Nachhilfe in Nächstenliebe?

Bundesarchiv Bild 194-0109-23A, Urdenbach, Betreuung von Flüchtlingskindern

Innere Mission und Evangelisches Hilfswerk in Urdenbach. Freizeit (auf der Gemeindewiese Angerstraße) für hungergeschädigte Kinder aus Flüchtlingslagern. – Abschluß mit Kreispfarrer Ernst Schmittat und Schwester Amalie (Innere Mission Düsseldorf), 1950 (Juli). – Nach vier Wochen wieder ein „blühendes Aussehen“.
Bundesarchiv, Bild 194-0109-23A / Lachmann, Hans / CC-BY-SA

Im aktuellen Kirchenboten steht ein Kommentar von Charlotte Lisador, der auch online zu lesen ist. Sie befasst sich damit, wie in sozialen Medien immer wieder Einzelfälle aufgegriffen werden, um angebliche Allgemeinheiten zu verkünden. Etwa straffällige Migranten, die dann als Alibi für latenten Faschismus Hiergeborener herhalten müssen.

Was mich angesprochen hat, war der letzte Absatz ihres Textes:

Glücklicherweise sind die meisten, die sich an dieser eigentlich sinnlosen Debatte beteiligen, vernünftige Menschen, die sich gegen solche hirnlosen Parolen auflehnen. Doch sollten sich vor allem auch die Kirchen, die sich auf die Fahnen schreiben, für Menschenwürde und soziale Gerechtigkeit einzutreten, am öffentlichen Diskurs der sozialen Medien stärker beteiligen. Vielleicht wäre das eine passende Aufgabe für die evangelische Jugend, die mit Facebook, Twitter und Co. ­vertraut ist und sich solchen Themen unmittelbar nähern kann. Nachhilfe in Sachen Toleranz und Nächstenliebe würde einigen Facebook-Nutzern ­sicher nicht schaden.

Mir schwebt da immer vor, daß man Fakten sammelt und diese Spinner widerlegt. Allerdings sind die oft beratungsresistent, und Fakten müssen ja auch erst einmal als solche anerkannt werden. Um das zu verhindern, gibt es zahlreiche Verschwörungstheorien, auf die man zurückgreifen kann.

Aber von Widerlegungen oder dergleichen schreibt Frau Lisador auch nichts. Sie schreibt von Nachhilfe in Sachen Nächstenliebe. Und die geht nicht rein intellektuell, vor allem da, wo es offenbar keine intelligiblen Gründe sind, die den Ausländerhaß (nein, es sind keine verständlichen Bedenken unbescholtener Bürger, was wir die letzten Tage erlebt haben) verursachen.

Man müßte es schaffen, gleichzeitig die eigene Ablehnung gegen die dummen Parolen klar zu machen, und den Menschen zuzuhören um herauszufinden, wieso sie so denken, wie sie denken. Meine Vermutung ist, daß ganz reale Ängste dahinter stecken. Und dann muß man wohl versuchen, diese Ängste zu bearbeiten, und gleichzeitig dafür sorgen, daß die Leute gegenüber den Flüchtlingen empathiefähig werden.

Das wäre in der Tat eine Monsteraugabe nicht nur für die Evangelische Jugend, sondern für die Kirche insgesamt, zumal viele der Hetzer oder zumindest der Mitläufer selbst Kirchenglieder sein dürften.

Was meint Ihr? Wie stellt man so etwas auf die Beine? Wo fängt man an, in welche Richtung soll es dann gehen? Wie findet man Mitstreiter? Wie vernetzt man sich?

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