Von Werken und Gemeindewachstum

Peter hat eine Erfahrung im Zusammenhang mit der Betriebswirtschaft in einem Artikel gebracht:

Ein Dozent berichtete vor kurzem, er habe in einem Seminar mit BWL-Studenten gefragt, was der Zweck eines Unternehmens sei. 90% antworteten “Geld verdienen”. Er sei versucht gewesen, “setzen, Sechs.” zu antworten, habe dann aber etwas behutsamer erklärt, dass Gewinne zwar zum Überleben des Unternehmens wichtig seien, aber eben kein Selbstzweck.

Das erinnert mich ein wenig an meine erste BWL Vorlesung, damals 2001, bei einem gewissen Herrn Pampel, der durchaus verschiedene Ziele eines Unternehmens aufzählte, dann aber alles unter „Gewinn machen“ subsumierte, da man alle weiteren Ziele über Geld erreichen könnte.

Dies war der einzige Satz, der von dem Pflicht-BWL, das ich als Student der Softwaresystemtechnik belegen mußte, hängen blieb (ich wrde mit dem Fach nicht besonders warm und meine Noten waren unterirdisch. Später belegte ich in Mainz als Theologiestudent noch einmal „VWL für Nichtökonomen“, das vom Dozenten nach meiner subjektiven Meinungbesser aufgebaut war nd mir mit einer 2 auch ne erheblich bessere Note bescherte, Wirtschaft an sich find ich schon spannend, aber naja…).

Jedenfalls hab ich mich oft über diese Engführung der Unternehmensziele geärgert, weil eben Gewinnmaximierung einigen Zielen zuwiderlaufen kann, auch wenn man sie dann nachträglich per Geldinvestition verfolgt. Wenn man so am Ende zu einem gewissen Ausgleich zwischen Gewinn und eigentlichem Ziel kommt, kann man froh sein, in den seltensten Fällen kommt man dem eigentlichen Ziel so viel näher, nach meiner Überzegung.

Genug WiWi-Gebashe! Peter bezieht das Ganze dann auf die Kirche, und zwar nicht auf die Kosten- nd Spardebatten, die in den Landeskirchen allenthalben toben (das wäre nochmal ein eigenes Thema!), sondern auf die Wachstumszentrierung, die es so häufig gibt.

Er setzt dem Streben nach vielen Mitgliedern (oder geretteten Seelen) das „suchet der Stadt bestes“ entgegen. Ebenso wenig wie Gewinnmaximierung alleiniger Zweck des Unternehmens ist, ist Mitgliederwachstum alleiniger Zweck der Kirche:

In dem Moment, wo sich irgendeine Organisation als Selbstzweck definiert, verhält sie sich ihrer Umgebung gegenüber parasitär. Denn selbst der gesündeste Organismus wächst nicht grenzenlos vor sich hin. Und wenn Zellen im Körper nichts anderes mehr im Sinn haben, als möglichst schnell zu wachsen, dann ist das ein Tumor.

Ich meine, Zweck der Kirche ist es, zu Verkünden, sicher, und für diejenigen, die angesprochen werden, auch Gemeinschaft zu sein. Aber eine Gemeinschaft um der Gemeinschaft willen ist doch etwas kurz. Was soll man in der Gemeinschaft tun, außer mal so richtig gemeinschaftlich zu sein und noch mehr Gemeinschafter zu werben?

Ich meine, da kommt dann ganz schnell das Nächstenliebegebot zum Tragen. Wir sollen ja auch Salz der Erde sein. Das schlägt sich dann wohl in entsprechenden Taten (Werken) nieder. Diese sind vielleicht nicht nötig, um sich das Heil zu erwerben (als ob man als Mensch das selbst tn könnte!) und sich selbst zu retten, wohl aber werden gute Werke als Beleg des rechten Glaubens genannt (Glaube ohne Werke ist tot). Und ich meine, es ist durchaus zu kurz gegriffen, wenn man unter den Werken dann nur Evangelisierung versteht. Das hat dann auch ne recht schwache Außenwirkung. Wenn wir unseren Glauben bewerben, dann ist das nachvollziehbar, aber nur normal. Jeder wirbt für die eigene Gruppe, das eigene Produkt. Wenn sonst nichts (oder nicht viel) kommt, ist der Vorwurf bestimmter Atheisten schnell gemacht, daß es uns nur ums Geld ginge, das wir von Neumitgliedern abgreifen könnten.

Andersrum ist aber Handeln in Nächstenliebe ebenfalls gute Werbung und Provokation zum Nachfragen: Wieso tun die das? Damit hat man dann auch einen Anknüpfungspnkt zur Verkündigung. Vielleicht wächst man nicht so schnell, aber man hat einen Zweck, der außerhalb der Kirche selbst liegt. Das Salz ist nicht dazu da, salzig zu sein, sondern um andere Speisen zu würzen. Es hat keinen Selbstzweck.

Das Wachstum allerdings liegt nicht in unseren Händen. Die Bibel gibt uns auch nirgends den Auftrag, ne gewisse Wachstumsrate zu erfüllen, oder eine bestimmte Taufrate. Der Glaube, und damit der Wunsch zur Taufe und die Mitgliedschaft, kommen von Gott. Es liegt in Seiner Hand. In unserer Hand liegt es, zu sähen, also zu verkündigen und Liebe zu üben untereinander und zu allen. Vielleicht sollten wir, bevor wir uns um Gottes Job kümmern, unseren eigenen machen.

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