Burka

Afghanistan, woman's costume, 1970s-1980s - Bunka Gakuen Costume Museum - DSC05314

Eine Burka

Jens Spahn hat in der FAZ was geschrieben, das bei FAZonline zusammengefasst wurde. Die Zusammenfassung habe ich gelesen und mich geärgert, und zwar deshalb:

Eine offene Gesellschaft beruhe auf Austausch und Teilhabe am öffentlichen Leben. Hingegen signalisiere eine Vollverschleierung, dass sich jemand isoliere, abgrenze und den Blicken anderer entziehe, schreibt Spahn.

Die Vollverschleierung signalisiert Abgrenzung nicht weniger wie sonstige Mode, die auf Individualität, also auf Abgrenzung von der Menge abzielt. Inwiefern es negativ ist, wenn eine Frau sich den Blicken anderer entziehen will, erschließt sich mir dabei nicht.

Dessen ungeachtet kann eine verschleierte Frau durchaus in Austausch mit anderen treten und am öffentlichen Leben teilhaben. Sie tut es ja gerade, indem sie als die Person, die sie ist, mit Schleier, in der Öffentlichkeit auftritt und sich eben nicht zurückzieht.

Damit verweigere man sich einer der grundlegendsten Formen der zwischenmenschlichen Kommunikation: „Ich verwehre meinem Gegenüber die Möglichkeit, sich im wahrsten Sinne ein Bild von mir zu machen.“

Das Gegenüber kann sich durchaus ein Bild machen, indem es mit der Frau redet. Das Bild ergibt sich dann eben aus dem Gesagten, und weniger aus Oberweite, Taillie oder dergleichen. Wenn eine Frau danach beurteilt werden möchte, wer sie ist, was sie sagt, dann hindert ein Schleier daran nichts.

Wenn aber in der Öffentlichkeit die eigene Freiheit die Freiheit und Erwartungen der anderen tangiere, müssten Regeln gelten, die dieses Zusammenleben strukturierten und gesellschaftlichen Frieden möglich machten, schreibt Spahn. „Deshalb wird übrigens auch Nacktsein im öffentlichen Raum als öffentliches Ärgernis eingestuft und sanktioniert.“

Es ist mitnichten so, daß Nacktheit im öffentlichen Raum immer sanktioniert wird. Auch wird öffentliche Nacktheit überhaupt erst seit relativ kurzer Zeit als Problem angesehen. Auch erschließt sich mir nicht, inwiefern die Feiheit zum Schleier die Freiheit anderer tangieren sollte. Ich verstehe Spahn so, daß er sagt:Ich will das nicht sehen, also soll es verboten werden. Das kann IMHO kein Grund für eine allgemeine Gesetzgebung sein.

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Ob die verschleierten Frauen untereinander und mit den Kindern kommunizieren können?
Bild: Peretz Partensky; Lizenz: CC BY-SA 2.0

Spahn bezweifelt, dass es sich bei der Vollverschleierung um eine freie Entscheidung der Frauen handle.

Kann gut sein, doch ist nicht auszuschließen, daß es eben doch welche gibt, die ihn freiwilig tragen. Wer ihn nicht frewillig trägt, der muß Hilfe erhalten. Nur liegt dann das Problem nicht im Schleier  und wird auch durch ein Verbot desselben nicht gelöst. Aber bei der CDU ist man ja offenbar zufrieden, wenn man einen Mißstand so kaschiert, daß man nix mehr davon mitkriegt. Ich erinnere mich etwa an die DNS Umleitungen gegen Darstellungen von Kindesmißbrauch, die das Problem nicht lösten und nicht effektiv waren… aber zurück zum Thema!

Eindrucksvoll seien die Bilder der Frauen, die voller Begeisterung ihren Gesichtsschleier verbrannten, nachdem die Stadt Manbidsch von islamischen Dschihadisten befreit worden sei.

Da gab es auch andere Bilder. Etwa die von Männern, die ihre Bärte abschnitten. Will Spahn jetzt auch Bärte als Unterdrückungssymbole verbieten?

Bei Integration dürften nicht aus falsch verstandener Toleranz immer wieder die alten Fehler wiederholt werden, so Spahn.

Dem stimme ich voll zu. Einer dieser Fehler wäre der Ansatz „am deutschen Wesen soll die Welt genesen“. Wenn wir nicht klarmachen, daß die freie Entscheidung zu einem Kleidungsstück kein Problem ist, wohl aber Druck jeglicher Art was die Wahl der Bekleidung angeht – ob durch den Ehemann oder durch den Staat, dannzeigen wir, wie ein tolerantes System funktioniert, das die Menschen anerkennt und sie nicht bevormundet.

„Die deutsche Gesellschaft darf und muss klare Ansprüche formulieren, wie Zusammenleben funktioniert und wie eben nicht.“

Die Rahmenbedingungen hierfür gibt das Grundgesetz vor. Ich halte es für einen Fehler, davon abzurücken, weil einzelne Probleme mit Kleidungsstücken anderer Kulturen haben. Wenn Bayern ihre Lederhosen auch in Berlin und an der Nordsee anziehen können, dann können konservative Musliminnen auch in Deutschland einen Schleier tragen!

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Ein Kommentar zu Burka

  1. Nordlicht sagt:

    Aber… so einen ähnlichen Kommentar wollte ich doch noch schreiben 😉 Naja, dann begnüge ich mich damit, mich deiner Meinung voll und ganz anzuschließen. Ergänzt noch um folgenden Gedanken: Der Gedanke des Burkaverbots wurde ja nach Terroranschlägen verstärkt geäußert. Da scheint also ein Zusammenhang zwischen Burka, Bombe, Blutbad hergestellt zu werden. Ich verstehe die Logik nicht. Soweit ich weiß, gibt es doch keinerlei Statistik, die besagen würde, dass Burkaträgerinnen (oder auch nur als solche verkleidete Männer) Anschläge verübt hätten – oder ist mir da was entgangen? Was genau versprechen sich also Politiker davon, sich für ein Burkaverbot stark zu machen? Ach ja, ich vergaß… es sind ja auch bald Wahlen…. ich fürchte, ich verstehe die Logik dahinter doch besser, als mir lieb ist…. *Ironie an* Bei entsprechender Kleidung lässt sich bestimmt auch ohne Burka unter der Kleidung einiges verstecken. Bald wird Badehosen- und anzugpflicht im Sommer und im Winter Pflicht zur hautengen Kleidung gelten, um die Gefahr von Anschlägen zu verringern *Ironie aus*

     

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