Nützliche Idioten?

PEGIDA DEMO DRESDEN 5 JAN 2015 16270351165

Nützliche Idioten?
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Ein gewisser Alexander Gauland, der offenbar bei der AfD in Brandenburg ein wichtiger Mensch ist, hat offenbar die Flüchtlingshelfer „nützliche Idioten“ genannt, angesichts der Anschläge am 13.11. in Paris.

Ich frag mich ja, wenn man wirklich von „nützlichen Idioten“ sprechen will (ich find den Begriff eigentlich Mist, weil er Menschen abwertet), ob das nicht viel besser auf die ganzen „kritischen Stimmen“ paßt, auf AfD, Pegida, Orban, Le Pen, Seehofer & Söder und wie sie alle heißen.

Denn nützlich für die Terroristen (egal ob Daesh oder Al Quaida) ist doch vor allem eins: Die Spaltung der Gesellschaft in Europa. Die haben doch von Ressentiments gegen Muslime hierzulande am Meisten: Die Muslime spüren Nachteile, werden ausgegrenzt und suchen ihr Heil dann bei den Terroristen, ähnlich wie die Neonazis, die ja auch vor allem dort erfolgreich Nachwuchs finden, wo die Arbeitslosigkeit hoch ist.

Wenn nun also mehr Druck ausgeübt wird auf Flüchtlinge und Muslime allgemein hierzulande, dann ist das genau das, was die Terroristen wollen. Dann sind diejenigen, die für den größeren Druck werben (also Seehofer, Orban, le Pen etc.) die wirklichen „nützlichen Idioten“.

Diejenigen aber, die helfen, Flüchtlinge zu integireren, die ihnen das Ankommen und das Zurechtfinden in unserer Gesellschaft erleichtern wollen sind diejenigen, die Daesh, Al Quaida und wie sie alle heißen entwaffnen.

So wird ganz konkret, was schon die Bibel lehrt, daß Liebe den Haß überwindet. Deshalb helfen keine Kriege gegen den Terror, auch keine Grenzschließungen und keine Obergrenzen.

Die Lösung ist die Liebe, die Lösung ist, sich um die Menschen zu kümmern, und aller Haß wird über kurz oder lange vertrocknen. So kann sich kein Terrorismus halten – übrigens auch kein rechter Terrorismus à la NSU.

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10 Kommentare zu Nützliche Idioten?

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  2. Charly sagt:

    Hallo,

    ich bin wahrlich kein Fan der AfD und Konsorten. Dennoch halte ich fairerweise mal fest, dass Alexander Gauland die freiwilligen Helfer als bewundernswert bezeichnet hat und den Vorwurf brachte, sie würden durch die aktuelle Politik im Land zu solchen „nützlichen Idioten“ degradiert. Wenn man so will, kann man allerdings auch sagen, dass er sie dennoch so bezeichnet hat, halt mittels eines rhetorischen Tricks. Eben dass die freiwilligen Helfer solche seine, weil sie sich von der Politik in D als solche missbrauchen lassen würden.

    Trotzdem gebe ich dir vollkommen Recht, wenn es zZt in unserem Land nützliche Idioten für den IS gibt, dann sind es genau die Gruppen und Menschen, die du benannt hast.

  3. Thomas Jakob sagt:

    Der Begriff ’nützliche Idioten‘ ist z. B. auch auf die Friedensbewegung angewandt worden, die in den 1970ern und 1980ern gegen die sog. NATO-Nachrüstung protestiert hat, und an der ich mich auch beteiligt habe. Auch Moskaus fünfte Kolonne wurden wir damals genannt. Das sind alles billige und hässliche Kampfbegriffe.

    Die Lage heute empfinde ich als durchaus komplizierter, als komplexes Netz von Zusammenhängen. Die Versuchung ist von allen Seiten groß, jeweils Teilketten aus diesem Netz herauszulösen und anscheinend plausibel argumentativ zu verwenden.

    Die Befürworter großzügiger Aufnahmepolitik, zu denen ich auch gehöre, müssen sich auch darüber im klaren sein, dass sie damit weiteren Zustrom anregen und Leuten Hoffnungen machen, die nicht erfüllt werden können. Ein Teil dieser Leute wird im kommenden Winter auf der Balkanroute umkommen. Wer will dafür verantwortlich sein?

    Und weder die Befürworter noch die Gegner von Merkels Aufnahmepolitik haben ein Konzept, wie sie das Gesamtproblem nachhaltig lösen wollen. Beseitigung der Ursachen in den Herkunftsländern klingt gut, ist aber bisher ein hohler Vogel. Neokolonialismus will keiner. Militärisches Eingreifen mit Bodentruppen will auch keiner, wobei sogar fraglich ist, ob das zielführend wäre. Und mit EU-Geld lassen sich die Probleme auch nicht zuschütten.

    Alle Seiten täten gut daran, jetzt nicht mit viel Schaum und kurzen Argumentationsketten zu agieren, sondern besonnen zu agieren und auch die Beweggründe der Gegenseite jeweils auch ernst zu nehmen.

  4. De Benny De Benny sagt:

    @ Charly:

    Danke für die Klarstellung.

    @Thomas:

    Und weder die Befürworter noch die Gegner von Merkels Aufnahmepolitik haben ein Konzept, wie sie das Gesamtproblem nachhaltig lösen wollen.

    Ich glaube, es besteht auch überhaupt keine Einigkeit darin, worin das Hauptproblem besteht.

    Beseitigung der Ursachen in den Herkunftsländern klingt gut, ist aber bisher ein hohler Vogel. Neokolonialismus will keiner. Militärisches Eingreifen mit Bodentruppen will auch keiner, wobei sogar fraglich ist, ob das zielführend wäre. Und mit EU-Geld lassen sich die Probleme auch nicht zuschütten.

    Naja, ich befürworte Neokolonialismus auch nicht, allerdings wäre das womöglich ein Weg, überhaupt was tun zu können: Rein mit Macht und dann aber auch dort bleiben und aufbauen. Hat in Afghanistan und Irak schon nicht funktioniert, also mußman sich überlegen, wie das besser gehen kann…

    Ansonsten? Fällt mir auch nix ein, also gibt es Flüchtlinge: Die können wir im Mittelmeer ersaufen lassen, wir können sie an der Grenze erschießen, wir können sie aufnehmen und im Elend leben lassen oder versuchen, ihnen ein erträgliches Leben zu ermöglichen…

    Was mich aufregt sind diese „das Boot ist voll“ Spinner, die so viel Energie binden, die viel sinnvoller eingesetzt werden könnte, um tatsächlich zu helfen.

    auch die Beweggründe der Gegenseite jeweils auch ernst zu nehmen.

    Wenn jemand Angst hat kann ich das ernst nehmen, aber wenn diese Angst unbegründet ist, kann ich das auch sagen. Und wenn jemand einfach was gegen Ausländer hat, dann muß ich das auch nicht ernst nehmen, dann sag ich da auch, was ich von halte. Du hast ja Recht mit Deinem Aufruf zur Besonnenheit…

  5. Thomas Jakob sagt:

    „Wenn jemand Angst hat kann ich das ernst nehmen, aber wenn diese Angst unbegründet ist, kann ich das auch sagen. Und wenn jemand einfach was gegen Ausländer hat, dann muß ich das auch nicht ernst nehmen, dann sag ich da auch, was ich von halte.“

    Keine Frage. Dass die AfD, die sich eigentlich gerade selbst zerlegt hatte, jetzt wieder Zulauf hat, sehe ich auch mehr als ein Symptom einer generellen politischen Grundstimmung an.

    Sowohl in der Griechendlandfrage als auch in der Flüchtlingsfrage scheint die deutsche Regierung ohne wirkliche Notwendigkeit und ohne Plan, wo das hinführt, eine Konzession nach der anderen zu machen.  Wer diese Grundstimmung aufnimmt, erhält Zulauf.

  6. De Benny De Benny sagt:

    Schmidt meinte, wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen. So langsam wünsche ich mir wieder Politiker mit Vision. Für Deutschland, für Europa, für die Staatengemeinschaft.

    Daesh hat eine Vision, aber die gefällt mir nicht. Ebensowenig gefällt mir die Vision von AfD/Pegida/CSU. Ich hab meine christliche Vision, aber die ist auf die Ewigkeit gerichtet und hier auch nur für andere Christen anschlußfähig, es braucht was für alle Menschen…

  7. De Benny De Benny sagt:

    Die FAS hat nen interessanten Artikel dazu, daß die Stärke von Daesh vor allem in der Propaganda liegt, daß sie die Spaltung und den Haß zwischen Muslimen und anderen anstrebt und daß sie schwerlich rein militärisch zu besiegen ist:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/die-is-jugend-generation-dschihad-13923621.html

  8. Charly sagt:

    Bei der letzten Bundestagswahl konnte man im Netz auf einer Seite mittels eines Fragenmonitors ermitteln, wo man politisch steht und wo die Parteien stehen. Ich erhielt das Ergebnis: Links-Konservativ. Und ratet mal, wieviele Parteien es in diesem Spektrum gibt? Richtig: Keine! Was ich ehrlich nicht verstehen kann. Womöglich macht genau diese Lücke einen Teil dieses Politikverdrusses aus?

  9. Thomas Jakob sagt:

    „Daesh hat eine Vision, aber die gefällt mir nicht. Ebensowenig gefällt mir die Vision von AfD/Pegida/CSU. Ich hab meine christliche Vision, aber die ist auf die Ewigkeit gerichtet“

    Jesus war im Gegensatz z. B. zu Mohammed kein politischer Führer. Das Christentum ist keine direkt politische Religion. Früher habe ich das mal als Schwäche gesehen, heute sehe ich es als Stärke und im Gegenteil die politische Dimension des Islam als seinen entscheidenden Webfehler.

    Vision ist ein großes Wort. Wenn man es mal ganz undespektierlich nimmt im Sinne eines strategischen Langfristziels, bezeichne ich die Vereinigten Staaten von Europa als eine politische Vision, die ich unterstütze. Das, was im Moment passiert, befreit uns allerdings von der Täuschung, dieses Ziel wäre einfach zu erreichen.

    Neulich habe ich mal den Satz gehört: „Wer nicht nein sagen kann, hat keine Strategie.“ Das leuchtet mir von Tag zu Tag mehr ein, sowohl für Unternehmen als auch für die Politik.

  10. De Benny De Benny sagt:

    @Charly:

    Ja, gabs schon öfter. Linkskonservativ kann ich mir allerdings nicht viel drunter vorstellen…

    @Thomas:

    Stimmt, direkte politische Forderungen gibt es da keine. Ich denke aber doch, daß man verschiedenes eher ableiten kann als anderes. Nur bringt Politik halt kein Heil.

    Und ja: Langzeitziel meinetwegen. Eine Vorstellung davon, wo man hin will, nicht nur einzelne Kleinprojekte, die nicht abgestimmt sind, nicht nur Verwaltung des Istzustandes.

    Bei Merkel hab ich bei der Flüchtlingsfrage das erste Mal den Eindruck, daß sie eine Position hat, wobei das ja auch schon wieder bröckelt.

    Vereinigte Staaten von Europa, da könnte ich auch was mit anfangen. Nationalere Ideen scheinen mehr en vogue zu sein, aber das halte ich für überholt…

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