Hunderttausende Arbeitsplätze

Soso, 100.000e Arbeitsplätze kostet ein flächendeckender Mindestlohn von 8,50 € also? Hat dieser Wirtschaftsweise auch berechnet, was es kostet, den Mindestlohn sein zu lassen? Wenn so viele Arbeitsplätze davon abhängig sind, daß Menschen zu wenig zum Leben bekommen… also 8,50 € x 40 Stunden die Woche (wenn man Glück hat und nicht nur 20 „arbeitet“ während der Rest auf ein Überstundenkonto geht, das weder abgebaut noch entlohnt wird) x 4 Wochen im Monat macht, wenn mein Taschenrechner mich nicht täuscht, 1360 € brutto im Monat. Das ist jetzt recht hoch gegriffen, weil Urlaub noch nicht eingerechnet ist, aber sei’s drum. Ne Familie davon zu ernähren wird schwer.

Deutlich davon runter zu gehen führt ziemlich schnell zu ziemlich prekären Situationen. Dann müssen beide Eltern Vollzeit arbeiten, um die Kinder zu ernähren und zu kleiden, was dann wieder begünstigt, daß negative Entwicklungen bei den Kindern übersehen werden, was dazu führt, daß die Schule noch mehr als Erzieher einspringen muß und so weiter.

Wenn die Arbeitsplätze wegfallen, dann sind wir wenigstens einmal krass ausbeuterische Verhältnisse los. Vor ein paar Jahren hab ich zum Beispiel bei ner Fast Food Kette gearbeitet in Stralsund. 4,30 € die Stunde. Mit der Möglichkeit, auf unglaubliche 4,50 € zu kommen, nach einer Weile. Als Student hat mir das nicht so sehr weh getan. Viel brauch ich nicht und die Bücher stehen in der Bibliothek (wenn sie nicht versteckt wurden, aber das ist ein anderes Problem), die muß man nicht kaufen. Ich hatte allerdings Kolleginnen, die zwar Vollzeit arbeiteten aber wohl auch nicht so viel mehr bekamen, die hatten Kinder zu versorgen. Die Burger waren übrigens nicht wirklich billiger als im Westen (zumindest wäre mir das nicht aufgefallen).

Wenn solche Jobs wegfallen, springt halt die Wohlfahrt ein. Muß sie so eh schon, wenn arbeitende Menschen aufstocken. Das ist nämlich die andere Seite. Was haben wir als Staat davon, keinen Mindestlohn zu haben und dafür Unternehmen durch Aufstocker indirekt zu subventionieren (daß da die EU noch nicht gemackert hat wegen einseitiger Wirtschaftsförderung!)?

Von daher würde ich sagen: Laßt die Arbeitsplätze doch wegfallen! Dann hört vielleicht auch das ewige Geunke auf, daß man ja Arbeit finden könne, wenn man nur wolle. Daß man auch davon leben können will wird da ja gerne mal vergessen.

Die CSU scheint Ausnahmen für Rentner zu fordern. Das ist nun wieder so eine Sache. Wieso das denn? Wieso arbeiten Rentner überhaupt? Kriegen die keine Rente? Wenn sie zu niedrig ist, liegt das Problem dann nicht woanders? Ist es wirklich die Lösung, wenn man die Rentner den Jungen die Arbeitsplätze nehmen läßt?

Was ich nicht verstehe ist, wieso immer die Parolen rausgebrüllt werden, ohne daß man sie zu Ende denkt. Das heißt: Ich vermute ja, daß man sie doch zu Ende denkt. Man sagt es halt nicht laut, weil das nicht opportun ist…

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4 Kommentare zu Hunderttausende Arbeitsplätze

  1. Christina sagt:

    Ist ja unglaublich, dass ich dir mal ausnahmsweise vollkommen zustimmen kann. 😉
    Bis auf das mit den Rentnern. Im übrigen überlegt man dasselbe auch bei den Minijobbern, also bei denen auf 450 € – Basis, ob man denen auch die 8,50 € geben sollte.

    Wieso arbeiten Rentner überhaupt? Kriegen die keine Rente? Wenn sie zu niedrig ist, liegt das Problem dann nicht woanders?

    Mag sein, dass das Problem woanders liegt, nur nutzt das den Rentnern von heute wenig. Wenn ihre Rente nicht zum Leben reicht, müssen sie sich halt nebenbei noch was dazu verdienen.

    Ist es wirklich die Lösung, wenn man die Rentner den Jungen die Arbeitsplätze nehmen läßt?

    Ich glaube nicht, dass die Rentner den Jungen wirklich irgendwelche Arbeitsplätze wegnehmen. Rentner arbeiten doch meist nur in irgendwelchen Minijobs, von denen die Jungen ohnehin nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten könnten. Also lassen wir den Rentnern doch ihre Minijobs und arbeiten lieber daran, dass die Jungen eine Vollzeitarbeit finden, von der sie auch leben können.

  2. De Benny sagt:

    Im übrigen überlegt man dasselbe auch bei den Minijobbern, also bei denen auf 450 € – Basis, ob man denen auch die 8,50 € geben sollte.

    Das wäre nur konsequent. Ansonsten können Arbeitgeber ja einfach alles auf 450€ Jobs umstellen und den Mindestlohn so unterlaufen…

    Wenn ihre Rente nicht zum Leben reicht, müssen sie sich halt nebenbei noch was dazu verdienen.

    Aus Sicht der Rentner hast Du Recht. Mir ging es hier aber um die Sicht der CSU. Und die sollte, das ist mein Punkt, anstatt Ausnahmen für Renter zu fordern, lieber dafür sorgen, daß jemand, dersein Leben lang gearbeitet hat, auch ne anständige Rente kriegt, von der er leben kann. Ansonsten gibt es da dann nämlich auch ein Loch im System. Als Arbeitgeber stell ich dann doch lieber nur noch Rentner ein, die kann ich dann legal schlechter bezahlen. Und schon wieder wäre der Mindestlohn unterlaufen.

    Rentner arbeiten doch meist nur in irgendwelchen Minijobs, von denen die Jungen ohnehin nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten könnten.

    Ja, deshalb haben die Jungen ja auch mehrere solcher Jobs. Wenn Du sonst nichts kriegst, mußt Du halt Minijobs nehmen. Ist ja nicht so, daß genügend andere Jobs da wären. Sonst hätten wir nicht so viele Arbeitslose.

  3. Christina sagt:

    Das wäre nur konsequent. Ansonsten können Arbeitgeber ja einfach alles auf 450€ Jobs umstellen und den Mindestlohn so unterlaufen…

    Sehe ich genauso. Es darf keine Ausnahmen geben. Mindestlohn sollte Mindestlohn sein, egal wer da arbeitet (Rentner oder junger Mensch) und egal in welcher Form (ob Minijob oder Sozialversicherungspflichtig), sonst sind da wieder viele Hintertürchen offen, wie man das umgehen kann.

    Ja, deshalb haben die Jungen ja auch mehrere solcher Jobs. Wenn Du sonst nichts kriegst, mußt Du halt Minijobs nehmen.

    Na ja, die Sache hat nur einen Haken. Die Minijobs, so wie sie heute sind, werden meist so schlecht bezahlt vom Stundenlohn her, dass man, wenn man mehrere solcher aufnimmt und in die Sozialversicherungspflicht rutscht, dann durch die Abzüge so wenig im Portmonnee hat, dass man ebenfalls nicht oder nur schlecht davon leben kann. Meist ist man dann zusätzlich noch Hartz IV- Aufstocker. Es lohnt sich also eigentlich nicht, soetwas zu machen. Bei einem gesetzlichen Mindestlohn auch in diesen Minijobs sehe das dann natürlich anders aus. Wollen wir mal hoffen, dass es vom Gesetzgeber her dann irgendwann mal so kommt. Alles andere wäre schon irgendwie ungerecht.

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