Letzte Woche formulierte ich die Idee, per Internet Memes zu verkündigen. Der Gedanke hat sich in meinem Kopf etwas weiter gesponnen und Formen angenommen.

Beim Durchsehen verschiedener Memes fiel mir noch einmal neu auf, daß es viele Memes mit Bezug zu Jesus/Religion/Christentum bereits gibt, und das wohl schon länger. Viele haben einen humoristischen Hintergrund, viele andere stellen (neo-)atheistische Kritik an Religion dar und manche haben einen Inhalt, der durchaus in Richtung Verkündigung geht – wobei hier oft von liberalerer (nach amerikanischer Terminologie) Seite Kritik an den Fundamentalisten und ihren Ansichten formuliert wird.

Tausende Religionen – ich hoffe Du hast richtig getippt
Ein Beispiel (neu-)atheistischer Kritik daran, daß man (angeblich) nur gerettet wird, wenn man (von sich aus) die richtige Religion und den richtigen Gott erkennt Wenn Jesus wiederkommt, wo wird das sein?
Vielleicht hier? (Mega-Church)
Oder hier? (Pro Life Demo)
Oder hier? (Suppenküche)
Nah, es wird wohl kaum hier sein, richtig?
Dürfte ich mit allem Respekt anmerken, vielleicht zuerst einen Blick in das Handbuch zu werfen, bevor man sich auf eine Antwort festlegt?
Ein längeres Meme, das durchaus zur Verkündigung gezählt werden kann.

Als ich die letzten Tage über Verkündigung mit Internet-Memes nachdachte, kamen mir vor allem zwei Image-Macros in den Sinn: Condescending Wonka und The Most Interesting Man in the World. Beide waren mir besonders präsent, also wollte ich überlegen, wie die Struktur dieser Image Macros für die Verkündigung genutzt werden kann.

Für diese beiden Image Macros bin ich zu dem Schluss gekommen, dass sie sich für Verkündigung nur bedingt eignen, und zwar aus folgendem Grund: Beide Image Macros funktionieren so, dass sie einen Punkt in einem Dialog darstellen. Man kann an zwei Gesprächspartner denken – das Gespräch muss nicht unbedingt von gegenseitigem Respekt und Anerkennung geprägt sein, deren einer im Verlauf des Gesprächs das sagt, was auf dem Willy Wonka Bild steht. Dieses Image Macro arbeitet mit Unterstellung, nämlich der Unterstellung, daß jemand, der eine bestimmte Eigenschaft hat, oder einer bestimmten Gruppe angehört, sich auf eine bestimmte Weise verhält (oder eben nicht):

Du bist 18 und schon verlobt?
Du musst richtig erwachsen sein für dein Alter. Oh, Du liebst Jesus aber haßt Religion?
Du musst so viel schlauer und vorurteilsfreier sein als andere Christen.

Man kann auch vom Text abweichen, die Abwertung der Gruppe bleibt:

Oh, Du hast gerade Deinen Abschluß gemacht?
Das ist toll. Ich hätte gerne einen Mocca Frappucino.

Ich habe selbst zwei Versuche gemacht, bei denen ich versucht habe, dem abwertenden Muster auszuweichen, indem ich meine eigene Peer-Group oben einsetzte und den abwertenden Satz dann so negativ machte, daß es auf den Sprecher zurückfällt und eben nicht auf die angesprochene Person oder Peer-Group:

Du glaubst also, jeder sei ein Sünder
Erzähl mir mehr darüber, Menschen nicht als gut oder böse zu klassifizieren, wie es sonst jeder tut Du glaubst also an „Liebe Deinen Feind“
Erzähl mir mehr darüber, wie Feigheit zu einer besseren Welt führt.

Das Problem ist: Ich unterstelle hier natürlich auch. Beim oberen unterstelle ich, daß jemand behaupten würde, die Welt in gute und böse Menschen einzuteilen sei normal und richtig. Beim zweiten unterstelle ich eine Ansicht, daß Feindesliebe dazu führt, den Feind nicht zu bekämpfen und daß das mit Feigheit identisch sei.

Ich mache also viele Unterstellungen und Vorannahmen und tue im Endeffekt genau das, was ich nicht wollte: Mich über eine andere Gruppe erheben, statt das Evangelium zu verkündigen.

Beim „Most Interesting Man“ ist es ähnlich: Man arbeitet mit Vorurteilen und Unterstellungen, um seine Position auf- und die des Gesprächspartners abzuwerten. Beim Herumspielen mit Meme-Generators kamen noch zwei andere Ergebnisse raus:

Christen
Warum seid Ihr nicht besser als andere? (mit schlechter Orthographie im Original)

Hier wird zwar auch eine Gruppe – die Christen – angesproche, auch mit einem Vorwurf, aber wenn man in Betracht stellt, daß sie ja gerade nicht schlimmer als andere sind, sondern nur nicht besser, ist es nicht ganz so wie bei den betrachteten Beispielen vorher. Aber was sagt dieses Bild aus? Für Verkündigung ist es etwas dünn für meinen Geschmack, es hat aber einen Punkt (ebenso wie die oben genannten Image Macros einen Punkt haben können). Als – möglicherweise augenzwinkernde – Antwort in einer Diskussion, indem man genau das vorgeworfen bekommt als Christ, könnte man so darauf hinweisen, daß es gar keinen Grund zum Meckern gibt, weil die Christen eben nicht schlimmer sind als andere.

Man bereut nicht einfach
seine Sünden.

Ebenso kann man dieses Image Macro (genau, es stammt aus Herr der Ringe – Man geht nicht einfach nach Mordor) im Verlauf eines Dialogs angebracht werden um den Punkt zu machen, daß das Bereuen der Sünden keine freie Entscheidung ist, sondern auch geglaubt werden muß. Man muß überzeugt sein.

Meine Vermutung ist, daß alle oder zumindest die meisten Internet Memes vor allem in solchen Gesprächen funktionieren: denn dort werden sie ja auch ursprünglich angewandt. Sie funktionieren, indem sie Aussagen der Gesprächspartner übereinander abbilden (Wonka, Interesting Man) oder auf einen speziellen Punkt der Diskussion (Y U NO, One does not simply) eingehen. Für sich selbst sagen sich selten bis kaum etwas aus, und wenn, dann ist es oft abwertend und für Verkündigung kaum geeignet.

Mit dieser Erkenntnis möchte ich erst einmal schließen, nicht ohne einen weiteren Versuche meinerseits. Diesmal wollte ich den ehtigen Losungstext (5. Mose 15, 10) umsetzen, und wieder geht es nicht ohne Anklage:

Großzügigkeit
Du machst es falsch.

Comments

Comment by Hansjörg Schrade on 2016-09-28 03:12:04 +0100

Viele schöne Memes, die zum Nachdenken anregen, finden Sie auf der fb-Seite „Stuff Jesus never said“ siehe hier: https://www.facebook.com/StuffJesusNeverSaid/?fref=ts