Commenting Media, Gesellschaft, Politik

Die wirklichen Lügner

Im Umfeld von AfD und Pegida Sympathisanten spricht man ja gerne von der Lügenpresse, die angeblich alles verdreht und „uns“ (wer auch immer damit gemeint ist) an irgendwelche bösen Mächte (wer auch immer damit gemeint ist) verkauft.

Nun stieß ich bei Twitter vor ein paar Tagen auf einen Tweet aus eben demselben rechtspopulistischen Umfeld:

Nach etwas Recherche fand ich das Bild, das von Árpád Kurucz am 1. September 2015 im Keleti Bahnhof in Budapest aufgenommen wurde. Daß es sich bei der bonden  Person in der Mitte nicht um eie Frau handelt, erkennt man, wenn man auf der Fundseite nach links blättert zu diesem Bild, wo die Person mit dem weißen Oberteil und den langen blonden Haaren (man achte auch auf den weißen Gürtel) offensichtlich keine Frau ist und wahrschienlich auch nicht deutsch (was freilich unerheblich ist – ich betone das,w as es im Tweet betont wurde).

Um sicher zu sein habe ich den Fotografen über dessen Homepage kontaktiert und heute hat er geantwortet. Es habe dort einen kleine Kampf zwischen Afghanen und Syrern gegeben und die Syrer hätten behauptet, der Mann mit dem weißen Oberteil hätte ein oder mehrere Kinder mißbraucht.

Da braucht man kein Syrer oder Muslim zu sein, um da handgreiflich zu werden. Freilich, was da genau passiert ist und ob an den Vorwürfen etwas dran ist, kann keiner sagen. In solchen Situationen – auf der Flucht – hilft keine Polizei und kann auch nicht helfen, weil die Menschen auf der Durchreise sind, nirgends registriert, ohne Dach über dem Kopf.

Helfen kann da nur, die Flucht zu beenden, indem man die Menschen aufnimmt und ihnen Wohnraum und eine Perspektive gibt, indem man ihnen zeigt, daß die Behörden bei uns zu ihrem Schutz da sind und zum Schutz ihrer Kinder.

Ein Bild zu benutzen, um aus niederen Instikten (Fremdenhaß) Stimmung gegen diese Menschen zu machen, um bei ihnen das Gefühl von Beschütztsein gar nicht erst aufkommen zu lassen, ist da schon eine himmelschreiende Schweinerei und gibt Zeugnis von den Zielen der Urheber: Nicht um Warnung geht es, nicht um Korrektur der angeblichen Lügenpresse, sondern um Verbreitung der eigenen Propaganda auf Kosten Schwächerer und unter Inkaufnahme übelster Lügen.

Ich weiß, daß dieser Blogbeitrag daran nichts ändern wird. Aber vielleicht ist es für andere Menschen, die auch auf das Bild stoßen und genau wissen wollen, was da zu sehen ist, auffindbar und sie sehen, wer die wirklichen Lügner sind.

Commenting Media, Gesellschaft, Politik, Religion

Hetze

Ein hetzerisches, weil verallgemeinerndes und Vorurteile beförderndes Bild.
Quelle: Twitter

Dieses Bild gab den Ausschlag für einen längeren Disput mit @stoersender23 und @Volkakaracho auf Twitter. Bei allen meinen Followern, denen ich damit die Timeline geflutet habe, möchte ich mich entschuldigen, um das fürderhin zu vermeiden, schreib ich jetzt hier weiter, wo man auch länger argumentieren kann.

Ich empfinde das Bild als hetzerisch, und genau das habe ich geschrieben. Meine Argumentation dabei ist recht simpel:

Hier wird Islam gleichgesetzt mit eine Zwang, Niqab zu tragen, obwohl es viele Muslimas gibt, die weder Niqab tragen nocht sonst irgend ein Kopftuch. Die simple Gleichsetzung Islam=Niqab ist also faktisch falsch. Der Islam ist deutlich bunter, als es hier dargestellt wird. Allenfalls bestimmten Richtungen des Islams kann eine derartige „Verunbuntung“ unterstellt werden, nicht jedoch dem gesamten Islam. Das sollte jeder einsehen, der schon Muslimas ohne Kopftuch oder mit bunten, das Gesicht freilassenden Kopftüchern begegnet ist oder sie in den Medien gesehen hat.

Hetzerisch halte ich das Bild deshalb, weil diese falsche Gleichsetzung auch diejenigen Muslime über diesen Kamm schert, die dezidiert gegen Kopftuch oder zumindest Niqab sind. Weil durch den Begriff Islam alle Muslime bzw. der von ihnen konkret (ohne Kopftuchzwang) praktizierte Glaube, den sie ebenso als Islam auffassen, mit erfasst und unter diese „Kritik“ der Unbuntheit gestellt wird.

Es wird ein falsches, zu negatives Bild des Islam verbreitet, was entsprechende Vorurteile befeuert, die letztendlich auch zu Gewalt führen können. An sich ist diese Unterstellung schon Gewalt mit Worten, die wegen der freien Meinungsäußerung vielleicht ertragen werden muß, aber durchaus selbst kritisiert werden kann.

Meine Diskussionspartner wollten daraufhin argumentieren, daß jedenfalls eine Mehrheit der Muslime dies so sehe. Dem hielt ich entgegen, daß wenn auch nur ein Muslim eine andere Einstellung hat, die Unterstellung nicht mehr auf den Islam zutrifft und damit falsch wird und ungerechtfertigte Hetze gegen diesen einen Muslim ist.

Ein anderer Versuch, gegen meine Kritik zu argumentieren war, daß sie Koranverse und weitere „Schriftbeweise“ vorbrachten, die belegen sollten, daß der Islam per se kriegerisch und meschenverachtend sei.

Ich entgegnete daraufhin, daß Texte der Auslegung bedürfen, und daß die wortwörtliche Auslegung nur eine Möglichkeit unter vielen ist, die interessanter Weise auch die Fundamentalisten wählen. Wortwörtliche Auslegung ist einfach, aber wird der Tradition der Religion, egal welcher, nicht gerecht, da sie auch unhistorisch ist, was Fundamentalisten nicht stört, IMHO für aufgeklärte Menschen ein Grund sein sollte, sich davon zu distanzieren.

Weite Teile des Islam teilen eben nicht die wortwörtliche Auslegung der Fundamentalisten, wie auch im Christentum und anderen Religionen, sondern haben andere Wege, mit den Texten umzugehen. Freilich kenne ic mich hier im Christentum besser aus als im Islam.

Meine Gesprächspartner beharren aber weiterhin darauf, daß ihre wortwörtliche Auslegung von Koran, Rechtsschulenurteilen und Hadithen die einzig wahren (sic) Auslegungen darstellen, die alle Muslime, oder zumindest die Mehrheit, befürworten.

Die Mehrheit, so schrieb ich, ist hier kein Argument, weil eben immer auch eine Minderheit unter den Begriff (hier „Islam“) fällt, auf die die fragliche Aussage (hier die unbunten Bilder mit den Niqabs) nicht zutrifft. Diese Muslime werden dann aber mit verurteilt, werden diskriminiert und falsch dargestellt.

Würde das fragliche Bild oben nicht vom „Islam“ sprechen, sondern von einer klar zu umreißenden Gruppe im Islam, in der tatsächlich das Vorgeworfene (Niqabzwang) ohne Ausnahme praktiziert und vertreten wird, hätte ich damit kein Problem.

So aber, ist es undifferenziert, falsch und hetzt auf, indem es Vorurteile über Muslime und den Islam verbreitet. Denn wenn nicht alle Muslime eine Praxis teilen, dann kann diese Praxis den Islam nicht ausmachen.

Commenting Media, Theologie

Der mitleidende Gott

Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0
Quelle: http://jesusandmo.net

Ein Jesus & Mo Comic, für die Nichtenglischsprecher unter Euch, hiernochmal eine Übersetzung der Konversation:

Bild 1:
Jesus: Ich gebe zu, daß grauenhafte Ereignisse uns manchmal dazu bringen können, die Existenz Gottes anzuzweifeln, aber nach den Anschlägen in Paris habe ich gebetet.

Bild 2:
Jesus: Ich fragte Gott: „Wo bist Du in alledem?“ Und Gott sprach zu mir. Er sagte: …
Barmädchen: Warte!

Bild 3:

Barmädchen: Laß mich raten … sagte er etwas darüber, irgendwo „da“ zu sein in der Mitte von alledem und dann irgendwelche Platitüden darüber, unser Leid zu teilen?

Bild 4:
Jesus: Wie macht sie das?Mo: Gott ist unaussprechlich, aber vorhersehbar.

Es gibt viele von diesen Comics und sie wollen alle den Eindruck erwecken, besonders intelligent Religionskritik zu üben. Manchmal schaffen sie es auch, Mißstände aufs Korn zu nehmen, nur schießen sie dann oft zu weit übers Ziel hinaus und verlieren dadurch.

Wie dem auch sei, dieses Comic nimmt einen Punkt aufs Korn, der mich selbst oft ärgerte. Mir war als Jugendlicher nie eingeleuchtet, was ich davon haben sollte, daß Gott mit mir in irgend einem Leid ist, wenn er mir nicht helfen kann. Wozu jemanden, der mitleidet? Reicht es nicht, wenn es einem dreckig geht?

Ich habe über die Jahre (hört sich wahnsinnig lange an, so alt bin ich gar nicht) zwei ganz verschiedene Zugänge zu dieser Frage gefunden, bzw selbst erlebt.

Gott ist wirklich da

Im Leben bleibt es nicht aus, auch manchmal ziemlich nach unten zu kommen. Und manchmal steht man richtig am Abgrund, und weiß nicht mehr weiter, ist verzweifelt. Ich blieb davon auch nicht verschont und habe erlebt, daß es eine enorme Erleichterung sein kann, nicht auf sich selbst zurückgeworfen zu sein, sondern jemanden zu haben, dem man sein Leid klagen kann und zwar so oft und so ausführlich, wie kein Mensch es ertragen könnte, zuzuhören. Schon alleine aus zeitlichen Gründen.

Ob und inwieweit Gott mitlitt kann ich nicht sagen, aber es war mir eine Hilfe, daß Er da war, bis ich mich irgendwann gefangen hatte und aus der Verzweiflung raus kam. Womöglich hat es eine Rolle gepielt, daß ich weiß, daß Gott das Leid nicht fremd ist, ging Er doch selbst ans Kreuz. Aber alleine daß ich wußte, es gibt einen Gott, alleine daß ich wußte, Er steht mir bei und läßt mich nicht verloren gehn, komme was wolle, half mir.

Gott leidet nicht nur passiv mit

Jeder Versuch, die Theodizee-Frage, die Frage wieso Gott Leid zuläßt, zu beantworten, wird unweigerlich zynisch. Es ist unsagbar zynisch, wenn man vebsucht, in den Geschehnissen einen tieferen Sinn zu finden. Die Menschen sind tot. Viele andere sind verletzt, physisch und psychisch. Solch schwer zu ertragendes Leid darf man nicht mit irgendwelchen Spekulationen über einen tieferen Sinn wegwischen. Das wäre unanständig und auch unehrlich: Keiner von uns kennt Gottes Plan.

Die Theodizee Frage ist ja auch falsch gestellt. Die Frage ist ja nicht, wieso Schlimme Dinge geschehen, sondern, wieso überhaupt gute Dinge geschehen. Was ist der Grundzustand der Welt? Gehen wir davon aus, daß eigentlich alles gut sein müßte? Oder kommtalles Gute, was uns widerfährt, von Gott? Ist letzteres der Fall,dann war Gott durchaus da bei den Anschlägen und hat konkret geholfen. Keiner der Attentäter kam ins Stadion, der Bataclan wurde relativ schnell gestürmt, die Ärzte waren durch eine kurz vorher abgehaltene Notfallübung ideal vorbereitet.

Sicher kann man jetzt sagen,das war nicht Gott, das war das vorausschauende Handeln der Menschen. Die Sicherheitsvorkehrungen haben geholfen, nicht Gott. So wie das Tischgebet Bart Simpsons:

Lieber Gott, wir danken dir für gar nichts, wir haben alles selbst bezahlt.

Nur ist es dann nicht billig, ausgerechnet das Negative Gott anzulasten? Wenn gute Sicherheitsvorkehrungen für den vergleichsweise glimpflichen Ausgang verantwortlich waren, sind dann nicht auch Menschen für die Anschläge, für das Leid verantwortlich? Schließlich waren es Menschen, die Bomben zündeten, die andere Menschen ermordeten.

Entweder man gesteht Gott zu geholfen zu haben, oder man braucht ihm auch das Negative nicht zuzurechnen.

Freilich, wenn man sich nun dafür entscheidet, Gott das Positive zuzurechnen, woher kommt dann das Negative? Entweder die Menschen haben eine hinreichende Freiheit, unabhängig von Gott Böses zu tun, oder aber es kommt doch von Gott her.

Viele apologetisch schreibende christliche Blogger, so ist mein Eindruck, ziehen als Erklärung die Freiheit des Menschen heran. Sie schreiben, der Mensch sei frei, Gutes und Böses zu tun, um Gott zu entschuldigen.

Ich halte das für nicht zutreffend. Mir ist ein Punkt sehr wichtig, und zwar daß Gott unbedingt über alles souverän ist. Wir sind Ihm letztendlich ausgeliefert, im Guten wie im Bösen.

Und diese Böse Seite müssen wir aushalten, wenn wir uns nicht in den schon erwähnten Sinnfindungen verlieren wollen. Wir können nicht alles Leid erklären, und das müssenwir auch nicht. Als Christen können wir trotz allem hoffen. Und wer kein Christ ist, wer nicht an Gott glaubt, der stellt auch nicht die Frage, ob Gott nun gut oder böse ist.

Womit sich nun die Frage nach dem obigen Comic stellt. Wenn der Autor nicht gläubig ist, wieso gibt er sich überhaupt mit dem Thema ab. Ich weiß es nicht, aber vielleicht kennt ja jemand von Euch die Antwort.

Commenting Media, Gesellschaft, Politik

Die bürgerliche Mitte

Ein Kommantator mit dem Nickname „Einer aus der bürgerlichen Mitte“ schrieb einen Kommentar beim Vergleich von PEGIDA und NSDAP auf dem Blog von Michael Bittner (unbedingt lesenswert!).

Er schreibt darin:

Viel besser fände ich, wenn einmal grundsätzlich diskutiert werden würde, wie man die Flüchtlingswelle bewältigen will.

Die Frage halte ich für sinvoll und möchte darum hier auf seien Kommentar eingehen (und nicht dort, weil es IMHO um ein anderes Thema geht).

Die ZEIT schrieb zuletzt, dass seit September täglich 10.000 Menschen nach Deutschland gekommen sind, also hochgerechnet fast 500.000 Menschen. Wo sollen die denn alle untergebracht werden? Vor allem menschenwürdig und witterungsgerecht?

Das ist in der Tat ein Problem und es ist auch nicht leicht zu lösen. Nur ändert es nichts an den Fakten, daß diese Menschen kommen – und das nicht aus Jux und Dollerei. Wir werden sie nicht ohne Gewalt aufhalten können, und da Gewalt nach meiner Meinung die deutlich schlechtere Alternative ist, werden wir lernen müssen, damit umzugehen, so schwierig es auch ist – gerade jetzt, wo es Winter wird.

Man hört von Beschlagnahme, Zwangsunterbringung in privatem Wohneigentum, Nutzung von Sporthallen als Notunterkunft, von viel Geld, was die Aufnahme der Flüchtlinge kostet.

Ja, es ist teuer, ein Rechtsstaat zu sein. Es ist nicht umsonst, menschlich zu sein, sonst müßt das nicht immer wieder in ganz verschiedenen Situationen eingefordert werden. Auf kurze Sicht am einfachsten ist es, ein Arscholoch zu sein und seine Interessen durchzusetzen. So wie ich unser Land und unsere Gesellschaft verstehe, ist das nicht das, was wir wollen. Wir wollen ein demokratischer Rechtsstaat sein, für den die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. Und zu dieser Erklärung gehört das Asylrecht (Art. 14).

Von Unterbringungen in Sporthallen habe ich schon gehört. Diese Hallen gehören den Kommunen, die für die Unterbringung zu sorgen haben. Beschlagnahmungen und Zwangsunterbringungen in privaten Wohnungen gibt es nach meinem Wissen nicht.

Allerdings denke ich persönlich, daß dies durchaus möglich und angebracht sein kann. Erstens verpflichtet Eigentum (Art. 14, Abs. 2 GG) und zweitens kann durchaus per Gesetz enteignet werden (Art. 14, Abs. 3 GG). Im Nachkriegsdeutschland gab es darüber hinaus sogar Einquartierungen. Das war sicher nicht einfach für alle Beteiligten, aber es hat im Endeffekt geklappt.

Es ist halt immer die Frage, wie groß eine Not ist und was man tun kann. Bei Überschwemmungen und sonstigen Naturkatastrophen bringt der Katastrophenschutz auch Menschen in Turnhallen unter, und je nachdem wie groß die Katastrophe ist, wäre denkbar auch leerstehenden Wohnraum zu beschlagnahmen im Dienste der Allgemeinheit.

Nur weil es sich um Ausländer handelt, die hier in Not geraten sind, denkt man jetzt darüber nach, ob man sich der Probleme nicht auch einfach entledigen kann. Ich finde das im höchsten Maße bedenktlich.

Die Situation ist momentan sicherlich schwierig, das kann aber doch nicht heißen, daß man wie ein kleines Kind beleidigt davonrennt und nix mehr macht.

Die Wirtschaft fordert die sofortige Eingliederung der Flüchtlinge ins Arbeitsleben (zu Dumpinglöhnen, weil die Menschen ja auch noch nicht so viel Deutsch können?). Von unangebrachtem Verhalten einiger weniger Flüchtlinge (sexueller Art gegenüber Schülerinnen und Frauen), Gewalt und sonstiger Delikte.
Wenn von Integration gesprochen wird, dann kann man meist den Eindruck gewinnen, dass wir uns den Flüchtlingen anpassen sollen und nicht anders herum.

Ich denke, für Flüchtlinge sollte ebenso der Mindestlohn gelten, wie für alle anderen auch. Wenn dies gewährleistet ist, dann sehe ich nur Vorteile darin, den Flüchtlingen so schnell wie möglich die Arbeit zu erlauben. So können sie zum Bruttoinlandsprodukt beitragen, es gibt mehr Wertschöpfung, mehr Steuereinnahmen, und so schrumpfen dann letztendlich auch die Kosten für die Aufnahme der Flüchtlinge.

Ja, es gibt Flüchtlinge, die straffällig werden, aber das ist eine Binsenweisheit. Ebenso gibt es Deutsche, die sich nicht an die Gesetze halten. Dafür haben wir die Polizei.

Ich sehe nicht, wo wir uns den Flüchtlingen anpassen sollten. Wenn von Integration die Rede ist, dann nehme ich das vor allem im Zusammenhang mit Sprachkursen wahr. Und das sind Deutschkurse für die Flüchtlinge, keine Farsi Kurse für Deutsche! Keiner fordert von uns, uns den Flüchtlingen anzupassen. Rücksicht nehmen vielleicht, wie es ein anständiger Mensch auch sonst gegenüber Deutschen tut, aber das ist ja keine Anpassung. Ein Augenmekrk darauf, daß sie aus anderen Kulturen kommen und es daher zu Mißverständnissen kommen kann. Man muß also nachsichtig sein und erklären, was daneben ist und warum. Ein Kumpel von mir, der in den 80ern Jahren aus der DDR in den Westen kam verstand nicht, wieso er jedesmal, wenn er eine junge Frau „Fräulein“ nannte, aneckte, bis ihm irgendwer mal erklärte, daß die Bezeichnug „Fräulein“ im Westen abgeschafft wurde und als herabwürdigend wahrgenommen wird. Das wußte er nicht – andere Kultur halt. In einem anderen Beispiel erzählte iene Ostdeutsche Kommilitonin, sie hätte wenig Geld auf dem Konto woraufhin ein Westdeutscher Kommilitone miente „Du must halt schaffen gehn.“ Sie war zu Tode beleidigt, weil sie „schaffen“ im Sinne von „anschaffen“ verstand. Er meinte aber „schaffen“ im Sinne von „arbeiten“, wie ich es als Westdeutscher auch zuerst verstanden hatte. Andere Kulturen – auch innerhalb Deutschlands. Da muß man dann halt mit rechnen, freundlich bleiben und versuchen, die Mißverständnisse zu lösen, bevor man das Schlimmste annimmt.

Die Politik lässt das Volk (ich kann den Begriff nicht mehr hören) im Stich. Keine Information, keine Diskussion,… und da sollen sich die Menschen in Deutschland keine Gedanken machen, Sorgen und Ängste haben?

„Die Politik“ ist sehr allgemein. Und es ist ja nicht so, daß es keine Informationen von Politikern gäbe. Die Rechten sind da ganz vorne mit dabei. Auch PEGIDA ist ja eine politische Veranstaltung, und da werden ja auch Meinungen geäußert (auch wenn die IMHO nicht zur Lösung der Probleme beitragen und Diskussion dort nach meiner Wahrnehmung auch nicht stattfindet). Die etablierten Parteien haben vielleicht grad alle Hände voll zu tun, die Krise zu bewältigen, aber es stimmt schon: Es dürfte mehr Information kommen. Wobei man durchaus die Chance hat, sich Informationen zu beschaffen. Die Regierung hat ne eigene Homepage, dort gibt es Kontaktadressen usw. Man kann seinen Bundestagsabgeordneten schreiben und Fragen stellen.

Man braucht keine Sorgen und Ängste zu haben, wenn man auch erst mal nachfragen ud sich informieren kann – idealiter aus mehreren Quellen und nicht nur bei PEGIDA, der Jungen Freiheit und BILD.

Ich bin überzeugt, dass viele Themen viel ruhiger ablaufen würden, weniger Hass da wäre, wenn Kommunikation stattfinden würde. Die Regierenden sollten endlich mal erklären, dass es Unterschiede zwischen Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlingen gibt, dass es eine humanitäre, moralische, menschliche Verpflichtung gibt gegenüber den an Leib und Leben Bedrohten, nicht aber gegenüber denen, die hier das Schlaraffenland sehen.

Das heißt also, daß die BRD die Bürger der DDR, die geflohen sind mehrheitlich hätte abschieben müssen, weil die wenigsten an Leib und Leben bedroht waren?

Aber das mal bei Seite: Die Thematik der Wirtschaftsflüchtlinge ist doch allen bekannt. Und wieder könnte ich fragen, wie das mit den ehemaligen DDR Bürgern ist, die in den Westen ziehen, um einen Job zu finden. Sind das auch Wirtschaftsflüchtlinge? Sollen die Westbundesländer die Grenzen nach Osten schließen, um mehr Syrien-Flüchtlinge aufnehmen zu können?

Ich denke nicht, daß die Themen ruhiger ablaufen würden, wenn diskutiert würde. Diskussionen führen oft dazu, daß die Gemüter hochkochen und viele sind ja auch resistent gegenüber guten Argumenten.

Es muss den Flüchtlingen erklärt werden, dass sie hier lediglich geduldet sind. Wer Straftaten begeht (Asylantenheime als Dealerbude, Vergewaltigungen, Mord und Totschlag, Diebstahl), hat die Gastfreundschaft der Menschen in Deutschland missbraucht und somit sein Aufenthaltsrecht verwirkt.

Wenn dem Flüchtling dann im Heimatland der Tod droht, ist das faktisch eine Todesstrafe. Die Todesstrafe ist laut GG aber abgeschafft! Bei Asyl geht es nicht um Gastfreudschaft. Das ist keine gnädige Gabe an die Flüchtlinge, osndern das ist deren Recht in einem Rechtsstaat wie Deutschland. Sie sind keine Gäste, sondern Flüchtlinge. So eine Regelung würde höchstens bei Wirtschaftsmigranten Sinn machen. Und selbst da bin ich skeptisch: Es stellt sich doch die Frage, wieso sie straffällig werden. Wenn es unsere sozialen Strukturen sind, sollten wir zuerst die ändern und die ausländischen Straftäter so wegsperren, wie wir das mit deutschen Kriminellen tun. Und so wie wir jene zu rehabilitieren suchen, sollten wir es dann auch mit diesen tun.

Übrigens finde ich es interessant, daß gefordert wird bei kriminellen Ausländern sofort das Aufenthaltsrecht zu entziehen, während man gleichzeitig den kriminellen Lutz Bachmann als Führungsfigur anerkennt. Könnte schon fast als Heuchelei durchgehen.

Es sollte weiterhin geklärt werden, wie der Nachzug der Verwandtschaft geregelt werden soll und dass die Flüchtlinge nach Beendigung des Krieges auch wieder nach Hause gehen müssen.

Der Nachzug der Verwandtschaft ist schon geregelt, und zwar in einer nach meienm Empfinden umneschlichen Weise. So kann ein Flüchtling aus Syrien zwar seine minderjährigen Kinder, nciht aber seine Eltern oder seine volljährigen Kinder nachholen. Die kommen dann im Zweifel im Bombenhagel um.

Falls der Flüchtling mangels Sprachkenntnis vielleicht unsere Regelungen nicht kennt und er den Antrag zur Familienzusammenführung nicht innerhalb 3 Monaten nach seiner Anerkennung stellt, muß selbst seine Frau noch Deutschkenntnisse nachweisen, um nachkommen zu dürfen. Sie muß also in Syrien im Bombenhagel deutsch lernen, um ihr Leben retten zu können, ohne sich an einen Schlepper wenden zu müssen. Das sind die Fakten. Wie viel mehr soll da noch geregelt werden? Noch unmenschlicher?

Daß die Flüchtlinge nach Kriegsende nach Hause gehen ist der Normalfall. Das war bei Bosniern und Kosovaren nicht anders. Der Großteil ging nach Hause. Manche erwarben sich ein weiterführendes Aufenthaltsrecht und blieben, so wie manche Deutsche auch in Bosnien oder dem Kosovo wohnen, aber die Zahl ist beiderseits gering. Auch die Syrer werden Deutschland wieder verlassen, wenn es sicher ist. Vielleicht dauert der Krieg aber so lange, daß sich einige entschließen, die Staatsbürgerschaft zu wechseln, dann sind es Deutsche wie wir. Und wieso sollte man uns abschieben?

Die Bundesregierung muss ein Wohnungsbauprogramm auflegen, Bürgschaften geben, Sicherheiten schaffen.

Nach meiner Wahrnehmung sind diese Dinge gerade in der Mache.

Es gibt genügend Menschen, die Wohnungen bereitstellen könnten. Warum aber sollten sie das tun, wenn es vermeintlich bessere Mieter (mit Bonitätsnachweis) gibt oder die kulturellen Unsicherheiten vermeintlich so groß sind, dass man es lieber leerstehen lässt?

Klar, deshalb muß und wird da wahrscheinlich auch etwas passieren. Nur brauchen solche Dinge dann doch ein wenig Zeit. Da sind ja dann auch einige rechtliche Fragen zu klären, auch Fragen, wie sich das ganze auf den Wohnungsmarkt auswirkt und die Wohnungseigentümer, wenn plötzlich viele neue Wohnungen entstehen etc. Das ist alles nciht sooo einfach.

Warum neue Wohnungen bauen und sich nachher womöglich mit den Flüchtlingen rumärgern, die dann plötzlich gar nix mehr verstehen (eine bösartige Verallgemeinerung, aber da man in die Köpfe der Menschen leider nicht reinschauen kann halt auch ein menschlicher Reflex)?

Ein privater Vermieter wird immer zusehen, daß er mit seien Mietern klar kommt. Deshalb ist hier auch der Staat gefragt, neue Wohnungen zu bauen, bzw. vorhandene zu enteignen oder zu beschlagnahmen. Am Einfachsten für alle wäre es freilich, wenn Flüchtlinge ohne Druck Wohnraum bekämen.

Wenn die Regierung endlich mal ihre Hausaufgaben machen würden, dann wäre Pegida völlig ohne Substanz und so schnell verschwunden, wie sie gekommen ist.

So einfach ist es nicht. Es gibt immer Unzufriedene. Allen kann man es nicht Recht machen, Und da die Unzufriedenen heutzutage offenbar immer mehr dazu neigen, nur ihre eigenen Probleme zu sehen und sich immer weniger um die allgemeie Probleme kümmern wollen ist es leicht für Bauernfänger, Mitläufer zu finden.

Noch viel besser wäre es, wenn die Ursachen der Flüchtlingswelle in deren Heimatländern bekämpft würden… Ein bürgerlicher Traum!?!

Klar wäre das das Beste, aber das wäre nochmal um einiges teurer für uns, denn dann müßten wir uns richtig engagieren, und zwar humanitär, nicht nur militärisch. Und dann kämen ganz schnell wieder Leute, die sich darüber aufregen, wie viel Geld wir in die arabische Wüste setzen, wo es doch auch hier arme Menschen gibt…

Wie gesagt: Man sieht immer nur das Eigene und ist weder bereit noch in der Lage, auch die Not anderer zu sehen und anzuerkennen…

Commenting Media, Gesellschaft, Politik

Austreten

Hallo Regierung? Ich würde gerne ihre "Dienste" abbestellen.
Hallo Regierung? Ich würde gerne ihre „Dienste“ abbestellen.

Dieses Meme begegnete mir gerade in meinem Stream bei RedMatrix. Um was es geht, sollte ziemlich klar sein: Die Frau ist offenbar mit den „Diensten“ der Regierung nicht zufrieden und möchte daher austreten, nicht mehr davon erfasst werden und/oder nicht mehr dafür zahlen.

In Zeiten zunehmender Sensibilität was Überwachung, Polizeigewalt und dergleichen angeht, eine verständliche Reaktion. Man will keinen Anteil an dem haben, was man nicht unterstützt. Und wenn die Regierung bestimmte Handlungen oder Positionen unterstützt, die man ablehnt, ist der Affekt, nach einem Ausgang zu suchen, nachvollziehbar.

Ginge es um eine Mitgliedschaft in einem Verein oder auch einer Kirche, würde ich da gar nicht viel sagen, denn dabei handelt es sich um Wahlmitgliedschaften. Nicht so jedoch beim Staat, zu dem die Regierung ja allemal als Institution gehört.

Man mag die Ansicht vertreten, daß die Freiheit so weit gehen müsse, sich auch von Staat und Regierung lossagen zu können, so wie im Meme ausgedrückt.

Ich bin dieser Ansicht nicht, und zwar aus gutem Grund, wie ich meine: Es geht mir dabei um ein Konglomerat aus Verantwortungsdenken, Demokratieverständnis und gesellschaftlichem Zusammenhalt, und ich möchte versuchen, dieses Knglomerat hier ein wenig zu entfalten.

Wir leben zusammen in einer Gesellschaft, das ist erst einmal so. Das Zusammenleben in der Gesellschaft ist geregelt durch eine Ordnung, zu der auch die Regierung gehört. Wir haben in den westlichen Demokratien trotz aller Probleme, die es gibt, noch relativ viele Möglichkeiten, uns in die Selbstverwaltung unserer Gesellschaft (und damit die Ausgestaltung der Ordnung) einzubringen. Und ich denke, wir haben auch die Pflicht, dies soweit möglich zu tun.

Das Meme steht für das Gegenteil: den Rückzug ins Private. Austreten aus dem gemeinschaftlichen Rahmen: Ich mach, was mir gut dünkt, die Gesellschaft mit ihren Ordnungen mag mir gestohlen bleiben.

Ich bin der Meinung, daß mn sich lieber zur Verbesserung der Ordnung (und damit der Regierung) einbringen sollte, als egoistisch den eigenen Ausweg zu suchen.

Jetzt mag jemand sagen: Die anderen können ja gerne auch den Ausweg suchen, damit schade ich doch niemandem.

Meine Entgegnung wäre: Und was ist mit denen, die dies nicht könen? Gründe kann es zuhauf geben: Finanzielle, intellektuelle, emotionale… you name it. Überhaupt den Gedanken zu fassen, aus der Gesellschaft mit ihrer Regierung auszutreten, setzt einiges voraus, diesen Schritt wirklich veruschen, umzusetzen, dazu gehört noch einmal mehr. Und was ist mit all denen, die durch unsere bisherige Ordnung gestützt werden? Arbeitslose, Alte, Schwache, Kranke, Arme? Sollen sich darum dann die Individuen kümmern, die vorher der Gesellschaft den Rücken gekehrt hatten?

Ähnliches fordert die Upper Class und die Religious Right in den USA, wenn es um Sozialleistungen geht: Der Staat, also die Allgemeinheit soll da nichts geben, das sollen Individuen übernehmen. Wenn wir uns jetzt die soziale Situation in den USA ansehen wird vielleicht klar, wo die Probleme liegen könnten.

Wir haben – zumindest in den westlichen Staaten – weitgehend funktionierende Demokratien (mit allen Abstrichen, die man leider machen muß). Das heißt daß die Regierungen, so sehr wir ihre Politik ablehnen, irgendwo doch durch das Volk legitimiert sind. Als Gegner ihrer Politik auszutreten und sich abzuwenden würde bedeuten, nötige Kritik zu unterlassen. Das ist IMHO sehr undemokratisch gedacht. Ja, es gibt offenbar Mehrheiten, die andere Ansichten vertreten als daß, was uns vielleicht gerade wichtig ist. Aber dann sollten wir nicht zusammenpacken und dem Ganzen den Rücken zuwenden, sondern unsere Kritik lauter vorbringen, versuchen, Mehrheiten zu beschaffen, die nächste Wahl kommt bestimmt.

Das sind wir uns und vor allem denjenigen die (sozial) schwächer sind als wir schuldig. Wer würde denn gewinnen, wenn die Gesellschaft auseinanderbricht, weil alle autreten? Richtig, die Starken. Und wer ist das?

Deshalb bin ich der Meinung, daß wir zusammenhalten sollten, daß wir allen Auflösungstendenzen in der Gesellschaft entgegenwirken sollten und die Gesellschaft und ihre Ordnung (inklusive der Regierung) ändern sollten, anstatt ihr einfach den Rücken zuzuwenden und denjenigen das Feld zu überlassen, die anders denken als wir.

Commenting Media, Gesellschaft

Die These des Gokh

Was haltet ihr von meiner These: Jemand der diese bestehenden Verhältnisse nicht auf radikaler Weise verändern möchte, trägt in meinen Augen viel mehr Schuld an dem Leid und die Ungerechtigkeiten in dieser Welt, also an 100.000 unnötiger Tote, als diejenigen, die auch durch die Anwendung von Gewalt bereit sind, diese Verhältnisse zu verändern? Oder anders ausgedrückt, in meinen Augen sind die Leute, die zaudern und abwarten die waren (sic!)“Schlächter“ unserer Zeit.

In der inzwischen mehrmals behandelten Diskussion zu Ravenbirds „Radikalisiert Euch“  hat Gokh diese These aufgestellt. Ich will hier nun aufschreiben, was ich davon halte.

Gokh stellt hier zwei Menschengruppen einander gegenüber:

Diejenigen, die die bestehenden Verhältnisse nicht in radikaler Weise verändern möchten und diejenigen, die auch durch Anwendung von Gewalt bereit sind, diese Verhältnisse zu verändern.

Zuerst kommen mir einige Rückfragen:

  • Was ist mit den Menschen, die die Verhältnisse durch Gewalt verändern wollen, aber eben nicht in radikaler Weise?
  • Was ist mit den Menschen, die die Verhältnisse vielleicht etwas mehr verändern wollen als die erstgenannten, aber eben keine Gewalt anwenden wollen?
  • Welche Verhältnisse sind überhaupt gemeint? Was genau soll verändert werden und wie?

Die Fragen beziehen sich freilich auf Spitzfindigkeiten. Ich habe sie trotzdem kurz aufgelistet (es könnten wohl einige mehr gefunden werden) um zu veranschaulichen, daß ich Gokhs These als ad hoc Formulierung ansehe, in der der Kern nicht präzis gefasst werden soll, sondern eher umschrieben wird.

Ich gehe in Diskussionen auch meist so vor, daß ich meine Gedanken im Zweifel irgendwie äußere, um dem Gegenüber zu ermöglichen, auf mich einzugehen, auch wo ich noch keine präzisen Formulierungen gefunden habe, weil es mir darum geht, die eigenen Ansichten weiterzuentwickeln und nicht, anderen meine Überzeugungen überzustülpen. Genau so verstehe ich Gokh hier.

Es scheint mir so zu sein, daß Gokh zwei Seiten aufmacht. Auf der einen Seite steht  die radikale Veränderung, im Zweifel durch Gewalt, auf der anderen Seite die Abwarter und Zauderer. Moderate Veränderer werden hier nicht genannt und auch wenn ich mir vielleicht denken kann, wo er sie einordnen würde, möchte ich diese Gruppe doch im Weiteren als eigene Gruppe ansehen (Du kannst ja auf meine Dreiteilung dann wieder eingehen, Gokh ;)).

Zaudern und abwarten

Die Rede vom „zaudern“ ist ja schon wertend. Und ja, es kann durchaus viel vorgebracht werden gegen das Zaudern. Ich erinnere mich an meine Zeit bei der Bundeswehr, wo es ein Sprichwort gab:

Probleme lösen sich, indem man sie ignoriert.

Gemeint wird damit, daß Probleme irgendwann einmal so groß werden, daß sie nicht mehr gelöst werden können, aber viele neue Probleme verursachen. Das erste Problem ist damit „sozusagen“ gelöst, und zwar auf die denkbar schlechteste Weise.

Allerdings hat Abwarten auch etwas für sich. Und zwar genau in den Situationen, in denen man tatsächlich noch nicht weiß, wie man sich entscheiden soll. Blinder Aktionismus führt in der Regel zu eben so wenig Erfolg wie Zaudern und hoffen, daß alles vorbei geht oder sich von alleine bessert (was es in der Regel nicht tut, siehe Bundeswehr-Sprichwort).

Meine Ansicht ist hier die, daß man in der Tat so lange abwarten sollte, bis man sich eine Meinung gebildet hat, wobei man sich die Zeit, die es braucht, um eine Meinung zu entwickeln, zugestehen muß.

Man wird nicht immer zu 100% sicher sein, was bedeutet, daß man auch ein Stück weit Vertrauen in die eigene Einschätzung haben muß. Hilfreich ist es dann, wenn einem nicht jeder Fehler ewig nachgetragen wird. Ich denke an Luther mit seinem „pecca fortiter“:

Sündige tapfer, doch tapferer glaube und freue dich in Christus, der Herr ist über Sünde, Tod und Teufel.

Luther ging es im Kontext auch ums Zaudern. Lieber gar nichts zu tun als eine Sünde, für die man dann von Gott Strafe zu erwarten hätte. Luthers Punkt war ja, jetzt etwas verkürzt gesagt, daß Gott die Menschen eben nicht strafen und richten will, sondern sie liebt und denjenigen, die sich zu Ihm halten (an Ihn glauben) vergibt. Übertragen auf unsere Situation: Wer im guten Glauben (nämlich daß sein wohl erwogenes Tun die Zustände verbessert) sich irrt und eher Schaden verursacht, sollte mit Vergebung begegnet werden. Wir alle machen Fehler, dem sollten auch Menschen zustimmen können, die nicht an die grundsätzliche Sündhaftigkeit des Menschen glauben.

Eine ganz andere Gruppe von Menschen, die noch nicht genannt wurden, möchte ich hier auch kurz ansprechen, weil der Effekt ihres Handelns wohl dem der Zauderer und Abwarter ähnelt:

Die Indifferenten

Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Das sagt, der Amen heißt, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes:
Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest!
Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.

So steht es im 3. Kapitel der Johannesapokalypse. Die Extreme werden als annehmbar angesehen, aber das Unentschlossene ist es, das kritisiert wird.

Es gibt viele Situationen, in denen man unentschlossen oder indifferent sein kann. Entweder man ist noch nicht an dem Punkt, an dem man zu einer begründeten eigenen Meinung gekommen ist – siehe oben. Oder man ist sich eines Sachverhaltes nicht bewußt; so hatte Luther wahrscheinlich keinen Standpunkt zur PID und auch hier und heute wissen viele nicht von der Not, die andere Menschen aushalten müssen. Oder die Menschen sehen weg und wollen bestimmte Probleme gar nicht sehen. Manchmal sieht man sie vielleicht auch, ist aber dermaßen mit anderen Dingen beschäftigt, daß man keine Ressourcen mehr frei hat.

Wenn sich jemand für den Umweltschutz einsetzt, hat er vielleicht nicht mehr die Zeit oder auch nur das Wissen, sich zu jedem Detail der Netzpolitik zu äußern. Wer in der Flüchtlingshilfe engagiert ist kennt sich vielleicht nicht so sehr mit alternativen Wirtschaftssystemen aus.

Worauf ich hinaus will: Wir alle sind bei der einen oder der anderen Sache indifferent oder nachhaltig ohne eigene Meinung, weil wir einfach nicht dazu kommen, weil wir an anderen Problemen dran sind. Und das muß, denke ich, respektiert werden. Wir sind als Menschen halt nicht nur fehlbar, sondern auch endlich. Irgendwo ist das Ende meiner Leistungsfähigkeit erreicht.

Sicher bin ich der Meinung, daß jemand, der keine ernsten Probleme hat und nur die Augen vor dem echten Elend der Welt verschließt, kritisiert werden müßte. Doch liegt „echtes Elend“ im Auge des Betrachters. Es gehört halt auch ein gewisses Wertesystem dazu, bestimmte Dinge als echte Not und andere als weniger schlimm zu betrachten. Wir haben nicht alle das gleiche Wertesystem, und wir wollen sicherlich auch nicht dahin (hoffe ich), daß eine Institution allen Menschen ein Wertesystem vorschreibt. Denn wie gesagt: Wir sind alle fehlbar, so auch die Maßstäbe der Institutionen, die wir gründen. Neuere Entwürfe könnten wahrscheinlich nicht viel besser sein als die „Kirche im Mittelalter“ (ich nehm dies mal als Symbol, weil viele Leute sich unter „Kirche im Mittelalter“ in Verbindung mit „zwanghaftem Wertesystem“ in etwa das vorstellen können, was ich meine – daß es so einfach historisch nie war, lasse ich mal bis auf diese Erwähnung um des Themas willen unter den Tisch fallen).

Es kann also keiner ein für alle allgemein- und letztgültiges Wertesystem verordnen, ohne sich berechtigete Kritik zuzuziehen. (Es gibt allgemeine und letztgültige Wertesysteme in einigen Religionen oder Konfessionen, aber diese gelten immer lediglich für diejenigen, die sich dazu bekennen – man unterwirft sich dem also freiwillig. Zu staatlichen Gebilden gehört man aber durch Zwang. Ich unterliege in Deutschland den deutschen Gesetzen, und niemand hat mich je danach gefragt, ob ich das so in Ordnung finde).

Worauf ich hinaus will: Wir können sagen, daß wir bestimmte Haltungen ablehnen, aber wir können keine Objektivität beanspruchen, wenn wir jemandem sagen, sein Problem, passendes Gesinde für seinen Sommersitz in Monte Carlo zu finden, sei weniger groß oder wichtig als das Problem der Flüchtlinge, einigermaßen heil über das Mittelmeer zu kommen, oder allein die Flucht aus Syrien zu überleben. Es kommt auf das Wertesystem an und auch, wenn wir in diesen Fällen wahrscheinlich (hoffentlich!) zu einem sehr breiten Konsens kommen dürften ist das noch keine Objektivität.

Moderate Veränderer

Diese von Gokh nicht genannte Gruppe unterscheide ich von den radikalen Veränderern anhand der Bereitschaft zur Gewalt. Während die Radikalen (Waffen)-Gewalt als legitimes Mittel ansehen, tun die moderaten Veränderer dies nicht.

Der Unterschied zu den Zauderern ist der, daß sie tatsächlich einen Standpunkt haben (der IMHO durchaus radikal sein kann) und etwas tun, um ihr Ideal umzusetzen.

Es stellt sich ja durchaus die Frage, ob Gewalt überhaupt eine Situation verbessern kann. Wenn man etwa Hartz IV als Gewalt gegen Arbeitslose versteht kann man durchaus fragen, ob eine Gegengewalt die Situation zwingend verbessert.

Jedenfalls können die moderaten Veränderer anders als Zauderer und Indifferente von sich sagen,  daß sie tatsächlich etwas zu ändern gedanken. Sie sind somit nicht schuldig an all dem Leid, das durch sie verändert wurde. Insofern und falls ihre Methode länger braucht als andere, um Veränderungen zu bewerkstelligen, laden sie auch für das Leid in der entsprechenden längeren Zeit Schuld auf sich. Insofern sie aber nicht zur Gewalt greifen, laden sie durch diese keine Schuld auf sich.

Radikale, gewaltbereite Veränderer

Entsprechend dem gerade Gesagten muß natürlich gesagt werden, daß die gewaltbereiten Veränderer ihre Schuld in dem Maße vergrößern, in dem ihre Gewalt Leid verursacht. Und dabei muß man auch sehen, daß Gewalt nachwirkt: Wenn der Vater erschossen wird haben es die Kinder mit einem Elternteil in der Regel schwerer, ist auch ihre Armut größer, was siech wieder auf deren Kinder und deren Chancen auswirkt etc etc. Man braucht auch nicht im Materiellen zu verharren, auch immateriell fehlt ein der Gewalt zum Opfer gefallenes Elternteil (es kann auch die Mutter sein oder was, wenn ein Geschwisterchen zum „Kollateralschaden“ wurde?).

Dem kann natürlich eine möglicherweise schneller durchgesetzte Verbesserung gegenübergesetzt werden, falls diese Leid minimiert.

Ich bin bei aller Verehrung für Martin Luther King kein Pazifist. Ich habe meinen Wehrdienst geleistet und bin der Ansicht, daß Gewalt unter bestimmten Umständen geboten sein kann. Als Beispiel wird gerne Hitler genannt, den man mit frommen Wünschen wohl kaum hätte aufhalten können. Ich denke darüber hinaus am Paulus und Römer 13:

Denn vor denen, die Gewalt haben, muss man sich nicht fürchten wegen guter, sondern wegen böser Werke. Willst du dich aber nicht fürchten vor der Obrigkeit, so tue Gutes; so wirst du Lob von ihr erhalten.
Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugut. Tust du aber Böses, so fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst: Sie ist Gottes Dienerin und vollzieht das Strafgericht an dem, der Böses tut.
Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen.

Paulus stellt hier die nützlichen Seiten der Gewalt heraus nämlich, daß es eine Ordnung gibt innerhalb derer mit relativem Frieden gelebt werden kann. Eine solche Ordnung ist natürlich wiederum fehlbar, sie ist nicht ideal, weil sie von Menschen gemacht ist und Menschen Fehler machen (außerdem müssen Ordnungen auch der jeweiligen Zeit angepasst werden, siehe PID). Aber eine solche Ordnung ist besser als eine Unordnung, in der zwei oder mehr etwa gleichgroße Gruppen einander bekämpfen (ob mit Waffen oder anderen Machtmitteln wie Gesetzen oder Verordnungen sei einmal dahin gestellt) und keiner weiß, was jetzt eigentlich gilt.

Aber jede Gewalt hat ihre Grenze in ihrer Notwendigkeit. Ziel der Gewalt ist es, den Frieden zu sichern. Sichert sie den nciht mehr, sondern dient der Begünstigung oder der Unterdrückung bestimmter Menschen, ist die Gewalt ein Problem.

Dann ist auch immer die Frage zu stellen, welche Gewaltmittel angewendet werden sollen. Man kann auf gesetzliche Veränderungen hinwirken, was länger duaert und im Zweifel nicht so erfolgreich ist, oder man versucht etwas mit Waffengewalt durchzusetzen.

Da stellt sich dann die Frage nach der Effektivität. Wenn cih eine Minderheitenmeinung vertrete werde ich immens viel Gewalt aufwenden müssen, um diese Ansichten durchzusetzen. Bedeutet mehr Leid, bedeutet mehr Schuld. Womöglich wäre das Leid (und die Schuld) geringer, wenn man erst einmal auf Überzeugungsarbeit setzt. Ohne eine gewisse Basis von Überzeugten bricht jede Ideologie zusammen. Die Weimarer Republik konnte ohne Demokraten nicht bestehen, ebensowenig waren die Versuche, in Afghanisten und im Irak demokratische Gesellschaften zu implementieren, nicht wirklich erfolgreich. Auch in anderen Ländern mag es relativ regelmäßige Wahlen geben, während aber trotzdem grundlegende Rechte mißachtet werden.

Wobei mich der Irak und Afghanistan zu einem anderen Punkt bringen: Wenn es tatsächlich zur Anwendung von Waffengewalt kommt, sollte ein klarer Plan bestehen, wie es danach weitergeht. Waffengewalt kann vielleicht ein Zeitfenster für Veränderung eröffnen. Diese Veränderungen müssen dann aber schnelll greifen und effektiv werden, so daß niemand mehr (oder kein hinreichend großer Bevölkerungsanteil) zum status quo ante zurückwill. Das war offenbar nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben (da gab es zwar vorher keine wirklichen Pläne, aber sie wurden nachher zeitnah entwickelt und umgesetzt, wohl auch wegen dem Druck der Blockkonfrontation). Andere Beispiele könnten genannt werden.

Fazit

Schuld laden, so war meine Intention, darzustellen, alle auf sich. Die, die gar nichts tun, für die Unterlassungen, die, die etwas tun, zumindest für die Abweichungen vom (unbekannten) idealen Weg. Insofern ist auch das Ausmaß unserer Schuld unbekannt. Auch die Uneinigkeit beim Wertesystem trägt dazu bei, daß das Ausmaß der Schuld kaum genau quantifiziert werden kann.

Wir Menschen tendieren dazu, so ist mein Eindruck, die eigene Schuld zu relativieren und vor allem in anderen ein Problem zu sehen. Ich war gerade im Schulpraktikum an der Grundschule. Die Schüler waren allesamt liebe Kinder, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, ich halte niemanden davon für irgendwie abgrundtief böse oder ähnliches. Trotzdem muß ich sagen: An diesen Grundschulkindern konnte man diese Grundtendenz ziemlich klar sehen: „Der hat angefangen“ – „Ich hab nur…“ – „Ich hab nichts getan und die hat“ – „Nein, das stimmt nicht, hab ich nicht…“

Für die Ausgangsfrage: Wer lädt mehr Schuld auf sich, muß ich sagen: Wer Probleme sieht und nichts tut muß vielleicht eher kritisiert werden als derjenige, der etwas tut, wobei man eben auch darauf achten muß, ob derjenige das, was gesehen werden soll, auch ebenso sieht. Mir kommt Marie Antoinette in den Kopf:

Wenn das Volk kein Brot hat, dann soll es eben Torte essen

Ja, ich bin auch der Meinung, daß das ignorant ist. Aber Ignoranz kann ja tatsächlich in Unwissenheit wurzeln. Wer von uns hat schon Verständnis für die Menschen, die seinen gewohnten Kreisen fremd sind: Welcher Punker hat Verständnis für Nazis? Welcher Nazi für Flüchtlinge oder Ausländer allgemein?

Dazu kommt das Problem, daß sowohl Leid als auch Schuld an sich schwer quantifizierbar sind. In welcher Maßeinheit will man das messen? Ich hab keinen Job und kein Essen im Kühlschrank, also habe ich 2 Meter Leid? Ich hab meine Altersvorsorge in Aktien und sorge bei der Aktionärsversammlung nicht für menschenwürdige Produktionsbedingungen, also habe ich 5 Meter Schuld auf mich geladen?

Was soll so eine Quantifizierung überhaupt bringen? Will man sich besser fühlen als andere? Eine Art holier than thou mit säkularem Vorzeichen? Ich vermute, es ist zielgerichteter, nicht auf die Mitstreiter und deren Performanz bei Veränderungen zu schielen, sondern sich eher um die Veränderungen zu kümmern (wobei natürlich thematisiert werden muß, welche Methodik man anwendet).

Und was wir noch überhaupt nicht angesprochen haben: Veränderungen gehen in tausende Richtungen und in tausenden Details. Wenn zwei die bestehenden Zustände ändern wollen, dann wollen sie vielleicht in eine entgegengesetzte Richtung. Konkret: Ein Nazi, der Gewalt anwendet, um die bestehenden Umstände in eine Diktatur zu verwandeln, lädt nach meiner (mein Wertesystem ist ja nicht objektiv) Auffassung mehr Schuld auf sich als jemand, der mit gewaltfreien Mitteln die Gesellschaft offener machen will.

Freilich hat Gokh den Nazi nicht im Blick, sondern geht implizit – so verstehe ich ihn – von einem Konsens in der Marschrichtung bei der Veränderung aus. Aber vielleicht bezeichnet das ein grundsätzliches Problem in der Diskussion. Bevor wir uns darüber unterhalten, wie sehr wir uns radikalisieren oder nicht und wer jetzt mehr Schuld auf sich lädt, sollten wir wahrscheinlich doch erst mal darüber reden, in welche Richtung wir wollen. Sprich: Überzeugungsarbeit leisten. Unter uns, und nach außen. Wenn wir dann irgendwann einen Konsens auf relativ breiter gesellschaftlicher Basis haben, auf was wir hinaus wollen und vielleicht auch, wie wir das erreichen, können wir uns Gedanken machen über die Radikalisierung, denn wie gesagt: Die Zeit, sich eine Meinung zu bilden, sollte man sich zugestehen. Sonst gebirt blinder Aktionismus am Ende nur Leid, ohne wirklich eine Verbesserung zu erreichen. Damit ist keinem gedient.

 

Commenting Media, Gesellschaft

Radikalität und Gewalt

I have a dream that one day on the red hills of Georgia, the sons of former slaves and the sons of former slave owners will be able to sit down together at the table of brotherhood.

I have a dream that one day even the state of Mississippi, a state sweltering with the heat of injustice, sweltering with the heat of oppression, will be transformed into an oasis of freedom and justice.

[…]

I have a dream that one day, down in Alabama, with its vicious racists, with its governor having his lips dripping with the words of „interposition“ and „nullification“ — one day right there in Alabama little black boys and black girls will be able to join hands with little white boys and white girls as sisters and brothers.

Die von Ravenbird angestoßene Diskussion zu Radikalisierung und Gewalt geht weiter, und ich bin darüber ins Denken gekommen.

Vor ein paar Tagen hatte ich dazu schon einml einen Artikel verfasst, den ich so auch stehen lassen kann. Tatsächlich sehe ich eine Gefahr wenn es um Radikalisierung geht, nämlich daß es zu Gewalt kommt.

murdeRED dreams, ein anderer Diskussionspartner, versucht mir seither (oder schon vorher) die Aussage in die Schuhe zu schieben, ich hätte gesagt, Radikalisierung sei gleichbedeutend mit Gewalt, und er ist davon auch nicht abzubringen. Trotzdem hat ein Kommentar von ihm, namentlich der wo es um die Radikalität und Gewaltbereitschaft von Polizisten geht, mir eine neue Perspektive eröffnet.

Bei den gewalttätigen Pollizisten mußte ich unwillkürlich an Bull Connor, Birmingham und Martin Luther King Jr. denken. Mit King hatte ich mich im Studium befaßt, deshalb ist er für mich ein guter Ansatzpunkt, um meine Denke hier zu präzisieren.

King wurde in Birmingham (und überhaupt) vorgeworfen, daß seine Proteste Gewalt provozieren würden. Den Einwand wies er damit zurück, daß die Gewalt schon da sei, er bringe sie mit der gewaltfreien Methode nur an die Oberfläche:

Actually, we who engage in nonviolent direct action are not the creators of tension. We merely bring to the surface the hidden tension that is already alive. We bring it out in the open, where it can be seen and dealt with.

Von daher stellt sich die Frage, ob Radikalisierung und das damit verbundene Ansteigen des Gewaltpotentials (wobei die Gewalt nicht notwendig von allen „Radikalen“ ausgeht! Gandhi war radikal und die Briten gewalttätig, King war radikal und Bull Connor gewalttätig – wobei man fragen dürfen ollte, ob nicht auch jeweils Bull Connor und die Briten eine gewisse Art von Radikalität verkörperten) immer negativ einzustufen ist.

Offenkundig nicht. Zumindest sehe ich das so. King hatte Recht mit seiner nonviolent direct action und er hat auch etwas bewirkt. Nur sollte man auch bedenken, was die Umstände damals waren: Die Presse hatte Interesse an der Auseinandersetzun und hat (vor allem im Norden) ausgiebig berichtet. Noch war der Vietnamkrieg nicht so sehr im Fokus, daß er zu einer Konkurrenz in den Nachrichten werden konnte.

Die Staaten Afrikas und Asien erlangten in dieser Zeit nach und nach ihre Unabhängigkeit und die USA versuchten, sie als Verbündete zu gewinnen, ebenso wie die Sowjetunion, in der es keine Berichte über Rassenunruhen gab.

Es gab in den USA (vor allem im Norden) eine Mehrheit, die die im Süden praktizierte Rassendiskriminierung ablehnte was ebenfalls zu politischem Druck führte, der Druck war letztlich so groß, daß die politisch Verantwortlichen  teilweise (nicht in Birmingham und meines Wissens auch nicht im direkten Zusammenhang mit Aktionen von King, aber er war ja nicht der einzige) die Nationalgarde schickten. Es kam zu regelrechten Schießereien.

Und schließlich, auch das darf man nicht vergessen, gab es in der schwarzen Kirche, ihren Gläubigen und ihren Pastoren eine Ressource für die Organisation der Bürgerreechtsbewegung: Es gab Gebäude, in denen man Treffen abhalten konnte und die im eigenen Besitz waren. Es gab mit den Pastoren Afroamerikaner, die finanziell unabhängig von weißen Vorgesetzten waren und so nicht unter Druck geraten konnten, es gab mit den Gläubigen der Kirche viele Freiwillige, die aus christlicher Überzeugung und Opferbereitschaft willens und fähig waren, die Last des gewaltfreien Widerstands auf sich zu nehmen. Was gar nicht unterschätzt werden kann: Wer kann garantieren, daß er sich nicht zur Wehr setzt, wenn er brutalst zusammengeschlagen wird?

Unter diesen Voraussetzungen konnte die US Bürgerrechtsbewegung einiges erreichen. Allerdings ließen die Erfolge nach, als man sich sozialen Problemen im Norden zuwandte: Dort fehlte die schwarze Kirche als tragende Institution – die wenigen schwarzen Gemeinden waren zu wenige. Außerdem nahm der Vietnamkrieg bereits breiteren Raum in den Medien ein und auch der politische Druck konnte nicht groß genug werden. Erstens gab es nirgends in den USA eine große Wählergruppe, die „linken“ Ansätzen besonders offen gegenüber gestanden hätte, außerdem erregten die sozialen Mißstände auch im Ausland nicht so viel Interesse.

Nebenbei gab es noch ganz andere Radikale: Malcolm X, die Black Muslims, die Black Panthers und wie sie alle hießen, die auch Gewalt als Mittel nicht ausschlossen sowie studentische Gruppen, deren Verbindung zu den Kirchen lockerer war und die deshalb auch nicht in dem Maß auf die gleichen Ressourcen zugreifen konnten oder wollten.

Zurück zu unserer Situation hier: Ich sehe momentan nicht, wo eine Radikalisierung Fortschrite bringen könnte. Denn wie gesagt, Radikalisierung zur falschen Zeit kann ganz bös nach hinten losgehen. Nach Kings Ermordung brachen Unruhen aus, die viel Leid und Zerstörung nach sich zogen und bei einigen wohl auch die Bürgerrechtsbwegung in Verruf brachten, auch wenn es keinen direkten Zusammenhang zwischen Gewalttätern und Aktivisten gab. King hatte die gewaltbereiten Gruppen immer zu bremsen versucht. Sein Ziel war nicht, seine Ansichten allen überzustülpen, sondern die „beloved community“.

Am Ende sollten alle miteinander am Tisch sitzen können, am Ende sollte der Streit ein Ende haben, nicht, indem die Gegner untergebuttert werden, sondern indem man sich untereinander aussöhnt.

Das wäre auch meine Zielvorstellung für die Gesellschaft, und auch wenn es ein utopisches Ziel ist bin ich der Meinung, sollte man danach streben. Nur denke ich, daß im Moment die Bedingungen nicht so sind, daß Radikalisierung neben einer Erhöhung des Gewaltpotentials (nicht zwingend durch die Radikalen, aber allgemein) nicht viel bringen wird. Das Problem ist nicht eine Minderheit, die die Macht ausübt und die durch direkte Aktion und einen gewissen Presserummel von diesen Positionen vertrieben werden könnten. Ich denke das Problem bei uns heute ist viel mehr, daß es viele kleinere Gruppen gibt, die alle in eine andere Richtung wollen, die alle ganz eigene (und oft existentielle) Probleme und Ängte haben. Diese müssen erst einmal wieder zusammenfinden. Deshalb: Kiene Radikalisierung, lieber aufeinander zugehen. Wenn wir es eines Tages schaffen, daß nur noch eine kleine Minderheit von Machthabenden gegen eine Mehrheit im Volk steht, dann kann man auch wieder radikaler sein, weil man dan kaum mehr jemanden verschreckt damit (und damit das Gespräch verunmöglicht). Hatten wir ja auch schon: ’89 im Osten. Pegida meint vielleicht, daß jetzt wieder so ein Zeitpunkt gekommen wäre. Aber allein die Zahlen der Gegendemos zeigen: Sie sind nicht das Volk, das Volk ist wohl am ehesten tatsächlich gespalten und demonstriert gegeneinander.

And when this happens, and when we allow freedom ring, when we let it ring from every village and every hamlet, from every state and every city, we will be able to speed up that day when all of God’s children, black men and white men, Jews and Gentiles, Protestants and Catholics, will be able to join hands and sing in the words of the old Negro spiritual:

Free at last! Free at last!

Thank God Almighty, we are free at last!

Commenting Media, Gesellschaft, Politik

Radikalisieren?

Ravenbird hat bei Diaspora* dieses Bild gepostet.

Dazu hat er noch einen Text geschrieben und das ganze hat ein paar Diskussionen nach sich gezogen.

Ich gebe zu ich habe anfangs den Text nur überflogen, denn die Grafik erschien mir schon aussagekräftig genug. Hier möchte ich nochmal meine Gedanken festhalten. In meinem letzten Kommentar dort schrieb ich:

Ich verstehe das so, daß man seine bestehenden Ansichten radikaler vertreten soll, also mehr eigene Meinung durchzusetzen versuchen, weniger auf andere zugehen. Deshalb lehne ich das ab.

Ravenbird entgegnet darauf:

Da ist nicht das geringste von Gewalt gesagt. Da steht was davon für die Interessen von sich uns seinen Mitmenschen einzutreten. Da steht etwas von Solidarität, Kommunikation und Organisation. Achso und wenn Du den Artikel noch mal ganz genau ließt, so wirst Du erkennen das das mit einer totalitären, gewaltbereiten Schiene so rein gar nichts zu tun hat.

Im ursprünglichen Text schrieb Ravenbird unter anderem:

Deshalb rufe ich dazu auf das Ihr selbst Euch radikalisiert! Tretet radikal für Euch und Eure Mitmenschen sowie Eure gemeinsamen Interessen ein. Nein nicht für Deutsche oder die Deutsche Nation! Für Euch selbst, für Eure Familie, Eure Freunde, Eure Bekannten, Nachbarn und all jene in Eurer Umgebung. Dabei muss es egal sein welcher Hautfarbe sie sind, welche Sprache sie sprechen und woher sie kommen.

Was mich hier stört? Das „muß“. Denn es widerspricht dem vorherigen Aufruf, für die eigenen Interessen und die der Mitmenschen einzutreten. Was meine Interessen sind entscheide ich, und nicht ein anderer. Ravenbird ist hier, wahrscheinlich ohne es zu merken, auf einem paternalistischen Weg: Er ist von seinen Ansichten überzeugt und will nun, daß alle anderen diese Ansicht auch als richtig anerkennen und „radikal“ an ihrer Umsetzung arbeiten.

Ich verstehe ja das Grundanliegen, und es ist sicher nicht schlecht gemeint. Aber die Grundstruktur des Aufrufs birgt eben – und darauf will ich hinweisen – die Negierung der Aussage in sich, was bleibt ist Aktionismus, dessen Richtung nicht ganz klar ist.

Ein anderes, grundsätzliches Problem, es klingt in meinem obigen Selbstzitat an ist, daß ich mir in letzter Zeit Gedanekn mache bezüglich des Zusammenhalts der Gesellschaft. Eine Gesellschaft, in der jeder nur seine eigenen Interessen umzusetzen sucht, wird über kurz oder lang auseinanderbrechen. Das wäre an sich noch kein Problem, wenn diese Bruchstellen nicht genau die Stellen wären, an denen später Konflikte auftreten können, die schnell auch mit gewalt ausgetragen werden können. Das ist mein Problem.

Mein alter Religionslehrer machte immer einen Unterschied zwischen der Pluralität und einem Pluralismus in der Gesellschaft. Pluralität ist demnach wichtig und richtig, denn die Einheitsgesellschaft, in der jeder das Gleiche zu wollen hat, was von oben als gut und richtig bestimmt wurde, ist eine Tyrannei, die Menschen sind unterschiedlich und sollen es auch sein dürfen. Ein Problem wird es, wo die Pluralität sich zum Pluralismus wandelt, wo die Diversität der Gesellschaft sich „radikalisiert“, wo jeder radikal für das selbst als richtig angesehene Ideal eintritt und keiner mehr in der Lage ist, auf den anderen zuzugehen und mit ihm nach einem Modus zu suchen, unter dem beide zusammenleben können.

Ich weiß nicht, war es die letzte oder die vorletzte US Präsidentenwahl, da wurde in der Berichterstattung davon gesprochen, daß die jeweiligen Parteien vor allem danach streben, ihre Anhänger zum Wahlgang zu motivieren: Wer mehr seiner Anhänger dazu bringt, den Arsch zu heben und ihre Stimme abzugeben, der würde gewinnen. Überzeugung schien gar keine Rolle zu spielen. In der Zeit danach bekam ich den Eindruck, daß es auch bei uns nicht anders ist.

Was ist das für eine Vorstellung von Demokratie!

Da hofft der Kandidat der einen Partei, daß die Anhänger des anderen Kandidaten nicht in so hoher Zahl wählen gehen, damit er selbst gewinnt. Er hofft also, man lasse sich das auf der Zunge zergehen, daß die demokratische Willensäußerung in gewissen Kreisen nicht stattfindet! Er hofft quasi auf ein Versagen des demokratischen Priinzips zu seinen Gunsten. Und der (oder sein Kontrahent der ähnlich denkt) soll dann als demokratisch gewählter Präsident fungieren! Was für ein Hohn!

Übrigens: Mir wurde das nur bei der Berichterstattung über die US Wahlen bewußt, ich denke nicht, daß unsere Politiker vor solchen Gedanken gefeit sind.

Mein Aufruf wäre also: Radikalisiert Euch nicht! Geht erst einmal auf die anderen zu, versucht, sie zu verstehen, ihre Ängste und Hoffnungen, die sie antreiben. Das mag zuerst verstörend sein, wir haben uns weit voneinander entfernt. Es wird nicht leicht sein, wenn Autonome und Neonazis das Gespräch miteinander suchen, und im gegenseitigen Austausch wird auch mancher vielleicht seine bisherige Position verlassen oderrelativieren müssen, weil er mit neuen Lebenserfahrungen konfrontiert wird, die er mit seinem bisherigen Weltbild nicht einsortiert bekommt.

Deshalb würde ich Ravenbird durchaus zustimmen, wenn er schreibt:

Es geht um Zusammenhalt, um Solidarität. Es geht darum den Teufelskreis unseres Systems, aber auch jenen des Kapitalismus zu durchbrechen!

Wobei, ich denke das Problem liegt tiefer als der Kapitalismus, daß man mit Andersdenkenden nicht (mehr?) redet. Trotzdem ist dies ein Teufelskreis: Man redet übereinander und sucht im jeweils anderen das Problem zu erkennen für die bisherige Misere. Ob die Sündenböcke dabei die Bänker, Nazis, Linken, Gutmenschen, Muslime oder Juden sind (hab ich wen vergessen) spielt an sich keine Rolle, denn keiner geht auf die anderen zu und versucht rauszufinden, wieso die so sind wie man meint daß sie sind (vielleicht sind die ja ganz anders).

Es ist gut, wenn jemand klare Überzeugungen hat und sich dazu bekennt und für sie einsteht. Aber wenn es darum geht

jenen die derzeit im Sattel sitzen und Teil des Systems sind zu zeigen, dass sie und ihr Platz alles andere als sicher sind!

dann frage ich mich was dabei rauskommen soll als einfach nur Rache für begangene Fehler und Austausch der bisherigen Führung durch eine dem Aufrufer genehmere. Die wird von anderer Seite auch wieder kritisiert werden, und so geht der Konflikt weiter.

Durchbrechen wir das! Machen wir mal was anders! Suchen wir das Gespräch miteinander und den Konsens, statt uns im Konflikt zu zerreiben und noch mehr Not und Leid zu produzieren, als wir eh schon haben!

Commenting Media

Kindergarten, Kirche, Geld

In Esslingen überlegt die Kirche, Kindergärten an die Stadt abzugeben. Das ist natürlich ein tolles Thema für die Krakeeleatheisten vom Atheist Media Blog. Natürlich wird wieder nur ein Medienprodukt zitiert, die Einschätzung des Ganzen überläßt man dem Kommentarbereich.

Nun hab ich aufgrund der im verlinkten Artikel gefundenen Angaben (und weiteren im Netz recherchierten Angaben) dort auch mal wieder nen Kommentar geschrieben, den ich hier zitieren will, weil dort wahrscheinlich eh keine zivilisierte Diskussion dazu möglich ist. Außerdem lesen hier eher Leute mit (hoffe ich zumindest), die vielleicht klären können, wieso die Beispielrechnung nicht paßt (falls ich mich nicht verrechnet habe), zumal das Thema Geld und Kirche ja grad beim Blog der Pfälzer Kirche dran war (und in den Kommentaren auch ein Betrag genannt wurde, den die Kirche allein pro Kindergartengruppe zahlt, der deutlich über dem liegt, was aus dem Artikel zu Esslingen hervorgeht). Also, wenn jemand etwas Erhellendes beitragen kann, her damit. Und hier kommt die Kopie des Kommentars:

17.000€ sind nichts nichts. Oder hast Du so viel, daß das für Dich in den Bereich der Peanuts fällt? Was hier eingespart wird, sind ja lediglich diejenigen Kindergartenplätze, die über den evangelischen Bedarf mitbetrieben werden. Das heißt die Kirche hat hier nicht nur den Staat, sondern auch die Nichtlandeskirchler unterstützt, indem sie aus eigener Tasche Kindergartenplätze mitfinanziert hat, die für ihre Mitgleider nicht benötigt wurden. Das soll jetzt zurückgefahren werden. Was nicht zurückgefahren wird sind die 17.000€ für die eigenen Kinder, die ohne die Kirche die Allgemeinheit allein zahlen müßte, also der Staat.
Und die 17.000 € sind nur die Zuschüsse aus dem Landeskirchenamt. Ob darüber hinaus die Gemeinde oder der Kirchenkreis Gelder aufbringt, steht da nicht.
Wenn die 17.000 das Geld für 20 Gruppen im Jahr sind und der Staat 91% (wie im Artikel angegeben) davon trägt und die 17.000 die restlichen 9% sind, dann kostet eine Gruppe pro Jahr 9444,44€ (oder hab ich mich verrechnet?).
Wenn ich jetzt pro Erzieher die 1200€ brutto im Monat nehme, die hier als Einstiegsgehalt für Erzieher genommen wird, dann sind das bei einem Erzieher pro Gruppe im Jahr alleine schon 14.400 Euro pro Gruppe! Und das beim niedrigsten angegebenen Einsteigsgehalt, nur einem Erzieher pro Gruppe (der dann weder Urlaub hat noch krank werden darf). Und davon sind dann noch keine Heizkosten, keine Bastelunterlagen, rein gar nichts bezahlt. Außer dem Erziehergehalt. Und der Arbeitgeberteil der Sozialversicherung ist da auch noch nicht drauf.
Wenn man sich jetzt die Entgeltordnung der Stadt Esslingen ansieht (hier), dann sieht man, daß für die Eltern im ungünstigsten Fall nochmal 146€ pro Kind im Monat anfallen (ab 2014, aber nehmen wir ruhig die Zahlen).
Wenn wir uns jetzt den Betreuungsschlüssel für Kindergärten im Land Baden Württemberg ansehen (hier) dann steht da beim Landkreis Esslingen für Kinder von 2 bis 8 Jahren 8 Kinder pro Betreuer. Nehmen wir also an, wir haben eine Gruppe, die nur einen Betreuer hat und aus lauter 2 jährigen Kindern besteht und deshalb in die Gruppe von 8 Kindern pro Betreuer fällt, bei den Preisen von nächstem Jahr, und nehmen wir ruhig 10 Kinder pro Gruppe an, weil die Kirche ja angeblich ihre Mitarbeiter so ausbeutet etc, dann kommen nochmal 1460 € zu den Gruppenkosten von 9444,44€ dazu, macht 10.904,44€, die pro Gruppe und Jahr zur Verfügug stehen. Da sind wir immer noch nicht beim Jahresgehalt der Erzieherin für diese Gruppe!

Dazu bräuchte man dann schon 34 Kinder für die eine Betreuerin (und dann wär immer noch nichts bezahlt außer die Betreuerin, die allein mit 34 Kindern wäre, keinen Urlaub hätte, nie krank würde, und auch schwarz arbeiten müßte, weil die Sozialleistungen der Arbeitgeberseite fehlen auch).

Wollte man von 8 Kindern ausgehen in der Gruppe, und den Lohn der Erzieherin anpassen, dann müßte man auf 884,37€ pro Monat runter. Und wie gesagt, inklusive aller Kosten, nicht nur dem Lohn, der am Ende für die Erzieherin rausspringt. Und es wären immer noch keine Bastelunterlagen, keine Spielsachen, kein gar nix bezahlt, nur die Erzieherin der Gruppe (ja nicht mal die Gebäudekosten: Heizung, Strom, Wartung…). Und diese hätte weder Urlaub noch könnte sie krank werden.

Falls ich da jetzt keinen Rechenfehler drin hab, was immer passieren kann (aber Ihr werdet mich drauf stoßen), dann erscheint mir das Ganze doch sehr unrealistisch (auch wenn man der Kirche große Bösartigkeit vorwirft, wie Ihr es gerne tut). Ergo gehe ich davon aus, daß die Zahlen entweder nicht stimmen oder zumindest irgendwelche Zahlungen nicht genannt wurden.

Nichtsdestoweniger fließen jährlich 17.000 € von der Kirche an eine Aufgabe, die normal dem Staat obliegt. Um diesen Betrag mindestens entlastet die Kirche den Staat tatsächlich!

Commenting Media, English

No good plan starts with magic sperm

I commented on another video by darkmatter2525 yesterday (which lead to some discussion on diapsora*), and if you checked the source page where I found it, you’ve seen that there’s also another one. This one.

Somehow I even like this one. It does a fair bit of critizising satisfaction theory, which I do not consider correct myself either. It might not be doing the satisfaction theory justice, but it points out some good points that speak against it.

The most important question might be, why an omnipotent God cannot forgive.

Ad this is my major problem with satisfaction theory, too. Why does God have to see blood in order to forgive? Standard answers go like God was too holy to forgive, His glory would be affected, or His justice. People tend to cling to that satisfaction theory as if it was the good news. But what is so good about a God that has to sacrifice His own son in order to be able to forgive us?

Actually, it’s even unbiblical. Which is why it baffles me that biblicist Christians still cling to it, though they usually also cling to the letter of scripture. God does forgive oftentimes. Also throughout the Old Testament, without Jesus even being born by Mary. Biblicists claim that God was only able to do so because Jesus was crucified later.

Of course darkmatter2525 presumes that all Christians would follow satisfaction theory. We don’t. And this is why his critizism of it might be nice, but I still would like to see that there is the alternative as well. Any of the alternatives. Let me tell you about the one I consider the most probable:

The first question I’d like to address is: Who was reconciled with whom? Was it God who was angry and needed to be reconciled with us, or were we angry at God and needed to be reconciled? While satisfaction theory says God needed reconciliation, I do believe that God was all fine, loving us and all, while we were the ones full of hate for God and whom not.

The cross was there to reconcile us with God. We needed to be changed. So the death of Jesus wasn’t God’s fault, He didn’t need Him to die. We needed it, we wanted it. And we would do it again.

Imagine some person coming down to earth and telling us in the face what we did wrong, without even hating us, just telling us. We’d be angry. Imagine someone who would make you realize how many people had to suffer for your sneakers, your clothes, your food. How your way of living destroys lives somewhere else, destroys nature. How your bank account and the interest you get leads to other people losing their jobs, homes, maybe make them starve? You’d hate the person who reminds you of that. You’d call him names, and you’d seek a chance to pay him back. And you’d use that chance, if it came up. And after a while he’d be killed, for whatever reason. Main thing, he’s out of the way and we can go on living the way we do.

So God doesn’t want Him to die. We do. And we did when Jesus was around. Jesus was God, fully, completely. You can hardly differ between the two. So anything Jesus had to suffer, God suffered. It was God there on the cross, it was God who died. We wanted Him to die, we want to be our own Gods. We want to run the world.

We needed reconciliation, and He was willing to give it to us. But how can you reconciliate a horde of haters?

Love prevails!

If someone keeps striking you, how can you overcome him, without doing him harm? You wouldn’t want to harm someone you love. God loves us.

So He endured all we did to Him, He endured even death. And rose again.

So now there are two possibilities. Either you hate that God that just won’t die and be dead so you can be God instead, or you see that this God is really God, almighty and worthy to be praised eternally.

Why would anyone of us want to be God in the first place? Because we want the power t ourselves, to care for ourselves, because we fear if we are not in control, whoever is in control could turn against us and harm us. We fear to be harmed, so we try to take over control.

When you see that there is someone who even overcomes death, who promises love and lives it (sic! why else would an all powerful being endure all that pain, crucifiction and death if it wasn’t for te love?), you have no more reason to fear. So you have no more reason to try to take over control, because you see control is in good hands, in God’s hands. And you have no more reason to hate anybody. Instead, you grow strong. You grow strong enough to endure. If you can endure, you can also love. And all through the faith in God, the faith in His crucifiction and resurrection.

If you don’t see that is was really God who died and rose there, if you miss that faith, you must hate Him even more, you have to deny Him to cling to that target of yours, to be the one in control yourself, to get rid of fear not through the power of Gd, but through your own power. Anyone who claims you wouldn’t be able to make it must be an opponent, who is trying to hinder you from getting rid of your fears by gaining power. What others cal the good news is rather disturbing. People not following the rules of gaining power, of „taking their lives in their own hands“, that’s just not predictable. You don’t kow what they are up to next and how they’d harm your attempt to gain more power.

All would be so easy, if you’d rather cling to love. But it seems to me, that people cannot be made to seeing what happend in the crucifiction and resurrection. God needs to show it to them individually. And He goes by His own timetable. So we have to be patient and wait. And keep on loving in the meantime, because by love we overcome the world.