Quo vadis, domine?

Annibale Carracci [Public domain], via Wikimedia Commons

Wohin gehst Du, Herr?

Populär wurde die Frage durch das Buch von Henryk Sienkiewicz und die folgende Verfilmung mit Sir Peter Ustinov. Die Frage kommt erstmal vor in Joh 13, 36, wo Jesus dem Petrus antwortet, er könne dahin noch nicht folgen, sondern werde den Weg später gehen.

Die Petrusakten, eine Sammlung von Legenden um Petrus, nehmen den Satz auf, und Sienkiewicz‘ Buch Quo Vadis übernimmt diese Geschichte wiederum:

Petrus, der mit Paulus zusammen zur Zeit Neros in Rom wirkte, kann gerade noch aus der Stadt fliehen und läßt seine Gemeinde im Stich, die der Verfolgung preisgegeben ist und im Zirkus nach und nach ermordet wird. Und das, obwohl Jesus ihm nach dem Johannesevangelium den Auftrag gab: Weide meine Schafe.

Auf der Flucht aus der Stadt heraus trifft Petrus auf Jesus, der auf dem Weg in die Stadt ist. Petrus fragt nun wiederum die Frage aus dem Johannesevangelium: Quo vadis, domine? Wohin gehst Du, Herr?

Und Jesus antwortet: Ich gehe nach Rom, um mich wiederum kreuzigen zu lassen.

Das bring Petrus zum Umdenken. Er will nicht wieder davonlaufen und seinen Herrn verleugnen. Diesmal ist es ihm gegeben, ihm auf dem Weg zu folgen, also geht Petrus nach Rom, wird gefangen und von Nero gekreuzigt.

An diese Geschichte mußte ich denken, als ich heute auf einigen amerikanischen Blogs über die Mauer las, die Präsident Trump an der Grenze zu Mexiko errichten will. Mehrfach las ich die Aussage: Wenn die Mauer gebaut wird, ist Jesus auf der anderen Seite. Den Jesus ist immer und war immer bei den Armen und Bedrückten.Wenn man die mit einer Mauer auszugrenzen versucht, grenzt man auch den Menschensohn aus, grenzt man sich vom Heiland ab – ebenso wie das Establishment im NT sich von Jesus abgrenzte, weil dieser sich mit Sündern und Zöllnern abgab.

Und das hat mich zum Nachdenken gebracht. Wenn Jesus in Amerika hinter der Mauer, jenseits bei den Ausgegrenzten ist, wo ist er dann beim Flüchtlingselend in Europa? Ich kann es mir nur so denken, daß Er bei denen ist, die auf überfüllten Booten versuchen, das Mittelmeer zu überqueren. Er ist auch hier jenseits, hinder den Grenzen, die wir aufziehen. Wir laufen Gefahr, uns ebenso von unserem Heiland abzugrenzen, weil Er bei denen ist, die wir nicht sehen wollen.

Wie das Establishment im NT Angst hatte um die Ordnung, Angst um die eigene Macht, haben wir Angst um unseren Wohlstand, und hatte der Petrus der Petrusakten Angst um sein Leben.

Alle wollen nur eins: Das eigene retten. Und das bedeutet dann eben auch: Zuerst NICHT für den Nächsten einstehen. Petrus wurde vor Augen geführt, was das bedeutet: Jesus muß ein weiteres Mal ans Kreuz. Daß das nicht geht, ist dem frommen Petrus klar. Jetzt ist er dran, er muß ein Opfer bringen, im Vertrauen auf Gott.

Wo ist unser Vertrauen? Lassen wir Jesus ein weiteres Mal sterben? Diesmal in den kalten Fluten des Mittelmeeres? Gehen wir so leichtfertig über die Forderung hinweg, daß auch wir unser Kreuz auf uns nehmen und Ihm nachfolgen sollen?

Ich weiß noch nicht, was die Konsequenz aus meinen Überlegungen ist. Doch eins weiß ich: Es kann nicht sein, daß mein Herr und Heiland für mich den Kopf hinhält, der ich doch Glied an Seinem Leib bin. Ich sollte ebenfalls bei jenen sein, die jenseits sind, und fern gehalten werden.

Herr, erbarme Dich!

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26 Kommentare zu Quo vadis, domine?

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  2. Daniela sagt:

    Danke für diesen Beitrag!

    Sei gesegnet!

  3. Thomas Jakob sagt:

    Die Auswahl ist groß, gerade im Zeitalter globaler medialer Verknüpfung. Wenn Du Dich speziell von Quo Vadis inspirieren lassen willst, würde es sich aufdrängen, irgendwo hin zu gehen, wo Christen hart verfolgt werden. Der sog. IS hat hin und wieder sogar schon Christen gekreuzigt. Und der Film-Petrus hat diese Hinrichtungsart als besondere Ehre empfunden.

    Disclaimer: Ich rate ausdrücklich nicht dazu, sich derart in Gefahr zu bringen, und würde es auch selbst auf keinen Fall tun.

  4. De Benny sagt:

    Versteh mich nicht miß, ich bin nicht auf der Suche nach einem Martyrium o.Ä., und ich will mich nicht von etwas inspirieren lassen. Ich hatte den Satz, daß Jesus auf der anderen Seite der Mauer wäre irgendwo aufgeschnappt und kam darüber auf Quo Vadis. Warum, das können Neurologen vielleicht irgendwann mal erklären (oder Pneumatologen ;)).

    Und Du hast es sicher auch gemerkt, daß der Artikel nicht ganz rund, nciht ganz abgeschlossen ist. Es ist eine Frage, was ich tun kann/muß/soll angesichts der Ausgrenzung, die sich mir – auch und besonders emotional – aufdrängt.

    Ich weiß nicht, ob es für Petrus eine Ehre war, sich kreuzigen zu lassen, aber er (also der Petrus aus der Geschichte, der Historische ist ja nicht greifbar) sah es wohl als Notwendigkeit an.

    Und ich frage mich halt, was ich für mich in dieser Situation notwendig, wenn ich Christus nicht verraten will?

  5. Thomas Jakob sagt:

    Und ich frage mich halt, was ich für mich in dieser Situation notwendig, wenn ich Christus nicht verraten will?

     Alles verkaufen und das Geld den Armen geben. Biblisch verbürgt als Nachfolgevoraussetzung. Ich mache das auch nicht.

    Als Nächste immer die verstehen, die gerade im Fernsehen und Internet besonders dramatisch präsentiert werden. Den armen Rentnern in Griechenland müsste es inzwischen wieder gut gehen, wenn es danach ginge. Von den vielen Afrikanern, die bereits auf dem Weg zum Mittelmeer sterben, hört man auch nichts, von den Hungeropfern auf dem Kontinent auch nicht mehr viel. Mit den Leuten, mit denen in deutschen Altersheimen kaum noch jemand spricht, spricht auch das Fernsehen nicht.

    Wenn man allen helfen will und immer dem Medientrend hinterher geht, verzettelt man sich. Eine Patentlösung, wem mit welcher Priorität von wem zu helfen ist, habe ich aber auch nicht.

  6. Christina sagt:

    Als Nächste immer die verstehen, die gerade im Fernsehen und Internet besonders dramatisch präsentiert werden. Den armen Rentnern in Griechenland müsste es inzwischen wieder gut gehen, wenn es danach ginge. Von den vielen Afrikanern, die bereits auf dem Weg zum Mittelmeer sterben, hört man auch nichts, von den Hungeropfern auf dem Kontinent auch nicht mehr viel. Mit den Leuten, mit denen in deutschen Altersheimen kaum noch jemand spricht, spricht auch das Fernsehen nicht.

    Hahaha  …  guter Sarkasmus.  😀

     

    @ Benny:

    Und ich frage mich halt, was ich für mich in dieser Situation notwendig, wenn ich Christus nicht verraten will?

    Du willst ihn nicht verraten? Du verrätst ihn doch schon ständig. Zum Beispiel, indem du Allah als seinen Vater bezeichnest. 😉

  7. De Benny sagt:

    Alles verkaufen und das Geld den Armen geben. Biblisch verbürgt als Nachfolgevoraussetzung. Ich mache das auch nicht.

    Ja eben.

    Wenn man allen helfen will und immer dem Medientrend hinterher geht, verzettelt man sich.

    Das stimmt. Ich sehe die Medien hier auch eher als Schlaglichtwerfer, natürlich gibt es so viel mehr, was uns nicht bewußt ist.

    Vor Jahren war ich bei nem Vortrag der ESG Potsdam. Da kam ein älterer Herr, der in seinem Leben viel durch hatte: Bei der Wehrmacht am Ende eingezogen und Sabotage betrieben, später dann nach Südafrika, mit Familie Ghandi Kontakt bekommen, studierte bei Martin Luther King, war aktiv in Vietnam, wurde deshalb von GIs gefoltert, kam immer wieder zu Gemeindevorträgen in die DDR und meinte, ein anständiger Mensch müsse bei den Geheimdiensten eine Akte haben. Seine Stasi Akte mußte nach seinen Angaben von zwei Leuten getragen werden…

    Der damalige ESG Pfarrer meinte im kleinen Kreis: Ja, schön und gut. Aber wer hält der alten Oma aufm Land die Hand, wenn alle Pfarrer auf Deoms sind?

    Ich verstehe Deinen Kommentar ähnlich. Und wie gesagt, mir geht es nicht darum, irgend einem Medienhype nachzulaufen, sondern um die grundsätzliche Haltung und die Konsequenz daraus.

    Denn auch wenn ich michzu Hause um die Gemeindeglieder im Altenheim kümmere, oder um die Vereinsamten, kann ich ja eine Meinung zu den Demonstrationen haben, oder zu irgendwelchen sozialpolitischen Aktionen, in die meine Kollegen vielleicht involviert sind.

    @Christina:

    Du willst ihn nicht verraten? Du verrätst ihn doch schon ständig. Zum Beispiel, indem du Allah als seinen Vater bezeichnest.

    Mt 7, 1f.

  8. Thomas Jakob sagt:

    Ich verstehe Deinen Kommentar ähnlich.

    So war er auch gemeint.

    Denn auch wenn ich michzu Hause um die Gemeindeglieder im Altenheim kümmere, oder um die Vereinsamten, kann ich ja eine Meinung zu den Demonstrationen haben, oder zu irgendwelchen sozialpolitischen Aktionen, in die meine Kollegen vielleicht involviert sind.

    Natürlich. Die spannende Frage ist dann, was Jesus dazu gesagt und wie Jesus sich verhalten hätte. Bekannt sind 1. unmittelbare Hilfe für jeden Leidenden, der ihm über den Weg lief und darum bat, 2. die Empfehlung in der Bergpredigt, es im Rahmen der eigenen Möglichkeiten genau so zu machen, 3. die Ablehnung typischer weltlich-politischer Optionen im Rahmen der Versuchungsgeschichte und 4. das Zurückspielen von Versuchen, ihn in tagespolitische Zwickmühlen zu bringen oder ihn für irgendetwas in dieser Richtung zu vereinnahmen („Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“).

    Innerhalb dieser Leitplanken müssen sich Christen auch heute noch ihren Weg suchen.

  9. De Benny sagt:

    Innerhalb dieser Leitplanken müssen sich Christen auch heute noch ihren Weg suchen.

    Ich seh mein größtes Problem bei den tagespolitischen Zwickmühlen. Meine Befürchtung ist, den Mund zu halten, wo ich hätte schreien sollen. Daher schrei ich vielleicht etwas mehr, als gut wäre.

  10. Christina sagt:

    @ Benny:

    Mt 7, 1f.

    Joh. 7, 24   😉

     

     

  11. De Benny sagt:

    @Christina:

    Offenbar verstehst Du mich manchmal doch.

  12. Christina sagt:

    @ Benny:

    Offenbar verstehst Du mich manchmal doch.

    Du mich aber anscheinend nicht. Also muss ich es wohl doch ein bißchen ausführlicher machen:

    http://www.eaec-de.org/Richten.html

    http://www.was-christen-glauben.info/liebe-und-beurteilen/

    https://reformiert1689.wordpress.com/richten/

     

    Alles klar?  😉

     

  13. Christina sagt:

    Mein erster Kommentar in der Moderationsschleife wird nicht mehr angezeigt (vielleich weil ich die E-Mail-Adresse inzwischen korrigiert habe?), deshalb ein zweiter Versuch.

    @ Benny:

    Offenbar verstehst Du mich manchmal doch.

    Du mich aber anscheinend nicht.  😉  So muss ich wohl doch etwas ausführlicher werden:

    http://www.eaec-de.org/Richten.html

    http://www.was-christen-glauben.info/liebe-und-beurteilen/

    https://reformiert1689.wordpress.com/richten/

  14. De Benny sagt:

    Mir ging es weniger um das „richtet nicht“, sondern eher um „mit welchem Maß Ihr meßt, werdet Ihr bemessen werden“. Wenn Du mir also vorwirfst, den Herrn verraten zu haben, geh lieber sicher, daß Du Ihn nicht verraten hast.

    Dein ständiges Suchen nach Fehlern bei anderen (Muslimen, Flüchtlingen, „liberale“ Christen…) und Dein andauerndes Dich beziehen auf Gurus statt der Bibel (erinnere Dich an Luther: Wenn ich nicht aus Vernunftgründen oder der heiligen Schrift widerlegt werde… – bei Dir wohl eher: Wenn nicht meine Gurus widerlegt werden und dies zugeben…) hat mich schon oft um Dich sorgen lassen. Ich glaube, Du bist auf einem verkehrten Pfad. Ich schrieb das schon mehrmals.

    Ich hoffe, Du findest bald den Weg nach Hause.

  15. Christina sagt:

    Ich hoffe, Du findest bald den Weg nach Hause.

    Ich bin schon zu Hause.  🙂

  16. De Benny sagt:

    Ich bin schon zu Hause.

    Stellst Du Dir so das Zuhause vor? Mit all der Abgrenzung und Ausgrenzung? Ich nicht! Und ich finde das so in der Bibel auch nicht beschrieben.

  17. Christina sagt:

    Und ich finde das so in der Bibel auch nicht beschrieben.

    Tja, vielleicht solltest du die Bibel mal gründlicher im Zusammenhang lesen.  😉

  18. De Benny sagt:

    Vielleicht magst Du mir ja sagen, was ich da finden sollte, denn trotz Lesens der Bibel im Zusammenhang komm ich beim besten Willen nicht auf die gleichen Gedanken wie Du. Ich vermute, dazu muß man ganz viele youtube Videos gucken und sich darin erklären lassen, was WIRKLICH in der Bibel steht. Oder Predigten von Leuten hören, die einem erklären, daß Fremdlinge in der Bibel gar keine Fremdlinge sind, und man deshalb die Bibelverse über Fremdlinge beim heutigen Umgang mit Fremdlingen um Gottes Willen nicht beachten sollte…

  19. Christina sagt:

    Ich denke, es würde auch dir ganz gewiß nicht schaden, deinen Horizont durch Youtube-Videos oder Predigten von „meinen Gurus“ zu erweitern, anstatt nur immer „deinen Gurus“ von der Uni nachzulaufen. Außerdem tust du immer so, als tätest du was völlig anderes als ich. Aber dem ist ja nicht so. Du läufst nur anderen Gurus nach als ich. ^^ Und bedingungslos glauben tue ich meinen Gurus nun nicht (auch wenn du das immer so hinstellen möchtest). Prüfen ist ja von der Bibel angesagt. Wie sieht es da bei dir aus?

    Aber anscheinend ist es wirklich so, wie einst Eta Linnemann schrieb, dass das Lügengespinnst der hist.-krit. Theologie vom Feind so fein gesponnen ist, dass es für die, die darin gefangen sind, sehr schwer ist (wenn nicht fast unmöglich) zu entkommen. Das tut mir wirklich leid für dich.

  20. De Benny sagt:

    Ich denke, es würde auch dir ganz gewiß nicht schaden, deinen Horizont durch Youtube-Videos oder Predigten von „meinen Gurus“ zu erweitern

    Nun, ich würde mal ganz frech behaupten, daß ich in all den Jahren mehr Videos und Texte Deiner Gurus angesehen habe als Du Dich ernsthaft mit einem Vertreter der historisch kritischen Methode befasst hast, nicht wahr?

    anstatt nur immer „deinen Gurus“ von der Uni nachzulaufen

    Das sind für mich keine  Gurus und ich erklär Dir auch warum.

    Außerdem tust du immer so, als tätest du was völlig anderes als ich. Aber dem ist ja nicht so. Du läufst nur anderen Gurus nach als ich. ^^

    Nein, das ist eben nicht der Fall. Ich tue etwas ganz anderes als Du. Das war auch schon oft Gegenstand unserer Gespräche.

    Und bedingungslos glauben tue ich meinen Gurus nun nicht (auch wenn du das immer so hinstellen möchtest). Prüfen ist ja von der Bibel angesagt.

    Ich kann nicht erkennen, daß Du Deine Gurus geprüft hättest. Denn Du bist nicht in der Lage – und das mehrfach – ihre Ansichten mir gegenüber zusammen zu fassen. Wir hattenschon oft, vor allem am Anfang, den Punkt erreicht, bei dem ich die ein oder andere These von Liebe oder Linnemann und wie sie alle heißen, hinterfragt habe. Ich fand also, daß sie an bestimmten Punkten nicht nachvollziehbare Schlüsse zogen. Das hatte ich Dir mitgeteilt und Dich gefragt, wie nun damit umzugehen sei.

    Hättest Du Dich mit Deinen Gurus befasst, hättest Du sie geprüft, dann hättest Du mir entweder meine Fragen beantworten können, oder Du hättest mir Recht geben müssen, daß die Gurus diese Fragen nicht oder unzureichend beantworten. Das tatest Du nicht. Statt Dich auf Deine Kenntnis ihrer Lehren zu stützen und mir Auskunft zu geben, hast Du gemeint, ich müsse mir das in ihren Büchern, Videos etc selbst zusammen suchen. Du hattest also auch keine Antwort auf die Fragen,  bliebst aber bei Deinen Gurus, obwohl die Fragen offenbar auch für Dich offen blieben. Deshalb nenne sich sie Deine Gurus, weil Du Dich an sie klammerst, auch wenn es keinen logischen Grund dafür gibt, auch wenndie Prüfung ihrer Lehren dazu führt, daß Fragenunbeantwortet und offen bleiben. Du gehst nicht frei mit ihren Lehren um, indem Du sie prüfst,und das Gute behältst. Du behältst sie ganz und beschränkst die Prüfung womöglich darauf, ob sie einen bestimmten Satz an Vorurteilen Deinerseits bestätigen.

    Ich hingegen laufe keinem Guru nach. Ich sehe mir an,was sie sagen, und bilde mir eine Meinung dazu. Ich kann das, was sie sagen, soweit wiedergeben, wie ich es für mich übernehme. Ich kann auch, wenn Du mich auf einen logischen Fehlschluß etwa bei Bultmann oder Barth hinweist, erklären, wieso ich es nicht für einen Fehlschluß halte, wenn es so ist, oder ich stimme Dir zu und ändere meine Meinung.

    Ich stimme sicherlich nicht in allen PunktenBarth zu, und Bultmann wahrscheinlich noch weniger. Ich versuche aber, zu verstehen, was sie sagten, ich versuche es nachzuvollziehen und selbst erklären zu können. Denn eines Tages werde ich vor Gott stehen, undda kann ich nicht sagen, der Papst, oder Linnemann oder Bultmann hättendies oder das gesagt, sondernes kommt darauf an, was ich in der Situation als wahr erkannt habe und was nicht.

    Dazu bedarf es eines kritischen Geistes. Der Kritik dieses Geistes muß sich dann alles unterziehen, egal ob es Linnemann, Papst oder Tscharndtke heißt. Und dieser kritische Geist ist in der Lage, einiges vom Papst, einiges von Linnemann und auch einiges von Bultmannabzulehenen oder zuzustimmen. Nur: Der kritische Geist kanndann erklären,wieso er dem einen zustimmt und dem anderen nicht.

    Der Guru-Jünger kann das nicht. Für ihn reicht es, die Schriften des Gurus zu verbreiten und dadurch sienen Ruhm zu mehren. Es geht dabei weniger um den Inhalt der Schriften des Gurus als vielmehr um den Guru selbst. Dieser Umgang ist unkritisch, weil weder Schriften noch Guru wirklich überprüftwerden. Natürlich wird es einen Grund geben, wieso Du Liebi und Konsorten zu Deinen Gurus erkoren hast, und nicht etwa Pierre Vogel, Abu Nadschie etc, aber das kann auch nationalistische oder traditionalistische Hintergründe haben. Wie das bei Dir ist, kann ich nicht sagen, weil Du darüber nicht sprichst, wahrscheinlich, weil es Dir auch nicht bewußt ist und Du meinst, Du würdest ihre Schriften und Videos konsumieren weil sie so gute Theologie machen würden. Nur, würdest Du es als gute Theologie erkennen, müßtest Du auch Fragen beantworten können, was Du wie gesagt nicht tust. Du hältst sie also für gute Theologen, weil Du sie als Gurus auserkoren hast und nicht umgekehrt.

    Aber anscheinend ist es wirklich so, wie einst Eta Linnemann schrieb, dass das Lügengespinnst der hist.-krit. Theologie vom Feind so fein gesponnen ist, dass es für die, die darin gefangen sind, sehr schwer ist (wenn nicht fast unmöglich) zu entkommen.

    Gedankenexperiment: Was, wenn nicht die HKM das Lügengespinst des Feindes ist, sondern die Lehren Deiner Gurus mit ihrem unreflektierten Pseudobiblizismus, der immer dann die Bibel wörtlich nimmt, wenn es gerade opportun ist, und der immer dann anfängt, freiere Auslegungen zu produzieren, wenn die Bibel unbequem wird?

    Die HKM ist ein für die Kritik offenes Verfahren, das viel Kritik erfahren hat und das auch zu weiteren Ansätzen führte. Die HKM hat Stärken und Schwächen und ist eben vor allem eins: Eine Methode, nicht mehr und nicht weniger. Wenn Du Dich mit ihrer Geschichte befassen würdest, würdest Du erkennen, daß es vorallem fromme Männer waren, die sie entwickelt und weiterentwickelt haben. Und zwar nicht, um den Glauben abzuschaffen, sondern weil sie die Bibel ernsthaft auslegen und verstehen wollten. Aber so lange Du Deinen Gurus nachrennst, wirst Du das nicht erkennen können. Du wirst nur immer wieder anderen vorwerfen, nicht genug von LIebi gesehen zu haben, ohne Dich selbst je mit der HKM, Bultmann oder BArth auseinander gesetzt zu haben.

    Das tut mir Leid für Dich, was für ein Schatz Dir da entgeht.

  21. Christina sagt:

    Wozu Jesus? – Die Kreuzigung

    Jesus? Der ist unbequem. Man will ihm aus dem Wege gehn.
    Denn: wo ER die Wahrheit sagt und uns Menschen hinterfragt,
    passt das unserm Denken nicht. Hart gehn wir mit ihm ins Gericht!
    Ihn kreuzigen, das ist nicht schwer – so wird’s gemacht, komm, sieh mal her:

     

    Zuerst muss man die Bibel streichen, dann kann man ihn an uns angleichen.
    Die ersten Zeugen, ihre Schriften, die muss man per Kritik vernichten.
    Denn: Was sie uns von Jesus schreiben, das würde ja sonst Prüfstein bleiben
    für das, was ER gewollt, gesagt. O, wie die Bibel uns da plagt!
    Doch – wie gesagt – das woll’n wir nicht! Drum lösen wir uns von der Schrift.
    Die Zeitgeist-Theologenschar
    hilft uns dabei – wie wunderbar:
    „Lasst euren Glauben nicht verstauben.
    Ihr dürft nicht nach der Bibel glauben!
    Die Wissenschaft hat festgestellt,
    dass, wie’s da steht, sich nicht verhält!“

     

    So täuschen sie die ‚dummen Laien’. Wird Gott ihr Lügen einst verzeihen?
    Man fügt hinzu, ergänzt und streicht. Das macht viel Spaß und geht so leicht.
    Und endlich ist der Weg dann frei für eig’ne Gottesträumerei.
    Der nächste Schritt jetzt folgen kann: wir passen Jesus noch mehr an,
    jetzt an den Zeitgeist, der „modern“ zum Witz ihn macht und uns zu Herrn.
    Mit Phantasie gehn wir ans Werk, und aus ihm wird ein Gartenzwerg,
    der gut in unsre „Gärten“ passt, hübsch anzusehn und stumm gemacht.
    Denn ohne klares Bibelwort, da passt ER gut an jeden Ort.
    Bei Lebenswenden-Festlichkeit,
    mal für die Freude, mal für’s Leid,
    dann brauchen wir – sonst nicht erwünscht –
    ein bisschen Gott und Christlichkeit.
    Dann singt man: „Jesu geh voran“.
    Man will sonst nix von diesem Mann.
    Ach, doch: ein kleines „Christkindlein“
    zum Weihnachtsfest darf’s gern auch sein.
    Zum Schmuckstück-Jesus macht man DICH
    im Kirchenschiff – das gönnt man sich.
    Als Ohrring und als Wandbehang
    ein schickes Kreuz ganz hübsch sein kann.
    Man schließt dich ein in Traditionen,
    man passt dich an an Konfessionen,
    in starre Formen gießt man dich,
    zum Beispiel Volks- und Freikirchlich.
    Man macht aus dir ’n „Supermann“, damit man Menschen locken kann
    und spannt dich so vor’n eig’nen Karren für all die Ohne-Meinung-Narren:
    „Gott mit uns“ auf den Gürtelschnallen, so hat’s dem Kaiser schon gefallen.
    Die Zeitgeist-Theologenschar
    rief: „So ist Gott, das ist doch klar!
    Lasst euren Glauben nicht verstauben.
    Ihr dürft nicht nach der Bibel glauben!
    Die Wissenschaft hat festgestellt,
    dass, wie’s da steht, sich nicht verhält!“
    Zum Kriegsgott wurdest du gemacht – bis der zerbrach in Bombenschlacht.
    Und viele schwor’n dem Glauben ab „weil Gott das zugelassen hat.
    Wie soll’n wir denn Vertrauen fassen zu dem, der uns im Stich gelassen?“
    Nur wenige, die ha’ms gemerkt – die Sache war ganz umgekehrt.
    Wir Deutschen litten große Not, weil wir verließen unsern Gott.
    Kaum aber war das überstanden, kaum war ’ne zweite Chance vorhanden,
    auf Jesus in der Schrift zu hören, gelang’s den Nazis zu zerstören,
    was unsre Chance gewesen wär. Nicht Jesus, Hitler wurd’ jetzt Herr!
    Ein Jude Jesus? – fürchterlich! – war Hitlers Plänen hinderlich.
    Man schmiss erneut die Bibel weg, denn die sei ja voll „Juden-Dreck“.
    „Mein Kampf“, so hieß die neue „Bibel“. Die Deutschen wählten wieder übel.
    Aus Jesus wurde nun gemacht ein „Arier“ voll „deutscher Kraft“.
    „Ein Jude war der Jesus nicht!“, so brüllte Goebbels, dieser Wicht.
    Die Mehrheit schrie ganz laut: „Hurra! Ein Helden-Jesus! Wunderbar!“
    Und wieder kamst du vor den Karren als Krieger-Gott für Weltkriegsnarren.

     

    Die Zeitgeist-Theologenschar
    rief: „So ist Jesus! Ist doch klar!
    Lasst euren Glauben nicht verstauben.
    Ihr dürft nicht nach der Bibel glauben!
    Die Wissenschaft hat festgestellt,
    dass, wie’s da steht, sich nicht verhält!“
    Der Kriegsgott starb
    – wer hätt’s gedacht?
    – erneut im Leid der Bombenschlacht.
    Und viele schwor’n dem Glauben ab „weil Gott das zugelassen hat.
    Wie soll’n wir denn Vertrauen fassen zu dem der uns im Stich gelassen?“
    Nur wenige, die ha’ms gemerkt – die Sache war ganz umgekehrt.
    Wir Deutschen litten wieder Not, weil wir verließen unsern Gott.
    Das Ende war ein Strafgericht! Doch: Lernen woll’n wir daraus nicht!
    „Patchwork-Religion“ ist in: Man puzzelt sich ’n ‚Christus’ hin.
    Die Bibel gibt man wieder auf. Sie deckte unsern Irrsinn auf.
    Man spielt gar lustig, frei und froh das Spiel mit Namen „BiBaBo“.
    Mit einem ‚Bibel-Bastel-Bogen’ wird nun geschummelt und gelogen:
    Man schneidet raus aus seiner Bibel, was einen ärgert, alles Übel,
    und klebt an leere Stellen ein so manches bunte Stückelein –
    bis schließlich, endlich übrig bleibt ein eigner Christus – ‚Christus-Light’!

     

    Aus Jesus haben sich gebogen so manchen Uni-Theologen
    ’nen ‚Christus’, weil ja Jesus nicht, behaupten sie, uns greifbar ist.
    Historisch sei da nichts zu machen, die Bibel sei voll and’rer Sachen,
    voll Mythen, Storys und Legenden. Wir müssten erst die Verse wenden.
    Die Wissenschaft hätt’s längst gemerkt: Der Sinn, er sei ganz umgekehrt:
    „So, wie’s da steht, sei’s grade nicht! Wir bringen in die Sache Licht!“
    Und wieder lässt man sich betrügen. Wo führ’n uns hin die neuen Lügen?
    Auch sonst geh’n viele ähnlich vor: Es singt der Esoterik-Chor:
    „Den Bibel-Jesus streichen wir, der ist zu klar im Jetzt und Hier!
    Das Wort ‚der Christus’, das ist fein, denn da passt all (All) und jedes rein –
    ein bisschen Buddha-Religion und etwas Reinkarnation,
    Dalai Lama, Kabbala, Okkultismus, Schamanismus,
    Totenkult und Spiritismus, Hokus Pokus Fidibus,
    ein bisschen Strenge vom Islam, Ritus, Esoterik-Kram,
    Karma-Glaube, Seelenreisen aus Hinduismus und dergleichen –
    all so’was passt in „Christus“ rein. Ist das nicht bunt? Ist das nicht fein?
    „Christus“ passt uns überall, nur Jesus nicht, auf keinen Fall!“
    Die Zeitgeist-Theologenschar
    ruft: „So ist Christus – ist doch klar!
    Und außerdem ist längst bekannt:
    Nur der ist Christ, der tolerant
    nicht länger sagt, es gäbe Wahrheit.
    Der Nebel ist die einz’ge Klarheit!
    Lass deinen Glauben nicht verstauben –
    du darfst nicht nach der Bibel glauben!
    Die Wissenschaft hat festgestellt,
    dass, wie’s da steht, sich nicht verhält!“

     

    Doch:

     

    Menschenmode kommt und geht.
    Herr Jesus, DEINE Wahrheit steht
    geschrieben von den ersten Zeugen.
    Sie wird für uns der Maßstab bleiben,
    wenn Gott dereinst im Weltgericht
    dann prüft, wer Christ war und wer nicht.

     

    Ich trau des Lukas Worten gern:
    „Ich sag’ die Wahrheit! komm und lern,
    was ich von Jesus euch berichte!
    Ich schreib für euch ein Stück Geschichte,
    wie’s uns die Augenzeugen sagten,
    die für den Herrn ihr Leben wagten.“

     

    Auch Paulus schreibt in aller Klarheit:
    „Ich sag’ euch nichts als nur die Wahrheit!
    Ich selber sah IHN, Jesus Christ,
    sah, dass er auferstanden ist.“

     

    Apostel Petrus uns verspricht:
    „Nein, Fabeln schreiben wir euch nicht.“
    Und vieles noch dergleichen mehr
    bezeugt der ersten Zeugen Heer.
    Die Bibel ist kein Lügenbuch, nicht voller Märchen und Betrug (ch)!
    Die Zeugen woll’n uns nicht belügen mit dem, was sie uns aufgeschrieben.
    Ich halte mich an ihre Schriften,
    die gültig sind für alle Christen,
    für alle, die Gott dienen wollen und Jesus fragen, was sie sollen,
    die nicht mehr beten „dass mein Wille“, sondern Gottes sich erfülle –
    sie finden in der Heil’gen Schrift für Gottes Weg genügend Licht.
    „Alles, alles wird vergehen, doch meine Worte bleiben stehen.
    Wer meinen Worten folgt und traut, der hat sein Haus auf Fels gebaut!“,
    so lautet, Jesus, DEIN Versprechen. Du wirst es halten, niemals brechen.
    Drum bleib ich lieber unmodern, vertrau’ der Bibel und dem Herrn
    und bitte auch um sein Erbarmen für all die Menschen, diese Armen,
    die von Verführern reihenweise gelockt sind auf die falschen Gleise.
    Herr, lass den Weg zurück sie finden, dass sie ihr Leben auf dich gründen.
    Herr, lass sie neu die Schrift entdecken und halten sich an dein Versprechen:
    „Wer an mich glaubt, dem werd’ ich geben sinnerfülltes, ew’ges Leben!“
    Ich komme nun, dann ist’s genug (ch), zu diesem, meinem klaren Schluss:
    „Such, wer da will Nothelfer viel, such, wer da will, ein andres Ziel“,
    Ich aber will bei Jesus bleiben! Nichts soll mich von Jesus scheiden!
    Du bist der Fels, auf dem ich steh, der gute Weg, auf dem ich geh.
    Du bist mein Leben und mein Ziel. Ich mach nicht mit beim „Christus“-Spiel.
    Ans Kreuz hängt man dich immer wieder.
    Die Mehrheit singt gern Spötter-Lieder.
    Ich bleib bei dir. Bleib du bei mir. Dies Liebeslied – ich schenk es DIR.
    Rüdiger Fuchs (4. Oktober 1997)

     

     

  22. Christina sagt:

    Wo sind meine ganzen Leerzeilen geblieben?

  23. De Benny sagt:

    Wo sind meine ganzen Leerzeilen geblieben?

    Weiß ich nicht, womöglich werden die am Ende automatisch geschluckt, wenn nix mehr kommt…

  24. Christina sagt:

    Ich meinte eigentlich die Leerzeilen zwischen den einzelnen Strophen des Gedichtes. Die wurden anscheinend nicht mitgesendet. Vorm Absenden waren sie in meinem Text noch da. Jetzt ist das halt eine ganze Textkolonne geworden. Das wunderte mich halt etwas. Aber da kannst du ja nichts dafür. ^^

  25. De Benny sagt:

    Jesus? Der ist unbequem. Man will ihm aus dem Wege gehn.

    War schon immer so und wird wohl so bleiben. Es werden immer wieder „Propheten“ auftreten, die aus der Botschaft von Liebe und Gemeinschaft eine Botschaft von Haß und Abgrenzung machen, wie all jene, die zur Zeit das Evangelium verdrehen um nationalistische Arroganz zu legitimieren…

    Denn: wo ER die Wahrheit sagt und uns Menschen hinterfragt,
    passt das unserm Denken nicht. Hart gehn wir mit ihm ins Gericht!

    Die Frage wär ja allgemein: Wo sagt Jesus überhaupt etwas, wenn nicht direkt zu uns mittels Heiligem Geist. Denn Schriften hat Er keine hinterlassen…

    Zuerst muss man die Bibel streichen, dann kann man ihn an uns angleichen.

    Ach, die Evangelikalen gleichen Ihn wunderbar an uns an, ohne auf die Bibel zu verzichten. Nein, sie nutzen die Bibel sogar noch als Stichwortgeber, ob es jetzt um die Legitimation von Ausländerhaß, Sklaverei oder was auch immer geht. Immer findet sich bei „frommen“ Menschen ein Bibelvers, der alles legitimieren soll. Und die Bibel darf man ja nicht mit Verstand lesen, denn das ist ja Kritik und die ist des Teufels, nicht wahr?

    Die ersten Zeugen, ihre Schriften, die muss man per Kritik vernichten.

    Die wenigsten der ersten Zeugen haben überhaupt etwas geschrieben. Mir fällt da nur Paulus ein, und vernichtet wird der nicht. So hat der Römerkommentar von Barth ja durchaus einigen Einfluß genommen.

    Und überhaupt: Da hat wer nicht verstanden, was Kritik heißt. Per Kritik kann man nicht vernichten, per Kritik kann man nur feststellen, ob etwas von Anfang an nichtig ist oder war. Für die Bibel hat das bisher niemand behauptet. Allerdings für einige Traditionen mit Bezug auf die Bibel. Aber als Protestanten steht es uns sowieso gut an, in Bezug auf Traditionen sehr kritisch zu sein und sie am Bibeltext zu prüfen. Nichts anderes macht die historische Kritik.

    Denn: Was sie uns von Jesus schreiben, das würde ja sonst Prüfstein bleiben
    für das, was ER gewollt, gesagt. O, wie die Bibel uns da plagt!

    Prüfstein… Daß die Bibel bisher immer wieder mißbraucht wurde von allen möglichen Gesellen, zur Unterdrückung der Frau, zur Unterdrückung von Ausländern, von Dunkelhäutigen etc, das ist Dir alles bekannt und bewußt. Mit einem Prüfstein alleine läßt sich nicht viel machen, denn, um mit Platon zu sprechen: Wer prüft die Prüfer?

    Luther hatte weiland vor Kirche und Reich sich auf zwei Dinge berufen: Vernunftgründe UND Heilige Schrift. Luther dachte da schon um einiges kritischer als die heutigen „Bibeltreuen“, hatte er doch auch die Reihenfolge der Bücher umgestellt und an manchen Verfasserschaften Zweifel angemeldet. Das gab es übrigens die ganze Kirchengeschichte hindurch, daß Verfasserschaften angezweifelt wurden, das hat weniger mit fehlendem Glauben als mit wachem Geist (auch eine Gabe Gottes) zu tun.

    Wenn irgendwer einen Bibelvers aus dem Zusammenhang reißt, dann braucht auch das einen Prüfstein, und dieser Prüfstein ist die Vernunft, und zu den Werkzeugen der Vernunft gehört die Kritik. Kritik bedeutet Abwägen. Es wird also zwischen zwei oder mehreren Möglichkeiten abgewogen, und die, welche für zu leicht befunden wird, wird dann verworfen.

    Doch – wie gesagt – das woll’n wir nicht! Drum lösen wir uns von der Schrift.

    Ich finde es traurig, wenn sich Leute, die sich als Christen bezeichnen, sich von der Schrift lösen, indem sie sie nicht mehr als Schrift bezeichnen, sondern sie zum Abgott machen, indem sie ihr göttliche Attribute wie Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit zuweisen.

    Die Zeitgeist-Theologenschar
    hilft uns dabei – wie wunderbar:
    „Lasst euren Glauben nicht verstauben.
    Ihr dürft nicht nach der Bibel glauben!
    Die Wissenschaft hat festgestellt,
    dass, wie’s da steht, sich nicht verhält!“

    „Zeitgeist-Theologenschar“. Also Leute wie Latzel oder Tscharndke, die den Ausländer- und Islamfeindlichen Ideologien hinterherlaufen und den Haß biblisch zu begründen suchen. Das muß schief gehen, nur sehen das diejenigen nicht, die nicht nach BIbel und Glauben fragen, sondern eben nach den Ideologien.

    Überhaupt, was das Gedicht da verlangt: Nach der Bibel glauben. Hört sich an wie ein für-wahr-halten von verschiedenen Behauptungen. Wer das als Glaube verkauft, hat den Glauben nicht verstanden, hat ihn nicht erlebt, hatte noch keine Möglichkeit zu begreifen, wie weit der Glaube im Sinne eines Vertrauens auf Gott (und nicht auf weltliche Gegenstände) alles für-wahr-halten übersteigt und lächerlich erscheinen läßt.

    Die Frage ist doch: Glaubt man an Gott oder an die Bibel? Ich glaube an Gott, und Du?

    So täuschen sie die ‚dummen Laien’. Wird Gott ihr Lügen einst verzeihen?

    „Laien“ gibt es im evangelischen Bereich nicht und im katholischen Bereich, wo es sie gibt, gehören viele Theologieprofessoren dazu. Man sollte ein Wort erst verstanden haben, bevor man es benutzt, um andere herabzusetzen.

    Man fügt hinzu, ergänzt und streicht. Das macht viel Spaß und geht so leicht.
    Und endlich ist der Weg dann frei für eig’ne Gottesträumerei.

    Hört sich an, als ob da jemand ein Problem mit der Textkritik hat. Nur: Ohne Textkritik kein Bibeltext, oder eben ein x-beliebiger. Wenn einem die Bibel so wert ist, sollte man sich doch auch drum sorgen, daß man einen möglichst originalgetreuen Text hat, oder nicht? Die Evangelikale Exegese scheint dementsprechend auch kein Problem mit der Textkritik zu haben, wobei mir das, was in dem Wikipedia Artikel steht schon sehr nahe an dem zu liegen scheint, was die HKM macht, nur daß die Schritte nicht so sehr expliziert werden, aber auch „liberale“ Theologen übersetzen den Text und analysieren die Grammatik, analysieren literarisch etc…

    Der nächste Schritt jetzt folgen kann: wir passen Jesus noch mehr an,
    jetzt an den Zeitgeist, der „modern“ zum Witz ihn macht und uns zu Herrn.
    Mit Phantasie gehn wir ans Werk, und aus ihm wird ein Gartenzwerg,
    der gut in unsre „Gärten“ passt, hübsch anzusehn und stumm gemacht.
    Denn ohne klares Bibelwort, da passt ER gut an jeden Ort.

    Und schon denke ich wieder an Latzel, Tscharndtke und Konsorten. Jesus und Seine Botschaft werden klein gemacht, die Begriffe so lange umgedeutet, bis die Botschaft von Haß und Ablehnung den Fremden gegenüber daherkommt, als sei es das, was Jesus wollte. Dabei kenne ich keine einzige Szene, in der Jesus Fremde und Not leidende ausgegrenzt hätte. Den römischen Hauptmann stellt er gar als Vorbild im Glauben hin. Was würde wohl Latzel oder Tscharndtke sagen, wenn ein syrischer Muslim als Vorbild im Glauben bezeichnet würde (und denk bitte dran: der römische Hauptmann war nicht getauft, war also kein Christ).

    Zum Kriegsgott wurdest du gemacht – bis der zerbrach in Bombenschlacht.

    Hinweis am Rande: Der angeblich so liberale Theologe Barth und die anderen Vertreter der dialektischen Theologie haben da grad nicht mitgemacht, aber was interessieren Dich historische Fakten rund um den Kirchenkampf? Wär alles so leicht nachzulesen, vielleicht gibt es auf Youtube ja sogar Videos zu Barth, der Bekennenden Kirche, zur Barmer Erklärung, dem Kirchenkampf, den Deutschen Christen etc etc etc. Aber vorsicht, es könnte Dein Weltbild zum Einsturtz bringen.

    Man schneidet raus aus seiner Bibel, was einen ärgert, alles Übel,
    und klebt an leere Stellen ein so manches bunte Stückelein –
    bis schließlich, endlich übrig bleibt ein eigner Christus – ‚Christus-Light’!

    Jaja, die zusätzlichen bunten Stücklein vom fremdenfeindlichen Jesus der die Abschottung gegen Flüchtlinge gutheißt und die ärgerlichen Stücke, die von Nächsten- und Feindesliebe reden, von Selbstaufgabe und „Fürchte Dich nicht“. Man will sich fürchten vor Muslimen und anderen, die man als fremd ansieht, weil so hat man ja ne Rechtfertigung für Ablehnung bis hin zur Gewalt. Ob da Jesus zum dritten Mal zum Kriegergott gemacht wird?

    Aus Jesus haben sich gebogen so manchen Uni-Theologen
    ’nen ‚Christus’, weil ja Jesus nicht, behaupten sie, uns greifbar ist.

    Na daß Jesus nicht greifbar ist hat Albert Schweitzer – noch so ein liberaler Theologe (mir kommt grad der Spruch in den Sinn, nach dem man die wahren Jünger Jesu an ihren Früchten erkennen soll) – in seinem Buch über den historischen Jesus ja dargelegt. Von Jesus wissen wir so gut wie nichts historisch gesichert. Wovon wir viel wissen, ist vom auferstandenen Christus, den um den geht es in der Bibel weitgehend. Es geht nicht darum, ob Jesus zum Frühstück Hirsebrei oder Nutellabrot aß, sondern darum, was die Auferstehung bedeutet, was der auferstandene Christus bedeutet und welche Konsequenzen sich aus der Auferstehung und dem Glauben daran ergeben.

    Historisch sei da nichts zu machen, die Bibel sei voll and’rer Sachen,
    voll Mythen, Storys und Legenden. Wir müssten erst die Verse wenden.

    Und wieder hat jemand nicht begriffen, von was er da schreibt. Das ist, als hält man ein Telefonbuch für nen Bestsellerroman…

    Das Wort ‚der Christus’, das ist fein, denn da passt all (All) und jedes rein –
    ein bisschen Buddha-Religion und etwas Reinkarnation,
    Dalai Lama, Kabbala, Okkultismus, Schamanismus,
    Totenkult und Spiritismus, Hokus Pokus Fidibus,
    ein bisschen Strenge vom Islam, Ritus, Esoterik-Kram,
    Karma-Glaube, Seelenreisen aus Hinduismus und dergleichen –
    all so’was passt in „Christus“ rein. Ist das nicht bunt? Ist das nicht fein?
    „Christus“ passt uns überall, nur Jesus nicht, auf keinen Fall!“

    Das wär zum Lachen, wenn es nicht zum Weinen wär. Welcher Uni-Theologe hat denn bitte schön derartig Patchworking mit der Religion betrieben? Wer hat Kabbala, Karma und Schamanismus in den christlichen Glauben gemischt von den Uni-Theologen? Ich bestreite ja nicht, daß es sowas nicht gäbe, es hat halt nur nichts mit der Uni und der dort gelehrten Theologie zu tun. Auf so was kommt man eher, wenn man nicht Theologie studiert hat.

    Die Bibel ist kein Lügenbuch, nicht voller Märchen und Betrug (ch)!
    Die Zeugen woll’n uns nicht belügen mit dem, was sie uns aufgeschrieben.

    Kein Uni-Theologe behauptet das.

    sie finden in der Heil’gen Schrift für Gottes Weg genügend Licht.

    Normalsterbliche wie ich brauchen da den Heiligen Geist dazu, aber diese Überheiligen haben den Heiligen Geist ja nicht nötig. Wahrscheinlich brauchen sie nicht mal Gott, sie haben ja die Bibel – ist auch viel handlicher und läßt sich leichter in die Tasche stecken als mein dreieiniger Gott, so ein Buch…

    Drum bleib ich lieber unmodern, vertrau’ der Bibel und dem Herrn

    Was mir im Konfirmandenunterricht hängen geblieben ist: Ich bin der Herr dein Gott, Du sollst keine anderen Götter neben mir haben… weiß nicht, wieso mir das grad in den Sinn kommt, wenn ich lese, daß jemand dem Herrn UND der Bibel vertraut…

    Im Grunde finde ich es erschreckend, wie viel Unkenntnis und Vorurteile in einem Gedicht verpackt wurden, nur um sich selbst und seinen eigenen Patchwork-Glauben zu feiern und alle anderen zu verdammen.

  26. Christina sagt:

     

    Ach Benny, ich muss immer wieder über dich schmunzeln. Also, wenn du etwas wirklich gut kannst und darin ein Talent hast, dann ist es, den Sinn von Aussagen zu deinen Gunsten zu verdrehen. Manchmal ist es für mich wirklich köstlich, deine Ausführungen zu lesen, z. B. so wie diese hier:

    Doch – wie gesagt – das woll’n wir nicht! Drum lösen wir uns von der Schrift.

    Ich finde es traurig, wenn sich Leute, die sich als Christen bezeichnen, sich von der Schrift lösen, indem sie sie nicht mehr als Schrift bezeichnen, sondern sie zum Abgott machen, indem sie ihr göttliche Attribute wie Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit zuweisen.

     

    Weißt du, für welchen Beruf du ganz gute Begabungen hättest? Für Rechtsverdreher (also Rechtsanwalt). Ich glaube, das würde dir liegen. Verzeih mir, es ist wirklich von mir nicht böse gemeint, aber diese Gedanken sind mir beim Lesen deiner Ausführungen so gekommen. Für diesen Beruf hättest du, glaube ich, die nötige Begabung. 🙂

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