Testimonium

So kann es gehen, da kommen mehrere Blogartikel und dergleichen zusammen, kommen irgendwie in Zusammenhang, und ergeben dann nach und nach nen ganz anderen Sinn. Das heitß die Artikel ergeben keinen anderen Sinn, aber as ihnen ergibt sich einem ein anderer Sinn.

Wolfram schrieb zu meinem Artikel „Der Ertrag der Erlösung“ einen Kommentar und verlinkte eine seiner Predigten. Die habe ich dann gelesen und mich zerst gefragt, was die Predigt mit meinem Artikel zu tun hat, bis mir aufging, daß das Thema eigentlich schon das gleiche ist, daß ich aber auf die subjektive Seite kommen wollte (hab ich in dem Artikel nicht geschafft), also beschreiben wollte, was sich subjektiv, persönlich beim Menschen ändert, der gerade Erlösung, also Gnade Gottes erfährt, während Wolfram das aus objektiver Warte beschrieben hat in seiner Predigt.

Mir ging dabei etwas auf: Und zwar in Bezug auf mein „Erweckungserlebnis“, wenn man so will. Ich mag den Begriff eigentlich nicht, weil damit immer ein Wust von anderen Begriffen und Vorstellungen einhergeht, die auf mich einfach nicht zutreffen. So hab ich zum Beispiel kein „Datum“. Weder weiß ich den Tag, an dem das passierte, noch hat sich mein Leben so grundlegend geändert, daß ich meinetwegen vorher in Alkohol und Drogen verwickelt war und nachher dann ganz tolle Sachen gemacht hätte, wie das in „erwecklichen“ Zeugnissen ja oft erzählt wird. Auf dem Kirchentag in Berlin 2003 wurde mir dann auch von einem „bibeltreuen“ Christen (der Katholiken nicht als Christen ansah – da hab ich schon gestutzt) erklärt, daß das bei mir dann ja nicht wirklich was gewesen sein kann, wenn ich mein Leben nicht grundlegend verändert habe. Spätestens seit dem Gespräch bin ich ach „bibeltreuen“ Christen gegenüber etwas skeptischer. Schubladendenken mag wohl keiner, wenn es auf ihn selbst angewendet wird.

Das mit dem „Erweckungserlebnis“ kam so: Ich hatte damals Bibel gelesen, von Anfang bis Ende. Okay, ich hab geschmmelt, ich hab mit dem NT angefangen und das AT danach gelesen. Das ganze kam daher, daß ich eigentlich den Koran lesen wollte, weil nach dem 11. September 2001 jeder etwas anderes schrieb über den Islam und ich mir ein eigenes Bild machen wollte. Ich dachte mir aber, daß es nfair wäre, den Koran zu lesen und zu beurteilen, ohne unser eigenes Heiliges Buch gelesen zu haben. Ich war Anfang 2001 in Israel im Kibbutz und habe dabei mitgekriegt, daß viele Dinge, die in der Bibel stehen, bei ns gar nicht so bekannt sind. Ein Beispiel: Purim. Mir war bewußt daß es in der Bibel auch blutrünstige Stellen gibt, daher wollte ich die erst einmal alle kennen, bevor ich über die blutrünstigen Stellen im Koran urteile. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich hab angefangen, die Bibel zu lesen.

Und irgendwann kam ich dann zur Kreuzigung. Ich weiß aber nicht mehr, bei welchem Evangelium mir die Gedanken kamen, wird auch egal sein. Ich muß aber noch einmal in eine andere Richtung ausholen:

Schon mein Leben lang begriff ich mich immer als Christ, und ich bin auch keiner derjenien, die das jetzt rückblickend relativieren würden und meinen, man ist erst ab so nem „Erweckngserlebnis“ wirklich Gläubiger. Wie dem auch sei war meine Ansicht des christlichen Lebens sehr moralisch geprägt. Man soll eben Gutes tun. Aber eigentlich, so dachte ich, war ich ja kein schlechter Mensch, hab keinen umgebracht oder sonstwas. Also war alles in Butter. Life of Brian brachte mich dann auch irgendwann zu dem Gedanken: Selbst wenn Jesus als Messias wirklich nur so ein Mißverständnis war, dann sind doch Nächsten- und Feindesliebe gar keine so schlechten Gebote, dann ist es trotzdem sinnvoll nd gt, sich daran zu halten, auch wenn es keinen Gott gäbe.

Gustave Doré-Le Calvaire

Doch dann war dieser Moment. Ich las von der Kreuzigung und es fiel mir wie Schuppen aus dem Haaren (oder so ähnlich): Die Dimension des Bösen wurde mir bewußt. Ich fragte mich immer, wozu Jesus denn eigentlich hat sterben müssen. Ich hörte immer für unsere Schuld und so, konnte damit aber nichts anfangen (was teilweise sicher auch damit zu tun hat, daß die doch sehr populäre Satisfationstheorie nach Anselm wirklich nicht ganz nachvollziehbar ist, wenigstens für mich heute noch, aber das ist ein anderes Thema). Wir waren doch eigentlich alle gar nicht so schlecht. Und die bösen Menschen, die kommen ja eh in die Hölle. Was mir dann aber bewußt wurde, waren zwei Dinge: Jeder hat ja auch so seine Macken. Und wenn man Gutes und Schlechtes im Menschen zsammen nimmt und gegeneinander hält, dann können die guten Taten die schlechten nicht wirklich überbieten. Zweitens: Selbst wenn das möglich wäre, wäre jedes Böse, das man getan hat, ja in der Welt. Man kann es nicht zurücknehmen, es ist da und wirkt, und ach wenn man versucht, es mit Gutem wieder gut zu machen, so ist doch der Anfangsschmerz bei den Opfern da gewesen, und hat neuen Schmerz irgendwo anders verursacht. Inzwischen (ich weiß nicht ob ich das damals schon dachte oder es sich später entwickelte) bin ich soweit, daß ich denke, daß all das Gute sowieso nicht ins Gewicht fällt, weil wir es irgendwo auch schuldig sind, zu tun. Ich kann jedenfalls nirgends erkennen, daß ns gestattet wäre, Übles zu tun, ob jetzt as der Religion heraus oder aus rein säkularen Überlegungen heraus. Gutes zu tun wird überall als Pflicht angesehen, insofern fällt auch etwaiges Wiedergutmachen nicht ins Gewicht, weil das kann ja keine Zusatzleistung sein, wenn Gutes schon sowieso gefordert ist.

Wenn das aber alles so ist, dann gibt es tatsächlich ein Problem mit dem Bösen, und es ist kein Problem mit bösen Menschen, sondern mit jedem Menschen inklusive mir. Um dieses Problem zu lösen – wie genau ist erst mal irrelevant – ging Jesus ans Kreuz. Plötzlich ergab das Sinn. Und aus dieser Erkenntnis, und daß es eben auch mit mir persönlich zu tun hat, kam dann diese Dankbarkeit auf, die objektiv wohl nur festgestellt, aber nicht erklärt werden kann, subjektiv aber durchaus verständlich ist.

Ich habe mir später oft Gedanken darüber gemacht, versucht, mir noch einmal vor Augen zu führen, was da damals in mir geschehen ist, und ich konnte mich an das Problem mit dem Bösen erinnern, das mir klar wrde, und daß das irgend etwas in mir auslöste, was dann zu einer großen Freude wurde.

Da ich das Ganze objektiv betrachtete, also nach Gründen suchte, warum das jetzt so sein mußte, kam ich wohl nie weiter. Denn man kann sich auch all dessen bewußt sein, ohne Jesus gleich dankbar zu sein. Die Dankbarkeit muß nicht zwangsläufig aus der Erkenntnis folgen, man kann auch, wie Eric Djebe es mal ausdrückte, einfach als Lottogewinn betrachten und fertig.

Das ist aber jedenfalls nicht immer der Fall, und ich will hier auch nicht über das Verhältnis Lotto zu Dankbarkeit spekulieren. Vielleicht ist es ja doch immer so und nur einfach nicht im logischen Sinn zwingend.

Mir kommt es erst einmal darauf an, wie es in meinem Fall war oder mutmaßlich war, denn wir alle machen uns ja ein Bild von der Vergangenheit, das mit den Tatsachen nicht unbedingt übereinstimmen muß.

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5 Kommentare zu Testimonium

  1. Christina sagt:

    „…… und es fiel mir wie Schuppen aus dem Haaren (oder so ähnlich)“

    Du meinst sicher, es fiel dir wie Schuppen von den Augen, was soviel heißt, dass dir etwas deutlich klar wurde, was du vorher nicht gesehen hast. Deshalb haben auch die Augen was damit zu tun und nicht die Haare, obwohl man normalerweise eher keine echten Schuppen auf den Augen hat, ist halt nur sinnbildlich gemeint. Aber es ist beruhigend zu wissen, dass es nicht nur mir manchmal an den rechten Worten fehlt (wie zum Beispiel im Forum, was das Wort „gruseln“ angeht), sondern, dass es den Menschen geht wie den Leuten. 🙂

  2. Ja, schon klar 🙂 Hab versucht, nene Witz zu machen, ich bin da nicht immer so geschickt. Und was das „gruseln“ angeht glaub ich nicht, daß Friese Dir da böse ist. Und bei Kommunikation übers Netz ist das sowieso immer mal wieder mißverständlich…

  3. Christina sagt:

    Ach so, das sollte ein Witz sein……hab ich nicht so kapiert ….. na dann… 🙂

  4. Alexander Ebel sagt:

    Die Leute kennen halt die Klassiker nicht mehr: http://www.youtube.com/watch?v=MY83lz2frIg
    (entscheidende Stelle: 2:12) 😉

  5. Hihi, ja, vielleicht bin ich einfach zu alt…

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