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Hoffnung, Angst und Minderwertigkeit – diese drei

Der Nachwächter hat einen Artikel geschrieben. Das tut er öfter, und manchmal geht es darin auch ums Christentum, wie auch dieses Mal. Nur dieses Mal hab ich irgendwie Lust, etwas ausführlicher darauf zu antworten.

Der Artikel trägt den Titel „Sklave“ und ausgehend von seiner sonstigen Thematik dachte ich erst, es geht bestimmt wieder um Lohnsklaverei, Versklavung der Arbeitskräfte, der Bürger… kurz: Um den politischen Bereich. Tat es aber nicht, es ging um  die christliche Religion.

Nun hat die duchraus auch mehrere Berührungspunkte mit der Politik, auch wenn Politiker dazu neigen sich zu beschweren, wenn die Kirchen aus ihrer Botschaft auch konkrete politische Inhalte ableiten, aber das nur am Rande…

Nach dem Nachtwächter ist ein Sklave

jemand, der voller Hoffnung darauf wartet, dass jemand kommt und ihn befreit.

Schon hier möchte ich dazwischenrufen: Und was ist mit demjenigen, der versklavt ist und nicht mehr auf Befreiung wartet? Vielleicht einer, der nach nem Ausweg sucht, flüchtet, kämpft? Bleibt er nicht Sklave, bis er die Freiheit erlangt hat, so oder so? Ist er in seinem Sein nicht durch und durch Sklave, durch die ihn gefangen haltende Sklaverei bestimmt? Würde er kämpfen, wäre er kein Sklave? Würde er, ohne Sklave zu sein, Auswege suchen?

Ich meine nein. Ein Sklave ist jemand, der fremdbestimmt ist. Der jemand anderem „gehört“, über den jemand absolute Verfügungsgewalt hat. Und er bleibt so lange ein Sklave, wie diese Verfügungsgewalt nicht gebrochen ist. Also gerade eben auch in der Zeit des Kampfes. Und auch in der Zeit der Resignation bis hin zu seinem Tod. Er stirbt nicht zwangsläufig an „glühender Hoffnungslosigkeit“ sobald er die Hoffnung auf Freiheit verliert. Doch bleibt er in all diesen Fällen Sklave.

Nichts sehen Sklavenhalter bei ihren Sklaven so gern wie Hoffnung, Angst und eine tief gefühlte Minderwertigkeit

so schreibt der Nachtwächter weiter. Und wieder habe ich meine Zweifel: Daß ein Sklavenhalter gerne sieht, wenn der Sklave Angst hat und sich Minderwertig fühlt, kann ich nachvollziehen. Womöglich wäre es sogar besser, wenn die Angst recht klein wäre. Angst lähmt, und gelähmte Sklaven sind nicht so effizient wie ungelähmte.

Hoffnung allerdings würde ich, wäre ich Sklavenhalter, sofort und nachhaltig zu unterbinden suchen. Hoffnung macht Lust auf mehr. Hoffnung ist ein Vorschein des Endes. Wer hoffen kann, dem geht das Minderwertigkeitsgefühl abhanden. Und auch der letzte Rest Angst. Hoffnung bekämpft man, indem man gerade die Angst steigert (Diktaturen versuchen ja oft gerade wenn sie schon fast gestürzt sind, durch Angst aufkommende Hoffnung im Keim zu ersticken). Nein, Hoffnung würde ich als Sklavenhalter bei meinen Sklaven gar nicht erst aufkommen lassen. Das ist der Anfang vom Ende.

Jedenfalls schreibt der Nachtwächter abschließend, daß diese drei, Hoffnung, Angst und Minderwertigkeitsgefühlt „die vollständige psychische Grundhaltung der christlichen Religion“ seien.

Und wieder muß ich widersprechen. Nachdrücklich.

Was eine Rolle spielt, tatsächlich, ist die Hoffnung. Die haben wir Christen tatsächlich. Sie gehört zum subversiven Kern des Christentums.

Die Minderwertigkeit allerdings, da frage ich mich: Minderwertig gegenüber was? Und überhaupt? Wo bewertet die christliche Religion Menschen (und nicht Handlungen)? Ich könnte jetzt keine christliche Wertigkeitshierarchie unter den Menschen benennen. Die Bibel ist da auch recht eindeutig: Da ist nicht einer, der gerecht ist. Vor Gott sind alle Menschen gleich. Niemand ist minder, alle stehen auf einer Stufe. Wenn Christen das im täglichen Leben nicht umgesetzt kriegen dann nicht, weil die christliche Religion tatsächlich Unterschiede machen würde, sondern weil diese eben auch Sünder sind, die genauso wenig einem Perfektionsanspruch nicht gerecht werden können. Ja, Menschen zu bewerten ist scheiße und ja, das tun auch Christen aber nein: Das ist es nicht, was die christliche Religion fordert, sondern was sie verurteilt.

Der andere Punkt war die Angst. Wovor sollte man in der christlichen Religion denn Angst haben? Spricht Gott und Seine Engel die Menschen in der Bibel nicht ständig gerade mit „Fürchte Dich nicht“ an? Hat nach christlicher Lehre Gott nicht die Menschen mit sich versöhnt, so daß gerade keine Furcht, sondern Freude und Glück viel eher psychische Grundhaltungen der christlichen Religion sind?

Trotzdem gibt es freilich Zusammenhänge zwischen Christentum und Sklaverei. Als Christen verstehen wir uns als Gottes Eigentum. Er hat über uns absolute Verfügungsgewalt. Allerdings unterscheidet uns das nach unserem Verständnis nicht von unseren nichtchristlichen Mitmenschen: Auch sie unterliegen Seiner Gewalt. Sie mögen sich freizukämpfen oder zu fliehen versuchen, bisher hat es noch keiner geschafft, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und selbst bestimmen zu können. Keiner bringt sich selbst zum Leben, keiner bestimmt den eigenen Todeszeitpunkt. Keiner kann morgens festlegen, was ihm den Tag über passiert. Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen, wir sind, was das betrifft unfrei. Christen glauben an einen Gott, der über uns steht, der Nachtwächter eher nicht.

Ein Unterschied besteht nicht. Außer daß die einen ihre Energie für einen Kampf einsetzen, der letztendlich vielleicht gar nichts bringt: Welcher Art soll die Freiheit schon sein? Wo ist ein Atheist freier als ein Christ?

Ich vermute, der Sinn des Artikels des Nachtwächters lag darin, Unmut über Christentum und Kirche o. Ä. auszudrücken. Wenn das alleine das Ziel war, ist es erreicht. Falls es allerdings darum ging, auch inhaltlich etwas auszudrücken, das vielleicht noch einen gewissen Anspruch darauf erhebt, zuzutreffen, habe ich hiermit ein paar Einwände mitgeteilt, die vielleicht Anlaß geben können zu einem Austausch und beidseitigem Dazulernen…

In diesem Sinne: Fröhliche Grüße nach Hannover.

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Dürfen Christen trauern?

Die Frage ist ernstgemeint, und stellte sich mir, als ich bei „Hohes und Tiefes“ darüber las, wie eine Pfarrerin die als Privatperson bei einer Beerdigung war zurechtgewisen wurde ob ihres Weinens.

Der Verstorbene selbst wäre ja zuversichtlich gewesen, und überhaupt war er ja schon lange krank, man hätte also wissen können, daß er stirbt…

Doch was hat das eine mit dem anderen zu tun, frage ich mich. Verbietet es der Glaube, zu trauern? Wieso dann überhaupt Trauerfeiern? Wieso nicht eher Party, daß derjenige jetzt bei Gott ist? Konsequenterweise auch, wenn Kinder sterben…?

Ja, konsequent wäre es, aber menschlich? Ich bin zwar kein Pfarrer und werd vielleicht auch nie einer, aber ich halte mich nichtsdesto trotz für einen gläubigen Menschen (mancher Leser mag widersprechen, aber darauf geb ich nicht viel was das angeht).

Letzten Februar starb meine Oma. Ich hab geweint wie ein Schloßhund bei der Beerdingung. Und noch heute, wenn ich an sie denke, kommen mir manchmal die Tränen. Sie stand mir sehr nah, und meine Trauer bezog und bezieht sich nicht darauf, daß ich Angst hätte, sie käme nicht in den Himmel. Die Trauer bezieht sich darauf, daß sie seither weg ist, daß ich sie nicht mehr besuchen, nicht mehr mit ihr reden kann, sie nicht mehr in den Arm nehmen kann. Ein wichtiger Mensch im Leben ist weg und das hinterläßt ein Loch, auch wenn der Mensch nun im Himmel ist.

Es sagt ja auch keiner, man solle bei „normalen“ Abschieden im Leben nicht weinen. Wenn die Kinder wegziehen. Oder wieder fahren. An Bahnhöfen wird oft geweint, obwohl eigentlich nichts schlimmes passiert.Es geht einfach darum, einen Menschen nicht mehr bei sich zu haben. Und das geht Pfarrern nicht anders als anderen Menschen auch. Wenn ein wichtiger Mensch weg ist, tut das weh. Und dann weint man, selbst wenn man sich gleichzeitig freuen kann, daß der betreffende keine Angst hatte und mit Zuversicht heimgegangen ist.

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Stöckchentreffer

Benny hat mit dem Stöckchen erstaunlich gut gezielt, hab’s aufgefangen 😉

1. Oben sprach ich von ner Verfilmung der Höllenfahrt Christi mit Chuck Norris als Teufel. Wem würdest Du die Rolle von Jesus geben und wieso?

Hm… da ich gerne Bud Spencer Filme gucke: Carlo Pedersoli (allerdings nur, wenn vor ca. 20 Jahren gedreht worden wäre ;))

2. Das Evangelium, die frohe Botschaft. In drei (gerne längeren) Sätzen.

Hier erlaube ich mir eine Freiheit in der Antwort (Freiheit eines Christenmenschen und so ;)) und antworte in mehr als drei Sätzen, nämlich in einer Geschichte. Sie zeigt finde ich ganz gut, was Gottes Vergebung ausmacht:

Ein König plant ein großes Fest. Wochenlang vibriert die Stadt förmlich vor freudiger Erwartung auf den Festtag. Als es am Tag vor dem Fest wie aus Eimern schüttet, macht sich Sorge breit, das Fest könnte doch noch abgesagt werden. Doch am nächsten Tag strahlt die Sonne und die Menschen strömen in Scharen herbei. Ein buntes Treiben voller Musik, Tanz, Gelächter und gutem Essen beginnt. Der König nimmt sich Zeit für seine Gäste, er steht selbst an der Tür, um seine Gäste zu begrüßen. So entgeht es ihm auch nicht, als ein Gast ausrutscht und sein Gewand von oben bis unten mit Schlamm bedeckt ist. Der Gast wendet sich ab, so verdreckt will er doch nicht auf dem Fest des Königs erscheinen. Dem König jedoch ist an jedem Gast gelegen, er versucht alles, den Gast zum Bleiben zu bewegen. Er bietet ihm sogar ein neues Gewand an, damit er nicht im verschmutzten Gewand aufs Fest gehen muss. Doch die Sorge des Gastes über das Gerede der anderen ist größer als aller Mut, den der König machen kann. So viele sind Zeugen seines Falles geworden. Schließlich sieht der König nur noch einen Ausweg. Vor den Augen aller Gäste wirft er sich in den Schlamm, bis sein Gewand völlig schlammverdreckt ist. So schlammverdreckt tritt er neben seinen Gast und spricht: „Den möchte ich sehen, der dich jetzt noch verspottet. Lieber nehme ich Spott auf mich, als dass du meinem Fest fernbleibst“. So ermutigt betritt der Gast mit dem König den Festsaal.

3. Abwandlung der obigen Frage: Wenn Du Pfarrer wärst, was würdest Du tun?

Vorhin eine längere Antwort, nun eine kürzere: Mich jeden Tag freuen, den zweitschönsten Beruf (nach Diakon ;D) ausüben zu dürfen :D“

Hab noch ein neues Stöckchen gefunden:

Nachdem ich heute im ersten Adventsgottesdienst etwas zum Thema „Warten“ gehört habe, bin ich später noch U-Bahn gefahren. Es stellte sich heraus, dass die Fußballfans die Infrastruktur doch sehr negativ beeinflussen, sprich: Ich passte nicht mehr in die U-Bahn rein und musste eine Viertelstunde auf die nächste warten. War erst nicht so begeistert, habe mich dann aber entschieden, mir davon nicht meine gute Laune angesichts der begonnenen Adventszeit verderben zu lassen und (mehr oder minder still) Adventslieder vor mich hingesungen. Hat meiner Laune gutgetan 🙂

Wie geht ihr mit längeren, ungeplanten Wartezeiten um?

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Gottesdienst

Als ich den Artikel von Theodred über den Familiengottesdienst gelesen hatte, gingen mir ein paar Gedanken durch den Kopf, die noch recht unsortiert sind, die ich aber trotzdem teilen möchte.

Meine Überlegungen beziehen sich hierbei auf die evangelischen Kirchen, weil bei der Kirche von Rom ist das ja alles wieder ganz anders und wird auch anders bewertet etc etc, außerdem kenn ich mich da noch viel weniger aus.

Theodred beschreibt in seinem Artikel den Besuch eines Familiengottesdienstes in seiner Gemeinde, der, aufgrund des Einübens der Lieder vorm Gottesdienst (was die innere Ruhe störte) sowie während der Eucharistie (was Theodred auch als störend empfand), keine schöne Erfahrung für ihn war (ich hoffe ich hab nichts wesentliches vergessen).

In einem Kommentar schrieb er dann, daß er das Thema mal ansprechen wollte. Ich wünsche ihm, daß er und seine Gemeinde da einen modus vivendi finden. Bisher sah der wohl so aus (und ich kenne es aus meinem eigenen Umfeld und auch an mir): Wenn Familiengottesdienst ist, sucht man sich einen Ausweichgottesdienst. Weil, der spricht mich nicht an, so schön er auch für Kinder und Familien sein mag.

Von älteren Leuten hab ich schon gehört, daß die Unruhe der Kinder (die ja auch nur natürlich ist) sie stört und sie das auch nicht mehr so aushalten können wie in jungen Jahren. Es bleiben also die Alternativen, Zielgruppengottesdienste anzubieten, zu denen dann immer bestimmte Leute nicht kommen (und Angesichts der Immobilität im Alter und der Abneigung vieler älterer Leute gegen bestimmte Formen wie den Familiengottesdienst bedeutet das, die Woche ohne Gottesdienst verbringen zu müssen – für den Notfall gibt es ja das ZDF…).

Diese Lösung wird wohl vielfach praktiziert, aber ich finde sie eigentlich nicht ideal. Ich habe diese naive Vorstellung von einer Gemeinde als Versammlung aller, nicht nur aber auch im sonntäglichen Gottesdienst. Und dazu gehören dann eben Kinder und Alte, Hochkirchler und Frauengebetskreis. Im anzustrebenden Idealfall sollte sich jeder im Hauptgottesdienst wiederfinden können und dort auch gerne hingehen.

Aber so machbar ist das nicht, denn was der eine sucht, stört den anderen, und auch wenn meist viel Geduld und Leidensfähigkeit aufgebracht wird.

Ich erinnere mich an Gemeinden, wo ne Band in der Kirche spielte und zwar ziemlich laut. Auch meines Erachtens zu laut für das Gebäude, und ich war damals noch recht jung. Und dann waren die Texte noch in Englisch, der älteren Generation war also nicht nur der ästhetische Zugang verbaut, sondern auch der Inhaltliche. Aber die Gemeinde hatte sich so (und durch andere Maßnahmen) eine relativ große Gruppe von Jugendlichen gewonnen, die auch recht regelmäßig in den Gottesdienst kamen, wenn ich mich recht entsinne.

Dort spielte jedoch eine Rolle, daß die Gegen auch recht erwecklich war, die Kirchenzugehörigkeit auch noch mehr in den Leuten drinsteckte. Immer kann das nicht funktionieren. Und ein Hochkirchler wäre mit den Gottesdiensten auch nicht froh geworden, denke ich.

Ein anderer Gedanke kam mir: Kindergottesdienst. Und zwar beobachte ich in letzter Zeit immer öfter, daß nicht wie zu meiner Kinderzeit der Kindergottesdienst parallel zum Gemeindegottesdienst stattfand, sondern daß die Kinder den Gottesdienst mit den Erwachsenen beginnen, am Anfang noch dabeibleiben, mitbeten und mitsingen, und dann mit ihren Betreuern den Gottesdienst verlassen, um während der Predigt und Fürbitten ihr eigenes Programm zu machen. Zum Segen oder Abendmahl, je nachdem, kommen sie dann wieder und sind in die Restgemeinde wieder integriert.

Wenn man nun Kindergottesdienst als adequate Form des Gottesdienstes für Kinder ansieht, und nicht als unwichtigere und nebensächliche Begeleiterscheinung, weil man halt auch irgendwie Kindergottesdienst macht, könnte man überlegen, ob man dieses Beispiel nicht für andere Gemeindegruppen erweitern könnte:

Dann kämen alle zu einer verbindlichen Rahmenfeier, die die wichtigen liturgischen Elemente enthält. Dann könnte man sich in Gruppen aufteilen, die einen singen Kumbaya, die anderen machen deutsche Messe mit kurzer Predigt und die eher reformiert eingestellten Gemeindeglieder hören eine Predigt in meinetwegen 45 mitütiger Länge (ja, mir tut der Prediger auch grad leid).

Das Beispiel ist sicherlich überzogen und es wirft weitere Probleme auf: Wer darf im Kirchengebäude bleiben, wer weicht ins Gemeindehaus aus? Hat ja auch etwas damit zu tun, welche Wertung der einzelnen Formen öffentlich wahrgenommen wird. Wer auch immer in der Kirche bleibt, wird als Standardangebot wahrgenommen werden.

Und was, wenn es kein Gemeindehaus gibt und die Räumlichkeiten einfach nicht da sind? Auch das ein Problem.

Trotzdem denke ich, man darf ruhig mal 5 Minuten drüber nachdenken. Vielleicht kann man dann auch in einer Gruppe statt Predigt Katechese anbieten. Mit der Möglichkeit zu Rückfragen beim Kirchenkaffee hinterher.

Es ist sicherlich ein enormer Aufwand, zumindest vorerst. Vielleicht findet man, wenn es funktioniert und (fast) alle Gemeindeglieder von dem Konzept irgendwie angesprochen werden, dann auch die nötige Zahl an Mitarbeitern, damit es zum Selbstläufer wird…

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VaB: Besuch im Hain von Mamre – warten und fragen, Predigt zu Gen 18, 1-15

Diese Predigt ist eine Weiterentwicklung dieses Textes, den ich während einer Schweigewoche im Kloster geschrieben habe.

Und der HERR erschien ihm im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war. Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde und sprach: Herr, hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vorüber. Man soll euch ein wenig Wasser bringen, eure Füße zu waschen, und lasst euch nieder unter dem Baum. Und ich will euch einen Bissen Brot bringen, dass ihr euer Herz labt; danach mögt ihr weiterziehen. Denn darum seid ihr bei eurem Knecht vorübergekommen. Sie sprachen: Tu, wie du gesagt hast.

Abraham eilte in das Zelt zu Sara und sprach: Eile und menge drei Maß feinstes Mehl, knete und backe Kuchen.
Er aber lief zu den Rindern und holte ein zartes, gutes Kalb und gab’s dem Knechte; der eilte und bereitete es zu. Und er trug Butter und Milch auf und von dem Kalbe, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor und blieb stehen vor ihnen unter dem Baum und sie aßen.
Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau? Er antwortete: Drinnen im Zelt.
Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben. Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des Zeltes.
Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt, sodass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise.
Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun ich alt bin, soll ich noch der Liebe pflegen, und mein Herr ist auch alt!
Da sprach der HERR zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Meinst du, dass es wahr sei, dass ich noch gebären werde, die ich doch alt bin?
Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen übers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben.
Da leugnete Sara und sprach: Ich habe nicht gelacht -, denn sie fürchtete sich. Aber er sprach: Es ist nicht so, du hast gelacht. (Gen 18, 1-15)
Gott erscheint Abraham im Hain von Mamre. Der Hain ist schon einmal Ort der Beziehung zwischen Gott und Abraham gewesen. Nach der Trennung von Abraham und Lot wird folgendes geschildert:
Als nun Lot sich von Abram getrennt hatte, sprach der HERR zu Abram: Hebe deine Augen auf und sieh von der Stätte aus, wo du wohnst, nach Norden, nach Süden, nach Osten und nach Westen. Denn all das Land, das du siehst, will ich dir und deinen Nachkommen geben für alle Zeit und will deine Nachkommen machen wie den Staub auf Erden. Kann ein Mensch den Staub auf Erden zählen, der wird auch deine Nachkommen zählen. Darum mach dich auf und durchzieh das Land in die Länge und Breite, denn dir will ich’s geben. Und Abram zog weiter mit seinem Zelt und kam und wohnte im Hain Mamre, der bei Hebron ist, und baute dort dem HERRN einen Altar. (Gen 13, 14-18)
Abraham bleibt im Hain von Mamre und die Bindung an den Ort und dessen Besitzer wird enger. Als Lot entführt wird, überbringt man ihm die Nachricht und er wird bezeichnet als „der Hebräer, der im Hain Mamres wohnt“. Zur Befreiung Lots eilt er mit 318 eigenen Knechten sowie der Unterstützung durch Mamre und dessen Brüdern Aner und Eschkol, mit denen er einen Bund geschlossen hat. (Gen 14, 1-24). Auf Betreiben Sarahs hin zeugt Abraham mit Haggar seinen Sohn Ismael (Gen 16, 1-16) und hat nun auch einen Erben. Die Situation Abrahams im Hain Mamre wird also wie folgt dargestellt: Er ist vor Ort bestens integriert durch das Bündnis mit Mamre, Aner und Eschkol. Einen Altar für den HERRN gibt es auch, auch von religiöser Seite ist also kein Stress zu erwarten. Die vielen Knechte, mit denen er zur Befreiung Lots geeilt ist, lassen auf einigen Wohlstand schließen und einen Erben hat er auch. Ein wenig wirkt das wie in der Werbung: Mein Haus, mein Auto, meine Frau. Alles ist geregelt.
Doch sehen wir genauer hin, erkennen wir: Die Verheißung, die Gott ihm gegeben hat, ist noch nicht erfüllt. Vor seiner Ankunft im Hain von Mamre wurde ihm doch gesagt: Denn all das Land, das du siehst, will ich dir und deinen nachkommen geben für alle Zeit und will deine Nachkommen machen wie den Staub auf Erden“. Gut, Abraham hat einen Platz für sein Zelt gefunden. Doch das Land gehört noch immer Mamre, es ist nicht Abrahams Land. Er ist dort Gast, zwar gerne gesehen, doch immer noch Gast. Und davon, dass seine Nachkommen zahlreich wie der Staub sind, kann bei einem Sohn auch noch nicht die Rede sein.
Der Hain von Mamre ist eine Zwischenstation. Er ist nicht Ort der Erfüllung der Verheißung Gottes, sondern Ort des Wartens auf diese Erfüllung. Es ist kein tatenloses Warten, wie z.B. die Befreiung Lots zeigt. Doch Abraham ist noch nicht angekommen, sondern muss weiter warten, dass sich seine Zukunft erfüllt.
Es ist ein Leben zwischen jetzt schon und noch nicht. Jetzt schon an einem Ort, der Sicherheit bietet – noch nicht ganz am Ziel. Jetzt schon viele spannende Erfahrungen mit Gott gemacht – noch nicht alles von Gott erfahren. Ich glaube, die Erfahrung des Wartens, des jetzt schon – noch nicht, ist es, die uns mit Abraham verbindet. Auch wir warten – und sind dabei nicht untätig. Denn wir erwarten und hoffen, dass wir in unserem Leben immer wieder ein Stück vorankommen. Wir machen jetzt schon erste Erfahrungen mit Gott – oder hoffen doch zumindest darauf. In Gemeinden, im Gebet, während der eigenen Bibellektüre, in Gesprächen. Wir können aber noch nicht alles von Gott erfahren, dazu ist die Zeit noch nicht reif. Wir wohnen in unserem eigenen Hain von Mamre – voller Erwartungen und Hoffnungen.

Im Hain von Mamre erscheint Gott Abraham. Er tritt in Gestalt der drei Männer in die Situation des Wartens hinein. Nachdem Abraham die drei Männer unter den Baum eingeladen und Gastfreundschaft angeboten hat, wird es hektisch. Abraham eilt ins Zelt zu Sarah. Sie soll eilen und aus feinem Mehl Kuchen backen. Dann läuft er zu den Rindern, gibt einem Knecht ein zartes Kalb, der eilt, um es zuzubereiten. Kaum ist Gott in die Wartesituation eingetreten, wird es höchst lebhaft. Als Abraham äußerlich zur Ruhe gekommen ist und wieder bei seinen Gästen ist, werfen diese seine Zukunftspläne durcheinander und einer wiederholt bereits Verkündetes: Sara wird binnen einen Jahres einen Sohn gebären. Die Worte sind an Abraham gerichtet, doch Sara hört sie im Zelt – und denkt sich ihren Teil. Sie, die alte Frau, die schon in jüngeren jahren unfruchtbar war, soll mit ihrem noch älteren Mann einen Sohn zeugen und gebären? Nein, das geht nicht, das sprengt ihre Vorstellungskraft. Sie lacht – doch ich habe Zweifel daran, dass es sich um ein fröhliches Lachen handelt.

Für sie muss diese Aussage wie blanker Hohn klingen, der wieder einmal Salz in die Wunde streut, dass sie kein Kind hat. Und doch stellt sie die Frage: „Meinst du, dass es wahr sei, dass ich noch gebären werde, die ich alt bin?“ Aus der griechischen Übersetzung geht hervor, dass es sich dabei um ein Selbstgespräch handelt, vielleicht eine an Gott gerichtete Frage. Gott wiederum antwortet über Umwege – er leitet Saras Frage an Abraham weiter (Gen 18, 13) – und fragt ihn gleich noch, warum Sara gelacht habe. Kein Wunder, dass Sara erschrickt und abstreitet, gelacht zu haben. Dabei befindet sie sich mit Fragen und Lachen in der Gesellschaft Abrahams wieder. Auch er hat über Gottes Ankündigung gelacht und gefragt, wie das denn möglich sein soll (Gen 17, 17). Wenn also jemand für Saras Lachen und Fragen vollstes Verständnis haben müsste, dann doch Abraham. Doch ihr Schreck rührte wohl eher von der Frage her, die Gott stellt: Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? In diesem Moment wird deutlich: Sara hat hier nicht Gott ein Frage gestellt. Gott Fragen stellen ist kein Problem, von Fragen an Gott berichtet die Abrahamsgeschichte mehrfach. Doch Sara hat hier – wie schon zuvor übrigens Abraham – die Macht Gottes, sein Wort und damit ihn selbst in Frage gestellt. Genau das wird ihr vermutlich bewusst, als sie die Frage hört: Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Da vergeht ihr das Lachen so gründlich, dass sie leugnet, überhaupt gelacht zu haben. Eine größere Distanzierung zur Tat, als zu leugnen, sie begangen zu haben, ist kaum denkbar. Nur noch die Bitte um Vergebung könnte eine größere Distanzierung von der Tat sein. Doch die Bitte um Vergebung bleibt aus. Die Tat bleibt im Raum stehen: Es ist nicht so, du hast gelacht.

Gott kommt hier unerwartet in die Wartezeit von Abraham und Sarah hinein, es geraten Dinge in Bewegung, mit denen keiner gerechnet hat – und Sarah lacht, wie zuvor Abraham. Sie stellt eine Frage, sie stellt in Frage – wie zuvor Abraham. Doch trotz Lachens, trotz des in-Frage-Stellens hält Gott an seiner Verheißung, an seiner Zusage fest. Er bleibt treu.

Auch in unsere Wartezeiten tritt Gott immer wieder unerwartet ein. Es können die Situationen sein, in denen wir einfach nur lachen müssen, weil etwas so völlig absurd ist. Es können aber auch die Situationen sein, in denen wir nur noch fassungslos fragen können: Gott, was soll das? Das kann doch garnicht sein! Doch durch alle Absurditäten und Fragen hindurch gilt in allen Wartezeiten: Gott bleibt treu. Die Fremden, Gott selbst, haben wieder Bewegung in das Leben von Sara und Abraham gebracht. Abraham begleitet die Männer am nächsten Tag – mit seiner Sesshaftigkeit ist es erstmal  vorbei. Ihm und Sara ist ein gemeinsamer Sohn verheißen. Wo Gott spricht, geraten Dinge in Bewegung, die festgefügt scheinen. Aus Wartezeiten heraus wird neu aufgebrochen – allen Fragen, allem spöttischem oder bitterem Gelächter zum Trotz. Alle sachlich durchaus begründeten Zweifel ändern nichts an der Dynamik des Wortes Gottes. Im Vertrauen auf das Wort Gottes, auf seine Treue, können auch wir jeden Tag, jede Woche neu einen Aufbruch wagen.

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VaB: Wie Jünger sein aussehen kann III

Jünger sein kann man offenbar schon zu Matthäi Zeiten, wenn man mit Jesus auf Wanderschaft ist und sein Leben teilt,wie z.B. die Zwölf, aber auch, wenn man zuhause bleibt, wie z.B. der Unbekannte Petrus vor dem Tod seines Vaters. (A. d. V.: Mittlerweile bin ich garnicht mehr so sicher, ob der Unbekannte Petrus nicht doch schon vorher mitlief. Aber das zu über- und bearbeiten führt jetzt grad zu weit, deshalb weiter im alten Text ;))Was genau macht eigentlich den Unterschied aus zwischen dem Schriftgelehrten, der Jesus folgen will und dem Unbekannten Petrus? Vielleicht, wie sie selbst Jesus sehen. Der Schriftgelehrte nennt Jesus „Didaskale“ (bekomme die griechische Schrift leider nicht hin…). Die Übersetzung dafür ist „Lehrer“ oder „Meister“. Der Jünger dagegen nennt Jesus „Kyrios“, Herr. Mit dem gleichen Wort sprechen die Jünger Jesus später auch im Boot an. Das ist glaube ich der entscheidende Unterschied zwischen Schriftgelehrtem und Unbekanntem Petrus: Der eine erkennt Jesus als Lehrer an, der andere als Herrn.

Diesen Herrn bitten die Jünger um Hilfe, als sie das Boot nicht mehr unter Kontrolle bekommen. Der Unbekannte Petrus erfährt, kaum dass er mit dem Nachfolgen Ernst gemacht hat, was es bedeutet, bisherige Schutzräume zu verlassen. Es wird deutlich gemacht, dass Nachfolgen eben auch bedeuten kann, bisherige Schutzräume zu verlassen und dann unversehens in heftige Stürme zu geraten. In der Situation der Jünger auf dem Schiff wird erzählerisch ausgemalt, was vorher angekündigt wurde: Wer Jesus nachfolgt, ist nicht davor gefeit, in Stürme zu geraten. Ein Rückzugsort wie Fuchs und Vogel hat er nicht. Sein Rückzugsort ist Christus selbst, an den er sich wendet.

Ich fand die Antwort Jesu immer merkwürdig. Sie wecken ihn, zeigen doch gerade, dass sie ihm zutrauen, ihnen zu helfen – und er nennt sie kleingläubig. Vielleicht wird das etwas klarer, wenn man den Beginn des Kapitels liest. Matthäus schildert dort die Heilung des Knechtes eines Hauptmannes. Der Hauptmann kommt zu Jesus, um ihn um Heilung für seinen Knecht zu bitten. Jesus will daraufhin das Haus des Hauptmannes aufsuchen, doch dieser glaubt fest daran, dass Jesus garnicht selbst anwesend sein muss, sondern seinen Knecht durch ein Wort aus der Ferne heilen kann. Jesus ist beeindruckt vom Glauben dieses Mannes und heilt seinen Knecht.

Ich frage mich nun, ob Matthäus hier bewusst zwei Situationen schildert, in denen Jesus nach menschlichem Ermessen nichts für die Menschen tun kann – für den Knecht nicht, weil er noch nicht da ist, für die Jünger nicht, weil er ja schläft. Doch während in der einen Situation das Vertrauen, der Glaube, so grenzenlos ist, dass davon ausgegangen wird: Ein Wort Jesu genügt, selbst wenn er nicht vor Ort bei dem Kranken ist, ist dieser Glaube in der anderen Situation eingeschränkt. Wenn Jesus nicht wach, d.h. nicht ganz da ist, ist er machtlos und muss erst geweckt werden. Das könnte erklären, warum die Jünger hier als kleingläubig bezeichnet werden, obwohl sie ihm doch offenbar zutrauen, ihnen zu helfen.

Für den Unbekannten Petrus geht die Achterbahnfahrt in der Nachfolge weiter: Voller Vertrauen, voller Leidenschaft ist er in die Nachfolge aufgebrochen, erfüllt von Vertrauen in Jesus, das ihm ermöglicht, alles hinter sich zu lassen. Doch auch dieser Jünger muss die Erfahrung machen, dass es im Glauben auf und ab geht, dass auf Zeiten größten Vertrauens auch Zeiten des Kleinglaubens folgen können.

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VaB: Wie Jünger sein aussehen kann II

Gestern habe ich ja bereits über das Gespräch, das der Erzählung von der Sturmstillung vorangeht, geschrieben. Heute wende ich mich nun der Erzählung von der Sturmstillung zu.

Sie beginnt damit, dass gesagt wird, Jesus steigt in das Boot und seine Jünger folgen ihm. Es wird hier also direkt an V. 18 angeknüpft. Das Gespräch, über das ich gestern geschrieben habe, scheint wirklich nur einen kurzen Moment zwischen „Los, lasst uns ans andere Ufer fahren“ und dem Beginn der Umsetzung des Planes zu umfassen. Nichts spricht dafür, dass sich die Szenerie zwischen V. 18 und 23 verändert hat. Man kann also davon ausgehen, dass die beteiligten Personen noch die gleichen sind wie zuvor.

Das bedeutet: Auch der Jünger, dem Jesus aufgetragen hat, ihm nachzufolgen, ist noch dort. Ich werde ihn im weiteren Text Unbekannter Petrus nennen. Warum, wird sich noch herausstellen. In der Aufforderung Jesu an den Jünger in V. 22 wird das gleiche Verb benutzt wie in V. 23, als beschrieben wird, dass die Jünger Jesus ins Boot folgen, nur in einer anderen Form. Es wird auch mit keiner Silbe gesagt, dass der Unbekannte Petrus der Aufforderung Jesu nicht gefolgt wäre. Wenn sich an anderen Stellen Menschen von Jesus abwenden, wird dies auch festgehalten. Das alles spricht dafür, dass auch der Unbekannte Petrus ins Boot gestiegen ist. Das wiederum bedeutet, dass er der Aufforderung Jesu nachgekommen ist und seinen Vater tatsächlich zurückgelassen hat, d.h. er hat die Sicherheit seiner Familie verlassen und ist genau das Risiko eingegangen, das in V. 20 beschrieben wird: Er wird nun das Los Jesu teilen, anders als Fuchs und Vogel keinen festen Rückzugsort zu haben. Eine solche Entscheidung trifft man, glaube ich, nicht ohne sehr großes Vertrauen in Jesus. Er ist uns hier ein Beispiel für großes Vertrauen in Jesus und große Leidenschaft für Jesus. Hierin gleicht er finde ich Petrus, der ja auch alles hinter sich ließ und Jesus leidenschaftlich folgte.

Dann folgt die Erzählung von der Sturmstillung. Das Boot läuft voll Wasser – und Jesus liegt im Boot und schläft. Er, der kurz vorher noch sagte, er hat keinen Ort, wo er sein Haupt niederlegen kann, hat sein Haupt niedergelegt. Doch der vorige Vergleich mit Vögeln und Füchsen zeigte ja schon: Es ging bei den Worten nicht darum, dass er nie zur Ruhe kommt, sondern darum, dass er auf Erden keinen Platz hat, an den er dauerhaft zurückkehrt, sondern ohne feste Behausung lebt.

Die Jünger erfasst bei dem Sturm Angst. Obgleich einige erfahrene Fischer unter ihnen sind, bekommen sie das Boot nicht unter Kontrolle. Sie wecken Jesus mit den Worten:
Herr, hilf uns, wir gehen unter! Alle haben Angst – alle werden von Jesus anschließend als „Kleingläubige“ bezeichnet. Einschließlich Unbekannter Petrus. Auch er, der doch kurz zuvor noch als so ein leidenschaftlicher Jünger gezeichnet wird, sich durch so großen Glauben ausgezeichnet hat, wird „Kleingläubiger“ genannt. An ihm, dem Unbekannten Petrus, dem Namenlosen, wird gezeigt, dass das Leben eines Jüngers immer zwischen diesen beiden Polen stattfindet – leidenschaftliche Risikobereitschaft einerseits, furchtvolles Verzagen andererseits. Später wird dieselbe Spannung ebenso deutlich an Petrus gezeigt werden. Doch zuerst wird sie an diesem namenlosen Jünger gezeigt, den ich deshalb Unbekannter Petrus nenne.

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Gottesdienst als Konsumprodukt?

Ich mochte ja Kirchenchöre im Gottesdienst noch nie so recht. Und das liegt nicht etwa daran, daß ich keinen Chorgesang mögen würde, oder daß mir deren Musik nicht gefiele, nein! Ich liebe Musik. Und ich liebe es, zu singen. Und da liegt das Problem: Wenn in der Kirche ganz normal Kirchenlieder gesungen werden, ob Neander, Luther, Klepper oder Siebald, dann sing ich mit Freude mit.

Nur wenn ein Chro singt, dann ist die gesellschaftliche Konvention halt so, daß ich da nicht mitmache, sondern zuhören muß. Was man da zu hören bekommt ist ja meist richtig gut. Viele Chöre singen schon seit Jahrzehnten zusammen und klingen auch dementsprechend gut. Trotzdem fehlt mir da immer was. Ich will halt trotz allem mitsingen, auch wenn ich bei weitem nicht so gut singe.

Ein Gottesdienst ist ein Geschehen, bei dem es gemeinschaftliche Handlungen gibt, wie das gemeinsame Singen, und bei dem es Handlungen Einzelner gibt, während alle anderen eine Konsumhaltung einnehmen ud zuhören oder zusehen. Ein Beispiel wäre etwa die Predigt.

Jetzt hab ich bei Soul Preaching Ministries von sogenannten „prayer warriors“ gelesen. Das sind Leute mit einer besonderen Begabung für das Gebet. Sie übernehmen quasi das Gebet der Gemeinde, weil sie es besonders gut können. Auch vom „praise team“ ist die Rede, das den Lobpreis macht. Der Artikel stellt schließlich fest, daß es eine Bewegung dahin gibt, daß die Gemeinde durch solche Entwicklungen immer mehr an den Rand gedrängt wird und im Gottesdienst immer weniger eine Rolle spielt. Sie hören quasi nur noch zu, während bestimmte Fachleute die „Show“ (wie sollte man es sonst nennen?) machen. Das ist die Situation in Amerika. In deutschen Landeskirchen hört man recht wenig von „Gebetskriegern“ und auch Lobpreisteams sind noch nicht der Standard.

Mir fiel die Parallele zum Gesang ein, die ich oben geschildert habe, und ich stelle mir weiterführend die Frage: Sind solche Gottesdienstteams, die Gottesdienste vorbereiten und deren Mitglieder auch Teile des Gottesdienstes selbst übernehmen, nicht deshalb ins Leben gerufen worden, um auch normale Gemeindeglieder mit einzubeziehen, damit der Pfarrer nicht herausgehoben vor allen dasteht?

Nachdem ich den Artikel bei Soul Preaching Ministries gelesen habe, kommen mir Zweifel, ob man die gewünschten Effekte mit solchen Gruppen erreicht. Womöglich erreicht man lediglich, daß die Gemeinde aus dem Gottesdienstgeschehen herausgedrängt wird: Der Pfarrer macht die Predigt, der Gebetskrieger die Gebete und der Chor übernimmt den Gesang. Wenn wir jetzt noch jemanden finden, der in besonders würdiger Weise am Abendmahl teilnimmt (die Kirche von Rom ist hier wie mir scheint schon einen halben Schritt weiter als die Protestanten), kann man sich Gottesdienstvorführungen auch auf DVD kaufen und zu gelegener Zeit ansehen. Einen wirklichen Unterschied zur Gottesdienstteilnahme vr Ort gäbe es dann nicht mehr.

Ich frage mich, ob die Einbeziehung der Gemeinde nicht viel eher darin liegen könnte, daß man diese Fachgruppen abschafft. Daß man bei einem Gottesdienstablauf bleibt, der vielleicht schon vor Jahrhunderten festgelegt wurde, daß alle singen, alle beten (wieso nicht eine Art Open Mic wenn die Fürbitten dran sind?), alle die Sakramente empfangen und… ja, bei der Predigt fällt mir in der Tat nicht ein, wie man hier für eine Egalisierung sorgen könnte. Mehr Prädikanten würde ja auch wieder mehr Fachleute bedeuten, also in die entgegengesetzte Richtung zeigen. Aber wenn nur noch die Predigt vom Pfarrer kommt und alles weitere vor allem aus der Gemeinde, dann wäre man doch schon einen Schritt weiter!

Allgemein

Krieg der Religionen?

Daß in Ägypten Kirchen und Klöster in Flammen aufgingen,nachdem die Regierung gegen die Anhänger Mursis vorgegangen ist, hab ich schon geschrieben.

Beim Herrn Alipius hab ich jetzt gelesen, daß womöglich noch viel mehr Kirchen gebrannt hätten, wenn nicht Muslime (!) sich den Muslimbrüdern in den Weg gestellt hätten!

Danke an die mutigen Ägypter, so hab ich Euch aus der Zeit der Proteste gegen Mubarak in Erinnerung!

Laßt uns beten, daß die Gewalt bald aufhört und Ägypten in eine freiheitlich-demokratische Zukunft geht! Und bis es soweit ist, laßt uns noch mehr beten für die Opfer der Gewalt.

Allgemein

Aus meiner BuFDi-Zeit

Schlussakkord

Lebensanfang oder Ende,

geistig hellwach oder stark abgebaut,

beides ist uns wohl vertraut,

beidem reichen wir die Hände.

 

Toben, scherzen, lachen,

lernen etwas leichter machen.

Ohren öffnen, Herzen weiten,

Kinder ein Stück begleiten.

 

Lebensanfang oder Ende,

geistig hellwach oder stark abgebaut,

beides ist uns wohl vertraut,

beidem reichen wir die Hände.

 

Einsamkeit lindern, Trost geben,

Ruhepol sein im Gefühlsbeben.

Menschen, die wir heute umsorgen,

sterben friedlich am nächsten Morgen.

 

Lebensanfang oder Ende,

geistig hellwach oder stark abgebaut,

beides ist uns wohl vertraut,

beidem reichen wir die Hände.

 

Enge Grenzen wurden weiter,

wir – vielleicht – etwas gescheiter.

Geht’s weiter im vorigen Trott

nach BFD oder FSJ?