Netzfunde von Donnerstag, dem 4. Oktober 2012

Es sind wieder viele Artikel erschienen in den letzten Tagen, und einige davon möchte ich wieder mit Euch teilen:

Da wär zum Beispiel der Artikel vom „nicht überfrom, nicht allzu weise“ Blog über sittengefährdendes Verhalten. Ich weiß nun, daß sich das sowohl auf Reisen ohne Ehemann nach Saudi Arabien als auch auf Reisen ohne Ehefrau nach Jamaika (Thailand wohl auch, wurde aber nicht genannt) beziehen kann. Und daß man den Unterschied ohne ausreichend Kaffee vielleicht gar nicht mitkriegt. Bleibt nur die Frage: Wenn in Saudi Arabien Frauen diskriminiert werden, wenn sie nicht ohne Mann reisen dürfen, werden dann in westlichen Ländern Männer diskriminiert, wenn sie als Schutz gegen Sexskandale nicht mehr alleine reisen dürfen? Und regen wir uns darüber ebenso auf, wie über die Saudischen Behörden? Nebenbei: Es muß ja eine nicht geringe Zahl an muslimischen Frauen gegeben haben, die sich alleine auf die Hadsch machten. Paßt irgendwie nicht ganz zu dem Vorurteil, daß muslimische Frauen eingesperrt und unselbständig gehalten würden etc.

Zum Thema Papyrus Fragment zu Jesu Frau hat Stephan Witeschek von der Kath. Theol. Fakultät der Uni München bei lectio brevior ein paar Argumente beleuchtet, die für eine Fälschung sprechen.

Ein anderer katholischer Theologe, Bernhard Lang, hat in der NZZ derweil die These wiederholt, nach der der Lieblingsjünger des Johannesevangeliums Maria Magdalena, die „Gefährtin“ (also nicht verheiratet) gewesen sei (via). Ich wundere mich beim besprochenen Johannesevangelium bzw der Episode am Kreuz, auf die sich Lang bezieht, wieso die Mutter Jesu eine Schwester mit Namen Maria hatte. Zwei Schwestern mit dem gleichen Namen?

Der Herr Alipius macht sich Gedanken zur Gefährlichkeit des Internets. Während ich ihm zustimme, daß es durchaus bedenklich ist, wenn Behauptungen und unkritisches Übernehmen von Vorurteilen etc keinen guten Einfluß auf die Gesellschaft haben können, denke ich jedoch nicht, daß „das Internet“ ursächlich Schuld daran ist, sondern wahrscheinlich nur der „Ort“, an dem wir die gesellschaftliche Entwicklung in ihren negativeren Auswirkungen zeitweise relativ ungefiltert vor Augen geführt bekommt.

Aber Bildung tut not, echt jetzt, und damit komme ich zum Artikel von Alex über das hessische Bildungsprogramm und die dortigen Piraten. Das Busgespräch am Ende des Artikels zeigt deutlich, wie nötig Bildung ist.

Nochmal zum Herrn Alipius: Der hat auch noch was geschrieben zum Kirchensteuerurteil mit durchaus kritischen Anteilen. Mir kommt es so vor, als ob auch innerhalb der Landeskirchen die Kirchensteuer aus verschiedenen Gründen immer kritischer gesehen wird. Ein Aspekt, den ich kritisch sehe, ist zum Beispiel die Auslieferung an den Staat. Die Kirchen wissen selbst nicht, wer ihre Mitglieder sind, sondern bekommen das vom Staat gemeldet, mit Verspätungen. Außerdem kommen auch Fehler vor, so daß Ausgetretene auf einmal nachweisen müssen, wirklich ausgetreten zu sein. Darunter leidet das Image der Kirche, auch wenn der Fehler beim Staat lag, denn wie gesagt: Die Kirche weiß nicht, wer dazu gehört. Vielleicht wird es Zeit, darüber nachzudenken, welche Form der Finanzierung für katholische und evangelische Kirchen eine Alternative wäre. Die Überlegungen von berlinjc, so redlich sie auch sein mögen, bieten IMHO noch keine Lösung, aber können womöglich Richtungen andeuten, in die man denken kann. Eine interessante Frage dürfte sein, ob man das Geld hat und überlegt, was man damit anstellt, oder ob man ein (oder mehrere) Projekt(e) hat und zusieht, woher man das Geld dafür nimmt, oder besser gesagt: Wie man es umsetzt. Dann könnten auch die handwerklichen Leistungen „verrechnet“ werden, die Gemeindeglieder einbringen könnten.

Auf dem Uckerlandkirchenblog ist nachzulesen, inwiefern facebook doch ganz gut von Nutzen sein kann für die Kirche, wenn man ein wenig flexibel ist und darüber nachdenkt, was wo gebraucht werden könnte – vernetzt denken eben (via).

Als ich „Taufen per skype“ las, war ich doch etwas überrascht, was da im Uckerland läuft. Es geht aber „nur“ um die Taufgespräche. Eine Problematik, an die ich noch wenig gedacht habe. In Brandenburg – und auch sonst in Ostdeutschland – gibt es riesige Gebiete, die von nur einem Pfarrer versorgt werden. Da sind Treffen zu Kasualgesprächen schon schwierig zu managen. Wenn dann ein Partner kirchlich nicht gebunden ist, will man es diesem auch nicht so umständlich machen. Da sind Kasualgespräche per skype (oder anderer Alternativen? Wieso nicht Chat?) sicher eine Möglichkeit, falls die Leitung stark genug ist.

Beim Hellbound Blog geht es um das Lamb of God Lied „Walk with me in hell“. Ich finde den Gedanken sehr denkenswert, daß der Himmel leer sein müßte, wenn es eine Hölle gäbe, weil Jesus und all die Heiligen nichts dringenderes zu tun hätten, als den armen Verdammten Erleichterung zu verschaffen, ihnen beizustehen in der Höllenqual.

Ebenfalls bei den Jungs von Hellbound aufm Blog findet man ein Zitat von Erzbischof Lazar Puhalo bezüglich Glauben und Furcht. Und bei dem, was er sagt, kann ich ihm nur zustimmen.

In New York gab es wohl in der U-Bahn ziemlich üble Plakate, die dazu aufriefen, im Kampf zwischen zivilisierten Menschen und „Wilden“ Israel zu unterstützen und den Dschihad, also die religiöse Anstrengung im Islam, zu vernichten. Klar, man will hier mit dem Wörtchen Dschihad, das immer als Krieg gegen alles Ungläubige aufgefasst wird, und Krieg ist böse, da stimmen alle zu, Diskriminierung der Muslime möglich machen. Denn ebenso klar ist, jeder weiß, wer gemeint ist mit „Wilder“: Der Muslim, also alle Muslime. Um dies nicht für Hetze zu halten, muß man schon recht abgestumpft sein. Aber dnn gibt es noch diejenigen, die angegriffen werden, weil sie an der Anzeigenkampagne Kritik äußern. Alles zu lesen bei Sojourners.

Ebenfalls bei Sojourners nachlesen kann man, wie man Naziaufmärsche so richtig vereiteln kann. Allerdings habe ich Zweifel, daß die Antifa hierzulande über genügend Humor verfügt, das umzusetzen.

Nochmals Sojourners, und diesmal geht es darum, wie man (römisch-) katholisch sein kann, und zwar überzeugter Katholik, und trotzdem anderer Ansicht als die Kirchenführung. Hört sich einerseits sehr nach den Leuten vom Dialogprozess an, und auf der anderen Seite erfrischend anders. Und irgendwie reizt es mich jetzt auch, mit ner Nonne  nen Roadtrip zu machen.

Mandy hatte über Dirk Bachs Tod geschrieben und ziemlich üble Mails erhalten, worüber sie wiederum schrieb. Ich frage mich, inwieweit ein Christ es noch für christlich halten kann, derartige Haßmails zu schreiben, wie sie erhielt. Von Liebesgebot keine Spur! Und auch mich befällt da so ein Abgrenzungswunsch. Nich von „der Welt“, sondern von solchen homophoben Spinnern. Und dann denke ich wieder an das Zitat vom Erzbischof Puhalo, und wie Recht er doch hat…

Bei God didn’t say that geht es dann ganz passend um die entsprechenden Stellen zur Homosexualität im AT. Die Deutung, daß hier tatsächlich homosexueller Sex verboten wird, kann man teilen, muß man aber nicht. Ich habe schon zweifel, was das „Liegen mit einem Mann“ angeht, weil sonst für Sex eher „erkennen“ benutzt wird. Wichtig finde ich aber die Frage, was man mit solchen Aussagen anfängt, gegen Ende des Artikels. Denn Schweinefleischverbot und dergleichen belastet uns überhaupt nicht, während es beim Thema Homosexualität immer noch große Kontroversen gibt.

Nochmal Mandy, nochmal im Doppelpack. Sie hat nämlich auch geschrieben über Gebete, und darüber, daß sie oft unbeantwortet bleiben. Lesenswert.

So, jetzt hab ich zwar noch jede Menge Artikel, die ich gerne verlinken würde, es wird mir aber einfach zu viel. Also: Pech gehabt. Nächstes Mal vielleicht wieder.

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2 Kommentare zu Netzfunde von Donnerstag, dem 4. Oktober 2012

  1. Joel H. sagt:

    Wichtig finde ich aber die Frage, was man mit solchen Aussagen anfängt, gegen Ende des Artikels. Denn Schweinefleischverbot und dergleichen belastet uns überhaupt nicht, während es beim Thema Homosexualität immer noch große Kontroversen gibt.

    I agree that it’s an important question, and, as I discuss here („The Bible Says So“ and Other Stupid Arguments), I’m also not happy with the way some leaders answer it.

  2. bundesbedenkentraeger bundesbedenkentraeger sagt:

    Hi Joel, thanks for the comment. And yes, I was aware that you had other articles on the issue, I think you also linked them in the article on Leviticus, so I omitted those further links. I guess poeple interested would read the Leviticus article and find their way from there.
    God bless
    De Benny

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