Credo

Marco d' Oggiono - Resurrection of Christ with Sts Leonardo and Lucy - WGA16634

Christus hat den Tod besiegt und kommt mit der Siegesfahne aus dem Grab.

In seinem letzten Blogpost umreißt Thomas seinen Glauben in 5 Bibelversen. Die Idee hat er von Malte, der seinerseits einen Vortrag von Rod Rosenbladt übersetzte. (soviel zur Traditionsgeschichte)

 

 

Ich fand die Idee interessant, jedenfalls hat sie mich dazu inspiriert, mir ein wenig Zeit zu nehmen und zu versuchen, das für mich auszuformulieren. Dabei will ich mich nicht auf einzelne Verse beschränken, sondern eher auf Aussagezusammenhänge; die können dann auch gerne mal länger sein. Los geht’s:

 

Schöpfung (Gen 1, 1-5)

1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.
3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht.
4 Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis
5 und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Mußte ich fürs Hebraicum auf Hebräisch auswendig lernen (wie wahrscheinlich die meisten Hebräischlernenden hierzuland). Wichtig ist mir hier zweierlei:

  1. Gott erschafft nichts aus dem Nichts, sondern es war schon was da: Das Tohuwabohu des hebräischen Textes übersetzt die Lutherbibel mit „wüst und leer“.
  2. Gott schafft, indem Er ordnet. Er trennt Licht von Finsternis, Wasser von Land etc etc. So schafft er aus dem lebensfeindlichen Chaos einen Ort, an dem Leben möglich ist.

Sünde (Gen8, 21)

Und der HERR roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe.

Mich interessiert weniger, wie genau die Sünde in die Welt kam, wichtiger finde ich die Feststellung, daß die Sünde nun einmal da ist und wir mit ihr umgehen müssen. Das Faktum der Sünde wird an vielen Stellen der Bibel erwähnt. Was mir hier gefällt ist, daß die Sünde nicht als Grund für Strafen und dergleichen vorkommt, sondern als Begründung dafür, nicht mehr zu strafen.

Offenbar nimmt Gott hier Rücksicht auf die Befindlichkeit des Menschen – und fordert nicht bei Strafandrohung die Einhaltung von Gesetzen, die der Mensch eh nicht in der Lage zu erfüllen ist.

Rettung (Kol 2, 12-15)

12 Mit ihm seid ihr begraben worden in der Taufe; mit ihm seid ihr auch auferweckt durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten.
13 Und Gott hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden.
14 Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn aufgehoben und an das Kreuz geheftet.
15 Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und über sie triumphiert in Christus.

Die Lösung des Sündenproblems ist das Kreuz. Am Kreuz wurden die „Mächte der Finsternis“, Sünde, Tod und Teufel ihrer Macht beraubt. Danach wurden sie verspottet. Das ist hin und wieder auch Bestandteil bei Osternachtsgottesdiensten: Das Triumphlachen über den Tod.

Die Schuld, mit der der Teufel (das Böse personifiziert gedacht) uns gefangen hielt, wird ans Kreuz gehängt und belastet nicht mehr, schüchtert nicht mehr ein. Wir sind frei!

Konsequenz (Gen 1, 27)

Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

Tippfehler? Nein! Aber von vorn: Die Konsequenz aus unserer Rettung, aus der Lösung des Sündenproblems ist der Wunsch, fürderhin mehr Teil der Lösung als Teil des Problems zu sein. Also streben wir danach, Gutes zu tun (nicht um die Erlösung zu erlangen, sondern weil wir erlöst sind).

Der oben zitierte Vers schlägt den Bogen von unserem Antworten in den Taten zur Verehrung Gottes, der ja Grund und Ursprung der Taten ist: Mit „Bild“ ist hier ein Götterbild gemeint. Wir,dieMenschen, sind das Götterbild des einen Gottes. Er wird nicht abgebildet, weil man Ihn in uns erkennen kann (oder soll).  So wird in unseren guten Taten die Güte Gottes offenbar. Das Bild entspricht der Vorlage.

Das Gegenstück dazu finden wir in der Götzenpolemik bei Deuterojesaja (Jes 44, 12-19):

12 Der Schmied macht ein Messer in der Glut und formt es mit Hammerschlägen. Er arbeitet daran mit der ganzen Kraft seines Arms; dabei wird er hungrig, sodass er nicht mehr kann, und trinkt auch kein Wasser, sodass er matt wird.
13 Der Zimmermann spannt die Schnur und zeichnet mit dem Stift. Er behaut das Holz und zirkelt es ab und macht es wie eines Mannes Gestalt, wie einen schönen Menschen; in einem Hause soll es thronen.
14 Er haut Zedern ab und nimmt Kiefern und Eichen und wählt unter den Bäumen des Waldes. Er hatte Fichten gepflanzt und der Regen ließ sie wachsen.
15 Das gibt den Leuten Brennholz; davon nimmt er und wärmt sich; auch zündet er es an und bäckt Brot; aber daraus macht er auch einen Gott und betet’s an; er macht einen Götzen daraus und kniet davor nieder.
16 Die eine Hälfte verbrennt er im Feuer, auf ihr brät er Fleisch und isst den Braten und sättigt sich, wärmt sich auch und spricht: Ah! Ich bin warm geworden, ich spüre das Feuer.
17 Aber die andere Hälfte macht er zum Gott, dass es sein Götze sei, vor dem er kniet und niederfällt und betet und spricht: Errette mich, denn du bist mein Gott!
18 Sie wissen nichts und verstehen nichts; denn sie sind verblendet, dass ihre Augen nicht sehen und ihre Herzen nichts merken können.
19 Er kommt nicht zur Einsicht; keine Vernunft und kein Verstand ist da, dass er dächte: Ich habe die eine Hälfte mit Feuer verbrannt und habe auf den Kohlen Brot gebacken und Fleisch gebraten und gegessen, und sollte die andere Hälfte zum Götzen machen und sollte knien vor einem Klotz?

Bei den Götzen sind die Bilder aus Holz und können nichts tun. Deshalb werden diejenigen unvernünftig genannt, die sich vor einem Holzklotz niederwerfen.

Geborgenheit (Röm 8, 38f)

38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,
39 weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Es geht in beide Richtungen. Wir wenden uns nicht nur von Gott gesandt in die Welt, um Gutes zu tun, wir können auch aus der Welt zu Gott Zuflucht nehmen, wann immer wir Geborgenheit und Sicherheit brauchen. Bei allem, was uns widerfahren kann ist eins klar: Wir sind gerettet, Gott gibt uns nicht preis. Um’s Verrecken nicht!

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8 Kommentare zu Credo

  1. Thomas Jakob sagt:

    Sehr interessant! Manches in Deiner Zusammenstellung überrascht mich. Und das eine oder andere verstehe ich auch nicht. Insbesondere diese Stellen:

    Schöpfung aus dem Nichts: Genesis 1,1 beschreibt doch gerade diese Schöpfung aus dem Nichts. Das Tohuwabohu bestand erst unmittelbar danach.
    Wenn, wie Du schreibst, die Unvermeidlichkeit der Sünde als Grund dafür dient, nicht mehr zu strafen, wieso ist es dann später doch wieder nötig, diese Schuld zu tilgen. Und wie passt dieser ganze Sünden-Zusammenhang überhaupt zu der modernen Sündeninterpretation als Entfernung von Gott?
    Genesis 1,27 hat mich an dieser Stelle unter dem Stichwort „Konsequenz“ komplett überrascht. Das war doch sehr am Anfang. Davon einmal abgesehen fallen mir zu diesem Vers ganz andere Sachen ein. Z. B. frage ich mich fast schon reflexhaft, ob es nicht bis heute eher umgekehrt ist, also sich der Mensch Gott nach seinem Bilde schafft. Und dieses „schuf sie als Mann und Frau“ taucht ja auch in vielen brisanten Zusammenhängen auf, so bei feministischer Theologie als Chance wie auch im Bezug auf die Gender-Theorien als Begründung der traditionellen binären Gegenposition.

    Römer 8, 38 f hätte auch gut bei mir ins Bild gepasst, aber das geflügelte Wort von der Morgenröte war mir dann doch wichtiger.

  2. De Benny De Benny sagt:

    Schöpfung aus dem Nichts: Genesis 1,1 beschreibt doch gerade diese Schöpfung aus dem Nichts. Das Tohuwabohu bestand erst unmittelbar danach.

    Stimmt, dieser Ansicht könnte man sein. Da wirkt bei mir wohl das Theologiestudium nach. Ich habs jetzt auch nochmal nachgesehen bei wibilex und in der RGG, aber auch dort fand ich, daß es im AT den Gedanken der creatio ex nihilo nicht gibt.

    Das hatte ich wohl so fest im Hinterkopf, daß ich gar nicht mehr gesehen hab, daß man die Stelle auch anders verstehen kann. Andere Bibelverse sind da vielleicht auch deutlicher, grad wo der Chaoskampf noch durchscheint.

    Wichtiger hier als daß schon was da war ist mir der Aspekt, daß die Schöpfung wenn nicht nur, dann doch zum Gutteil aus dem Errichten einer gewissen Ordnung besteht, die im Gegensatz zum Chaos steht. Und um etwas zu sortieren, muß auch erst einmal was da sein.

    Wenn, wie Du schreibst, die Unvermeidlichkeit der Sünde als Grund dafür dient, nicht mehr zu strafen, wieso ist es dann später doch wieder nötig, diese Schuld zu tilgen.

    Naja, das sind zwei Texte von zwei Autoren, wahrscheinlich auch aus einer ganz anderen Zeit (hab das jetzt nicht nachgeprüft). Ich fand einfach interessant, daß es diesen Gedanken auch gibt.

    Und wie passt dieser ganze Sünden-Zusammenhang überhaupt zu der modernen Sündeninterpretation als Entfernung von Gott?

    Ich hätte eher Trennung als Entfernung gesagt, aber gut, wie auch immer ist das doch auch was, das überwunden werden will.

    Genesis 1,27 hat mich an dieser Stelle unter dem Stichwort „Konsequenz“ komplett überrascht. Das war doch sehr am Anfang.

    In der erzählten Zeit schon. In der erzählenden Zeit nicht unbedingt. Man könnte es auch so verstehen, daß da die Konsequenz schon mal vorgezeichnet und vorweggenommen wird. Der Mensch ist Bild Gottes. Dem gilt es gerecht zu werden.

    Davon einmal abgesehen fallen mir zu diesem Vers ganz andere Sachen ein. Z. B. frage ich mich fast schon reflexhaft, ob es nicht bis heute eher umgekehrt ist, also sich der Mensch Gott nach seinem Bilde schafft.

    Auch. Aber das muß einander ja nicht ausschließen. Insofern jeder Mensch Sünder ist, erschafft sich jeder seinen eigenen Götzen. In den meisten Fällen ähnelt dieser Götze dann einem selbst. Da fällt mir Luthers „incurvato in se ipso“ ein…

    Römer 8, 38 f hätte auch gut bei mir ins Bild gepasst, aber das geflügelte Wort von der Morgenröte war mir dann doch wichtiger.

    Mir fiel, nachdem ich den Text geschrieben hatte, mein Konfirmationsspruch ein:

    Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer. (Jes 54, 10)

    Die Morgenröte ist freilich auch schön.

  3. Thomas Jakob sagt:

    „Stimmt, dieser Ansicht könnte man sein. Da wirkt bei mir wohl das Theologiestudium nach. Ich habs jetzt auch nochmal nachgesehen bei wibilex und in der RGG, aber auch dort fand ich, daß es im AT den Gedanken der creatio ex nihilo nicht gibt.“

    Schade eigentlich. Aber die christliche Position ist es schon, oder? Wenn nicht wegen des apokryphen 2. Makk 7,28, dann eben wegen Hebr 11,3 (für Protestanten).

    Dabei hätte die creatio ex nihilo so hübsch zum Urknall gepasst. Andererseits ist der Zustand „vor“ dem Urknall schlicht nicht definiert, und dazu passen 2+x Theologenmeinungen ebenso gut.

    „Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer. (Jes 54, 10)“

    Das ist auch ein schöner. Selbst ausgesucht oder verliehen bekommen?

     

  4. De Benny De Benny sagt:

    Aber die christliche Position ist es schon, oder?

    Ich bin skeptisch, ob es die christliche Position gibt. Angesichts all der Konfessionen. Und dann ist es ja im Protestantismus so, daß jeder selbst die Bibel auslegt.

    Aber bei der Frage, ob die Welt nun aus dem Nichts oder aus dem Chaos geschaffen wurde, handelt es sich wahrscheinlich ohnehin um ein Adiaphoron.

    Ich finde beim Gedanken der Schöpfung aus dem Chaos charmant, daß man eine Erklärug für das „Böse“ quasi automatisch zur Hand hat, gleichzeitig bekommt die „Allmacht“ Gottes eine Bedeutung, daß es sich um Macht über alles, also auch das Chaos handelt, weniger einen sterilphilosophischen Allmachtsbegriff.

    Gott dreht durch die Schöpfung und den Erhalt der Schöpfung (vgl. Rede aus dem Wettersturm am Ende des Hiobbuches) das Chaos ins Gute, der Mensch kann daran mitarbeiten (freilich nicht aus eigenem Willen, aber das hatten wir ja schon 😉 ).

    Ist ne Denkfigur, die mir sympathisch ist, kann man freilich auch alles anders sehen.

    Und die Hebräerstelle… ich denke schon seit ein paar Tagen darüber nach, nen Artikel zu meinem Bibelverständnis zu schreiben, vielleicht wird dann klarer, wieso mich das nicht stört (zumThema Bibel auslegen schreibt übrigens Derek Flood grad interessante Blogposts).

    Das ist auch ein schöner. Selbst ausgesucht oder verliehen bekommen?

    Wir bekamen ne Liste. Aus der allerdings selbst ausgesucht. Wären wir ganz frei gewesen, wär wohl die „der werfe den ersten Stein“ Stelle rausgekommen…

  5. Thomas Jakob sagt:

    „Ich finde beim Gedanken der Schöpfung aus dem Chaos charmant, daß man eine Erklärug für das „Böse“ quasi automatisch zur Hand hat, gleichzeitig bekommt die „Allmacht“ Gottes eine Bedeutung, daß es sich um Macht über alles, also auch das Chaos handelt,“

    All das geht aber genau so, wenn zunächst das Chaos aus dem Nichts geschaffen wurde und danach alles weitere aus dem Chaos.

    „Wir bekamen ne Liste. Aus der allerdings selbst ausgesucht. Wären wir ganz frei gewesen,“

    Wenn ich mich richtig erinnere, wurde uns ausdrücklich auch freigestellt, einen Bibelvers zu wählen, der nicht auf der Liste stand. Wir hätten dann aber kurz Rücksprache mit dem Pastor nehmen sollen.

  6. De Benny De Benny sagt:

    Wir hätten dann aber kurz Rücksprache mit dem Pastor nehmen sollen.

    Wenn jemand wie ich Benjamin heißt, wär 1. Mose 49, 27 auf den zweiten Blick vielleicht doch nicht mehr so cool… 😉
    2. Tim 4, 13 oder 1. Tim 5, 23 klingen vielleicht auch für Konfirmanden erst mal lustig…

  7. Thomas Jakob sagt:

    Wenn man da nicht eingriffe, könnte eine ganze Menge an pubertären Variationen auftauchen: Ich denke da nur an einen sonst wenig bibelinteressierten Mitkonfirmanden, der gleichwohl auf Hesekiel 23 gestoßen war. Wer weiß, ob da nicht irgendwer etwas herauspräparieren würde. Oder den alten Scherz, „Mich dürstet.“ Joh 19,28b zu nehmen, was vielleicht auch mal ein Konfirmand witzig finden könnte.

    Im Grunde ist das im Kleinformat ein Problem, das sich bis auf die Dogmen- und Konfessionsebene durchzieht: das aus dem Zusammenhang gerissene Verwenden einzelner Bibelverse oder Kapitel.

  8. De Benny De Benny sagt:

    Im Grunde ist das im Kleinformat ein Problem

    Da hast Du Recht. Ich hatte ähnliche Gedanken auch schon mal bei den Predigttexten, bei denen manchmal sogar so weit gegangen wird, daß einzelne Verse ausgelassen werden…

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