lines is faith (and along this line the stakes were burning in the middle ages).

This also lead to terrible wars between Christians of different denominations, most prominent maybe the 30 years war from 1618-1648, which literally destroyed most of central Europe, but we got past this – for the most part.

Actually, looking at the development I wonder whether God really intends to make any distinguishment between people.

After all, we are all sinners and in need of mercy. We as Christians know, that we have it – glory be to God! Yes there is „us vs them“ in the bible, but most seem to be nothing but humane category building. I mean isn’t it normal to wish the worst to those who are out to harm you? I think this is what we find in texts that deal with Amalekites and the like. I for my part see not the Spirit of God in this (and yes, I know here I run the risk of putting my own agenda into it). I just wonder what would „qualify“ me to be in the „them“ group from God’s perspective. After all He’s all our father.

St Paul also says our war is not with flesh and blood but with authorities, with principalities – the stoichea. We might begin debating what those powers are and how to go about fighting them. I think the state of the argument, as I present it is open to that. But I am clear that there is an Us vs Them going on there that mere sociology does not address.

Right. As sociology does not care about the powers, does not even presume their existence, it doesn’t address all that. For that you’d need some kind of demonology or such, but these are mostly speculations.

Still I tend to lean towards an own brand of speculation in this field: I think of them less like own personalities or such, no other beings with horns and what not, but rather emotions, structures of thought and feeling – I still need a word.

These powers keep us captive. They control our lives, not actively like a person would, but passively, they bind us like a cord would bind us. The cord does nothing active, it doesn’t intend to harm us in any way. It is just there. This is the reality of the fallen world.

God through Jesus on the cross unbound us, by revelation of the vanity involved in our binding. In faith we are unbound. Once we know God controls everything and not the powers that keep us captive, our captivity is over. We just walk away from the powers towards God.

I can see no „them“ in all this as I do not consider the powers „someone“.

You ask how to fight the powers. I think best would be in testifying the liberating God, and showing it in our lives. Like Agent X does with his work for and with the homeless.

What does self-sacrificial LOVE look like in that photo? Where is worship of YHWH, God, or the cross of Jesus??? in that photo?
Not at all, it’s men vs men, so it’s evil vs evil. As long as there’s no self-sacrificial love, there’s no God, maybe one god or more, but not God.

I doubt it’s possible to do anything when two parts are up for a fight. Neither the police nor the protesters intend to go into the scene with self-sacrificial love. I’m afraid all you can do is stand besides and bandage their wounds. If one side is intending to do the self-sacrificial love thing: Well, look at Martin Luther King Jr. and the Civil Rights Movement. Something along these lines would be good, I think. I wonder if such tactics would also work for law enforcement. But you cannot take a policeman to be beaten up in order to calm things…

I don’t know. I need to pray on this. But when I look at that photo and grieve it so, I want to find out. I want to go there and play the Jesus card. I want my church to do this too.

Maybe put in a Jesus perspective. That would be to call to repentance for the protesters: You criticise greed, now how greedy are you yourself? Are you not only in envy for the 1% having more opportunities? WOuldn’t you do the same thing if you were in their place? Things like this. This would take a prophet I think.

On the other side you can take up their good criticism and bring a Christian answer to it: Start in your field. Become a better person yourself, become the change you want from others – if you give a good example, more people might follow you.

Someone – a famous preacher, but I forget who – said many years ago that if the church of America is serious and REALLY wants to end abortion, then rather than pressuring congress to change the laws, what we really need to do is all get together (One mind, one spirit???) and take out a full-page ad in ever major newspaper across the country stating that we, the church, will take ANY unwanted baby in ANY condition no matter what, no questions asked.

Personally I always wondered why pro life people only focus on what they think the mother should do but do not waste the tiniest thought on what they could do to save lives. Us vs them. We the Holy tell the sinners how to become better people like we are. Reminds me of the Pharisee and the publican in the temple.

We have yet to do that. But I don’t think most of my brothers and sisters even begin to consider it, or think of it at all, much less count the cost. We cant even get the idea out.

I like the idea. I wonder where one would start to get this actually going.

What if we took prayer and communion right to the breach between the 1% and the 99%? What would happen? Shouldn’t we try it? I am interested. Let’s at least talk about it.
God works miraculous ways, so you can never know what happens, we can only use our earthly minds to address this. My first thought is: Once there is communion, there is community, and you’ll have problems distinguishing the 1% from the 99%, at least for the moment. Like you can hardly differ between the slave Onesimus and the slave-owner Philemon once they see they are brothers in Christ and behave accordingly. The role of their respective status decreases. I just wonder if any in the Occupy protest would come to the cup of the Lord and break their bread jointly…

I seriously love your passion here. While you can bring prayer and communion there, I am not sure if anybody would listen. I wonder if they would be able to even understand what you are doing there. Still, God works wonderful ways, so it might also turn out to be an extreme success. I just wonder if anybody would come and join the communion. But the idea to find a common ground for both groups is something. This might be communion, but it could well be another thing. Blessed are the peacemakers.

In this final analysis, at the Spiritual height of all this, I think we do want to topple Saddam, but not with Democracy and not by means of military might. I think LOVE is more powerful, and Jesus, when he is KING there, really beats the system.

The thing is not to topple Saddam, he is just one figure that could easily be replaced by anybody else. The thing is to end oppression, and I think oppression is based in fear. Saddam’s (or any dictator’s) fear of being replaced and then be hung. Think Saddam, think Gaddahfi, think Ceaucescu, think Louis XIV, think Hitler…
When leaders are exchanged, the old leaders most often are disposed, i.e. killed. If your choice is to be killed or to oppress any opposition, guess what you’d do, except you were so full of love that you didn’t fear death…Then the powers wouldn’t bind you. But most dictators are bound. I wonder if you can be liberated by God and still be a dictator…

 

Gesellschaft, Politik

Martialische Mimosen

Braune trugen sie wohl nicht. In der heutigen Printausgabe des Pfälzer Tageblatts wird berichtet, daß in zwei (?) Wahllokalen im Kreis Germersheim Wahlhelfer offenbar eingeschüchtert wurden.

Die AfD habe dazu aufgerufen, in die Wahllokale zu gehen und zu überprüfen, ob auch alles mit rechten (no pun intended) Dingen zugeht. An sich nichts Verwerfliches in einer Demokratie.

Die praktische Umsetzung – so ein Zusammenhang mit dem Aufruf der AfD besteht – ist dann aber noch einmal etwas anderes. Da ist die Rede davon, daß sich martialisch bekleidete Männer hinter den auszählenden Damen positionieren, um ihnen über die Schulter zu sehen und dabei so nahe kamen, daß die Damen den Atem der Männer im Nacken spürten.

Auch kam es zu Meinungsverschiedenheiten, was die Frage anging, wie sehr man als „Wahlbeobachter“ im Weg stehen darf.

Ich frag mich ja selbst, inwieweit geregelt ist, wer im Wahllokal wo stehen darf. Meine Vermutung wäre eher, daß davon ausgegangen wird, daß alle Beteiligten genügend Anstand haben, daß das nicht geregelt werden muß. Wenn man gebeten wird, zur Seite zu treten, geht man halt nen Schritt auf die Seite und droht nicht mit dem Anwalt und schreit auch nicht gleich „Wahlbetrug“.

Ich bin ja an sich sehr tolerant, denke ich. Meine Ansicht ist – in mehreren Politikfeldern – daß ein freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat möglichst viel hinnehmen muß, um dem Anspruch freiheitlicher Demokratie gerecht zu werden.

Und auch bei solchen „Wahlbeobachtern“ sollte man sich nach meiner Meinung möglichst nicht provozieren lassen, denn eins ist klar: So martialisch sie aussehen, es sind Mimosen, die sofort rumschreien, wenn auch nur ein Quäntchen Kritik möglich ist.

Jetzt steht aber zu befürchten, daß die Wahlhelfer, die sich ja freiwillig für die Demokratie engagieren, das nicht mehr tun, wenn sie weiterhin in der Art eingeschüchtert werden. Und dann stellt sich die Frage, wer dann die Stimmen auszählt. Die martialisch gekleideten Herren ohne braune Hemden?

Ich befürchte, der Demokratie würde das abträglich sein. Ich befürchte, daß dann die gezählten Stimmen womöglich nicht mehr mit den Stimmzetteln übereinstimmen könnten.

Jetzt steht zu erwarten, daß die etablierten Parteien sich dazu äußern werden. Was die sagen ist jedoch vorhersehbar. Viel mehr interessiert mich, wie sich die AfD äußert.

Immerhin nimmt sie für sich in Anspruch, die Demokratie wiederherstellen zu wollen. Tut sie das, und bringt Vorschläge, wie man solche Rüpeleien in Zukunft unterbinden kann? Oder nimmt sie die Rüpel in Schutz und pocht auf deren demokratische Rechte?

Ich würd ja sagen, die demokratischen Rechte sollte man nicht beschneiden. Die AfD könnte aber sagen, der Aufruf zur „Wahlbeobachtung“ könnte der falsche Weg gewesen sein und man hätte die Leute vielleicht eher dazu ermutigen sollen, sich als Wahlhelfer zu engagieren.

So könnten die martialischen Mimosen ihre Rechte wahrnehmen, wären noch näher dran, und sie würden nicht so geballt an einzelnen Orten auftauchen, daß sie andere einschüchtern.

Gesellschaft, Politik

345%der Wähler wissen noch nicht, wen sie wählenwerden

… oder so ähnlich. Jedenfalls sind es viele. Wer noch unschlüssig ist und mit dem Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung zu keinem Ergebnis gekommen ist, hat vielleicht Interesse daran, den Sozial-O-Mat der Diakonie Deutschland zu befragen.

Bin grad drauf gestoßen. Der hat nochmal ne andere Fokussierung der Fragen, beschränkt sich auf bestimmte sozialpolitische Fragestellungen und hat auch nicht alle antretenden Parteien aufgenommen.

Der Sozial-O-Mat erweckt bei mir ein wenig den Anschein, nicht nur neutral informieren zu wollen, sondern aus einer bestimmten Position heraus darzulegen, welche Wahlentscheidung welche Konsequenz haben könnte:

In unseren Beratungsstellen vor Ort erleben wir täglich, welche Konsequenzen politische Entscheidungen auf Menschen haben. Deswegen ist es uns wichtig, dass jedem bewusst ist, welche Auswirkungen seine Wahlentscheidung hat.

Ich finde das durchaus berechtigt, die Diakonie ist wie wir alle Tel der Gesellschaft und kann und soll sich daher auch bei der politischen Meinungsbildung einbringen. Sie tut dies transparent, indem sie in den FAQ darauf hinweist.

Vielleicht entwickeln sich diese O-Maten zu einer Form der politischen Debatte in Zukunft. Um das voranzubringen bräuchte man wohl eine Open Source Software oder eine entsprechende Internet-Plattform…

Gesellschaft, Politik

Die Angst vor illegalen Einwanderern kostet Menschenleben!

Die Mutter einer Freundin in Kalifornien hat Blutkrebs. Es gäbe eine Stammzellenspenderin – ihre Schwester. Aber die lebt in Vietnam und ist Vietnamesin, während die Mutter der Freundin US Bürgerin ist und in Kaliformien lebt.

Sie kamen in den 90ern in die Staaten, der Vater kämpfte auf Seiten der US Armee im Vietnamkrieg und wurde nach dessen Ende von den Kommunisten ins Lager gesteckt. Und jetzt sehen die US Behörden zu, wie seine Frau stirbt, denn die Schwester darf nicht in die kalifornische Klinik kommen. Man hat Angst, daß sie nicht mehr nach Hause nach Vietnam fährt.

Wir haben keinen Grund, auf die Amerikaner herabzublicken, denn hierzuland sind die Grenzen ebenso dicht. Ich weiß nicht ob die Mutter meinr Freundin bessere Chancen hätte, lebte sie in Deutschland statt in Amerika.

Man sitzt hier und überlegt sich, was das für eine Welt ist, in der die Angst vor Menschen, die legal eine Grenze überqueren wollen, um ihren Geschwistern das Leben zu retten so groß ist, daß man lieber einen Menschen sterben läßt.

Diese Verachtung vor dem Leben kann ich nicht verstehen. Und ich hoffe inständig, daß ich sie nie verstehen werde.

Gesellschaft, Glaube, Theologie

Quo vadis, domine?

Annibale Carracci [Public domain], via Wikimedia Commons
Wohin gehst Du, Herr?

Populär wurde die Frage durch das Buch von Henryk Sienkiewicz und die folgende Verfilmung mit Sir Peter Ustinov. Die Frage kommt erstmal vor in Joh 13, 36, wo Jesus dem Petrus antwortet, er könne dahin noch nicht folgen, sondern werde den Weg später gehen.

Die Petrusakten, eine Sammlung von Legenden um Petrus, nehmen den Satz auf, und Sienkiewicz‘ Buch Quo Vadis übernimmt diese Geschichte wiederum:

Petrus, der mit Paulus zusammen zur Zeit Neros in Rom wirkte, kann gerade noch aus der Stadt fliehen und läßt seine Gemeinde im Stich, die der Verfolgung preisgegeben ist und im Zirkus nach und nach ermordet wird. Und das, obwohl Jesus ihm nach dem Johannesevangelium den Auftrag gab: Weide meine Schafe.

Auf der Flucht aus der Stadt heraus trifft Petrus auf Jesus, der auf dem Weg in die Stadt ist. Petrus fragt nun wiederum die Frage aus dem Johannesevangelium: Quo vadis, domine? Wohin gehst Du, Herr?

Und Jesus antwortet: Ich gehe nach Rom, um mich wiederum kreuzigen zu lassen.

Das bring Petrus zum Umdenken. Er will nicht wieder davonlaufen und seinen Herrn verleugnen. Diesmal ist es ihm gegeben, ihm auf dem Weg zu folgen, also geht Petrus nach Rom, wird gefangen und von Nero gekreuzigt.

An diese Geschichte mußte ich denken, als ich heute auf einigen amerikanischen Blogs über die Mauer las, die Präsident Trump an der Grenze zu Mexiko errichten will. Mehrfach las ich die Aussage: Wenn die Mauer gebaut wird, ist Jesus auf der anderen Seite. Den Jesus ist immer und war immer bei den Armen und Bedrückten.Wenn man die mit einer Mauer auszugrenzen versucht, grenzt man auch den Menschensohn aus, grenzt man sich vom Heiland ab – ebenso wie das Establishment im NT sich von Jesus abgrenzte, weil dieser sich mit Sündern und Zöllnern abgab.

Und das hat mich zum Nachdenken gebracht. Wenn Jesus in Amerika hinter der Mauer, jenseits bei den Ausgegrenzten ist, wo ist er dann beim Flüchtlingselend in Europa? Ich kann es mir nur so denken, daß Er bei denen ist, die auf überfüllten Booten versuchen, das Mittelmeer zu überqueren. Er ist auch hier jenseits, hinder den Grenzen, die wir aufziehen. Wir laufen Gefahr, uns ebenso von unserem Heiland abzugrenzen, weil Er bei denen ist, die wir nicht sehen wollen.

Wie das Establishment im NT Angst hatte um die Ordnung, Angst um die eigene Macht, haben wir Angst um unseren Wohlstand, und hatte der Petrus der Petrusakten Angst um sein Leben.

Alle wollen nur eins: Das eigene retten. Und das bedeutet dann eben auch: Zuerst NICHT für den Nächsten einstehen. Petrus wurde vor Augen geführt, was das bedeutet: Jesus muß ein weiteres Mal ans Kreuz. Daß das nicht geht, ist dem frommen Petrus klar. Jetzt ist er dran, er muß ein Opfer bringen, im Vertrauen auf Gott.

Wo ist unser Vertrauen? Lassen wir Jesus ein weiteres Mal sterben? Diesmal in den kalten Fluten des Mittelmeeres? Gehen wir so leichtfertig über die Forderung hinweg, daß auch wir unser Kreuz auf uns nehmen und Ihm nachfolgen sollen?

Ich weiß noch nicht, was die Konsequenz aus meinen Überlegungen ist. Doch eins weiß ich: Es kann nicht sein, daß mein Herr und Heiland für mich den Kopf hinhält, der ich doch Glied an Seinem Leib bin. Ich sollte ebenfalls bei jenen sein, die jenseits sind, und fern gehalten werden.

Herr, erbarme Dich!

Gesellschaft, Kirche

Gemeinsames Wort der Kirchen in Baden, in Elsass-Lothringen und in der Pfalz zum Wahljahr 2017

Die evangelischen Kirchen in Baden, Elsaß-Lothringen und der Pfalz haben anläßlich der diesjährigen Wahlen in Frankreich und Deutschland foögendes gemeinsames Wort veröffentlicht:

Aufruf: Die Gesellschaft im Wahlkampf nicht spalten

Ein neues Jahr beginnt und es ist für uns der Anlass all unseren Gemeindegliedern, sowie den Bürgerinnen und Bürger der Grenzregion ein friedvolles und behütetes Neues Jahr zu wünschen.

In diesem Jahr finden in unseren Ländern Wahlen statt, im Frühjahr ist die Präsidentschaftswahl in Frankreich, im September die Bundestagswahl in Deutschland.

Wir bitten Sie: Nutzen Sie die demokratische Freiheit in unseren Ländern! Machen Sie von Ihrem Wahlrecht Gebrauch und gehen Sie wählen!

Als evangelische Christinnen und Christen gedenken wir in diesem Jahr der Reformationsgeschichte, die vor 500 Jahren auch in unserer Region am Oberrhein ihren Anfang nahm. Drei Grundelemente unseres Glaubens sind uns in der politischen Auseinandersetzung besonders wichtig:

  1. Jeder Mensch besitzt als Ebenbild Gottes eine unverlierbare Würde; sie hat in den Menschenrechten eine rechtlich fassbare Form gefunden. Wir widersprechen deshalb allen Versuchen, Menschen in ihrer Freiheit einzuschränken oder sie auszugrenzen.
  2. Jesus Christus stellt sich an die Seite der Schwachen, der Armen und der Fremden. Wir wollen ihm auf diesem Weg folgen und setzen uns deshalb in unseren Ländern und gemeinsam in Europa für Humanität, Solidarität und Nächstenliebe ein. Wir sehen uns als Christinnen und Christen in einer besonderen Verantwortung, auch weltweit für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einzutreten.
  3. Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes. Wir betrachten die Vielfalt der regionalen, nationalen, kulturellen und religiösen Traditionen als Herausforderung und als Reichtum unserer Länder und Europas. Nach dem zweiten Weltkrieg haben Christinnen und Christen einen wesentlichen Beitrag zur Versöhnung unserer beiden Länder geleistet. Das verstehen wir heute angesichts neuer Herausforderungen zu Versöhnung und Integration als Gabe und Aufgabe zugleich: Wir suchen den Dialog, gerade auch mit anderen Religionen und Weltanschauungen, wir tragen bei zu einer Kultur der Aufmerksamkeit und warnen vor Konzepten der Abgrenzung und vor nationalen Alleingängen.

Wir bitten alle Bürgerinnen und Bürger, alle Parteien und Gruppen, die Gesellschaft im Wahlkampf nicht zu spalten, sondern sachlich und fair miteinander umzugehen. Wir wehren uns gegen alle Versuche, um politischer Macht willen, Vorurteile und Hass gegen einzelne Menschen oder Gruppen zu säen.

Wir wachsen nur gemeinsam im Dialog und im gegenseitigen Respekt.

Weitere Informationen hier. Dort findet sich auch der französische Text.