Tageslosung vom 28.03.2012 (Jes 30, 21)

Wenn ihr zur Rechten oder zur Linken abweichen wollt, werden deine Ohren den Ruf hinter dir vernehmen: »Dies ist der Weg, den gehet!«

Das Königreich Juda im ausgehenden 8. Jhd. v. Chr. Vom Großreichs Davids, falls es das je gegeben hat, ist nicht mehr viel übrig. Das Nachbarreich Israel wurde 722 von den Assyrern endgültig erobert, und um Juda und seine Hauptstadt Jerusalem steht es ebenfalls nicht gut: Während die Assyrer grob das Gebiet des heutigen Iraks, Syriens, des Libanons und Teile Israels und Jordaniens beherrschen, besteht das Königreich Juda aus nicht viel mehr als der Umgebung Jersalems. Die Lage ist aussichtslos.

Will man den Assyrern etwas entgegensetzen, so braucht man Verbündete. Doch alle, die in Frage kämen, wurden von Assyrien schon unterworfen. Alle – außer Ägypten.

Ägypten ist eine Großmacht. Ähnlich wie die wechselnden Reiche des Zeistromlandes sind sie eine Größe, die man in Nahost einkalkulieren muß. Selbst heute noch. Und auch heute noch kennen wir den Reflex, bei (militärischer) Bedrohung nach der Hilfe von ausländischem Militär zu rufen. So riefen die Libyer nach der NATO und der Scheich von Bahrain nach den Saudis.

Für die Realpolitiker in Jerusalem steht eines fest. Wenn irgendwie Hilfe gegen Assyrien möglich ist, dann liegt die in Ägypten. Nur Ägypten wäre in der Lage, eine Militärmacht aufzustellen, die den Assyrern die Stirn bieten könnte. Freilich hätte man dann das Problem mit einem starken Ägypten, so wie jetzt mit einem starken Assyrien, doch man könnte sich vielleicht durch eine Schaukelpolitik einen Freiraum schaffen, so daß die Einschränkungen nicht zu groß würden.

Doch Gott ist kein Realo, Er ist eher Fundi:

Weh den abtrünnigen Söhnen, spricht der HERR, die ohne mich Pläne fassen und ohne meinen Geist Bündnisse eingehen, um eine Sünde auf die andere zu häufen, die hinabziehen nach Ägypten und befragen meinen Mund nicht, um sich zu stärken mit der Macht des Pharao und sich zu bergen im Schatten Ägyptens!

So lauten die ersten Verse des 30. Kapitels bei Jesaja. Im Gegensatz zu den Realpolitikern wird die Lage bei Jasaja anders gedeutet. Sicher, die Assyrer bedrängen Jerusalem. Aber das ist nicht so, weil Jerusalem zu wenige Verbündete und selbst zu wenig Militär hätte. Das Auftreten der Assyrer ist eine Strafe Gottes. Ursache ist der Verhalten der Judäer:

So geh nun hin und schreib es vor ihnen nieder auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch, dass es bleibe für immer und ewig.

Denn sie sind ein ungehorsames Volk und verlogene Söhne, die nicht hören wollen die Weisung des HERRN, sondern sagen zu den Sehern: »Ihr sollt nicht sehen!«, und zu den Schauern: »Was wahr ist, sollt ihr uns nicht schauen! Redet zu uns, was angenehm ist; schaut, was das Herz begehrt! Weicht ab vom Wege, geht aus der rechten Bahn! Lasst uns doch in Ruhe mit dem Heiligen Israels!«

Die Judäer scheren sich nicht mehr groß um Gott, den „Heiligen Israels“. Die Propheten nerven sie. Sie wollen nicht hören, was diese zu sagen haben, lieber wollen sie hören, was ihnen angenehm ist. Das ist das Problem, nicht die Stärke der Assyrer, die ist nur Folge. Das Nordreich Israel war zu Grunde gegangen, dort hatte man auf Propheten wie Amos nicht gehört, die die sozialen Ungerechtigkeiten anprangerten.

So nun auch in Juda und Jerusalem. Die Mächtigen dünken sich weise und suchen vor allem, ihre Macht zu erhalten. Deshalb wenden sie sich nach Ägypten. Und zwar ohne den Gott zu befragen, der durch seine Propheten schon seit längerem ansagen läßt, was schief läuft. Allerdings sind diese Ansagen der Propheten unangenehm. Es müßte sich so viel ändern, daß man doch lieber sieht, ob man nicht mit dem alten System, es selbst zu versuchen, weiterkommt. Also wendet man sich nach Ägypten. Und häuft damit eine weitere Sünde auf. Nachdem man die Prophetenworte verworfen hat, wendet man sich an eine ausländische Macht, statt an den eigenen Gott.

Und was läßt der nun Seinen Propheten sagen?

Er wird dir gnädig sein, wenn du rufst. Er wird dir antworten, sobald er’s hört.

Die Realpolitiker müssen nur umkehren, sich nur Gott zuwenden, dann wird Er sie retten. Und dann kommt der Losungstext:

Deine Ohren werden hinter dir das Wort hören: »Dies ist der Weg; den geht! Sonst weder zur Rechten noch zur Linken!«

Und ihr werdet entweihen eure übersilberten Götzen und die goldenen Hüllen eurer Bilder und werdet sie wegwerfen wie Unrat und zu ihnen sagen: Hinaus! Und er wird deinem Samen, den du auf den Acker gesät hast, Regen geben und dir Brot geben vom Ertrag des Ackers in voller Genüge. Und dein Vieh wird zu der Zeit weiden auf weiter Aue. Die Rinder und Esel, die auf dem Felde ackern, werden gesalzenes gemengtes Futter fressen, das geworfelt ist mit Schaufel und Wurfgabel.

Es ist eine Heilszusage. Wenn Juda sich Gott wieder zuwendet, wird Er es retten. Er wird wieder den Weg vorgeben, und niemand wird von der rechten Bahn abweichen.

Es kam auch wirklich so weit, daß die Assyrer Jerusalem belagert haben. Eingenommen haben sie es nicht. In Kapitel 37 des Jesajabuches lesen wir, wie König Hiskia von Juda sich an Gott wendet, der daraufhin seinen Engel schickt, und das Heer des assyrischen Großkönigs Sanherib schlägt.

Zur Belagerung von Jerusalem sind übrigens auch Darstellungen der Assyrer erhalten, die zwar behaupten, Hiskia geschlagen zu haben (kein einziger Herrscher im Nahen Osten hat nach seinen Angaben je einen Krieg verloren, das ist wie bei den Wahlanalysen der Parteien), aber es fehlen die üblichen Beschreibungen der Zerstörng und Ermordung des Königshauses.

Im letzten Jahr hat das ZDF, wie ich gerade sehe, eine Terra X Sendung zum Thema ausgestrahlt, die immer noch abrufbar ist.

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