„Europa ist keine Sozialunion“

So die Worte der Kanzlerin. Es geht darum, EU-Ausländer, die laut Schengen-Abkommen jedes Recht haben hier zu leben (so wie wir, in ihren Heimatländern zu leben), abzuschieben und ihnen die Einreise weiterhin zu verweigern, falls sie sich Sozialleistungen vom deutschen Staat erschleichen.

Die Zahl derer, die das tun, ist verschwindend gering. Und es handelt sich ja auch nicht um Straftaten, die nur Ausländer begehen würden. Auch Deutschen können Fehler unterlaufen beim Ausfüllen der Anträge. (Nebenbei: Nach allem, was ich gehört habe, müßte man sich vielleicht eher mal Gedanken machen zu Strafen bei Sozialbetrug von Seiten des Staates, also wenn das Amt Leistungen nicht zahlt, auf die man Anspruch hätte).

Wieso also kein Gesetz, das „Sozialmißbrauch“ generell unter Strafe stellt? Ist es denn schlimmer, wenn ein Schwede das Amt betrügt, als wenn es ein Leipziger oder Düsseldorfer macht? Ich kann nicht erkennen, wieso.

Ich bin mir sicher, daß es solche Gesetze schon gibt. Und ich vermute, die Strafen sind höher als bei Steuerhinterziehung. Wieso also nochmal Sondergesetze für Nichtdeutsche?

Die Formulierung meiner Frage weist auf eine mir sehr wahrschienlich vorkommende Antwort: Den rechten Rand. Die Nazis von der AfD (wer ein Problem mit dieser Kategorisierung hat, mache folgenden Test der JuPis) setzen die Union unter Druck. Waren sonst die bayrischen Ministerpräsidenten verantwortlich dafür, daß die CSU die Partei ist, die am weitesten auf der rechten Seite im Parlament sitzt („Rechts von der CSU ist die Wand“) drängt nun (gepusht von Springer) die AfD in die Parlamente, mit gutem Aussicht auf Erfolg. Und greift angestammte Wählerschichten der Union ab. Dem will man entgegenkommen, indem man einen Rechtsruck antäuscht. Wirklich nationalistisch ist die Union ja (zum Glück) nicht, aber der Eindruck entsteht, daß sie in bestimmten Schichten gerne so wahrgenommen werden würde, um Stimmen zu bekommen.

Die Stimmen wird sie nicht kriegen. Statt dessen wird dieses Spiel mit dem Feuer eher dazu führen, daß derartige rechte Parolen salonfähig werden. „Man wird doch noch sagen dürfen…“

Ehrlich gesagt es kotzt mich an, weil mir scheint diese Deutung tatsächlich zuzutreffen. Dann ist es aber auch so, daß eine Partei, die Deutschland über weiter Teile geprägt und mit aufgebaut hat (wenn auch nicht immer zum Guten) sich nun vollends dem Abriß widmet. Hauptsache, man kriegt noch ein paar Stimmen in dieser Wahl…

Eigentlich müßte die Union hingehen und mithelfen, die Ängste abzubauen. Die Sinti und Roma, um die es wohl vor allem geht, sind durchaus willens sich zu integrieren. Das passiert auch, soweit möglich. Sie schicken die Kinder in die Schule, damit sie was werden und arbeiten selbst hart, weil sie etwas erreichen wollen.

All denjenigen, die sich so tolle Vorstellungen vom Sozialmißbrauch machen, möchte ich den Vorschlag machen, doch nur einen Monat einmal zu versuchen, auf Hartz IV Niveau zu leben. Und von dem Geld dann Miete, Essen, Kino, Strom und alles zu bezahlen, was so anfällt. Vielleicht fällt dann der Groschen. Auf dem Niveau richtet sich keiner ein, das will keiner, der eine Perspektive hat, da raus zu kommen.

Aber es ist ja so viel einfacher, auf die „Ausländer“ zu schimpfen, als sich um die tatsächlichen Probleme zu kümmern…

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28 Kommentare zu „Europa ist keine Sozialunion“

  1. Christina sagt:

    Die Nazis von der AfD (wer ein Problem mit dieser Kategorisierung hat, mache folgenden Test der JuPis) setzen die Union unter Druck.

    Ich habe mir den Test mal angeschaut. Fairerweise haben die JuPis auch die Quelle ihrer Weisheiten angegeben. Immerhin. Wenn man die Zitate dann mal im Zusammenhang betrachtet, ergibt sich doch oft ein ganz anderes Bild.

    Das ist ähnlich wie mit der Bibel, man sollte auch dort Zitate immer im Kontext betrachten, sonst kommt man zu völlig falschen Schlüssen.

    Es besteht seitens der Politik anscheinend ein großes Interesse die AfD in die rechte Ecke zu schieben. Ich halte das für absurd. Ich habe mir etliche Videos mit Bernd Lucke bei YouTube angeschaut. Ich fand das, was er dort sagte, zum großen Teil ziemlich vernünftig. Meinen Recherchen nach zu urteilen, ist Bernd Lucke außerdem wohl anscheinend Christ. Schon deshalb ist es absurd, ihm Fremdenfeindlichkeit zu unterstellen und ihn mit der NPD in einen Topf zu werfen.

    Ich habe auch das Parteiprogramm der AfD mal überflogen. Das Einzige was mir dort negativ auffiel war, dass sie nicht für Mindestlöhne sind, sondern dafür, dass der Staat mit Sozialleistungen aufstockt. Den Grund dafür sehe ich darin, dass die Mitglieder der AfD anscheinend meist aus der gehobenen Schicht kommen und deshalb nicht wissen, wie es am unteren Rand wirklich zugeht. Alles Gute ist halt nie beisammen.

  2. De Benny De Benny sagt:

    Wenn man die Zitate dann mal im Zusammenhang betrachtet, ergibt sich doch oft ein ganz anderes Bild.

    Oft? Also nicht immer! Nenn doch mal ein Beipspiel, dann können wir drüber reden.
    Oder wie wär’s mit folgendem Zitat von Matthias Wohlfahrt:

    Wir wollen für Asylbewerber ein menschenwürdiges Asyl haben, die echten Verfolgten – ich kümmere mich um verfolgte Christen auch -, und wenn ich das sehe, wie ein Afrikaner an der Bushaltestelle von irgendwelchen ‚Rechten‘ zusammengeschlagen worden ist, sehe ich aber auch den Hintergrund: Ich sehe den Hintergrund, dass möglicherweise durch eine lasche Handhabung mit kriminell agierenden Einwanderern so eine Antistimmung gefördert wird, ja.

    Klare „Ja, aber“ Argumentation. Asylanten sollen schon menschenwürdiges Asyl haben, aber wenn sie zusammengeschlagen werden, dann sind sie auch irgendwo selbst schuld, weil irgendwo ja auch mal vielleicht ein Asylant ein Verbrechen begangen hat. Da muß ich dann aber sagen: Nein, Herr Wohlfahrt, das Problem liegt hier nicht bei der laschen Handhabung mit Einwanderern, das Problem liegt bei der laschen Handhabung mit Gewalttätern. Denn ob die Nazis, die den Afrikaner zusammenschlagen das tun, weil tatsächlich mal ein Einwanderer gewalttätig war, oder ob sie es nur tun, weil sie aufgrund der rechten Propaganda der AfD meinen, Einwanderer wären per se gewalttätig steht doch mindestens in Frage. Daß sie selbst aber zur Gewalt gegriffen haben und sich offenkundig nicht vor der Polizei fürchten müssen, ist ein gravierendes Problem. Als Ausländer, zumal mit anderer hautfarbe, lebt man in Ostdeutschland oft in Angst und Schrecken. Ich kenn ne Chinesin, die zusammengeschlagen wurde, weil sie eine Telefonzelle benutze, als grad ein Glatzkopp miente, er wär jetzt dran. Tja, die arme hatte den Arm gebrochen und kann den nicht mehr richtig benutzen, weil er immer noch weh tut. Aber sie ist ja selbst schuld, daß sie Chinesin ist. Sicher hat irgend ein Chinese mal irgendwo nen Sack Reis umgeworfen, der dem Nazi dann auf den Fuß fiel, oder so, da ist die lasche Handhabung der Polizei gegenüber chinesischen Reissackwerfern Schuld.
    Wenn ich solche Sprüche höre, krieg ich das kalte Kotzen und muß mich fragen: Wie viel weiter Rechts kann man denn noch sein?
    Oder Lucke selbst: Zum Thema Armutszuwanderung wird er so zitiert:

    Das Problem sind eher Randgruppen wie Sinti und Roma, die leider in großer Zahl kommen und nicht gut integrationsfähig sind

    Soso, die Sinti und Roma sind also ein Problem. Sie verursachen Armutszuwanderung. Gestern abend im ZDF kam ne Sendung über die Europawahl, mit einigen Politikern. Da wurde die Zahl genannt der Bulgaren und Rumänen, die in Bayern einen Antrag auf Hartz IV gestellt haben. Die Zahl lautet: 12! Selbst wenn alle diese 12 Rumänen und Bulgaren der Minderheit der Sinti und Roma angehören, so ist diese Zahl doch auch innerhalb der nach Deutschland zugewanderten Sinti und Roma eine absolut geringe Minderheit. Trotzdem wird hier gehetzt, weil der deutsche Michel es sich eben gut denken kann, daß diese „Zigeuner“ Probleme machen und nur Geld kosten. Die Wahrheit sieht anders aus. Aber die interessiert ja niemanden, hauptsache man hat ein Feindbild. Die Juden eignen sich da ja nicht mehr so gut, die „Zigeuner“ haben aber auch heute keine so starke Lobby…

    Es besteht seitens der Politik anscheinend ein großes Interesse die AfD in die rechte Ecke zu schieben.

    Och, die stellen sich da schon selbst hin. Oder würdest Du sie als „links“ bezeichnen? Ihre Rezepte sind in etwa die der CSU, also stockkonservativ, ohne Europa, mit sehr viel „deutsch“. Und dann noch ne gehörige Portion Populismus (aber das kann die Union ja auch, nicht nur der rechte Rand).

    Nehmen wir doch nur mal folgenden Satz von Jens Pfeiffer, einem AfD Kandidaten bei der letzten Bundestagswahl:

    Wenn die intelligenten mit den dummen (bildungsfernen) Kindern zusammen lernen, nutzen sie ihr Potential nicht. Das Volk verdummt.

    Nachzulesen auf abgeordnetenwatch.de. (Unten auf Antworten klicken, bei These 21 dann in der Begründung)

    Das ist doch Populismus. Die „dummen“ und die „schlauen“. Schon klar. Da möchte ein Mitglied einer Professorenpartei, daß seine Kinder sich bitte nicht mit den Schmuddelkindern abgeben müssen. Die Begründung bezieht sich auf eine Frage nach dem Schulsystem, ob es nicht sinnvoller einsträngig sein soll wie in anderen Ländern. Fakt ist doch, daß Deutschland mit seinem dreigliedrigen System hinter den anderen OECD Staaten hinterherhinkt, siehe PISA Studien. Finnland, das dort gut abgeschnitten hat, hat übrigens besser abgeschnitten. Die Kinder dort sind also nicht verdummt, wie Herr Pfeiffer meint. Offenkundig hat er Unrecht.

    Meinen Recherchen nach zu urteilen, ist Bernd Lucke außerdem wohl anscheinend Christ.

    Naja, es gibt viele Menschen, die sich als Christ bezeichnen, das muß nicht unbedingt was heißen (was nicht bedeutet, daß es nicht stimmt). Keiner von uns kann in die Herzen sehen und wissen, ob da jetzt einer wirklich Christ ist, oder das nur vorgibt, um bei konservativen Wählern zu punkten. Konservative wählen Muslime oder Atheisten deutlich ungerner, also ist man gut beraten, Christ zu sein, wenn man dort seine Wähler sucht.
    Aber bleiben wir doch mal bei dem Thema von Pfeiffer: Wenn die „schlauen“ Kinder mit den „dummen“ Kindern zusammen lernen, nutzen sie ihre Potentiale nicht… Wo ist das denn bitte christlich gedacht? Die stärkeren Kinder können es ihren Klassenkameraden doch erklären. Genau das wäre doch christlich! Oder nicht? Nicht alle auseinandersortieren, sondern sie zusammenstecken. Vielleicht ist einer stark in Mathe, der andere in Deutsch. Dann kann einer dem anderen helfen. Und gemeinsam helfen sie dem syrischen Kriegsflüchtling, der gerade in die Klasse kam. So lernen sie auch etwas von der Unmenschlichkeit des Krieges, wenn der von zu Hause berichtet.
    Das sind auch Potentiale, die erst einmal entdeckt und gefördert werden müssen.
    Herr Pfeiffer scheint dabei nur an Stärken in Mathe oder so zu denken und die soziale Seite, die sein Ansatz eher unberücksichtigt läßt, zu vernachlässigen. Und was haben wir davon?
    Die Menschen denken zunehmend rationaler. Was ist effektiv, was nicht. „Dumme“ Menschen sind weniger effektiv. Also müssen sie auch nicht so gute Schulen haben (vergleich mal die Einrichtung von Hauptschulen mit denen von Gymnasien, oder nur die Einkommen der entsprechenden Lehrer und den dazugehörigen Arbeitsaufwand). Menschen mit Behinderung sind noch weniger effektiv, am besten gleich abtreiben. Das sind doch die Früchte, dieser Art zu denken.
    Ich kenne einen Pfarrer aus der ehemaligen DDR. Dessen Frau hat gegen massiven Druck des Arztes damals ein Kind mit Down Syndrom zur Welt gebracht. Dort sah man die Sozialkompetenz auch nicht so hoch an, man war an Effektivität interessiert und daran, wie gut der fragliche Menschn dem „Arbeiter- und Bauernstaat“ würde dienen können. Das Mädchen sollte nicht sein. Da die Eltern Christen waren und den Druck aushielten, durfte sie zur Welt kommen.
    Als es zur Einschulung kam, war die Wiedervereinigung schon vorbei. Sie lebten also in der BRD. Trotzdem wurden ihnen wiederum enorme Hindernisse in den Weg gelegt, ihre Tochter an der Regelschule anzumelden. Letztendlich ging sie doch in die normale Grundschule.
    Besagter Pfarrer berichtete dann von einer Mutter, die ihn eines Tages ansprach. Diese meinte, sie wäre anfangs auch dagegen gewesen, daß ihr Sohn ein Mädchen mit Down Syndrom mit in der Klasse hätte, weil sie Angst hätte, die Lehrerin könne sich dann nicht so sehr um den Rest der Klasse kümmern. Sie hatte aber bemerkt, daß dieser Sohn ganz unverfänglich auf Menschen mit Behinderung zugehen konnte. Ihr anderer Sohn hatte deutliche Berührungsängste. Er konnte damit nicht umgehen, weil er es nicht gelernt hatte.

    Diese Berührungsängste gibt es ja nicht nur bei Menschen mit Behinderung. Und es bleibt auch nicht nur bei Berührungsängsten. Ich war selbst im Gymnasium und habe erlebt, wie Klassenkameraden auf Hauptschüler heruntersahen, weil sie eben „dumm“ seien. Damals hatte ich noch nicht die Stärke, das Maul aufzumachen, was mich bis heute ärgert!

    Solche Wertungen sind weder christlich noch gut. Diese Einteilung der Menschen in „dumme“ und „schlaue“ geht IMHO ganz krass in die rechtsextreme Richtung, wo Menschen auch nach ihren Eigenschaften mehr oder weniger Wert zugesprochen wird, bis dahin, daß manchen das Lebensrecht abgesprochen wird („lebensunwertes Leben“)! So weit geht Pfeiffer hier nicht, aber er schlägt die Richtung ein.

    Den Grund dafür sehe ich darin, dass die Mitglieder der AfD anscheinend meist aus der gehobenen Schicht kommen und deshalb nicht wissen, wie es am unteren Rand wirklich zugeht.

    Ich bin davon überzeugt, daß sie es wissen. Aber es stört sie nicht. Ja es muß so sein. Denn wenn es den Menschen unten nicht schlecht gehen würde, dann würden sie sich nicht anstrengen und auf der faulen Haut liegen und über die Sozialsysteme den guten und fleißigen Intelligenzbestien von der AfD das Geld aus der Tasche ziehen. Wasich nicht kapiere ist, daß die AfD dann genau in diesen Schichten, auf die sie eigentlich herabsieht, ihre Wählerschaft findet. Aber BILD macht’s möglich!

    Leider werden viele Menschen auf die AfD reinfallen und sie wählen. Und viele Menschen werden gar nicht erst zur Wahl gehen, und diese Radikalen damit nochmal zusätzlich unterstützen. Diese Woche zeigte die ARD einen Bericht aus einer lothringischen Stadt von 12.000 Einwohnern, in der keine 3000 Wähler reichten, um einen Front National Mann zum Bürgermeister zu machen. In Ungarn wählten 47% der Wahlberechtigten Orbans Partei. Wegen geringer Wahlbeteiligung hat diese jetzt trotzdem über 2/3 der Parlamentssitze und kann die Verfassung nach Gutdünken ändern, was er auch tut. Zm Beispiel, um diversen Kirchen die Kirchenlizenz zu entziehen. Aber sich christlich nennen!
    Die AfD gehört in diese Gruppe von nationalistisch-populistischen Parteien, die europaweit Zulauf erhalten. Wahrscheinlich werden sie eine gemeinsame Fraktion bilden in Straßburg. Sie sind alle des gleichen Geistes Kinder, sie sind alle rechtsradikal.

    Nur ihre Wähler nicht immer. Die sehen manchmal einfach nicht so genau hin, fallen auf ihre Parolen rein und auf ihre Beteuerungen, keine Rechten zu sein. Aber man braucht keine Glatze und keine Springerstiefel dazu. Hitler hatte beides nicht.

  3. Christina sagt:

    @ Benny: Ich habe mich ja auch mal von den Medien anstecken lassen und die AfD rechts eingeordnet, aber nachdem ich dann einige Talksendungen mit Bernd Lucke auf YouTube gesehen habe, hat sich meine Ansicht diesbezüglich geändert.

    Übrigens das Zitat von Jens Pfeiffer geht noch weiter:

    „Wenn die intelligenten mit den dummen (bildungsfernen) Kindern zusammen lernen, nutzen sie ihr Potential nicht. Das Volk verdummt. Wie wollen wir dann in Zukunft mit anderen Ländern der Welt konkurieren? Wir fördern alle Kinder im Rahmen deren Möglichkeiten! Wir lernen künftig intelligenter!“

    „Wir fördern alle Kinder im Rahmen deren Möglichkeiten“ finde ich gut. Ich habe auch eine Freundin, die hat ein Kind mit Down-Syndrom und ein Kind mit einer anderen Behinderung, die man äußerlich nicht sieht, die sich aber in Lernschwierigkeiten äußert. Dieses Kind wurde auch in eine reguläre Grundschule eingeschult und hat darunter sehr gelitten. Ja, sie wurde regelrecht psychisch krank, weil sie merkte, dass sie (trotz individueller Förderung) mit den anderen Kindern nicht mithalten konnte. Sie hatte niemals ein Erfolgserlebnis. Das braucht aber jeder Mensch mal. Außerdem wurde sie nicht nur von Klassenkameraden, sondern auch von anderen Kindern auf dem Schulhof geärgert und gemoppt. Das ist die Kehrseite der Medaille. Sage jetzt nicht, dass sei ein unrühmlicher Einzelfall. Ich könnte dir da noch mehr Beispiele geben. Es geht nämlich nicht nur darum, was gesunde Menschen eventuell durch den gemeinsamen Unterricht mit Behinderten lernen könnten, sondern es sollte hauptsächlich darum gehen, wie es den Behinderten damit geht. Die Gesunden stehen hier nämlich nicht im Mittelpunkt. Es dreht sich nicht alles um sie. Inzwischen geht die Tochter meiner Freundin in eine Spezialschule und dort geht es ihr wesentlich besser.

    Menschen sind nun mal unterschiedlich, auch von ihrem geistigen Potential her. Und es liegt wirklich nicht an der Schulform, ob ein Kind auf das andere herabsieht oder nicht, sondern das liegt an der Erziehung im Elternhaus und der Herzenseinstellung jedes Einzelnen. Du hast ja als Gymnasiast auch nicht auf die Hauptschüler herabgeblickt, wie du hier schreibst, einige deiner Mitschüler hingegen schon.
    Es ist sogar so, dass es auch innerhalb einer Klasse immer welche gibt und geben wird, die auf andere Mitschüler herabblicken und sich als was Besseres dünken. Da spielt es jetzt keine Rolle ob Hauptschule oder Gymnasium – Menschen sind in dieser Hinsicht überall gleich.

  4. De Benny sagt:

    Außerdem wurde sie nicht nur von Klassenkameraden, sondern auch von anderen Kindern auf dem Schulhof geärgert und gemoppt.

    Ja meinst Du denn, das wird besser, wenn sie weiterhin getrennt bleiben? Sowas finde ich erschreckend. Kinder können gemein sein, aber da sind dann auch die Lehrer gefordert! Ich kann nicht verstehen, daß die da nicht eingreifen und den Kindern klarmachen, daß das so nicht geht.

    Ja, sie wurde regelrecht psychisch krank, weil sie merkte, dass sie (trotz individueller Förderung) mit den anderen Kindern nicht mithalten konnte.

    Also hat man keine Rücksicht genommen? Na kein Wunder. So kann man auch ein Exempel statuieren, damit es keiner mehr wagt, siene Kinder auf die Regelschule zu schicken…

    Es geht nämlich nicht nur darum, was gesunde Menschen eventuell durch den gemeinsamen Unterricht mit Behinderten lernen könnten, sondern es sollte hauptsächlich darum gehen, wie es den Behinderten damit geht.

    Zu dieser Thematik empfehle ich Dir einfach mal den Blog von Carina.
    Und ja, alles hat Grenzen. Ein Kind, das nicht in der Lage ist, mit seiner Umgebung zu kommunizieren, kann man nicht auf die Regelschule schicken. Aber das wird man eh in keine Schule schicken. Mir geht es darum, daß Menschen, nru weil sie Behinderungen haben, nicht unbedingt dümmer sein müssen. Oder weil sie aus „bildungsfernen Schichten“ kommen. Man macht es sich zu einfach, wenn man hier anfängt auszusortieren. Denn was passiert mit diesen Menschen? Sie werden zu „Ausschuß“. Die Perspektive ändert sich vom Selbstbestimmten Leben zum Leben im Heim mit vielleicht einem Arbeitsplatz in einer Behindertenwerkstatt. Während dessen studieren Menschen mit Down Syndrom in anderen Ländern und nehmen entsprechende Jobs an danach.

    Menschen sind nun mal unterschiedlich, auch von ihrem geistigen Potential her.

    Klar, deshalb kriegen manche lauter einsen und andere müssen sich für ne 4 richtig anstrengen.

    Und es liegt wirklich nicht an der Schulform, ob ein Kind auf das andere herabsieht oder nicht, sondern das liegt an der Erziehung im Elternhaus und der Herzenseinstellung jedes Einzelnen. Du hast ja als Gymnasiast auch nicht auf die Hauptschüler herabgeblickt, wie du hier schreibst, einige deiner Mitschüler hingegen schon.

    Es liegt am Umfeld. Und wenn Menschen aus einer Professorenpartei solche Äußerungen machen, dann zähl ich eins und eins zusammen. Die Mitschüler, die solche Äußerungen machten, waren nicht die ersten in ihrer Familie mit Abitur. In meiner Familie sah das etwas anders aus. Mein Vater hat Mittlere Reife, alle anderen „nur“ Volksschule. Sortierung führt zu Elitenbildung, auch in den Köpfen. Und dann kommt das Herabblicken.

    Es ist sogar so, dass es auch innerhalb einer Klasse immer welche gibt und geben wird, die auf andere Mitschüler herabblicken und sich als was Besseres dünken.

    Das ist nochmal was anderes. Die hatten wir auch. Aber die bildeten sich auf ihr Können etwas ein, nicht auf ihre Schulform.

    Nochmal zu Pfeiffer:

    Wir fördern alle Kinder im Rahmen deren Möglichkeiten! Wir lernen künftig intelligenter!

    Ohne anzunehmen, daß Kinder aus bildungsfernen Schichten per se dumm sind, ergibt seine Aussage keinen Sinn. Denn sonst müßte man sie nicht im Rahmen ihrer Möglichkeiten fördern, sondern könnte sie mit den Kinder aus bildungsnahen Schichten zusammen zur Schule schicken. Aber das will er ja gerade nicht, so wie er sagt. Weil die Kinder aus bildungsnahen Schichten (also Akademikerkinder) ihr Potential nicht ausnutzen, wenn sie mit Kindern aus bildungsfernen Schichten (also Arbeiterkinder) zusammen lernen. Die Akademikerkinder sollen also Akademiker werden, die Arbeiterkinder sollen Arbeiter bleiben. Nur mit dem Unterschied, daß sie deutlich weniger verdienen werden, als ihre Eltern.

    Das wird den Akademikerkindern auch so gehen, weil mit der Methode fährt das System vor die Wand, aber wenn die AfD bis dahin an der Macht ist, werden ihre Protagonisten die eigenen Schäfchen schon im Trockenen haben…

    nachdem ich dann einige Talksendungen mit Bernd Lucke auf YouTube gesehen habe, hat sich meine Ansicht diesbezüglich geändert

    Hörst Du auch genau hin, was er sagt? Also auch auf die Zwischentöne? Der wird kaum offen aussprechen, daß er ein Rechtsradikaler ist. Die NPD lebt nach dem Motto „ist der Ruf erst ruiniert“. Der Ruf der AfD ist in weiten Teilen der Bevölkerung nicht ruiniert, also paßt man auf. Schill gab sich damals auch bürgerlich-konservativ. Als er dann merkte, daß sein Einfluß doch recht beschränkt blieb, hielt er dann seine berüchtigte Rede im Bundestag, bei der ihm der Parlamentspräsident schließlich das Mikrophon abdrehen mußte, weil er weder ein Ende fand, noch zum Thema des Haushalts sprach, sondern die Haushaltsprobleme nur bei den Ausländern suchte. Aber Du kennst die Rede sicher. Schill ist zum Glück weg vom Fenster. Lucke hat uns den Gefallen noch nicht getan.

  5. Christina sagt:

    Ja meinst Du denn, das wird besser, wenn sie weiterhin getrennt bleiben? Sowas finde ich erschreckend. Kinder können gemein sein, aber da sind dann auch die Lehrer gefordert! Ich kann nicht verstehen, daß die da nicht eingreifen und den Kindern klarmachen, daß das so nicht geht.

    Ich kann dir von einem anderen Fall aus eigener Erfahrung sagen, dass Lehrer da schon eingreifen und Eltern immer wieder Gespräche mit Klassenlehrern und Schülern geführt haben. Dann lief es mal 3 Wochen lang gut oder besser und dann trat wieder der alte Zustand ein – weil das Herz ja doch das Alte blieb. Und das über Jahre hinweg, immer wieder das gleiche Spiel – alle 3 Wochen Gespräche führen. Und Lehrer können alleine gar nichts ändern, wenn die Kinder im Elternhaus nicht die entsprechende Erziehung erhalten. Das ist nun mal die Realität.

    Sortierung führt zu Elitenbildung, auch in den Köpfen. Und dann kommt das Herabblicken.

    Ich glaube eher, das Herabblicken auf andere hat was mit der sündigen Natur des Menschen zu tun und weniger mit der Bildung.

    Das ist nochmal was anderes. Die hatten wir auch. Aber die bildeten sich auf ihr Können etwas ein, nicht auf ihre Schulform.

    Jeder bildet sich halt auf was anderes was ein. Der eine auf sein Können, der andere auf seine Schulform und der dritte auf seine Klamotten oder sein gutes Aussehen. Das Problem liegt doch nicht am Können an sich, an der Schulform, den Klamotten oder was auch immer. Es kommt darauf an, wie ich persönlich dazu eingestellt bin. Ich kann z. B. die tollsten Klamotten haben ohne mir darauf was einzubilden oder auch der Schlaueste in der Klasse ohne mich über andere zu erheben. Alles Herzenssache.

    Ohne anzunehmen, daß Kinder aus bildungsfernen Schichten per se dumm sind, ergibt seine Aussage keinen Sinn.

    Es kommt wohl drauf an, was man unter bildungsfern versteht (falls er wirklich dieses Wort benutzt hat). Wenn er damit meinen sollte, dass alle Kinder aus den unteren Bevölkerungsschichten grundsätzlich weniger intelligent sein müssen, dann trifft das natürlich nicht zu. Auch ein Doktorsöhnchen kann mal ein bißchen weniger Intelligenz abbekommen und ein Arbeiterkind kann durchaus auch mal zu den Hochbegabten zählen. Je nachdem, wie die Gene da so zusammengewürfelt werden. Aber man kann durchaus schon sagen, dass intelligente Eltern meistens auch intelligente Kinder bekommen und umgekehrt. Das kann einem nun gefallen oder nicht, es ist einfach eine Tatsache, dass das meistens so ist. Das heißt jedoch nicht, dass die einen Menschen wertvoller sind als die anderen.

    Also ich nehme mal eher an, dass die Aussage von Herrn Pfeiffer so gemeint ist, dass Kinder, egal aus welcher Schicht, je nach ihren intellektuellen Fähigkeiten, auf die entsprechend passende Schule gehen sollten. Also nicht alles bunt durcheinander. Weil ein zu großer intellektueller Unterschied in einer Klasse dazu führt, dass sich einige Schüler überfordert fühlen werden und andere sich dagegen langweilen. Denn der Lehrer muß ja immer irgendwie den Mittelweg suchen, damit die meisten das Klassenziel erreichen. Er kann mit dem Stoff also nicht so schnell vorwärtsgehen wie das bei einigen Schülern vielleicht möglich wäre. Dadurch lernen diese weniger, als sie eigentlich aufgrund ihrer Begabung könnten. Ich glaube das ist es, was sie kritisieren.

    Wenn ich mich mit meiner Einschätzung der Aussage von Herrn Pfeiffer aber irren sollte, wäre das natürlich doof. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das so gemeint sein soll, wie du das auslegst. Das glaube ich einfach nicht, weil das wäre ja völlig hirnverbrannt und damit wären keine Wählerstimmen zu holen. In ihrem Parteiprogramm steht sowas jedenfalls nicht. Deshalb glaube ich, dass das ein Mißverständnis ist.

    Ich zitiere mal:

    Ausgehend von der Elternverantwortung für den Werdegang ihrer Kinder treten wir für ein differenziertes, durchlässiges Schulsystem ein, das unter Anerkennung des Leistungsgedankens allen Begabungen gerecht wird.
    https://www.alternativefuer.de/wp-content/uploads/2014/05/AfD_Europawahl_Programm_web.pdf

    Was ist daran deiner Meinung nach verkehrt? Ich verstehe unter einem „durchlässigen“ Schulsystem z. B., dass man von einem Schulsystem ins andere wechseln kann – hinauf und auch hinunter – je nach Begabung und Entwicklung der Persönlichkeit. Hier steht nichts von Eliten usw.

    Und über die Ausländer steht dort folgendes:

    Die AfD tritt für ein offenes und ausländerfreundliches Deutschland ein und bejaht sowohl die Niederlassungsfreiheit als auch die Arbeitnehmerfreizügigkeit.
    Unsere demographische Entwicklung erfordert eine qualifizierte Zuwanderung, durch
    welche die Versorgung einer alternden Bevölkerung ebenso sichergestellt werden kann wie der Bedarf der Wirtschaft an hochqualifizierten Arbeitskräften. Die Einkommen, die Sozialleistungen und die Lebensstandards unterscheiden sich innerhalb der EU stark. Das Wohlstandsgefälle zu Deutschland ist teilweise erheblich. Der verfrühte Beitritt Rumäniens und Bulgariens, in denen heute pro Einwohner nur knapp halb so viel Bruttoinlandsprodukt erzielt wird wie im Rest der EU, führt
    zu verstärkter Migration auf Basis der EU- Freizügigkeitsrichtlinie. Das deutsche Sozialstaatsprinzip steht daher in einem Spannungsfeld mit dem Recht der Migranten auf freie Wohnsitzwahl als Arbeitnehmer, dem Prinzip der Nichtdiskriminierung sowie der sozialen Inklusion für alle Bürger. Langfristig drohen eine Überforderung der Sozialbudgets und die Erosion des Sozialstaates.
    https://www.alternativefuer.de/wp-content/uploads/2014/05/AfD_Europawahl_Programm_web.pdf

    Glaubst du nicht, dass der Sozialstaat eines Tages überfordert sein könnte? Denn nur noch Geld zu drucken, ohne dass es gedeckt ist, führt letztendlich zur Inflation. Da mag man noch so viel Mitlgefühl mit den Migranten haben und ihnen auch wirklich ein besseres Leben gönnen (und selbst mit Sozialhilfe haben sie in Deutschland einen besseren Lebensstandard wie in ihren Heimatländern – viele jedenfalls), was passiert aber, wenn das Sozialsystem zusammenbricht? Darüber machst du dir natürlich keine Gedanken. Weil, dass kann ja eh nicht passieren, denkst du. Doch warum bist du davon so überzeugt, dass das nicht kommen könnte? Ich kann mir das sehr gut vorstellen. Denn irgendwann ist jeder noch so prall gefüllte Geldsack leer. Dann geht es den deutschen Bedürftigen schlecht, die kriegen dann nämlich nichts mehr oder nicht mehr so viel wie bisher (das kannst du doch eigentlich auch nicht wollen) und den Migranten geht es dann ja ebenfalls nicht besser. Sie haben also auch langfristig nichts gewonnen. Ist diese Angst der Menschen denn so unbegründet?

    Ich denke sogar, auch die anderen Parteien sehen das durchaus ähnlich wie die AfD. Auch sie wollen keine Einwanderung in die Sozialsysteme (und nur darum geht es ja der AfD letztendlich, nicht um Einwanderung generell) Nur die anderen Parteien sprechen es nicht so offen aus.

    Ich denke jedenfalls, der Prof. Lucke hat von Ökonomie und wirtschaftlichen Zusammenhängen (denn das hat der ja studiert) schon mehr Ahnung als wir Beide zusammen, meinst du nicht?

  6. Christina sagt:

    @ Benny: Kannst du bitte meinen letzten Kommentar (der noch moderiert werden muss) in Ordnung bringen. Da ist ein bißchen zuviel kursiv geraten. 🙁

    Ich habe hier noch einen interessanten Artikel gefunden zu der Frage: Was ist eigentlich unter dem Wort „bildungsfern“ zu verstehen? Es könnte sich also wirklich um ein Mißverständnis handeln, denn „bildungsfern“ eindeutig zu definieren ist gar nicht so einfach, wie es ausschaut:

    http://community.zeit.de/user/responsum/beitrag/2009/01/29/bildungsferne-versuch-einer-definition

    Damit lautet die Definition von Bildungsferne abschließend: Das willentliche Fernbleiben von schulischer Bildung. 🙂

  7. Christina sagt:

    PS: Eines möchte ich vielleicht noch loswerden. Du hast weiter oben von 12 Sinti und Roma in Bayern geschrieben. Das sieht aber nun nicht überall so aus. Ich habe letztens im TV gehört, dass seit der EU-Öffnung mehr als 1 Million Menschen nach Deutschland eingewandert sind. Sicher nicht alle ins Sozialsystem, aber eben auch ins Sozialsystem. Ich kann das aus Sicht der Leute durchaus verstehen, wenn ich mich mal in ihre Lage versetze. Vielleicht würde ich das auch so machen, wenn ich in deren Situation wäre. Ist alles total verständlich. Aber man muß doch auch immer mal die andere Seite der Medaille betrachten. Kein Land kann diese Armutseinwanderung finanziell letztendlich stemmen.

    ……Neuköllns Migrationsbeauftragter Arnold Mengelkoch macht „ein Schlupfloch im System“ für die große Einwanderung verantwortlich: Für rumänische und bulgarische Bürger gilt seit 2007 die Freizügigkeit innerhalb der EU. Der Zugang zum Arbeitsmarkt bleibt ihnen in Deutschland verwehrt, sie können aber ein Gewerbe anmelden. Dadurch sichern sie sich ein dauerhaftes Bleiberecht. „Und wenn es nicht klappt mit dem Gewerbe, haben sie in kurzer Zeit Anspruch auf Sozialleistungen und Kindergeld“, sagt Mengelkoch. 2400 Gewerbe von Rumänen und Bulgaren waren im März in Neukölln gemeldet. Bis zu 100 in nur einem Mietshaus. Verantwortlich für die Vergabe sind die Jobcenter. „Ich weiß nicht, wieso das dort niemandem auffällt“, sagt Mengelkoch…….
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/sinti-und-roma-in-berlin-gekommen-um-zu-bleiben/6468884.html

  8. Thomas Jakob sagt:

    Mit dem AfD habe ich nichts am Hut. Der Weg Richtung Europa muss weitergehen. Deutschland ist seit langem ein Einwanderungsland und wir müssen unsere Fähigkeit und Bereitschaft zur Integration Fremder, die regional unterschiedlich ausgeprägt ist, in verschiedener Hinsicht weiterentwickeln.

    Ich halte den Begriff Wirtschaftsflüchtling in seinem abwertenden Gebrauch auch für falsch. Es ist nur verständlich, dass Menschen versuchen, ein besseres Leben in einem anderen Land zu finden. Es ist für mich aber auch klar, dass Einwanderungsländer die Einwanderung steuern müssen, damit die unvermeidlichen Reibungen nicht in harte Konflikte eskalieren.

    Es kann nicht richtig sein, Anreize für die Einwanderung über die Sozialsysteme zu setzen oder als Nebenwirkung zuzulassen. Ich sehe nicht, dass es im Interesse des deutschen Staats liegt, größere Anzahlen von Menschen ins Land zu holen, für die die Einwanderung sich schon in dem Moment gelohnt hat, wo sie einen Mindestsatz von Sozialhilfe erhalten.

  9. Christina sagt:

    Mit dem AfD habe ich nichts am Hut. Der Weg Richtung Europa muss weitergehen.

    Die AfD ist nicht gegen Europa. Sie ist nur gegen die einheitliche Währung, die wegen der unterschiedlichen wirtschaftlichen Stärke der einzelnen Länder zu vielen Problemen geführt hat, wie man ja an vielen aktuellen Beispielen sehen kann. Und es kann auch ein Europa ohne den Euro geben, warum nicht? Es mag zwar Vorteile einer einheitlichen Währung geben (z. B. kein Umtausch von Geld bei Reisen usw.), aber man muß abwägen, ob die wirtschaftlichen Nachteile der Einheitswährung für manche Menschen/Staaten nicht schlimmer sind. Und die AfD will auch keinen sofortigen Ausstieg aus dem Euro, sondern einen der schrittweise erfolgt. Selbst viele Griechen haben die Nase vom Euro voll und wollen wieder eine eigene Währung haben, weil sie dadurch wieder wettbewerbsfähig und auf die Beine kommen würden. Man darf ja nicht so egoistisch sein und nur an sich denken. Deutschland geht es mit dem Euro zwar gut. Anderen Ländern aber nicht.

  10. De Benny De Benny sagt:

    Und Lehrer können alleine gar nichts ändern, wenn die Kinder im Elternhaus nicht die entsprechende Erziehung erhalten. Das ist nun mal die Realität.

    Du hast Recht. Lehrer alleine können nichts ändern. Aber ist das ein Grund, aufzugeben? Und wenn morgen nicht mehr nur „Behinderte“ derart diskriminiert werden, sondern auch andere Gruppen, soll man dann auch sagen, daß man für die extra Schulen aufmacht, um sie „nach ihren Möglichkeiten“ zu fördern? War das nicht auch die Argumentation in den USA vor der Bürgerrechtsbewegung (die, nebenbei bemerkt, von Kirchen getragen wurde und von Menschen bekämpft wurde, die sich als Christen bezeichneten: Dem Ku Klux Klan).
    Klar müssen sich die Eltern überlegen, ob sie ihr Kind diesem Druck aussetzen wollen. Andererseits müssen sie auch überlegen, welche Chancen ihr Kind haben soll. Und es gibt eben Menschen mti Down Syndrom, die erfolgreich ein Studium abgeschlossen haben. Das können sicher nicht alle, aber das können auch nicht alle „normalen“ Menschen. Trotzdem dürfen die in die Regelschule.
    Aber die Situation der Eltern ist nicht die Situation der AfD. Die AfD erzieht keine Kinder, sie macht Politik. Und Aufgabe der Politik ist es unter anderem, in die Gesellschaft zu wirken. Und da spielt es dann auch eine Rolle, Menschen, die „Behinderte“ mobben oder nicht dagegen einschreiten, zum Umdenken zu bringen. Die Politik (nicht unbedingt immer die Parteipolitik, aber auch die) in diesem Land hat es geschafft, daß der Druck auf Homosexuelle nicht mehr so groß ist, daß Juden und Ausländer nicht mehr ganz so offenenm Haß ausgesetzt sind (wobei wir da überall noch einen weiten Weg vor uns haben) oder daß Frauen ganz natürlich selbst bestimmen können, ob sie arbeiten gehen, und nicht mehr ihren Mann fragen müssen.
    Sollte es da nicht möglich sein, auch die Inklusion voranzutreiben? Und wenn der Lucke so ein Christ ist, dann sollte er doch gerade auf dem Feld etwas vorantreiben. Statt dessen aber das Bekenntnis zum mehrgliedrigen Schulsystem, in dem die Kinder nach ihrer Verwertbarkeit selektiert und zu entsprechenden Schichten geformt werden: Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten in Kröpfchen…

    Ich glaube eher, das Herabblicken auf andere hat was mit der sündigen Natur des Menschen zu tun und weniger mit der Bildung.

    Das ist zu einfach gedacht, Die sündige Natur haben auch die, die nicht herabblicken. Außerdem hat der Staat die Aufgabe, eben diese sündige Natur nicht durchbrechen zu lassen, das ist die Aufgabe, die Gott der Obrigkeit übertragen hat, oder nicht? Also sollte der Staat sie auch übernehmen, gerade, wo er (angeblich) christlich geführt wird.

    Es kommt darauf an, wie ich persönlich dazu eingestellt bin. Ich kann z. B. die tollsten Klamotten haben ohne mir darauf was einzubilden oder auch der Schlaueste in der Klasse ohne mich über andere zu erheben. Alles Herzenssache.

    Aber dieses Herz wird auch beeinflußt. Jemand, der über Generationen keinen Kontakt zu Menschen anderer Schichten hat, wird eher bereit sein, diesen alle möglichen Schandtaten zu unterstellen. Das geht übrigens auch umgekehrt, wenn über „die da oben“ geschimpft wird. Deshalb bin ich gegen diese Separierung. Deshalb bin ich für Inklusion. Es ist gut und sinnvoll, daß alle Kinder wissen, daß eben auch ganz andere Dinge normal sind, als was man in seiner eigenen Schicht so erlebt. Es ist doch ein offenes Geheimnis, daß unser Bildungssystem eben nicht durchlässig ist und nicht nach Potential oder Leistung sortiert. Wenn Kevins Eltern arbeitslos sind und vielleicht nicht mal ne abgeschlossene Ausbildung haben, dann muß er ungleich mehr leisten und mehr können als Maximilian, dessen Eltern den Doktortitel haben, um die gleichen Chancen zu bekommen.
    Den Effekt kann man nicht ganz abbauen, aber einschränken, indem man Maximilian und Kevin auch nach der Grunschule in die gleiche Klasse schickt. Aber das will der Pfeiffer ja nicht, da nutzt Maximilian ja nicht sein Potential und das Volk verdummt, weil Kevin mit Maximilian in die gleiche Klasse ing und – Gott verhüte! – vielleicht sogar am Ende mit ihm Abitur macht…

    Es kommt wohl drauf an, was man unter bildungsfern versteht (falls er wirklich dieses Wort benutzt hat).

    Sicher, darauf kommt es immer an. Aber erinnern wir uns daran, was er schrieb:

    Wenn die intelligenten mit den dummen (bildungsfernen) Kindern zusammen lernen

    Hervorhebung von mir. Bildungsfern bedeutet für ihn dumm und dumm bildungsfern. Jetzt müßte man fragen, was dumm bedeutet. Offenkundig das Gegenteil von „intelligent“, sonst hätte er das nicht als Gegensatz genommen.
    Deine Definition weiter unten ist ungeeignet, weil es sich dabei um die Privatdefinition eines Zeit- Bloggers handelt. Ich könnte genauso sagen: „Bildungsfern“ heißt „grüne Augen“. Man müßte wie gesagt schon wissen, was Pfeiffer darunter versteht.
    Wie gesagt, seine Aussage läßt erwarten, daß er damit das Gegenteil von intelligent meint. Aber das ist nur die halbe Wahrheit, es muß schon noch etwas mehr sein, sonst hätte er „dumm“ nicht mit „bildungsfern“ erläutert, oder? In meiner Erfahrung wurden als „bildungsfern“ bisher meist Hartz IV Empfänger bezeichnet, da per Vorurteil unterstellt wurde, daß Menschen, die selbst keine Arbeit finden, selbst auch dummsind und ihre Kinder zur Dummheit erziehen.
    Und das ist eben der Knackpunkt an der Sache. Pfeiffer hört sich für mich genau so an, als ob er davon ausgeht, daß die Akademikerkinder per se gescheiter sind und daher auch besser gefördert werden müssen, wobei man die Proletenkinder doch bitte von ihnen fernhalten möge, weil sonst „Deutschland verdummt“, und da haben ja dann alle nichts von.
    Wie bereits mehrfach ausgeführt halte ich dieses Menschenbild für falsch, unchristlich, populistisch und vor allem schädlich und gefährlich. Es ist die rechte Denke, nach der bestimmte Menschen mehr wert sind als andere, die Menschen nach ihrem Nutzen einteilt und damit letztlich unmenschlich ist. Das gleiche Denken liegt der NS Ideologie zu Grunde, auch wenn diese offener auftritt. Die AfD ist da wie gesagt noch nicht so offen, aber ich vermute, das wird bald kommen. Bei Orban dauerte es auch, bis man sah, was da kommt…

    Das glaube ich einfach nicht, weil das wäre ja völlig hirnverbrannt und damit wären keine Wählerstimmen zu holen.

    Doch, die derjenigen, die sich als Eliten verstehen. Und damit auch die „ungewaschenen Massen“ sie wählen, formulieren sie das Ganze so, daß es nicht auf den ersten Blick ersichtlich wird, was sie vorhaben.

    So, ich muß jetzt fort. Später vielleicht nochmal mehr.

  11. Thomas Jakob sagt:

    @ Christina:

    Mal ganz davon abgesehen, dass ich keine kleinen, offensichtlich populistischen Parteien wähle, hat sich die AfD mit ihrer Anti-Euro-Haltung bei mir völlig disqualifiziert. Das hat nichts damit zu tun, dass es evtl. sinnvoll gewesen wäre, Griechenland für eine Sanierungsphase wieder aus dem Euro auszusteuern.

    Mit dem Euro haben wir bei allen Problemen und regionalen Unterschieden einen Wirtschaftsraum, der global in der gleichen Liga spielt wie Nordamerika oder China. Dass unsere europäischen Interessen gegenüber z. B. den Strategien amerikanischer Ratingagenturen zu schlecht vertreten werden, zeigt für mich vor allem, dass wir das Projekt Europa beschleunigen und weiter vorantreiben müssen. Die AfD sehe ich in Gegenrichtung unterwegs. In den Niederlanden, die ähnliche Themen haben wie wir, haben die Rechtspopulisten sich schon eine Abfuhr geholt. Ich hoffe, dass es hier ähnlich läuft.

  12. Christina sagt:

    @ Thomas Jakob:

    Es kann nicht richtig sein, Anreize für die Einwanderung über die Sozialsysteme zu setzen oder als Nebenwirkung zuzulassen. Ich sehe nicht, dass es im Interesse des deutschen Staats liegt, größere Anzahlen von Menschen ins Land zu holen, für die die Einwanderung sich schon in dem Moment gelohnt hat, wo sie einen Mindestsatz von Sozialhilfe erhalten.

    Pass auf, dass du mit dieser Aussage nicht auch plötzlich in die rechte Ecke gestellt wirst. Kann ganz schnell passieren. 😉

    @ Benny:

    Und das ist eben der Knackpunkt an der Sache. Pfeiffer hört sich für mich genau so an, als ob er davon ausgeht, daß die Akademikerkinder per se gescheiter sind und daher auch besser gefördert werden müssen, wobei man die Proletenkinder doch bitte von ihnen fernhalten möge, weil sonst “Deutschland verdummt”, und da haben ja dann alle nichts von.

    Meinst du nicht, dass du in Pfeiffers Aussage ein bißchen zuviel hineininterpretierst. Es ist doch nirgendwo von Akademikerkindern die Rede, auch nicht von Proletenkindern. Man könnte die Aussage auch anders verstehen, nämlich so: Intelligente Akademikerkinder sollten mit intelligenten Arbeiterkindern gemeinsam in einer Klasse unterrichtet werden. Das hat zur Folge, dass sie im Lernstoff schneller vorankommen und am Ende mehr gelernt haben, als wenn der Lehrer in einer gemischten Klasse auf leistungsschwächere Schüler hätten Rücksicht nehmen müssen. Leistungsschwächere Akademikerkinder dagegen sollten mit leistungsschwächeren Arbeiterkindern ebenfalls gemeinsam unterrichtet werden. Der Lehrer kann mit dem Unterrichtsstoff langsamer vorangehen. Dadurch haben diese Schüler mehr Erfolgserlebnisse und fühlen sich nicht immer wie die Klassenletzten, die in jedem Jahr um ihre Versetzung bangen müssen. So in etwa könnte es doch auch gemeint sein, oder?

    Deutschland braucht doch nicht nur studierte Menschen. Ich weiß nicht, ob es wirklich nötig ist, dass jeder Abitur macht? Aber den jungen Menschen wird es so suggeriert, dass sie nur mit einem Hochschul- oder Universitätsstudium etwas darstellen. Ich bin ja in der ehemaligen DDR zur Schule gegangen. Da wurden aus jedem Jahrgang (60 Schüler) nur 2 oder 3 nach der 8. Klasse zur Erweiterten Oberschule (entspricht dem heutigen Gymnasium) deligiert. Die haben dann irgendwann studiert. Alle anderen haben einen Beruf gelernt und sind damit glücklich gewesen.

  13. Christina sagt:

    @ Benny:

    Eines habe ich noch vergessen:

    Wenn Kevins Eltern arbeitslos sind und vielleicht nicht mal ne abgeschlossene Ausbildung haben, dann muß er ungleich mehr leisten und mehr können als Maximilian, dessen Eltern den Doktortitel haben, um die gleichen Chancen zu bekommen.

    Hmm…. das verstehe ich jetzt nicht. Warum muss Kevin mehr können und leisten? Wenn Kevin im Diktat Null Fehler hat, bekommt er eine „Eins“, genauso wie Maximilian. Hat er dagegen zehn Fehler, bekommt er wahrscheinlich eine „Sechs“, Maximilian ebenfalls. Gleiche Leistung – gleiche Zensur.

  14. De Benny sagt:

    Weiter im Text:

    Was ist daran deiner Meinung nach verkehrt? Ich verstehe unter einem “durchlässigen” Schulsystem z. B., dass man von einem Schulsystem ins andere wechseln kann – hinauf und auch hinunter – je nach Begabung und Entwicklung der Persönlichkeit. Hier steht nichts von Eliten usw.

    Wie häufig kommt das denn vor? Mir fällt ein Beispiel iener Klassenkameradin ein, die nach einer langen Krankheit vom Gymnasium in die Realschule mußte, weil sie nicht mehr mitkam. Mir fallen aus dem Bekanntenkreis noch ein paar Beispiele ein, wo Kinder eine Schulstufe nach unten mußten, weil die Noten nicht gut waren, manchmal mußten sie zusätzlich noch eine Klasse wiederholen.
    Ich kenne kein einziges Beispiel, bei dem ein Realschüler während seiner regulären Schulzeit ins Gymnasium kam. Und ich kenne nur ein paar Beispiele, wo Schüler nach Abschluß der 10. Klasse Haupt- oder Realschule anschließend für die Oberstufe aufs Gymnasium gingen. Die meisten davon haben das Abi dann auch bestanden.
    „Durchlässig“ ist das aktuelle Schulsystem also vor allem nach unten. Da deckt sich meine Erfahrung auch mit den OECD Studien, die dem deutschen Schulsystem bescheinigen, daß es eben kaum Aufstiegschancen für die unteren Klassen gibt. Was das angeht, war die DDR besser (insgesamt war es dort natürlich noch scheißer, weil meist nur Arbeiterkinder studieren durften und auch iene gewisse Linientreue verlangt wurde und das ganze auch mit Armeedienst verbunden war etc).
    Also Klartexte: Wenn Du im Gymnasium schlecht bist, mußt Du nach unten. Wenn Du aber in der Realschule nur Einsen hast, mußt Du trotzdem erst einmal die Realschule fertig machen und kannst nicht unter der Zeit ins Gymnasium (zumindest habe ich das nie erlebt). Dort mußt Du dann in kürzester Zeit noch ne Fremdsprache lernen, bist also in der Kursauswahl gegenüber den Gymnasiasten deutlich eingeschränkt und mußt auch erst mal allgemein mit dem größeren Lerndruck klarkommen. Hättest Du früher wechseln können, hättest Du dazu mehr Zeit gehabt…
    Die Differenzierung führt also tatsächlich dazu, daß es eben keine Durchlässigkeit gibt. Die AfD Leute wissen das auch. Der wichtige Punkt ist, sie halten am differenzierten Schulsystem fest. Und das ohne jede Not. Andere Länder wie Finnland haben das nicht, und schneiden international prima ab, im Gegensatz zu Deutschland. Wenn die AfD ne wirkliche Alternative sein will, sollte sie auf dem Feld vielleicht auch mal über Alternativen nachdenken.

    Langfristig drohen eine Überforderung der Sozialbudgets und die Erosion des Sozialstaates.

    Damit widersprechen die doch gerade ihren Aussagen von vorher:
    1. Sie sind für die Freizügigkeit.
    2. Sie haben nichts gegen Ausländer.
    3. Aber dadurch, daß die Ausländer wegen der Freizügigkeit zuziehen, droht die Erosion des Sozialstaates (nebenbei: Die Erosion erleben wir gerade, und zwar ging das schon vor der Osterweiterung los)

    Also was wollen sie? Weniger Freizügigkeit? Weniger Ausländer? Weniger Sozialsystem? Wo ist die Lösung? Sehen wir, was die AfD im Programm weiter schreibt:

    Leistungslose Einkommen dürfen weder Anreize für verstärkte Zuwanderung setzen noch die Suche nach bezahlter Arbeit unattraktiv machen

    Das ist natürlich ein Hammer! Aber es ist so schön verklausuliert, daß es Ottonormalbürger nicht ganz versteht. Ich darf mal übersetzen?
    Die Sozialleistungen müssen so weit gekürzt werden, daß es selbst für Menschen aus Bulgarien und Rumänien nicht reichen würde, um damit über die Runden zu kommen.
    Die AfD fordert hier ziemlich offen und deutlich, daß die Sozialleistungen, denn das sind „leistungslose Einkommen“, deutlich gekürzt werden.
    Das mit der Suche nach bezahlter Arbeit hört sich dann noch toll an, aber ist nicht ganz so krass.
    Es geht also darum, daß die Rumänen und Bulgaren keinen Grund haben, nach Deutschland zu kommen und unsere Sozialsysteme zu belasten, und daß andererseits auch die Deutschen keinene Grund haben, zu Hause zu bleiben statt einer Arbeit nachzugehen. Beides erreicht man, indem man die Sozialleistungen kürzt.
    Ich befürchte, daß man die Sozialleistungen, um sie unattraktiv für Rumänen und Bulgaren zu machen, viel drastischer kürzen muß als für Deutsche, um nicht von der Stütze zu leben.
    Das läuft hinaus auf „jede Arbeit ist zumutbar, auch die für 1€ die Stunde“. Ist die AfD für den Mindestlohn? Ich vermute nicht, denn das würde dieser Aussage ja diametral entgegenstehen.
    Aber nochmal auf die Ausländer zurück: Die AfD unterstellt hier, daß die (EU-) Ausländer nur kämen, um in unsere Sozialsysteme einzuwandern. Freilich haben viele Deutsche, vor allem im Westen, die Angst, daß die Geschichte sich wiederholt. 1990 kamen Millionen Ostdeutsche, die in die westdeutschen Sozialsysteme nie eingezahlt hatten, und wurden ebenso von den (west-) deutschen Sozialsystemen unterstützt. Du kannst Dich vielleicht an die ganzen Sprüche von den faulen Ossis erinnern. Hier spielt sich quasi das gleiche ab in Bezug auf Rumänen und Bulgaren. Nochmal zur Erinnerung. Tausende kamen schon nach Deutschland, auch nach Bayern. Die Zahl derer, die in Bayern Hartz IV beantragt haben, beträgt 12!

    Ausländische EU-Bürger, die wegen einer
    Straftat rechtskräftig verurteilt wurden, sind konsequent abzuschieben. Bestandskräftige Abschiebebescheide müssen zeitnah vollzogen werden. Die Wiedereinreise ausgewiesener Ausländer ist durch geeignete Maßnahmen wie etwa die Erhebung biometrischer Daten zu unterbinden.

    Die Freizügigkeit ist ein Grundrecht der Bürger Europas! Nur bei „erheblichen Gefahren für den öffentlichen Frieden“ ist eine Ausweisung möglich, und das aus gutem Grund. Eine Straftat ist beispielsweise schon das Schwarzfahren, was bei den Automaten heutzutage ganz schnell gehen kann, wenn die Beförderungsbedingungen unklar formuliert sind (zumal, wenn man kein Muttersprachler ist). Ging mir in Berlin auch schonmal so.
    Wieso nicht gleiche Strafen für gleiche Vergehen. Wenn ich als Deutscher schwarz fahre, muß ich Strafe zahlen. Wieso soll das nicht für Schweden und Schotten gelten?

    Kindergeld und Sozialleistungen sind nur für
    die in Deutschland lebenden Kinder der Einwanderer zu bezahlen

    Wenn also das Kind eines schottischen Einwanderers im Rahmen seines Studiums ein Erasmusjahr in Spanien macht, um sich zu qualifizieren, damit unserem Arbeitsmarkt qualifizierte Arbeitnehmer zur Verfügung stehen, wird der Schotte dafür bestraft, indem in der Zeit das Kindergeld nicht gezahlt wird. Ja, so stelle ich mit sinnvolle Politik vor…

    Die Zuwanderung von Nicht-EU-Arbeitskräften sollte sich
    ausschließlich nach dem hiesigen Bedarf richten

    Tut sie das nicht?

    Eine unkontrollierte Zuwanderung in die EU-Staaten muss
    durch Kontrolle der EU-Außengrenzen verhindert werden.

    Das ist besonders christlich! Die Afrikaner sollen draußen bleiben, wenn sie nicht ausreichend qualifiziert sind. Wenn sie wie derzeit in den Grenzzäunen verbluten, haben wir damit kein Problem. Das soll so sein.

    Dies sollte nach
    Möglichkeit heimatnah geschehen, da so mit den verfügba

    ren Mitteln mehr erreicht werden kann und die betroffenen
    Menschen weniger stark entwurzelt werden

    Im Klartext also: „Syrischen Flüchtlingen geht es in den Lagern der Türkei besser, wo sie eingesperrt sind und nicht raus dürfen. Wir können den Türken ein wenig mit Geld aushelfen. Das ist besser als wenn sie hierher kommen, wo wir ihnen bessere Perspektiven bieten könnten. Wir wollen das aber nicht. Die Syrer haben das Recht, für deutsche Waffen gutes Geld zu zahlen, von den Problemen, die diese Waffen verursachen, wollen wir aber bitte verschont bleiben.“

    Wie gesagt, ich finde da einige Punkte, bei denen mir übel wird.

    Glaubst du nicht, dass der Sozialstaat eines Tages überfordert sein könnte? Denn nur noch Geld zu drucken, ohne dass es gedeckt ist, führt letztendlich zur Inflation.

    Der Sozialstaat ist schon heute überfordert, das ist keine Frage. Aber das Problem sind doch nicht die 12 Rumänen, die Hartz IV beantragt haben. Das Problem sind die Schlupflöcher und Ausnahmen für Reiche, die prozentual weniger einzahlen müssen, als der kleine Mann auf der Straße.
    Die Inflation haben wir ja. Aber nicht wegen den Sozialsystemen, sondern um die Banken, also die Klientel von Herrn Lucke und seinen Freunden, dazu zu bringen, den Menschen in Griechenland und Spanien Kredite zu gewähren. Die Banken nehmen das Geld aber lieber, um weiter zu spekulieren. Trotzdem druckt die Sozialbank weiter lustig Geld, bis zur nächsten Krise. Die Griechen und Spanier zahlen derweil die Zeche (und nicht etwa wir Deutschen, Mut zu Griechenland oder Spanien fände ich daher für angebrachter als Mut zu Deutschland), denn sie sind in weiten Teilen arbeitslos, weil sie keine Unternehmen aufbauen können (wie auch, ohne Kredite?) und gleichzeitig dann auch noch von den Deutschen als faul diffamiert werden.

    was passiert aber, wenn das Sozialsystem zusammenbricht? Darüber machst du dir natürlich keine Gedanken.

    Uns gehen in Deutschland pro Jahr 160 Milliarden durch Steuerhinterziehung verloren. Hartz IV kostet uns 24 Milliarden. Da müssen schon noch ein paar Millionen zuwandern, bevor der Sozialstaat zusammenbricht. Denn bei der Steuerhinterziehung wird ja auch nix wirklich unternommen. Komisch, die denken alle nach, was passiert, wenn zu viele Flüchtlinge kommen. Aber was passiert, wenn zu viele Deutsche Steuern hinterziehen, überlegt kein Mensch. Und keiner malt den Teufel an die Wand für den Fall, daß das Steuersystem zusammenbricht…
    Klar kann das Sozialsystem zusammenbrechen. Und es wird sicher einige geben, die es auf die faulen Ossis, Zuwanderer oder vielleicht osgar die Juden schieben. Fakt ist aber auch, daß Deutschland stark genug ist, das Sozialsystem noch in viel größerem Ausmaß zu tragen, wenn Deutschalnd das will. Wenn nicht, dann bricht es zusammen (nicht wegen der Zuwanderer, sondern wegen dem fehlenden Willen der Deutschen, Steuern zu zahlen) und dann kriegen wir vielleicht einen Bürgerkrieg. Das kann schon sein. Deshalb bin ich auch dafür, daß wir uns um die Steuerhinterzeihung kümmern. Wenn das Problem gelöst ist, können wir nochmal nachzählen, ob schon ein 13. Bulgare in Bayern Hartz IV beantragt hat und ob das jetzt unser Budget sprengt…

    Dann geht es den deutschen Bedürftigen schlecht, die kriegen dann nämlich nichts mehr oder nicht mehr so viel wie bisher (das kannst du doch eigentlich auch nicht wollen) und den Migranten geht es dann ja ebenfalls nicht besser. Sie haben also auch langfristig nichts gewonnen. Ist diese Angst der Menschen denn so unbegründet?

    Ich finde es heuchlerisch, anderen jede Hilfe vorzuenthalten, weil man selbst alle Hilfe für sich beansprucht. Dann geht es den deutschen Bedürftigen schlecht? Und die ausländischen Bedürftigen, sind die weniger wert?

    Auch sie wollen keine Einwanderung in die Sozialsysteme

    Mag ja schon sein, aber die Einwanderung in die Sozialsysteme findet fast überhaupt nicht statt. Wer kommt denn nach Deutschland, um hier Stütze zu kassieren? Die kriegen die in Rumänien auch so (ja, Rumänien hat auch ein Sozialsystem!), da sind sie zu Hause bei ihrer Familie in ihrem bekannten Umfeld. Die Ausländer kommen nach Deutschland, weil es hier Jobs gibt, und bei ihnen zu Hause nicht. Die AfD (und andere, siehe Merkel) spielen die Angst vor Fremden aus, indem sie behaupten, es gäbe da ein Problem. Das lockt die Leute an die Wahlurne, denn Angst ist eine starke Emotion. Aber es ist ein Spiel mit dem Feuer, weil die AfD (wie auch die Union zum Teil) so tut, als gäbe es tatsächlich ein Problem mit Ausländern. Das wiederum spielt NPD und Republikanern in die Karten, die behaupten das ja schon lange…

    Eines möchte ich vielleicht noch loswerden. Du hast weiter oben von 12 Sinti und Roma in Bayern geschrieben. Das sieht aber nun nicht überall so aus. Ich habe letztens im TV gehört, dass seit der EU-Öffnung mehr als 1 Million Menschen nach Deutschland eingewandert sind. Sicher nicht alle ins Sozialsystem, aber eben auch ins Sozialsystem.

    Das stimmt schon. Über eine Million kam. Von dieser Million haben in Bayern 12 Hartz IV beantragt. In anderen Ländern kam das auch vor. Nehmen wir einmal an, es waren 1000, was sehr hoch gegriffen ist. Dann ist das immer noch nur ein Tausendstel der Einwanderer, also verschwindend gering. Wahrschienlich sind es aber noch weniger, denn Bayern ist ein großes Land und dort waren es nur 12.
    Der Rest wanderte nicht in die Sozialsysteme ein, sondern hat offenkundig Jobs gefunden, die Deutsche nicht machen wollten, und stützt damit unsere Sozialsysteme. Die zahlen ein für all die deutschen Hartz IV Empfänger! Wenn man das alles berücksichtigt, machen wir unterm Strich einen satten Gewinn, denn die 12 Hartz IV Empfänger (laß es bundesweit ruhig 1000 sein) werden weniger Geld kosten, als die anderen einzahlen ins System. Das sagt die AfD freilich nicht, das würde ihnen ja den Wind aus den Segeln nehmen.

    Kein Land kann diese Armutseinwanderung finanziell letztendlich stemmen.

    Nochmal: EIne Armutseinwanderung gibt es nicht und wenn ja, dann ur in einem sehr geringen Maße, so daß es gegenüber denjenigen, die hier Arbeit finden und unser Sozialsystem stützen, gar nicht ins Gewicht fallen! Was es vielleicht an Armutseinwanderung gibt, sind die Tausende, die an den europäischen Außengrenzen ms Leben kommen. Und auch die kommen nicht, um Sozialleistungen zu erhalten, sondern um zu arbeiten, um uns zu helfen, um mit ihrer Arbeit auch in unsere Sozialsysteme einzuzahlen. Sicher werden die Geld nach Hause schicken. Wer würde seine armen Eltern nicht unterstützen. Aber das hat doch nur den Effekt, daß die dann wieder deutsche Produkte kaufen, wenn sie mal einen kleinen Wohlstand haben.

    Für rumänische und bulgarische Bürger gilt seit 2007 die Freizügigkeit innerhalb der EU. Der Zugang zum Arbeitsmarkt bleibt ihnen in Deutschland verwehrt, sie können aber ein Gewerbe anmelden. Dadurch sichern sie sich ein dauerhaftes Bleiberecht. „Und wenn es nicht klappt mit dem Gewerbe, haben sie in kurzer Zeit Anspruch auf Sozialleistungen und Kindergeld“, sagt Mengelkoch. 2400 Gewerbe von Rumänen und Bulgaren waren im März in Neukölln gemeldet. Bis zu 100 in nur einem Mietshaus.

    Stimmt so nicht. 2007 sind Rumänien und Bulgarien der EU beigetreten.Die Freizügigkeit gibt es erst seit diesem Jahr. Vorher konnten sie hier aber Gewerbe anmelden, das stimmt. Daß 100 solcher Gewerbe in einem Mietshaus gemeldet waren ist doch kein Problem, oder? Es gibt andere Beispiele, da sind beim Briefkasten eines Anwalts mehrere hundert Gewerbe gemeldet. Sowas passiert häufig in Liechtenstein, der Schweiz oder den Cayman Islands. Im Gegensatz zu diesen Beispielen gehe ich davon aus, daß es sich bei den Rumänen um keine Briefkastenfirmen handelte, sondern daß die wirklich da wohnten. Mir fällt auf, daß Herr Mengelkoch davon spricht, daß die Rumänen irgendwann Anspruch auf Sozialhilfe hätten, aber nicht davon, daß sie sie in Anspruch nehmen. Die 100 Gewerbe scheinen also wirklich Gewinne zu erwritschaften und zu überleben.
    Ist ja auch klar: Wieso sollte ein Rumäne ins teure Deutschland ziehen und hier wochen- oder monatelang Miete zahlen und von nix leben, nur um irgendwann mal Anspruch auf Sozialleistungen zu bekommen, mit denen er wahrscheinlich kaum die Miete und seine Lebenshaltungskosten decken können würde, geschweige denn Geld nach Hause schicken. Er müßte erst eine lange Zeit ohne Einkommen überbrücken, und würde danach kaum Gewinn machen. Sicher, in Rumänien ist das viel Geld, was er bekommt. Aber er wohnt ja nicht in Rumänien, sondern in Berlin. Und da ist die Bulette für jeden gleich teuer. Auch Miete wird nicht nach Nationalität, sondern nach Mietvertrag gezahlt. Auch hier, so scheint mir, wird Stimmung gemacht gegen die Ausländer, obwohl offenbar keiner etwas gegen sie in der Hand hat. Man sagt einfach, sie könnten ja keine Betriebe führen… wieso nicht? Weil es Rumänen sind? Meinst Du denn, in Rumänien gibt es keine Firmen? Wieso sollten also Rumänen nicht in der Lage sein, in Berlin Firmen zu eröffnen?

    @Thomas Jakob:

    Der Weg Richtung Europa muss weitergehen. Deutschland ist seit langem ein Einwanderungsland und wir müssen unsere Fähigkeit und Bereitschaft zur Integration Fremder, die regional unterschiedlich ausgeprägt ist, in verschiedener Hinsicht weiterentwickeln.

    Dem stimme ich voll zu. Wir brauchen die Einwanderung auch alleine schon wegen dem demografischen Wandel. Gesellschaften ohne nennenswerte EInwanderung werden es da in Zukunft sehr schwer haben…

    Ich halte den Begriff Wirtschaftsflüchtling in seinem abwertenden Gebrauch auch für falsch. Es ist nur verständlich, dass Menschen versuchen, ein besseres Leben in einem anderen Land zu finden. Es ist für mich aber auch klar, dass Einwanderungsländer die Einwanderung steuern müssen, damit die unvermeidlichen Reibungen nicht in harte Konflikte eskalieren.

    Der Begriff „Wirtschaftsflüchtling“ ist schon vom Begriff her falsch, die fliehen ja nicht von der Wirtschaft, sondern zur Wirtschaft. Und ja, wenn ich morgen in Hamburg nen Job finde, der besser bezahlt ist als mein Job in München, dann „fliehe“ ich auch nach Hamburg. Mein Glück ist dabei, daß es da keine Grenzen gibt, die für mich zu überwinden wären. Das Glück haben die Afrikaner nicht, die gerne hier Arbeit annehmen würden.
    Du hast auch Recht, was die Regulierung angeht. Leider ist es so, daß die Menschen vor allem fremden Angst haben, und daß das sowie die verschiedenen Kulturen nebeneinander zu erheblichen Konfliktpotentialen führen. Man kann aber für die Integration mehr unternehmen als man momentan tut. Dann wäre es auch möglich, mehr afzunehmen. Außerdem würde es denke ich helfen, wenn man dafür sorgen würde, daß es in Afrika wirtschaftlich prosperierende Demokratien gibt. Momentan habe ich eher den Eindruck, die afrikanischen Länder sind für uns Europäer entweder uninteressant, oder sie sind strategische Verfügungsmasse, etwa wenn wir Mubarak unterstützen, weil der nicht nur die Bevölkerung allgemein, sondern auch die Mulimbrüder „unter Kontrolle“ hielt…

    Ich sehe nicht, dass es im Interesse des deutschen Staats liegt, größere Anzahlen von Menschen ins Land zu holen, für die die Einwanderung sich schon in dem Moment gelohnt hat, wo sie einen Mindestsatz von Sozialhilfe erhalten.

    Das kommt darauf an, was diese Menschen machen, wenn sie da sind. Wenn sie tatsächlich nur kommen, um zu kassieren, hast Du Recht. Allerdings sehe ich nicht, daß dies der Fall ist. Auf der anderen Seite sehe ich auch nicht, wie man das verhindern soll, ohne viel wichtigere Dinge kaputt zu machen oder einzuschränken. Wie gesagt, die Freizügigkeit ist ein Grundrecht.

    Wieder @Christina:

    Sie ist nur gegen die einheitliche Währung, die wegen der unterschiedlichen wirtschaftlichen Stärke der einzelnen Länder zu vielen Problemen geführt hat, wie man ja an vielen aktuellen Beispielen sehen kann.

    Die Probleme kommen dadurch, daß die nationalen Regierungen Mist gebaut haben, nicht wegen der Währung. Ob man die Münzen inGriechenland Drachmen oder Euros nennt, spielt kaum ne Rolle. Nach Deiner Logik müßte man in Ostdeutschland ja wieder die Ostmark einführen, um dort die Wirtschaft zu fördern. Komischerweise fordert das aber niemand.

    Selbst viele Griechen haben die Nase vom Euro voll und wollen wieder eine eigene Währung haben, weil sie dadurch wieder wettbewerbsfähig und auf die Beine kommen würden.

    Und wie kommen sie auf die Beine? Indem abgewertet wird. Also Inflation. Das bedeutet, daß die Ersparnisse der Menschen ihren Wert verlieren. Ist nichts anderes als eine verdeckte Steuererhöhung, kann man also auch anders haben. Die Griechen könnten ihre Produkte so vielleicht leichter im Ausland verkaufen, weil sie dort wegen der griechischen Inflation billigen würden, aber sie würden auch ihr Geld verlieren. Sie hätten zwar den gleichen Betrag in der Tasche, durch die Inflation verliert er aber ständig (und schneller als im Euroraum) an Wert. Überleg doch mal: Würden die Deutschen gerne zur Mark zurück, wenn das bedeuten würde, daß wir eine noch stärkere Inflation kriegen? Nein. Also wieso sollten es die Griechen wollen?

    Man darf ja nicht so egoistisch sein und nur an sich denken.

    Das ist das ultimativer Argument GEGEN die AfD.

    @Thomas Jakob:

    Ich hoffe, dass es hier ähnlich läuft.

    Leider haben die ja erst mal ein Ergebnis gehabt, das für sie ein Erfolg bedeutet. Wobei ich es interessant finde, daß sie genau das umgekehrte Phänomen wie bei den Piraten haben. Sie haben von ihren Wählern aus der Bundestagswahl fast eine Million zu Nichtwählern gemacht (und diese dann mit Zugewinnen von anderen Parteien ausgeglichen), während die Piraten, wenn ich mich recht entsinne, auch Nichtwähler ansprechen konnten…
    Schön ist, daß die AfD nicht sonderlich groß wurde wie die Rechtspopulisten in anderen Ländern. Jetzt werden wir sehen müssen, ob Lucke mit seiner „Volkspartei“ tatsächlich nicht mit anderen Populisten koaliert, wie er versprochen hat. Man wird sehen…

    @Christina:

    Intelligente Akademikerkinder sollten mit intelligenten Arbeiterkindern gemeinsam in einer Klasse unterrichtet werden. Das hat zur Folge, dass sie im Lernstoff schneller vorankommen und am Ende mehr gelernt haben, als wenn der Lehrer in einer gemischten Klasse auf leistungsschwächere Schüler hätten Rücksicht nehmen müssen.

    Finde das Problem. Kleiner Hinweis: „keine Rücksicht nehmen müssen“. Kommt Dir das nicht auch komisch vor. Zumal: Pfeiffer sagte eben nicht nur „dumm“, sondern auch „bildungsfern“, und das bedeutet eben durchaus: Arbeiter- bzw Hartz IV Kinder. Da wird quasi erst einmal vorausgesetzt, daß die Kinder von Hartz IV Eltern dümmer sind als die der Akademiker. Wenn Du das übersehen willst, gerne. Wundere Dich aber nicht, wenn Pfeiffer und seine Kameraden bald ihr wahres Gesicht zeigen.

    Deutschland braucht doch nicht nur studierte Menschen. Ich weiß nicht, ob es wirklich nötig ist, dass jeder Abitur macht?

    Genau. Deshalb sehe ich auch keinen Grund, wieso die leistungsstärkeren Kinder nicht ihren Überschuß an Leistung nutzen sollten, um schwächeren unter die Arme zu greifen. Der Lernstoff aus der Schule wird an der Uni eh nochmal komplett wiederholt, da braucht man keine Angst zu haben, etwas zu verpassen.

    Aber den jungen Menschen wird es so suggeriert, dass sie nur mit einem Hochschul- oder Universitätsstudium etwas darstellen.

    Naja, es ist halt inzwischen schon fast der Normalfall. Und wenn man jetzt keine Geisteswissenschaften studiert hat man mit Studium wahrscheinlich auch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt als mit einer Berufsausbildung. Ich find das auch nicht gut, aber vom gut oder schlecht finden bezahlen sich keine Rechnungen.

    Alle anderen haben einen Beruf gelernt und sind damit glücklich gewesen.

    Tja, heute haben sie Glück, wenn sie überhaupt nen Ausbildungsplatz finden. Und damit geht es den deutschen Jugendlichen noch besser als den spanischen oder griechischen…

    Hmm…. das verstehe ich jetzt nicht. Warum muss Kevin mehr können und leisten? Wenn Kevin im Diktat Null Fehler hat, bekommt er eine “Eins”, genauso wie Maximilian. Hat er dagegen zehn Fehler, bekommt er wahrscheinlich eine “Sechs”, Maximilian ebenfalls. Gleiche Leistung – gleiche Zensur.

    Und wie machst Du das beim Aufsatz? Oder bei den mündlichen Noten? Es ist inzwischen mehrfach belegt worden, daß Lehrer Noten auch nach Vorurteilen vergeben und das bestimmte Vornamen eben bestimmte Vorurteile auslösen. Maximilian ist demnach per se schlauer als Kevin. Max muß schon derbe daneben greifen, damit er schlechter bewertet wird, und Kevin muß sich schon stark anstrengen, daß der Lehrer sieht, daß er wirklich was auf dem Kasten hat. Ist so.

  15. Thomas Jakob sagt:

    @ Benny
    blockquote cite>
    Wir brauchen die Einwanderung auch alleine schon wegen dem demografischen Wandel.

    Ein modernes Märchen. Einwanderung kann das demografische Problem wohl (leider) nicht lösen. Habe ich irgendwo mal eine Analyse drüber gelesen. Einwanderung tut uns aber generell gut.

    Der Begriff “Wirtschaftsflüchtling” ist schon vom Begriff her falsch, die fliehen ja nicht von der Wirtschaft, sondern zur Wirtschaft.

    Da kenne ich einen besseren: Wer glaubt, dass Abteilungsleiter Abteilungen leiten, glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten. Das sind nur Wortspiele.

    Außerdem würde es denke ich helfen, wenn man dafür sorgen würde, daß es in Afrika wirtschaftlich prosperierende Demokratien gibt.

    Wie denn bitte? Neokolonialismus? Den Versuch, afrikanische Eliten auszubilden, die dann moderne und demokratische Strukturen etablieren, hat es am Ende der Kolonialzeit gegeben. Das ist alles den Bach runter gegangen. Ich habe vor 25 Jahren mal an einem etwas deprimierenden Symposium über die Lage Afrikas teilgenommen. Seitdem hat sich außer in Südafrika kaum etwas gebessert. Die neue Tendenz ist das Vordringen Chinas mit Interesse an Bodenschätzen und kaum Rücksicht auf Menschenrechte und kulturelle Identität.

    Das kommt darauf an, was diese Menschen machen, wenn sie da sind. Wenn sie tatsächlich nur kommen, um zu kassieren, hast Du Recht. Allerdings sehe ich nicht, daß dies der Fall ist.

    Das kommt auch darauf an, wie man das konkret gestaltet. Wenn man einfach nur Geld ausgibt, geht das wahrscheinlich schief. Bei solchen Sachverhalten höre ich gern auf die Meinung von Leuten wie Buschkowsky in Berlin, die gleichzeitig ein soziales Gewissen, einen nüchternen Blick auf die Lage und die Tatkraft haben, die Verhältnisse auch in die richtigen Bahnen zu lenken.

    Schön ist, daß die AfD nicht sonderlich groß wurde wie die Rechtspopulisten in anderen Ländern.

    Frankreich finde ich besorgniserregend. England würde ich allmählich wirklich den Austritt nahelegen. Die vielen Extrawürste werden sowieso zu teuer. Ein (vorübergehender) Austritt könnte vielleicht einmal ganz heilsam sein und auch die Nachteile der „splendid isolation“ deutlich machen.

  16. Christina sagt:

    @ Benny:

    Boah….du hast ja eine Menge geschrieben. Ich habe gar nicht die Zeit, auf alles zu antworten. Deshalb vielleicht nur noch mal die Sache mit der Schule:

    Darf ich dich mal was fragen? Wenn ich das bisher so richtig durchblicke, lebst du in Bayern (wo es dieses dreigliedrige Schulsystem ja noch gibt), kommst aus einer Arbeiterfamilie (keine Akademiker also) und bist trotzdem auf dem Gymnasium gewesen und studierst jetzt. Wie ist das möglich, wenn es doch deiner Aussage nach bei diesem Schulsystem keine Aufstiegschancen für die unteren Schichten gibt?

    Also Klartexte: Wenn Du im Gymnasium schlecht bist, mußt Du nach unten. Wenn Du aber in der Realschule nur Einsen hast, mußt Du trotzdem erst einmal die Realschule fertig machen und kannst nicht unter der Zeit ins Gymnasium (zumindest habe ich das nie erlebt).

    Was stellst du dir denn für ein Schulsystem vor? Gesamtschule? Meine Kinder waren auf einer Gesamtschule mit Grundschulteil. Da kannst du auch nicht einfach während der Schulzeit auf’s Gymnasium wechseln. Nach der Grundschule (6. Klasse) entschied sich dort ebenfalls, welche Kinder für’s Gymnasium geeignet sind. Da gab es ein Elterngespräch, bei dem der Lehrer den Schüler von seinen Leistungen und Begabungen her einschätzte und eine entsprechende Empfehlung gab. Da konnten sich die Eltern nun dran halten oder nicht. Wer sein Kind dann trotzdem unbedingt auf dem Gymnasium anmelden wollte, konnte das tun. Er hat dem Kind nur damit keinen Gefallen getan. Wenn es auf dem Gymnasium die erforderlichen Leistungen nicht erbracht hat und es dann in der 10. Klasse verließ, dann hatte es noch nicht mal einen Realschulabschluß. Also gar keinen Schulabschluß. Ich glaube inzwischen haben sie das wohl geändert, weil das ja auch äußerst unfair war.

    Also, halten wir es nochmal fest: Man kann an der Gesamtschule auch nicht zwischendurch aufs Gymnasium wechseln. Auch auf der Gesamtschule sind die Kinder übrigens in einigen Fächern in Leistungskurse aufgeteilt. Also auch wieder Aussortierung. 😉 Diese Leistungskurse sind allerdings sehr durchlässig. Also man kann dort hin und her wechseln. Kommt aber auch eher selten vor und dann auch meist von oben nach unten (anscheinend genau wie beim dreigliedrigen Schulsystem – vielleicht machen die Lehrer bei ihrer Einschätzung der Leistungen ja doch gar nicht so schlechte Arbeit 😉 ) Man kann dann aber nach der 10. Klasse, bei entsprechendem Schulabschluß noch ans Oberstufenzentrum gehen (gibt es sowas bei euch auch?) und dort sein Abitur machen.

    Man kann sogar noch als Erwachsener über die Volkshochschule in Abendschule Abitur machen. Ich kenne Einige, die das gemacht haben und heute studieren. Ich finde, dass das sogar der softere Weg ist und anscheinend wird das ja trotzdem voll anerkannt. Ich weiß z. B., dass die da nur von Mo. – Do. Abends für ca. 4 – 5 Unterrichtsstunden Schule hatten. Freitag war frei. Unwichtigere Fächer, wie Sport, Musik, Kunst und noch paar andere, hatten sie erst gar nicht. Hausaufgaben gab es auch nie auf. Wie denn auch, wenn manche der Schüler dort tagsüber noch berufstätig sind. Das waren aber die, die ich kenne, nicht. Die hatten also ein ziemlich lockeres Leben. Sicher nicht mit deinem Gymnasium in Bayern zu vergleichen. Und sie hatten noch ein „Leben“ als Kinder gehabt, was man ja von vielen, die heute in 12 Jahren Abitur machen müssen, nicht behaupten kann. Die können einem wirklich leid tun. Ich denke diese gestohlene Kindheit rächt sich irgendwann mal.

    Und um nochmal auf deinen Kommentarauszug einzugehen: Vielleicht kommt dieser Wechsel von unten nach oben im dreigliedrigen Schulsystem deshalb so selten oder nie vor, weil die Lehrer nach der Grundschule die Kinder schon ganz richtig eingeschätzt und ins entsprechende Schulsystem weiterdeligiert haben.

    Ich denke mal, es gibt Menschen, die machen ihr Abitur locker auf dem Gymnasium, weil sie eben entsprechend intelligent sind. Andere wieder würden das Abitur am Gymnasium nie schaffen, aber über einen langsameren bzw. softeren Weg schaffen sie es später dann trotzdem. Warum soll es nicht diese verschiedenen Wege geben? Jedenfalls ich kann nicht erkennen, dass es in unserem Land irgendjemandem verwehrt wird, Abitur zu machen, wenn er es denn möchte. Sogar ich, in meinem hohen Alter, könnte mich noch dafür anmelden. 😉

  17. Christina sagt:

    PS: Zu meinem letzten Absatz noch: Mit softerem Weg meine ich jetzt nicht nur die Abendschule (die zwar auch), sondern auch den Weg über die Gesamtschule zum Oberstufenzentrum, weil auch dieser Weg ist nach meiner Erfahrung softer als das direkte Gymnasium nach der 6. Klasse.

  18. Nordlicht sagt:

    @Christina:
    nur ganz kurz zu dieser Frage von dir: (wie macht man das noch mit dem zitieren?)

    „Darf ich dich mal was fragen? Wenn ich das bisher so richtig durchblicke, lebst du in Bayern (wo es dieses dreigliedrige Schulsystem ja noch gibt), kommst aus einer Arbeiterfamilie (keine Akademiker also) und bist trotzdem auf dem Gymnasium gewesen und studierst jetzt. Wie ist das möglich, wenn es doch deiner Aussage nach bei diesem Schulsystem keine Aufstiegschancen für die unteren Schichten gibt?“

    Da schlage ich vor, mal diese Sätze von Benny zu lesen:

    „“Durchlässig” ist das aktuelle Schulsystem also vor allem nach unten. Da deckt sich meine Erfahrung auch mit den OECD Studien, die dem deutschen Schulsystem bescheinigen, daß es eben kaum Aufstiegschancen für die unteren Klassen gibt. “

    Dann das „kaum“ beachten und deine Frage dürfte sich geklärt haben 😉

  19. Christina sagt:

    @ Nordlicht: Na gut, okay, dann ist Benny demzufolge eine rühmliche Ausnahme. Dann würde mich trotzdem mal interessieren, warum es bei ihm geklappt hat und bei anderen nicht.

    Ich muß dazu sagen, ich habe keine Erfahrungen mit dem dreigliedrigen westdeutschen Schulsystem. Wie schon gesagt bin im Osten aufgewachsen und zur Schule gegangen. Meine Kinder haben zwar nach der Wende die Schule besucht, aber die damalige Allgemeine Polytechnische Oberschule (POS – das war die Bezeichnung aller DDR-Schulen) hier im Ort wurde eine Gesamtschule mit Grundschulteil. Wenn ich aber richtig informiert bin, dann gibt es auch in Bundesländern mit dreigliedrigem Schulsystem wohl ersteinmal eine Grundschule, die alle Kinder durchlaufen, egal aus welchem Elternhaus. Und danach entscheidet sich dann, auf welche weiterführende Schule sie dann kommen, je nach ihren schulischen Leistungen bis dahin. Von daher sehe ich irgendwie nicht, dass Arbeiterkindern es schwerer haben würden, aufs Gymnasium zu kommen, nur aufgrund ihrer Herkunft jedenfalls nicht. Oder erklärt es mir. Ich weiß jedenfalls nicht, wie ihr auf diese Idee kommt. Entspricht auch nicht meinen bisherigen Erfahrungen.

  20. De Benny sagt:

    @Thomas:

    Einwanderung kann das demografische Problem wohl (leider) nicht lösen. Habe ich irgendwo mal eine Analyse drüber gelesen. Einwanderung tut uns aber generell gut.

    Weiß ich zu wenig drüber, um da jetzt was zu sagen zu können, Ich kann mir denken, daß es damit zusammenhängt, daß zugewanderte und integrierte Familien auch nicht so viele Kinder mehr kriegen wie ihre Verwandten zu Hause…
    Aber für ein Abfedern wird es sorgen, wenn auch in kleinem Maß. Ob uns Einwanderung gut tut? Sicher hält es uns im Kopf flexibler. Ich muß da immer an die dörfische Struktur denken, aus der ich komme, und wie dort und in dem Umfeld „Zugezogene“ eingeschätzt werden. Sie sind halt anders, haben andere Ansichten, wissen nicht „wie es hier läuft“ und sprechen nicht die hiesige Sprache, sondern Hochdeutsch (insofern kann ich die Schweizer auch ganz gut verstehen). Erst nach langer Zeit wird man als „peer“ wahrgenommen, man ist lange der Neue im Ort, teilweise noch nach Jahrzehnten, je nachdem, wie gut man sich integriert (bzw man die Chance dazu hat). Persönlich halte ich viel von den lokalen Besonderheiten und dem Selbstbewußtsein, es darf nur nicht verkrusten und zum leeren Prinzip werden. Da kann es schon hilfreich sein, wenn es einen kleinen aber stetigen Zuzug von außerhalb gibt, das trägt zur geistigen Flexibilität bei. Da hat sich auch schon viel getan, vor ein, zwei Generationen war es noch ein echtes Problem, wenn jemand aus nem katholischen Ort jemanden aus nem evangelischen Ort geheiratet hat…

    Wer glaubt, dass Abteilungsleiter Abteilungen leiten, glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten. Das sind nur Wortspiele.

    Touché. Trotzdem finde ich, man sollte den Begriff auch für Münchner in Hamburg benutzen, oder ihn sein lassen…

    Wie denn bitte? Neokolonialismus?

    Das meinte ich nun nicht, aber Du hast schon Recht, die Gefahr besteht immer. Womöglich wäre es für den Anfang hilfreich, Entwicklungshilfe nicht an korrupte Staatsapparate zu zahlen, sondern an Organisationen vor Ort (geschieht mein ich auch schon) und lieber Polizei auszubilden als Militär. Dann sind da noch die Waffenlieferungen. Was ich meine: Nicht die Regime stützen, sondern die Völker. Ist freilich nicht einfach. Da haben es die Chinesen einfacher. Aber was spricht dagegen, in Kinshasa oder Bamako eine Uni der EU zu betreiben, deren zehn Jahrgangsbeste ein Visum kriegen. Das kann man dann an mehreren Orten wiederholen, je nach Bedarf. So wird Geld in die Ausbildung dort investiert, die auch den Gesellschaften zu Gute kommen sollte. Einige werden ja im Land bleiben. Ist freilich angesichts der Massen nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein. Damit sich eine Demokratie entwickeln kann, braucht es ja erst einmal eine Zivilgesellschaft, also sowas wie ein Bürgertum. Da könnte man womöglich schon ein wenig helfen.
    Nebenbei könnte man die Subvention der eigenen Landwirtschftsprodukte aufgeben, damit der afrikanische Markt nicht mit lächerlich billigen Produkten kaputt gemacht wird. Oder den europäischen Markt für afrikanische Produkte öffnen. Beim Kirchentag in Berlin vor 11 Jahren sagte der Wirtschaftsminister von Burkina Faso, wir sollen das mit der Entwicklunshilfe lassen und den Markt öffnen, da hätte sein Land (und andere) mehr davon.
    Würde freilich wieder die deutschen Arbeitnehmer unter Druck setzen…

    Bei solchen Sachverhalten höre ich gern auf die Meinung von Leuten wie Buschkowsky in Berlin, die gleichzeitig ein soziales Gewissen, einen nüchternen Blick auf die Lage und die Tatkraft haben, die Verhältnisse auch in die richtigen Bahnen zu lenken.

    Den kenn ich zu wenig, um da was sagen zu können. Allerdings denke ich, daß es nicht überall solche Extremsituationen gibt und geben muß wie in Neukölln. Und dann braucht es auch wieder andere Instrumente für den Umgang. Wie gesagt, ich komm vom Dorf, da kennt noch fast jeder jeden, die Grundschule hat nur ein oder zwei Klassen pro Jahrgang… Da ist Integration leichter. Für beide Seiten.

    Frankreich finde ich besorgniserregend.

    Es heißt zwar niedrige Wahlbeteiligung, aber wenn ich es richtig verstanden habe, war die höher als hier in Deutschland. Heute morgen hab ich gehört, die FN wär schonmal auf kommunaler Ebene stärker gewesen, und da hätte man gemerkt, daß die trotz großer Klappe nix können. Bleibt zu hoffen, daß der Effekt hier auch bald eintritt. Was das Abdriften ganzer Nationen nach rechts angeht, da mach ich mir um Ungarn größere Sorgen. Vor allem, nachdem ich rausgefinden habe, daß die Fidesz, die da seit ner Weile stramm rechte Politik macht zur EVP gehört, also der gleichen Parteienfamilie wie die Unionsparteien in Deutschland…

    England würde ich allmählich wirklich den Austritt nahelegen. Die vielen Extrawürste werden sowieso zu teuer. Ein (vorübergehender) Austritt könnte vielleicht einmal ganz heilsam sein und auch die Nachteile der “splendid isolation” deutlich machen.

    Warten wir das Referendum ab. Vielleicht kommt es ja dann bald soweit, daß Großbritannien erst austritt, Schottland dann aus dem UK austritt und in die EU rein (da soll es ja auch ein Referendum zur Unabhängigkeit geben irgendwann). Das wäre vielleicht ne richtige Chance, um zu merken, wie gut die EU ist.
    Eigentlich bräuchte jedes Land mal so ne Phase der Einsamkeit, dann würde das Jammern über die EU vielleicht aufhören und man würde begreifen, was für ne geniale Sache die EU ist, trotz aller Defizite wie das mit der Demokratie…
    Die Sache mit den Spitzenkandidaten zeigt, daß man auch jenseits der Verträge Fakten schaffen kann. Die Regierungschefs werden nun wohl oder übel mit Juncker Vorlieb nehmen müssen, dem Parlament wird kein anderer zu vermitteln sein. Vielleicht gibt es bei der nächsten Wahl weitere Festlegungen von Seiten des Parlaments, man darf gespannt sein…

    @Christina:

    Darf ich dich mal was fragen? Wenn ich das bisher so richtig durchblicke, lebst du in Bayern (wo es dieses dreigliedrige Schulsystem ja noch gibt), kommst aus einer Arbeiterfamilie (keine Akademiker also) und bist trotzdem auf dem Gymnasium gewesen und studierst jetzt.

    Ich komme nicht aus Bayern, ich komme weder aus einer Arbeiter- noch aus einer Akademikerfamilie. Mein Vater hat Bankkaufmann gelernt (also Angestellter) und meine Mutter Bürokauffrau (arbeitete später aber im Altenheim). Ja, ich war auf dem Gymnasium und studiere.

    Wie ist das möglich, wenn es doch deiner Aussage nach bei diesem Schulsystem keine Aufstiegschancen für die unteren Schichten gibt?

    Wie Nordlicht schon herausstellte, ich sagte nicht, daß es nicht möglich wäre. Allerdings ist es schon auffallend, wie wenig Akademikerkinder in die Haupt- oder Realschule (ja, damals gab es das auch bei uns noch) gingen. Bei mir war es pures Glück. Die Grundschule dauert hier im Westen ja 4 Jahre. Nach der Grundschule bekam ich eine Empfehlung für die Realschule.
    Die Schule in der nächsten Stadt (was man so „Stadt“ nennt, wir sprechen von einerm Ort mit rund 7000 Einwohnern) hatte die Besonderheit, daß es sich um iene „Kooperative Gesamtschule“ handelte mti einer gemeinsamen Orientierungsstufe von Realschule und Gymnasium. Sprich: Klasse 5 und 6 waren Realschüler und Gymnasiasten noch zusammen. Danach gab es eine neue Empfehlung.
    Da inzwischen die SPD die Wahlen gewonnen hatte und die Empfehlungen der Lehrer nicht mehr bindend waren, konnte ich trotz erneuter Realschulempfehlung aufs Gymnasium gehen. Und da bin ich dann irgendwie durchgerutscht. Das hängt auch viel mit meinem Vater zusammen, der mehr oder weniger die Entscheidung traf, daß der Junge aufs Gymnasium geht, damit er später bessere Chancen hat. Ich hatte Glück und es ging gut, wenn auch knapp. Französisch war ein echtes Problem.
    Meine Schwester hatte weniger Glück. Sie ging auch erst aufs Gymnasium und mußte dann runter. Sie hatte das Problem nicht nur in Französisch, sondern auch in Englisch. Der Unterschied? Sie hatte einen schlechten Englischlehrer in der Orientierungsstufe. „Dümmer“ als ich ist sie sicher nicht!
    Aber kommen wir zur Grundschule zurück. Dort hat man einen Lehrer, der alle oder zumindest fast alle Fächer unterrichtet. Und der entscheidet nach eingenem Gutdünken, wer welche Empfehlung bekommt. Und der ist natürlich auch befangen. So hat jemand mit dem Namen Kevin prinzipiell schlechtere Chancen als jemand mit dem Namen Maximilian. Wenn der Lehrer weiß, daß einer Akademikereltern hat, dann unterstellt er diesem Schüler eher, das Gymnasium zu schaffen als einem gleich guten Schüler mit arbeitslosen Arbeitereltern. Das muß dem Lehrer noch nicht einmal bewußt sein. Fakt ist aber, daß es so ist, dazu gibt es Untersuchungen.

    Da konnten sich die Eltern nun dran halten oder nicht.

    Das ist schonmal positiv. Das gilt nicht immer und überall. Wie gesagt, als ich in die 5. kam, war die Empfehlung noch bindend.

    Er hat dem Kind nur damit keinen Gefallen getan. Wenn es auf dem Gymnasium die erforderlichen Leistungen nicht erbracht hat und es dann in der 10. Klasse verließ, dann hatte es noch nicht mal einen Realschulabschluß.

    Das ist bei uns anders. Wer nach der 9. vom Gymnasium ging, hatte nen Hauptschulabschluß, wer nach der 10. ging, hatte Mittlere Reife. Ich habe davon gehört, daß das in Thüringen wohl so war, wie Du schreibst, und daß man das ändern wollte nach dem Amoklauf von Robert Steinhäuser (hieß der so?), der wohl durchs Abi gerasselt war und nicht mal nen Hauptschulabschluß hatte. Das trägt natürlich auch zur Elitenbildung bei. Ein Akademikerkind versucht es dann halt nochmal, weil das Geld im Hintergrund dazu da ist. Wenn die Eltern arbeitslos sind, sieht das anders aus. Da gibt es ja auch schon massig Druck vom Amt bei Hartz-Eltern, wenn die Kinder Abi machen wollen. Weil die sollen nicht zur Schule gehen, die sollen arbeiten, damit sie nicht mehr mit in die Berechnung fallen… auch ein Grund, wieso es Kinder höherer Schichten leichter haben, ein Abi zu bekommen. Die Tatsache, daß das Bafög seit Jahren nicht mehr angehoben wurde und heute bei weitem nicht reicht, um ohne Nebenjob durchs Studium zu kommen, spielt da auch eine Rolle. Ich hatte das Glück, daß mein Vater genug Geld hat, mein Studium zu finanzieren. Andere Kommilitonen sind da nicht so glücklich und dürfen sich dann bei schlechten Prüfungen noch anhören, sie würden die falschen Prioritäten setzen. Manch ein Mensch mit Akademikerhintergrund begreift es nicht, daß erste Priorität das Essen auf dem Tisch ist. Und die Miete will ja auch bezahlt werden…

    Man kann an der Gesamtschule auch nicht zwischendurch aufs Gymnasium wechseln.

    Wenn man auf der Gesamtschule Abi machen kann ist das auch gar nicht mehr nötig. Dann kann man das Gymnasium auch abschaffen.
    Länder wie Finnland, Frankreich, England und die USA kennen das dreigliedrige deutsche System nicht. Die DDR kannte es, wie Du ja schreibst, auch nicht. Was spricht dagegen, dieses System wieder einzuführen, freilich ohne den ganzen Propagandamüll?

    Kommt aber auch eher selten vor und dann auch meist von oben nach unten (anscheinend genau wie beim dreigliedrigen Schulsystem – vielleicht machen die Lehrer bei ihrer Einschätzung der Leistungen ja doch gar nicht so schlechte Arbeit 😉 )

    Sagt Dir der Begriff „self-fullfilling prophecy“ etwas? Aber zum Durchfallen nach unten im System: Man kann die Leistungsanforderungen auch so weit steigern, daß am Ende gar keiner mehr in den obersten Stufen ist. Man kann aber auch die These aufstellen, daß wenn Schüler nicht mehr mitkommen, der Lehrer zu schnell macht. Kommt natürlich wieder das mit den Schülern, die sich langweilen. Ich fand Schule auch oft langweilig, aber nicht, weil ich unterfordert gewesen wäre, sondern weil ich den Stoff als langweilig empfand. Man kann als Lehrer ja durchaus weitere Aufgaben an die schnelleren Schüler verteilen, während der Rest die ursprünglichen Aufgaben noch löst. Geht in der Grundschule auch. Oder denk mal an den Konfirmandenunterricht. Der Pfarrer bringt allen von der Sonderschule bis zum Gymnasium etwas bei. Da geht es doch auch.

    Man kann sogar noch als Erwachsener über die Volkshochschule in Abendschule Abitur machen.

    Freilich geht das, find ich auch gut. Ob das softer ist, weiß ich nicht. Weil die meisten haben da nebenher einen Job und vielleicht noch eine Familie. Als Schüler hast Du solche Belastungen in der Regel nicht.

    Und sie hatten noch ein “Leben” als Kinder gehabt, was man ja von vielen, die heute in 12 Jahren Abitur machen müssen, nicht behaupten kann.

    Das liegt aber an der, Verzeichung, dummen Umsetzung des 12jährigen Abis. Statt zu begreifen, daß das bedeutet, daß für ein Jahr Stoff rausfliegen muß, hat man einfach alles komprimiert. Wie sagte mein Relilehrer noch? „Früher hat man am Stoff gelernt, heute lernt man den Stoff.“ Würde man vernünftig sein und am Stoff lernen, könnte man das auch mit etwas weniger an Stoff in der Masse gut bewältigen. Wenn es aber darum geht, inhaltlich auswendig zu lernen, wird es irgendwann eng. Außerdem stellt sich immer die Frage, wann der Stoff denn nun genug ist. Weil mehr Stoff findet man immer, in allen Fächern.

    Vielleicht kommt dieser Wechsel von unten nach oben im dreigliedrigen Schulsystem deshalb so selten oder nie vor, weil die Lehrer nach der Grundschule die Kinder schon ganz richtig eingeschätzt und ins entsprechende Schulsystem weiterdeligiert haben.

    Vielleicht sind im Osten so viele Menschen arbeitslos, weil die Ossis wirklich dumm und faul sind. Ist natürlich Unsinn. Es gibt auch nicht deshalb weniger Kinder, weil es wenger Störche gibt. Um von oben nach unten zu wechseln braucht man schlechte Noten, bzw man kann es einfach per Ummeldung immer machen. Und wenn man nach oben will? Ist nicht so einfach. Also passiert es fast nie. Wenn ich sehe, wie viele meiner Klassenkameraden, die in der Grundschule eine Hauptschulempfehlung bekamen, trotzdem Abi machten, kann ich dieser Deiner These auch nicht ganz zustimmen. Freilich hatten die es bedeutend schwerer, weil sie erst komplett durch die Hauptschule durch mußten und dann auf einmal aufm Gymnasium damit klarkommen mußten, daß der Stoff schneller und komplexer kommt. Oder sie machten das Abi an der Abendschule berufsbegleitend und hatten die doppelte Belastung.

    Ich denke mal, es gibt Menschen, die machen ihr Abitur locker auf dem Gymnasium, weil sie eben entsprechend intelligent sind.

    Zum Abi gehört nicht viel an Intelligenz. Und wenn man es nicht schafft liegt das auch kaum an mangelnder Intelligenz. In meinem Jahrgang sind zwei durchgefallen Bei keinem könnte ich sagen, daß er „dümmer“ als ich gewesen wäre.

    Warum soll es nicht diese verschiedenen Wege geben?

    Nochmal, ich habe nichts gegen Abendschule. Wenn einer nach 10 Jahren die Schule verläßt, um erst einmal ne Lehre zu machen, kann ich das durchaus verstehen. Manchmal muß das aus finanziellen Gründen auch sein. Wie gesagt, nicht jeder hat die Eltern, die Abi und Studium finanzieren können. Manchmal ist es nötig, daß die Kinder arbeiten gehen, sobald das möglich ist.
    Aber das bedeutet doch nicht, daß man diese Entscheidung schon mit 9 Jahren treffen muß. Oder daß man die Gymnasiasten in einem Elfenbeinturm isoliert, weil sie dann angeblich besser lernen. Ich galueb ich hätte damals vielleicht sogar besser gelernt, wenn meine Freunde, die in die Hauptschule gingen, weiterhin in meiner Klasse gewesen wären. Diese Freundschaften aus Grundschultagen hörten dann irgendwann auf, man wohnte zwar noch im selben Ort, man sah sich aber immer seltener, kam in unterschiedliche Kreise, hatte nciht mehr den Kontakt wie früher. Wieso muß das sein?

    Jedenfalls ich kann nicht erkennen, dass es in unserem Land irgendjemandem verwehrt wird, Abitur zu machen, wenn er es denn möchte. Sogar ich, in meinem hohen Alter, könnte mich noch dafür anmelden.

    Wenn man es möchte und sich durchsetzt, geht das freilich. Aber man hat es schwerer, und deshalb tun es bestimmte Schichten deutlich weniger. Und wenn man es macht, hat man oft schlechtere Noten. Und wenn man es später nachholt, ist man älter, und das wirkt sich dann wieder auf die Bewerbungschancen aus, weil man dann nach einem eventuellen Studium nochmal älter ist und noch keine Berufserfahrung hat. Da nimmt der Chef doch lieber einen von den Akademikerkindern, die im gleichen Alter schon auf eine gewisse Berufserfahrung zurückgreifen kann…

    sondern auch den Weg über die Gesamtschule zum Oberstufenzentrum, weil auch dieser Weg ist nach meiner Erfahrung softer als das direkte Gymnasium nach der 6. Klasse

    Bei uns gibt es kein Abi nach 12 Jahren und zu meiner Zeit schonmal gar nicht. Da ist der Weg über die Gesamtschule sicher besser (auch sonst). Aber mein Punkt ist ja sowieso, daß man das Gymnasium auch abschaffen könnte zu Gunsten eines eingliedrigen Schulsystems. Wie gesagt: Überall in der Welt (inklusive DDR damals) wird dieses System gefahren. Die sind doch nicht alle dümmer als wir Deutsche!

    warum es bei ihm geklappt hat und bei anderen nicht.

    Wie gesagt, ich hatte Glück.

    Oder erklärt es mir. Ich weiß jedenfalls nicht, wie ihr auf diese Idee kommt. Entspricht auch nicht meinen bisherigen Erfahrungen.

    Die Erklärung hab ich ja oben gebracht. Wenn noch etwas unklar ist, kannst Du ja nachfragen.

  21. Christina sagt:

    @Benny:

    So hat jemand mit dem Namen Kevin prinzipiell schlechtere Chancen als jemand mit dem Namen Maximilian. Wenn der Lehrer weiß, daß einer Akademikereltern hat, dann unterstellt er diesem Schüler eher, das Gymnasium zu schaffen als einem gleich guten Schüler mit arbeitslosen Arbeitereltern. Das muß dem Lehrer noch nicht einmal bewußt sein. Fakt ist aber, daß es so ist, dazu gibt es Untersuchungen.

    Hmm….also ich habe solche Feststellungen noch nicht machen können…..Bei uns im Ort gibt es z. B. eine Familie, die Mutter ist Putzfrau, der Vater Alkoholiker und schon so lange ich denken kann arbeitslos. Und deren jüngste Tocher ist aufs Gymnasium gegangen – mit Empfehlung der Lehrer. Das passt nun gar nicht in diese Untersuchung hinein. Ist das eine Ausnahme, die die Regel bestätigt? Was meinst du? Ich weiß nicht. Ich habe jedenfalls noch niemals, auch während der Schulzeit meiner Tochter derlei Dinge gehört. Wenn das bei euch so ist…..ich kann nichts dazu sagen. Vielleicht liegt es ja an den zum großen Teil noch ehemaligen Ostlehrern bei uns, die ein anderes Verhältnis zur Arbeiterklasse haben? 😉 Nee, das war jetzt nur ein Scherz….das glaub ich nicht.

    Zum Abi gehört nicht viel an Intelligenz. Und wenn man es nicht schafft liegt das auch kaum an mangelnder Intelligenz. In meinem Jahrgang sind zwei durchgefallen Bei keinem könnte ich sagen, daß er “dümmer” als ich gewesen wäre.

    Vielleicht waren sie einfach fauler. Sowas gibt es ja auch. Ich denke schon, dass ein gewisser Grad an Intelligenz zum Abi gehört, damit es für den Schüler nicht in Qual ausartet. Es gibt ja schließlich noch was anderes im Leben als nur Lernen, lernen, lernen.

    Wenn einer nach 10 Jahren die Schule verläßt, um erst einmal ne Lehre zu machen, kann ich das durchaus verstehen. Manchmal muß das aus finanziellen Gründen auch sein. Wie gesagt, nicht jeder hat die Eltern, die Abi und Studium finanzieren können. Manchmal ist es nötig, daß die Kinder arbeiten gehen, sobald das möglich ist.

    Das ist natürlich ein Punkt, bei dem ich dir Recht geben muß. Nicht was das Abi betrifft, denn da habe ich noch nie gehört, dass ein Kind aus finanziellen Gründen der Eltern kein Abi machen durfte, sondern gleich einen Beruf erlernen mußte. So ein Fall ist mir nicht bekannt. Was das Studium angeht, dass sich ja doch meist über mehrere Jahre hinzieht, kann man es natürlich gut nachvollziehen, dass es da ein Akademikerkind in dem Sinne viel leichter hat, da es sich nicht zusätzlich noch um seinen Lebensunterhalt kümmern braucht. Also hier sehe ich auch noch großen Handlungsbedarf des Staates, z. B. mehr Bafög, wie du schon sagtest. Da sollte es dann auch nach Bedürftigkeit gehen.

    Doch die meisten, die ein Abi machen, studieren ja hinterher gar nicht, sondern rechnen sich mit Abi einfach bessere Chancen bei der Ausbildungsplatzsuche aus.

    Wenn die Eltern arbeitslos sind, sieht das anders aus. Da gibt es ja auch schon massig Druck vom Amt bei Hartz-Eltern, wenn die Kinder Abi machen wollen. Weil die sollen nicht zur Schule gehen, die sollen arbeiten, damit sie nicht mehr mit in die Berechnung fallen… auch ein Grund, wieso es Kinder höherer Schichten leichter haben, ein Abi zu bekommen.

    Hast du dafür Beispiele parat? Ich kann das nämlich von unserer Seite aus nicht bestätigen. Meine Tochter ist z. B. nach der 10. Klasse Gesamtschule aufs Oberstufenzentrum gewechselt und hat dort das Fach-Abitur gemacht. Und mein Mann und ich, wir sind Beide keine Akademiker. Und gleichzeitig waren wir zu der Zeit schon seit ein paar Jahren in Hartz IV. Kein Jobcenter hat uns jemals in dieser Richtung Schwierigkeiten gemacht oder uns überhaupt darauf angesprochen oder sich dafür interessiert. Das lief einfach so ohne große Nachfragen.

    Unter Druck gesetzt wurde meine Tochter erst, als sie kurz vorm Abschluß des Fachabis war und sich nun um einen Ausbildungsplatz bewerben wollte. Aber im Nachhinein sehen wir auch darin Gottes Plan und es hat sich letztendlich alles zum Guten gewendet.

  22. Christina sagt:

    @ Benny:
    Sorry, ich habe mal wieder die Blockquote vermasselt. Kannst du das vielleicht bitte in Ordnung bringen?

  23. De Benny De Benny sagt:

    Sorry, ich habe mal wieder die Blockquote vermasselt. Kannst du das vielleicht bitte in Ordnung bringen?

    So gut?

    Zum Thema „Kevin muß sich mehr anstrengen“ hab ich mal ein paar Links, damit Du Dich nicht nur auf mich verlassen mußt:
    http://www.tagesspiegel.de/wissen/studie-kevin-ist-kein-name-sondern-eine-diagnose/1601654.html
    Da steht auch, daß Kinder aus Arbeiter- udn Migrantenfamilien deutlich besser sein müssen (unabhängig vom Namen).
    http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/nomen-est-omen-kevin-bekommt-schlechtere-noten-1853398.html
    http://www.sueddeutsche.de/karriere/vorurteile-gegen-vornamen-schlechtere-noten-fuer-kevin-1.991866
    In dem Artikel steht, daß es durchschnittlich nur eine Viertel Note ausmacht. Allerdings kam diese Untersuchung nach der ersten Untersuchung aus den beiden oberen Artikeln.Die Lehrer können also aus der Presse von dem Problem erfahren haben und in der Studie nochmal genauer nachgedacht haben, bevor sie Noten vergaben. Was da auch steht ist, daß es bei Jungen gravierender ist als bei Mädchen. Vielleicht hat Deine Tochter deshalb nichts davon mitgekriegt.

    Vielleicht waren sie einfach fauler.

    Fauler als ich ist schwer möglich. Zumal in Abizeiten. Wirklich vorbereitet hab ich mich aufs Abi nicht. Außer ein bißchen in Mathe.

    Nicht was das Abi betrifft, denn da habe ich noch nie gehört, dass ein Kind aus finanziellen Gründen der Eltern kein Abi machen durfte, sondern gleich einen Beruf erlernen mußte.

    Ist selten, kommt aber vor. War früher auch öfter, heute nicht mehr so oft.

    Doch die meisten, die ein Abi machen, studieren ja hinterher gar nicht, sondern rechnen sich mit Abi einfach bessere Chancen bei der Ausbildungsplatzsuche aus.

    Ich hab jetzt keine Strichliste geführt, aber mein EIndruck ist, daß die Mehrzahl derer, die mit mir Abi gemacht haben, auch auf die Uni gingen… Kann heute natürlich wieder anders sein. Es gibt ja Arbeitgeber, die wollen Abitur für nen Ausbildungsberuf. Meiner Meinung nach absoluter Kappes. Aber gut, die Abiturienten haben wenigstens Führerschein und können flexibler eingesetzt werden…

    Hast du dafür Beispiele parat?

    Das zum Beispiel:
    http://www.taz.de/!127076/

    Die Suchmaschine Deines Vertrauens liefert sicher noch mehr dazu…

  24. Christina sagt:

    @ Benny:

    So gut?

    Ja, vielen Dank. 🙂

    Was da auch steht ist, daß es bei Jungen gravierender ist als bei Mädchen. Vielleicht hat Deine Tochter deshalb nichts davon mitgekriegt.

    Ich glaube schon, dass kein Lehrer immer ganz objektiv ist. Kein Mensch ist das wahrscheinlich. Aber ich zweifle ein bißchen daran, dass dafür wirklich nur die Namen bzw. die Herkunft verantwortlich sind. Vielleicht assoziiert der Lehrer tatsächlich aufgrund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit mit entsprechenden Namen (so wie die Studie zeigt) im Vorfeld ein gewisses schlechtes Verhalten des Kindes. Doch wenn sich Kevin dann in der Realität als ein völlig lieber Junge herausstellt, werden sich diese negativen Assoziationen sehr schnell verflüchtigen und der Realität Platz machen, denke ich mir.

    Ich will man ein bißchen aus eigener Erfahrung berichten. Bei meiner Tochter hatte ich manchmal schon das Gefühl (und sie selbst auch), dass sie von den Lehrern besser eingeschätzt wurde als andere Schüler, aufgrund ihres Verhaltens – eine liebe pflegeleichte Schülerin. (Wenn alle so wären, würde ich auch noch Lehrer werden wollen, aber so nicht – nein danke.) Das ist zwar auch nicht richtig, es sollte ausschließlich nur die Leistung zählen. Aber niemand ist wahrscheinlich im Unterbewußtsein immer ganz objektiv. Ich glaube deshalb, dass bei der Bewertung eher das „Benehmen“ eines Schülers als seine Herkunft oder sein Name eine Rolle spielen könnten. Ich würde das mal als sogenannten Sympathiebonus bezeichnen. Übrigens, das Mädchen mit dem Alkoholiker als Vater, von der ich weiter oben berichtet hatte, war ebenfalls so ein nettes, freundliches und zuvorkommendes Mädchen. Ist das nicht ein seltsamer Zufall?

    Es gibt ja Arbeitgeber, die wollen Abitur für nen Ausbildungsberuf. Meiner Meinung nach absoluter Kappes.

    Da bin ich ganz deiner Meinung. 🙂

    Die Suchmaschine Deines Vertrauens liefert sicher noch mehr dazu…

    Ich habe den Link gelesen und auch noch ein bißchen gegoogelt. Das ist natürlich nicht schön, was die Betreffenden dort mit dem Jobcenter erlebt haben. Aber wie gesagt, meine Erfahrungen diesbezüglich waren anders. Vielleicht liegt es ja auch immer mit an der Person, die das im Jobcenter bearbeitet. Ich kann mir sonst nicht erklären, warum es da so unterschiedliche Vorgehensweisen gibt. Ich will das JobCenter bestimmt nicht in Schutz nehmen, ich habe auch schon ’ne Menge Mist dort erlebt, aber auch gute Sachen (es ist meiner Überzeugung nach wirklich personenabhängig – deshalb sollte man möglichst nicht immer gleich klein bei geben, sondern sich informieren. Das haben die Betreffenden ja wohl auch getan). Jedenfalls, es wäre gelogen, wenn ich jetzt behaupten würde, dass sie meiner Tochter und uns diesbezüglich Steine zwischen die Beine geworfen hätten.

  25. De Benny sagt:

    Doch wenn sich Kevin dann in der Realität als ein völlig lieber Junge herausstellt, werden sich diese negativen Assoziationen sehr schnell verflüchtigen und der Realität Platz machen, denke ich mir.

    Und wenn Kevin ganz gescheit ist aber eben auch zappelig? Wenn er wegen Unterforderung den Unterricht stört? Die Unterforderung sieht man nicht, das Stören kriegt man aber mit…
    Da war die Rede von schlechten Erfahrungen. Aber warum dann immer Namen wie Kevin, Justin und so weiter? Es gibt sicher auch schlechte Erfahrungen mit den Maximilianen dieser Welt. Die bleiben aber offenkundig so nicht hängen. Bei Max geht man von einem EInzelfall aus, bei Kevin denkt man, das ist der Standard. Das ist das Problem.

    Ich glaube schon, dass kein Lehrer immer ganz objektiv ist. Kein Mensch ist das wahrscheinlich. Aber ich zweifle ein bißchen daran, dass dafür wirklich nur die Namen bzw. die Herkunft verantwortlich sind.

    Freilich ist kein Mensch objektiv, und viele wenn nicht alle Lehrer haben ihre Lieblingsschüler. Das ist auch ganz normal, so lange es den Lehrern bewußt ist und sie sich selbst überprüfen, ob sie Sympathienoten vergeben oder nicht (unter uns: Ich hatte da im weiteren Bekanntenkreis ein Beispiel, wo das mit den Sympathienoten ziemlich krass war. Und zwar an der Uni!).
    Man muß sich halt der eigenen Schwächen bewußt sein. Lehrer haben alle studiert, das heißt, sie haben einen bestimmten Background, den alle mehr oder weniger teilen. Und der bestimmt dann auch mit, was sie gut finden und was nicht. Und das wirkt sich dann eben auch auf die Schüler aus. So haben bestimmte Schülertypen da Vorteile, andere haben Nachteile. Wenn die Lehrer sich diesen Prozess bewußt machen, können die krassesten Auswüchse abgemildert werden, da kann ein Lehrer dann nochmal überlegen: Hab ich Kevin und Max jetzt wirklich gerecht benotet?
    Ich hatte an der Schule den Eindruck, das passierte zu wenig. Wie es heute ist, kann ich nicht sagen, aber die genannten Zeitungsartikel deuten in einer Richtung. Und es geht dabei ja wirklich um die Startchancen im Leben, also nicht um irgendwelche Lapalien.

    Ich glaube deshalb, dass bei der Bewertung eher das “Benehmen” eines Schülers als seine Herkunft oder sein Name eine Rolle spielen könnten.

    Das spielt sicher auch mit rein, aber nicht nur. Beziehungsweise: Wenn zwei sich gleich schlecht verhalten, hat der mit dem „besseren“ Namen nicht ganz so viele Nachteile davon. Der kommt erster damit davon als der andere.

    Aber wie gesagt, meine Erfahrungen diesbezüglich waren anders.

    Ich mußte da zum Glück noch nie hin, deshalb hab ich keine eigenen Erfahrungen. Ich weiß auch nicht, ob das flächendeckend so ist oder von einzelnen Amtsleitern abhängt, oder auf welcher Ebene genau das Problem ist. Die Frage ist doch: Wenn so viele Eltern sich wehren, wie viele Eltern mehr gibt es, die das nicht tun? Und wo die Kinder dann irgendeine Ausbildung machen, statt zu studieren, auf die sie keine Lust haben und mit der sie dann am Ende vielleicht auch keinen Job finden? (kann auch andersrum sein, aber in der Regel weiß der betreffende Mensch besser, was ihm liegt, als ein Beamter, der ihn nur ein paar Mal sieht)

  26. Nordlicht sagt:

    Benny: Es gibt ja Arbeitgeber, die wollen Abitur für nen Ausbildungsberuf. Meiner Meinung nach absoluter Kappes.

    Christina: Da bin ich ganz deiner Meinung. 🙂

    @Benny: gibt es Möglichkeiten, solche absoluten Ausnahmefälle in irgendeiner Form farblich hervorzuheben? oder mit einem kleinen Feuerwerk oder ähnlichem zu versehen? 😀

  27. Christina sagt:

    @ Nordlicht: 😀

    @ Benny:
    Noch etwas: Ich habe ehrlich gesagt auch so meine Zweifel daran, dass ein Lehrer weiß, welche Berufe die Eltern aller seiner Schüler haben bzw. aus welcher gesellschaftlichen Schicht diese kommen. Bei den hunderten Schülern, die ein Lehrer so unterrichtet, finde ich das zíemlich unwahrscheinlich.

  28. De Benny sagt:

    @Nordlicht:
    Das kommt tatsächlich öfter vor, als man auf den ersten Blick meinen könnte. So lange es nicht um dogmatisch festgefahrere Situationen geht, ist das durchaus häufig. (irgendwo muß sich ja auch zeigen, daß wir Christen eben doch „eines Herzens“ sind ;))

    @Christina:

    Ich habe ehrlich gesagt auch so meine Zweifel daran, dass ein Lehrer weiß, welche Berufe die Eltern aller seiner Schüler haben

    Müssen sie auch gar nicht. Ich glaube auch nicht, daß die morgens in die Schule gehen mit dem Vorsatz, jetzt mal wieder ein paar Arbeiterkinder rund zu machen. Das ist ja das Problem bei Vorurteilen, daß die einem nicht immer bewußt sind. Aber wenn ein Kind „Kevin“ heißt ist die Chance gering, daß seine Eltern Akademiker sind. Wenn ein Kind „Mustafa“ heißt, ist es wohl kein Pfarrerskind und ein „Maximilian“ ist häufig nicht der Sohn alleinerziehender Arbeitsloser aus der „Unterschicht“…

    Und manchmal wissen die Lehrer schon, was bei den Schülern zu Hause Sache ist. Es ist ja auch nicht so, daß Schüler und Lehrer nicht über tausenderlei Dinge reden würden. Wenn da wer vom Skiurlaub in Davos erzählt oder vom Urlaub bei den Großeltern in Antalya… weißt schon, was ich meine 😉

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