Anthropologie

Wie lautet die Alternative?

Sowas in der Art findet man ja öfter im Netz. Und ich will jetzt einmal ganz einfach die Atheisten unter Euch fragen: Wie lauten denn Eure ganz persönlichen Alternativen? Was tut Ihr in den Fällen, wo Christen beten? Also bei Tsunamis, Hungersnöten und Kernschmelzen? Mich interessiert jetzt nicht, was der Papst müsste, was die Regierung könnte oder dergleichen, sondern wie Ihr auf schreckliche Nachrichten reagiert. Und bei den Christen würde mich interessieren, wieso sie in solchen Situationen beten, auf dass wir alle den Anderen ein Stückchen besser verstehen lernen.

Anthropologie

Abtreibung

Bei Antje Schrupp hab ich einen Artikel gelesen, der sich mit Giublini und Minervas Gedanken zur Kindstötung gelesen.

Sie kritisiert darin die Anschauung, daß es bei einer Abtreibung um eine Abwägung der Interessen von Mutter oder Eltern und Kind gegeneinander handelt. Bei einer solchen Abwägung, so Antje, könne man recht wenig gegen die Tötung Frischgeborener einwenden.

Man solle die Abtreibung nicht als ein Verhältnis zwischen Eltern/Mutter und Kind, sondern als ein Verhältnis der Mutter zu sich selbst und ihrem Körper verstehen. Das ungeborene Kind sei ein Teil des Körpers der Mutter, die darüber auch entscheiden könne. Dies gelte beim geborenen Kind nicht mehr, was die Argumentation von Giublini und Minerva aushebeln würde.

Ich stimme da zu: Giublini und Minerva sind asgehebelt. Aber ich habe Bedenken dabei, das Kind als Anhängsel der Mutter zu verstehen. Gerade aus den Erfahrungen der Frauenbewegung heraus (Antje bezieht sich auf den Feminismus) denke ich, daß das Denken des einen als ein „Anhängsel“ oder „Teil“ des anderen zu betrachten, kritisch gesehen werden sollte.

Da die Frau als Anhängsel des Mannes begriffen wurde, wollte man ihr keine gleichen Recht zukommen lassen. Statt dessen hatte der Mann früher weitreichende Bestimmungsrechte über das Leben der Frau. Freilich handelte es sich da um eine gesellschaftlich festgelegte Sache. Wir können heute auch gut leben, ohne die Frau als Anhängsel des Mannes zu betrachten.

Ungeborene Kinder sind allerdings tatsächlich im Körper der Frau. Das ist gesellschaftlich nicht zu ändern. Doch rechtfertigt das, nur die Interessen der Frau zu Wort kommen zu lassen?

Zu bekräftigen, dass diese Entscheidung letzten Endes von der schwangeren Frau getroffen werden muss und nicht von externen „Experten“, bedeutet nicht, das „Recht auf Abtreibung“ zu fordern. Es bedeutet nur, die Beurteilung des ethisch und moralisch schwierigen Themas bei derjenigen zu belassen, die es betrifft, weil es um ihren Körper geht.

Gerade weil es sich um ein moralisches Dilemma handelt, kann sich die Gesellschaft in einem solchen Fall nicht anmaßen, der schwangeren Frau vorzuschreiben, was sie zu tun hat.

Die Entscheidung soll nach Antje Schrupp bei der Frau liegen, und nur bei ihr, und zwar weil es sie betrifft. Die durchgesetzten Frauenrechte betrafen auch die Familienväter und Ehemänner. Die Frauen waren nun nicht mehr Verfügungsmasse für politische oder wirtschaftliche Interessen. Wir sind uns einig, daß die Interessen der Frauen um einiges mehr wogen als die Interessen ihrer Väter und Ehemänner. Aber betroffen waren diese durchaus auch.

Aber es fällt mir noch etwas ganz anderes auf: Antje schreibt von einem moralischen Dilemma und betont ach, daß es sich keineswegs um eine leichte Entscheidung handelt, wenn man sich für die Abtreibung entscheidet. Aber zeigt das nicht, daß es doch nicht nur um den eigenen Körper der Frau geht? Ginge es lediglich um den Körper der Frau, dann dürfte die Entscheidung doch ähnlich gelagert sein wie ein anderer Eingriff, meinetwegen eine Blinddarmoperation.

Selbst emotional schwer afgeladene Entscheidungen, wie wenn es zu Amputationen kommen muß mögen schwer sein, und schmerzhaft, aber es sind keine moralischen Dilemmata.

Die Frauenrechte konnten nur von Frauen erkämpft werden, weil nur sie für sich selbst sprechen konnten. Männer konnten dabei lediglich die Gedanken nachvollziehen, und sich eine Meinung dazu bilden, selbst für sie sprechen konnten sie nicht.

Und so habe ach ich hier ein Problem. Die Embryonen müßten für sich selbst sprechen können, was ihnen nicht gegeben ist, wir können nur mutmaßen und uns eine Meinung bilden.

Es ist tatsächlich ein Problem, daß die Embryonen in den Körpern der Frauen heranwachsen müssen. Sie tun dies, ohne die Frauen zu fragen, und bestimmen deren Leben nachhaltig. Sie schränken die Freiheit der Frauen enorm ein.

Allerdings hatten die Embryonen auch keine Wahl. Sie entstanden einfach. Das liegt in der Natur der Sache. Die Natur ist auch schuld daran, daß die Frauen diejenigen sind, die in ihrer Freiheit eingeschränkt werden, und die Männer sich davonmachen können.

Bleibt die Frage, wie man gesellschaftlich damit umgeht. Gesellschaftlich ist es so, daß die Männer zu Unterhaltszahlungen für das Kind gezwungen werden. Die Gesellschaft verlangt also hier von den Männern, Verantwortung zu übernehmen. Insofern wäre es nicht ganz von der Hand zu weisen, wenn auch den Frauen eine Verantwortung übertragen wird. Nun ist es aber so, daß die Frauen im Zweifel immer alleine stehen. Wenn die Gesellschaft den Mann nicht zur Zahlung bringen kann, steht die Frau alleine da. Wenn der Vater unbekannt ist erst recht.

Es ist in der Tat ein Dilemma, und ich verstehe jede Frau, die da Panik kriegt. Trotzdem halte ich es für die bessere Lösung, wenn das Kind geboren wird, wenn die Frau von ihrer Freiheit absieht und Verantwortng übernimmt. Genauso (nein, eigentlich mehr) halte ich es für die bessere Lösung, wenn der Mann Verantwortung übernimmt und sich um das Kind kümmert, und nicht irgendwelche Tricks anwendet, um die Unterhaltszahlung zu umgehen und Ähnliches. Und auch von der Gesellschaft sollte man erwarten können, Verantwortung zu übernehmen und ungewollt schwangere Frauen zu unterstützen.

Da die Gesellschaft aber nicht ideal ist, halte ich es für einen praktikablen Weg, in Anerkenntnis der problematischen Situation der Frauen, wenn sie im Falle einer Abtreibung nicht strafrechtlich belangt werden, so wie es im Moment der Fall ist.

Das muß dann nicht bedeuten, daß man Abtreibung als legitim ansieht. Der Meinung bin ich nicht, da der Embryo, der eigentlich die wenigste Schuld hat, der Leidtragende ist (auch wenn er noch kein Leid empfinden kann). Aber es ermöglicht denjenigen Frauen, die alleine und ohne Unterstützng dastehen, einen Ausweg. Aber nicht, weil es sich um ihren Körper handelt. Sondern weil die Gesellschaft, wenn sie schon die Frau nicht dahingehend unterstützt, daß sie das Kind bekommt, wenigstens so viel Verantwortng übernehmen sollte, die Frau nach einer Abtreibung nicht für eine Sache zu kriminalisieren, die die Gesellschaft durch ihre unterlassene Hilfestellung herbeigeführt hat.

Anthropologie, Gesellschaft

Godwin’s Law

Vor Urzeiten, kurz nachdem die Menschen aufgehört haben in Höhlen zu leben, als sie noch über das Usenet kommunizierten, stellte ein gewisser Mike Godwin eine Regel auf:

Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit Hitler oder den Nazis dem Wert Eins an.

Mit anderen Worten: Irgendwann bringt irgendwer einen Nazivergleich. Irgendwann kommt einer mit der Nazikeule. Die gegnerische Ansicht wird mit Hitler und den Nazis verglichen, also mit dem ultimativ Bösen, damit ist die Diskussion zu Ende. Das Finale „Argument“ ist: Was Du denkst/sagst/vertrittst ist BÖSE!!!“

Das ist natürlich kein Argument. Man ist also quasi am Ende der Argumentationskette angelangt, meist erklären sich die mit den Nazis Verglichenen mit einem gewissen Recht als Gewinner der Diskussion.

Doch oftmals habe ich mich über diese Regel ach schon geärgert. Sie funktioniert ja nur unter einer bestimmten Prämisse, nämlich daß Hitler und die Nazis wirklich das ultimativ Böse sind bzw. waren. Nur wenn man dies annimmt, sind Vergleiche mit ihnen prinzipiell nicht möglich. Aber ist es denn so?

Manchmal scheint es mir, der Begriff „Hitler“ habe in unserer modernen Welt den „Teufel“ vollkommen abgelöst. An den Teufel glaubt keiner mehr, es hat auch niemand mehr Angst vor ihm (außer vielleicht die Zeugen Jehovas). Bei Hitler ist das anders, und ach vor den Nazis haben nicht nur die hier lebenden Ausländer Angst, sondern auch andere. Die Nazis sind (nicht zu Unrecht) Feindbild (fast) der ganzen Gesellschaft. Hört man manchem zu, dann handelt es sich bei ihnen gar nicht mehr um richtige Menschen.

Da krieg ich dann aber so nen Reflex, der mich an die antisemitische Propaganda des Dritten Reichs erinnert.

Noch ein Nazi-Vergleich! Ist meine Aussage deshalb falsch? Ich meine nein. Und ich meine auch, daß das Problem bei der Prämisse liegt: Nazis, und ach Hitler selbst, waren nicht irendwelche Ausgeburten der Hölle, die mit „normalen“ Menschen nichts zu tun gehabt hätten, sondern Menschen wir wir. Und trotzdem (oder gerade deshalb?) waren sie zu den unglaublichsten Verbrechen fähig.

Und gerade weil sie daz fähig waren, und gerade weil sie Menschen wie wir waren, sollten wir uns hüten, ihnen das Menschsein abzusprechen und so zu tun, als ob wir zu Völkermorden gar nicht in der Lage wären. Wir sind es. Der Christ spricht hier von Sündhaftigkeit, und die Passionszeit, in der wir uns gerade befinden ist der passende Zeitpunkt, uns das ins Gedächtnis zu rufen.

Tun wir dies, dann merken wir vielleicht, daß Godwins Gesetz zu kurz greift. Ich meine, es ist falsch, Diskussionen an diesem Punkt abzubrechen. Denn wenn heute Dinge passieren, wo auch immer auf der Welt, die ähnliche Muster erkennen lassen zu dem, was ab 1933 geschah, dann wäre es gut, wenn eine Benennung des Sachverhaltes nicht wegen einer Usenet-Regel vom Tisch gewischt, sondern reflektiert würde.

Godwin hat später einmal einen Artikel geschrieben, in dem er die Entstehung seines Gesetzes beschreibt:

In discussions about guns and the Second Amendment, for example, gun-control advocates are periodically reminded that Hitler banned personal weapons. And birth-control debates are frequently marked by pro-lifers‘ insistence that abortionists are engaging in mass murder, worse than that of Nazi death camps. And in any newsgroup in which censorship is discussed, someone inevitably raises the specter of Nazi book-burning.

But the Nazi-comparison meme popped up elsewhere as well – in general discussions of law in misc.legal, for example, or in the EFF conference on the Well. Stone libertarians were ready to label any government regulation as incipient Nazism. And, invariably, the comparisons trivialized the horror of the Holocaust and the social pathology of the Nazis. It was a trivialization I found both illogical (Michael Dukakis as a Nazi? Please!) and offensive (the millions of concentration-camp victims did not die to give some net.blowhard a handy trope).

So, I set out to conduct an experiment – to build a counter-meme designed to make discussion participants see how they are acting as vectors to a particularly silly and offensive meme…and perhaps to curtail the glib Nazi comparisons.

I developed Godwin’s Law of Nazi Analogies: As an online discussion grows longer, the probability of a comparison involving Nazis or Hitler approaches one.

Es ging ihm also darum, die Trivialisierung des Dritten Reiches anzgreifen. Das ist die andere Gefahr, neben der Entmenschlichung Hitlers und seiner Schergen. Indem man überall gleich „Nazi“ schreit, inflationär mit dem Begriff umgeht, sorgt man, wie bei einer richtigen Inflation auch, für eine Entwertung. Und Aushölung. Wenn beides zusammenkommt, also Entwertung und gleichzeitige Entmenschlichung, und das tut es, dann hat man am Ende weder einen Begriff davon, was Hitler und die Nazis getan haben, noch zieht man irgendwie in Erwägung, daß die Gefahr besteht, daß so etwas wieder passieren könnte.

Doch kann es immer wieder passieren. Kriege gab es immer, Tyranneien gab es immer, Völkermorde gab es immer. Und ach wenn es immer wieder passiert, es ist nicht trivial, es ist in jedem Fall ein unsägliches Leid, das da über die Menschen gebracht wird.

In der Folge bedeutet das für mich: Wir müssen Nazivergleiche anstellen, wo dies angebracht ist, und wir müssen sie kritisieren, wo eine Trivialisierung stattfindet.

Am Ende seines Artikels überlegt Godwin, ob man eine moralische Pflicht habe, ein Gegenmem zu entwerfen, sobald man ein schädliches Mem bemerkt. Am Ende schreibt er davon, gute Meme zu schaffen, um schlechte Meme (wie die Nazikeule) auszutreiben (etwa mit Godwin’s Law).

Ich meine, das bringt nichts, da ein Mem nicht per se gut oder schlecht ist. So hat Godwins Gesetz, selbst aus guten Gründen geschaffen, das oben genannte Problem: es sind keine Nazivergleiche mehr möglich, auch nicht, wenn diese angebracht sein sollten.

So aufwendig (und letztlich wohl auch unerfolgreich) es auch ist, es wird wohl kein Weg drumrum führen, sich in jedem Fall mit dem Gesprächspartner auseinanderzusetzen und ihm zu erleutern, warum der Nazivergleich nicht passt, vom Thema wegführt oder sonst verkehrt ist.

Wirklich Überzeugen gibt’s nicht für lau.

Anthropologie

Der Mensch und sein Handeln

Was tut man mit einem Vergewaltiger? Was tut man mit einem, der Kinder vergewaltigt hat? Was tut man mit einem Mörder? Mit einem Räuber, Dieb, Drogendealer, Betrüger…?

Einsprerren. Und dann? Rehabilitation. Irgendwie in die Gesellschaft wieder eingliedern. Wenn es geht. Geht das bei dem, der Kinder sexuell mißbraucht und ermordet hat? Welche Gesellschaft sollte den noch eingliedern wollen?

Mit Verbrechern wollen wir nichts zu tun haben. Je schwerer die Straftat, desto mehr hat sich der Täter zeitlebens marginalisiert.

Es mag nun einer sagen: Recht so! Hätt er sich vorher überlegen können. Ja, hätte. Ideal hätte er gar nicht überlegen müssen, sondern von vorne herein eingesehen, daß seine geplante Tat ein Verbrechen und moralisch verwerflich ist. Hat er aber wohl nicht. Und jetzt?

Jetzt haben wir das Problem. Die Gesellschaft. Wir sollen dieses Monster wieder integrieren, ihm eine Chance geben, wieder Tritt zu fassen. Geht’s noch?

Wie kämen wir dazu? Ich meine im Ernst: Wie kämen wir dazu, jemanden, der Kinder mißbraucht hat, in die Gesellschaft wieder aufzunehmen? Ihm eine Chance zuzugestehen, sein Leben in den Griff zu kriegen? Wieso sollten wir ihm einen Job in unserem Betrieb geben. Arbeitslose gibt es genug, unbescholtene Arbeitslose, die ihre Arbeit genauso gut machen oder besser. Und bei denen die Chance geringer ist, daß man einen Verbrecher unterstützt. Ich meine, was, wenn er es wieder tut?

Durch Verbrechen werden Beziehungen zerstört, je schlimmer das Verbrechen, desto schlimmer die Zerstörung im Beziehungsgeflecht. Ein enttarnter Täter steht am Ende immer recht alleine da. Er ist darauf angewiesen, daß diese Beziehungen wiederhergestellt werden. Ein Mensch kann ohne Beziehungen nicht leben. Denn Beziehungen geben Halt und bieten Hilfe, wenn man in Probleme gerät.

Jemand kommt aus dem Knast. Kontakt zu den Freunden abgerissen. Niemand will etwas mit ihm zu tun haben. Familie? Die haben sich auch lange nicht gemeldet. Job? Na der Chef wird wissen wollen, was er die letzten Jahre so gemacht hat.

Allein.

Selbst schuld! Hättest Du…! Wichser, verpiß Dich!

Schmerz.

So einen wie Dich…! Sieh doch selbst…! Nee, Freundchen…!

Schmerz!

Wir haben keine freien Stellen. Wann überweisen Sie die Miete? Fernseher kaputt.

Allein. SCHMERZ. ALLEIN. SCHMERZ!

Alles scheiße. Alles egal. Alles scheiße! Alles egal!

ALLES SCHEISSEGAL!

Denen werd ich’s zeigen!

… und am Ende klicken die Handschellen. Opfer? Ja. Bevor die Polizei ihn fängt, vergewaltigt er 3 Jungs und 2 Mädels, erschlägt einen Vater um zu entkommen.

In der Zelle erhängt er sich.

Wär vielleicht ehrlicher gewesen, ihn gleich zu erschießen. Und besser für die neen Opfer allemal.

Aber das ist unmenschlich! Todesstrafe ist unmenschlich! Daran gibt es nichts zu rütteln.

Was also dann?

Es gibt eine wichtige Unterscheidung, die gemacht werden muß. Diese Unterscheidng ist die Grundlage für alles barmherzige Handeln. Es ist die Unterscheidung zwischen Person und Taten. Nur wenn ich den Täter nicht über seine Taten definiere, sondern auch den Menschen sehe, unabhängig von den Taten (die ich weder ausblenden muß noch soll), ist neue Beziehung möglich, kann ich mitwirken, ihn zu reintegrieren. Wo dies unterbleibt, bleiben Beziehungen ewig geschädigt.

Wo Beziehungen ewig geschädigt bleiben, es also keine Regeneration gibt, aber immer die Möglichkeit, Beziehungen noch mehr z schädigen, fällt die Gesellschaft auseinander, fallen unsere Leben auseinander.

Das gilt nicht nur für Mörder und Vergewaltiger. Es gilt bei allen Taten. Verletzende Taten, egal welcher Art, zerstören Beziehungen. Sieht man nicht darüber hinweg nd dahinter den Menschen, bleiben sie gestört.

So können nur perfekte Menschen auf Dauer Beziehungen führen. Und perfekt ist keiner. Ohne Barmherzigkeit zerbricht die Gesellschaft, geht über kurz oder lang alles zu Grunde. Ohne Vergebung vereinsamen wir. Und vergeben geht nur, wo wir den Menschen sehen.

Und nicht die Tat.

Anthropologie

Patriarchat und Freiheit

Durch meine Beschäftigung mit Adolf Stoecker im Zusammenhang mit meiner Examensarbeit sind mir ein paar Gedanken zur patriarchal strukturierten Gesellschaft gekommen, die ich hier zusammenfassen möchte.

Heute wird unter Freiheit weitestgehend verstanden, daß jeder sein eigenen Herr ist und sich um seine eigenen Angelegenheiten selbst in Freiheit kümmert. Dies impliziert, daß jeder auch die Pflicht hat, dieses zu tun. Wer dies nicht leisten kann, hat ein Problem. Er entspricht nicht dem Ideal, und soll möglichst per Bildung in den Stand versetzt werden, bald doch Verantwortung für sich selbst übernehmen zu können (in diesem Zusammenhang würde mich interessieren, ob der Vorwurf, dumm zu sein, in einer vormodernen Gesellschaft überhaupt möglich ist, falls nicht eine gewisse Schläue gefordert wird).

Früher waren die meisten Menschen nicht ihre eigenen Herren. Sie hatten Herren, welchen sie zu dienen hatten, und die dann auch im Idealfall die Verantwortung für ihre Untertanen zu übernehmen hatten. War ein Untertan dmm, so war dies nicht sein Problem, sondern das Problem seines Herren.

Freilich kam es damals zu massig Mißbrauch seitens der Herren. Sie nutzten ihre Stellung as, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen, und übernahmen ihre Verantwortung gerade nicht. Dies führte dazu, daß die Dummheit eines UNtertanen doch wieder z seinem eigenen Problem wurde (ich weiß nicht, woher das kommt, aber ich fühle mich hier ein wenig an die Prinzipien des Umgangs mit der Bankenkrise erinnert: Gewinne privatisieren, Verluste vergesellschaften – aber das führt zu einem anderen Thema).

Im Idealfall war jedoch für die „Dummen“ genau so gesorgt wie für die „Gescheiten“. Idealfall heißt hier: Der zuständige „Herr“ wird seiner Verantwortung gerecht.

Heute ist es vielmehr so, daß die „Dummen“ viel eher die Gelackmeierten sind, weil keiner mehr für sie verantwortlich ist, da jeder die Verantwortung für sich selbst übernimmt. nd falls es doch dazu kommt, daß jemand für andere Verantwortung übernimmt, so kommt es oft zu richtigen Entmündigungen. Dann hat der „Dumme“ gar nichts mehr zu melden – selbst wenn er noch mitreden könnte. Dies brigt natürlich wieder die Gefahr des Mißbrauchs.

Man kann also sagen, daß das heutige System davon ausgeht, daß jeder für sich Verantwortung übernehmen kann – was faktisch nicht stimmt (sonst hätten weder Steuerberater noch Anwälte eine Arbeit), während das patriarchalisch verfasste System davon ausgeht, daß ein „Herr“ seiner Verantwortung gerecht wird – was faktisch ebenso wenig stimmt.

Der Vorteil des heutigen Systems scheint mir vor allem darin zu liegen, daß es keinen Mißbrauch mehr gibt. Ohne Herren kann auch kein Herr seinen Untergebenen ausnutzen.

Der Vorteil des damaligen Systems scheint mir darin zu liegen, daß durch die engere Struktur eine größere Verläßlichkeit in den alltäglichen Dingen erzwungen wurde.Statt der Haftpflichtversicherng hat der jeweilige Herr dafür gesorgt, daß seine Untertanen nicht übervorteilt werden – wenn der Herr seiner Verantwortung gerecht wurde. Aber es soll ja auch schlechte Versicherungen geben.

Jedenfalls scheint mir der Vorteil des alten Systems in der Stabilisierung der Gesellschaft gelegen zu haben. Diese Stabilität war hoch erkauft – mit der Freiheit der Menschen. Jedoch kann eine solche Stabilität auch Freiheiten ermöglichen.

So haben Beamte weniger Freiheiten als Angestellte. Sie dürfen etwa nicht streiken. Allerdings sind ihre Arbeitsverhältnisse auch um einiges stabiler als die normaler Angestellter und Arbeiter. Dadurch haben sie auch größere Freiheiten, weil sie sich bedeutend weniger Sorgen um das Einkommen machen müssen, als andere. Trotz der geringeren Freiheiten waren und sind solche Jobs bei Vater Staat recht beliebt.

Nun ist es ja so, daß wir kein rein liberales System haben, also viele meiner Assagen über das heutige System so gar nicht stimmen. (Und wenn ich die letzten Wahl- und Umfrageergebnisse der FDP so sehe, scheint es in dieser Form auch niemand zu wollen.)

In der Tat versuchen wir in Deutschland ja den Spagat: Einerseits jedem die gleiche Freiheit geben, andererseits für diejenigen Verantwortung übernehmen, die nicht (oder zur Zeit gerade nicht) Verantwortung für sich selbst übernehmen können. Daher haben wir die Sozialsysteme. Wollte man es in der Terminologie des alten Systems beschreiben, ist die Gesellschaft der „Herr“ (nicht umsonst spricht man ja von Volkssouveränität), während diejenigen, die nicht auf eigenen Beinen stehen können, gleichzeitig noch Untertanenstatus haben. Sie haben bestimmte Pflichten. Zwar gibt es keinen wirklichen Frondienst mehr, aber wer Hartz IV empfängt muß auch damit rechnen, im Zweifel zum Stadtpark-Rasen-mähen herangezogen zu werden. Und wenn man hört, was Hartz IV Empfänger so alles über sich ergehen lassen müssen, dann ist Rasenmähen wohl eher ein angenehmer Aspekt der Zwangsmaschinerie.

Als Gesellschaft sind wir wohl auch nur ein mittelprächtiger „Herr“ und übernehmen Verantwortung nur insoweit, als daß wir für unsere Untertanen nicht zu viel ausgeben müssen (das funktioniert übrigens nicht nur mit Hartz IV Empfängern, sondern auch mit Asylanten und anderen Gesellschaftsgruppen, die auf Hilfe angewiesen sind).

Deshalb brauchen wir heute, trotz Sozialsystemen, weiterhin Menschen, die Verantwortung für andere übernehmen. Erschwerend kommt hinzu, daß diese nicht wie früher die Herren aus ihrer Position Profit schlagen können. Das ist schon alleine für den Zusammenhalt in der Gesellschaft notwendig, der mir immer mehr zu schwinden scheint. Wo jeder nur für sich selbst sorgen soll und muß, bleibt der Blick auf den Nächsten oft verstellt.

Während früher diejenigen vom System bevorzugt wurden, die für andere Verantwortung übernehmen sollten werden heute diejenigen bevorzugt, die Verantwortung für sich selbst übernehmen können.

Ideal wäre wohl ein System, das diejenigen bevorzugt, die für andere Verantwortung tatsächlich übernehmen. Womöglich ist das gar nicht umsetzbar. Aber hier könnte der Grund für die Poplarität religiöser Tugenden wie der Nächstenliebe ohne Gegenleistung vergraben liegen…

Anthropologie

Suche nach Wahrheit

Wahrheit ist ein Begriff, der schwer mit Inhalt zu füllen ist. Wo früher Religionen Wahrheit vermittelten, scheinen es heute die Wissenschaften zu sein. Doch das ist ein Trugschluß. Wir haben die Wahrheit verloren.

Wahrheit bezeichnet eigentlich etwas Absolutes, auf das man sich stützen kann. Auf diese Art verstehen auch Religionen die von ihnen verkündigte Wahrheit. Etwa „Jesus ist für uns am Kreuz gestorben und nach drei Tagen auferstanden“.

Heute werden solche Aussagen oftmals abgelehnt. Ob Jesus am Kreuz starb, ist objektiv nicht mehr nachvollziehbar. Daß Er nach drei Tagen auferstanden ist, geradezu unglablich. Und daß das alles etwas mit uns – mit mir zu tun hätte: Eine krasse Grenzüberschreitung und Vereinnahmung meiner Person.

Objektiv – und darauf kommt es seit der Aufklärung an – ist das alles nicht haltbar.

Die alten Wahrheiten haben ausgesorgt. Doch was haben wir statt dessen? Gibt es eine neue Wahrheit? Hat die Aufklärung ein alternatives Wahrheitskonzept gebracht?

Ja und nein. Ja, wir haben heute etwas anderes, auf das wir uns stützen in unserem Denken und Tun. Es geht um das Objektive. Alle objektiven Aussagen sind derart beschaffen, daß wir uns so darauf stützen, wie wir uns früher auf religiöse Wahrheiten stützten.

Nein, wir haben nichts Absolutes mehr, auf das wir uns stützen könnten. Denn alle Aussagen, die auf objektivem Wege durch die Wissenschaftliche Methode erarbeitet werden, sind relativ. Sie gelten so lange, bis es bessere Theorien und Modelle gibt. Das Objektive ist nur insofern objektiv, als daß seine Subjektivität noch nicht nachgewiesen wurde.

Alles Objektive ist damit vorläufig, nichts steht fest, und das soll auch nicht so sein. Es wäre keine Weiterentwicklung mehr möglich, dürfte eine Sache nicht hinterfragt werden.

So leben wir in einem Zwiespalt: Einerseits sollen wir objektiv sein, andererseits können wir keine echte Objektivität zu Stande bringen, dann alles steht in der Gefahr, doch noch als subjektive Ansicht enttarnt zu werden.

Wenn wir ehrlich sind, rechnen wir auch damit, müssen wir damit rechnen.

Das Objektive an sich gibt es nicht, auch wenn man es immer sucht, wir können nur versuchen, ihm subjektiv näher zu kommen. Aber alle diese Schritte bleiben letztlich subjekitv, wie nahe wir dem Objektiven auch damit kommen.

Gleichzeitig aber ist der Weg, mit dem wir uns dem Objektiven nähern, die moderne wissenschaftliche Methode, recht un-menschlich. Es fördert zwar einerseits die intellektuelle Seite des Menschen, und ist damit auch ein Stück weit menschlich, blendet aber alles andere aus.

Das ist nicht per se schlecht, wir verdanken dieser Methode viele Fortschritte (wenn nicht gar die große Mehrheit der Fortschritte, die der Mensch erreicht hat).

Mit dem Erstarken streng naturwissenschaftlichen Denkens scheint in letzter Zeit jedoch auch dezidiert subjektive Formen der Wahrheitsfindung zu boomen. Man denke an Esoterik und AstroTV, aber ach schon die Begeisterung für sinnlichere Gottesdienstformen in den Großkirchen gehören hierher.

Was immer die objektive Wissenschaft an Ergebnissen bringt, der Mensch scheint damit nicht zufrieden zu sein. Es fehlen die subjektiven Anteile.

Es fehlt das, was die alte, überholte Wahrheit ausmachte: Die Sinngebung, das Absolte.

Diese absolte Wahrheit kann sich der Mensch nicht selbst schaffen. Entweder er geht den Weg des Objektiven, mit dem er nie zum Ziel kommen wird, nie zum Ziel kommen kann, sich immer nur annähert, oder er behauptet lediglich etwas und versucht dieses dann irgendwie zu halten, gegen jeden Fortschritt der „objektiven“ Forschung. Das führt dann in Zwangssysteme, die neue Erkenntnisse verfolgen.

Dennoch braucht der Mensch die absoute Wahrheit. Er muß sich auf etwas stützen können, er braucht einen Sinn im Leben, zur Orientierung. Doch diese Wahrheit kann der Mensch nur von außen bekommen, womit wir bei Gott wären, und mit Ihm wieder bei der religiösen Wahrheit.

Echte Wahrheit kann es nur hier geben: Im Glauben an Gott

Und so kommt es dann auch, daß der ganze notwendige Relativismus der Wissenschaften, die über Wahrscheinlichkeiten nicht hinauskommen können, nicht dazu führt, daß alles egal wäre, weil man eh nichts mit Sicherheit sagen könnte. In Gottes Offenbarung, wenn sie einen erreicht, hat man einen festen Punkt. So könnte man sagen, die Objektivität ist die Subjektivität Gottes.

Und die Erfahrung von der Offenbarung ist vermittelbar. Das führt dann zwar auch zu keinen wirklich objektiven und absolut wahren Aussagen, da diese ebenfalls lediglich Gott möglich sind, aber es reicht, um Gemeinschaften zu gründen, die auf intersubjektiven Überzeugungen berhen, wie eben, daß Gott Mensch wurde, für uns am Krez starb und nach drei Tagen vom Tode auferstand.

Das ist eine Wahrheit denen, die glauben. Alle Nichtgläubigen haben keine Wahrheit, die darüber hinaus gehen würde. Sie können aber mit dieser Wahrheit erreicht werden, so daß sie nach eigenen Offenbarungserfahrungen Teil der Gruppe werden können.

Und deshalb ist Mission wichtig: Gott kann sich den Menschen offenbaren. Aber wenn wir als Menschen dann nicht miteinander darüber sprechen, haben wir noch lange keine Gemeinschaft.

Anthropologie, Religion, Theologie

Die Sünde

Bei ner Diskussion auf nem atheistischen Blog kamen wir zum Begriff der Sünde. Ich wurde gebeten, dazu mal ausführlicher zu schreiben, was ich hier nun versuchen will.

Sünde – was ist das eigentlich?

In der Werbung hören wir immer mal wieder von Sünden wenn es um kalorienreichere Nahrung (=Süßigkeiten) geht und dergleichen, ansonsten kennt man die Sünden noch als moralische Verfehlungen, Dinge, die man nicht tut, für die man gesellschaftlich gemieden, marginalisiert wird. In dem Fall gehören Sünden in die Kategorie: „Sowas tut man nicht“…

Was sagte die Bibel?

Wieso eigentlich, bzw, ist das tatsächlich so? Biblisch gesehen, und der Begriff der Sünde kommt ja aus der biblischen Tradition, kann man so eher weniger argumentieren. Die Bibel lässt keinen Zweifel daran, daß alle Menschen Sünder sind (Röm 3, 9-18):

Was sagen wir denn nun? Haben wir Juden einen Vorzug? Gar keinen. Denn wir haben soeben bewiesen, dass alle, Juden wie Griechen, unter der Sünde sind, wie geschrieben steht: »Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer. Da ist keiner, der verständig ist; da ist keiner, der nach Gott fragt. Sie sind alle abgewichen und allesamt verdorben. Da ist keiner, der Gutes tut, auch nicht einer (Psalm 14,1-3). Ihr Rachen ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen betrügen sie (Psalm 5,10), Otterngift ist unter ihren Lippen (Psalm 140,4); ihr Mund ist voll Fluch und Bitterkeit (Psalm 10,7). Ihre Füße eilen, Blut zu vergießen; auf ihren Wegen ist lauter Schaden und Jammer, und den Weg des Friedens kennen sie nicht (Jesaja 59,7-8). Es ist keine Gottesfurcht bei ihnen (Psalm 36,2).«

Man tut es also doch! Gibt es vielleicht nur nicht gerne zu. Dazu später mehr.

Kein Grund zu moralisieren

Nur ist eins nun nicht mehr möglich: Das Moralisieren. Wenn wir alle „unter der Sünde“ sind, sitzen wir alle im Glashaus. Keiner sollte  anfangen, mit Steinen um sich zu werfen. Es sei denn, er will sich selbst schaden. Daher findet sich in der Geschichte mit Jesus und der Ehebrecherin (Joh 8, 3-11) auch niemand, der den ersten Stein wirft. Einer nach dem anderen geht davon. Jeder weiß genau – denn es handelte sich um Älteste, Pharisäer und Schriftgelehrte, die das Gesetz gut kennen – daß er selbst nicht sündlos ist. Er könnte also genauso da stehen, wo die Ehebrecherin steht.

So wie die Ältesten, Schriftgelehrten und Pharisäer durch Jesus in ihrem Moralisieren entwaffnet werden, so entwaffnet das Bewußtsein, selbst ein Sünder zu sein, auch jeden sonst, der zum Moralisieren anhebt um sich selbst über den anderen zu stellen.

Am Ende steht man alleine vor Gott und muß sich für sein Tun verantworten, denn Gott allein ist ohne Schuld, nicht der Pfarrer auch nicht der Bischof und der Papst, nicht der Presbyter, der Kirchenälteste, der Diakon oder der Prälat und wie sie alle heißen. Alle sitzen mit uns „normalen Menschen“ im selben Boot, haben uns nichts voraus, sind Sünder wie wir.

Es gibt also keinen Grund, aufzubrausen, wenn mich jemand als Sünder bezeichnet. Er bezeichnet mich damit nicht als schlechten Menschen, wohl aber als Menschen, und jeder Mensch hat auch eine schlechte Seite, eine dunkle Seite, die wir anderen nicht gerne zeigen.

Die Sünde – wie kommt es dazu?

Was steht inder Bibel?

Die Bibel nennt als Ursache für die Sünden die Erbsünde. Ich finde den Begriff Ursünde passender, also die erste Verfehlung von Adam und Eva gegenüber Gott. Adam und Eva essen von der verbotenen Frucht und laden damit die Strafe Gottes auf sich: Sie werden des Todes sterben.

Sünde, Tod und Teufel werden auch oft zusammen oder synonym benutzt bei einigen Theologen. Es ist schlicht und ergreifend: Das Böse.

Nicht das Böse im moralisierenden Sinn à la „Du böser Mensch stell Dich ins Eck und schäm Dich“, eher das Böse, das uns selbst kaputt macht:

Wie ist das heute, konkret im Leben?

Was wir an sozialem Verhalten so drin haben, haben wir irgendwo erlernt (wobei vielleicht auch ein genetischer Anteil ins Spiel kommt). Wenn also unsere Eltern uns vorleben, auch mal fünfe gerade sein zu lassen und nen Vorteil mitznehmen statt fair zu bleiben, dann werden wir das vielleicht kritisieren, aber dann doch irgendwo, irgendwie übernehmen. Verfolgt man das zurück, kommt man zu Adam und Eva.

So ist die Ursünde, die unsere Vorfahren irgendwann begangen haben (auch wenn sie nicht Adam und Eva hießen und sich das Ganze etwas anders abgespielt hat) und die über die Generationen zu uns weitergegeben wurde.

Aus der Sünde, der Ursünde, entstehen also die vielen Sünden: Von der Notlüge bis zum Raubmord. In jedem Fall bedeutet Sünde, getrennt zu sein von Gott, dem absolut Guten. Man denkt zuerst an sich, will den Apfel vom verbotenen Baum. Oder man will einer unangenehmen Situation durch ne Notlüge entgehen. Oder man ist Räuber und wird beim Raub derart gestört, daß man den Beraubten zur Sicherheit erschlägt.

In allen Fällen steht der kurzsichtige Eigennutz vor dem Gebot Gottes: Nicht von der Frucht zu essen, nicht zu lügen, nicht zu morden oder kurz: Den Nächsten zu lieben wie sich selbst und Gott über alles.

Die Sünde – eine Sklavenhalterin, und wie man befreit wird

Paradoxerweise begibt man sich damit in eine Abhängigkeit. Man ist abhängig von der Situation, in die man sich gebracht hat.

Gefangenschaft

Wie die Geschichte mit der Frucht im Paradies ausging, ist bekannt. Aber auch bei einer Notlüge müssen wir immer daran denken, was wir als wahr vorgegeben haben, um nicht aufzufallen. Oder der Raubmörder: Er wird nach dem Raub womöglich noch Gewalt gegen die Polizei anwenden, nur um nicht ins Gefängnis zu kommen. Er macht sich in seinem Handeln der Polizei gegenüber abhängig von der Situation, in der er sich gebracht hat. Trotzdem wähnt man sich frei, hat man doch alles selbst so gewählt.

Fluchtplan

Durchbrechen kann man diesen Kreislauf nur, wenn man Vertrauen hat. Vertrauen zum belogenen Menschen, daß er es einem nachsieht, Vertrauen zur Polizei oder den beim Mord anwesenden, daß man irgendwie selbst mit dem Leben davonkommt oder eben, wenn alles andere nicht mehr greift: Vertrauen zu Gott (es kann auch schon bei der Notlüge so sein, daß der Mensch es einem so übel nimmt, daß nichts mehr greift, man muß nicht unbedingt erst beim Mord davon ausgehen).

Um Fehler einzugestehen, brauche ich eine Sicherheit, daß diese Schwäche, die ich mir leiste, sich nicht gegen mich richten wird. Habe ich diese Sicherheit nicht, dann geb ich auch nichts zu, behaupte, ohne Fehler zu sein, wie oben gesagt: Man tut das nicht und ich schon gar nicht, jedenfalls geb ich’s nicht zu.

Wenn man genug eigene Kraft und Vertrauen aufbringen kann, kommt man unter Umständen aus so verfahrenen Situationen wieder heraus. Man kann offen gestehen: Ich hab da scheiße gebaut. Egal, was kommt.

Fluchthelfer

Nicht immer hat man die Kraft, und dann kann sie der Glaube geben.

Wenn ich glauben kann (Und Glaube ist auch wenn einige Evangelikale es sagen keine Entscheidung des Menschen, sondern eine Gabe von Gott. Wir können ihn uns nicht selbst besorgen),

  • daß Gott auf diese Welt kam, Sich klein machte und eine der erbärmlichsten Existenzen auf Sich nahm inklusive Foltertod am Kreuz, obwohl Er das nicht gemußt hätte,
  • wenn ich sehe wie groß die Liebe dieses Gottes zu mir sein muß, daß Er all das auf sich nimmt um mir zu zeigen, daß Ihm egal ist, was ich verbrochen habe, daß Er da ist für mich und alle und es folglich auch eine Zukunft für mich geben kann, egal was war,

dann kann mir dieser Glaube enorme Kräfte geben. Dann bin ich nicht mehr abhängig von den Situationen, in die ich mich manövriere. Ich kann immer wieder zurückkommen.

Die Sünde – sie lauert, aber hat verloren

Natürlich bleibe ich Sünder, das heißt, ich bring mich immer wieder in solche schlechten Situationen. Ich brech immer wieder den Kontakt zu Gott ab, entferne mich von Ihm. Ich begebe mich in die Sünde, in den Tod wenn man so will, zum Teufel. Denn ich bin immer noch Mensch, immer noch Sünder, immer noch nicht besser als die anderen.

Werd ich auch nicht, denn sie sind Menschen wie ich. Aber ich weiß, daß ich immer wieder rauskomme, egal wie vertrackt die Situation ist, in die ich mich bugsiert habe.

Das hat nichts mit Moral zu tun und mit einem Leben genau nach irgendwelchen Gesetzen. Sicher, die Regeln sind wichtig, spielen eine Rolle. Aber es gibt niemanden, außer Gott, der mir die Regeln vorhalten könnte und Vorwürfe machen. Und so wie ich Gott kenn, macht Er das äußerst selten.