Der gemeine Deutsche

Denk ich an Deutschland in der Nacht…

In der Nacht bin ich aufgewacht, naja, es war halt noch dunkel draußen, aber um 7 kann man schon aufstehen, und da der Wecker ein Radiowecker ist, kamen auch gleich die Nachrichten. Die tägliche Demotivation vorm Aufstehen oder so…

Jedenfalls wurde ich darüber informiert, daß der Deutschen wichtigestes Problem zur Zeit die Zuwanderung ist (nachzulesen ist dat Janze auch hier nochmal, das ZDF verlink ich jetzt nicht, weil die müssen ja irgendwann depublizieren).

Die ganze Problemlage um Datenschutz und Sammellust der Geheimdienste ist weniger ein Problem (und das, obwohl doch das Handy der lieben Angie abgehört wurde! Ist das der Anfang vom Ende der Beliebtheit? Es wird wohl ein langes Ende sein – beliebteste Politikerin ist sie immer noch, die Zustimmung ist sogar gestiegen).

Ganz ehrlich: Ich verstehe meine Landsleute nicht. Ich mein das mit der Zustimmung zu Angie schon gar nicht. Hat die in den letzten 9 Jahren was produktiv gemacht? Also außer hohle Phrasen gedroschen? Bei Schröder war wenigstns alles Chefsache und man wußte: Hartz IV, da ist der Gerd schuld dran. Auch wenn es nicht gut war, er hat wenigstens was getan! Bei Angie könnte ich da nichts benennen, was ihr (und nicht irgend einem Fachminister) zugesprochen werden könnte. Außer vielleicht die klare Zustimmung zu Stuttgart 21, aber das ist ja auch schon wieder vergessen, und das mit der Gewalt gegen die Demonstranten, das waren wieder andere…

Darum geht es mir gar nicht.

Mir geht es um die Zuwanderung. Ich meine: Echt jetzt? Wir sind das so ziemlich reichste Land der EU, das dank Niedriglohnsektor und Zurückhaltung der Gewerkschaften etc im europäischen Vergleich recht gut dasteht, und da wundert man sich, daß da Leute kommen? Und dann soll das auch noch ein Problem sein? Ich mein, gut, wenn die Städter zu uns aufs Dorf ziehen und erst mal Gerichtsverfahren anstrengen um Nachbars Hahn vorzuschreiben, ab wann in Deutschland gekräht werden darf, dann würd ich die Grenzen auch gerne dicht machen, aber es geht denen ja nicht um Zuwanderung aus der Nachbarstadt…

Mal im Ernst: Gab es nicht ne wahnsinnige Panikmache damals, Anno 2004 bei der großen Osterweiterung der EU? Hieß es nicht, wenn die Freizüggigkeit kommt, werden uns Polen, Tschechen und wie sie alle heißen überfluten, uns die Jobs nehmen und was uns sonst noch bleibt, klauen? Ist das eingetreten? Ich aknn jedenfalls nichts davon erkennen, aber es ist ja auch schon 10 Jahre her und an die Panikmache erinnert sich auch keiner mehr. Aber jetzt ist alles noch viel schlimmer, weil Bulgaren und Rumänen, das ist ja noch viel schlimmer als Polen und Tschechen! Warum? Das weiß ich auch nicht, ist aber sicher so, weil es ist ja ein großes Problem, wenn die hierher ziehen.

Komisch finde ich ja, daß diejenigen, die diese Ängste haben, meist überhaupt nicht die Ängste eben jener Polen oder sonstigen östlichen Mitbürger verstehen können, was den Grundstückserwerb von Deutschen in ihren Ländern angeht… jaaa, vor uns Deutschen muß man ja keine Angst haben! Wann haben wir schon mal Probleme gemacht in der Welt…? Ach so… da war doch was…

Derweil die Geheimdienste, was ist dabei schon das Problem? Wer nix zu verbergen hat, muß doch keine Angst haben, nicht wahr? Außerdem sind die ja nur hinter den Terroristen her. Und Terroristen, das sind ja die Bösen. Oder nicht?

Nun ja, mag man einwenden, wer Böse ist, liegt im Auge des Betrachters. Nur weil wir in Deutschland die Angie mögen (also nicht alle, ich nicht, aber mehrheitlich halt) mögen die Griechen (also auch mehrheitlich, glaub ich, zumindest das, was man in den Medien so mitkriegt, aber wer weiß schon wie repräsentativ das ist?) sie noch lange nicht. Ist sie nun eine Terroristin? Das würde vielleicht erklären, wieso ihr Handy abgehört…? Arbeiten bei der NSA eigentlich auch griechischstämmige Amerikaner?

Was tun wir eigentlich, wenn wir morgen die Terroristen sind? Jetzt im Ernst? Ich mein, ich hab ja nicht vor, irgendwelche Bomben zu legen, wieso auch? Mir geht es vergleichsweise gut, also etwa verglichen mit einem Angehörigen der Roma-Minderheit (vulgo „Zigeuner“) in Rumänien. Der will aber auch keine Bomben legen, sondern vielleicht nur in Deutschland nach ner Arbeit suchen, Steuern zahlen, sich integrieren… das was Zuwanderer halt so machen.

Aber was weiß ich, vielleicht findet irgend ein Geheimdienst ja mal „Hinweise“ darauf, daß ich Bomben bauen gewollt hätte – oder so. Und dann geht das ganz schnell, mit der nationalen Sicherheit, ich mein, sicher ist sicher, und die haben ja die Beweise, nur müssen sie sie nicht unbedingt rausrücken, weil nationale Sicherheit (oder hab ich zu viele amerikanische Filme gesehen? Nein, nur zu viel Westenhagen gehört, aber der ist ja auch Zuwanderer. Nach England. Ist der jetzt auch ein Terrorist?)…

Was also lernen wir aus dem Ganzen? Der gemeine Deutsche hat mehr Angst vor Zigeunern als davor, daß seine Bürgerrechte untergraben werden.

Sollte eigentlich nicht überraschen, Geschichte wiederholt sich ja angeblich. Allerdings stellt sich mir ne andere Frage:

 

Angenommen, ich hätte damals gelebt, was hätte ich gemacht?

Und was mach ich heute?

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10 Kommentare zu Der gemeine Deutsche

  1. Christina sagt:

    Ich weiß ja nicht, aus welchem kleinen Örtchen du kommst, aber in manchen Gegenden ist Ausländerkriminalität schon ein Problem. (Es kommen nicht nur liebe nette Menschen hier her.) Also, ich kann die Ängste der Menschen durchaus verstehen, genauso wie ich auch die Not auf der anderen Seite sehe.

    Die andere Seite ist die (habe darüber, ich glaube es war gestern oder vorgestern gerade einen Bericht im Fernsehen gesehen), es gibt z. B. auf den griechischen Inseln keine ärztliche Versorgung der Bevölkerung mehr, weil ein Arzt dort etwa 500 € im Monat verdient und hier in Deutschland das zig-fache. Da wandert man doch lieber aus. Aber das kann doch wohl nun auch nicht die Lösung der Probleme sein? Oder? Mir tun die alten Leute, Schwangeren, chron. Kranken usw. dort jedenfalls leid, die 5 Stunden oder länger zu einer ärztlichen Behandlung fahren müssen. An einen Notfall darf man da gar nicht erst denken.

  2. De Benny De Benny sagt:

    aber in manchen Gegenden ist Ausländerkriminalität schon ein Problem

    Ja, doch, kenn ich. In der Nacht zum ersten Mai kommen die Jungs ausm Nachbardorf und sägen den Maibaum um. Und die Polizei macht nix…

    Also, ich kann die Ängste der Menschen durchaus verstehen, genauso wie ich auch die Not auf der anderen Seite sehe.

    Okay, im Ernst: Ängste kann ich auch verstehen, zumal, wenn sie geschürt werden von interessietrer Stelle. Meine Hoffnung ist allerdings, daß am Ende die Leute sich doch Gedanken machen und überlegen: Okay, was passierte nach 2004? Nix? Okay, und warum sind die Bulgaren jetzt schlimmer als die Polen? Das Problem mit Ängsten ist, sie werden gerne mal irrational, und dann kann sich das in so gut wie alle Richtungen entladen, und zwar im Zweifel richtig übel…

    Da wandert man doch lieber aus. Aber das kann doch wohl nun auch nicht die Lösung der Probleme sein? Oder?

    Na, ich weiß nicht. Wenn ich bei Volkswagen in Wolfsburg keinen Job finde oder rausflieg, versuch ich’s vielleicht bei Opel in Rüsselsheim. Das ist doch kein Problem, oder? Wenn man an einer Stelle nicht genug verdienen kann, um zu überleben, dann migriert man eben. Würdest Du doch auch tun. Oder würdest Du als Arzt auf so ner INsel ein Lied über die böse Welt singen und verhungern?

    Mir tun die alten Leute, Schwangeren, chron. Kranken usw. dort jedenfalls leid, die 5 Stunden oder länger zu einer ärztlichen Behandlung fahren müssen.

    Das kommt davon, wenn man in die Pampa zieht. In den Weiten Sibiriens würden sie noch länger brauchen, um zu nem Arzt zu kommen. Deshalb leben da auch weniger Menschen als sagen wir mal in Berlin…

    Was ich meine ist doch folgendes: Erst sehen wir zu, daß wir reich werden, daß wir ja um der Wirtschaft Willen die Löhne nicht zu sehr anheben etc, und wenn die Wirtschaft brummt wundern wir uns, daß es Leute gibt, die das toll finden, und zu uns ziehen, weil sie auch nen Job wollen. Sollen wir die jetzt zu nem Leben bei Wasser und Brot auf die griechischen Inseln verbannen?

  3. Christina sagt:

    @ Benny: Ich muß mich doch sehr über dich wundern….. *staun*…..Wo bleibt dein sonst so reichlich fließendes Mitleid mit den armen Ausländern denn in diesem Falle? Wenn’s denen im eigenen Lande schlecht geht, weil sie medizinisch nicht mehr versorgt werden, dann ist das völlig okay für dich, selbst Schuld sozusagen, warum leben sie auch auf ’ner Insel, die Deppen? Würde ihnen dasselbe hier bei uns in Deutschland passieren (also keine ärztliche Versorgung) würdest du laut protestieren, so wie ich dich kenne….. schon seltsam, was das alles für Blüten schlägt………. 😉

    Das Problem mit Ängsten ist, sie werden gerne mal irrational,

    Von Taschendiebstählen, Einbrüchen, Messerstechereien und Autoklau durch ausländische Banden hast du wohl noch nie was gehört? Nur weil es das bei dir in Kleinkleckersdorf anscheinend nicht gibt, glaubst du jetzt, es sei überall so eitel Sonnenschein.

  4. De Benny De Benny sagt:

    Von Taschendiebstählen, Einbrüchen, Messerstechereien und Autoklau durch ausländische Banden hast du wohl noch nie was gehört?

    Doch, aber mir will einfach nicht einleuchten, wieso es besser sein soll, von einem Deutschen niedergestochen und ausgeraubt zu werden. Oder steht dahinter der Gedanke, daß diese Ausländer viel schlimmere Gauner sind als die anständigen Deutschen?

    Wenn’s denen im eigenen Lande schlecht geht, weil sie medizinisch nicht mehr versorgt werden, dann ist das völlig okay für dich, selbst Schuld sozusagen, warum leben sie auch auf ‘ner Insel, die Deppen?

    Nö. Wenn die nen Arzt dahin organisiert kriegen freu ich mich natürlich für sie. Die Sache ist nur: Wenn die nem Arzt nur 500 Euro zahlen, dann hat der in Deutshcland bessere Chancen. Oder den USA. Oder sonstwo. Und diese Chance wird er dann auch ergreifen, da bin ich nicht böse drum. Oder bist Du jemandem böse, wenn er einen lukrativeren Job annimmt?
    Es ist natürlich vom Allgemeinwesen zu fordern, ne anständige ärtzliche Versorgung auch aufm Land hinzukriegen. Offenkundig klappt das in Griechendland nicht (ob das in Deutschland immer so klappt bleibt abzuwarten, wenn ich es recht verstehe, reißen sich die Ärzte auch hierzuland nicht darum, aufs Dorf zu kommen). Ich bin aber kein Grieche und habe dort kein Stimmrecht. Ich gehöre nicht zu ihrem Allgemeinwesen, also kehr ich vor meiner Tür. Und da muß ich nun einmal anerkennen, daß es auch griechische Bewerber gibt, wenn unsere Jobs begehrt sind. Zumindest, so lange wir die EU haben. Wir können natürlich auch die EU abschaffen, zur Mark zurückkehren und die Grenzen dicht machen. Wär ich jetzt nicht so dafür, weil es uns dann bald noch schlimmer ginge als den Griechen. Also bin ich für die EU. Das bedeutet, daß ich ganz ohne Paß nach Griechenland, nach Litauen, Rumänien und sogar nach Frankreich fahren kann. Und oft muß ich nicht einmal Geld tauschen. Ist doch toll, nicht?

    Aber mal anders: Was, wenn ich protestieren würde? Würde ich verlangen, daß die Ärzte auf der Insel bleiben? Nein. Ich würde verlangen, daß das politische System dafür sorgt, daß die Ärzte dort auch bleiben können, daß sie entsprechend Geld verdienen, daß es sich auch für sie lohnt und sie nicht ausgebeutet werden. Ich würde aber keinem Arzt böse sein, wenn er ne Chance auf mehr Geld ergreift. So gut solltest Du mich inzwischen kennen.

  5. Christina sagt:

    @ Benny: Was mich an deiner Ansicht erstaunt ist Folgendes: Du hast dich mal anderswo mächtig aufgeregt, dass die armen Flüchtlinge auf dem Mittelmeer kentern und ertrinken und niemand ihnen hilft bzw. sie aufnimmt. Da hast du nicht gesagt: Selber schuld! Warum geht ihr denn auf ein Boot? Ist doch klar, dass man dabei auch umkommen kann. Das sagst du anscheinend nur zu den griechischen Inselbewohnern: Selber schuld, wenn ihr weiterhin auf einer Insel leben wollt, dann müßt ihr eben auf medizin. Versorgung verzichten. Weil mich interessiert bloß, wie es dem Arzt finanziell geht, ihr seid mir schnurzpiepegal. Oder glaubst du etwa, dass es den anderen Bewohnern finanziell besser geht als dem Arzt? Ich schätze mal, dem Arzt geht es noch am Besten von allen dort, sicher besser als der Putzfrau oder den vielen Arbeitslosen. Das ist es, was mich an deiner Argumentation erstaunt. Und ich finde, es ist eben keine Lösung für Probleme, wenn das Fachpersonal, dass auch im eigenen Land dringend gebraucht wird, und dort auch einen Job hätte, ein Land verläßt. Was glaubst du, warum die DDR damals die Mauer errichtet hat? Ein Grund war auch mit, dass sie teuer Fachpersonal ausgebildet hat, dass dann vom Westen abgeworben wurde. Dort wurde ihnen ja auch mehr bezahlt und sie konnten besser (und sogar freier) leben. Kann man ihnen doch auch nicht verdenken. Jeder ist sich selbst der Nächste, nicht wahr? 😉 Ist bloß nicht sehr christlich diese Ansicht, speziell wenn es um die mediz. Versorgung und somit das Leben von anderen Menschen geht. Durch dieses Abwerben fehlt das Fachpersonal aber dem eigenen Land, das es ausgebildet hat. Was dem Staat auch Geld gekostet hat. Auf die Dauer überlebt das so kein Staat. Mit ein wesentlicher Grund, warum die DDR die Mauern damals dicht gemacht hat.

    Oder steht dahinter der Gedanke, daß diese Ausländer viel schlimmere Gauner sind als die anständigen Deutschen?

    Nee, das nicht. Aber vielleicht denken sich die Leute, uns reichen die deutschen Gauner vollkommen aus, wir brauchen nicht noch ausländische dazu. Kann man ihnen doch nicht verdenken, besonders wenn sie vielleicht schon selbst negative Erfahrungen diesbezüglich gemacht haben. Oder?

  6. De Benny sagt:

    Christina, es ist immer wieder erschreckend und verwunderlich, auf welche Weise Du mich verstehst! Aber es ist gut, solche Rückmeldungen zu kriegen, da merkt man erst einmal, wie falsch man verstanden werden kann.

    Du hast dich mal anderswo mächtig aufgeregt, dass die armen Flüchtlinge auf dem Mittelmeer kentern und ertrinken und niemand ihnen hilft bzw. sie aufnimmt. Da hast du nicht gesagt: Selber schuld! Warum geht ihr denn auf ein Boot?

    Stimmt. Zugucken und sagen: Wieso geht Ihr denn auf ein Boot, während die absaufen, wär ja auch nicht so toll, oder?

    Das sagst du anscheinend nur zu den griechischen Inselbewohnern: Selber schuld, wenn ihr weiterhin auf einer Insel leben wollt, dann müßt ihr eben auf medizin. Versorgung verzichten.

    Moment, Du bringst hier zwei Dinge durcheinander. Um den Flüchtlingen in den Booten zu helfen, muß ich Schiffe schicken, die sie rausholen. Das ist machbar und ein Gebot der Menschlichkeit.
    Um den Inselbewohnern zu helfen müßte ich einen Arzt dazu verdonnern, dort zu bleiben, ihn quasi dort einsperren. Wie die Menschen damals in der DDR. Oder heute noch etwa in Nordkorea oder auf Kuba. Das war zwar auch irgendwo machbar, aber es ist unmenschlich, daran kannst Du Dich sicher noch besser erinnern als ich.

    Und ich finde, es ist eben keine Lösung für Probleme, wenn das Fachpersonal, dass auch im eigenen Land dringend gebraucht wird, und dort auch einen Job hätte, ein Land verläßt.

    Global gesehen hast Du natürlich Recht. Es ist auch keine Lösung wenn die Jugend in die Städte zieht wo die Arbeit ist und die Alten aufm Land versauern, wo immer mehr die Lichter ausgehen. Trotzdem geschieht es, und wenn die Jugendlichen die Jobs nicht annehmen in den Städten, dann wird die Stütze gekürzt.
    Die Sache ist doch die: Während Du in der Theorie Recht hast, hilft das in der Praxis recht wenig. Du sagst, was nicht die Lösung ist. Okay, wenn Du jetzt noch ne Lösung bringst, die wirklich hilft, dann kommen wir vielleicht weiter. Aber bis dahin wird der Arzt genauso den Jobs und einem besseren Leben hinterherziehen wie alle anderen Menschen auch. Und ich kann es ihnen nicht verdenken.

    Ich schätze mal, dem Arzt geht es noch am Besten von allen dort, sicher besser als der Putzfrau oder den vielen Arbeitslosen.

    Wer sagt denn, daß die Putzfrau bleibt? Wenn die ne Chance findet, aufm Festland vielleicht ne bessere Stelle in den Tourismusgebieten zu finden, ist die auch weg.

    Ein Grund war auch mit, dass sie teuer Fachpersonal ausgebildet hat, dass dann vom Westen abgeworben wurde. Dort wurde ihnen ja auch mehr bezahlt und sie konnten besser (und sogar freier) leben. Kann man ihnen doch auch nicht verdenken.

    Wem jetzt, der DDR? Nun, ich denke doch. Man kann ihnen verdenken, daß sie ihre Bürger eingesperrt hat und die Leute lieber erschossen hat als sie gehen zu lassen. Das war nämlich ne ziemlich krasse Maßnahme die ziemlich viel Leid verursacht hat.
    Den Flüchtlingen kann man es sicher nicht verdenken, daß die versucht haben, rauszukommen. Aber das ist ja meine Rede.

    Es reicht eben nicht, Fachpersonal auszubilden. Man muß den Leuten auch eine Perspektive geben. Zumal die Ärzte auf den griechischen Inseln vielleicht ja auch in England, Amerika oder Deutschland studiert haben, wer weiß? Viele Menschen studieren heutzutage im Ausland, ich war auch für ein Jahr in der Schweiz. Deshalb fühle ich aber keine Verpflichtung gegenüber dem Schweizer Staat.

    Es ist doch andersrum: Die Staaten ermöglichen doch die Ausbildungen, um selbst etwas davon zu haben. Aber da reicht es eben nicht, nur die Ausbildung zu ermöglichen und die Absolventen dann zu hoffen, die Absolventen würden daraufhin aus reinem Idealismus bleiben. Wieso haben sie dann studiert? 500 Euro? Hätte der Mann das Studium gelassen und wär gleich nach Deutschland gekommen, bei Daimler verdient man als ungelernter Arbeiter am Band ein Vielfaches!

    Jeder ist sich selbst der Nächste, nicht wahr? 😉 Ist bloß nicht sehr christlich diese Ansicht, speziell wenn es um die mediz. Versorgung und somit das Leben von anderen Menschen geht.

    Eben. Deshalb muß auch jede Gesellschaft dafür sorgen, daß die medizinische Versorgung gewährleistet werden kann. Unter anderem damit, daß man die Ärzte, die immerhin Leben retten können, nicht schlechter bezahlt als den Taxifahrer im Touristengebiet. Ansonsten muß man sich nicht wundern, wenn es zu Migration kommt.

    Auf die Dauer überlebt das so kein Staat.

    Dann ist der Staat gefordert, was zu ändern. Aber nicht der Arzt, der die Chance hat am Ende vom Monat noch etwas Geld über zu haben und nicht umgekehrt. Würdest Du anderen Berufsgruppen auch zumuten wollen, an ihrem Heimatort zu bleiben, weil dort immerhin in sie investiert wurde? Was ist mit all den Ostdeutschen, die in ostdeutsche Schulen gingen und nun im Westen arbeiten, weil es dort Jobs gibt? Sollten die alle zu Hause bleiben und hartzen? Oder für ein paar Cent die Stunde arbeiten? Nur weil sie blöderweise dort geboren wurden und zur Schule gingen?

    Aber vielleicht denken sich die Leute, uns reichen die deutschen Gauner vollkommen aus, wir brauchen nicht noch ausländische dazu.

    Wieso, es werden doch prozentual gar nicht mehr. Wenn man also auch mal von nem ausländischen Gauner vergaunert wird, dann eben einmal weniger von nem Deutschen. Die Gauner haben ja insgesamt auch mehr Opfer, wenn auch die ganzen anständigen Ausländer einwandern. Das würde sich höchstens ändern wenn Du jetzt sagen wolltest, daß die Ausländer eher Gauner sind als die Deutschen, also per se verbrecherischer…

  7. Christina sagt:

    @ Benny:

    Moment, Du bringst hier zwei Dinge durcheinander. Um den Flüchtlingen in den Booten zu helfen, muß ich Schiffe schicken, die sie rausholen. Das ist machbar und ein Gebot der Menschlichkeit.
    Um den Inselbewohnern zu helfen müßte ich einen Arzt dazu verdonnern, dort zu bleiben, ihn quasi dort einsperren.

    Ich glaube, ich bringe da nichts durcheinander. Ich kann nämlich diesen Unterschied, den du da siehst, nicht erkennen. Es reicht nämlich nicht, ein paar Schiffe zu schicken, die die Flüchtlinge aus dem Meer ziehen. Es ging dir doch auch darum, wenn ich dich damals richtig verstanden habe, dass diese Flüchtlinge hier in Europa alle Aufnahme und Versorgung finden. Da hast du dann kein Problem damit, wenn Steuerzahler dazu verdonnert werden, dafür aufzukommen. Oder wer sonst wird zur Kasse gebeten? Der Staat? Nun, ich denke mal, der Staat finanziert doch alle seine Ausgaben aus Steuern. Oder nicht? Wenn die Ausgaben steigen, werden auch die Steuern steigen, ist doch anzunehmen. Und woher holt sich der Staat das Geld dann? Von den Reichen wahrscheinlich nicht, sondern von den kleinen Leuten. Es wird auf die Masse, auf breite Schultern sozusagen, gelegt. Der kleine Steuerzahler kann sich dann aber vielleicht am Monatsende auch nichts mehr auf die hohe Kante legen, was du dagegen dem griechischen Arzt weiter oben schon zugestehen möchtest. Ich zitiere:

    Dann ist der Staat gefordert, was zu ändern. Aber nicht der Arzt, der die Chance hat am Ende vom Monat noch etwas Geld über zu haben und nicht umgekehrt.

    Nun meine Frage: Hat nur der griechische Arzt diese Chance verdient und der kleine Steuerzahler hierzulande nicht? Warum sollte unter diesen Umständen dann ein griech. Arzt nicht auch dazu verdonnert werden können, im Lande zu bleiben, ohne was sparen zu können, wenn das umgekehrt auch der Fall ist? Verhungern muß er dort ja nicht. Der Rest der Bevölkerung muß ja auch dort bleiben. Weil die ganze Welt kann nun mal nicht nach Deutschland ziehen und auf was weiß ich jetzt wie viel Quadratmetern leben, während der Rest der Erde nicht bevölkert ist. Das wirst ja wohl selbst du so sehen, nehme ich mal an. Es würde auch keinen Sinn ergeben. Wenn Gott das so wollte, hätte er die Erde ja nur ein hundertstel so groß machen können. Wenn der Rest sowieso unbewohnt bleibt. Ja, es ist alles nicht so einfach, wie du es manchesmal darstellst. Ich habe natürlich auch keine Lösung für alle die Probleme, außer dass ich sagen würde, dass sich die gesamte Menschheit Gott zuwenden sollte, was natürlich nicht geschehen wird und so müssen wir wohl weiter mit diesen und anderen Ungerechtigkeiten und Problemen leben, bis Jesus eines Tages wiederkommt.

    Wem jetzt, der DDR?

    Nein, ich meinte die Flüchtlinge.

    PS: Ob das 500 Euro beim Arzt waren (mir kommt es etwas wenig vor, denn die Lebenshaltungskosten in Griechenland sind sicher ähnlich wie bei uns), dafür möchte ich jetzt nicht meine Hand ins Feuer legen. Ich habe es so verstanden, aber vielleicht habe ich mich auch verhört bzw. die haben sich in der Sendung versprochen. Ich denke aber nicht, dass der Arzt dort verhungern würde, denn das Gesundheitswesen ist ja in Griechenland noch nicht zusammengebrochen. Jedenfalls habe ich davon bisher noch nichts gehört.

    Schönes Wochenende! 🙂

  8. De Benny sagt:

    Es ging dir doch auch darum, wenn ich dich damals richtig verstanden habe, dass diese Flüchtlinge hier in Europa alle Aufnahme und Versorgung finden.

    Ja, wer kommen will soll kommen. Ebenso wie die griechischen Ärzte. Ich bin dagegen, diese Leute in ihren Heimatländern wo Not, Elend und Krieg herrschen, festzuhalten. Gleiches gilt für die griechischen Ärzte (auch die Putzfrauen, nicht daß wir uns hier mißverstehen), auch wenn die Not und das Elend dort deutlich weniger ausgeprägt ist als meinetwegen in Somalia.

    Da hast du dann kein Problem damit, wenn Steuerzahler dazu verdonnert werden, dafür aufzukommen.

    Nein, hab ich nicht. Ich zahl ja auch Steuern. Und ich bin Bürger dieses Landes und wahlberechtigt, damit hab ich jedes Recht, diese Meinung zu haben und zu vertreten. In Griechenland bin ich weder Bürger noch wahlberechtigt (abgesehen von der kommunalen Ebene, wenn ich dort lebte), in Somalia noch weniger. Dort kann ich mich nicht hinstellen und sagen, man solle Steuergelder ausgeben um dies oder jenes zu erreichen. Das müssen die schon selber tun. Deshalb lasse ich mich auch tendenziell weniger aus über die politischen Zustände in Griechenland und darüber, was dort alles geregelt werden müßte. Mir geht es um zweierlei: 1. Ich sehe nicht ein, wieso ich einem Menschen verbieten sollte, den lukrativsten Job anzunehmen, der ihm offen steht. 2. Mir liegen die Menschen in Not am Herzen, deshalb bin ich dafür, sie zu unterstützen, und ich werbe dafür auch innerhalb meiner Gesellschaft.

    Der kleine Steuerzahler kann sich dann aber vielleicht am Monatsende auch nichts mehr auf die hohe Kante legen, was du dagegen dem griechischen Arzt weiter oben schon zugestehen möchtest.

    Wenn der kleine Mann ne Möglichkeit sieht, dem zu entweichen, bitte. In Frankreich sind die Steuern niedriger, in Österreich angeblich auch… die haben alle die gleichen Chancen wie der griechische Arzt. Ich gönne jedem, daß er etwas auf die Hohe Kante legen kann. Aber ebensowenig wie ich fordere, daß der griechische Arzt sich auf seiner Insel was auf die Hohe Kante legt (was denn?) fordere ich, daß der „kleine Mann“ das tut ohne die nötigen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Auswandern wäre eine Methode, und ich hab nichts dagegen. Gibt ja ganze Sendungen, die sich damit befassen (und damit, wie schwer das alles werden kann, diese Schwierigkeiten haben übrigens auch griechische Ärzte und rumänische „Zigeuner“).
    Ne andere Methode wäre, sich hier politisch einzubringen, damit die Steuern besser verwendet werden oder damit vielleicht die Reicheren mehr und die Ärmeren weniger zahlen. Ich vertrete ja ne recht radikale Position in der Frage, aber mich fragt ja keiner. Was jeder tut, damit es ihm besser geht, ist allerdings erst einmal dessen eigene Entscheidung.

    Warum sollte unter diesen Umständen dann ein griech. Arzt nicht auch dazu verdonnert werden können, im Lande zu bleiben, ohne was sparen zu können, wenn das umgekehrt auch der Fall ist?

    Wo in Deutschland wird jemand dazu verdonnert, im Land zu bleiben? Seit dem 9.11.1989 nicht mehr!

    Der Rest der Bevölkerung muß ja auch dort bleiben.

    Wie kommst Du denn darauf? Ich hab schon Griechen außerhalb Griechenlands gesehen, die keine Ärzte waren…

    Weil die ganze Welt kann nun mal nicht nach Deutschland ziehen und auf was weiß ich jetzt wie viel Quadratmetern leben, während der Rest der Erde nicht bevölkert ist.

    Wird nicht passieren, vorher wird es einigen zu eng und sie wandern aus. Wieso denn auch nicht? Wieso kann ich in Deutschland leben und andere Menschen nicht?

    Wenn Gott das so wollte, hätte er die Erde ja nur ein hundertstel so groß machen können.

    Wenn Gott wollte, daß alle in ihrem Land bleiben, hätte Er selbst die Grenzen geschaffen. Das sind aber Erfindungen der Menschen. Weil Du Gott ins Spiel bringst: Was ist denn mit Jakob udn seinen Söhnen? Sind die nicht auch nach Ägypten gezogen, als das Leben in Kanaan zu hart wurde? Ist Ruth nicht nach Bethlehem migriert? Und David in jungen Jahren, als er Streit mit Saul hatte, zu den Philistern?
    Hat Jesus selbst nicht die Grenzen nach Syrophönizien, nach Samarien und Juda überschritten von Galiläa aus? Und war Er nicht zusammen mit Seinen Eltern geflohen nach Ägypten, als Herodes Ihm nachstellte?
    Stell Dir vor, der ägyptische Grenzbeamte hätte gesagt: Sorry, aber es kann ja nicht die ganze Welt nach Ägypten kommen. Und überhaupt haben wir selbst genug Ganoven. etc etc.

    Was ist Deine Meinung zu den Ländern, die während der Naziherrschaft Juden einreisen ließen? Haben die Recht gehandelt? Wieso sollte es weniger Recht sein, wenn wir jetzt Syrer aufnehmen? Oder Somalier? Oder griechische Ärzte und Putzfrauen? Oder… oder … oder…

    und so müssen wir wohl weiter mit diesen und anderen Ungerechtigkeiten und Problemen leben, bis Jesus eines Tages wiederkommt.

    Und so tun, als gingen uns die Probleme nichts an? Ich verstehe da das Nächstenliebegebot dann doch etwas anders…

    Nein, ich meinte die Flüchtlinge.

    Ist doch meine Rede! Nehmen wir die Flüchtlinge auf, geben ihnen eine Perspektive für ihr Leben und das ihrer Kinder! Das entspräche dann IMHOauch eher dem Auftrag Jesu als zu sagen: UNsere Grenzen sind dicht, kann ja nicht jeder kommen…

    Ob das 500 Euro beim Arzt waren (mir kommt es etwas wenig vor, denn die Lebenshaltungskosten in Griechenland sind sicher ähnlich wie bei uns), dafür möchte ich jetzt nicht meine Hand ins Feuer legen.

    Ich kann mir das schon vorstellen. Wieso sollte das wenig sein? Je nachdem, wie das griechische Gesundheitssystem funktioniert (davon hab ich nicht so viel Ahnung) kann es auch weniger sein. Da ist es doch nicht verwunderlich, wenn die versuchen, da raus zu kommen. Wie soll ein Mann mit 500 Euro und Lebenshaltungskosten wie bei uns eine Familie ernähren? Eben!

    Ich hab jetzt ne englische Seite gefunden, in der von 1027 € Mindestgehalt für Ärzte in Griechenland die Rede ist. Ich glaub in Malta und der Tschechei war es noch weniger. Wenn Du ne Familie hast, machst Du mit 1000 Euro auch noch keine Sprünge. Wer kann es einem da übel nehmen, wenn man woanders hingeht, wo man das doppelte verdient?

    Ich denke aber nicht, dass der Arzt dort verhungern würde, denn das Gesundheitswesen ist ja in Griechenland noch nicht zusammengebrochen.

    Tatsächlich hab ich auch einige Artikel gefunden, die genau das befürchten, so wie in Griechenland im Moment ja alles irgendwie zusammenbricht. Und verhungern ist auch wieder so ne krasse Sache. Da kann er auch Rezepte für Drogen verkaufen. Wär zwar illegal und ethisch höchst bedenklich, aber solange die Kinder was zu essen haben.
    Trotzdem erhofft man sich ja doch mehr vom Leben als nur was zu Essen aufm Tisch. Ist das denn in Deinen Augen so falsch?

    Ebenfalls schönes Wochenende

  9. Christina sagt:

    @ Benny: Zu dem einen Punkt noch:

    Ich sagte:

    Der kleine Steuerzahler kann sich dann aber vielleicht am Monatsende auch nichts mehr auf die hohe Kante legen, was du dagegen dem griechischen Arzt weiter oben schon zugestehen möchtest.

    Du sagtest darauf:

    Wenn der kleine Mann ne Möglichkeit sieht, dem zu entweichen, bitte.

    Du verstehst anscheinend nicht, was ich sagen will. Ich kann mich anscheinend schriftlich so schlecht ausdrücken. Ich versuche es mal anders. Also…..Der kleine Mann in Deutschland sieht ja durchaus eine Möglichkeit, dem zu entkommen – nämlich, er möchte, dass nicht so viele Ausländer, die von Sozialleistungen leben, für die er zur Kasse gebeten wird, hierher kommen. So hat er mehr im Portmonee. Soweit klar? Das ist nichts anderes (und auch nicht verwerflicher), als wenn der griech. Arzt meint, er möchte auch mehr im Portmonee haben und deshalb seine Landsleute, die ihm das nicht bieten können, im Stiche läßt. (Es sei ihm gegönnt – aber warum den Steuerzahlern in Deutschland nicht auch – ich verstehe nicht, warum du da Unterschiede in deiner Beurteilung machst? Die Leute auf dem Boot sterben vielleicht, wenn sie hier nicht aufgenommen werden, aber die Leute auf der Insel ohne medizin. Versorgung können ebenfalls sterben.)

    Trotzdem erhofft man sich ja doch mehr vom Leben als nur was zu Essen aufm Tisch. Ist das denn in Deinen Augen so falsch?

    Nein, das muß nicht falsch sein. Ich verstehe, wie gesagt nur nicht, dass du diese Unterschiede machst?

  10. De Benny sagt:

    Der kleine Mann in Deutschland sieht ja durchaus eine Möglichkeit, dem zu entkommen – nämlich, er möchte, dass nicht so viele Ausländer, die von Sozialleistungen leben, für die er zur Kasse gebeten wird, hierher kommen.

    Naja, der griechische Arzt wird ja wohl eher in die Sozialtöpfe einzahlen, wenn er hier nen Job findet. Also entlastet er den kleinen Deutschen Mann.
    Bei den Flüchtlingen vom Mittelmeer ist es anders. Die würden wohl zuerst einmal Geld kosten. Allerdings nicht den kleinen deutschen Mann, sondern den kleinen italienischen Mann, oder den spanischen. Oder den griechischen…
    Ist halt so, daß man nur dort Asyl beantragen kann, wo man zuerst ankommt. Und Deutschland hat keine Mittelmeerküste.
    Ja, es stimmt, daß ich der Meinung bin, daß der kleine deutsche Mann den kleinen griechischen Mann und seine Kollegen aus Spanien und Italien entlasten sollte. Weil er doch mehr in der Tasche hat als die. Und das bei gleichen Lebenshaltungskosten, wie Du ja bereits gesagt hast.
    Dazu kommt, daß der kleine Deutsche Mann gar nichts dagegen tun kann, daß der Grieche kommt. Oder der Rumäne. Weil wir die EU haben. Dafür können wir deutsche Produkte einfacher in diese Länder exportieren. Freier Handel und so. Was wäre die Alternative? Grenzen dicht machen, aus der EU aussteigen. Am besten noch ne eigene Währung. Dann würde unsere Währung gegenüber den anderen massig an Wert gewinnen und unsere Produkte würden im Ausland massig teurer werden. Wir würden weniger verkaufen, die Arbeitslosigkeit würde dementsprechend steigen. Die Sozialkassen wären leerer und der kleine deutsche Mann müßte noch mehr zahlen.
    Davor hat komischerweise niemand Angst, obwohl das viel bedrohlicher ist als die paar Zuwanderer. Aber vor fremden Menschen läßt sich die Angst leichter schüren, damt läßt sich in Zeitungen Auflage machen und Politiker können damit leichter ihre Zustimmungswerte heben. Auch wenn die Gefahr so groß gar nicht ist.

    Und nochwas: Wenn wir die Flüchtlinge wirklich draußen ausperren wollen, müssen wir mehr Kontrollen machen. Auch das kostet Geld. Unter anderem den kleinen deutschen Mann. Allerdings nur unterhalb des Steuerfreibetrags. Der liegt irgendwo bei 8000 Euro im Jahr bzw bei Verheirateten um die 16.000 Euro im Jahr.
    Nehmen wir den griechischen Arzt, der 1000 Euro im Monat kriegt (auf der Insel wohl weniger) und nehmen wir an, er ist verheiratet, dann liegt er mit seiner Frau (die sich um die Kinder kümmert) weit unter dem Freibetrag. Diejenigen kleinen Männer in Deutschland, die belastet würden, hätten also rund 4000 Euro im Jahr mehr als der griechische Sozialschmarotzer, der aber gar keiner ist, weil er in Deutschland ja mehr verdienen würde und Steuer zahlen würde…
    Bei den Sozialbeiträgen ist die Grenze übrigens noch höher.
    Und wieso sollten wir reiche Deutsche den Griechen oder Rumänen nicht unter die Arme greifen, indem wir ein bißchen von unserem Reichtum abgeben, damit sie besser auf die Beine kommen? Haben wir bei den Ostdeutschen ja auch getan. Wir sind doch alle ein Europa!

    Es sei ihm gegönnt – aber warum den Steuerzahlern in Deutschland nicht auch – ich verstehe nicht, warum du da Unterschiede in deiner Beurteilung machst?

    Der Unterschied ist eben der: Ich bin der meinung, daß ein Gemeinwesen zusehen muß, wie es sich erhält. Ob es nun um ne griechische Insel geht oder um die kleinen deutschen Männer. Und ich bin der Meinung, daß man Schwächeren helfen soll, unabhängig von deren Paß.
    Auf der anderen Seite bin ich, was Individuen angeht, der Meinung, daß man sie nicht einsperren darf. Man kann nicht einfach alle Facharbeiter bei Wasser und Brot mit Fußfesseln versehen, damit sie nicht ne bessere Arbeit annehmen. Das wär dann nicht mehr weit von Sklaverei entfernt, oder?

    Und dann spielt noch eine Rolle, daß ich Teil des Gemeinwesens bin, das meiner Meinung nach Verantwortung übernehmen und anderen Möglichkeiten geben soll. Ich bin also selbst betroffen. Das ist übrigens nicht ganz uneigennützig: Wenn der griechische Arzt hier arbeitet statt in Griechenland zahlt er hier in die Sozialkassen ein und zahlt hier Steuern. Davon hab ich auch etwas. Fachkräftemangel und so.

    Anderen Individuen gestehe ich zu, daß sie ihr Glück suchen. Das gilt auch für all die kleinen Männer, denen es hier nicht mehr gefallen sollte.

    Nebenbei: Gäbe es die Möglichkeit, als Privatperson einen Flüchtling bei sich zu Hause aufzunehmen, und hätte ich mit meiner Frau nicht nur ein 20qm Zimmer zur Verfügung würde ich ernsthaft drüber nachdenken, jemanden aufzunehmen. Das zur Unterstellung, ich sei dafür, daß andere etwas zahlen!

    Und zu den Leuten auf der Insel, die sterben: Von der Insel wegziehen ist leichter, als das Boot zu verlassen, wenn grad Sturm ist. Verstehst Du den Unterschied: Einmal geht es um akute Not, ein andermal um allgemein schlechte Lebensbedingungen. Die einen waren nicht immer im Boot, sie kommen aus Ländern mit Bürgerkrieg und schlimmerem. Sie können kaum zurück. Die anderen wohnen schon immer auf der Insel und jetzt haben sie halt keinen Arzt mehr. Es steht ihnen aber durchaus offen, die Insel ebenfalls zu verlassen. Sie haben Optionen, die Bootsflüchtlinge weniger.

    Ich verstehe, wie gesagt nur nicht, dass du diese Unterschiede machst?

    Das ist es eben, was ich nicht verstehe. Denn was wäre die Alternative? Alles für sich behalten wollen und die anderen im Zweifel im Stich lassen. Ne Möglichkeit, aber schwer mit christlichen Überzeugungen in Einklang zu bringen, oder? Unser Herr gab Sein Leben für uns und wir? Wir haben Angst ein paar Euro mehr Steuer zu zahlen für das Wohl Seiner Kinder.

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