Miteinander reden im Internet

Anselm hat mich heute darauf gebracht. In einem Kommentar bei evangelisch.de drückte er seine Traurigkeit darüber aus, daß auch dort auf evangelisch.de nur noch über- und gegeneinander geredet würde, aber nicht mehr miteinander. Im konkreten Fall geht es um das Thema Homosexualität und Kirche, aber das Probem besteht IMHO bei Kommunikationen, vor allem im Internet, allgemein.

Ich bin bestrebt, hier weitgehend alle Kommentare zuzulassen, so lange es nicht zu juristischen Problemen für mich kommen könnte. Irgendwo bin ich ja auch verantwortlich für das, was hier so steht. Ansonsten laß ich alles zu, was dann aber bedeutet, daß auch Beleidigungen, Verletzungen und Ähnliches stehen bleibt (eine Ausnahme mach ich bei den Gebetsanliegen, aber da kam hier aufm neuen Blog ja noch nix). Die Idee dahinter ist, keine Zensur aufkommen zu lassen und grundsätzlich jede Meinung zuzulassen, egal wie fies sie formuliert wurde. Der Gedanke ist oder war, daß es vor allem auf die Inhalte ankommt, daß gute Inhalte nicht wegen einer vermeindlich schelchten Form zurückgehalten werden sollten.

Das mag bei Meinungsäußerungen etwa zu einem Blogartikel auch noch sinnvoll sein. Der Autor kann sich dann das rausziehen, was an ihn geschrieben wurde. Manchmal kommt es aber auch zu Diskussionen im Kommentarbereich, in Foren sowieso. Und da ist es dann ein Problem, wenn übereinander und gegeneinander geredet wird, und nicht übereinander.

Wenn über- und gegeneinander geredet wird, so ist das einzige Ziel, das ich darin erkennen kann, daß man die Diskussion „gewinnen“ will. Es geht einem dann nicht um ein Verstehen des anderen, einen Austausch und die Weiterentwicklung in Richtung einer Gemeinsamkeit, sondern darum, sich als besonders potent darzustellen im rhetorischen Bereich. Das kann ein Webseitenverantwortlicher eigentlich nicht wolen (es sei den er ist selbst derjenige, der solches Verhalten an den Tag legt). Wobei, naja, ich setze voraus, daß dem Webseitenbetreiber etwas am Austausch gelegen ist…

Was ich mich nun frage ist, wie man das ändern könnte. Kann man Kommentare so moderieren, daß stärker mit- und weniger übereinander gesprochen wird? Ist der Unterschied immer gleich erkennbar? Kann man vielleicht sogar Regeln formulieren, die das reden miteinander befördern und das Reden übereinander verhindern oder zumindest behindern?

Wie seht Ihr das? Geht das überhaupt? Habt Ihr Vorschläge?

Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Kommentare zu Miteinander reden im Internet

  1. Maggie sagt:

    Was ängstliche, konservative, bemühte Missionare, Prosyelythenmacher, als Meinungsfreiheit bezeichnen, ist oft verfassungsrechtlich keine Meinungsfreiheit. Was sie als Religionsfreiheit bezeichne, ist mit Anspruch Wahrheit gefunden zu haben, verfassungsrechtlich keine Wahrheit. sondern rechtlich rechtswidrig, wobei virtuell nie 100 % klar ist ob Ordnungswidrigkeit, Strafbarkeit oder schlicht Unzurechnungsfähigkeit vorliegt. Und wenn man alle Narren wegsperren wollte, wäre es noch teurer für die Steuerzahlergemeinschaft, wie uns die Kulte schon kosten. Fazit: Aushalten.

    Meinungsfreiheit
    muss in vollem Umfang überprüfbar sein, wenn der Schutz der Meinungsfreiheit nicht unzuträglich verkürzt werden soll (vgl. BVerfGE 43, 130 [136f.] = NJW 1977, 799; BVerfGE 54, 208 [215] = NJW 1980, 2072; BVerfGE 82, 272 [281] = NJW 1991, 95).

    -Tatsachenbehauptung
    ist Beweisführungspflichtig EMRK 17 http://bit.ly/uQ2t9M

    Beweisführungsanspruch
    beteht bei feststehenden Wahrheiten, Tatsachenbehauptung, wenn es um Freiheit der Meinungsäußerung geht.
    http://dejure.org/gesetze/MRK/10.html

    Zur verfassungsrechtlichen Meinungsfreiheit, gehört:
    „Belege für die Legitimität, Notwendigkeit und Angemessenheit konkreter Restriktionen vorbringen und sich mit kritischen Einwänden in der Öffentlichkeit und ggf. vor Gerichten auseinandersetzen.”
    UN Sonderberichterstatter Prof. Dr. Heiner Bielefeldt zum Streit um Religionsfreiheit. pdf http://bitly.com/12aKapn

    Die Religionsfreiheit
    ist verfassungsrechtlich, Freiheit zur Suche nach Wahrheit, kein Recht, auf religiöse fiktiv einzige wahre Vorstellung auf Basis eines bestimmten formal rechtlich nichtigem Glaubensbuch, zu dem Glaubenshelden, Sonderprivlien erwarten, ggf. auch noch Ideen-Ehrschutz im Hinblick Inhalt suchen.

    Respekt
    vor anderen Religionen und Weltanschaungen muss gesellschaftlich erstritten werden, darf aber nicht strafrechtlich verordnet werden.“
    Weiteres: Rechtsanwalt Volker Beck http://www.twitlonger.com/show/ilmce

    Begriff „Idee“ war ursächlich nicht abstrakter Gedanke, sondern tatsächlich Vorhandenes. Deshalb gibt es für Ideen auch keinen Urheberschutz. http://bit.ly/c9QDLZ

    Bloße Idee (§ 24 Abs. 1 UrhG ) für ein Werk bewirkt keinen urheberrechtlich Schutz,
    Orginalität ist maßgeblich. § 2 Abs. 1 Nr. 4, Abs. 2 UrhG . OLG Hamburg, Urteil 17.10.2012, Aktenzeichen 5 U 166/11
    Es kommt auf konkrete Gestaltung. Grad der Originalität, konkreten Ausgestaltung, dahinter stehende Idee, Gesamteindruck, an, mit der Eigenart des neuen Werks, hinter dem charakteristischen Züge des älteren geschützten Werks verblassen. Dies ist maßgeblich für den Schutz eines Kunstwerk. § 2 Abs. 1 Nr. 4, Abs. 2 UrhG . OLG Hamburg, Urteil 17.10.2012, Aktenzeichen 5 U 166/11Ein Merkmal angewandter Kunstfreiheit ist auch Kritik, Parodie, Karikatur. zum Vorlagentext. (vgl. Urteil : BGB, GRUHR, 2008, 693, TV-Total)

    Je nach dem wie meine Tagesverfassung ist, reagier ich nicht nur nach bestem Gewissen mit rechtlicher Korrektur. Parodie, Karikatur, ist dann auch möglich.

  2. Christina sagt:

    Es geht einem dann nicht um ein Verstehen des anderen, einen Austausch und die Weiterentwicklung in Richtung einer Gemeinsamkeit, …….

    Verstehen und Austausch ist okay, da bin ich bei dir. Man muß aber halt auch manchmal akzeptieren können, dass es eben absolut keine Gemeinsamkeiten gibt……. und dass selbst die, die man für welche hielt, imgrunde genommen und bei Licht betrachtet, doch keine sind……

    Wurde mir beim Lesen dieses Spiegel-Beitrages mal wieder so richtig bewußt…..

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8931363.html

  3. Christina sagt:

    Und Muriel würde sich über diesen Beitrag hier wahrscheinlich ganz besonders freuen:

    http://distomos.blogspot.de/2013/07/das-apostolische-glaubensbekenntnis.html#more

    Bei solchen Theologen braucht das Christentum wahrhaftig keine Feinde mehr.

  4. Christina sagt:

    PS: Sehr erstaunlich, aber ein paar passende Gedanken zu den beiden vorherigen Links von mir äußert Ch. Spurgeon schon 1870:

    „Unsere Vorväter waren weniger tolerant als wir, und es ist zu befürchten, dass sie auch aufrichtiger waren. Es wird ein trauriger Verlust für unseren Gewinn in Bezug auf Barmherzigkeit sein, wenn es sich herausstellt, dass wir auf dem Gebiet der Wahrhaftigkeit versagt haben.

    Es gibt nicht unbedingt eine Verbindung zwischen den zwei Möglichkeiten, in der Toleranz zu wachsen und in der Ehrlichkeit abzunehmen, aber wir befürchten, dass es dies gegeben hat und derzeit gibt.

    Theologischen Lehrern gestehen wir Gedankenfreiheit und Meinungsäußerung zu, die zu anderen Zeiten nur unter ernsthaften Schwierigkeiten möglich waren, aber wir lassen es ebenso zu, dass ein Maß an Unwahrhaftigkeit unter Predigern grassiert, vor dem man in früheren Tagen entschieden zurückgeschreckt wäre…

    Wir beklagen uns nicht darüber, dass diese Männer ihre Ansichten geändert haben und ihre früheren Glaubensbekenntnisse über Bord warfen, sondern dass sie, nachdem sie dies getan hatten, nicht sofort ihr Amt niederlegten vor der Gemeinschaft, deren Glauben sie nicht länger nährten. Ihr Fehler ist nicht, dass sie eine andere Meinung haben, sondern dass sie, die sie eine andere Meinung vertreten, ein Amt suchen, dessen oberste Notwendigkeit Übereinstimmung ist.

    Alle Elemente der niedersten Art von Gaunerei sammeln sich in dem Übel, das wir heute ablehnen. Verrat ist nie verräterischer, als wenn er dazu führt, dass ein Mann eine Lehre aufgibt, von der er feierlich schwor, für sie einzustehen, und durch deren Verkündigung er seinen Lebensunterhalt verdient…

    Dass Glaubensbekenntnisse jemals niedergeschrieben wurden, wird ständig als ein bedauernswerter Umstand beklagt. Es heißt: „Lasst alleine die Bibel das Bekenntnis der Gemeinde sein, und lasst die Prediger die Bibel nach bestem Gewissen erklären.“ Hier treten wir wieder in eine Debatte ein; aber lasst uns alle, die diesen Einwand vorbringen, daran erinnern, dass es Glaubensbekenntnisse gibt, dass die Gemeinden sie nie aufgegeben haben, dass Personen nicht gezwungen werden, Prediger dieser Gemeinden zu sein und dass sie sich folglich nicht als Lehrer anbieten sollten, wenn sie diesen Glaubensbekenntnissen widersprechen; vor allem, sie sollten niemals einer Lehre zustimmen, die sie nicht glauben.

    Charles Spurgeon, Auszug aus dem Artikel Ministers Sailing under False Colours (Prediger, die unter falscher Flagge segeln) in der Zeitschrift Sword and Trowel, Februar 1870. (Hervorhebungen von mir)

  5. De Benny sagt:

    Man muß aber halt auch manchmal akzeptieren können, dass es eben absolut keine Gemeinsamkeiten gibt

    Hört sich wie die Standarderfahrung bei Muriel an. Aber dort bin ich auch schon froh, wenn er meinen Gedankengang nachvollzieht und keine falschen Schlüsse und Vorurteile mit reinspielen… Mehr wil ich da gar nicht. Mehr ist wohl auch nicht zu haben.

    beim Lesen dieses Spiegel-Beitrages

    Ach, das ehemalige Nachrichtenmagazin. Ja, was da steht ist an sich nicht falsch, aber so verkehrt dargestellt, daß es sinnentstellend ist. Aber der Spiegel ist halt ein Marktprodukt, das sich vor allem verkaufen soll…

    Bei solchen Theologen braucht das Christentum wahrhaftig keine Feinde mehr.
    Schon wieder aus dem Zusammenhang gerissene Zitate. Von Schneider, Lindemann und Tillich halt ich recht viel. Kubitza ist mein ich einer, der unter Atheisten recht populär ist, weil er populärwissenschaftliche Bücher schreibt, die Kirche und Glauben schlecht dastehen lassen. Noch so einer, der auf die Verkaufszahlen achtet… Aber der war auch kein Theologe, sondern FDP Politiker und Pädagoge…

    äußert Ch. Spurgeon

    Inwiefern passend? Ich kann mir das zwar denken, was Du meinst, aber wenn Du es dazuschreibst, kann ich auch sicher sein, daß wir nicht wieder ein Mißverständnis haben 😉

    Unsere Vorväter waren weniger tolerant als wir

    Die Frage ist immer, in Bezug worauf? Die Römer waren recht tolerant, wenn es um Abtreibung und Kindesaussetzungen ging. Dafür waren die Leute im Mittelalter zum Beispiel viel toleranter als wir in Bezug auf Antisemitismus. Spurgeon behauptet einfach, daß es im Vergleich zu seiner Zeit vorher weniger Toleranz gegeben hätte. Das mag für die Gesellschaft als Ganze zutreffen, denn da wurden Baptisten wie er ein paar Jahrhunderte vorher ermordet, weil sie als Häretiker galen, also Menschen mit dem falschen Glauben. Wie soll ich das jetzt auffassen, wenn er weniger Toleranz als erstrebenswert hinstellt? Ich meine, er wendet sich doch so gegen diejenigen, die anders glauben als er wie sich damals die Kirche von England und auf dem Kontinent die drei großen Konfessionen Katholiken, Lutherander und Reformierte gegen Widertäufer und Schwärmer wandten, mit dem Unterschied, daß die damals eben so intolerant waren, diese auch noch zu verfolgen und zu ermorden. Daß Spurgeon hier nicht daran denkt, daß solche Verfolgungen auch zu Leid führen können, und zwar Leid von an sich unschuldigen Personen, wundert mich. Weil wie gesagt, er war ja selbst Baptist.

    Es gibt nicht unbedingt eine Verbindung zwischen den zwei Möglichkeiten, in der Toleranz zu wachsen und in der Ehrlichkeit abzunehmen, aber wir befürchten, dass es dies gegeben hat und derzeit gibt.

    Die Lösung kann aber doch nicht heißen, die Toleranz wieder zurückzuschrauben um mehr Ehrlichkeit zu erlangen! Denn wenn es diese genannte Verbindung nicht unbedingt gibt, dann auch umgekehrt nicht. Dann kann sich der Kampf gegen die Toleranz so auswirken, daß die Menschen zwar weniger tolerant werden aber immer noch unehrlich bleiben. Die Lösung sollte doch vielmehr dort gesucht werden, wo man an der gewonnenen Toleranz festhält und die Ehrlichkeit zu verbessern sucht, oder nicht?

    wir lassen es ebenso zu, dass ein Maß an Unwahrhaftigkeit unter Predigern grassiert, vor dem man in früheren Tagen entschieden zurückgeschreckt wäre…

    Nochmal, er war Baptist. Wie wahrhaftig schätzt er denn diejenigen Prediger ein, die den hundertfachen Mord an seinen Baptistengeschwistern zuließen? Ich spreche nicht nur von katholischen Predigern, sondern auch von Protestantischen! Spurgeon treibt hier ein gefährliches Spiel: Er tut so, als sei früher, als seinesgleichen verfolgt und ermordet wurden, alles viel besser gewesen. Er vergißt all diese Verfolgung, um ein Argument gegen die Toleranz zu haben. Noch dazu muß man bedenken: Auch ein Spurgeon ist fehlbar. Wenn er jetzt jemandem Unwahrhaftigkeit vorwirft, muß das nicht immer der Wahrheit entsprechen, oder? Er tut aber gerade so als ob. Als ob man ganz leicht entscheiden köne, wer ahrhaftig ist und wer nicht. Die Aublendung der Verfolgung seiner Geschwister in den früheren, intoleranteren Zeiten läßt mich an seiner Wahrhaftigkeit in dieser Rede zweifeln. (bei anderen Gelegenheiten kann er ganz tolle Dinge erzählt haben, er scheint ja recht populär zu sein)

    dass diese Männer ihre Ansichten geändert haben und ihre früheren Glaubensbekenntnisse über Bord warfen, sondern dass sie, nachdem sie dies getan hatten, nicht sofort ihr Amt niederlegten vor der Gemeinschaft, deren Glauben sie nicht länger nährten. Ihr Fehler ist nicht, dass sie eine andere Meinung haben, sondern dass sie, die sie eine andere Meinung vertreten, ein Amt suchen, dessen oberste Notwendigkeit Übereinstimmung ist.

    Mit dieser Einstellug hätte es niemals eine Reformation gegeben. Luther hätte statt die 95 Thesen zu schreiben besser übereinstimmen sollen und den Papst nen guten Mann sein, gleiches gilt für Zwingli und Calvin, für Bucer, Ökolampad, Melanchthon und wie sie alle heißen. Wenn ein Amt in der Kirche Jesu Christi darin besteht, übereinzustimmen, dann hätten selbst die Propheten nicht das Maul aufmachen dürfen, denn sie standen ja immer wieder im krassen Gegensatz zur allgemeinen Meinung. Selbst Jesus hätte gegen Pharisäer und Schriftgelehrte nichts agen dürfen. Ich verstehe, daß man es lieber sieht, wenn nur die eigenen Ansichten verbreitet werden und jeder, der zu anderen Einsichten kommt, das Maul hält. Aber kann das im Sinne des Geistes sein, wenn man dessen Eingaben nur noch äußern darf, wenn sie nicht anstößig sind? Schrieb Paulus nicht auch irgendwo „den Geist hindert nicht“? Nun mag nicht jede Äußerung eines Predigers vom Geist eingegeben sein, viel ist auch Hochmut, Dummheit oder was auch immer. Aber das gilt für alle, nicht nur die, die andere Ansichten als Spurgeon haben. „Prüfet alles und das Gute behaltet“ würde Paulus wohl gesagt haben.

    Verrat ist nie verräterischer, als wenn er dazu führt, dass ein Mann eine Lehre aufgibt, von der er feierlich schwor, für sie einzustehen, und durch deren Verkündigung er seinen Lebensunterhalt verdient…

    Wegen dieser Art Gehorsamgegen den Schwur oder Amtseid haben sich dann rund 70 Jahre später viele Militärs nicht gegen Hitler gewandt, obwohl sie nicht vel von ihm hielten. Man hatte ja en Eid auf ihn geleistet und den durfte man nicht brechen.
    Ich denke eher, man sollte, will man wirklich wahrhaftig sein, dem folgen, was man als Wahrheit erkennt. Und wenn es dem widerspricht, auf das man sich einst einschwören lies, dann hat man diesen Schwur halt zu brechen. „Sündige tapfer, doch tapferer glaube und freue dich in Christus, der Herr ist über Sünde, Tod und Teufel.“ Und wie sollte man verantworten können, diejenigen Menschen, die einem als Prediger anvertraut sind, weiter in der Dunkelheit zu belassen? Nein! Man hat die Pflicht, ihnen nicht vorzuenthalten, wenn man eine Lüge oder eine falsche Ansicht entlarvt hat, wenn man ein lautereres Verständnis des Evangeliums gefunden hat. Das ist eh nicht zu ändern, denn wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.

    Dass Glaubensbekenntnisse jemals niedergeschrieben wurden, wird ständig als ein bedauernswerter Umstand beklagt.

    Es ist genau dann bedauernswert, wenn man meint, es handle sich dabei um unfehlbare Wahrheiten, dabei sind es lediglich zeitgebundene Niederschriften der aktuellen Auffassung vom Glauben. Man wird immer etwas finden, was sich bis heute durchgehalten hat un auch weitr durchalten wird. Man wird aber auch herausfinden, daß vieles eben zeitlich bedingt ist, was in den Bekenntnissen steht. Eenso wie bei der Bibel.

    aber lasst uns alle, die diesen Einwand vorbringen, daran erinnern, dass es Glaubensbekenntnisse gibt, dass die Gemeinden sie nie aufgegeben haben

    Es gibt durchaus Glaubensbekenntnisse, die aufgegeben wurden. Auch Spurgeon hielt sich als Baptist nicht an alle Glaubensbekenntnisse. Er lies sich etwa wiedertaufen. Es gibt durchaus Kirchen, die die Wiedertaufe ablehnen und dies auch in ihren Glaubenbekenntnissen geschrieben haben. Spurgeon war ja auch nicht als Baptist geboren…

    dass Personen nicht gezwungen werden, Prediger dieser Gemeinden zu sein und dass sie sich folglich nicht als Lehrer anbieten sollten, wenn sie diesen Glaubensbekenntnissen widersprechen;

    Der Prediger soll also das Wort Gottes verkünden, aber nur in dem Rahmen, der vorgegeben wird. Und falls der Geist etwas anderes eingeen sollte, dann wird das untersagt? Es stimmt: Niemand wird gezwungen, Prediger zu werde. Und wenn eine Gemeinde mit ihrem Prediger ein Problem hat, dann muß das geklärt werden. Aber dann ist es Sache der Gemeinde, das zu formulieren, und nicht Sache Spurgeons. Und dann muß man sehen, wer im Recht ist. Läßt man die Gemeinde jeden Prediger absägen, dessen Nase ihr nicht passt, dann wird ein Prediger, der unbequeme Dinge predigt es sehr schwer haben. Sollte ein Prediger verschwinden, wenn die Gemeinde nichts von der Hölle hören will? Und wenn im Glaubensbekenntnis keine Rede von der Hölle ist (siehe etwa das sog. Apostolikum)?

    vor allem, sie sollten niemals einer Lehre zustimmen, die sie nicht glauben.

    Das ist doch der springende Punkt. Sie sllen nicht verkündigen, was sie nicht glauben, sie sollen aber auch nicht verkündigen, was Spurgeon nicht passt. Wenn sie also anders glauben als Spurgeon, wenn ihr Glaube vielleicht erwachsener geworden ist, dann sollen sie die Klappe halten, damit der Herr Spurgeon zufrieden sein kann? Was, wenn Luther die Klappe gehalten hätte, damit Papst und Kaiser zufrieden sind?

  6. Christina sagt:

    Ja, was da steht ist an sich nicht falsch, aber so verkehrt dargestellt, daß es sinnentstellend ist.

    Kommt mir irgendwie bekannt vor…… hat Eta Linnemann nicht auch sinnentstellend geschrieben und Klaus Berger wohl auch……. wie kommt es bloß, dass die armen liberalen Theologen immer nur so mißverstanden werden… und das sogar noch von ihren eigenen Kollegen……nicht nur von mir…..also entweder können sich diese Leute nicht klar ausdrücken…..dann sind sie vollkommen fehl am Platz….. oder was ich eher glaube….die wissen schon ganz genau was sie sagen…..

    Schon wieder aus dem Zusammenhang gerissene Zitate.

    Du kannst sie ja gerne im Zusammenhang lesen (google mal nach…hab ich auch gemacht), da kommt auch nichts anderes bei raus.

    Von Schneider, Lindemann und Tillich halt ich recht viel.

    Warum erstaunt mich das jetzt nicht……

    Na jedenfalls ist wohl so viel klar geworden, dass ich nicht sehr viel von deinen Lehrern halte und du nicht viel von den meinen.

    Da fällt mir ein, Paulus hat mal so einen Blick in die Zukunft getan: 2. Tim. 4, 3

    „Denn es wird eine Zeit sein, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Lüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach dem ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit wenden und sich zu Fabeln kehren.“

  7. De Benny sagt:

    Diee Paulusstelle scheint mir eher auf Linnemann und Wengst und Konsorten zu passen, als auf Lindemann, Tillich und Schneider, denke ich.

  8. Christina sagt:

    Eigentlich brauchst du anhand der Bibel nur zu vergleichen, was Paulus glaubte und was die betreffenden Personen glauben …….. und schon hast du die Antwort. 😉

  9. De Benny sagt:

    Eben, Paulus kennt die Unterscheidung in Zeremonialgesetz und Moralgesetz nicht. Er spricht stänig davon, daß man, wenn, dann das GANZE Gesetz schuldig ist einzuhalten. 😉

  10. Christina sagt:

    Habe ich gestern noch gefunden: Zum „Glaubensbekenntnis von Theologen erklärt“ (das scheint gerade ganz schön die Runde im Internet zu machen) sagt der „Geier“ folgendes:

    „Konsequent wäre, wenn sich diese Kirchen ein neues Glaubensbekenntnis gäben, vielleicht etwas, wo es um Klimawandel, soziale Gerechtigkeit, Gleichwertigkeit aller denkbaren sexuellen Praktiken, schöne Gefühle, Kampf gegen Rechts, Gendergerechtigkeit, reproduktive Gesundheit (das Codewort für »Recht auf Abtreibung«), gewaltfreie Erziehung und gaaanz, gaaanz viiiel Liiiebe geht. Habe ich etwas vergessen? Irgendwas mit Rassismus könnte noch rein, Freibier und Weltfrieden. Amen. “

    Nachzulesen hier:
    http://www.zeltmacher-nachrichten.eu/content/das-apostolische-glaubensbekenntnis-erkl%C3%A4rt

  11. De Benny sagt:

    Ach der Geier. Manchmal schreibt er ja ganz gute Sachen, aber manchmal…

    Ein neues Glaubensbekenntnis? Gerne, wenn es nötig ist. Das letzte war glaub ich 1934, ist schon ne Weile her. Recht auf Abtreibung würd ich da jetzt nicht reinpacken, aber ich sehe auch nciht, daß das irgend eine Kirche je gefordert hätte. Aber was er sonst so nennt, vor allem die „ganz viiiel Liiiebe“, bin ich für. Und ich wundere mich. Weil es so aussieht, als sähe der Geier die Liebe als etwas furchtbares, dem Wesen und Willen Gottes widersprechendes an. Kann ich nicht nachvollziehen. Freibier muß auch nicht rein, aber im Rahmen einer Forderung der sozialen Gerechtigkeit, also sowas wie Armenspeisung, wieso nicht. Nur wird das dann hoffentlich nicht so verstanden, daß man Bier trinken müsse als Christ. Also doch besser rauslassen.

  12. Christina sagt:

    Jaaa, man müßte dann nur noch eine passende Bezeichnung für dieses neue Glaubensbekenntnis finden (Apostolisch geht ja wohl nicht mehr) und natürlich einen entsprechenden Namen, wie diese „neue Religion“ dann heißen soll. Aber ich bin mir sicher, da fällt den Verantwortlichen auch noch was Passendes ein. 😉

  13. De Benny De Benny sagt:

    dann nur noch eine passende Bezeichnung für dieses neue Glaubensbekenntnis finden (Apostolisch geht ja wohl nicht mehr)

    Schon das sogenannte apostolische Glaubensbekenntnis ist nicht apostolisch, frag nur mal nen orthodoxen Christen.

    natürlich einen entsprechenden Namen, wie diese “neue Religion” dann heißen soll

    Evangelisch oder protestantisch wie bisher. Neue Bekenntnisschriften bedeuten nicht, daß es eine neue Religion geben müßte. Begründete das Betheler Bekenntnis eine neue Religion? Begründete die auf der Barmer Bekenntnissynode beschlossene Barmer Erklärung (ebenfalls ein Bekenntnis!) eine neue Religion? Bekenntnisschriften werden alle paar Jahre wieder geschrieben, um die ewige Wahrheit in verständliche Worte zu fassen. Sonst kommt nur Murks raus, wenn man Texte liest, deren Sprache man gar nicht mehr versteht. Die Texte einfach zu übersetzen bringt oftmals auch nicht viel, so ist in der Bibel nirgends die Rede von Seele, im AT ist das die Kehle und im NT die Psyche, die eigentlich „Hauch“ bedeutet. Man hat dann irgendwann aus zeitgeistigen Erwägungen Seele übersetzt und hat das beibehalten, weil der Seelenglaube wohl heute noch dem Zeitgeist entspricht, aber ich halte die Übersetzung mit Kehle durchaus passender. Nur versteht das heute dann auch keiner mehr… Das isnd so die Probleme der Sprache…

  14. Christina sagt:

    Und ich wundere mich. Weil es so aussieht, als sähe der Geier die Liebe als etwas furchtbares, dem Wesen und Willen Gottes widersprechendes an. Kann ich nicht nachvollziehen.

    Nö, das tut er gar nicht. Anscheinend verstehst du nicht, was er mit diesem Satz kritisiert. Für die liberale Kirche ist das Wort „Gott ist Liebe“ nur ein Alibi für Gottlosigkeit. Sie wünscht sich eine Liebe ohne Wahrheit, Gerechtigkeit und Gericht. Aber Gottes Liebe ist anders. Sie ist tiefer, reiner und heiliger.

  15. De Benny sagt:

    Sie wünscht sich eine Liebe ohne Wahrheit, Gerechtigkeit und Gericht.

    Sehe ich nicht so. Wie kommst Du denn darauf? Was ist am Kampf gegen Klimawandel, sozialer Gerechtigkeit und Kampf gegen Rechts gottlos?

  16. Christina sagt:

    Ich denke, der Geier meint hier eher Sünde, die im „Namen der Liebe“ unter den Teppich gekehrt wird.

  17. De Benny De Benny sagt:

    Welche Snde wird denn unter den Teppich gekehrt? Und ist Lieblosigkeit nicht auch eine Sünde, vielleicht sogar eine viel schlimmere als alles andere, wo doch Gesetz und Propheten in LIebe bestehen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.