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Christopher Hitchens und seine 10 Gebote

Im Freitag vom 5.4. gab es nen Artikel zu den 10 Geboten, also eigentlich geht es da um ne Neufassung von verschiedenen Leuten. Am Ende gibt es dann noch einmal 10 ganz neue Gebote von Christopher Hitchens, die mich dann doch zur Kommentierung herausfordern.

Die Hitchens’schen Geboten lauten wie folgt:

1. Veurteile Menschen nie aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe

2. Betrachte Menschen nie als dein Eigentum

3. Verachte jene, die in sexuellen Beziehungen Gewalt anwenden oder mit Gewalt drohen

4. Bedecke dein Gesicht und weine, wenn du es wagst, einem Kind Leid zuzufügen

5. Verurteile Menschen nicht aufgrund ihrer angeborenen Natur – warum sollte Gott so viele Homo­sexuelle erschaffen, bloß um sie anschließend leiden zu lassen?

6. Wisse, dass auch du ein Tier bist und damit abhängig von der Natur – denke und verhalte dich entsprechend

7. Glaube nicht, du könntest einem Urteil entgehen, bloß weil du Leute mit falschen Versprechen statt mit einem Messer bedrohst

8. Schalte das verdammte Mobiltelefon aus — du ahnst nicht, wie unwichtig dein Anruf für uns ist

9. Verurteile alle Fundamentalisten und Kreuzritter, denn sie sind kriminelle Psychopathen mit hässlichen Wahnvorstellungen

10. Sei bereit, jeden Gott und jede Religion zu verleugnen, dessen Gebote den obigen widersprechen

Zuerst einmal zum Positiven: Hitchens hat einige Gebote, denen ich durchaus zustimmen kann. Es sind dies die Gebote 1, 2, 4, und 5.

Zu den anderen Geboten will ich kurz notieren, wieso ich nicht zustimmen kann:

Gebot 3:

Ich halte nichts davon, Menschen zu verachten. Ich verachte Taten. Aufgrund meiner Religion bin ich jedoch angehalten, alle Menschen, inklusive meiner Feinde, zu lieben. Dies bedeutet nicht, daß ich ihre Taten relativieren muß, gewiß nicht. Aber ich trenne Person von Handlung, und bin damit frei, die Person, die sich von ihrem Handeln distanziert, anzunehmen. Vorher schon bin ich frei, solchen Menschen trotz allem auch Gutes zu tun. Nicht als Belohnung für Verbrechen, sondern als Motivation, sich selbst zu reflektieren und eigenes Handeln zu kritisieren. Ich meine das geht leichter, wenn man trotz allem Annahme erfährt. Verachtung führt nur zu Verhärtung und Verstockung. Man kann sich zwar toll fühlen, weil man ja klar zeigt, was man von „solchen Menschen“ hält, aber zur Lösung des Problems trägt man damit nicht bei. Verachtung ist eine Form von Haß, und Haß ist eine Sackgasse.

Gebot 6:

Freilich bin ich ein Tier, biologisch betrachtet, ach wenn es eine lange Tradition gibt, Unterschiede zwischen dem Menschen und anderen Tieren herauszustellen. Auch bin ich in gewisser Form von der Natur abhängig. Ich kann nicht fliegen, die Schwerkraft gilt auch für mich, und dergleichen mehr. Aber ich bin vor allem anhängig von Gott, der mich schuf und beschützt und lenkt (auch wenn ich oft genug ausreiße). Abhängig von der Natur bin ich nur insofern diese von Gott als Rahmen gesetzt ist. Hier geht mir Hitchens nicht weit genug. Genauso könnte er ein anderes Mittelding betonen. Ich bin auch abhängig von Lebensmitteln, von Atemluft oder von gewissen Geldmitteln, die mir den Zugang dazu ermöglichen…

Gebot 7:

Hier hat Hitchens ungewollt recht, denn Gott wird uns alle richten. Aber das meint er wohl nicht. Was diese Welt angeht: Da werden manche nicht mal gerichtet, obwohl sie Menschen mit Messern bedrohen. Insofern ist es eine falsche Versprechung, die Hitchens hier macht. Ob man verurteilt wird, hängt oft von den Machtverhältnissen ab. Und die führen manchmal dazu, daß man sogar ohne Messer und ohne falsche Versprechungen verurteilt wird.

Gebot 8:

Kann ich nicht ernst nehmen.

Gebot 9:

Hier gilt analog, was ich bei Gebot 3 geschrieben habe. Außerdem finde ich es anmaßend, wenn Hitchens sich hier über andere Menschen stellt und sie pauschal als „Psychopathen“ tituliert.

Gebot 10:

Ich bin ja selbst nicht mit allen Geboten einverstanden. Also verleugne ich auf dieser Basis auch niemanden.

Darüber hinaus erscheint mir diese Ansammlung als eine ad hoc Liste mit 10 Punkten, die Hitchens gerade einmal eingefallen sind. Ich lese nichts vom Verbot zu lügen, ich lese nichts von einem Tötungsverbot, aber statt dessen zweimal den Aufruf zum Haß gegen bestimmte „böse“ Menschen und die Forderung bedingunsloser Nachfolge, die sonst in atheistischen Kreisen dem Gott der Bibel ja gerade angelasett werden.

Hitchens‘ 10 Gebote sind nicht einmal eine geistreiche Entgegnung, haben nicht einmal eine durchdachte Struktur, die den 10 Geboten der Bibel nahe kommen könnten, und vermissen jede innere Stringenz und Gesamtkonzept. Man kann sie durch beliebige andere willkürliche Forderungen ersetzen, ohne daß der Gesamttext groß Schaden nimmt.

Vor diesem Hintergrund wundere ich mich, wieso dieser Hitchens so ne große Nummer war. Seine 10 Gebote müssen da ein gewaltiger Ausreißer nach unten gewesen sein.

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