Souveräne Staaten?

Heinz Orbis Speyer und Kabinett JS-2
Ich bin grad bei Twitter wieder über das AfD Plakat mit der Forderung nach einem Europa souveräner Staaten gestolpert. UNd ich muß sagen, ich versteh nicht, wieso das erstrebenswert sein sollte.

Persönlich finde ich es ja durchaus positiv, wenn die Grenzen verschwinden, wenn ich auch im „Ausland“ (EU Staaten empfinde ich gar nicht als „Ausland“) mit dem gleichen Geld bezahlen kann und nicht immer wechseln muß, wenn ich mal kurz rüber nach Frankreich fahre, um einzukaufen (die haben zum Beispiel ne viel bessere Auswahl an Fisch in jedem 08/15 Supermarkt, und günstiger ist der auch als bei uns).

Aber gut, es gibt Leute, die haben Angst vor allem, was fremd ist, und wollen dicht machen. Vielleicht auch,um nicht für andere zahlen zu müssen. Gerade bei den Flüchtlingen kommt ja immer wieder die Frage auf, wer das alles zahlen soll usf.

Was ich aber nicht verstehe ist, wieso man am Nationalstaat halt machen soll. Was hab ich als Pfälzer denn mit jemandem wie Frauke Petry zu tun. Nicht, daß wir nur in verschiedenen Staaten geboren wurden (ja, die DDR war damals ein anderer Staat mit eigenem UN Sitz). Auch unsere Sprachen unterschieden sich, wenn auch die Kommunikation über das Hochdeutsche möglich ist (gleiches gilt aber auch für die Englische Kommunikation mit Syrern bzw kann ich auch mit vielen Kosovaren Hochdeutsch kommunizieren), die Kultur ist doch sehr unterschiedlich. Und auch die Religion. Wir sind zwar beide evangelisch (wenn ich richtig informiert bin), die sächsische Landeskirche ist aber lutherisch, meine nicht.

Noch dazu ist die Arbeitslosigkeit in meiner Heimat nicht so schlimm wie in der Heimat von Frau Petry. Wieso sollte ich mit meinen Steuern für deren verfehlte Politik geradestehen?

Es ist also durchaus nicht von der Hand zu weisen, daß auch der Nationalstaat eine viel zu große Entität ist. Laßt mich doch in Ruhe mit all den Preußen, Sachsen und Bayern! Was hab ich mit denen zu tun? Da sind mir die französischen Elsässer doch tausendmal näher!

Wenn also schon Grenzen zu und Souveränität, dann doch bitte für die historischen Regionen. Also wäre meine Mindestforderung hier: Her mit der freien Pfälzer Republik!

Man könnte es natürlich noch weiter runterbrechen. So fällt es einem Vorderpfälzer mitunter schwer, die westpfälzer Dialekte zu verstehen (manche munkeln sogar, die Westpfälzer würden sich wie die Südpfälzer mit dem Teppich zudecken).

Man bräuchte also mindestens 4 souveräne Republiken auf Pfälzer Gebiet: Die Republik Rübenland rund um Ludwigshafen, die Souveräne Südpfalz zwischen Weistraße, Queich, Rhein und Frankreich, die Autonome Alte Welt um Rockenhausen und Winnweiler und die West- und Saarpfalz (für die mir grad keine Alliteration einfällt).

Betrachtet man diese Gebilde näher fältl auch auf, daß etwa Landau geteilt werden müßte, daß aber im Rübenland finanziell potente Orte für die klamme Großstadt Ludwigshafen mit aufkommen müßten, was auch unfair ist undnicht gewollt sein kann. Außerdem stellt sich die Frage, ob ein Zusammenschluß von Saarpfalz und Westpfalz wirklich funktionieren würde.

Bei Licht betrachtet kann die Lösung nur darin liegen, autonome Kommunen zu bekommen. Jedem Dorf sein Präsident und sein Bundeskanzleramt, seine Grenzsicherungstruppen und Asylgesetze.

Womöglich wird das Ganze noch weiter runtergebrochen werden müssen, bis jeder sein eigener Kanzler ist und jeder tun kann, was er will. Dann sollte die AfD am Ziel sein.

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4 Kommentare zu Souveräne Staaten?

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  2. Thomas Jakob sagt:

    Für mich ist das Thema eigentlich nach den ersten drei Absätzen durch. Ich bin, wie bereits an anderer Stelle gesagt, dafür, so etwas wie die Vereinigten Staaten von Europa anzustreben. Angesichts der Griechenlandkrise und der Flüchtlingskrise zeigt sich auch für mich deutlich die Schwäche der jetztigen EU. Es gibt grundsätzlich nur einen Lösungsansatz: Probleme mit dem Geld anderer Leute zudecken. Wenn das nicht klappt, agiert man hilflos.

    Rückkehr zu mehr Souveränität für Nationalstaaten wäre ein Rückschritt, aber man sollte diesen Schritt in Einzelfällen nicht scheuen. Wenn die Engländer gehen wollen, sollen sie gehen und später wiederkommen. Wenn die Griechen das Tempo nicht mitgehen können oder wollen, sollen sie noch ein paar Jahre außerhalb der EU trainieren. Wenn Ungarn oder Polen am äußersten rechten Rand und außerhalb demokratischer Standards agieren wollen, sollen sie damit gern außerhalb der EU Erfahrungen sammeln.

    Ich wünsche mir in Europa eine stärkere Vertretung deutscher Interessen und eine konsequentere Umsetzung von Verträgen und Vereinbarungen. Nationalstaaten müssen ihre Souveränität zum Teil aufgeben, das muss aber jeweils durch Volksabstimmung abgesichtert werden. Dass man, anders als in anderen Ländern, so etwas in Deutschland bisher vermieden hat, rächt sich jetzt in Gestalt z. B. der AfD.

     

  3. De Benny De Benny sagt:

    Ich bin auch dafür, sowas wie die vereinigten Staaten von Europa anzustreben, aber ich habe die Befürchtung, daß es dafür keine Mehrheiten geben wird, zumal die EU über Jahrzehnte als Buhmann für unpopuläre Entschedungen herhalten mußte. Mehr direkter Einfluß der europäischen Völker auf die Union wäre dringend nötig.

    Den Rückfall in die Nationalstaaterei sehe ich genau so: Als Rückschritt. Sicher kann da jeder seine eigene Meinung haben, und wenn die Polen oder die Briten oder die Franzosen meinen, alleine glücklicher zu sein, kann ich sie nicht halten (das wäre undemokratisch).

    Der Artikel sollte eigentlich das Denkmuster auf die Schippe nehmen, nachdem einem diejenigen Leute, die näher dran wohnen einem auch tatsächlich näher stehen. Am Ende ist man sich selbst am allernächsten…

    Ich bin sehr sehr skeptisch, was Volksentscheidungen angeht, vor allem auf Bundesebene oder noch höher. Da bin ich Schwarzseher, da habe ich die Befürchtung, daß an dem Satz „vox populi, vox Rindvieh“ durchaus etwas dran ist. (Nenn mich Antidemokrat)

    Meine Befürchtung ist, daß die Hetze so zu leichtes Spiel hat. Ich hab es in der Schweiz miterlebt, wie dort das Prinzip der Gleichheit per Mehrheitsbeschluß abgeschafft wurde, indem man Minarete verbot, Kirchtürme aber weiterhin zuließ.

    Man kann nicht alles abstimmen lassen.

  4. Thomas Jakob sagt:

    Keine Frage, dass man nicht über alles abstimmen lassen kann, gerade nicht, wenn es um Fragen geht, die mit Minderheitenschutz zu tun haben.

    Aber: Wenn es um abstrakte, aber wesentliche Punkte geht, die die nationale Souveränität betreffen, sollte man dazu ein Volksabstimmung machen lassen. Damit werden auch die Politiker gezwungen, dem Volk Europa wirklich zu vermitteln. Das ist in Deutschland bisher nie gemacht worden.

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